Leben bei der Truppe ote höchst anqruchm geschildert. Drrrch solche Versprechungen betört, fei er im März vom Potsdamer Batzahvfe mit dem Schnellzuge nach KÄn gefahren. Im Zuge sei ihm ein fenrgeklcidcter Herr anfgesallen, den er auf der Weiterfahrt von Köln nach Nancy Mieder getroffen habe. Es war offenbar ein Werber. Der Fremde, ein Franzose, habe ihn in Trier und Metz mit Wein fast betrunken gemacht. In Novcant sei er zwei deutschen Gendarmen entwischt, die ihn nach Papieren gefragt hätten. Schnell sei er in den abführenden Zug gedrungen, der Franzose ihm nach. Von Metz sei er über- Dieben Hofen nach Luxemburg gefahren. An der französischen Grenze sei der junge Mann in Longwy von französischen Dragonern erwartet und aus dem Zuge geholt worden. Man habe ihn stark betrunken gemacht, und dann sei er von einem französischen Offizier nach Nancy geführt worden. Tort sei er in die Kaserne des 24. Infanterie-Regiments gebracht, wo tüchtig weiter gezecht worden sei. Schließlich habe ihm der Franzose, der ihn von Nancy mit begleitet habe, verschiedene Papiere zur Unterschrift vorgelegt. Er habe unterschrieben, ohne natürlich zu wissen, was. Es war der Vertrag zum Eintritt in die Fremdenlegion, wie er erst später gesehen habe
Im Rekrutierungsbnreau sei er alsdann mit vielen anderen jungen Leuten — meistens verbummelten Menschen — unter- sucht worden. Damr bube man ihn zum Generalkommando geführt, wo man ihn über allerlei militärische Tinge befragt habe. Sodamr sei er in die Kaserne zurückgebracht worden, wo man ihm vnd den anderen ,,Ausgemusterten" ein Gewehr gegeben habe. Es seien Bajonettierübungen gemacht worden. Die es schlecht machten, seien arg gequält worden. „Man legte ihnen 60 Pfund Sand oder Stein in den Tornister und lies; sie damit 2 Stunden in der Mittagssonne, mit dem Gewehr im Arm, Kurzschritte marschieren. Sie waren so erschöpft, daß sie sich kaum ausrecht halten konnten." Angesichts solcher Quälereien sei dem jungen Deutschen der Gedanke an schleunige Flucht gekommen. Er sei Unbemerkt über den Zaun, der nm den Kasernen Hof war, gesprungen, und habe sich int Park von Nancy versteckt. Glücklicherweise habe ihn niemand gesunden, und in der Nacht sei er 28 Kilometer weit nach Pont-u-Mousson gelaufen, wo er in den Weinbergen die zweite Nacht verbracht habe. Am nächsten Morgen fei er weiter geflohen. Er sei einem französischen Gendarmen in die Arme gelaufen, habe sich aber durch schnellste Flucht retten können. „Meine Freude," so schlicht der junge Mann seine Erzählung, „als ich die deutsche Grenze wieder erreicht hatte, war grenzenlos."
Es sei hier wiederholt, was schon oft an dieser Stelle gesagt worden ist.- Auf der Hut sein vor beit französischen Werbern! Deutsche sind zu schade für die Fremdenlegiott!
Der Ailenstemer Mordprozeh.
■4 Allenstein, 21. Juni.
Die Angeklagte macht am 13. Verhandlungstage wieder einen sehr müde n Eindruck: sie scheint sich von ihrem .0eitrigen Anfall nicht sehr erholt zu haben.
Zeuge Hauptmann v. d. Schulenburg gibt an, daß Herr v. Gäben schon als Fähnrich in der Familie seines Schwiegervaters verkehrte. Er war in seinem Leben korrekt, und man konnte es nicht für möglich halten, das; er sich irgendwie vergessen konnte. Seine Untergebenen hingen mit ungewöhnlicher Liebe ttn ihm. Er verachtete den Klatsch, auch wenn er ihn selbst Jbetraf. Als der Zeuge nach Allenstein kam, warnte ihn ein lunger Offizier, er möge seine Frau nicht zu viel mit Fran v. Schönebeck verkehren lassen, das sei kein geeigneter Verkehr für sie. — Zeuge Stabsarzt Filbry bekundet, daß sich ihm gegenüber Herr v. Gäben schwärmerisch über Frau v. Schönebeck ausgesprochen habe. Sie sei ein Engel und nicht imstande, etwas schlechtes zu tun. Um den Mann sei es nicht schade, denn er sei Lin viehisch brutaler Kerl gewesen. — Hauptmann Schloifs (Charlottenburg) lernte Herrn v. Göbcn in Berlin kennen und traf ihn bann auf dem Dampfer „König" auf der Ausreise nach Afrika wieder. Es war davon die Rede, daß Herr v. Gäben wegen eines Duell es ins Ausland gehe und der Zeuge war daher )vie aus den Wolken gefallen, als Herr v. Gäben später selber 'zugab, von einem Duell sei niemals die Rede, gewesen. Herr v. (Wöben hat bann in einem Briefe den Zeugen gebeten, ihm eine Stellung bei einer afrikanischen Gesellschaft tzu verschaffen. Ruhmredig war der Hauptmann nicht, dagegen hat der Zeuge von anderen erfahren, daß er sich im Burenkriege außerordentlich ausgezeichnet .hatte. — .Hauptmaim G s ch w i n b t bezeichnet Herrn v. Gäben als einen überaus beliebten Offizier. Was er für richtig erkannt hatte, führte er durch bis zur Lebensunklugheit. Den Z-raueu gegenüber war er zurückhaltend, aber diese Zurückhaltung war wohl mehr anerzogen, innerlich war er leidenschaftlich. — Oberstleutnant T ö ring hat von feinem Balkon aus beobachtet, daß Frau v. Schönebeck einen Verkehr mit öcrfrfncbcncn Personen unterhielt, der sich nicht schickte. Naeh der Tat hat Herr v. Göbeu dem Zeugen gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß er einen Selbstmord für ausgeschlossen halte, es kämen wohl Einbrecher in Betracht. — Divisionspfarrer Merensky (Metz), in dessen väterlichen Haus v. Gäben viel verkehrte, bezeichnet diesen als einen wahren Gemütsmenschen. Als die Nackwicht von der Mordtat kam, hat der Zeuge angenommen, daß er nur in Wahnsinin -oder Hypnose gehandelt haben könne Der Zeuge ist bann aus Mitgefühl nach Allenstein gefahren und hatte in der Untersuchungshaft eine Unterredung mit Herrn v. (Wöben, v. Gäben zeigte tiefe Reue. Es wurde davon gesprochen, wie seine Ehre und die Ehre der Armee gerettet werden könne. An Frau v. Schönebeck habe Herr v. Gäben nur einen Augenblick gezweifelt, als sic mit der Tat nichts zu tun hoben wollte. Es fönnc feine Rede davon sein, daß er mit v. Gäben darüber gesprochen habe, wie dessen Sehen gerettet werden könne, denn sein Leben war verwirkt, das wußten .beide. — Oberförster Körner bekundet, daß der Major einen äußerst festen Schlaf halte. 1896 stürzte der Major mit dem Pferde. Als der Zeuge das der Angeklagten erzählte und hinzu fügte, der Major hätte sich den .Hals brechen können, habe dic AngeUagte nur gesagt: Majors gibt cs genug, bann heirate ich eben einen anderen. Einmal hat der Beuge nad) einem Besuche der Angeklagten und des Herrn v. Gäben im Jagdhausc das Zimmer in Unordnung und leere Kaffeetassen imb Champagner- flaschen vorgefunden. Der Zeuge hat bas den beiden vorgehalten und gedroht, es im Wiederholungsfälle dem Major zu schreiben, der damals in Karlsbad war. Irgendwelche Mitteilungen über das Verhältnis der Angeklagten zu Herrn v. Göbcn habe er dem Major nicht gemacht, da er nichts positives wußte. — Hauptmann Brüggern ann (Itzehoe, bekundet, daß Herr v. Göbcn sich im Generalstabe nicht wohl fühlte, weil er in die kriegsgeschichtlichc, nicht in die strategische Abteilung aufgenommen wurde. Er lebte erst wieder auf, als er beit Auftrag nach Mazedonien bekam. Nach Südwestafrika wurde er nicht mitgenommen, weil er wiederholt am Schwarzwasscrfieber gelitten habe. - Da Frau v. Schönebeck Weber erschöpft ist, wird dic Wcitcrverhandlung auf morgen früh vertagt.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 21. Juni.
Der Einsturz des Neubaues an der Veterinärklinik.
(Fortsetzung.)
Den Angeklagten ist zur Last gelegt, daß sie bei der Leitung und Ausführung des fraglid>en Baues derart gegen dic Regeln der Daukunlt verstoßen haben, das; daraus Gefahr für anbera erwuchs und der Bau am Weihnachtsabend v. I. einstürzte, «nd daß sie gleichzeitig durch Fahrlässigkeit die Körper-Verletzung der Frau des Ingenieurs Fuhrig verursacht haben. Der Angeklagte Pf. halte an den Schlossermeister Sch. hier Baugcländo verkauft und sich die Maurerarbeiten für die darauf zu errichtenden Bauten Vorbehalten Er übertrug die Ausführung der Maurerarbeiten dem Angeklagten St. gegen einen Arbeitslohn von 3,80 Mark für den Kubikmeter Mauerwerk, während er selbst die Matcriallieferimg behielt. Es war der allseitige Wunsch, den Bau noch vor Eintritt des Winters unter Dach ,;u bringen' weshalb Ende Oktober, noch ehe die Baugenehmigung vorlag, mit dem Ausschachteu begonnen wurde, was den Beteiligten' schon Strafbefehle eint rüg. Nach Erteilung der Äeuchnngung ivutbcn
die ‘Sixorrerarbeiien sehr rasch ansgeführt, wobei, lote sich ein als Zeuge vernommener Maurer au^briufte, bei der Herstellung des Fundaments schon gesündigt wurde. Die Fundamentmauern sollen nämlich oben weit breiter gewesen sein als unten. Die Anklage behauptet, es seien auffallend viele Backsteinstückc dazu verwendet worden, die int Märtel geschwommen hätten und keinen Halt hatten. St. gibt zwar zu, viele Backsteinbrockcn verwendet zu haben, die von einem Abbruch herrührten, doch sei dies nicht in einem höheren Maße erfolgt, als dies bei anderen Bauten der Fall sei. Das ungeheuer rasche Anwachsen des Baues bei der ungünstigen Witterung, das teilweise minderwertige Material, das nicht fachgemäße Aufführen in Verbindung mit dem Abweichen van dem Bauplan zeitigten Mängel, die man durch Einziehen einer Schiene zu beseitigen suchte. Schon beim Anlangen im zweiten Stock zeigten sich bedenkliche Risse in dem Mauerwerk, die bis in das Fundament reichten. Als der Zimmermeister im ersten Stock das Gebälk legte, nahm er Ausbuchtungen wahr und die Treppenhauswände waren aus dem Blei. Um nicht^anf Un- liebsamkeitcu zu stoßen, wie er sich ausdrücklc, habe er St. seine Bedenken nicht mitgeteilt, sondern dem Bauleiter S. später schriftlich Mitteilung gemacht. Als er dann im nächstfolgenden Stock das Gebälk legte, habe ihm S. bemerkt, es sei gut, daß er ihm geschrieben habe: er habe inzwischen die Bauleitung niedergelegt. Beim Legen des Gebälks hatte es sich herausgcstellt, daß das Mauerwerk bereits dermaßen aus dem Lot war, daß das Gebälk nicht mehr paßte. Als er den Angeklagten St. darauf aufmerksam machte, habe ihm dieser gesagt, cs ging ihn dieses nichts an, er möge sein Maul halten. Ter Zimmermeistcr hat ihm darauf erklärt, er werde das Gebälk für den Mansardenstock nicht mehr legen. St. gibt zu, die Risse wahrgenommcn zu haben, er habe sich aber nichts dabei gedacht, da derartige Risse häufig vorkämen. Er habe sic mit Zement zugeschmiert, aber nicht, wie dic Anklage annimmt, um sic zu verdecken, sondern um zu sehen, ob sie sich vergrößerten. Trotzdem die Risse immer bedenklicher wurden, ließ St. Weiterarbeiten. Die Maurer beklagten sich, cs bliebe ihnen keine Zeit zur richtigen Arbeit, da dem St. alles zu langsam ginge. Als ein Maurer, die Gefahr erkennend, den Arbeitern im 4. Stock zurief, sie sollten die Arbeitsstellen verlassen, habe ihnen St. gesagt, sie sollten machen, daß sic an ihre Arbeit kämen. St. behauptet, er habe nicht gegen das Verbot des Bauleiters weitergearbeitet, der Gehilfe des letzteren 'habe vielmehr erklärt, das Weiterarbeiten sei gestattet worden: auch der Neffe des Angeklagten Pf. habe auf das Weiterarbeiten auf seine Verantwortung gedrängt. Noch ganz kurz vor dem Zusammenbruch, als bereits eine Ecke, die abgcsprießt war, zusammcn- brach, mutete St. den Arbeitern zu, im vierten Stock weiter- zuarbeitcn, sie erkannten aber die Gefahr und verließen den Bau, der etwa eine Viertelstunde später in sich zusarnrncilstürzte, tiie dachmäßig hergestellten Wände des Nachbarhauses im dritten Stcd durchschlug und dabei die Frau des Ingenieurs Fuhrig verletzte. Nach den Angaben der Frau hörte sie einen Knall, der Glasaufsatz des Küchenschrankes flog herunter und gleichzeitig wurde sie von einer Masse Backsteine begraben, woraus sie sich nur mit Mühe herausschaffen konnte. Sie konnte sich noch bis auf die Treppe schleppen, um die Mitbewohner aufmerksam zu machen und brach dann zusammen. Außer Hautverletzungen auf dem Rücken trug sie eine schwere Fußverlctznng davon, die ihre Aufnahme in die Klinik nötig machte. Da der Mittclfußknochen aus feiner Lage gekommen war und dic Heilung nicht von statten ging, war eine Operation und die Beseitigung eines Knochens erforderlich. Auch hierdurch ist keine wesentliche Besserung cin- getreten; )ic muß besonderes Schuhwerk mit Metalleinlagen tragen und ist in der Gebrauchssähigkeit des Fußes behindert.
S. bestreitet, sich strafbar gemacht zu hoben, da er rechtzeitig auf dic Beseitigung der Fehler gedrängt und dann das Weiterarbeiten verboten habe. Schließlich habe er dic Bauleitung nieder- gelegt und dieses dem Bauamt angezeigt: allerdings hat er die Gründe, die ihn zur Niedcrlegung der Bauleitung bewogen haben, dem Bauamt nicht angegeben, sonst würde dieses das Weitrri arbeiten untersagt haben. Pf. bestreitet, daß ihn die Sache etwas anginge, da er die Arbeiten dem St. übertragen habe: doch hat er mit St. wegen Einziehung des Trägers verhandelt, auch hat er dem Bauherrn gegenüber die Ausführung deS Banes üben nommen. Ebenso bestreitet St. seine Schuld, indem er behauptet, den Weisungen des Bauleiters nachgekommen zu sein. Alle drei geben zu, sich geeinigt zu haben, dem Bauherrn den eingcstürzten Bau bis in gleiche Höhe unentgeltlich wieder aufzubauen. Nach der Vernehnmng der Zeugen, deren Aussagen für St. am ungünstigsten fein dürften, wurde dic Verhandlung auf nächsten Freitag vormittag 8 Uhr vertagt: es soll dann mit der Vernehmung der Sachverständigen begonnen werden.
Universitäts-Nachrichten.
11 Marburg, 21. Juni. Tie jetzt alltäglich ftnttfinbcnbcn studentischen Fäßchenpartien wurden heute, wie seit nunmehr sieben Jahren cingesührt, durch die mit der Bismarck-Feier verbundene R i e s e n f a ß p a r t i e der gesamten Marburger Studentenschaft unterbrochen. Von 3 Uhr nachmittags an zog eine Korporation nach der anderen, manchmal auch mehrere zusammen, mit Musik nach den unweit des BismarckturmeS befindlichen Anlagen dec Weintrantseiche. Es mochten unter Hinzurechnung auswärtiger Gäste wohl 15—1800 Studenten sein, die sich hier bei Musik, Gesang und Becherklang vortrefilich unterhielten. Nach eingetretener Dunkelheit ging es unter Fackelschein hinauf zum Bismarckturm, von dessen Zinnen auch bald weithin ins Lahntal sichtbar, die Flammen zum Himmel loderten. Nach beendetem Festakt, bei dem die Chargierten des Korps „Teutonia", die stad. jur. Hensen und Elias, Ansprachen hielten, bewegte sich ein endloser Fackelzug die BiLmarck-Promenade entlang hinunter in dic Stadt, wo bann auf dem Kämpsrasen die übliche Schlußseier stattfand.__________________
Vandem und Reisen, Vüder und Zommersrischen.
— Eine genußreiche kleine Reise über die Tauernbahn nach Triest, Adelsberger Grotte, St. Canzian, Abazzia, Fiume, Venedig, Gastein und Salzburg zeigt Pros. Dr. Mister ans ©tutt- gart im Anzeigenteil unseres Blattes au. ______________
Hochwasser.
Köln, 21. Juni. Vom Kaiser ist dem Obcrpräsi- dium folgende Drahtnachricht zugegangen: „Voll innigem Mitgefühl mit den von der entsetzlichen Wettcrkata strophe betroffenen Personen im schönen Ahrtalc, deren Schaden an Blut und Gut in seinem ganzen, so traurigen Umfange jetzt zu übersehen ist, ist es auch mir ein Bedürfnis des Herzens, zur Linderung der größten Not auch meinerseits ein Scherflcin bcizutragen. Ich habe daher eine Summe von 10000 M k. zu Ihrer Verfügung gestellt und meiner Schatulle zu Ihrer Verfügung an Sie angewiesen."
Koblenz, 21. Juni. Von heute früh ab ist zwischen Remagen und Adenau die Personenbeförderung in vollem Umfange aufgcnommen worden: bei Nicder-Adenau., zwischen Dümpelfeld und Leimbach, wird eine solche bis auf weiteres durch Umsteigen vermittelt.
Düsseldorf, 21. Juni. Dic Stadt bewilligte 6000 Mark für die durch das Hochwasser geschädigten Bewohner des Ahrtales.
Sport.
Internationale Segelwettfahrt auf der Unterelbe.
Cuxhaven, 21. Juni. An der heute von dein Norddeutschen Regattavcrein veranstalteten internationalen Segelwettfahrt auf der Unterelbe beteiligten sich zehn Jachten. Der Start, der nm eine halbe Stunde verschoben wurde, fand nm 11 Uhr 30 Min. statt. Als erste Jacht ging „Westward" um 3 Uhr 25 Min. 38 Sek. durch das Ziel mit 20 Meter Vorsprung vor „Hamburg", der etwa 3 Mm.
später „Anna Agens 3" und „Meteor" folgten. Als letzte Jacht des Feldes ging „Germania" durchs Ziel.
Nach der Regatta fand an Bord des Dampfers „Amerika" die Preisverteilung und ein Festessen statt, bei dem der Bürgermeister Dr. Burchard ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte.
Luftschifsahtt.
Verunglückter deutscher Ballon.
O f e n p e st, 21. Juni. Bei orkanartigem Sturme stürzte gestern abend der am Sonntag in Leipzig aufgesttegene Luftballon „Plauen" in der Ortschaft Suekocsd nieder. Die Insassen, der Leipziger Arzt Dr. A l b r a ch t, der Fabrikant Müller aus Greiz und Kaufmann K r a ufj ans Reichenbach, sielen heraus. Dr. Albracht erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Rippenbruch und Müller einen Arm- brnch. Krauß blieb unverletzt. Der Ballon wurde mit dem vierten Insassen, dem Handschuhfabritanten Wiener aus Chemnitz, durch den Wind emporgeschnellt und fort getragen. Wiener landete erst heute morgen wohlbehalten bei Windstille in Csavvly. Die Verletzten werden im Bajacr Kranl'enhause gepflegt. Die Luftschiffer hatten eine Ballonfahrt zum Plattensee unternommen, wurden aber vom Wind ergriffen und nach Südungarn bis in die Nähe der S-todt Basa getrieben.
vermischtes.
* Vogelkäfige im Sonnenbrand sind cht trauriges Zeichen für die Gleichgültigkeit und Herzenshärte ihrer Besitzer. Man denke sich die armen Vögel, die früher von Baurn zu Baum flattern, sich nach Belieben schattige Plätzchen aussuchcn konnten, nun dazu verurteilt, in unerträglicher Gluthitze sdpitzlos auszuharren, während der dies Elend gar nicht bedenkende Eigentümer des Vogels seine werte Persönlichkeit jedenfalls sorgfältig ins Kühle fetzt und durch einen kühlen Trunk noch weiter für seine Behaglichkeit sorgt. Die Polizeibeamten sollten das Heraus hängen von Käfigvögeln in den Soimenbranb als Tierquälerei gilt Anzeige bringen, denn es ist eine öffentlich begangene, Aerger- nis erregende Quälerei, die als eine rohe Mißhandlung angesehen werden muß.
* Das Kind auf der Flugmaschine. Der jüngste Held der Flugkunst ist ein vierjähriger kleiner Amerikaner, den nur ein Zufall zum Flieger gemacht hat. Mit seiner neuerfunbenen Flugmaschine unternahm Charles Abergasty zusammen mit seiner Frau bei stürmischen Winde einen verwegenen Aufstieg. Als der Apparat 200 Fuß hoch in den Lüsten schwebte, sahen bic Eltern mit Entsetzen vom oberen Rande der Flngmaschine ihren Jungen herabblickcn. Das Kind hatte sich auf der Maschine verkrochen und war beim Aufstieg nicht gesehen worden. Bei dem furchtbaren Sturme war an eilte Wendung nicht zu denken, weil das Kind dabei herabfalleit mußte. Schließlich gelang die Um kehr, aber bei 10 Meter Höhe legte sich der Apparat auf bic Seite, so daß der Junge abstürztc. Zum Glück siel er in ein Gebüsch und kam mit einigen Kratzwunden davon.
* Verdient die Saatkrähe Schutz? Die Frage muß entschieden mit „ja" beantwortet worden, beim ihre Nahrung besteht hauptsächlich in Feldmäusen, nach denen sie besonders gierig ist, in allerlei Gewürm, speziell Regenwürmern, Acker- schneckcn, Insekten und deren Larven, vornehmlich Engerlingen, denen sie entweder hinter dem Pfluge nachgeht oder infolge ihres feinen Geruchs in der Erde nachspürt und sie mit dem Schnabel' aushebt. Die Saatkrähen bekämpfen dic Maikäfer zuweilen syste- matisch derartig, daß einige die Käser von den beblätterten Zweigen abfdjüttcln, während andere sie Dom Boden auflefcn unb verzehren. Aas verschmähen diese Krähen selbst bei Nahrungsmangel. Durch Angehen von Getreide, Hülsenfrüchtcn, Kirschen und Beeren werden sie hin und wieder örtlich etwas lästig, welcher kleine Nachteil aber vielfach durch den großen Nutzen aufgewogen wird, den sie durch die massenhafte Vertilgung der genannten Acker- schädlinge stiften. Eine umfangreiche Saatkrälxmsicdllmg besteht feit vier Jahren bei Berlin in der Jungfernheidc an der Berlin- Tegeler Chaussee, in der manche Kiefer als Nistbamn ein Dutzend Nester trägt. Hinsichtlich des allgemein anorfarmton Nutzens, den diese Krähen in der Land- und Forstwirtschaft stiften, läßt man sic. trotz des täglich von früh bis spät bau mi beit, für menschliche Ohren kaum erträglichen wüsten Schreiens und Zankens doch! ungestört gewähren. E. K.
Handel.
— Französische Handelskammer in Berlin. Tic Errichtung einer französischen Hairdelskamnrer in Berlin nnrd von dem französischen Nationalökönomen Leon Adam in dem in Berlin erscheinenden >Joucmal ä Allmagnc befürwortet. Seit 1882 sind 33 französische Handelskammern an wichtigen Plätzen des Auslandes'ins Leben gerufen worden. Herr Adam führt aus, daß die Schaffung einer solchen Handelskammer in Deutschland im Interesse beider Länder liege.
Berlin, 21. Juni. In der ersten Aufsichtsratssitzung des neuen K a l i s y n d i k a t s wurde berichtet, daß der Msatz im Juni nvrnral sei. Tie Frage der Preisfeststellung unter dem neuen Kaligcjetz und der zukünftigen Organisation wurden eingehend besprochen. Beschlüsse sollen nach dem So lanntwcrden der Aussührungsbejstimmnngen erfolgen.
Verantwortlich für den Politischen Teil i. V.: R. L a n g c.
Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.
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bis 21. Juni =•+ 21,4 ’C.
, 21. „ = 4- 7,0 eC.
Erdbeeren sind jetzt reichlich auf dem Markt Frische Erdbeeren und Flammeri, gekocht aus Mondamin und Vollmilch, geben eine köstliche Nachspeise.
Mondamin muß gut 10 Minuten lang kochen, um den schönen nußartigen Geschmack und die volle Nährkraft zu entfalten. Nur gute Vollmilch verwenden!
Rezepte gr. u. fr. von Brown & Polson, Berlin C. 2.
Kranken
-Kindermehl
kost.
Hervorragend bewährle
Nahrung. «
Die Kinder gedeihen =>
vorzüglich dabei --
u. leiden nicht an
Verdauungsstörung.


