• Ein Bürgermeister, her lesen und schreibe,, lernt. Das Examen des Bürgermeisters von Lutzan, einer Rasbarsdadt von Eernowicz, in den beiden. Elernentarfachern ,,3d)rcÜ)cn" und „Lesen", des vor einigen Tagen statt faird, erregt in ganz Oesterreich tue ungciriibtcfte Heiterkeit. Me Vorgeschichte, die zu diesem einzigartigen Vorfall führte, ist folgende: In Lutzan wurde vor mehreren Monaten der Bauer Simeon Berezahn zum Bürgernreistcr gewühlt. Berezahn ist ein Mann von 50 Jahren, der in der Landwirtschaft siäi-erlich mehr Bescheid wußte, als in gelehrten Dingen. Als nämlich die Bürgermeisterwahl durch den Negierungskommissar bestätigt werden sollte, und der Bürgermeister seinen Namen unter die Bestätigung zu sehen hatte, stellte es sich heraus, daß er weder lesen noch schreiben konnte. Die Wahl war also ungültig. Berezahn reichte zwar bei dem Landesausschuß ein Gesuch ein, ihm diese für einen Bürgerrneisterposten an scheinet unnotwendige Gelehrsamkeit zu erlassen, hatte aber damit fein Glück Es wurde ihm aufgegeben, binnen drei Monaten lesen und schreiben zu lernen oder das Amt einem anderen zu überlassen. Der Kandidat vertiefte sich nun in die Abgründe des Wissens. Als nun vor einigen Tagen die Neuwahl vorgenommen wurde, vereinigten sich alle Stimmen wieder auf unseren Berezahn. Der Regierungskommissar, der diesmal schon gewitzigt war, fragte den Bürgermeisterkandidaten vorsorglich, ob er letzt schon lesen und schreiben könnte. Berezahn erwiderte eirtrüstet: „Selbstverständ- lich!" Der Kommissar hielt es aber anscheinend nicht für so selbstverständlich, sondern er forderte .ein Examen. An der Spitze des Gemeindcaussckmsses zog nun Berezahn wie ein Triumphator in die Bezirkshauptmannschaft, wo die Prüfung begonnen wurde. Berezahn las ganz „fließend" aus einer Kinderfibel mehrere Sätze vor und schrieb nach Diktat einen Aufsatz, der ihm zwar in der Schule ein Ungenügend" eingetragen hatte, der aber doch als ausreichende <->ühnc erkannt wurde. Die Prüfungskommission erftärte auf eine Anfrage des Regierungskommissars jedenfalls, daß Berezahn für einen Bürgermeister nun völlig ausreichend „gebildet" sei. Jetzt wurde er auch von dem Regierungskommissar betätigt. Er empfing dies Zeugnis mit den Worten: „Die Bül- bang, die verdammte
* Städte auf der Sommer reise. In einer Reihe von englischen Städten besteht ein alter Brauch, der noch heute mit dem glücklichsten Erfolge innegehalten wird und der sozialen Reformatoren beachtenswerte Anregung bieten kann. An einem bestimmten Datum int Sommer reist die ganze Stadt in die Sommerfrische. _ Nicht etwa die vermögenden Bürger, die sich eine Sommerreise leisten können: nein, die ganze Stadt bis bmab zu dem kleinsten Arbeiter reift ins Seebad oder in die Berge. Es ist eine alte'Sitte, die diese sommerlick-e Massenauswanderung möglich macht. Das ganze Jahr über wird von der Stadtbehörde von jedem Familienvater ein besonderer Beitrag erhoben, der als Reservefonds für die Sommerferien gilt. Wenn dann die Zeit der Reife herannaht, tritt die ganze Bevölkerung sozusagen auf Kosten des Stadtsäckels ihre Fahrt in die Sommerfrische an. Tie Stadt Oldham z. B., ein Mittelpunkt der Baum- wollindustrie, erhebt im Jahre für rund 4 Millionen Mark solcher Feriengelder, in Blackburn sammelt man jährlich über 3 Millionen. Die Bevölkerung wird dann in Reisegesellschaften cin- gcteilt, die Stadt stellt besondere Ferienzüge, die in Abständen von je einer halben Stunde abgelassen werden, die Behörden bekümmern sich um die Unterkunft am Reiseziel, und durch die große Zahl der Teilnehmer wird es möglich, die Kosten der" ^ommerreise auf ein Minimum zu beschränken. Ursprünglich reiften diese Städte meistens nach Blackpool oder Yarmouth oder nach anderen englischen Seebädern. In den letzten Jahren aber slnd die,e reckenden englischen Städte bis nach Frankreich und sogar in die Schweiz vorgedrungen. Im vergangenen Jahr z. B. konnte Präsident Fall iß res in Paris 700 Einwohner von Burnley begrüßen. Es waren alles Arbeiter mit Frauen ü!nd Kindern. Während der Ferienzeit bleibt nur d i e Polizei in den verödeten Städten zurück. An allen Aemtern prangt dann die Inschrift: „Der Ferien wegen geschlossen." Natürlich handelt es sich dabei nur um kleinere'Städte, in denen eine solche Stockung des Lebens möglich ist. Insbesondere sind es Gemeinden in Laneashire, die dem alten Brauch treu geblieben und ihn den modernen Verhältnissen entsprechend aus- gebaut haben.
* Gegen die Fliegen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses in Middlesborough, Mr. Alfred Mattison, hat einen Feldzug gegen Fliegen eröffnet, indem er einen Preis von zehn Pfennigen für 50 Exemplare der gewöhnlichen Haussliege oder 12 Exemplare der großen blauen Schmeißfliege ausgesetzt hat. Bis Mittwoch abend waren bereits 60 000 Fliegen abgeliefert, wofür ca. 120 Mk. bezahlt wurden. Die „Strecke" eines einzigen „Jägers" betrug ca. 1200 Fliegen der verschiedensten Gattungen. Die Zahl der abgelieferten Fliegen wäre zweifellos nock> viel größer gewesen, aber die Angestellten des Derrn Mattison hatten
genug vom Zählen und Sortieren der Fliegen für einen Tag und ersuchten die Fliegenfänger, am nächsten Tage wieder zu kommen. Mr. Mattison hat inzwischen weitere 200 Mk. auf sein „Fliegenkonto" abgeschrieben. _________
Handel.
— Der Ausfuhrhandel Deutschlands hat in der ersten Hälfte des laufenden Jahres eine bisher nicht dagewejcne Höhe erreicht. In den Monaten Januar bis Juni 1910' wurden für 3541 Millionen Mark Waren ausgeführt, d. i. für 502 Millionen Mark mehr als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Die Einfuhr hat sich nur um 97 Millionen Mark, nämlich von 4165 auf 4262 Millionen Mark gehoben, so daß sich für das erste Halbjahr 1910 nur ein Einfuhr-Ueberschuß von 721 Millionen Mark — 20 Prozent ergibt, während im ersten Halbjahr 1909 der Einfuhr-Ueberschuß 1126 Millionen Mark --- 27 Proz. betragen hatte.
Märkte.
th. Gießen, 20. Juli. Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Auftrieb von ca. 1500 Stück Großvieh und 350 Jung- tiereit und Kälbern. Der Vorhandel hatte diesmal nicht denselben Umfang als bei den letzten Märkten, weshalb auch am Markt selbst ein stärkerer Auftrieb in qualitätsreichen Tieren in allen Viehgattungen vorhanden war. Der Milchviehhandel bewegte sich bet den alten hohen Preisen in den gewohnten Bahnen, obgleich im allgemeinen Käufer ans weiteren Gegenden nicht anwesend waren, außer einem solchen ans der Provinz Sachsen, der 40—50 schwere Simmentaler Fahrkühe für Posen kaufen wollte. Er traf aber in befriedigender Ware kaum die Hälfte der Tiere an. Jungvieh war nur mäßig aufgetrieben; es ging glatt ab. Fette Rinder waren zu den seitherigen Preisen, anzubringen. Fette Kühe, die in prima Ware schwach vertreten waren, mußten sich einen Preisabschlag von 5—6 Mk. für den Zentner gefallen lassen und konnten kaum an den Mann kommen. Für Kälber waren wieder Frankfurter Einkäufer Abnehmer, so daß unsere heimischen Metzger recht hohe Preise anlegen mußten. Bezahlt wurden stir das Stück Milchkübe 1. Qual. oöO vis 600 IHf., 2. Qual. 450 bis 525 Mk., 3. Qual 370—430 Mk. Jungvieh je nach Alter und Form 120 bis 22 > Mk. (Gehandelt mürbe der Zentner Schlachtgewicht: Felle Rinder 1. Qual. 80 bis 82 Mk. (einzelne extra schivere Tiere bis 85 Alk.), 2. Qual. 77 bis 79 Alk., fette Kühe 1. Qual. 67 bis 72 Alk., 2. Qual. 63—66 Mk., 3. Qual 58 bis 62 Mk. Kälber 1. Qual. 85-90 Mk., 2. Qual. 76 bis 82 Alk., 3. Qual. 68 bis 74 Mk. Fette Ochsen müssen von den Metzgern immer noch mit 86 bis 88 Alk. der Zenlner Schlacht- gewicht in prima Ware bezahlt werden, die 2. Qualität ist unter 83 Mk. nicht zu haben. In geringwertigen Kühen blieb der Markt überständig, der sich langer hinauszog als sonst.
Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise ____________________am 18. Juli 1910.
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k i u r t a. Ü)L
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 83—91 Alk.
V,Kg. Schlachtgew. 92—100^1
7, , „ 69-71 „
7t Kg. 80-88 Pfg.
7, , 86—88 ,
7, „ 60-96 ,
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 21.00-21.25 Mk.
Roggen 100 Kg. 16.00—16.25 Mk.
Weißbrot 2 Kg. 62 Pfg.
Schwarzbrot 2 Kg. 54 '13fg.
Vüchertisch.
— München und das bayerische Hochland. Der Verein zur Förderung des Frenidenverkehrs in München und im bayerischen Hochlande hat zwei bübfdjc Orientierungsschriften herausgegeben, die allen Besuchern dieses Gebietes gute Dienste tun werden. Die erste Schrift „12 Tage in München" bringt in gedrängter Kurze alles Wissenswerte über Baverns Hauptstadt und deren nähere Umgebung; die zweite Broschüre „Vierzehn, Ausflüge ins baperische Hochland" bildet einen zuverlässigen Führer für das ganze Alpengebiet zwischen Salzburg und Lindau. Eine übersichtliche Karte sowie 14 trefflich ausgesührte Ansichten vervollständigen den letztgenannten Prospekr. Die Schristck>en sindj kostenlos durch die Amtliche Auskunftsstelle der Kgl. Bayerischen Staatscisenbahncn im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, zu beziehen. Daselbst werden, auch alle Auskünfte über Bayern bereitwilligst unentgeltlich erteilt.
Fanrilien-Nachrichten.
Geburten: Herrn Rechtsanwalt Bergheimer in Al-chtt- eine Tochter.
Verlobte: Fräulein Marie Hornrnann in Bellersharn m 1 Herrn Heinrich Graulich in Reinhardshain. — Fräulein Berti.a Hassel mit Herrn Ferdinand Michel, beide in Wetzlar. - Fräulein Marie Noll in Alsfeld mit Herrn Friedrich Blath in Hedersleben. — Fräulein SDiaria Lang in Hungen mit Herrn August Naleppa in Trais-Horloff.
Gestorbene: Herr Otto Herrnbrodt in Ober-Mockstadt. — Herr Georg Knierirn in Alsfeld. — Herr Johannes Renning in Ruppertsburg. — Herr Andreas Feick in Uellershausen. — Fräulein Alice Nottle in Ostheim. — Fräulein Theodore v. Ploenniee in Darmstadt. — Fran Katharine Franz Witwe, geborene Haub, Fran Henriette Kippenberger, geborene v. Saini George, Herr Oskar Blady, Fran Regina Macrcmder, geb. Jnuncl, sämtlich in Wetzlar. — Herr Georg Schacker, Fran Lina Salzer, geb. Ruppersberg, beide in Marburg. — Frau Susaima Geitz, geb. Klotzbach, in Biedenkovf. — Herr Ludwig (Sanftem in Friedensdorf a. d. Lahn. — Herr Christoph Stieler in Eisenach. — Herr Johannes Adolph m Hutzdors.'
Wöchentl. Ueberstcht derCodessatte L ö. Stabt Eichen.
28. Woche. Vom 3. bis 9. Jun 1910.
Einwohnerzahl : angenommen zu 31,800 linkst 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 16,34 "/„, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 8,17 "Ar.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: un
1. Lebensjahr: Gallenblasen-Ent-
zündung 1 (1) 1 (1) —
Bauchfellentzündung 1 (1) — —
Lungenentzündung 1 — —
Schlagfluß 2 2 —
Nierenentzündung 1 1 —
Krebs 1 1 —
Zuckerkrankheit 1 (1) 1 (1) —
Altersschwäche 1 (1) 1 (1) —
Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1)
111 h । : l
Summe 10 (5)
7 (3)
1(1)
2(1)
unm.: Die m Klammern gesetzirn Ziffer:i geoeit an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach ...irvi'Ti iii’b-.nrfit? Kranke kommen.
Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes": I. V.: A u g u st G o e tz.
Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.
Juli
1910
Regen
20,9*0.
14,9 6C.
Höchste Temperatur am 18. bis 19. Juli
Niedrigste , , 18. „ 19. „
Niederschlag: — 2,0 mm.
Temperatur der Lust
Absolute Feiichtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Krad der Bewönuing in Jehnrel der sichlb. Hiinnietssl.
Wetter
19.
2 ’6
744,6
18,1
12.8
83
NW
2
10
19.
Gib
746,3
17.4
127
86
NW
2
10
20.
•
747,6
14,5
10,2
84
WSW
2
10
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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste, für die Blumenspenden, für die Pflege der Schwester und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Groth sagen wir allen unseren herzlichsten Dank.
Heinrich Wagner II., Gastwirt und Kinder.
Rödgen, den 19. Juli 1910. 3975
Bekanntmachung.
Die unterm 11. Mar 1910 angeordnete Sperre der Ost- Anlage von der Wiesenstraße bis zum Walltor wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 18. Juki 1910.
Großherzvgliches Polizeiamt Gießen. ___________________Gebh ardt.
Submission.
Für die Großh. Universitäts-Augenklinik Gießen soll die Lieferung des Bedarfes an Weißzeug und Kleidungsstücken auf dem Wege öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen und der Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 können nebst den Mustern bei der Verwaltung der Klinik nachmittags von 3 bis 5 Uhr eingesehen werden.
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Montag den 25. Juli 1910, vorm. 11 Uhr
auf der Verwaltung der Klinik abzugeben. Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, den 12. Juli 1910.
Großh. Direktion der Universitäts-Uugenklinik.
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der Mitglieder 9188.82
„ Nachlaß für noch nicht falligeGüter- Kaufgelder
„ Reservefonds
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, Reingewinn
872892.11
67
2
872 892.11
Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1908 Während 1909 gingen zu..... .
1909 „ ab .......
300.— 18328.28 6903.71 1324.34
Daher Stand der Mitglieder Ende 1909 . 67
Lang-Göns, den 14. Juli 1910.
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