U^Mne genaue liebettnac^uitg "des GrundwasferS in affen Gebieten, in denen es unmittelbare Wichtigkeit für die land wirrschastlichen Kulturgewächse besitzt, ist von hoher Bedeutung, und die Bereitstellung von Mitteln zunächst zu den Vorarbeiten einer solchen Uebenvachung ist dringend erwünscht.
In der Besprechung wies Generalsekretär Raub old- iDresden auf das drohende Sinken des Grundwasjers in Leipzig hin. Der bekannte Quellensucher Landrat ü. Uslar brachte neue Beobachtungen vor, die er seit seiner großen Steife nach Südwestasrika, die bekanntlich aus Veranlassung des Kaisers erfolgte, gemacht haben toiII. In der Nähe von Hadamar, von »ennburg und Altona will er in der jüngsten Zeit ganz erhebliche C-rsolge mit seiner Wünschet- rute erzielt haben. Er l>abe Wasser gefttnden, wo vorher die Wissenschaft vergeblich nach solchem gebohrt hätte. Die Landwirte sollten Leute anstellen, die für das Suchen mit der Wünschelrute besonders begabt seien, solche Leute würden genügend Wasser finden. Die Versammlung spendete dem Redner lebhaften Beifall.
In der weiteren Aussprache wurde der Ausbau der Stauweiher und Talsperren gewünscht. In seinem Schlußwort erklärte der Berichterstatter, daß er als Theo- "retifer und Geologe den praktischen Versuchen des Herrn v. Uslar nicht das nötige Verständnis entgegenbringe.
Der Vorsitzende schloß die diessälirige Tagung mit einem Hoch aus den Kaiser, die deutschen Bundesfürsten und die freien Städte.
Deutsches Reich.
Der K a i s e r nahm am Donnerstag nachmittag im Schlosse den Vortrag des Reichskanzlers entgegen^
In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag wurden noch angenommen der Entwurf der Ergänzung des Besoldungsgesetzes und die Vorlagen betr. die Prägung von 40 Millionen Dreimar'» und Einmarkstücken und fünf Millionen Zehnpfennigstücken, ferner die Vorlage betreffend die Aenderung der Zuckersteuer- a u s f ü h r u n g s b e st i m m u n g en.
Mit der Volkszählung am nächsten 1. Dezember soll nach Blättermeldungen eine allgemeine deutsche Wohnungszählung verbunden werden.
Der von ben drei freisinnigen Parteien eingesetzte Viererausfchuß hat nach der „F. Z." die Beratungen über das Einigungsprogramm und das 'Statut endgültig abgeschlossen. In das Programm wurden noch zur Ergänzung folgende Punkte ausgenommen: die Er - hebuirg Elf aß-Lo t h'r i n g e n s zum selbständigen Bun- äesstaat; Schutz der staatsbürgerlichen Rechte der Beamten und Lehrer; Gleichberechtigung der Iran en für das aktive und passive Wahlrecht zu den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten und den Einrichtungen der Reichsversicherungs- gesetzgebung. In dem ersten geschäftsführenden Ausschuß wird die freisinnige Vereinigung fünf Sitze erhalten, die Freisinnige Volkspartei zehn und die Deutsche Volkspartei drei. Ter Name ist fortschrittliche Volkspartei.
Ausland.
Wie aus London berichtet wird, sind die Unterhandlungen zwrichen den Liberalen und der A r b e i t e t p a r t ei ebenfalls! vorläufig eingestellt worden. i
Wie ron amtlicher Seite aus Sofia verlautet, macht das Königspaar .von Bulgarien Ende nächster Woche in Petersburg einen offiziellen B c s u ch. Der Ministerpräsident Malinvw und der Minister des Aenßeren PTpricow begleiten den König.
.Wie aus Allahabad vom 14. Februar gemeldet wird, waren 120 Mann Polizeitruvpen nach dem A u f st a n d s g c b i e t t nt Vasallenstaat Basta r und den Zentralprooinzen von Britisch-Indien aufgebrochen. Die beiden Befehlshaber dieser Mannschaften begaben sich am 16. Februar nach Iagdalpur, dem Zentrum des Aufstandes. Als die Eingebronen der Truppe beim Ueberschreitcn des Flusses Widerstand leisteten, wurden fünf von ihnen getötet. Heute lommt ans Iagdalpur die Nachricht, daß bpr Ort von Tausenden von Eingeborenen umzingelt ist, deren Zahl sich täglich mehrt. Eine Polizeitruppe wird nunmehr ebenfalls nach Iagdalpur einrücken: auch Militär ist requiriert.
Aus Tanger wird über Paris gemeldet^ Falls die zustimmende Antivorl M u l a h Hasids dort bis Sonntag nicht eingegangen fein sollte, durfte der französische Konsul Baillard in Fe; dem Sultan die Pfändung der Z o l l e i n n a h m e n ankündigcn. Tic französische Militärkommission und die Mitglieder der französischen Kolonie werden dann Fez verlassen. Der Konsul wird dem Sultan eine zwei- bis dreitägige Frist zur endgültigen Entschließung gewähren. Von anderer Seite wird berichtet, daß gegebenen Falles auch die Beschlagnahme der Steuer im L-chauja- und Udschdagebiete erfolgen solle. Die französische Regierung wird alle für die Sicherheit der Europäer erforderlichen Maßnahmen treffen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 19. Februar 1910.
** Tageskalender. Stadttheater. Sonntag nachmittag 31 _■ Uhr: Moral: abends 7>/2 Uhr: Strandkinder.
Kolosseum: Rollschuhbahn.
ft' i n e in a 1 ograph: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellung.
F r a n z. .V o r t r a g von Lektor Thomas: Deup conceptions de la nie Huma ine: Victor Hugo rt Maurice Maeterlinck. Samstag abend 8i Uhr im großen Höriaal der Universität.
M i l i t ä r k o n z e r t aus der Liebigshöhe, Soimtag nachmittag <i'2 Uhr.
Anlage musik am Sonntag vormittag HV2 Uhr in der Süd-Anlage: Ouvertüre zur Oper „Die diänsche Elster", von Rossini: Phantasie über „Tiefland", Oper von Eugen D'Albert: Türkischer Abendsegen und Marsch der Palastwache aus der Operette „Der Khcdive", von C. Faust: Nibelungenmarsch, von Sonntag.
"Die Schlachthausgebühren. Manschreibtuns: Aus Anlaß der in der letzten Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung beschlossenen Neuregelung der Schlachtgebühren fand gestern abend eine Aussprache einer Anzahl Metzgermeister statt. Sämtliche Anwesenden waren einstimmig der Meinung, daß die festgesetzten Gebührensätze im Verhältnis zu anderen Städten zu hoch seien. Es soll deshalb kommenden Montag, 21. l. M., abend, im Restaurant „Einhorn" eine öffentliche Metzger-Versammlung stattsinden, in der die Gebührenfrage eingehend erörtert und zu ihr Stellung genommen werden soll.
** Kun st verein. Die Gemälde-Aus st ellung im Turmhaus am Brand hat diese Woche wieder eine durchgreifende Aenderung erfahren, indem Kollektionen von A. Egger-Linz, R, Hirth du Frenes-München, M. Bethe-Loewe- Leipzig, Th. Alt-München und Einzelwerke von Prof. Rieß- Dessau, A. Wex und O. Schenerer-München neu zur Ausstellung gelangten. Die Ausstellung, die nahezu 100 Gemälde aufweist, bietet wieder so viel des Schönen, daß ein Besuch sich lohnt, zumal auch noch ein*Teil der Kollektion des Holländers Gerard BergSma ausgestellt ist. Geöffnet ist
die Ausstellung Sonntags von 11 bis 3 und Werktags mit Ausnahme Samstags von 11 bis 1 Uhr.
•• Stadttheater. Infolge der Erkrankung des Herrn Daubal wird in der morgen Sonntag abend ftattfinbenben Wiederholung von Sudermanns „Strandkindern" Direktor Steingoetter die Rolle des Gregor Rynkesohn übernehmen; in der Nachmittags-Vorstellung von „Moral" spielt Herr Bakos den Professor Wasner anstelle des Erkrankten. — Da auch Herr Willy Loehr vom Mainzer Stadttheater, der für Herrn Baumeister als Gast in „Tantris der Narr" für kommenden Mittwoch vorgesehen ivar, nachträglich absagen mußte, so findet am kommenden Mittwoch eine Wiederholung der „Strandklnder" statt.
" Kolosseum. Die Direktion beS Kolosseums teilt uns mit, daß es dem Hunqerkunstler Sacc o heute unmöglich ist, seine Hungerzeit zu beginnen, da er sich auf der Rollschuhbahn einige Verletzungen zuzog. Tie Eiuglasung ist auf Montag nachmittag 4 Uhr verschoben.
*' Unbestellbare Postsendungen. Bei der Ober- Postdirektion in Darmstadt lagern folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar: Postanw. über 5 Mk. vom 26. 3. 09 aus Butzbach nach Schwarzenberg (Sa.), Empfänger unbekannt. Einschreibbriefe vom 6. 6. 09 aus Gießen an Frau Frieda Haffen- berger in Berlin; 25. 6. 09 aus Gießen an Frau Burk in Gießen und 14. 6. 09 aus Gießen an Adolf Wagner in Frankfurt a. Dl. Gew. Eilbrief, Inhalt 10 Mk., vom 1. 7. 09 aus Gießen an Wilhelm Schmidt in Bremen. Trauring am 29. 5 09 in Gießen im Briefkasten vorgefunden. Tie zur Empfangnahme der Gegenstände Berechtigten müssen sich binnen vier Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, ividrigensalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des Inhalts erlösten Geldbeträge der PostunterstützungSkasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden.
* * Eine verwickelte Geschichte. Ein H a n d - werksbursche enttoenbete gestern ans einer Hiesigen Wirtschaft einen Ueb erzieh er. Er wurde festgenommen und hakte ben Ueberzieher noch int Besitz. Der Bestohlene will nun ben noch wertvollen Ueberzieher am Abenb vorher von einem Unbekannten am SelterStoeg für 80 Pfg. gekauft haben. Jedenfalls handelt >es sich um einen gestohlenen Ueberzieher, dessen Verlust noch nicht bemerkt wurde. Der Ueberzieher trügt die Firma Gebr. Stamm hier.
Ter Kursus zur Heilung Stotternder, bei^ Fräulein Baum aus Darmstadt seit einiger Zeit hier mit Erfolg al-.hielt, ist nunmehr beendigt. Fräulein Baum gedenkt zunächst nach Alsfeld zu gehen, um dorr einen Kursus abzuhalten.
= Birklar, 18. Febr. 'Anläßlich seines 25 jährigen Bestehens, feiert der hiesige Kriegerverein am 3. und 4. Juli sein Bezirks - Krieg erfest. Auch beabsichtigt man an diesem Tage eine Gedenksäule zum Andenken der in 1866, 1870/71 und gegen China beteiligten Krieger einzruveihen. Die Kosten hierzu wurden durch freiwillige Beiträge attfgebracht.
— Lauterbach, 19. Febr. Der Männer-Gesangverein „Liederkranz" wird am 17. und 18. Juli dss. Js. seine Fahnenweihe abhalten. Die Festlichkeiten werden sich in der neuen Spieß-Turnhalle und auf den anliegenden Wiesen- grtmdstücken abspielen. Die Vorbereitung des Festes liegt einem fimbtgen Komitee ob, das für ein gutes Gelingen des Festes bürgt. Als Festwirt ist Herr Hermann Keutzer ge- wonnen worden. Anmeldungen auswärtiger Vereine sind schon in großer Anzahl eingetroffen.
X Kohden b. Nidda, 17. Febr. Einen grausigen Fund machte ein Landwirt unseres Dorfes in seiner m- niitten des Dorfes gelegenen Hofreite. Beim Graben eines Loches zum Zwecke der Weiterführung einer Wasserleitung fließ er auf ein menschliches Skelett in der Tiefe von 1 Meter. Der Schädel hatte ein Loch; leider ist er durch Unvorsichtigkeit zertreten worden. Er gehörte einem Er- wachsenen an. Wie dte Leiche dahin gekommen, ist zurzeit nicht klar, wird vielleicht auch nie klar werden.
te. Storndorf, 18. Febr. Ein dreijähriger Junge stürzte in der Scheuer so unglücklich, daß er eine große Wunde un Gesicht, davontrug. Ein Arzt vernähte die Wunde. — Der achtjährige Sohn des Arbeiters Röhrig befam plötzlich auf dem Eise einen starken Blutsturz aus Mund und vlase. Später wurde festgestellt, daß dem Jungen im Innern eine Ader gesprungen war. Die Ursache war wahrscheinlich übermäßiges Herumhetzen und Anstrengen beim Spielen.
+ Büßfelb, 17. Febr. Bei der heutigen Verpachtung ber Gemeindejagd war außer dem seitherigen Pachter Rentner Haag zu Frankfurt kein Iagd- liebhaber als Steigerer erschienen, ber seitherige Pächter erhielt deshalb für den seitherigen Preig von 520 Mark auf weitere sechs Jahre den Zuschlag.
# Bad Nauheim, 18. Febr. In der letzten Sitzung ber Stadtverordneten erklärte gelegentlich einer Enteignungsfache der Stadtverordnete Breidenbach, baß von ihm kürzlich ein Brief in ben Bürgermeisterei-Brief- kasten geworfen worden fei, worauf ber Bürgermeister antwortete, daß er einen derartigen Brief niemals erhalten habe. Wie man stört, beabsichtigen die Beamten, denen der Briefkasten untersteht, eine Untersuchung zu veranlassen, um den Verdacht einer mangelhaften Kontrolle des städtischen Briefkastens eventuell aufzuklären.
x B ad Nauheim, 18. fyebr. Im Sprudel-Hotel gab heute abend auf Veranlassung des Bildungs-Vereins das Rhein-Mainische Verbandstheater eine Doppelaufführung. Kleists „Der zerbrochene Krug" und Benedix's „Der Prozeß," fanden bei gut besetzten Rollen vorzügliche Aufnahme. Der zahlreich besuchten Vorstellung wohnten gegen 60 Schüler des Friedberger Lehrerseminars bei. Als letzte dieswinterliche Veranstaltung des Verbandstheaters kommen noch in diesem Monat eine Anzahl Hans Sachs'scher Schwänke zur Aufführung. Außerdem hat ber Bildungsverein noch einen Vortrag geplant. Redakteur Karl Neurath-Gießen wird über Hotzamer sprechen.
L. Friedberg, 18. Febr. Heute nachmittag 3 Uhr fand in ber bis auf den letzten Platz besetzten Turnhalle des Lehrerseminars die Entlassung ber 55 Abiturienten statt. Die Spitzen der Behörden, Vertreter der Lehranstalten, sowie viele Lehrer aus der Provinz Oberhessen wohnten dem Festakte bei. Nach dem Gesang einer Motette hielt Direktor Dr. Schäfer die Mschiedsrede und übergab dem Seminaristen Schmalz das Stipendium der Rümp- tetftiftung für gute Leistungen und den Seminaristen Stoll und Weinert ine Prämie ber Rinl'stiftung für vorzügliche Leistungen im Orgelspiel. Hierauf fand eine Aufführung der „Braut von Messina" statt. Der Chor hielt sich auf der Höhe, ebenso vortrefflich waren die Sologesänge. In
besonders guten Händen lagen die Damenrollen ber Frau Gatzert und Fräulein Süß.
= Friedberg, 18. Febr. Am nächsten Sonntag finbet hier im Vereinslokal des Athleten-Club Germania ber B c zirkstag des 3. Bezirks vom Hessischen Athleten Verband statt. Dem Bezirk gehören zurzeit an ber 1. Gießener Stemm- und Ring-Club, ber Stemm- und Ring-Club Marburg, ber Steimm und Ring-Club Heuchelheim, der Kraftsportvercin Wetter und ber Athleten-Club Germania Friedberg. Zwei weitere Vereine haben sich angemeldet. Im Anschluß an den Bezirkstag findet die Jnstruktionsstunde, die durch die Verbandsübungswarte Köhler und Kalbvier aus Kassel geleitet wird, auf ber großen Seewiese statt. Es werden sich etiva 70 Berbandsmitglieder daran beteiligen.
— Berstadt, 18. Febr. Die hiesige Gemeindejagd die bisher für 415 Mk. verpachtet war, erzielte bei der gestrigen Verpachtung ein Gebot von 1525 Mk.
sm. Darmstadt, 17. Febr. Der Milchkrieg hat seinen Anfang genommen, nachdem durch Versammlungen, Plakate und Anzeigen die Milchproduzenten und Milchhändler ihren Standpunkt zu verteidigen gesucht haben. Tie Bevölkerung steht auf der Seite der Mtlchhändler, die sich gegen jede Preiserhöhung zu wehren suchen, da die Ver- teuerung in keiner Weise gerechtfertigt sei. Trotzdem hat ein Teil der Händler nachgegeben und zahlt den Produzenten den höheren Preis, den sie selbstverständlich auf die Verbraucher abwälzen. Der weitaus größte Teil verweigert den höheren Preis, sodaß einige keine Milch mehr erhalten, doch werden sie von ihren Kollegen mit Milch unterstützt, teilweise erhalten sie solche von der hiesigen Genossenschaft. Da in beiden Lagern keine Einigkeit herrscht, dürfte der Kampf nicht allzulange währen.
sc. Bensheim a. b. Bergstraße, 18. Febr. Im Juli 1908 brannte die im Schönbergertal bei Bensheim gelegene Klein- sche Hvlzbearbeitungsfabrik nebst Wohngebäude bis auf die Fundamente nieder. Die Brandpersicherungskammer leitete alsbald das Verfahren zur Feststellung der Entschädigungssumnu ein: hierbei lehnte sie die Entschädigung der durch den Brand nicht zerstörten Fundamente ab, iirdem sie üjii ber Auffassung aus ging, daß die stehmgebliebenen Gebäudeteilc bei dem Wiederaufbau der abgebrannten Gebäude wieder verwendet werden könnten. Klein wollte seine Fabrik wieder auf bauen. Das Kreis- amt Bensheim und das Ministerium des Innern als 2. Instanz versagten jedoch die Bauerlaubnis mit Rücksicht auf den Villen- charatter des Schönberger Tales und die Feuergefährlichkeit der Fabrik .151 dieser Gegend. Klein hat infolgedessen an .der Braird- stelle Wohnhäuser errichtet, hierburch konnte er die stehengeblicbenci' und nicht entschädigten Fuitdamente des Fabrikanwesens nicht benutzen. Sie mußten zum Teil niedergerissen, und der Boden planiert werden. Da Klein mit der Brandversicherungskammer sich nicht zu einigen vermochte, beschritt er den ProzeWveg. Die Klage ist am Landgericht Darmstadt anhängig. Ter Kläger beansprucht 3500 Mk. Entschädigung für die ficbengeMicbenen und nicht entschädigten Fundamente. Eine Enffchädigung für bi? durch das Niederreißen einzelner derartiger Fundameitte erwecke fenen Kosten soll nach geltend gemacht werden.
rm. Biblis, 17, Febr. Der am 24. Dezbr. v. I. auf eine Anzeige bei dem bischöflichen Ordinariat in Mainz vorläufig vom Amte suspendierte Kaplan Jos. Kriegsheimer aus Offenbach ist inzwischen vollslänkig aus dem Amte ausgeschieden. Die Kundgebungen gegen die Urheber bei Anzeige werden aber hier regelmäßig fortgesetzt. Jeden Montag finden in einer Wirtschaft Versammlungen statt, die sich dann in Demonstrationszügen mit Radau, Schimpfereien, Drohungen rc. fortsetzen. Der größte Teil der Bevölkerung scheint mit den Veranlaffern des Spektakels einverstanden z» sein. Am meisten haben der Pfarrer, der Apotheker und ber Bahnhofsvorsteher zu leiden. 9(uf Neujahr müße das kach. Pfarrhaus durch Gendarmerie geschützt werden, um die Eindringlinge zurückzuhalten, und auch der ^lpotheker mußte polizeilichen Schutz anrufen. Am Sonntag weilte Kriegs- Heimer wieder in Biblis und sehr bald ivar das ganze Ort auf den Beinen, um ihm zu huldigen. DaS Hochrufen nat)m kein Ende. Man eilte nach der Glöcknerwohnung, um den Glöckner zur Herausgabe der Schlüssel zur Kirche zu veranlassen, damit die Glocken geläutet werden konnten. Als der Glöckner sich weigerte, schlug man ihm die Scheiben ein.
X Krofdorf, 18. Febr. Am Sonntag, 27. Februar, wird der Direktor des Gießener Elettrizitätswerkes, St ölte, hier einen Vortrag halten. .Unsere Gemeindevertretung hat du einiger Zeit beschlossen anstatt Gaslicht, elektrische Straßenbeleuchtung an^ulcgcn. Bei dem regen Interesse, welches man der Sache entgegenbringt, wird bald elektrische Kraft und elck irisches Licht in unserm Torfe zur Anwendung kommen. Es wäre zu begrüßen, wenn auch die Gemeinden Launsbach, Wißmar, :)iodheim u. a. dieser Frage näher treten würden. Auch die vielfach angeregte elektrische Bahnverbindung mit Gießen würde bier_ mit Freude begrüßt werden. In der neuen Straße nach Gießen ist die erste Vorbedingung der Bahnanlage erfüllt, bayi Hot Krofdorf schon vor längerer Zeit einen Jahreszuschuß von 5000 Mark in sichere Aussicht gestellt.
w. Marburg, 19. Febr. (Tel., Gestern abend hat fuh hier m der Mhe des Schlosses auf offener Straße ein Student erf.ch 0 s f en.
W Frankfurt a. 9)1., 18. Febr. Nach glaubwürdigen Versicherungen handelt es sich bei dem blutigen Zusammen stoße von Schutzleuten mit Demonstranten am 17. Februar um benmßt vorbereitete Angriffe solcher Kreise, die sich bet derartigen Gelegenheiten durch Angriffe aus die Polizei hervortun «Apachen der Großstadt^: in den Taschen einiger Verhafteten wurden Revolver, Messer, Schlagringe und Stetige gesunden.
X Hanau, 18. Febr. Bor dem Schwurgericht stand heute die 23 Jahre alte Frau Amta B u ch h 0 t d aus Flörsbaäi unter der Anklage, ihren Mann, mit dem ftc erst 5 Monato verheiratet war, vorsätzlich getötet zu haben. Der Mmm arbeitete wochentags als Köhler im Odenwalde und kehne Sams tags nach Hause zurück. Als er nun am 19. Sept, nach Hause kam, entwickelte sich bald ein Streit zwischen den jungen Ehe- teilten, da der Mann angeblich, seiner Frau Untreue vorwarf. Doch bald kehrte Ruhe ein, die Eheleute begaben sich zu Bett und als der Mann eingeschlafen war, erhob sich die Frau, holte ein in der Schlafstube stehendes Beil und tötete ihren Mann durch Zertrümmerung der Schädeldecke. Um mut den Verdacht zu erwecken, ihr Mann sei einem Unfall erlegen, schleppte sie ben Leichnam zur Nachtstunde vor das Haus und ließ ibn dort liegen. Nachbarsleute fanden ihn am Morgen. Ter Frau ge stand nach anfänglichem Leugnen die Tat ein und gab zu, mit Vorsatz gehandelt zu haben. Ta ihre Mutter sich int Jrrenham'c befindet und auch ihre Großmutter geisteskrank war, hegte man Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit und schickte sie zur Bcob achtung in die Landesheilanstalt Marburg. Dü Sachverständigen bezeichnen sie als geistig minderwertig, doch für die^ Tat ner antwortlich. Die auf vorsätzliche Tötung lautende <5-clmldfrage wurde von den Geschworenen bejaht, ebenso die Frage nach mil dernden Umständen. Tas Urteil lautete auf 3 Jahre Gc fängnis. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden in Au' rechitung gebracht.
to. Dortmund, 18. Febr. Das Schöffengericht Hamm Derurtciltc am 7. Dezember 1909 den Redakteur des „Simplizissinms" in München Franz Caspar .Gut-


