Ausgabe 
20.7.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 1(37

Erscheint »glich mU Ausnahme des Sonntags.

In den schweren Kämpfen des deutschen Mittelstandes

Brüsseler Weltausstellung fyfO.

Holland und England.

Zwar waren die H-olgen der vergangenen, wirtschaftlich schwachen ^zahre noch zu spüren, aber im Einklang mit der zu­nehmenden Befestigung der Weltmarktlage, der besseren Beschäf­tigung von Großschiffahrt, Großindustrie, Gewerbe und Verkehr hob sich allmählrch wieder die Kaufkraft der Bevölkerung Hat auch der Riesenkampf im Baugewerbe hier und da auf die Lage des st lern Handels unliebsame Einwirkungen geäußert, so konnte dadurch das Gesamtbild wenig verschoben werden. Von der Besse- rung der wirtschaftlichen Verhältnisse zogen nicht zum wenigsten

die Gegner des deutschen Kleinhandels Vorteile, jedoch waren die Mittel, unter deren Anwendung sie die Bevölkerung heran­zogen, oft durchaus verwerflicher Natur. So nutzten insbesondere die Konsumvereine nach der im Geschäftsjahr eintretenden Neu­regelung der Reichssinanzen die dadurch geschaffene neue Be­steuerung der Lebens- und Genußmittel in unerhörter Weise zu einem Kampf gegen den selbständigen Kleinhandel aus. Zweifel­los wirken Die neuen Steuergesetze in mancher Hinsicht drückend auf die Bevölkerung, aber es war unerhört, wie die neue Be­lastung und die dadurch entstandene Mißstimmung den Konsum- Vereinen als Mittel demagogischer Verhetzung gegenüber dem Kleinhandel erschien. Durch systematisch betriebene Vortrags- arbert, verbunden mit der Vorführung von Lichtbildern, durch Flugblätter usw. suchten sie der Bevölkerung in übertriebener Schwarzmalerei vor Augen zu führen, wie notwendig es gerade jetzt sei, durch Eintritt in den Konsumverein die Steuermehr- belastung wieder auszugleichen. Sie suchten durch den unerhörten Vorwurf ihre Reihen zu vermehren, daß der Kleinhandel aus der neuen Steuergesetzgebung für sich nur einen neuen Vorteil zu erringen suche, indem er seinerseits die schon verteuerten Güter durch besonders hohe Aufschläge weiter verteuere. Gegen diese Beleidigung unseres Standes legen wir an dieser Stelle nochmals Verwahrung ein, umsomehr, als unsere Gegner gar nicht in der Lage waren, mehr als der Kleinhandel der Kundschaft Vorteile zu gewähren.

lieber die Aussichten des Verbandes besagt der Ge­schäftsbericht:

Gerade in schwieriger Zeit bewähren sich unsere Zusammen­schlüsse, und man darf in wirtschaftlich aufwärtsgehenden Zeiten nicht vergessen, was kommen würde, wenn unsere Organisationen Nicht beständen. Sie sind so dringend notwendig, daß die Zeit- Verhältnisse selbst für ihren Bestand sorgen. Wankelmütigkeit und Kleinmütigkeit sind allerdings geeignet, die Stoßkraft der Gesauit- bewegung herabzudrücken, und deshalb ist es nötig, daß feder ^.^bandskollege mehr und mehr die Ueberzeugung gewinnt, er sei Glied einer großen Sache, für die einzutreten nicht nur ihm persönlich lohnend, sondern auch Ehrenpflicht für ihn sei. Nicht bieiemgen dürfen Recht behalten, die dem Kleinhandel so oft kleinlichen,^ elenden Krämergeist Vorwersen, sondern wir wollen zeigen, daß wir moderne, tüchtige Kaufleute sind, die sich nicht irre machen lassen an dem Werk, welches sie sich letzt vor zwölf Zähren auf dem Boden der Selbsthilfe geschaffen haben.

körper zu legen, beim wir finden eine Anzahl recht künstlerisch gearbeiteter Kronen, dre sich symmetrisch der Innendekoration an- ichließen.

Der Marineattach-6 befaßt sich auch noch, was eigentlich nicht zu seinen Obliegenheiten gehört, mit der indu­striellen Krise in Deutschland und übertreibt dabei die bekannten Tatsachen gewaltig. Er vertritt die Ansicht, daß die deutschen Steuerzahler schließlich die Geduld verlieren müssen und daß die Sozialdemokraten daher einen immer größeren Anhang gewinnen werden. Dann gibt dasParis- Journal" folgende Schlußfolgerungen als die des Marine- attachss, ohne indessen erkennen zu lassen, ob auch der Wort­laut und in gewisser Hinsicht auch der Sinn hinreichend respektiert ist:

Deutschland hat ein kolossales Werk hervorgebracht, das der Bewunderung aller würdig ist; aber man muß es nicht nach der Außenseite beurteilen, die sehr glänzend erscheint. Und wie alle Länder, die plötzliche Evolutionen ausgesetzt sind, hat das Deutsche Reich seine Krisen; es hat eine sehr tiefgehende Krise, die das Ergebnis seiner Uebervölkerung ist. Die Marine ist kräftig und die Armee ist stark. Noch einige Abänderungen in der Men­talität des Offizierkorps, die die Dinge von zu hoch aus anschauen, und der militärische Bau wird für seine Bestimmung vorbereitet sein, nämlich für den Krieg. Ja für den Krieg! Wenn die Land­gebiete den deutschen Bürgern mangeln, wenn das Geld in den Kassen des Reiches ausbleibt und wenn diese beiden Tatsachen die einzigen Klippen sind, um zu der Hegemonie über die Welt zu gelangen, um die so oft von dem kaiserlichen Neklamemacher gepredigte Sendung der germanischen Einheit zu erfüllen, so ist es nicht unmöglich, daß man auf der anderen Seite des Rheins denkt, daß man durch den Krieg auch den Sieg versucht, der den Raub der Länder der Besiegten und die Auferlegung neuer Milliarden gestattet, die die Nation dringend notwendig hat Aber gegen Iven? Gegen die allein, die reiche, schlecht ausge­beutete Besitzungen haben und über nicht verwendete Geld­reserven verfügen. Besonders gegen die, die arglos sind und die edle Naivität zeigen, an den Weltfrieden zu glauben, die auf dem weichen Kopfkissen des Traumes einschlafen, auf dem das Bewußtsein der Wirklichkeiten sich abschwächt und auf dem die männlichen Energien Schiffbruch leiden."

Ob die sran'ösische Botschaft diesen unfreundlichen und tendenziösen Ausstreuungen ihr Augenmerk z-uwenden und eine Richtigstellung veranlassen wird?

Die Lage des deutschen Kleinhandels.

ch Hannover, 18. Juli..

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adru AnzeigerGießen«

Die-letzev.er Familiendlatter" werden dem .Anzeiger." viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatt Jfir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal.

_ Island hat sich in Brüssel auf der Weltausstellung zum ersten Male tn amtlicher Form an einer Ausstellung beteiligt, poan weiß nicht recht, was die Regierung veranlaßte, einen derartigen Schritt zu unternehmen, aber es scheint doch, daß - Industrie von der Notwendigkeit einer Vertretung

m Brüssel rn dem Llngenblick überzeugt war, in dem man er­fuhr, daß Deutschland sich in so weitem Maße in Brüssel em-- finden werde Aus diesen Gründen gab sich die Regierung alle erdenkliche Muhe, eme möglichst starte Beteiligung in Brüssel SU erzielen. Man könnte nun nicht behaupten, daß die Be­mühungen der Regierung einen besonders auffallenden Erfolg gehabt hatten, denn, wenn man die englische Ausstellung durch- waiidert, dann fällt auf, daß so überaus viel freier Raum vor- uAb ** swingt auch sofort in die klugen, daß die Abstellung sehr geschickt arrangiert wurde, denn einen regel- re^ten Einblick in die vertretenen Industriezweige bekommt man nidjt, weil der englische Kaufmann und der englische Industrielle immer noch bon einem Mißtrauen beseelt sind, das nicht mehr L§^Uiaß ist, und das sie in jedem Konkurrenten einen Spion erblicken laßt.

Die englische Abteilung ist in der großen Jndüstriehalle ^^gebracht an erster Stelle, wenn man vom Haupteingang aus die Weltausstellung betritt. Das war übrigens die Bedingung, die die englische Regierung stellte, und die schon um deswillen' auf- lallNi mutzte, weil die englische offizielle Beteiligung sehr spät angemeldet wurde, jedenfalls erst in einem Stadium, in dem andere Länder schon recht weit mit ihren Arbeiten vorgeschritten waren. England besetzt 20 000 Quadratmeter und hat, wie alle anderen Staaten, seine Maschrnenindustrie in der gemeinsamen großen Maschinenhalle untergebracht. Aeußerlidb präsentiert sich die englische Mteilung außerordentlich geschmackvoll, weil man eine gleichmäßige dekorative Ausstattung gefuiiden hat. Man hat nämlich j>en Plafond mit lichtblauer Seide behangen imd in der Anlage insofern ein einheitliches Bild geschaffen, als man die ein- fdmen Stände vollständig gleichmäßig Herstellen ließ und da­durch kaleidoskopartige Bilder erzielte, die auf das 9luge bejond«s eumnrfen. Die englische Ausstellung ist deshalb vom asthettfchen Standpunkt aus die schönste, die man in Brüssel antrifft, wenn ihr auch jebe Eigenart abgeht.

Durchwandert man die sehr übersichtlich gestaltete Abteilung, einem, forort auf, daß alles aus die praktische Ver­wendbarkeit zugeschnitten ist, so daß man der Abteilung den kommerziellen Hintergedanken sofort anmerkt. Man findet da

Deutsche Kolonien.

. U e 6 er bi e Diamantenlager bei Lüderitzbucht hat fich der Leiter der BohrkolonneSüd" des südweftafrikanischen Schutzgebietes Geologe Dr. Range in der Julisitzung der Deut­schen Geologischen Gesellschaft ausführlich geäußert. Der Vor tragende gab als wahrscheinlichste Theorie für die Herkunft der Diamanten an, daß primäre Lagerstätten, vermutlich Schlöte aus Kimberley-Gestein, entlang der heutigen Küste, jetzt vielleicht unter dem Meeresspiegel liegend, oder auch auf dem Lande, von jungen Wuftensedimenten verhüllt, der Wirkung der Meeres­brandung anheimgefallen und sekundär in den Kiesen, aus welchen sie heute gewonnen werden, abgelagert sind. Seit Enweckuna

^^5^bnlagerstätten sind bis zuvi 31. Mac b. I. rund 936 000 Karat Diamanten gefördert worden. Für 1910 ist eine Jahresproduktion von etwa 900 000 Karat zu erwarten Das britische Südafrika produzierte 1907 reichlich 5 Millionen Karat Diamanten. Es ergibt sich daraus, daß Deutschland mit einem knappen Fünftel an der W e l t p r o d u k t i o n bet et li gt i st. Da unsere Diamantenlagerstätten nach dem Urteil aller Sachverständigen, die längere Zeit dort weilten, noch aus Jahrzehnte hinaus lohnenden Abbau in ähnlicher Höhe ge­statten, so ist die Bedeutung des deutscheti Diamantbergbaues durch die angegebenen Zahlen genügend gekennzeichnet.

Marmorlagerstätte bei Adamaua, Schutz­gebiet Kamerun. Der Geologe Dr. Mann hat in Ada­maua bei Bidja (100 Kilometer nordöstlich von Garua an der Tamdfifäen Grenze) sehr ausgedehnte Marmorlager entdeckt. Es handelt sich meist um dickbankigen, reinweißen, daneben aber auch um grauen Marmor. Für Bildhauerzwecke erscheint der erste bei seiner gleichmäßigen Farbe, seiner Durchsichtigkeit und seinem guten Bruch hervorragend geeignet Mehrere Kisten mit Proben Sur näheren Untersuchung befinden sich auf dem Transport An Ort und S^lle könnte der Marmor zu Bauzwecken, ferner Zur Kalkbereitung, sowohl als Ersatz für Zement als auch zur Dungung, Verwendung finden; tn dieser letzten Eigenschaft ist er befanders für die in Adamaua beabsichtigte Tabakkultur von

Halle zweistöckig errichtet hat. Treppen führen zu einet Galerie, mnter der man Ausstellungszimmer anlegte, um intimere Wir­rungen für einzelne Gruppen erzielen zu können.

. Durchwandert man die holländische Jndüstriehalle, so fällt eurem sofort auf, daß die Landespro dickte fast zwei Drittel der gesamten Ausstellung ausmachen. Die Maschinen und die schönen pruste sind anderwärts untergebracht, so daß man dem landwirt­schaftlichen Eharakter der Heimat ganz besonders Rechnung tragen konnte. Gleich am Entree wird man auf den Charakter des Landes hingewiesen durch die vielen Modellboote, die ausgestellt sind, unb die man dadurch zur plasttschen Darstellung brachte daß man eine Mondnacht auf der See erstellte, die man mit allerlei Fahrzeugen zu beleben verstand. Man findet dann Pyra­miden von Likören, unzählige Stände mit Kakao unb sonstigen Landesprodukten. Auch bie weltberühmten keramischen Produkte von Delft sind ausgestellt. Im Hinteren Teil des Parterre­raumes befindet sich dann die wichtigste Abteilung der hollän­dischen Ausstellung. Es handelt sich hier um eine Kolonial­abteilung, die ihren Höhepunkt in der Abteilung für Holländisch- Jnbien findet. In außerordentlich übersichtlicher Weise wird hier gezeigt, wie erfolgreich Holland kolonisiert hat. Bei den Dar­stellungen fehlt auch nichts, um den Besucher mit den besonderen Verhältnissen der Kolonie bekamst zu machen. Vom Anbau des Zuckerrohres an bis zur Ausnutzung der Betriebsverhältnisse wird alles erläutert, was für die Kolonisation Indiens in Betracht kommen konnte. Auch die kleinen Jndustrieii der Eingeborenen werden uns vorgeführt. Wir erfahren da, daß Teppiche fabriziert lverdni aus von Fasern .hergestellten Geweben, und daß das indische Holz zu allen möglichen Gegenständen Verwendung findet Auch der topographische Dienst wird veranschaulicht, und es wird uns durch Tabellen nachgewiesen, wie sich der Handel der Kolonien in den letzten Jahren entwickelt hat. Man erfährt da auch, daß Holland in seinen Kolonien recht lobenswerte soziale Einrichtungen getroffen hat, die auch im Lande selbst eine beackstenswerte Stufe erreichten. DaS wird an der 9lusstellung bewiesen, die die Stadt Amsterdam liefert unb in der sie ihre kommunalen Einrichtungen in geradezu mufter gültig er Weise vorsührt.

Auf der Galerie endlich hat Holland in einigen Zimmern rtne kleine Ausstellung für Raumkunst errichtet, die für uns Deutsche sehr lehrreich ist, da sie beweist, daß die Bestrebungen deutscher Künstler auf ästhetische Ausgestaltung der Jnnenräume das holländische Kunsthaiidwerk befruchtet haben. Es sind etwa ein Dutzend Zimmer, die uns gezeigt werden, und wir möchten besonders auf ein Bibliothekziimner Hinweisen, dessen Einrich- tung außerordeistlich geschmackvoll ist. Einen besonders großen : Wert scheinen die holländischen Archstekten auf die Beleuchtungs-

ZranzöflscheEnthüllungen" über Deutschland.

O Paris, 18. Juli.,

Heber bie deutschen MctrinEerhältnisse mit Ausblicken auf die Lage im1 Reiche im allgemeinen bringt dasParis- Journal" Auszüge mls einem vertraulichen Berichte des bis­herigen Marineattaches der französischen Botschaft in Berlin, dre zwar nichts besonders Neues enthalten, aber in der Zu­sammenstellung eine jedenfalls nicht freundliche Absicht be­kunden. Mlerdings kann man in dem Artikel nicht recht unterscheiden, wus von dem Attache selbst geschrieben worden ist und was die Zeitung hinzugesetzt hat. Es würde zu weit führen, den Darlegungen in ihrer ganzen Ausdehnung zu folgen, was auch irberflüssig wäre; einige besonders charak- tertstische Stetten 5einigen zur Würdigung dieser Beobach­tungen:

Die Marine-Verwaltung existiert sozusagen gar nicht, cs gibt nur ungeheuer viel Geschreibsel. Auch fehlt es an jedem Kontroll-Organ; von solchen wollen die hohen Milüär- und Marine-Behörden nichts wissen aus Furcht vor Einmischungen, die ihre Unabhängigkeit vermindern könnten. Die Presse hat heftig das Verwaltungspersonal der Arsenale angegriffen In diesen Diensten herrscht absolute Gleichgülttgkeit. Keine Spur von Ueberwachung über das untergeordnete Personal, und die Arbeiter leisten bei weitem nicht, was man von ihnen verlangen könnte Alle diese Beschwerden, die sich gegen den vorher sehr beliebten Admiral von Tirpitz richten, werden von den Zeitungen veröffentlicht; der Kaiser scheint indessen das Vertrauen, das er stets m den Leiter der Marine gesetzt hat, zu bewahren. Das Land protestiert gegen die Verschleuderungen, die durch die Kieler Skandale ans Tageslicht getreten sind, und natürlich bedient man V dieser, um Herabsetzungen der Marine-Kredite zu verlangen. Aber Wilhelm II. will sich auf keine Abstriche in dem Programm einlassen, dem er zur Annahme verhalfen hat. Kein Argument kann gegen seinen Willen aufkommen unb auch gewisse An­erbietungen des liberalen englischen Kabinetts waren nicht im- stande, eine Verminderung der Seerüstungen durchzufetzen. Die festgestellte Ziffer wird erreicht und für alle Zeit festgehalten werden. Ueberdies darf kein Fahrzeug mehr als zwanzig Jahre, von der Kiellegung an gerechnet, im Dienste bleiben. Unter solchen Verhältnissen ist jebe Hoffnung vergeblich, daß die Marine-Kredite! herabgesetzt werden könnten; und um das Volk bei dem Näher­kommen der Wahlen zu beschwichtigen, wird man sich verpflichtet sehen, das FmaNzprogramm der liberalen Partei wiederaufzu-^ nehmen.

. Man hält immer die eiserne 'Disziplin der englischen und der deutschen Manne Fallen von Zuchtlosigkeit in der französischen gegenüber. Aber bei den fremden Marinen verschweigt man eben ^fachen, die bei ihnen Vorkommen. In England sind viel- rch Kanonen-Beschädigungen vorgekommen, die in Frankreich nie - verzeichnen gewesen waren. In Deutschland ist die iszchlin weit davon entfernt, unter den Schiffsmannschaften, oellos zu fein, aber man verbirgt das sorgfältig. Systemattsch rden alle ernsten Tatsachen erstickt. Man sehe doch .r die offiziellen Statistiken nach; im Jahre 1909 hatten Prozent des Effektiv-Bestandes an U n t e r 0 f f i - ren und Soldaten Bestrafungen nachzuweisen ,ht man die Vorstrafen ab, so bleibt immer noch ein Prozent- von 2,62 Prozent von kriegsgerichtlich Verurteilten, darunter 1 Prozent wegen schwerer Vergehen gegen die Disziplin. 0 wieviel wird dabei noch vertuscht! Die Statistik ergibt, daß - em Fahrzeug von 600 Mann durchschnittlich vier Kriegs­richte im Jahre 1909 zusarnmentreten mußten. Die Zahl der ahnenflüchtigcn in der deutschen Marine ergibt einen Prozentsatz jon 0,75 Prozent, während die Ziffer in der französischen Marine gar nicht in betracht kommt. Natürlich sind die Fälle von 'Deser­tionen meistens auf schlechte Behandlung seitens der Unteroffiziere zurückzufthren. Der Militärattache wohnte selbst einem empören­den Austritte bei, in dessen Verlaufe ein Unteroffizier einen Matwsen mißhandelte, ohne daß der deutsche Offizier, der den Attache begleitete, darüber das geringste Erstaunen bekundete Auch die Schiffsunfälle werden in Deutschland grundsätzlich ver­schwiegen oder in den Berichten abgemildert. Wenn Deutschland nicht das Glück hätte, Küsten mit sehr feinem Sande zu besitzen sondern wie Amerika unb Frankreich mit Klippen besetzte, so würde es seit zwei Jahren bedeutend mehr Fahrzeuge emgebüßt haben, als die anderen Marinen."

ftchland war es Holland, das seine Ausstellung und zwar in vollständig fertigem Zustande. Aller- " Zeremonie fand reichlich drei Wochen nach der vng statt. Holland wollte sich dabei int Anfang an ber Weltausstellung überhaupt nicht beteiligen, denn

die General,. ewilligten zuerst den Kredft für bie Negiemngs- üertretcr in Ä nicht, und es hat eines sanften Druckes von Brusfel aus bedurft, um diesen Beschluß, den man um deswillen red)t unangenehm empfand, weil er die im Gange befindlichen EimgungsverHandlungen zwischen Belgien und Holland hätte be­drohen rönnen, rückgängig zu machen. Dieser Versuch ist denn mich gelungen, und Holland hat sich in außerordentlich würdiger 203'0116 an ber Worlds Fair beteiligt. Naturgemäß kann seine Beteiligung nicht mit dem Maßstab gemessen werden, mit dem man die Ausstellungen großer oder kleinerer Industriestaaten bewertet. Holland ist kein Industriestaat, und wo Industrie vor- handen ist, hat sie sich zu einer nennenswerten Bedeutung für Den Welthandelsmarkt nicht entwickelt. Diesen Umstand voraus- g^etzt, muß man deshalb sagen, daß Holland ganz Respektables geleistet hat.

Die holländische Abteilung ist in einem recht seltsamen Batt, der gerade der deutschen Jndüstriehalle gegenüberliegt, unter» gebracht, dieser Backsteinbau zeigt seine Schönheit allerdings voller S0nnenbeleuchtung oder am späten Wend, wenn elektrischen Lichtes sich auf ihn ergießt und ber bunfle Hintergrund der nahegelegenen Landstraße ihm die rich­tige Perspektive gibt. Das hohe Gebäude erinnert an das Holland pks IT Jahrhunderts, an die alten berühmten Baumeister, die in Hartem geivirkk haben, unb die vielen Giebel kennzeichnen so recht den Nationalcharakter der Holländer, denn sie symbolisieren das Konservative und Zurückhaltende. Ta der Bau gerade an ber Grenzlinie zwischen dem höher gelegenen Aus st ellun g sgelä nd e, das zur Gemarkung Brüssel gehört, und der niederer gelegenen Sbene von Lolbosch, die zu Jxelles zählt, gelegen ist, hat man eine burgartige Brücke erbaut, von ber aus man den Eingang erreicht. Die Brücke wird von zwei Löwen flankiert, denselben Löwen, die das niederländische Wappen zieren, unb die ja auch Beggren gewissermaßen als Landessymbol beibehalten hat. So einfa.ch das Gebäude, das übrigens die Wappen sämtlicher hol­ländischer Provinzen trägt, sich von außen gibt, so prunkvoll ist die ^snnenbeforation. Man hat hier mit Farben nicht gespart unb

Antiken der äußeren Hülle gerade hier * u! Aodern gearbeitet, so daß teilweise eine satte Farbenpracht entsteht. Im Gebäude selbst geht es etwas eng zu, weil man die

um die Erhaltung seiner Existenz-gegenüber der andringen­den Hochflut der Konsunroereine, Warenhäuser usw. ist diesem im letzten Jahrzehnt ein mächtiger Helfer erstanden in der deutschen Rabattsparvereinsbewegung. Sie ist in ca. 550 deutschen Rabattsparvereinen organisiert, von denen die Mchrzahl mit über 60 000 Mitgliedern dem Ver­bände deutscher Rabattsparvereine in Hannover angehört. Diese Vereine zahlten im verflossenen Geschäfts- fahr etwa 30 Millionen Rab att an die barzahlende Kundschaft aus, ein Zeichen, wie bedeutsam die Bewegung für den bisher noch nicht organisierten Stand der Konsu­menten geworden ist. Die auffättigen Erfolge der Be­wegung sind wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, daß sie es verstanden hat, sich von allen politischen, reli­giösen und sonstigen Bestrebungen fernzuhalten. Sie hat ihr Augenmerk lediglich auf die wirtschaftliche Hebung des deutschen Kleinhandels gerichtet, über dessen Lage der Ver­band seinem demnächst in Freiburg L Br. zusammentretenden Verbandstage einen Geschäftsbericht unterbreitet in dem einleitend für bas Jahr 1909/10 eine langsam^ wirtschaftliche Besserung festgestellt wird. Dann yeißt es weiter:

Zweites Blatt Jahrgang Mittwoch 20. IM 1910

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General-Anzeiger für Gberhesfen