Ausgabe 
18.11.1910 Drittes Blatt
 
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Sfadtoerordnefenwahl

Die Vorbereitungen zu den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen zeitigen ganz merkwürdige Erscheinungen. Wir wollen über mancherlei Sonderbestrebungen nicht sprechen, halten uns aber als treue alte Anhänger der freisinnigen Partei, nicht allein für berechtigt, sondern auch für verpflichtet, uns gegen die Beschlüffe der letzten freisinnigen Generalver­sammlung zu wenden.

In dieser Versammlung ist ein besonderer Zettel aufgestellt worden und es befinden sich, nachdem bie Jetzigen Führer der Partei, ein Abkommen mit der Sozialdemokratie getroffen hatten, vier Sozialdemokraten darauf? Und warum haben sie dies getan? weil sie angeblich von den Nationallibcralen geärgert sind und es deshalb für gut befunden haben, sich der Sozialdemokratie in die Arme zu werfen Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, daß die Sozialdemokratie eine Vertretung nicht haben solle und waren vollständig damit einverstanden, daß dieselbe scitber zwei Sitze inne hatte. Würde dem Vorschlag der freisinnigen Führer gefolgt, dann hätten wir aber mit fünf Vertretern der Sozialdemokratie zu rechnen. Die jetzt ausscheidenden Mitglieder haben sämtlich ihre Schuldigkeit getan. Wes­halb will man sie nicht wieder wählen? Wir glauben an den gesunden Sinn der alten Gießener Freisinnigen mit Erfolg appellieren zu dürfen, wenn wir ihnen zurufen:Folgt den Lockungen der momentan verärgerten Führer nicht und wählt ruhig die Ausscheidendeu wieder." Damit wäre auch der Sozialdemokratie genügend Rechnung getragen.

Was die drei neu zu wählenden Stadtverordneten betrifft, so wünschen wir dringend, daß darunter ein ange­sehener Jurist ist und hoffen, daß Herr

Landgerichtsrat Holzapfel,

der bereits genannt wurde, seine Bedenken fallen lassen und ein Mandat annehmen wird. Ferner würden wir Herrn

Professor Sommer

vor.

empfehlen, der sehr häufig mit großem Geschick sein Interesse für die Stadt an den Tag gelegt hat. Damit das Handwerk sieht, daß man auch seiner gedenken will, schlagen wir des weiteren Herrn

Schreinermeister E. H. Müller

Wir hoffen, daß noch in letzter Stunde eine derartige Liste vereinbart wird. Diejenigen, welche dazu beitragen wollen, w.rden gewiß den Dank der ganzen hiesigen Bevölkerung verdienen.

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Die von der gesamten Bürgerschaft erwarteten Kundgebungen der beiden Vereinigungen zur Stadtverordncienwahl liegen nun vor. Aber beide müssen die Bürgerschaft enttäuschen. Auf dem einen, dem Bürgerpartcizcttel, ein tolles Spiel des Zufalls, welches Namen von seitherigen Hochoerdienten Stadt­verordneten ausläßt und andere dafür einschicbt, welche nur einseitige Interessen vertreten. Auf der anderen, der freisinnigen Liste, ein Paktiere« mit der Sozialdemokratie. Beide Wohlvorichläge sind jeder für sich unmöglich und können nicht den Gcsamtliuercsjen der Bürgerschaft dienen.

Eine Anzahl Bürger stellte deshalb eine neue Liste von Herren auf, deren Namen beiden Wahlvorschlägen entnommen sind und die die 9} am en der seit­herigen Stadtverordneten enthält, die nicht zu wählen kein Grund vorliegt.

Unsere Liste lautet:

1. Ludwig Emmelins, Stadtverordneter

2. Karl Brück,

3. Wilh. Grünewald,

4. Ludwig Huhn,

5 Friedr. Helfrich,

6. Friedr. Helm,

Karl Orbig,

8. Karl Ang. Faber,

0. Herm. Eichenauer

10. Karl Jann,

11. Max Friedberger, Kaufmann

. Prof. Dr. Nob. Sommer

13 Franz Brück, Möbelhändler

Wir bitten unsere Mitbürger, diesen Herren ihre Stimme zu geben.

Gießen, den 18. November 1 10. Duyn

Einige rinabhängige Wähler.

Einige liberale Bürger.

WP V Pfg.

Schliss Dienstag den 22JoVember

Heilbronner8

Marktstrasse 17 »=/ Rittergasse 8

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