Nr. 168
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Auzeiger Gießen.
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Erftes Blatt
160. Jahrgang
Donnerstag Äl.Juli 1910
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
K. Neurath; für Stadt u. Land" und „Gerichts- Rotatiotisöntrf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Zteindruckeret R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. y^genied^^ed?
Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pfdurch diePostMk.2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Ehefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goey; für »Feuilleton* und „Vermischtes"
Der Maka-Ausstand und seine schnelle Niederwerfung.
Im Süden Kameruns tl-ohnen die auf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Mcrka, denen man sogar Menschenfresserei nachsagt und deren völlige Unterwerfung bisher dem Gouvernement noch nicht gelungen ist. Trotzdem hatten sich dort einige Faktoreien niedergelassen, um mit den Maka Handelsgeschäfte $u treiben. Obwohl sich die Sache Zunächst gut anließ, verhehlte doch das Gouvernement 'den dort ansässigen Kaufleuten niemals die Gefahr, in der sie sich im Falle eines Eingeborenen-Aiufstandes -befinden -würden, ja es machte ihnen sogar den Vorschlag, das Mcrka- lauä nördlich des Npong-Flusses Zu sperren, scch jedoch von Lieser Maßregel ab, da die Kaufleute erklärten, daß eine Sperrung Mischen Jaunde und Dume eine außerordentliche .'Erschwerung, ja teilweise Vernichtung des Handels in den hauptsächlichsten Gummibezirken mit sich bringen würde.
Und doch wäre eine solche Sperrung des Makalandes durch Militärposten, wenn man sich vorerst! nicht Zu einer völligen ^Niederwerfung der Maka entschließen wollte, dringend notwendig gewesen. Denn im Mai erhoben sie sich rn alter ihrer Wildheit, ermordeten den Kaufmann Airno -B retschn eider und griffen Zweimal die Station Dume an, so daß sich Hauptmann M a r s ch n e r, der diese Station lömmwrdierte, schließlich zurückziehen mußte. Dennoch unternahm er fortgesetzt Vorstöße ins Makaland, und es -ist nur seiner Energie zu danken, daß der Aufitand Glicht größere Ausbreitung annahm, wobei Zahlreiche Menschenleben und viele Millionen an Handelswerten vernichtet worden wären.
Trotzdem hätte sich Hauptmann Marschner mit seinem schwachen Kommando farbiger Soldaten kaum auf die Dauer halten können, falls ihm nicht weitere Unterstützung wurde. Leider aber ist Dume mit der Küste nicht telegraphisch verbunden, so daß Hauptmann Marschner seinen Bericht über den Ausbruch des Aufstandes per Boten nach Akoloninga schicken mußte, von wo aus die telegraphische Uebermittlung nach der Küste, nach dem Gouvernement möglich ist. Als der jetzige Unterstaatssekretär von Lindequist Kamerun am L. Juni verließ, wußte man dort noch nichts näheres von der Ermordung Brerschneiders, geschweige denn vom Maka- laufftand und der bedrängten Lage des Hauptmanns Marschner. Vielmehr wurden diese Ereignisse an der Küste erst am 17. Juni bekannt, und Zwar -nicht im Gouvernement (!), sondern dem Vertreter der afrikanischen Companie in Plan- rtation, der sie brieflich seiner Gesellschaft nach Berlin mitteilte.
So wissen wir über die Vorgänge im Makaland, da die Beförderung der Briefe von Kamerun nach Deutschland ca. 4 Wochen in Anspruch nimmt. Ausführliches erst seit einigen Tagen. Am Dienstag abend aber ist nun, ebenfalls bei der Afrikanischen Companie in Berlin die erfreuliche Nachricht eingegangen, daß der Makaaufstand bereits erloschen ist, daß Hauptmann Dominik ihn niedergeschlagen hat, und sich die Befürchtung, daß Faktoreien ausgeraubt seien, nicht bestätigt hat. Da wegen der oben geschilderten Werkehrsverhältnisse Nack)richten aus dem Makalande geraume Zeit brauchen, um zur Küste Zu gelangen, scheint die Niederwerfung des Aufstandes überraschend schnell vor sich gegangen Zu sein. Wir wissen aus dem oben genannten Privatbrief, daß Major Dominik, der militärische Komman-
dant von Südkamerun, der sich am 17. Juni in Jfiunde aufhielt, telephonisch von der am nämlichen Tage an der Küste bekannt gewordenen gefahrdrohenden Lage unterrichtet wurde und sich sofort mit 120 Soldaten nach Dume in Bewegung setzte. Wir wissen vorläufig aber nicht, wie sich die Operationen weiter abgespielt haben, sondern können nur auf Grund der oben genannten Kabeldepesche annehmen, daß Major 'Dominik noch Zur rechten Zeit im Aufstandsgebiet angelangt ist, um das Schlimm>ste Zu verhüten. Unblutig wird der Aufstand wohl kaum beendet worden sein, wenn auch der Name des Majors Dominik allein bei den SchwarZien von Südkamerun einen Klang hat, der sie erzittern läßt. Wohl heißt es am Schlüsse des Kabeltelegramms „die Schwarzen hoben nach dem Erscheinen Major Dominiks und seiner Truppen um Ruhe und Frieden gebeten", aber die Worte vorher „Major Dominik hat den Aufstand niedergeworfen", weisen doch zur Genüge darauf hin, daß die menschenfressenden Maka ihm Widerstand geleistet haben und nicht gleich bei seinem Erscheinen Zu Kreuze gekrochen sind.
Daß es gelungen ist, in so kurzer Zeit des Aufstandes im Makalande, über dessen Einzelheiten man ja freilich noch weitere Nachrichten abwarten muß, Herr Zu werden, ist hoch^ erfreulich. Weniger erfieulich dagegen wirkt auch hier wieder die völlige Ahnungslosigkeit unseres Gouvernements Kamerun und demzufolge aiafy des Reichs ko lonialamts, auf dem noch am 17. Juli der Bericht des Vertreters der Afrikanischen Companie als Kü st e n t l a t s ch, als haltloses Gerücht, das sich an die Ermordung des Kaufmanns Bretschneider knüpfe, bezeichnet wurde. Man muß nunmehr dach darauf dringen, daß Die in dem von den unruhigen Maka bedrohten Südlamerun gelegenen Stationen mit der Küste telegraphisch verbunden werden, wenn man sich in Rücksicht auf die Kaufleute nicht dazu entschließen kann, das Makagebiet Zu sperren oder gar gegen die Menschenfiesser jetzt zur Strafe den Vernichtungskrieg zu führen.
Line Reise Kaffer Wilhelms nach Wien
Wien, 20. Juli. Wie die Korrespondenz „Wilhelm" znverläßlich erfährt, wird Kaiser Wilhelm am 20. September in Wien eintreffen. Für den Aufenthalt sind zwei Tage in Aussicht genommen. Vorher wird der Kaiser am 17., 18. und 19. September auf Einladung des Erzherzogs Friedrich in Bellye an Jagden teilnehmen. In die Zeit des Wiener Aufenthalts des deutschen Kaisers fällt beiläufig das 25jährige Jnhaberjubiläum des Husarenregiments Nr. 7, das im September 1885 dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen verliehen wurde.
Während seines Wiener Aufenthalts wird der Kaiser eine Abordnung dieses Regiments unter der Führung seines Konunandeurs, des Obersten Freiherrn v. Schoenberger, in Schönbrunn empfangen. Die Abordnung wird dem Monarchen einen Ehrensabel mit entsprechender Inschrift als Widmung des Regiments überreichen. Das Offizierskorps hat die Absicht, eine Abordnung zur Uebergabe des Ehrensäbels nach Berlin zu entsenden, erhielt jedoch auf eine diesbezügliche Anfrage die Slntivort, daß der Kaiser ohnehin zur Zeit des Jubiläums in Wien fein und die Abordnung in Schönbrunn empfangen werde.
Apolitische Tagesschau.
Die Ansiedlung in Pofen und Westpreußen.
Die Nachfrage nach Ansiedlerstell'en in Posen und Westpreußen ist, wie man uns aus Posen schreibt, in diesem Jähre besonders stark, so daß nur der kleinste Teil der Antragsteller befriedigt werden kann. Der Ansiedlungskom- mission steht nicht soviel Land zur Verfügung als sie gebrauchen könnte, namentlich die Pachtstellen fehlen. Bei dem regen Zuzuge von deutschen Bauern aus dem Westen nach! dem Osten wäre es angebracht, daß die Ansiedlungskommission ihre Aufteilungsaktion beschleunigt und eventuell neue finanzielle Mittel Zugeteilt erhält. Hier heißt es noch immer, daß Zwangsentergnungen polnischen Besitzes nicht beabsichtigt seien, da das gewünschte Land von den Polen bisher freihändig gekauft worden ist. Es scheint aber nicht genügend brauchbares Ansiedlerkand vorhanden zu sein, denn es ist beabsichtigt, weiteren Staatsbesitz im Kreise Schwetz und im 'Kreise Lissa (hier vermutlich die Herrschaft Reisen) Zu parzellieren, auch ein Teil der Kennemannschen Besitzungen soll Ansiedlungszwecken dienlich gemacht werden. Die Reise des neuen Landwirtschaftsministers im Ansiedlungsgebiete dient lediglich informatorischen Zwecken und hat mit einer beabsichtigten Aenderung der Ansiedlungspolitik nichts zu schaffen. Frhr. v. Schorlemer kennt die Verhältnisse im Osten gar nicht und ist bemüht, aus eigener Anschauung die Verhältnisse kennen zu lernen.
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Die Privatbeamtenverficheruug.
Man schreibt uns aus Berlin:
Zum Stande der Privatbeamten-Versicherung erfahren wir, daß die dem Reichstage versprochene Vorlage bereits recht weit in der Vorbereitung gediehen ist und man versuchen will, die Vorlage so schnell fertigzustellen, daß sie dem Bundesrate schon nach der Erledigung der Haushaltsberatungen Zugehen kann. Du auch der Bundesrat die Vorlage so schnell als möglich verabschieden wird, kann man damit rechnen, daß sie bereits Weihnachten dem Reichstage vorliegen wird. Eine andere Frage ist die, ob es gelingen wird, die Vorlage auch in der nächsten ^Session Zu verabschieden. Der Reichstag ist bereits jetzt aus dem Frühjahr her stark bepackt mit sozialpolitischen Vorlagen. In Abgeordnetenkreisen mürbe, erst jüngst die Befürchtung ausgesprochen, daß die Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung kaum möglich sein werde und daß hie Privatbeamten-Versicherung vermutlich das gleiche Schicksal teilen werde. Allerdings soll nicht vergessen werden, daß der Reichskanzlerseineganze Kraft einsetzen will, um die Verabschiedung der beiden Vorlagen Zu ermöglichen, da ohne diese Vorlagen er kaum in der Lage sein wird, sein Wahlprogramm für die lReichstagswahlen durchzusetzen.
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Zentrum und Liberalismus.
Im „Tag" plädiert Julius Bachem im Anschluß an einen Artikel der „Rordd. Allg. Ztg.", die zur Einigung der bürgerlichen Parteien aufgefordert hatte, für die Aufnahme des Zentrums in den Block aller positiven nationalen Elemente.
(Eine deutsche Akademie in Weimar.
In dem Verlag für Literatur, Kunst und Musik in Leipzig veröffentlicht Professor Wilhelm Schölermann (Weimar) eine Broschüre, in der er für die Gründung einer deutschen Akademie in Weimar eintritt. Der Verfasser ist der Ansicht, daß diese Akademie nicht im wirren hastenden Getriebe irgendeiner Großstadt erstehen soll, sondern im ruhigen Weimar, auf klassischem Boden. Sie foll erstehen aus den schon vorhandenen Anfängen, den bereits bestehenden staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft, die zu einem einheitlichen Ganzen ausgebaut und vereinigt werden können, zu einem geistigen Mittelpunkt, in dem alle Fäden kultureller und künstlerischer Bestrebungen zu- sammengetaufen sind. Darüber, was die Akademie soll, gibt Professor Schölermann in nachstehenden Ausführungen Auskunft:
'Die Deutsche Akademie zu Weimar hat die Aufgabe, das heimische Geistesleben der Vergangenheit und Gegenwart zu pflegen, die in Weimar bereits bestehenden staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft einheitlich zusammenzuschließen und die Gesamtheit der ihr zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten zu Lehr- und Unterrichtszwecken der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
Neben der Pflege wertvoller Ueberlieserungen soll sie vornehmlich das Geistesleben der Jetztzeit in seinen Erscheinungsformen würdigen und der deutschen Kultur ein dauernder Born der Verjüngung werden. 'Die Weimarische Akademie hätte ihre Ausgabe auch darin zu sehen, daß sie künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere solche, deren Herstellung bezw. Herausgabe wegen hoher Kosten oder aus anderen Gründen mit Schwierigkeiten verknüpft ist, in geeigneter Weise unterstützt.
Selten mögen in zwei eng benachbarten Städten, welche zueinander gehören wie Kette und Einschlag, sich eine solche Zahl gei^tig^bedeutender Menschen zusammenfiiiden, wie in Weimar und Jena, dem Sitz der thüringischen Landeshochsckwle. Nur mit dem bedeutsamen Unterschiede, daß sie in Jena durch jahrhundertealte Tradition in korporativem Zusammenschluß vereinigt werden, während sie .fit Weimar wunderlicherweise bisher noch nicht zu einer Gesamtheit gelangt sind, vielmehr, mit manchmal wirklich starrer und zwerchfellerschütternder Konsequenz, ,,getrennt marschieren" und nicht vereint schlagen! Leider ohne jeden Zusammenhalt leben und schassen sie nebeneinander; vielfach sogar als gleichgesinnte getreue Nachbarn und gemeinsame Steuerzahler, d. h. also in gemeinsamem Schmerz, ohne etwas voneinander zu wißen. Dieser Zustand ist töricht und komisch. Es wird Zeit, daß ihm ein Ende bereitet wird, je eher, desto besser. 'Denn er ist ganz sinnwidrig und unverantwortlich. Wir brauchen nur zu wollen, und er hört auf zu sein. Mit der Gründung einer Republik von
die^ manches Neue bieten. So war es zwar bekannt, daß Ibsen 1850 und 1851 in Christiania mit seinem aufopfernden, früh verstorbenen Freunde Ole Schulerud zusammen ein Zimmer bewohnte, neu aber ist es, daß lange Zeit auch Schuleruds Bruder den kleinen Raum als dritter Insasse teilte. Um die Hausleutc; darüber zu täuschm, daß sie kein ordentliches' Mittagessen hatten, gingen die beiden Studenten mittags immer fort, als ob sie eilt Restaurant,aufsuchten. Inzwischen bereitete der zwölsjährige Knabe den Kaffee, der nebst Butterbrot das wirkliche Mittagessen dev Drei bedeutete. Den Zins zu beschaffen, bot stets große Sck)wierig- keiten. War aber irgendwie ein Darlehen aufgettieben worden, Mm lebten die drei Stubengenossen herrlich, denn in solchen Gluckssällen gab es Eier, Hering und Wurst. Ibsen hatte damals sein erstes Drama „Catilina" aus eigene Kosten, das heißt eigentlich aus Schuleruds Kosten, unter einem Pseudonym drucken laßen; die unverkauften Exemplare (und es waren nur elf äb- gesetzt) lagen int Zimmer. Der kleine Schulerud las eines, ohne zu wissen, daß es von Ibsen sei, und dieser freute sich, weil eA dem Knaben gefiel. Unter den wenigen, welche die Kammer bet freunde aufsuchten, war der Student Wildgaard, der mit Markus Thrane das erste sozialistische Blatt Norweges geqrünbet hatte; xvbfen lieferte Zeichnungen, vermutlich auch^ Aufsätze für dieses prgan. Zugleich gab Ibsen mit Botten-Hansen und Vrnje damals felbst eine radikale Wochenschrift heraus, für die er neben
Artikeln, die jetzt in den „Nachgelasscmen Schriften" veröffentlicht wurden, auch karikierende polittsche Zeichnungen bei- steuerte.
. —. Ein am tlich anerkanntes Gedicht des Kladderadatsch. Am Zeug haus in Berlin ange schlagen ist, und zwar in goldenen Lettern, ein Gedicht, das der „>Äad- dercchatsch" in seiner letzten Nummer dem Andenken der Köntgini ^m)e gewidmet hat. Das Gedicht hat nur zwei Strophen, von denen die zweite folgendermaßen lautet:
„Der Wetterstrahl, der Deutschlands Glück zersplittert. Zerschlug auch dir das königliche Herz,
Und heute noch, nach huiidert Jahren, zittert In unserer Seele leise nach der Schmerz."
Der Kommandant des Zeughauses, General v UJre^OnV ??kfo 1?!r& F. Z. berichtet, bet der Redaktion des „Kladderadatsch anfragen lassen, ob er dieses Gedicht an- s ch l a g e n l a s s e n d ü r f e, was natürlich bejaht wurde Infolgedessen sieht man nun an der Außenseite des Zeughauses am Portal das für diesen Zweck in Gold,chrrft gesetzte Gedickst, mit einem Rahmen von frischem Grün umgeben unb links von einer schwar-.- merßen rechte bon einer blau-gelb-roten Schlosse flankiert So erfteulich es ist, wenn em General sich über bureaukratffche Bedenken hlnwegzusetzen weiß, so bedenklich ist es vom Standpunkte dsi, ^sist aus, wenn er, wenn auch um eines guten Zweckes willen, Gedichte anschlagen laßt, die in der Form nur sehr mittelmäßigen
Gedicht im „Kladderadatsch" war wahr- itey reine „^sene
Künstlern und Gelehrten ändert sich diese lächerliche Zersplitterung und Einspännerei. Als Ganzes wandelt sie sich in ein machtvolles Zentrum geistigen Lebens. Nach solchem Zentrum richten sich, die Hoffnungen 'Deutschlands und die Blicke der gebildeten« Welt. So würde in Weimar die Vereinigung unter folgenden Gesichtspunkten ins Auge gefaßt werden können: Die Weimarische Akademie bildet eine wissenschaftliche Genossenschaft unter Aufsicht des Staates und unter dem Schutz Fr‘nF9J' Hoheit des Großherzogs. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog ernennt ihm geeignet erscheinende Gelehrte und Künstler zu Mitgliedern der Akademie; zunächst solche, die in Weimar oder an der Landesuniversität Jena enttoeber an staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft tätig sind, aber in unabhängiger Stellung sich den von der Akademie zu verfolgenden Zielen erfolgreich widmen. Nach Begründung der Mademie ergänzt und vergrößert sie sich selbst durch Zuwahl neuer Mitglieder, bie der Bestätigung des regierenden Großherzogs bedarf.
Es würden demgemäß als Mitglieder der Weimarischen Akademie zunächst in Betracht kommen: die jeweiligen Leiter der wissenschaftlichen, gelehrten und künstlerischen staatlichen Institute Weimars und Jenas, sowie solche von nicht staatlichen, gelehrten oder literarischen Gesellschaften, Sammlungen oder Bibliotheken und Archiven. Um nur einige zu nennen: Die der Goethe-Gesellschaft, des Goethe-Nationalmuseums, des Goethe-Schiller-Archivs der deutschen Schiller-Stiftung, der deutschen Shakespeare-Gesellschaft, der Großherzoglichen Bibliothek, des Nietzsche-Archivs, die Vertreter des Jenaischen Archäologisck^en Instituts, sowie der Philosophischen Fakultät im allgemeinen (Philosophie, Germanistik Kunstgeschichte, Aesthetik), des weiteren die Direktoren der künstlerischen Lehranstalten Weimars, also der Kunstschule, des Kunst- Gewerbe-Seminars, der Musikschule usw. (Wenn diese Liste unvollständig sein sollte, bitten wir um Vergebung — sie will lediglich Beispiele anführen und erhebt auf Vollzähligkeit keinen Anspruch.) Der hier schon früher einmal aufgetauchte Gedanke einer oder Theater-Akademie in Weimar ließe sich ebenfalls fetzt organisch angliedern. Letztere könnte naturgemäß zu einer Veredelung des Sprachstils auf der Bühne führen und, was reichlich so wichtig, zu einer künstlerischen Stilreform
Kulissen-Dekorations-Unwesens! Denn was wir im ganzen noch schmerzlich entbehren müssen, ist eine sinngemäße, vornehm gestimmte -vheaterdekoration, beim Hintergrund sowohl wie in der Stimmung des Gesamtspiels im klassischen Drama und gesellschaft- lichen Schauspiel und Lustspiel. Ist doch für einigermaßen künst- leristne Naturen heute das Ansehen und Anhören einer Theatervorstellung Nicht selten eine Quelle unsäglicher Komik — oder unsäglichen Leidens. Gerade in dieser Hinsicht könnte Weimar wieder vorbildlich werden und, tote für seine Zeit Meiningen, sich zu einer Hoasschule deutscher Schauspielkunst entwickeln!
— Jb seins Lebensweise als Student. In der ttorwegifchen Tageszeitung „Verdens Gang" veröffentlicht der greise Hotelier I. Schulerud Eriunernngen an Henrik Ibsen,


