Folgende Sätze sind dabei an die Adresse des Liberalismus gerichtet:
Die Liberalen waren doch nicht immer so. Wie oft sind die Ma tional liberalen mit dem Zenttum Msam menge gang en, Äim. „Positiv zu schaffen", auch in Fragen ersten Ranges, wie kbenn Bürge-rliclien Gesetzbuch ftir das Deutsche Reich. Und wie Mn I?übcrt sie die Unterstützung der Zentrumswähler für fcfrte Kandidaten angenommen, z. B. int Gr o ßherzo g tum Hessen, wo allerdings die Gegenleistung wiederholt ausge- blieben ist oder nicht gewährt werden konnte. Auch der Freisinn hat früher häufig genug, wenigstens in der Abwehr, gemeinsame Sache mit dem Zentrum gemacht. Und was die Wahlen pnlangt, so ist mehr als ein Zettel Eugen Richters durch mente Hände gegangen, in welchem er mit äußerster Knappheit Windthorst darlegte, wie das Zentrum (zuweilen schon im ersten Wahlgange) verfahren ntüsse, um dem freisinnigen Kandidaten Mr Mehrheit zu verhelfen. Was v. Bennigsen und Eugen Richter unbedenklich übten, kann doch auch die Herren Paaschc und Pachmck-e nicht wohl schünden.
Wenn es mit der „Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte" Ernst werden soll, so muß vor allem und von allen die Gleichberechtigung des Zentrums anerkannt werden. Das Zentrum ist da und bleibt da. Und schließlich kann man es ihm doch nicht verübeln, daß es sein und daber sein will. Zerreiben läßt es sich nicht, und ausschalten kann man >es auf die Dauer auch nicht. Der Versuch ist dem Fürsten Bismarck beim Kartell und dem Fürsten Bülow beim Block mißglückt.
Fährt man fort, das politische Zusammenwirken mit dem Zentrum als etwas geradezu Kompromittierendes, als etwas Entehrendes hinzustellen, so wird die Stimmung gründlich verdorben intb die „Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte", zu denen doch das Zentrum gehört und gehören muß, aufs äußerste erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Wenn das so weiter geht, so muß das Zentrum schon aus dem Gebote der Selbstachtung darauf verzichten, den Liberalen irgendwo und irgendwie an die Seite zu treten.
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Der gegenwärtige Stand der österretchlschen 2ueavnougytbailten.
Die „N Fr. Pr." schreibt: Der Kiel für die ersten beiden Dreadnoughts unserer Marine auf den Hellingen des Stabi- limento Tecnico zu Triest ist Mitte Mai dieses Jahres gelegt worden. Diese Schiffe werden nach den von der Marineverwaltung überprüften und angenommenen Konstruktionsplänen einstweilen auf private Rechnung der Werft erbaut. .DieseSchiffe gehen abersofortin das Besitzanrecht der Krietzs- marine über, sobald die ersten Raten der mit etwa 58 Mrll. per Einheit veranschlagten Baukosten erlegt sein werden, was natürlich nicht früher geschehen kann, als bis die beiderseitigen Delegationen die bezüglichen Vorschläge der Marineleitung angenommen, die Bedeckung der Kosten votiert haben und die Finanzverwaltnug hie erforderlichen Geldmittel sichergestellt haben wird. Um eine Verzögerung in den für die Flotte nötigen Schiffsbauten hintanzuhalten und gleichzeitig den großen und kostspieligen Werftbetrieb nicht einschränken zü müssen, hat sich die Werft entschlossen, die ziemlich bedeutenden Summen, jdie schon der Baubeginn erfordert, aus eigenem aufzubringen. Infolge dieser Entschließung konnte bereits im November vorigen Jahres an die Materialbeschaffung geschritten werden, die vollständig im Jnlande erfolgte und an der die heimischen Hüttenwerke partizipierten.
Im Mai wurde nach dem Freiwerden der zweiten Helling der Werft von San Mareo durch die am 12. April ä:folgte Stapellassung des Kriegsschiffes „Zrinhi", der letzten EinhÄt der Radetzky-Klasse, mit der eigentlichen Baulegung des ersten Dreadnought begonnen, so daß gegenwärtig, nach sechswöchentlicher Bauzeit, bereits die ersten Rudimente des neuen Stahlkolosses, nämlich der Kiel, die untersten Platten des Triplebodens, sowie die Längs- und Querspanten der Bodenkonstruktion auf den Stapelunterlagen liegen. Das übrige Baumaterial steht an Ort und ^Stelle bereit. Trotz des um etwa 6000 Tonnen größeren Deplazements wird angesichts der vom Stabilimento bisher stets bewiesenen großen Erfahrung und Terminvünktlichkeit im Kriegsschiffbau in Marinekreisen mit Bestimmtheit angenommen, daß, sofern keine unvorhergesehenen Störungen eintreten, nach vierzehn- bis fünfzehnmonatlicher Bauzeit für den Schiffsrumpf die Stapellassung unseres ersten Dreadnought im August oder September 1911 gewärtigt werden kann. Eine Gesamtbauzeit von 36 bis 40 Monaten zu Grunde legend, dürste dieses 22 000 Tonnen-Schiff dem-, nach im Herbst 1913 in Dienst gestellt werden können.
Das unmittelbar neben dem Typschifse in Bau gelegte Schwesterschiff, der zweite „Dreadnought", der etwas langsamer und mit Verwertung der bei dem „Dreadnought I" gemachten Erfahrungen gebaut wird, dürfte etwa ein halbes Jahr später stapellauffähig bezw. ausrüstungsbereit werden.
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Die Vorgeschichte des russisch-japanischen Abkommens.
Die Wiener „Politische Korrespondenz" erhält aus Petersburg aus kompetenter russischer Stelle über die Vorgänge, die zu dem russisch-japanischen Uebereinkommen führten, folgende Aufklärungen: Die Verhandlungsanfclnge reichen etwa zwei Jahre zurück und setzten mit dem Besuch des jetzigen japanischen Verkehrsministers Baron Goto in Petersburg ein. DaS^Anerbieten ging somit von japanischer Seite aus. Goto trat zunächst an den Finanzminister Kokozew mit der Frage heran, ob Rußland die Hand zu einer rationellen Regelung der wechselseitigen Verkehrsinteressen im mandschurischen Eisenbahngcbiet bieten würde. In der Zusammenkunft deS russischen Finanzministers mit dem Fürsten Ito in Chardin bekundete sich auf das klarste das Entgegenkommen Japans, um in einer neuen Vereinbarung die letzten Ueber- bleibsel der nach dem Friedensschluß von Portsmouth in Schwebe befindlichen oder noch nicht klargestellten Punkte des Uebereinkommens aus dem Jahre 1907 nunmehr endgiltig zu liquidieren. Sachlich falsch ist daher die Annahme, daß der bekannte Neutralisierungsvorschlag für die mandschurische Eisenbahnregion, mit welchem der amerikanische Staatssekretär Knox erst im November 1909 hervortrat, den Anlaß zum Abschluß des jetzigen russisch-japanischen Uebereinkommens gegeben hätte. Dagegen kann nicht geleugnet werden, daß von den angedeuteten Tatsachen eine gewisse beschleunigende Wirkung ausgiug. Eine Entstellung der wirklichen Verhält- nlsse liegt auch in der Behauptung, daß das neue Abkommen eine Spitze gegen die Vereinigten Staaten berge. Vielfache und sehr eingehende Unterredungen zwischen dem russischen Finanzminister und dem Botschafter der Vereinigten Staaten in Petersburg haben im Gegenteil eine vollständig befriedigende V erständigung über die Amerika berührenden Fragen in dieser Angelegenheit herbeigeführt.
Deutsches Reich.
Der „Vorwärts" veröffentlicht die vorläufige Tagesordnung des diesjährigen sozialdemokratischen Parteitages in Magdeburg, der am 18. September beginnt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die Wahlrechtsfrage, Berichterstatter H. Borchmann, die Reichsversicherungsordnung, Berichterstatter,
H. Molkenbur, die Gene sfenfchaftsf rage, Berichterstatter H. Fleißner, die Maifeier, Berichterstatter H. Müller.
2luslaH&.
Aus Ko n stanti n o vi?l wird gemeldet: Eine militärische Mission unter Marschall Abdullah-Pascha, dem kommandierenoen General des 24 Armeekorps, ist nach Deutschland abgereist, um den Manövern beizuwohnen.
Wie das Schatzamt in Washington bekannt gibt, wird ant 29. Juli eine Versammlung der Bankiers von New- y o r k stattfinden, um eine ^Bereinigung zur Regelung der Umlaufsmittel nach den von Mc. Veagh befürworteten Grundsätzen zu schaffen. Veagh schlug am 17. Juli vor, in Dublin und New Hampshire eine Vereinigung zu schaffen, um in Zeiten des Geldmangels im Herbst und während der Periode des Umsatzes der Ernte Ersatznoten auszugeben: wie es heißt, sollen in kurzer Zett auch in Chicago und Boston derarttge Vereinigungen geschaffen werden.
Aus Stadt und LnnS.
Gießen, 21. Juli 1910.
•• Das russische Kaiserpaar ins Oberhessen? Wie uns aus Friedberg drahtlich gemeldet wird, verlautet bestimmt, daß das russische Kaiserpaar mit Familie Anfang August dort eintreffen und im Großh. Schloß für längere Zeit Aufenthalt nehmen wird. Die gegenwärtig im Schloß und im Schloßgarten mit Beschleunigung ausgeführten Ausbefferungsarbciten und Neuanlagen sollen im Hinblick auf diesen Besuch vorgenommen werden.
*' Vereinfachung im Justizdienst. Zur Vereinfachung des Geschäftsbetriebes hat das Ministerium der Justiz ein größeres Ausschreiben erlassen mit Rücksicht darauf, daß die periodisch erscheinenden Uebersichten und Listen im Lause der Zeit derartig gestiegen sind, daß für nötig erachtet wurde, die bestehenden Vorschriften einer Prüfung zu unterziehen, inwieweit derartige Vorlagen ohne Schädigung dienstlicher Interessen entbehrt werden können. Zu unterbleiben haben sonach von jetzt ab z. B. Berichte über die für die Bibliotheken neu erworbenen Bücher, die jährlichen Berichte und Uebersichten über die Geschäftsführung der Hypothekenämter, die Uebersichten über die Fälle der bedingten Begnadigung und des bedingten Strafaufschubes, Verzeichnisse über die an die Landesuniversität abgelieferten Leichen, Uebersichten über die anhängig gewordenen Haftsachen, Uebersichten über den Stand und die Prüfung des Depositenwesens, die Listen der zu Geschworenen und Hilfs- geschworenen geeigneten Personen u. w. Eine große Anzahl von Uebersichten und Berichten sind in Zukunft nicht mehr jährlich, sondern in größeren Zwischenräumen zu liefern. Weitere Vereinfachungen stehen bevor.
• • Historische Kommission. Der Großherzog hat den Oberlehrer Lio. theol. Fritz Herrmann zu Darmstadt und den katholischen Pfarrer i. P. Dr. Peter Bruder zu Dieburg zu Mitgliedern der Historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen ernannt.
* * Ueber das religiofe Moment im mobernen Roman wird, worauf wir von geschätzter Seite aufmerksam gemacht werden, im nächsten Wintersemester Prof. Schian an der Landesuniversität eine Vorlesung halten.
* * Erhebungskosten der Landwirtschafts- kammer-Bei träge. Das Mitglied der Landwirtschaftskammer für Hessen, Hensel-Dortelweil, hatte in der Landwirtschaftskammer den Antrag gestellt, an die Regierung das Ersuchen zu richten, auf die bisher in Ansatz gebrachten Gebühren der Finanzämter für die Erhebung der Beiträge zur Landwirtschaftskammer zu verzichten. Dieser Antrag wurde in der Kammer einfiiinmtg angenommen. Das Großherzogliche Ministerium hat ihn jedoch durch folgende Entschließung abgelehnt:
„Großherzogliches Ministerium der Finanzen hat b-ei der mit unserer Einwilligung vorgenommenen Festsetzung der Gebühren für die Tätigkeit der Großherzoglichen Finanzämter für die Landwirtschaftskammer den tatsächlichen Aufwand für Gehilfen gehalte und Vergütungen sowie für Formulare ermittelt und diesem Ergebnis einen mäßigen Zuschlag zugesetzt für, solche Kosten, die außerdem für diese Tätigkeit der Staatskasse erwachsen, aber nicht ziffermäßig sich berechnen lassen. Als solche kommen in Betracht die Kosten für die Tätigkeit der Vorstände der Finanzämter und die allgemeinen Bureau- koften, insbesondere die Ausgabe für Miete, Heizung, Beleuchtung, Reinigung der, Bureauräume usw., ebenso die Kosten für die mit der Ausführung verbundenen Nebenarbeiten, wie Schriftwechsel mit den Bürgermeistereien und sonstigen Behörden, Erledigung der Berufungen und weiteren Berufungen gegen die Landwirtschaftskammer-Beiträge (Art. 40 letzter Abs.). Da auf Grund des Artikels 43 letzter Absatz des Landwirt- schastskammergesetzes die Landwirtschaftskammer verpflichtet ist, den durch die Tätigkeit der Finanzämter entstehenden Aufwand des Staates zu ersetzen, so hat Großherzogliches Ministerium der Finanzen es abgelehnt, die fstr diese Tättgkeit festgesetzten Gebühren zu ermäßigen/'
* * Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der eoang. Schule zu Nierstein, eine mit einem kctth. Lehrer zu be- etzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gabsheim.
** Studenten und politische Vorträge. Im Case Ebel sand heute der dritte der durch Studenten der Landesuniversität veranstalteten politischen Borträge statt. Dr. jur. Meuser machte die persönliche Bemerkung, daß ihm vom Rektor der Landesuniverfität nahe gelegt worden ei, um seine Exmatrikulation einzukommen, du er als Einberufer der Versammlung gegen das Statut der Landesuniverfität gefehlt habe. Diesem Wunsche habe er auch enffprochen. Die Anzeige über die Streichung seines Namens in der Universitätsmatrikel sei ihm infolgedessen bereits zu- gegangen. Der relegierte Student Schmitt erblickt darin, wie er in einer persönlichen Bemerkung ausführt, eine ungleiche Behandlung in der Beurteilung eines und desselben Vergehens und widerruft die im „Gießener Anzeiger" von ihm erschienene Erklärung, wonach er seine Bestrafung als zu recht bestehend anerkannt hatte. Darnach erhielt Oberlehrer Dr. Str eck er-BadMauheim das Wort zu einem Vortrag: „Die Aufgaben der fortschrittlichen Volks- wrtei." Er führte aus: Die Ziele einer Partei, also auch der fortschrittlichen Volkspartei, seien Ideale, deren Verwirklichung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten stehen. Von jeher stehen sich, so führte er aus, zwei Staatsaufassungen gegenüber, die konservative und die liberale. Nach iberalen Grundsätzen rnüsse es dem Einzelnen möglich sein, ein geistiges Sein, also auch sein polittsches Denken, in )en Strom des allgemeinen Staatslebens einmünden zu lassen. Wo das dem vernünftig denkenden Staatsbürger nicht möglich gemacht wird, sei die Form des Staatswesens nicht die richtige. Die Anschauungen der fortschrittlichen Volkspartei seien unvereinbar mit den Prinzipien der rechtsstehenden konservativen Partteien, hie das Polk in
tischer Unselbständigkeit und Bevormundung erhalten wollen. Das fei aber keineswegs national, denn in der freien Entfaltung aller Kräfte müsse der Hebel für den kulturellen Aufschwung eines Volkes erblickt werden. Weniger verschieden sei die fortschrittliche Bolkspartei von der Sozialdemokratie. Es sei wohl möglich, in vielen Punkten eine große Strecke gemeinsam mit ihr zu marschieren. Doch müsse immer betont werden, daß seine Partei das historisch Gewordene berücksichtige und stets mit dem rechne, was zur Zeit erreichbar sei. Alles Gewaltsame sei von vornherein ausbeschlossen. Nach diesen mehr allgemeinen Gedanken ging der Redner auf die besonderen Punkte des Programms über: Wahlrecht, Schule, Kirche, Wirtschaftspolitik. In wirtschaftlichen Fragen stehe seine Partei auf dem Standpunkte, daß sie nicht in dem Maße in den Vordergrund geschoben kverden dürfen, wie dies von anderen Parteien geschehe. Das Koalv- tionsrecht, das nur auf dem Papiere stehe, fei bem Arbeiter in weitesten Umfange zu gewähren, ebenso, die Fortführung der sozialen Gesetzgebung zu fordern. Alle Maßnahmen, die die Bessergestaltung des Handwerks und die Lage des kleinen und mittleren Bauernstandes zu heben geeignet seien, würden von feiner Partei wirksam unterstützt. Vom Schutzzoll habe aber nur der Großgrundbesitz Vorteile. Die den kleinen Manu am schwersten treffenden indirekten Steuern müssen durch direkte ersetzt werden: Einkommensteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer. Ein Zusammenschluß aller liberalen Kreise mit Einschluß der Sozialdemokratie sei das beste Mittel, der drohenden Reaktion mit Erfolg entgegenzutreten. — An der freien Aussprache beteiligten sich der Stadtverordnete Krumm und der frühere Student M. S ch m i t t. Da angeblich kein nationalliberaler und ultramontaner Redner sprechen wird, soll für dieses Semester fein weiterer Vortrag in Aussicht genommen werden. — Selbstverständlich sind die Anschauungen des Herrn Dr. Strecker, ebensowenig wie die des Herrn Krumm, die unsrigen. Aus unserer objekttven Inhaltsangabe werden die Leser leicht sehen, wo die Krittk, die wir uns ersparen wollen, einsetzen müßte.
** Verein der Freundinnen junger Mädchen. Auf der Nationalkonferenz des Vereins, die im vorigen Monat in Weimar stattfand, wurde eine neue Organisation des großen Werkes beschlossen. Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich von jetzt an nicht mehr in Berlin, sondern in Schloß Schönberg in Hessen, wohin alle Zuschriften zu richten und von wo auch alle Drucksachen, vor allem die Ratgeber für junge Mädchen, zu beziehen sind. Vorsitzende ilt Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg, stellvertretende Vorsitzende Frau Julius Schniewind-Elberfeld.
•’ Der Großh erz og von Hessen und derPhoio- graph. Eine amüsante Episode ereignete sich in Filey in der Nähe von Scarborough, wo der Großherzog und die Großherzogin von Hessen zurzeit weilen. Während die königlichen Besucher das tägliche Seebad nahmen, kam ein Preffe- photograph herangeschlichen und knipste die beiden Hoheiten, die nur recht simpel bekleidet waren. Das Attentat wurde jedoch vom Großherzog bemerkt, der ganz verwirrt ausrief: „No, na!" Der Photograph machte später am Tage dem Großherzog seine Aufwartung und überreichte ihm die Platten, mit einer Entschuldigung, die dieser lächelnd annahm.
*’ Die An 1 agemusik unserer Regiments kapelle fällt seit längerer Zeit gänzlich aus, was wohl darin seinen Grund hat, daß die Kapelle in diesen Festmonaten meistens auswärtig tätig ist. Es würde sich vielleicht empfehlen, die dadurch ausfallenden Promenadekonzerte an Wochentagen nachzuholen.
** Monako im kleinen. Eine AutomaLeuj- Ausstellung besitzt nunmehr auch Gießen, eine Errungenschaft, auf die es wahrlich nicht stolz zu sein braucht. Denn ausgestellt sind lediglich Spielapparate, die dazu bestimmt sind, denen, die nicht alle werden, die Zehnpfennigstücke aus der Tasche zu ziehen. Einzelne Gerichte haben ja «allerdings entschieden, daß es sich bei den fraglichen Apparaten um Geschicklichkeitsspiele handle, aber wer einmal den Betrieb ansieht, wird eher zu der Ansicht neigen, daß es richtige Glücksspiele sind. Das Glück ist selbstverständlich fast ausschließlich auf der Seite des Unternehmers, während die Spieler in den allermeisten Fällen lediglich ihr Geld los werden. Kindern ist ja der Besuch, wenn sie nicht in Begleitung Erwachsener sind, verboten, und Angetrunkenen und Kindern — eine reizende Zusammenstellung! — ist nach den aushängenden Plakaten die Benutzung der Spielapparate untersagt, aber die jungen Leute zwischen 14 und 20 Jahren sind zugelassen und das sind die Mters- Haffen, bei denen in erster Linie ein Geschäft zu machen ist. Und einträglich muß das Geschäft sein, bezahlte doch z> B. der hiesige Unternehmer für jeden Automaten nicht weniger als 80 Mk. Stempelsteuer. Wie viele Groschen müssen da auf Nimmerwiedersehen verschwinden, bis nur dieser Betrag aus den Taschen der Besucher herausgeholt ist, und wie viele edlere Genüsse könnten mit diesem Gelde bestritten werden! Wir beobachteten z. B. gestern abend, wie ein junger Mann einmal 1.10 Mk. bekam. Fünf Minuten später war der Gewinn fort und noch mehr dazu. „Wenn ntan etwas gewonnen hat, muß man aufhören", meinte er. Da ist es doch schon besser, nicht erst anzufangen. Wir wiffen nicht, ob es möglich sein wird, auf Grund der bestehenden Gesetze der sog. Ausstellung ein Ende zu bereiten. Umsomehr aber sollten Eltern, Schule und Lehrherren daraus achten, daß die Jugend von der durch die „Ausstellung" hervorgeruse- nen Sucht nach leichtem Gewinn frei bleibt, da sie nur Herz und Gemüt des Herauwachsenden Geschlechts vergiftet.
** Unwetter. Die in unserer Umgebung, besonders in der Richtung nach Lich und Hungen zu, in der 2. und 3. Mittagsstunde am Montag gefallenen außergewöhnlichen, wolkenbruch- artigen Gewitterregen sind nach den Messungsergebnissen die stärksten dieses Sommers in der besonders betroffenen Gegend gewesen. Es sind, wie uns mitgeteilt wird, an einzelnen Orten 30 — 35 Millimeter Rege nm enge gemessen worden — hohe, in unserer Gegend selten erreichte Zahlen.
** Obst- und Gemüseverwertungskurse. IDer Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Oberhessen wird in Großen-Buseck vom 9.—11. August und in Hungen vom 16.—18. August Obst- und Gemüseverwertungsürrse abhalten. Neben Belehrung über die Zusammensetzung, die Ernte und Aufbewahrung, sowie den Versand des Obstes soll in erster Linien seine Verwertung im Haushalt gelehrt und durch Vorführung der Fruchtsaft-, Gelee-, Marmelade-, Mus- und Latwerge-Bereitung erlernt lverden. Weiterhin wttd das Einmachen von Obst, sowie das Dörren von Obst unb Gemüse und die Verivertung der Ge-, müsearten gezeigt werden. Da die Zahl der Tellnehmerin.nen an den Kursen beschränkt ist, sind Anmeldungen baldigst bei der betreffenden Bürgermeisterei oder dem Landwirtschaftskammer-Ausschuß in Gießen zu bewirken. Bei der Zulassung tvird in erster Linie berücksichtigt, ob die Eltern oder Ehegatten der Kursistimum beitragspflichtig zur Landwirtschaftskammer oder Mitglieder des Obstbauverrins. sind.


