diesem Gesetze verbrieften, geschichtlich^ begründeten Rechte der evangelischen Kirche nur gegen völlige Schadloshaltung in Wegfall kommen."
Es folgt die Beratung über die Vorlage des Oberkonsistoriums, betreffend die Feier des Heiligen Abendmahles in der französisch- resormierten Gemeinde in Offenbach, und Eintrag des Syn.-Abg. D. Eger-Friedberg hierzu. Hierüber war am Montag beraten worden. Ter Ausschuß hatte beantragt, den Gemeinden Offenbach und WormS den Eiuzelkelch zu bewilligen, aber. auch das Ober- konsistorium zu ersuchen, auch fernerhin gleichen Anträgen anderer Gemeinden eine vrovijorische Genehmigung nicht zu erteilen. (Den genannten Gemeinden ist bereits der Kelch bewilligt worden.) Es wird folgender neu verfaßter Antrag angenommen:
„Die Synode wolle erklären, daß in der Erteilung der Genehmigung von Anträgen auf Einführung des Einzelkelches zurzeit noch Zurückhaltung geboten sei, erkennt aber das Rech, Großh. Oberkousistoriums gemäß § 27 der Verfassung, Genehmigung vorläufiger Einführung zu erteilen, rückhaltlos an/ Weitere Beratungen drehten sich um die Vereinfachung der Kirchenbuchführung. Tann wurde die Synode geschlossen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. März 1910.
Von der hessischen Gewerbernspektion.
Die Gewcrbeinspektwnen haben soeben ihren gemeinsamen Jahresbericht für 1909 herausgegeben. Den fünf Gewerbeinspektoren stehen drei Assistenten, zwei Assistentinnen und fünf Gehilfen aus dem Arbeiterstand zur Seite. Die Zahl der Besichtigungen betrug int ganzen Lande 9400 gegen 8862 nn Vorjahr, wobei einigen Betrieben ein zwei- und dreimaliger Besuch zuteil wurde. Mit Ausnahme der Berg- werksanlagen, über die ein besonderer Bericht der Bergbehörden vorliegt, ist die Zahl der Fabriken und der ihnen gleichgestellten gewerblichen Anlagen auf 6180 festgestellt, mit 99 414 männlichen, weiblichen und jugendlichen Arbeitern. Die Zahl der besuchten Betriebe war 4291. Der größte Bezirk nach der Arbeiterzahl ist Offenbach, dann folgen Darmstadt, Mainz, Gießen und Worms. Im allgemeinen ist wieder eine Zunahme der Jugendlichen festzustellen, vornehmlich in der Maschinenindustrie; Mainz dagegen verzeichnet eine Abnahme von 8 Prozent bei einer gleichzeitigen Verminderung der Gesatntarbeiterzahl um 3,6 Prozent. Ueber das Lehrlingswesen wird noch viel geklagt; der lockende frühzeitige Verdienst verleitet die Eltern der jugendlichen Arbeiter, sich auf ein Lehrverhältnis vielfach nicht einzulassen und damit eine tüchtige berufliche Ausbildung in jungen Jahren zu versäumen, ein Mangel, dec sich im späteren Leben bitter rächt. Die Zunahme der Arbeiterinnen ist unwesentlich; eine Gesamtzunahme der Arbeitskräfte ist zu verzeichnen in den Bezirken Darmstadt, Offenbach und Worms, ivenig Fortschritt war im Gießener, Abnahme im Mainzer Bezirk. Der Offenbacher Bericht meldet eine Nerinehrung um 99 Betriebe mit 1797 Arbeiter als eine Folge der besseren Geschäftslage in den Güctlereien, den Feinledergeschäften iisiv. In der Zigarrenindustrie ging das Geschäft zurück, im allgemeinen mehren sich aber die erfreulichen Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwunges. Eingehende Mitteilungen bringt der Bericht über Aus stände und Aussperrungen, über Arbeiterorganisationen, Arbeitsnachweis u. a. m. Auf dem Gebiete des Wohnungswesens leisten verschiedene Firmen des Landes Hervorragendes, insbesondere das Haus Cornelius Hehl in Worms. Unter- richtslurse wurden von der sozialpolitischen Abteilung der Freien Studentenschaft an der Technischen Hochschule zu Darmstadt abgehalten, auch die Städte Mainz und Worms verfolgten solche Bestrebungen. (Auch in Gießen werden seit einigen Jahren studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte veranstaltet und unseres Wissens ist die hiesige Einrichtung die älteste in Hessen gewesen. Red. d. G. A.) Die Fürsorge für erholungsbedürftige Kinder, für Heranwachsende Arbeitertinder durch Erholungsheime und Fabritschulen und Kindergärten hat erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen; eine große Maschinensabril hat eine vollständige gewerbliche Fortbildungsschule eingerichtet, Fabrilbäder, Speiseanstalten, Volkstuchen, Fabrirbiblio- theken entstehen neu, zu Arbeiter- und Fabrikjubiläen sind zahlreiche Prämien verteilt worden, ein oberhessisches Eisenwerk verteilte Weihnachten 40 000 Mark an seine Arbeiter. Dem Bericht sind verschiedene Satzungen, Lohntarife und Tarifverträge beigefügt, sowie Verzeichnisse der von einigen Gewerkschaften gewährten Unterstützungen.
Der Jahresbericht über die Durchführung des Kurder- schutzgesetzes in Hessen im Jahre 1909 liegt ebenfalls vor. Das Bändchen gibt jedem Freunde der Volkswohlfahrt reiche Anregung und enthält eine Reihe interessanter statistischer Angaben. Wie der Bericht mitteilt, gab es 1909 in Hessen 203 636 Volksschulkind er (1908: 198 849), von denen 3735 = 1,83 Prozent (1908: 3909 = 1,96 Prozent) gewerblich beschäftigt waren. Von den 3735 Kindern waren 2539 eigene
Kinder, von denen 1790 für Dritte beschäftigt wurden. Fremde Kinder wurden 1196 beschäftigt. 2482 aller beschäftigten Kinder (66 Prozent) waren über 12 Jahre alt. Der größte Teil der beschäftigten Kinder — 3379 von 3735 (2375 eigene und 1004 fremde) —, also etwa 90 Prozent, wurde mit dem Austragen von Waren und sonstigen Botengängen beschäftigt. Die übrigen Beschäftigungsarten treten hierneben fast ganz zurück. In Werkstätten wurden 164 Kinder — 138 eigene und 26 fremde — und bei theatralischen Aufführungen 111 fremde Kinder beschäftigt. In verbotenen Betrieben wurden 2 «eigene und 6 fremde Kinder beschäftigt.
*
** Straßenbahn. In der ersten Hälfte des März fuhren mit der Straßenbahn 44 778 Personen, darunter 650 städtische und 519 Postbeamte. Die durchschnittliche Tagesfrequenz beträgt 2985 Fahrgäste. Man hofft, daß in der zweiten Hälfte des Monats infolge der Feiertage die Benützung der Bahn sich derart heben wird, daß die täcfliche Durchschnittszahl für den Monat wieder auf über 3000 Fahrgäste steigt.
** Die Vergebung der Fleis ch lieferung en an die Kliniken für das kommende Rechnungsjahr hat für den Staat nennenswerte Ersparnisse gebracht. Die Angebote fordern 16 Proz. unter dem Ladenpreise gegen 6 Proz. im laufenden Jahre. Der Staat spart dadurch bei der Klinikverpflegung an seinen Ausgaben für Fleisch etwa 15—20000 Mark im Jahre. Den Zuschlag erhielten für die Chirurgische und Augenklinik Fr. Schreiner, F. Schlörb und H. Meister, für die übrigen Kliniken die vereinigten Jnnungsmeister, von denen sich 15 zu diesem Zweck zusammen geschlossen hatten.
-t- Ulrichstein, 15. März. Heute wurde hier ein Turnverein ins Leben gerufen. In einer stark besuchten Versammlung sprach Lehrer Schön, der mit drei anderen Herren vorläustg die Leitung des jungen Vereins übernahm, über die Entstehung und den Zweck der Turnvereine. Die ;ur Einzeichnung von Mitgliedern offengelegene Liste wies heute schon nach, daß die Begeisterung für die Sache sehr groß ist. Auch viele ältere Herren sind dem Verein als unterstützende Mitglieder beigetreten.
ß Mücke, 16. März. Gegenwärtig wird von hier über Ruppertenrod nach Groß-Felda der Draht der Telephonleitung durch einen doppelten Strang ersetzt. Das geschieht neuerdings überall mit den Fernjprechleitungen. Durch die doppelte Drahtführung werden Störungen und Uebertragungen, wie sie beim einfachen Draht Vorkommen, vermieden.
x Ober-Ohmen, 16. März. Der hiesige Kursus der Kreis haus h al tu ng s s chu l e geht mit dieser Woche zu Ende. Die Schlußprüjung findet in der nächsten Woche statt. Der zweite Kurjus wird hier von 23 Schülerinnen besucht. Von hier kommt die Haushaltungsschule nach Homberg a. O., wozu schon 30 Anmeldungen vorliegen, und dann nach Alsfeld. Daß die Kreisverwaltung mit der Gründung der Wanderschule einem voltswirtschaftlichen Bedürfnis aufgeholfen, tritt immer mehr in die Erkenntnis. In Fräulein Hölzer, der Lehrerin der Schule, hat die Kreisbehörde eine recht tüchtige Kraft gewonnen.
m. V o m V o g e l s b e r g, 16. März. Der Frühling steigt auf die Berge. Wohl lugen aus dem unweiten Oberwalde noch Schneereste, aber dennoch beginnt schon an den zahlreichen Quellen der Boden sich mit grünem Rasenteppich zu schmücken. — Seit die Burgruine Ulrichstein restauriert wurde, ist sie das Ziel vieler Reisenden und der Ausslugspunkt gar mancher Schulklassen. Die Mauerreste der früheren Bergfeste bieten auch ein treffliches geschichtliches Anschauungsmittel. Im Mittelfeld des Aussichts- trrrmes hat man letzthin das Relief eines Kopfes angebracht, wie er früher zur Blütezeit der Burgen über dem äußeren Burgtor prangte. Hoffentlich setzt man auch das Schloß an der Türe zum Aussichtsturm und das Fernrohr in den Stand.
Märkte.
Gießen, 17. März. Markt!)ericht. Üluf heutigem Wochen» maxtte kostete., Butler pr. Psd. 1.05—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 7—00 Psg., Enteneier 1 St. 0 Psg., Käse pr. St. 6—8 Ps., Erbsen p. Psd. 00—00 Psg., Linsen p. Psd. 00-00 Psg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80Mk., Gänse pr. Pfd. 60—70 Ps., Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 All., Lchsensleisch pr. Pid. 76—84 Pig., Kuhfleisch pr. Pfd. 60 Psg., Rindfleisch pr. Pfund 70—74 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—96 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 96 Pfg.. Kalbfleisch pr. Psd. 76—80 Psg., Hammelfleisch pr. Psd. 60—80 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.50—6.00 Alk., Zwiebeln per Ztr. 5,00—6,00 Mt., Wiilcl) per Liter 20 Psg., Weißkraut per Ltück 10—15 Psg., per Zentner Mk. 0.00—0.00., Aepsel per Ztr.
10—18 Mk., Birnen per Ztr. 10—15 Mk. Nüsse 100 Stück -10—50 Psg., per Ztr. 0—00 Mk Marktzeit von 8—2 Uhr.
L. Friedberg, 16. März. Der heutige Viehmarkt ivai mit Schweinen recht gut befahren. Viele Käufer fanden sich em und war der Markt trotz der hohen Preise (50—60 Alk. für dcic Paar Ferkel) bis gegen Mittag größtenteils geräumt.
F.C. Wiesbaden. V i e h h o f -Ac a r k t b e r icht vorn IG. Mär Auftrieb: blinder 107, Kälber 378, Schate 51. Schweine 388.
Tendenz: Rinder schleppend, Kälber lebhaft, Schafe mittel- Tnrch- schnittspreü pro 100 Pfund l_'cbenb= Sctila.vt: kcmichr
Vollfleischige, ausgemästete, höchsten
Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 43—47 78—82 45 80
Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 38—42 73—76 40 74
Mäßig genährte junge und gut ge
nährte ältere 35—37 70—71 36 70
Bulle n.
Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten
Schlachtwertes 38—40 70—72 39 71
Vollfleischige, jüngere 35—37 66—68 36 67
Färsen, Kühe.
Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst.
SchlachtiverieS 41 — 46 74—80 43 77
Vollsleifchigc ansgcmästete Kühe höchst.
Schlachtivertes bis zn 7 Jahren . . 85—40 67—72 37 69
Aeltere ausgemastete Kühe und ivenig
gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 31—34 62—65 32 63
Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 27—30 56-60 28 58
Kalber.
Feinste Blast- (Vollmilchmast) und beste
Saugkälber 52—60 87-100 56 93
Mittlere Mast- und gute Saugkälber . 48—51 80-85 49 82
Geringere Saugkälber 42—47 71—78 44 74
Schafe.
Mastlämmer und jüngere Masthammel 40—00 80-00 40 80
Schwein e.
Vottfleischige Schweine bis zu 2 Zentner
Lebendgewicht 54—55 69—71 54 70
Vollfleischige Schweine über 2 Zentner
Lebendgewicht 54-55 69—71 54 70
Fleischige Schweine 53—55 68—70 54 69
mäßig, Schweine slau.
Ochse n.
Preis pro 100 Psd. rcbcnd- Lchlachi- nemichk oon-biS öoii-biS
des GieSseuer Anzeigers, initgeteilt von der Bank für Hande" und Indnstrze^GiesscL1.
Frankfurter kiörse, 16. März, 1.1 > Uhr.
3'/.% Reichsanleihe . .. y3-45 S°j'. - do. ... 84.20
3'/,% Eonsols . «3.30
3% do. . . 84.30
3•/,//„ Hessen . i . 92-20 3'/iulo Oberhessen . . - -. 92 00
4"/n Oesterr. Goldrente. 99.70 4'/6o/o Oesterr. Silberrente. 98.60 4n,'n Ungar. Goldrente .... 95.35 4".„ Italien. Rente . . . 104.80 3°/0 Portugiesen Serie I . 65.60 3% Portugiesen „ III . 66.40 4'/?% russ. Staatsanl. 1905 100.2-5 4''?/0 japan. Staatsanleihe 98.30 4°/ö Conv.Türken von 1903 94,80 Türkenlose ..... 181.20
4"/0 Griech. Monopol-Anl. . 48.85
4°/0 äussere Argentinier .. 91,20
3°/0 Mexikaner . . 69.40
4‘/z% Chinesen ... . 99.75 Akticna:
'Bochum Guss ....
Buderus E. W. . . -. - l^.oO Tendenz öruhig.
Elektriz. Lahmeycr . . . Elektriz- Schachert . . ,. E-chweiic-r Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paket!. Har neuer Bergwerk Laurahütte . ... . - . - N'ordd- Lloyd .
Oberschles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche feank . .
Deutsch - Asiat. Bank Diskonto - Kommandit Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn .....
Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn. Oesterr. Staatsbahn .
prince - Henri - Eisenbahn
iierliner älorse, 16. März. vn.
107.20 139.80
201.25 Ü13 4U
142.4b 198.20
174.5 b 105.00 103.50 180.00 135.95 2Ö8.2) 151.30 116.0.) 165 0b -13.uJ
112.10
22*5 > 159.30 1344)1*
( anada E. B 182.00 Darmstädter Bank . . - 136.00 Deutsche Bank .... 258.— Dortmunder-Union C. . . 94.20 Dresdner Bank . . • . 164.80
P. ..teuer Bergwerk . . . 198.2' Laurahütte 174 - Lombarden E. B --!j Nordd. Lloyd . . .... 105,2' Türke muss . , , . , ... 181.0
Tendenz: schwach.
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