BetfE, cm dem Mrch Mrrta Werten aks Döllar- prrWeffin stark Beteiligt ttrar. ZN Spiel und Gestrng von gleicher Beseelung und Jmreckkichkert gelang ihr die Wieder- 'gäbe des stolzen Weibes lrusnehmend gut. Mit dem Lied tron der Dollurprin-zessin errang sie sich einen großen Er- iolg. Nett und niedlich war Anna Walle als Drrysi und Len Ringelreihen mußte sie in Gemeinschaft mit dem leb- haften Joses Fery, der häufig flott und witzig improvisierte, noch einmal wiederholen. Wie im vergangenen Jahre stellte Richard H e l s i n g den Conder recht lustig dar, dagegen ließ Hertha S ch r o t h als Olga die doch so notwendige Lebhaftigkeit und Grazie zum größten Teile vermissen. Recht gefällig waren die „Klapperschlänglein" in ihren schmucken .Anzügen, und auch die übrigen Chöre ließen kaum etwas zu wünschen übrig. Das Orchester spielte unter Hermann Wei- nacks Leitung flott und sicher, schien mir aber einigemale ein paar Takte voraus. Zu erwähnen wären noch Karl Tarlow (Dick, und Erich Schönfelder iTont). N.
** Evangelischer B u n d. Die 21. Landesversammlung des Hessischen .Hauptvereins wird Sonntag, 10. und Montag, 11. Juli in Mainz stattsinden. In mehreren Sitzungen haben die Vertreter des Hauptvereins, des Zweigvereins Mainz, der evangelischen Vereine, sowie der Kirchenvorstände der Stadt sowie der Vororte die nötigen Vorarbeiten erledigt. In einer Sitzung, der auch der Hauptvorsitzende, Pfarrer D. Waitz aus Darmstadt, anwohnte, wurde die Jestordnung festgesetzt. Die Kirchengesangvereine der Stadt und der Vororte haben sich zu einem Gesamtchor vereinigt Namhafte hessische und auswärtige Redner sind Ku-^ Teil schon gewonnen.
" K r u p v e l f ü r s o r g e. Von beteiligter Seite wird uns mitgetejü, daß die Gründungsversammlung auf den ;H e r b st d. I. verschoben werden mußte. Obgleich es in dem Entwurf des zu erlassenden Aufrufs ausdrücklich heißt, daß nicht mit neuen großen Anforderungen an das Publikum herangetreten werden soll, ist das Vorgehen des vorbereitenden Ausschusses doch vielfach so aufgesaßt worden. Es sei deshalb daraus hingewiesen, daß es sich in erster Linie darum handelt, in welcher Weise bie, zunächst beteiligten Faktoren, wie die Landesversicherungsanstalt, die Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Armen- verbändc in nähere Beziehungen gebracht und zu einem Zusammenwirken auf diesem Gebiete vereinigt werden können. Wie diese Organisationen seither schon im Nahmen ihrer Zuständigkeit für Krüppel gesorgt haben, ist auch die Krüppelheimpflegc in Hessen 'bereits vorhanden. Die Innere Mission hat in Nicder-Ramstadt bereits einen sehr bemerkenswerten Anfang gemacht und das Ministerium des Innern hat durch Genehmigung einer Kollekte die dortige ?lnstalt unterstützt. Wenn aber mit dem vorhandenen großen Elend ein wirklich erfolgversprechender Kampf ausgmommen werden soll, so muß die Krüppelfürsorge auf eine möglichst breite, umfassende Grundlage gestellt werden. Und das ist eben die Absicht der zu gründenden Landesvereinigung. In Anknüpfung an das bereits Vorhandene und in Zusammenfassung der jetzt getrennt arbeitenden Organisation >vill die neue Bewegung eine zielbewußte kraftvolle Tätigkeit entfalten. Wer diese Notwendigkeit einsieht, und ein Einblick in die bestehenden Zustände muß jeden überzeugen, der darf auch vor dem einzig möglichen Wege einer neuen Bereinsgründung nicht zurückschrecken. Der vorgesehene geringe Jahresbeitrag von 2 Mark wird es vielen ermöglichen, Mitglied zu werden. Die Hauptsache ist aber die Erweckung des Interesses aller Kreise des Volkes für den Gedanken, den Stiefkindern des Menschengeschlechts wirklich nachhaltig zu helfen, die Heilbaren zu heilen, den anderen ihr hartes Los zu erleichtern, möglichst allen aber eine geeignete Erziehung und Ausbildung zu vermitteln und sie damit aus Almosenempfängern zu Steuerzahlern zu machen. Es ist zu hoffen, daß der anläßlich des Deutschen Turn lehrertags gehaltene Vortrag über das orthopädische Schulturnen her Bewegung vorgearbeitet und weitere Kreise über die Große des vorhandenen Elends aufgeklärt hat.
— Bad-Nauheim, 20. Mai. Bis zum 19. Mai sind 56 5 8 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3790 anwesend waren. Bäder rourben bis zum 19. Mai 48 874 abgegeben.
Darmstadt, 20. Mai. Bei dem russischen Minister- Residenten Wirklichen Staatsrat' Baron von Knorrin^ sanid it. b. D. Ltg. KUv Feier des Geburtstages des Kaisers von Rußland gestern mittag 1 Uhr nach Vorau^gegangenem Festgottesdienst mit Tedeum in der Russischen Kapelle ein Frühstück statt, an dem der preußische Gesandte, Freiherr von Iranisch, die Minister, bie Generalität, der GeneraflaLjutant, die Oberhof- und Hofchargen, der Vorstand des Großherzoglichen Kabinetts, der .Kommandeur des c?'.rb-Dragoner-Regiments Nr. 24, der Oberbürgermeister und die beiden griechisch-katholischen Geistlichen ans Wiesbaden teilnahmen. An den Trinkspruch auf den Kaiser von Rußland, ' den Staatsminister Dr. Ewald ausbrachte, schloß sich ein Toast des Barons von Knorring auf den Großherzog.
fc. Offenbach a. M. 20. Mai. Das Opfer eines Unfalls wurde heute morgen gegen 10 Uhr der 60jährige verwitwete Bauunternehmer Jakob Vetter aus Hausen, Kreis Offenbach. Beim Passieren des Bahnüberganges mit seinem Rade wurde er von dein D-Zug aus Hanau erfaßt und aus der Stelle getötet. Dem Unglücklichen der Vater von fünf Kinder ist, wurde der Kopf und beide Beine vorn Körper getrennt.
N. Mainz, 20. Mai. Die Leiche des Schlossers Ioh. Thiclmann aus Worms, der am 3. Mai bei einer Kahnfahrt gegen ein Schleppschiff stieß und ertrank, ist hier gelandet worden. — In letzter Zeit hat ein durchtriebenes Gaunerehepaar an mehreren Plätzen Deutschlands auf folgende Weise Diebstähle begangen: sie sagen, sie seien auf der Reise durch Deutschland und der Mann, angeblich Leder- reisender, habe in den einzelnen Städten längere Zeit geschäftlich zu tun. Sie logieren sich unter diesem Vorwande bet Privatleuten ein, bezahlen, um sich tn ein gutes, Licht zu setzen, die Miete voraus. Rach der Abreise muffen nun die Vermieter bemerken, daß sämtliche Bettwäsche nsw. verschwunden ist. In der nächsten Stadt wird zuerst die Diebesbeute versilbert und sodann der Trick aufs neue in Anwendung gebracht. In Frankfurt, Worms, Freiburg und Straßburg und nunmehr auch hier haben sie schon Diebstähle mit Erfolg ausgeführt, und da anzunehmen ist, daß sie nicht von selbst ihr einträgliches Geschäft aufgeben, scheint es ratsam, auf das Gannerpaar aufmerksam zu machen.
-- Wißmar, 20. Mai. Vom 18. auf 19. d. M. wurde bei einem hiesigen GeschästSmanne ein Ei n b r u ch s d i eb- st a h I verüb, und dem Einbrecher siel ein erheblicher Geldbetrag in die Hände. Da man sah, daß der Einbrecher -mit den Verhältnissen vertrant gewesen sein mußte, so lenkte sich der Verdacht auf einen bei dem tzseschäftsmanne bedienstet gewesenen Burschen. Zahntechniker Stroh aus Wißmar nahm sofort mit seiner deutschen Schäfer!)ünörn vom Tatort aus die Spur auf, und der Bestohlene konnte haft) sehen, daß er mit seiner Vermutung recht behielt, denn der Hund verfolgte vom Tatort aus sofort die Spur bis Lu dem Hause, in dem der Bursche wohnte. Letzterer gestand denn tuid) die Tat ein.
w. Wi e sb aden , 20. Mai. Heute nachmittag 6 Uhr wurde der Inhaber der Wiesbadener Marmorwerke Betz von einem Hitzschla^ befallen, dem er wenige Minuten später erlag.
Gericht-scral.
. 4- Mü nchen, 20. Mai.
Fnrforgezöglinge als Giftmörder.
Die verbrecherische Tat zweier Fürsorgezöglinge kam vor der Jugendstrafkamnrer des Landgerichts II zur Verhandlung, vor der sich der 14 jährige Josef Berchthold und der 15- jährige .Yaüer Herrmann wegen versuchten Giftmordes zu verantwotten batten. Berckü^ld, der viel sich selbst überlassen war, trieb sich in seiner frühesten Jugend viel herum und wurde deshalb in einer Anstalt untergebracht. Um ans der strengen Zuckst zu kommen, legte er in der Anstalt Feuer an. Er wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, erhielt aber Strafaufschub zugebilligt. Im März 1909 wurde er in der Zwangserziehung s a u st a l t Andechs untergebracht, ^)ie unter geistlicher Leitung steht. In dieser Anstalt schloß er mit Herrmann Freund- schaft. Als die Zwangszöglinge einmal wegen unbotmäßiger Haltung von Pater Maurus mit Kostentziehung bestraft wurden, besprachen sie sich untereinander, ihn zu vergiften. Herrmann soll seinen Mitangeklagten aufgefordert haben, dem Pater Gist in den Meßwein zu schütten, das würde eine rechte Freude geben. Als die Angeklagten eines Tages mit dem Putzen von Eimern beschäftigt wurden, hielten sie ein Quantum von der dabei verwendeten Salzsäure zurück. Mit der Säure füllten sie dann eine Flasche Meßwein. Vom Orgelchore aus beobachteten sie, wie der Pater den Kelch an die Lippen setzte, und äußerten dabei die Hoffnung, daß es jetzt bald „eine rechte Gaudi" geben würde. Der Pater merkte aber das Gift unb nahm nur einen kleinen Schluck, der ihm nicht schadete. Der Gerichtshof verurteilte Berchthold zu sieben Jahren Gefängnis und Herrmann wegen Beihilfe zu drei Jahren Gefängnis.
*
Venedig, 20. Mai. Im Prozeß wegen der Ermordung des GrafenKomarowski wurde heute spät abends das Urteil gesprochen. Der Angeklagte Baumow wurde zu drei Jahren einen Monat, die Gräfin Tariwwsla zu acht Jahren vier Monaten und der ehemalige Rechtsanwalt Prilukow zu zehn Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft verurteilt. 'Die Zofe Perrier wnrde freigesprochen.
Sport.
— Süddeutscher R u d e r v e r b a n d. Zu der am 12. Juni zu Offenbach auf dem Alain stattfindenden 13. Regatta des Süddeutschen Rnderverbandes hat der Ruderklub lz$ermania“= Offenbach folgende Rennen ausgeschrieben: l) Junior-Einer, 2) Anfänger-Vierer, 3) I. Senior-Vierer, 4) Gast-Vierer, 5) Junior- Vierer, 6) Senior-Einer, 7) IIL Senior-Vierer, 8) II. Senior- Vierer, 9) Senior-Achter. Ter diesige Nuderklnb „Hasiia" wird mit einer Anfänger- und Senior-Mannschaft an dem Rennen teil- nebmen; außerbem wird der Skuller L. Schmalz das Junior- Einer-Rennen bestreiten.
" Lustschiffahrt. ~
Metz, 20. Mai. Der Frankfurter Freiballon „Tillie 11", ,Whrer Kaufmann Julius Hahn-Frankfurt, ist gestern früh in Souillh bei Verdun gelandet. Die Jn- sasien marcit außer dem Führer Lederfabrikant Map und Architekt Grumbach. Der Ballon war wider den Willen der Intasien durch Ziehen am Schleppseil von einem Forster zur Lcmd- dung gezwungen worden. Die französisck)e Polizei, sowie der Souspräfekt von Verdun und Luftschifferoffiziere waren sofort zur Stelle. Nach 20 stündigem schonungsvollen Festhalten und einer Zollhinterlegung von 500 Francs nmrde der Ballon frei- gegeben, nachdem die Apparate gründlich untersuch! und and) Wert darauf gelegt worden war, sestzustellen, ob die Insassen Offiziere seien. Auf Grund der Rangliste ergab sich dann, daß es sich um zwei Reserveoffiziere handle. Das Verhalten der Behörde gegenüber den Luftschiffcrn war höflich.
vermischtes.
* Meerestemperatur und Fischreichtum. Mit den jüngsten hpdrvbiologischen Forschungen beschäftigt sich James Johnstone in einer fesselnden Studie im Science Progreß und weist dabei auf die merkwürdige Wechselwirkung hin, die nad) den neuesten Untersuchungen die Temperatur des Meeres mit dem Reichtum an Fischen hat. Die Temperaturmessungen und die genaue Prüfung der Fischereiergebnisse, die bei den Fischbanken von Lofoten in den letzten fünf Jahren.svstematisch durchgeführt wurden, haben gezeigt, daß mit der Stärke des Golf- stromes die Meereswärme steigt nnh anscheinend die Fische in kühlere Meeresgegenden zurücktreibt. Eine verhältnismäßig geringere Kraft des Golfstroms entspricht einer kühleren Meeres- temperatur und gewährleistet eine bessere und größere Fiscixwnte als unter anderen Verhältnissen. Was also auf dem Lande eine gute Ernte verheißt, bedeutet int Meere gerade das ©egcnfeil; Wettere Untersuchungen haben sich mit den Gründen beschäftigt, aus denen in einem kälteren Meere ein größerer Fischreichtum erwachst. Dabet zeigte es sich, daß bei dem stärkeren Golsstrom die Fische nicht nur in der Zahl geringer sind, sondern and) nickt so gut auswachsen; sie sind schlechter genährt und ihre Fortpslanzungsorgane weniger entwickelt. Anscheinend ernähren lick die Fsiche am besten von den Nahrungsftosfen, die durch die russischen Flüsse dem Polarmeer zugefübrt werden und dann,burd> die Meeresströmungen zu den Fsichbänken getrieben werden. Bei großer Stärke des Golfstromes können diese nahrungshaltigen Gewässer nickst bis zu den Fischgründen Vordringen, der Golfstrom hält sie zurück und die Fische entbehren die ihnen zusagende Nahrung. Wenn die Strömung des Golfstromes dagegen schwacher ist, so drtngen die Wasser aus den Polarmeeren weiter vor, die Temperatur sinkt und die Fische empfangen ihre gewohnte, reichliche Nahrung.
Englische tl n d d e u t s ch e T i e r g ä r t e u. Tie Zoolo- gischen Gärten Teutschlands, insbesondere der Berliner, stehen auf der Höhe der Zeit und können den Anlagen dieser 'Art in England zum Vorbild dienen — zu dieser Schlußfolgerung fommt ein englischer Zoologe in einer vergleichenden Studie. Er sagt: „Heute gibt es m Deutschland mehr Zoologische Gärten als im qanzeit übrigen Europa, und viele neue Gärten sind int Entstehen be- griffen. Als Jovan zivei seiner hervorragendsten Naturforscher nach Europa entlaubte, um dort Studien für die Anlage eines össenllichen Tierparks in Tokio zu treiben, erhielten sie Weisung nack) Dentschlanb zu gehen. Das Geheintnis des Erfolges, bat die Tiergärten in Dentschland erlangt haben, scheint zunächst darin zu liegen, daß sie sehr anziehend ausgestaltet sind. J>t ihnen betvegen fid) die Tiere viel wehr in der ihnen entsprechenden Natur aut Jetsen, zwischen Bäumen unb in Sümpfen, als dies in Groß- britaunien der Fall ist. Ter zweile Punkt ist die Vorsorge für das leibliche Wohl der Besucher. Die Beivirtung in den' beutjeben Gärten ist benen in englischen weit überlegen. Dazu fommen Schaustellungen wie Eingeboreneiibörser, Tierbresiuren, Asilitär- kapellen nsw. Die Gesomtzalil ber Icbetibcn Tiere sin Berliner Zoologischen Garten beträgt 3150, roäbrenb ber Hamburger 2390 ber Kölner 2000, ber Breslauer 1850 unb ber Frankfurter 1800 Tiere zählt. Auch die Zahl ber Beslicher in ben bentschen Ziergärten ist groß, lieber eine Million Menschen besuchten int letzten Jahre Karl Hagenbecks Ttervark in Stellingen bet Hamburg. Der Loitboiter int Regents Park zählte nur 797 000 Be- ucher. Hier könnte eingewenbet werben, baß bie bentschen Zoologischen Gärten, am Sonntag offen gehalten werben, währenb bie englischen geschlossen sinb. Das mag stimmen, aber auch weitii wir ben Besuch, ben bie bentschen Tiergärten an Wochentagen auszuweisen haben, nut betten ber englischen Gärten vergleichen, stellt ich heraus, baß bie beulschen weitaus an ber Spitze stehen." Die Gesointtopszahl bes Tierbestanbes in einem Tiergarten ist übrigens allem nicht maßgebend; es kommt in erster Reihe aus die Zabl
der Arten an. So zählt der Berliner letzt 1400 Arten Don Säugetieren unb Vögeln — die größte Zahl, die ent Zoologischer Garten oufzuweisen hat.
* Fünfunddrei ßig Menschen berbr annt. Guten furchtbaren Tod in den Flammen haben 35 Neger in Bibbs County, Alabama, gefunden, weil die Wächter der Sträflings Kolonie, der die Neger angehörten, die Unglücklichen verbiü- berten, das brennende Gebäude zu verlassen, in dem man sie gefangen hielt. Die Sträflinge mären nach amerikanischem Brauche einer Bergwerksgesellschaft zur Strafarbeit überlassen, worden, der Red Feather-Kohlengeselsichaft. In den letzten Monaten hatten sich die Fluchtversuche einzelner Sträflinge gehäuft und man verdoppelte die Wächterzahl. Patrouillen mit scharf geladenen Gewehren umkreisten unausgesetzt die Pallisadcnwände. Die Sträflinge mußten erkennen, daß es umnöglid: war, den Wägern zu entfonunen. Einer der Gefangenen griff schließlich zu dem VerMeistungsmittel, den hölzernen Bau in Brand zu setzen, offenbar in der Hoffnung, daß in der Verwirrung und Aufregung eine Gelegenheit zur Flucht sich bieten könne. Mit furchtbarer Schnelle breiteten fid) die Flammen aus und bald stand der ganze Holzbau in Feuer. Der Gefangenen bemächtigte sich cur wilde Angst. Alle drängten zum Ausgange. Aber die Wächter hatten draußen eine Kette geschlossen und ließen niemand heraus: wer versuchte, das Gebiet der Umzäunung zu überschreiten, wurd: mit Kugeln empfangen und mehrere der verzweifelten Flüchtlinge fielen schwer verwundet unter den Schüssen. Tie Versuche, der Wut der Elemente zu entgehen, wiederholten sich einige Male' doch immer wieder gelang es, die schwarzen Sträflinge zurückzuscheuchen. Einer der Neger, dem cs glückte, ins Freie zu kommen, wurde vor den Augen seiner Kameraden sofort nieder- gefdpoffeit. Als die Flammen weiter vordrangen, versuchten bie ratlosen Menschen wieder auszubrechcn, aber auch diesmal empfing sie erbarmungslos eine Salve, bei der viele verwundet liegen blieben. Völlig kopflos rannten die Neger in die Flammen zurück und suchten unter den zusammenstürzenden glühenden Balken durchzukommen. Die meisten starben in der Glut oder wurden von herabsallenden Gebäudeteilen zerschmettert, dsiu wenigen gelang es, ihr Leben zu retten: eine einzige niedrige Steinmauer war stcheit geblieben und hinter der konnten sich einige der Neger verkriechen, ohne von den Wächtern gesehen zu werden. Als dann die Flammen ihr Zerstörungswerk vollettdet hatten, krochen die Ueberlebenden zu dem Asd^cnplatz zurück. Die amerikanischen Blätter veröffentlichen grausige Schilderungen der Einzelheiten. ।
* D i e E i s c n st a d t. Vor Zeiten war es üblich, Städte nach Helden ober Herrschern zu benennen. Die Helden der 9ku zeit sind die Geschäftsleute, meinen die Amerikaner, und so haben sie nach einem Trustmagnaten eine Stadt benannt, die selbst für Amerika einzigartig ist. Seit 1907 ist, wie die „Welt der Technik" berichtet, eine gewaltige Schar von Arbeitskräften am Bau der neuen Eisenmetropole Gary am Gestade des Michigan fees beschäftigt. Die 11. S. Steel Co., der amerikanische Stahltrust, wendet 75 000 000 Dollar auf diesen großen Plan und nach dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats John Gary, dem Vater der Idee, soll die Stadt benannt werden. Noch im Jahre 1910 soll sie „eröffnet" werden: sie wird ausschließlich) den Zwecken der Stahcherstellung dienen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Eisenstadt trotzdem keiireswegs ein Jndustriemittelpunkt wer den soll, wie es beispielsweise Pittsburg ist, wo jn engen Gassen Fabrik an Fabrik steht und ein immer über der Stadt liegender, undurchdringlicher Rauch ben Aufenthalt zu einem lebenverkürzen ben macht. Man schafft vielmehr eine hygienisch wie äfthetisck vorbildliche Anlage. Zu diesem Zweck wird die ganze Stadt in zwei Teile getrennt, die vier Kilometer auseinander liegen. Der eine Teil, die Fabrikstadt, umschließt in breiten Straßen, die freien Rauchabzug gewähren, die verschiedenen der Äahl- bereitung dienenden Fabrikwerke. Sic liegen direkt am Ufer be* Michigansees, dessen geräumiger Hafen die Zufuhr des Roh Materials und den Weitertransport leicht macht. Der andere Teil, die Wohnstadt, ist ansschliesstich für die Häuser beztv. Billen der in der Eisenstadt tätigen Bevölkerung bestimmt. Er wirb durchzogen von zwei riesigen, sich schneidenden Hauptstraßen. Am KreuzungSpuukt beider stellt aus einem weiten Platz da* Rc«M*. Jede Straße, ob groß oder klein, ist mit Bäumen aut beiden Seiten bepflmrzt. Kein Haus gleicht dem in der Nachbarschost, aber immer das 50. Haus wird wieder nach dem Modell des ersten gebaut. Das freiliegende Land zwischen beiden Städten darf niemals der Bebauung er)d)loffen werden, sondern erhält Parkanlagen.
*WiederTaö<ik indieWeltkam. Von dem Ursprung des Tabaks gibt eine alte orientalische Legende Kunde, die allen Feinden des Tabaks als ein Beweis für die teuflischen Eigen Ichaften des beliebten Krautes willkommen sein mag. „Ein Bauer lab einst ben Satan auf einem Felde wunderliche, übernatürliche Kräuter pflanzen. Da trat ber Bauer zu beni Satan heran und fragte ihn nach dem Namen des Krautes. Satan blickte dem verwegenen Erdensohne fest in die Augen, als wundere er sich Über seine Kühnheit, und schließlich) sagte er mit einem höhnischen Lächeln: „Wenn du den Namen errätst, dann soll dies ganze Feld und seine Schätze dir gehöre,r. Wenn du ihn aber nicht errätst, so gehott mir deine Seele." Der Bmrer ging daraus ein und als er nach Hanse kam, erzählte er seiner Frau sein Abenteuer. „Mach dir keine Sorge," sagte die Bäuerm, „ich werde die Sache schon machen." Sie zog sich aus und kroch in ein Faß, das ganz mit Teer angefüllt war und rollte sich bann auf einem Haufen von Federn hin unb her. Als die Nacht ge kommen war, ging die Frau hinaus aufs Feld und kam auch an den teuflischen Garten. Da eilte der Teufel sofort herbei unb rief zornig: ,,9Äad), daß du weiter kommst, du Unglücksvogel. rühre mir meinen Tabak nickst an." Nun war das Geheimms enthüllt, die Frauenlist batte selbst den Teufel genarrt, unb am nächsten Tage übergab Satan dem Bauer das Feld mit dem Tabak, getreu dem Vertrag, den er mit ihm geschlossen hatte."
* "Des Sängers Fluch." „E Gewerrer muß dai ganz Singerei noch versdyneiße, — eich numntc dai Fahn und rocrf’fc in Maa mitsamt d'm gan.ze Gebimbel un Gebambel!" Mit diesem kräftigen Erguß losten sich, wie das „Hödffter .Kreisblatt" berichtet, die Geftihle aus, die die Brust des Fahnenträgers eims bei der Preisverteilung in Schwanheim übergangenen Vereins erfüllten, als er auf dem Heimweg durch Höchst marschierte.
* Klein-Lieschen. „Du hast genascht, Lieschen; es steht tn deinen Augen geschrieben!" — „Ach, das steht noch von gestern^drin!"
* Stimm t. „Was haben Sie da?" — „Rübsamen; einen halben Zentner, ich kam billig dazu!" — „Einen halben Zentner haben Sie gleich gekauft? Menfch, Sie haben wohl einen Vogel?" — „Ja, natürlich!"
... * $n ber Schule. Lehrer: „Fritz, wie würbest du das Wott „Souffleur" ins Deutsche übersetzen?" — Schüler: „Mt „Kastengeist"!"
Börsen-Wochcnbericht.
— Frankfurt a. M., 20. Mai.
Die nach Ablauf der Feiertage erhofften neuen Anregungen fint» ausgeblieben und die Börse madjtc in dieser SEodx einen etwas ermüdeten Eindruck. Dies verhinderte nickst, daß vereinzelte Papiere wieder regeres Interesse erweckten unb merk siche Preisbesscrnngen erzielten. Die Gesamthaltung erwies sich aber dock) als iueniger einheitlich wie noch vor kurzem. Ium Teil mag dies mit dem Herannahen des Ultimo zusammenhängen, was die Neigung zu Realisationen unb die Zurückhaltung verstärkt. Zur reservierten Haltung trüg zweifellos die Unentschieden beit der Börse in Wallstreet bei. Wohl beurteilt man die Verhältnisse in Amerika wieder etwas zuversichtlicher int .Vinblkf auf die Aussicht einer guten Ernte und weil burd) die Bonds- begebungen, die in letzter Zeit für amerikanische Rechnung in Europa stattgefunden haben, ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung in der Union eingeleitet wird. Die schwankende Haltung ber Newyorker Börse beeinflußt indessen die Unternehmungslust an den deutschen Börsen sehr. Daß am Londoner Markt bas


