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18/11/1910 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 271

160. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint KgNch mit Aufnahme de» Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberhesseu

Dieetefftnct FamlllendlLNer- werden dem ,9ln3eifler* otermal roöcbentlid) betgelegt, da» Kreisblati für de» Kreis Gießen" zweimal roächenihd). Die ^Landwtrtlchastllchen Seit* trage»" aschemen monatlich gnxtmaL

Sreitog, 18. November 1910

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UmversitälS - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: öl.

Redaktion: 112. Tel.-2ldr« ArrzeigerGießen.

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Die Reichrverstcherungrordnung.

i:: Berlin, 17. Nov.

Der RekchSversichenmgsau5schuß erledigte heute den gestern zurück gestellt en Mschnitt über den Reservefonds der Be- russgenossenschaften. Die von nationalliberaler Seite, sonne von einem Mitgliede des Zentrums unb einem Konser­vativen gestellten Anträge, die sich gegen eine zu starke Belastung der Gegenwart »t Gunsten der Zukunft wenden, wurden auch jetzt abgelehnt und die in erster Lesung bestätigte Fassung der Re­gierungsvorlage in den §§ 741 bis 747 auch in -weiter Lesung gutgeheißen mit der in erster Lesung hinzugefügten Bestimmung, daß der Bmidesrat im Jahre 1921 dem Reichstag die gesetzlichen Vorsckwiften über die Rücklagen zur erneuten Beschlußfassung vor­zulegen hat.

Ter Unterausschuß hat den' Antrag Gamp, der auf die Bildung territorialer Genossenschaften für die kleinen Gewerbe abzielt, abgelehnt. Dieser Beschluß wurde in der heutigen Sitzung bestätigt. Doch wurde den Absichten des Antrags durch zwei Beschlüsse zum Teil Rechnung getragen. Durch Einschiebung eines § 645 b wurde bestimmt, daß für Betriebe, die ihrer Natur nach einer anderen Genossensclwft zuzuteilen wären als der sie angehören, entsprechende Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen sind: und dem § 700 wurde die Bestimmung hinzugefügt, daß, wenn in einer Genossenschaft verschiedenartige Gewerbszweige oder Betriebsarten (große, mittlere, kleine Betriebe) vereinigt sind, diese im Vorstand möglichst vertreten sein sollen.

Ter Abschnitt der gewerblichen Unfallversicherung wurde in der heutigen Sitzung fast ganz erledigt. Die Beratung des vor­letzten Paragraphen (§ 911) über die Verantwortlichkeit des Unter­nehmers für die Turckzführung der Uufallverhütungsvorschriften wurde auf Freitag vormittag vertagt.

21m» StaSt unS Land.

Gießen, 18. Nov. 1910.

Vogelschutz und seine Folgen.

Neber dieses Thema hielt Forstmeister Kullmann in der kürzlich abgehaltenen Sitzung des Naturwissen­schaftlichen Vereins zu Darmstadt einen Vor­trag, dem wir folgendes entnehmen: In dem Gebiete der Oberförsterei Darmstadt sind bis heute angelegt: 6000 Berlepschsche Nisthöhlen für Stare und Meisen, 2 Brut­gehölze für Freibrüter, 12 Futterhäuschen, 22 Berlepschsche Futterglocken und 11 Vogeltränken. Da die Oberförsterei 2000 Hektar groß ist, so kommen auf 200 Hektar: 600 Nist­höhlen, 4 Futterstellen und 1 Tränke. Alle Berlepschschen Einrichtungen haben sich gut bewährt. Die Nisthöhlen sind fast sämtlich bewohnt, die Futterapparate werden ausgezeich­net angenommen, z. B. im Winter 1908/09 wurden ver­braucht: 38 Kilo Hanf, 174 Kilo gemischtes Futter, 26 Kilo Futtersteine. Was nun den Erfolg aller dieser Ein­richtungen hinsichtlich des Vogelstandes anlangt, so ist die Vermehrung der Menge und der Arten der Vögel so groß, daß sie selbst von jedem Nichl-Sach- kenner beim Durchwandern des Darmstädter Waldes sofort bemerkt wird. Die Ko st en für den Voaelschütz in der Obersörsterei Darmstadt betragen bis jetzt rund 6 7 00 Mark. Von jetzt ab entstehen außer der Fütterung im Pinter keine weiteren Kosten. Die Ausgabe hierfür beträgt 120 Mk., dazu kommen 4 Proz. Verzinsung des Anlage-

tapUals und dessen Amortisation: alles zusammen 570 Mark. Um diese Jahreskosten zu decken, braucht man eine jährliche Nützlichkeitsleistung von nur 2 Pfennigen für jeden Vogel anzunehmen (in Wirklichkeit bedeutend höher), dann beträgt der jährliche Nutzen 750 Mk. gegenüber 570 Mark Unkosten. Wenn bei Annahme minimaler Leist­ungen und maximaler Kosten der finanzielle Nutzeffekt trotzdem durchaus befriedigend ist, so kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Vogelschutz in der Oberförsterei Darmstadt auch für die ihn auf­gewandten Kosten verlohnt und, von der finanziellen Seite aus betrachtet, rationell und zweckmäßig ist.

** Hessischer Verein für ländliche Hei­mat-, Wohlfahrt- und Kun st pflege. Pfarrer Vogel-Reichelsheim i. d. W. wird auf Veranlassung des Vereins folgende weitere Vorträge mit Lichtbildern über Der deutsch-französische Krieg 1870/71" halten: in Leih­gestern am 18. November, in Beienheim am 21. No­vember, in Holzhausen v. d. H. am 25. November, in Ossenheim am 28. November und in Stein­furth am 30. November. Der für Holzhausen v. d. H. auf den 21. November angekündigte Vortrag fällt aus und findet, wie oben angegeben, erst am 25. November statt. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist für jedermann frei.

Kreis Alöfeld.

b Flensungen, 17. Nov. Gestern ereignete sich im Eisen­steinbergwerk Stockhausen ein bedauerlicher Unglücksfall. Der jugendliche Bergmann Hch. Rahn aus Flensungen erlitt durch herabrutschendes Gestein einen Beinbruch, so daß seine Ueber- führung in die Klinik zu Gießen schleunigst vorgenommen werden mußte.- Zu dem gestern berichteten Kesseldiebstahl auf dem Flensunger Hof ist noch nachzutragen, daß der Dieb bei der körperlichen Untersuchung und auf seinem Transport nach Grünberg verschiedene Drohungen ausgestoßen hat. Anscheinend ist man in seiner Person einem sehr verwegenen Verbrecher hablzaft geworden, dessenTätigkeit" nun hoffentlich für lange Zeit lahmgelegt werden wird. Es wurde ferner berichtet, daß der Gauner auch in Helpershain eine Taschenuhr gestohlen hat, die er in Klein-Eichen für eine Mark wieder versilbert haben soll.

Kreis Friedberg.

L. Bad-Nauheim, 17. Nov. Der Maurer streik ist hier beendet. Hunderte von Maurern und Grund­arbeitern sind zurzeit beschäftigt und jeden Tag melden sich neue Arbeiter, so daß man von einem Mangel an Ar­beitern nicht mehr reden kann. Wenn die Witterung nicht zu unbeständig wird, werden die Baufirmen das zum Beginn der Sommersaison Vorgesehene bewältigen. Die Erweite­rung des Bahnhofs schreitet rüstig voran. Im südlichen Flügel des Empfangsgebäudes wird der eine Wartesaal schon in einigen Wochen dem Gebrauche übergeben werden. In diesen Flügel kommen die Wartesäte und die Bahnhofs- Restauration. Seit geftcm wird auch die Nacht hindurch ge­arbeitet. Der nördliche Flügel, an dem seither des Streits wegen nicht gearbeitet wurde, ist seit einigen Tagen in Angriff genommen. In ihn kommen die Bureauräume und das Bahnhosspostamt. Für den Bahnhof ist elektrische Beleuchtung vorgesehen. Entweder wird der Strom von

der Stadt geliefert ober die Eiseubahnverwaltung errichtet ein eigenes Elektrizitätswerk.

Spielplan des Gießener Stadttheaters.

Sonntag, 20. November, abends 7'/, Ubr, bei (leinen Preisen! Tie Räuber." Ende nach 10'/, Uhr. Dienstag, 22. Nov., abends 8 Uhr: Dolksvorstelkuna!Der Kaufmann von Venedig." Ende nach 10% Uhr. Mittwoch, 23. Nov., abends 7 Uhr: 6. Mittwochs- Abonnements - Vorstellung:£nihin.fl Ende 10 Uhr. Freitag, 25. Nov., abends 8 Uhr (außer Abonnement, Gutscheine haben Gültigkeit^ Feuvorsietlung zum Geburtstage Sr. Kgl. Hoheit des Großberzogs von Hessen und bei Rbein:Der (Ära? von Gleichen." Schauspiel in drei Auszügen von Wilhelm Cchmidlbonn. Ende 103/4 Uhr. Sonntag, 27. November, nachmittags 3»/, Uhr, bei kleinen Preisen: ,Ut de Franzosentid." Ende 6 Uhr. Abends 7% Uhr, bei gewöhnlichen Preisen, unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Jnsanterie-Regiments:Sie Forster-Ehristel/ Ende 10 Uhr.

Markte.

ke. Frankfurt a.M. Vi e h h os-M a rkt b e r i cht vom 17. Nov. A'istrieb: Rinder 161, Ochsen 24, Bullen 1, Kühe unb Färsen 136, Schweine 1565.

Tendenz: Schweine mittelmäßig, nicht ganz ausverkaust.

Preis für 100Psd,

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Schweine. Mk. Mk.

Bollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebendgewicht........ 56.5057.50 70.5072.00

b'ollsielschige Schweine über 21/, Zentner

Lebendgewicht........ 55.50-57.50 70.00-72.00

->ettschweme über 3 Ztr.Lebendgew. . 56.00-57.50 71.0073.00

Fleischige Schweine.....54.0056.00 70.0072.00

ko Wiesbaden, 17. Nov. Heu- und Stroh markst.

Angelahren waren 20 Wagen Herr und Stroh. Man notierte: Hell 6.00-7.4') Mk., Stroh (Richtsiroh) 4.605.40 Mk. Frachtmarkt. Hm'er 14.2015.60 Mk. Alles für 100 Kilo.

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