Ausgabe 
20.7.1910 Zweites Blatt
 
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Wichtigkeit Das Lager befindet sich unweit des Mas Lue, eines schiffbaren Nebenflusses des Kebi, so daß Abtransport zu Schiff auf dem Benne-Niger bis zum Meere möglich ist. Allerdings ist bi* * Schiffbarkeit des Flußweges, besonders im Oberlauf des Benuö mit seinen Nebenflüssen, auf kurze Zeit des Jahres beschränkt.

2lus Sfaöt rind CanX

Gießen, 20. Juli 1910.

AuS dem Militärwochenblatt. Zum Besuch deS 1. (85.) Lehrgangs der Feldartillerie-Schießschule wurden Hauptmann v. Henning auf Schänhoff vorn Feld-Art.- Neg. 61 und Oberleutnant v. Tümpling vom F.-A.-N. 61 kommandiert, ferner zum 1. Lehrgang für Leutnants Leutnant v. Reichenau, F.-A.-N. 25, und zum 2. Lehrgang die Leutnants van der Elst, F.-A.-R. 25 und v. Jlfemann, F.-A.-N. 61.

Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag dem 21. Juli, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Bau­gesuch Gustav Belitz für Ecke Ebel- und Wilhelmstraße. 2. Errichtung von Bedürfnishäuschen. 3. Ieldbereinigung links der Lahn; hier Weganlage bei der Gail'schen Dampf­ziegelei. 4. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Mar­burger Straße, Ost-Anlage, Moltkestraße und Kaiser-Allee. 5. Festsetzung des Preises für Grundstücke des Stadterweiter­ungsfonds, die zll Straßenanlagen verwendet wurden. 6. Ge­such der israelitischen Neligionsgesellschaft, bctr. Anlage eines israelitischen Friedhofes. 7. Beerdigung von Leichenteilen aus der Anatomie auf bcm alten Friedhöfe. 8. Aufstellung von Aufnahmebehältern auf dem alten Friedhöfe für abgängigen Grabschmuck. 9. Anstrich des Gebäudes Leihgesterner Weg 13. 10. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 11. Geneh­migung von Rechnungen. 12. Beleuchtungsanlage in der höheren und erweiterten Mädchenschule. 13. Fortbildungs­klasse an der höheren und erweiterten Mädchenschule. 14. Vor­anschlag für die Oberrealschule und das Realgymnasium für 1911. 15. Beschaffung von Einrichtungen zur Brauchbar­machung deS bedingt tauglich erkannten Fleisches. 16. Aus­führung der Trichinenschau durch ein Trichinoskop. 17. Ge­nehmigung von Handabgaben aus den Stadtwaldungen. 18. Bestellung von Frauen als Armenpflegerinnen. 19. Ein­gabe deS Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig, KreiSverein Gießen, um anderweite Festsetzung des Laden­schluffes. 20. Gesuch der historischen Kommission des Groß­herzogtums Hessen um Beitritt der Stadt Gießen. 21. Gesuch der Vereinigung für staatsbürgerliche Erziehung in Köln um Gewährung von Zuschüssen. 22. Gesuch des Gießener Fußball­klubs 1900 um Gewährung eines Zuschusses zur Anlage eines Spielplatzes. 23. Gesuch des Johannes Cüsters um Erlaub­nis zum Wirtschastsbetriebe im Hause Ludwigstraße 55. 24. Desgleichen des Heinrich Decker für Crednerstraße 34. 25. Desgl. deS Karl Pfeil für Plockstraße 5.

** Brllige Briefe nach Amerika. Folgende Schiffe befördern Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika zum Preise von 10 Pfg. für je 20 Gramm:Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 19. Juli,Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 26. Juli,Amerika" ab .Hamburg 28. Juli,George Washington" ab Bremen 2. August,Cincinnati" ab Hamburg 4. August, Kronprinzessin Geeilte" ab Bremen 9. August,Kronprinz Wil­helm" ab Bremen 16. August,Kaiserin Auguste Victoria" ab Hamburg 18. August,Prinz Friedrich Wilhelm" ab Bremen 20. August,Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 23. August,Cleve­land" ab Hamburg 25. August,Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 30. August. Postschluß nach Ankunft der Frühzüge. Alle diese Schiffe außerCincinnati" undCleveland" sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dem Abgang die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten. Es emp­fiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerk wiedirekter Weg" oderüber Bremen oder Hamburg" zu versehen. Die Porto- ermäßtgung erstreckt sich nur auf Briefe, nicht auch auf Postkarten oder Drucksachen, und. gilt nur nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten AmeriÄs, z. B. Canada.

-r. Heuchelheim, 18. Juli. Die hiesigen Landwirte haben mit der Kornernte schon in der vorigen Woche begonnen. Namentlich an der Sommerseite sieht man schon die Garben zusammengestellt. Die Aehren stecken voller kräftigen Körner. So kann der Landwirt dieses Jahr auf eine gute Kornernte rechnen, denn auch die Regenfälle im vorigen Monat haben wenig geschadet. Dagegen hört man beispielsweise die Korporativausste'lluug der Bradforder und süd- schottrschen Wollwebereien und eine Kollektivabteilung der Lon­doner Konfektionshäuser. Es wird dem Besucher die Verarbeitung der Wolle zum Kleide vom Schafe an durch alle Entwicklungs­phasen hindurch gezeigt, und um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, hat man sogar ein kleines Bild ausgestellt, das ein eit Ausschnitt aus dem englischen Unterhause bildet. Diese Szenerie gibt Gelegenheit, die hohe Entwicklung der englischen Konfektion zu zeigen, denn man führt die berühmtesten Volksvertreter vor, und sie sind es, die die neuesten Produkte der englischen Herren- schneü)er tragen. Auch 52 englische Baumwollspinnereien bieten eine recht beachtenswerte Sammelausstellung, wenn auch absicht­lich vermieden worden ist, den Besucher ganz in die Geheimnisse der englischen Spinnereien einzuführen. Hand in Hand mit dieser Abteilung geht eine sehr schöne Ausstellung irischer Spitzen. Ganz beträchtlich aber ist die Fayence-Industrie vertreten. Man findet hier wirklich hervorragende Kunstgegenstände, und es fällt auch auf, wie die englische Töpferei sich allmählich derart entwickelt hat, daß diese Industrie einen künstlerischen Anstrich bekam. Man betrachte nur die in brennend Rot gehaltenen Gegenstände, und man wird von der Richtigkeit dieser Behauptung'überzeugt sein.

Selbstverständlich mußte auch die englische Grubenindustrie, dir! ja trt Belgien ganz besondere Interessen zu vertreten hat, aus^- ftellen. Der Staat hat sich dieser Gruppe ganz besonders ange­nommen, Modelle der bekanntesten Bergwerke anfertigen lassen und ein ungeheures, statistisches Material zusammengetragen. Man hat natürlich auch das gesamte Rettungswesen, alle Vorkehrungen für die Hygiene und die Wohlfahrt der Grubenarbeiter dargestellt. Wir können an dieser Ausstellung doch noch manches lernen, namentlich was die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer anbetrisft. Wir würden deshalb den Vertretern unserer Staatsbehörden das eingehendste Studium gerade dieser Gruppe auf das Angelegentlichste empfehlen. Daß die Seemacht Englands in dieser Ausstellung auch zur Geltung kommen müsse, war na- Ärltch, daß aber eine derartige Bescheidenheit geübt wurde, »ie man sonst England in maritimen Dingen nicht nachsagen /arm, hatte man doch nicht erivartet. Man zeigt uns die Modelle von Rieseno zeandalnpfern, und auch fast jeder Typ der englischen Kriegsschiffe ist durch irgend ein Modell vertreten, die englischen Dreadnoughts aber wird man vergeblich suchen, desgleichen eine zuverlässige Statistik über die .Entwicklung der englischen See­streitkräfte in dem lebten Jahrzehnt. Warum die Regierung gerade hier mir Halbheiten gearbeitet hat, ist nicht recht erklärlich, denn den Fachleuten ist der Entwicklungsgang der englischen Marine doch hinlänglich bekannt, und es ist bedauerlich, daß diese Abteilung der englischen Ausstellung der Bedeutung auch der englischen Handelsmarine nicht vollkommen, gerecht wird.

vttle Klagen über Mäuse, die zahlreich in unserem Felde vorhanden sind.

zj. Li ch, 19. Juli. Gestern ging in dem nach Stein- bach und Albach zu gelegenen Teile unserer Gemarkung ein molkenbruchartiger Regen niedet, wie er stärker in diesem regen- und gewitterreichen Sommer hier noch nicht gefallen ist. Er richtete an den Feldfrüchten, die heute noch teilweise unter Wasser stehen, beträchtlichen Schaden an. Das Hohlwasser", die von Steinbach und Albach herkommende und hier in die Wetter fließende Albach, stieg in wenigen Minuten ganz außergewöhnlich an und überschwemmte die Hattenröder Straße. Heute noch schießt daS Wasser in großen Mengen au§ den Dramageröhren der von dem Unwetter be­sonders betroffenen Feldmark den Ableitungsgräben zu. Sehr viel gutes Ackerland und viele Feldfrüchte, besonders Dick­wurzeln, sind weggeschwemmt worden. Die Frühkartoffel­ernte, die für viele Leute hier eine Haupteinnahmequelle eröffnet, hat mit dieser Woche begonnen, etwas später wie in früheren Jahren, was aus die feuchte Witterung der letzten Wochen zurückzuführen ist. Es werden jetzt noch 4 Mk. für den Zentner bezahlt.

§ Burkhards, 19. Juli. Gestern nachmittag gegen l/22 Uhr entlud sich über dem sogen.Hillersbachtal", wo­selbst viele Leute mit Heumachen beschäftigt waren, ein furchtbares Gewitter. Das Wetter kam ganz plötzlich; es war wie finstere Nacht, der Regen, vermischt mit dicken Hagelkörnern, schoß in Strömen nieder, dazwischen heftige elektrische Entladungen. Pferde und Kühe waren durch das Aufschlagen des Hagels kaum zu halten.

o. Bad Salzhausen, 19. Juli. Nächsten Sonntag, 24. Juli, nachmittag gibt der schon mehrmals preis­gekrönte MännergesangvereinO rp h e us" - G e - N i d d a (Dirigent Lehrer O. Lentz) hier ein Konzert. DaS gut gewählte Programm weist in erster Linie neue Tonschöpfungen von A. Neff und I. Brodt auf, darunter die Preischöre: Das Röslein im Neckartal",Heimatliebe",Liebfrauen­milch" und das Lieblingslied unseres Großherzogs:Das Liebchen im Grabe". Mehrere Lieder sind Dichtungen deS Amtsrichters Karl Pusch-Ortenberg.

X Bad - Na u h eim, 19. Juli. .Heute mittag wurde vor einer zahlreichen Menschenmenge das nach den Planen von Professor Jobst-Darmstadt an den neuen Kolonnaden aus Muscheltalk errichtete Bene ke-Den km al enthüllt. Im Verlauf des letzten Jahres waren durch Spenden und Konzertveranstaltungen für das Denkmal rund 10000 Mk. gesammelt worden. Die heutige Feier fand in Anwesen­heit der staatlichen und städtischen Behörden, von Vertretern des Hess. Ministeriums und der medizinischen Fakultät der Universität Marburg statt, wo Professor Beneke als Lehrer tätig war. Nach einem Choral der Knrkapelle hielt Prof. Dr. Groedel die Festrede, in der er das Leben und das Werk des hochverdienten Professors würdigte, der als erster Badearzt noch in kurhessischer Zeit den heutigen 9hlf unseres Weltbades begründen half. Der Redner übergab dann im Namen des Komitees für Errichtung eines Beneke-Denkmals das Denkmal der Stadt Bad-Nauheim, für die es sich nach der Enthüllung als ein neuer monumentaler Schmuck zeigte. Darauf sprachen noch Geheimrat Dr. Es er für die Kur­verwaltung, Bürgermeister Dr. Kayser für die Stadt, deren Ehrenbürger der Gefeierte schon viele Jahre ist, und Dr. Sched el im Namen des Aerztevereins. Es folg­ten dann noch Vertreter der Universität Marburg mit kurzen Ansprachen, darunter Professor Beneke, ein Sohn des Gefeierten. Ein zweiter Sohn, Major Beneke, dankte für die Familie allen, die am Zustandekommen der seinem verewigten Vater gewordenen Ehrung mitgewirkt haben. Das Denkmal, eine künstlerische Schöpfung von vornehmer Wirkung, ist ein Brunnen, der aus 20 Oesfnungen einem Bassin Wasser zuführt. Der Hauptteil zeigt das Bildnis des Gefeierten und tragt folgende Inschrift:F. W. Beneke, Professor in Marburg, Arzt in Bad-Nauheim 185782. Begründer der Bäd er-B eh and l un g Herzkranker und Begrün­der der Kindevheilstätten an der See." Das Ganze wird von der Göttin der Gesundheit als Abschluß gekrönt, die der Heilung suchenden Menschheit in einer Schale die heil­kräftigen Wasser darreicht.

m. Friedberg, 19. Juli. Der Sohn des Maschinen­bauers Karl R e u ß von hier verunglückte auf der Chaussee von Ober-Wöllstadt nach Friedberg. Er wollte mit seinem Fahrrad

Nicht Uninteressent war es zu beobachten, auf welche Weise sich die Vertreter der großen englischen Tageszeitungen! und Revuen, die dieser Tage zu einem Kollektivbesuch der Weltausstellung hier weilten, über unsere deutsche Ausstellung aussprachen, die sie eingehend besichtigt haben. Sie lobten die Methodik, die zu Tage trete, und, interessierten sich ganz besonders für unsere Unter­richtsausstellung und unsere Raumkunst. Auf letzterem Gebiet scheinen sie der Ansicht zu sein, daß wir auf dem besten Wege sind, tonangebend für viele fremde Länder zu werden, da der vielbegrüßte organische Stil bald gefunden sein müsse. Im all­gemeinen scheint also auch England unseren Erfolg in Brüssel nicht in Frage zu stellen. Ein wertvolles Zugeständnis!

I. W.

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Ein gründlicher Abfall. Herr Ludwig Fulda beabsichtigte, wie wir denLeipz. Nenest. Nachr." entnehmen, im Winter d. I. in Paris eine Reihe von Vorträgen über Moliepe und Rostand zu halten. 'Diei Gesellschaft, an die Fulda sich gewandt hatte, machte Ludwig Fulda in höflicher Form darauf aufmerksam, daß Moliöre und auch Nostand in Frankreich bereits ziemlich bekannt seien; sie hätten kaum rroch eine Einführung durch einen Deutschen notwendig. Eine Pariser Zeitung km'ipst daran Pie Bemerkung, ob es in Deutschland gar keine Dichter gäbe, über die ein deutscher Schriftsteller vor Franzosen zu sprechen wisse. Eine gute Lehre für den so franzosenbegeisterten deutschen Schrift­steller !

1 Neuerungen in der Berliner Medizinischen Fakultät. Die Zulassung zur Habilitation in der Ber­liner medizinischen Fakultät wird demnächst eine wichtige Aende- rung erfahren. Der Kultusminister hat der Fakultät mitgeteilt, daß eine Aufhebung der geheimen Stimmenabgabe bei der Ab­stimmung über die Zulassung neuer Privatdozenten geplant sei. Die Fakultät hat in ihrer letzten Sitzung die Mitteilung entgegen­genommen, ohne darüber vorläufig in weitere Verhandlungen ein­zutreten. Eine endgültige Beschlußfassung wird noch erfolgen. Doch steht schon jetzt fest, daß der Einführung der öffentlichen. Stimmenabgabe von feiten der Fakultät kein Widerstand entgegen­gesetzt werden dürfte. Die Mitteilung des Ministers ist nm so interessanter, als die Fakultät selbst erst vor nicht zu langer Zeit aus eigener Initiative die geheime Stimmabgabe vorgeschlagen und eingeführt hat. Bekanntlich hat die Fakultät vor kurzem dem Ministerium noch einen tiefergehenden Beschluß, die Habili­tation betreffend, übermittelt, der die Einführung einen Kündigungsfrist vorschlägt. Ein ministerieller Bescheid ist über diese Frage noch nicht eingegangen..

einem ihm entgegenkommenden Automobil ausweichen und kam in die durch das Automobil verursachte Staubwolke Er verlor die Uebersicht über die Fahrbahn, fuhr einen Kilometerstein art und wurde vom Rad geschleudert. Er wurde schwer verletzt nach Hause gebracht. Für die am nächsten Sonntags, 24. d. M., hier stattfindende Hundeschau sind 100 Preise aufgebracht worden. 150 Preise werden ausgegeben. Auch findet eine Polizeihunde-, Vorführung, Prüfung und Prämiierung statt.

Q Fauerbach v. d. H., 19. Juli. Im vergangenen Jahr wurde hier aus Anregung von Lehrer Rau ein Turn­verein ins Leben gerufen, der jetzt gegen 100 Mitglieder zählt. Nach der Versetzung deS Lehrers Nau leitet ein Oft* Heimer Vorturner die Turnstunden. Der Verein hat sich dem GauWettercm" angeschlossen. Auch der um dieselbe Zeit gegründete Turnverein in Hoch-Weisel ist dem Gau Wetterau" beigetreten.

R. B. Darmstadt, 19. Juli. In Michelstadt i. O. starb gestern der 6jährige Sohn des bärtigen Dienst- lnechtes Weber. Da Der Verdacht besteht, daß der Tod des Kindes infolge Mißhandlung durch den eigenen Vater erfolgte, hat sich die Staatsanwaltschaft zur Feststellung des genauen Tatbestandes nach dort begeben.

O Niederhörlen, 18. Juli. Heute gegen 1 Uhr zog ein heftig es Gewitter über unser Dorf. Das An­wesen des Landwirts Hinn wurde vom Blitz getroffen und stand binnen wenigen Augenblicken in Flammen. Wohnhaus, Scheuer und Stallungen brannten ab. Auch in Niedereisen- hausen schlug der Blitz in ein Haus ein und zerschmetterte eine Anzahl Schicfersteine auf dem Dach.

Sport.

= Radfahren. Am letzten Sonntag veranstaltete der Gan 9a des Deutschen Radsahrerbundes seine Fernfahrt. Der Start erfolgte morgens 5.10 Uhr in Marburg in Gruppen zu fünf Mann mit je drei Minuten Abstand. Die Strecke führte von Marburg nach Gießen, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Eibels­hausen, Laasphe, Wallau, Biedenkopf, Cölbe, Marburg Ziel = 150 Kilometer. Der RadklubGermania" Gießen be­teiligte sich mit acht seiner Mitglieder,, von denen nachstehende Herren in der Junioren-Abteilung die silberne Gaumedaille er­rangen: F. Linker, 6 Stunden 21 Minuten, Eberle 6 St. 24 Min., Reich 7 St. 4 Min., L. Weinrich 7 St. 7 Min., E. Lauer 7 St. 10 Min., Reibe ling 7 St. 16 Min. In der Senioren-Abteilung wurde C. Muhl in 6 Stunden 48 Min. Zweiter und Chr. Pfund in .7 St. 25 Min. Dritter.

----- Lollar, 20. Juli. Der hiesige Militärbrief-i taubenvereinW i c d e r s e h e n" hielt am letzten Sonntag seinen Preisflug von Göttingen, 120 Kilometer ent­fernt, ab. Die Tiere wurden 7l/2 Uhr vormittags in Göttingen ausgelassen und die ersten erreichten schon 9 Uhr 15 Min. vor­mittags ihren Schlag. Preise erhielten: Gärtner Otto MAler den 1., 3., 6., 7., 9., 10., 11. und 12., Landwirt Hch. Seipp den 2. und 8, Bahnarbeiter Karl Junker den 4., Hüttenarbeiter Georg Wißner den 5. Preis. Die Vereinsmitglieder sind gern bereit, junge Brieftauben zu billigen Preisen an Leute, die dem Verein beitreten wollen, abzugcbeu. Auch Interessenten aus der Umgegeird können dem Verein beitreten.

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rm. Vom Oberlandesgericht. Einsam Gerichtssitz wohnender angestellter Techniker wurde als Sachverstän­diger über die Ursachen eines in seinem Dienstbezrrk vorge­kommenen Betriebsunfalles vernommen und machte hierfür di übli.che Forderung als Sachverständigen-Honorar gelterrd. Die Forderung wurde vom Oberlandesgericht abgelehnt mit der B, grundung, daß sich die Aussage des Technikers als eine amtlü Auskunft Über Vorkommnisse darstellt, die sich in feinem amtlich. Wirkungskreis ereigneten. Die Aussage liegt in dem Pflic^ Wirkungskreis des Beamten, der hierfür, wie für seine übr- amtliche Tätigkeit durch seinen Gehalt entschädigt ist. Ein. Erf von Tagegeldern und Reisekosten könnte nurcintrcten, wenn ? Vernehmung außerhalb seines Wohnsitzes stattgefunden hätte. Nach Art. 5 des Gesetzes über die Hess. Hypothekenb a i ist die Bank von allen Staats- und Kommunal steuern befreit. I einer Beschwerdesache stand nun die Frage zur Entscheidung, o. die Bank auch von der Zahlung des hessischen Urlundenstempel^. befreit sei. Während nun baä Landgericht die Frage bejaht^ kam das Oberlandesgericht zu der gegenteiligen Ansicht, da bed hessische Urkunden stempel nicht als Staatssteueran- zusehen sei. Die durch da)s Urkundengesetz vorgeschriebcnen ,Ab­gaben haben nach seiner Entstehungsgeschichte teils den Cl-arakter einer Gebühr, teils einer Steuer, ohne daß jedoch der Chacakter; der letzteren überwiegt.

[] Marburg, 19. Juli. In Anwesenheit eines großen Zeugenaufgebots beschäftigte sich heute die Ferienstrafkammer im Wiederaufnahmeverfahren mit einer Angelegenheit, die in der Gießener Und Wetzlarer Gegend lebhaft erörtert wurde. Der Gemeinderechner K. von Rodheim, ein wohlhabender Mann und Inhaber zahlreicher Ehrenämter, war 1908 von der Straf­kammer zu drei Monaten Gefängnis! verurteilt worden, weil er 4700 Mark ehemalige Mündelgelder, die er für dir tümerin in Wetzlar abgehoben hatte, um sie a1 einem besseren Zinsfuß bei der Darmstädter 23an* anzulegen, in fein Pult verschloß und für sich bera- Angeklagte, der von dritter Sette angezeigt worde J

geltend, daß es nur eine Nachlässigkeit von ihn das Mädchen durchaus nicht gesclwdigt worden ?

richt war der Ansicht, daß er auf alle Fälle ech .^u. A

begangen habe, weil er ohne jede Sicherheit den' en gegen­über eigenmächtig borgegangen sei. Die Frage untreue ber­liege, müsse jedoch vemernt werden, weil eine chädigung nicht beabsichtigt und auch nicht borgekommen sei. Deshalb wurde das erste Urteil aufgehoben unt> der Angeklagte zu 5 00 Mark Geldstrafe oder 50 Tagen Gefängnis verurteile

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*Eine, Groß "-Meierei. Alexander Peacock, ein ameri* konischer Millionär, hat den Plan für eine Meierei vollendet, die ihn das nette Sümmchen von 200 000 Mk. kosten wird. Sie wird in der Nähe von Pittsburg angelegt werden, 155 Morgen umfassen und mit einem Stamm von 150 von Kanada eingefaßten Milchkühen eröffnet werden. Der Stall oder man sollte richtiger sagen: das Hotel für Kühe wird ebenso hübsch, wenn nicht hübscher, sein wie ein Landhäuschen, und mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet werden.Bade-> zimmer für Kühe" klingt lächerlich, aber es entspricht nichts­destoweniger den Tatsachen. Die Badezimmer werden es den Kühen ermöglichen, im Winter sowohl wie im Sommer ihr Bad zu nehmen, und außerdem werden ihnen auch täglich die Zähne gebürstet werden. Motorwagen mit den neuesten Gefrierapparaten werden die Milch dieser Kühe in Pittsburg verteilen. Mr. Peacock hat nicht die Absicht als Philanthrop zu scheinen: der Preis per Quart wird 7y2 Pence (ca. 70 Pfennige) fein, womit Mr. Peacock die Unkosten zu decken hofft.

* Die Boy Sco uts haben pm Samstag zu Fuß ettie Depesche vom Mansion House, London, an den Mayor von Brighton und dessen Antwort zurückgebracht. 110 Scouts waren) in Paaren in Abständen von je i/2 Meile zwischen London und Brighton stationiert. Der Empfänger der Depesche verließ das illöansion House um 9 Uhr morgens und überlieferte ferne De­pesche an den nächsten Posten. Dann lief einer der ScoutS damit zum folgenden Posten und so fort. Um 2.45 nachmittags wurde die Depesche in Brighton abgeliefert, und dtt Antwort erreichte London um 8.32 abiends. Einige 50 der Scouts, die an der Hebung teilgenommen hatten, wurden nachher vom Lord Mayor und, seiner Gemahlin im.Mansion House bewirtet.