Ausgabe 
21.5.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 116 Drittes Blatt

160. Jahrgang

Samstag 21. Mai 1910

Erscheint IL-lich mit Ausnahme beS Sonntags.

DieSießeaer LamflienbLttter" werben bem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigdegt, baS Kreisblatt für den Kreis riehen" zweimal wöchentlich. DieLan-wirtfchastltchen Seit» fragen" erscheinen monatlich jweimal.

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Gderheffen

3iotafwn5brurf unb Verlag der Brühl'schen UnwersuätS - Buch- unb Steinbruckerei. 9L Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul­straße 7. Expebikion unb Verlag: e=^5L Redaktion: 112. T«l.-Abru AnzelgerGießen.

poütifcbc Tagesschau.

Realgyinnasien

1909

62

33

1905

63

33

Oberrealschulen 1905 1909 37 55

27 44

Gymnasien.

1905 1909

Preußen ... 269 277

Bundesstaaten 156 160

Die Statistik der höheren Schulen.

ImTag" gibt Oberschulrat Block interessantes Ma­terial über den Besuch der höheren Lehranstalten wieder. Er meint:Gerade int Oberlehrerstandc, dem die Aus­bildung der geistigen Elite der Nation bis zum Besuche der Hochschule -anvertraut ist, finden sich schon seit längerer Zeit, noch ehe bic anderen akademischem Berufe dieseMunnig- faltigkeit crufHuweisen hatten, Männer der verschiede n- st en Bildungswege zusammen zu gemeinsamer, harmo­nischer Arbeit. Wir haben täglich in unseren Lehrerkollegien Gelegenheit, zu sehen, daß diese Mischung nicht zu einem Zwiespalt, zu einer Entfremdung, zu einem Nichtverstehen führt, sondern daß gegenseitige Wertschätzung, gegenseitiges (sieben unb Nelznien, gegenseitige Anregung die Folge ist." Dann fährt er fort:

Wenn wir daher au5 den Zahlen erkennen werden, daß die eealcn Anstalten zwar langsam aber stetig an Boden gewinnen, so braucht uns dies keine Sorge um die Zukunft unseres Vater­landes zu bereiten, wir dürfen annehmen, daß die Entwicklung mit der Zeit auch eine größere Wertsckwdung der Oberrealschule in den sozial höher ftebenben Kreisen und allmählich ein innerlich bereckitigtes Verhältnis m der Zahl und Besuchsziffer der drei Vollanstalten herbeiführen wird.

Wie sich die Verhältnisse in dieser Besetzung entwickeln, ist aus folgenden ZaUen zu entnehmen. Es waren vorhanden:

95

86

Oberrealschulen

Gymnasien

1909

327

181

1909

103

56

1905

40

30

1905

83

45

1909

61

48

Hierbei sind die unter einer Direktion vereinigten Doppel­anstalten (Gymnasien mit Realgymnasium kombiniert usw.) nicht mitgez.ählt, berücksichtigt man ihre nicht geringe Zahl, indem man die betreffende Anstalt zu jeder Gruppe hinzufügt sie also

1905

Preußen. . . 313

Bundesstaaten 175

Reich ... 425 437

64 99

doppelt zählt so erhält man folgendes Bild: Realgymnasien

Reick ... 48» 508 128 159 70 1-.9

Semester und nur auf

2

1

seinefter 1909:

687

442

1726

9

3 467 782

1882

160

159

1128

11,8

19

33,6

50,6

48,7

282

168

1306

17,4

18,0

33,3

57,7!

46,7!

22,4

23,5

37,4

59,9

50,6

16

23

40,9

57,6

56,6

Bundesstaaten Gym. R.-Gymn. O.-R.

gymnasiale Vorbildung.

Es haben nicht gymnasiale Vorbildung im Sommer-

Juristische Fakultät Medizimschc , Philosophische Fakul. (Neuere Philologie) (Mathematik)

1074

815 4769

402 i 5954

Die folgenden Zahlen, denen die Angaben des Herrn Geh. Oberregierungsrats Dr. Tilmann in derNLonatsschrift für das höhere Schulwesen" zugrunde liegen, lassen erkennen, wie die ein­zelnen Vollanstalten an den llnirersitätszisfern beteiligt sind.

Die Zahlen beziehen sich auf daS letzte Inländer mit voller Maturität.

Preußen

Gymn. R.-Gymn. O.-R.

Preußen Bundesstaaten

in 70 in % in 7, in % f. alle Sem. f. das 1. Sem. f. alle Sem. f. d. 1. toem.

Philologische Fak. 6647

Tie folgende Tabelle gibt für die juristische, medizinische und philosophische Fakultät die Zahl der Studenten mit nicht gym­nasialer Vorbildung an. In Kolonne 4 und 5 sind die ent­sprechenden Zahlen für zwei starke Unterabteilungen der phi- losovhisckwn Fakultät, für Neuphilologen und Mathematiker, bei» aefügi. Die erste Proz-entzayl betrachtet in den einzelnen Fakul­täten die gesamte Studentenschaft, die zweite Zahl nur die Stu­denten, die im erften Semester stehen. Gerade '.triefe Zahl zeigt am deutlichsten die allmähliche Zunahme der Studierenden ohne

Ev.-theol. Fakultät 1088

Kalh.- , 965

Juristische 4586

Medizinische .. 2691

Bebel in der Leipziger Schlacht.

Der Genosse R ö t h i n g fjattc in der ,Leip^. Volks- Atg." unter der UeberschriftAugust Bebel 1860 unb 1910" Erinnerungen veröffentlicht, worin er erzählte, wie er im

.Kriegsjahre 1870 in einer Genossenschlacht in Leipzigehr­lich verhauen" wurde. Jetzt wendet sich Bebel mit einer Berichtigung gegen ihn und erzählt:

Es ist eine bekannte Tatsache, daß zwei Personen, die über ein und denselben Vorgang, an dem sie beteiligt waren, be­richten, fast nie genau übereinstimmen. So geht es mir auch mit einem Teil der Emählung Röthings. Nach seiner Darstellung soll tzch in dem längst verschollenen Schrötergäßchen meinen Stock auf ihm zerschlagen haben, auch sei ich ihm bei jener Gelegenheit beim lieb er klettern eines Bretterzaunes inslockenumwallte Haupt" gefahren, so daß er buchstäblich Haare habe lassen müssen. Das letztere stimmt, des ersteren Vorganges kann ich mich nicht entsinnen. Aber wenn ich ihm wirklich eine Tracht Prügel ver­abreicht haben sollte, hatte er sie redlich verdient. Der Vorgang war folgender, und das ist wichtig sestzustellen. Es war im August 1870. Drüben in Frankreich wurde eine Schlacht nach der anderen geschlagen, in denen die Franzosen unterlagen. Liebknecht und i di hatten im Juli bei der ersten Forderung der Geldbewilligung für den Krieg uns der Abstimmung ent­halten mit der Motivierung, daß der Krieg mit Frankreich nur die Folge der Politik Bismarcks von 1866 sei, einer Politik, die wir auss heftigste bekämpft hatten. Im Lasalle scheu Lager sowohl im Schweitzerscheu, wie in dem der Hatzfeldt- Mende, in dem Röthing stand war man über unser Vorgehen in patriotische Wallung geraten; wir wurden in der Presse der beiden Fraktionen alsLandesver­räter" gebrandmarkt. Schweitzer schickte sogar im August einen seiner Agitatoren nach dem andern nach Leipzig, um in öffentlichen Versammlungen gegen uns loszugehen. Eines Tages kam auch Hasenelever. Dieser ließ Plakate an- schlagen, in denen nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Stu­dentenschaft eingeladen wurde, über unsLandesverräter" Ge­richt zu halten. Die Versammlung war ins Kolosseum einberufen. Jetzt lies mir die Galle über. Ich bat unsere Ver­trauensleute, die Parteigenossen zu alarmieren, sie sollten in Massen erscheinen, was auch geschah. Bei der Vorsitzendenwahl kam es in der überfüllten Versammlung bereits zum Krach. Kurze Zeit, und die beiden Parteien lagen sich in den Haaren und prügelten aufeinander los. P e tz o l d , der Führer der Schweitzerianer, und Röthing, der der Hatzseldtianer, wurden ganz besonders hergenommen und ehrlich verhauen! Hasenclever hatte sich entfernt. In der Sorge um seine Möbel und Fenster löschte der Wirt die Gas­flammen aus. Wir versammelten uns daraus in unserem Vereins­lokal, der Goldenen Säge. Da traf die Nachricht ein, die Lassalle- aner seien nach Liebknechts Wohnung gezogen, um diesem die Fenster einzuwerfen. Sofort brachen wir auf und eilten im Sturm auf dem kürzesten Wege nach der Braustraße. Als wir dort anramen, waren die Lassalleaner eben abgezogen; sie hatten eine Anzahl Fensterscheiben eing eworfen und dadurch Frau Liebknecht, die ahnungslos in der Stube saß und ihrem ersten Spcößling die Brust reichte, heftig erschreckt. Unser Zorn kannte keine Grenzen. Wir trennten uns in zwei Haufen, um die Lassalleaner sicher zu packen. In der Windmühlenstraße faßten wir sie und verprügelten sie gründlich. Röthing und einige Genossen waren durch eine Wirtschaft in einen Garten geflüchtet unb dachten im Schrötergäßchen über eine Gartenplanke zu entrinnen. Dort entdeckte ich Röthing, als er eben feinlockenumwalltes Haupt" über die Planke reckte. Ich griff fest zu und wollte ihn herüberziehen. Aber das gelang mir nicht, er fiel in den Garten, ein Bündel Haare in meinen Händen lassend. So entwischte er mir . . . Im übrigen freut es mich, daß Röthing mit so gutem Humor der wohlverdientes Prügel gedenkt, die er vor letzt 40 Jahren empfing

"Wandern und Reisen.

Hauptversammlung des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine. In Braunschweig tagte am 18. bs. die Hauptversammlung des Bundes Deutscher Verkehrsoereine. Aus Hessen waren Vertreter von Gießen, Worms, Darmstadt unb Bad-Nauheim erschienen. Der Bericht des Geschästssührers über die Aufgaben und Ziele des Bundes zeigt eine großzügige Stellung­nahme zu den schwebenden Verkehrsfragen (Errichtung von Aus­kunftsstellen im Ausland, Förderung des internationalen Durch­gangsverkehrs usw.). Am Schlüsse des Berichts wurde eine Ent­schließung gegen die F a h r k a r t e n st e u e r angenommen. Hierauf hielt Professor Friedrich- Leipzig einen Vortrag über Die geographischen Grundlagen des Fremdenverkehrs in Deutsch­land", der die Bedeutung der geographischen unb klimatischen Ver­hältnisse für ben Fremdenverkehr beleuchtete und mit einer ein- stnnmig angenommenen Entschließung für Unterstützung der verkehrssördernden Bestrebungen der Verkehrsoereine schloß. Nach

kurzer orühnückspause sprach Rechtsanwalt L' c b r e d) t-Lerpzig über dieVereinheitlichung der deutschen Eisenbahnen", indem er bte historische Entwickelung dieser bedeutungsvollen Frage beleuchtete und auf die Notwendigkeit einer Vereinheltlichung hrnwies. I» einer Entschließung wurde der Standpunkt des Bundes, enisprecheud der bejabenbeu Llellungnahme des Vortragenden, festgelegt. Regte- rimgsrat E n d r e s - Maniiheim schloß sich beix Ausführungen an. Zinn Schluß hielt Herr Dr. Uhde- Braunschweig einen Vortrag überDie Bedeutung der elektrischen Triebwagen für den Verkehr."

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Weit kräftiger als seine Geschwister.

Offenbach a. Main, Friedhosstr. 19, 26. Ium 1908.

^Jch bin Dlutter von 5 Kindern, wovon die 4 ersten infolge ihres zarten Knochenbaues hinter ihren Altersgenossen zurückgeblieben find. Da nun auch mein jüngstes Kind Alma un Alter von 7 Monaten zu wünschen übrig ließ, so fürchtete ich AehnlicheS unb entschloß mich, um auf alle Fälle vorzubcugen, der Riemen Scotts Lebertran-Emulsion zu geben. Nachdem ich mich durch eine Probe überzeugt hatte, daß das Kind das Präparat gern nahm unb e5 auch gut vertrug, habe ich biuleremanber mehrere Flaschen ver­braucht und bin mit dem sich sofort zeigenden Erfolge durchaus zusrieden. DaS vorher zarte und teilnahinlose Ruib wurde kräftiger, lebhafter, bekam Appetit und fountc alles, was ihm gereicht wurde, gilt vertragen und oerbauen. Mit 11 Monaten fing es schon an Gehversuchezu machen, und es ist in jeder Beziehung ein ganz anderes, weiter vorgeschritteneres Kind als feine Geschwister in den gleichen tSebenSmonaten gewesen sind." (gez.) Marie Sporl.

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