tyffaftenbe ^tzlteuheit hxtr. Ber der Allie von veNcYüdeneu SDr bat dabarten und -Klassen macht es bei uns keine Schmierigkeit, selbst reich dekorierten Persönlichkeiten immer noch ein anderes Abzeichen zu verleihen. Es liegt also nicht etwa, wie man vermuten könnte, ein Zwang vor, zu Kostbarkeiten zu greifen. So hat z. B,. in .den letzteu Tagen der Leibarzt des' Kaisers die Brillanten der 2, Klasse des Roten Adler-Ordens erhalten, nnb Fürst Radolin die Brillanten zum Hohenzollernschen Haus- vrden. In beiden Fällen lag hie Möglichkeit vor, in einer 'für die Steuerzahler weniger empfindlichen Weis« die Verdienste der beiden Herren zu ehren. Statt ohne wertere Prüfung die Ueberschreitungen im Etat zu billigen, sollte das Wgeordnetenhaus bei der nächsten Inanspruchnahme eine Uebersicht der in den letzten Jahren verliehenen Brillantorden verlangen. Es würde sich dann ergeben, daß auch hier eine vernünftige Sparsamkeit das liebel beseitigen würde. Nach wie vor könnten die Tausende, die eine Füllung ihres Knopfloches sehnsüchtig erwarten, befriedigt werden, aber kostbare Geschenke auf Kosten des Volkes sollten ganz besonders in jetziger Zeit, wo ntafn nicht einmal d i e Mittel für invalide Krieger a u f z u t r e i b e u weiß, unterbleiben. Die preußischen Minister, die für diese Verleihungen die formelle Verantwortung tragen, sollten hier um so mehr Wandel schaffen, als sie Gefahr laufen, in den Ruf zu' kommen, sie begünstigten solche Verleihungen, weil denn doch int natürlichen Laufe der Dinge auch an sie einmal die Reihe kommen könnte.
Deutsches llcicb*
Der Kaiser ist nachts nach sehr angenehmer Fahrt vor Drontheim eingetroffen. Auch hier ist das Wetter sonnig, aber recht kühl. Dienstag morgen um 5 Uhr waren nur fünf Grad.
Der Unterstaatssekretär int Ministerium der öffentlichen Arbeiten,. F l e ck, reichte mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter sein Pensionsgesuch ein.
Der neue Minister v. Dallwitz hat hier einen fertigen Entwurf vorgefunden, das Staatsministerium hat über diesen Entwurf noch nicht abgestimmt, da noch verschiedene Meinungsverschiedenheiten herrschen und die Erlaubnis zur Feuerbestattung mit «in sch r äuke nd en K a u te len gegeben werden soll. Der neue Minister ist persönlich kein Gegner der Feuerbestattung, es läßt sich nicht voraus sehen., wieweit sein Einfluß im S.taatsministerium reichen wird. Doch wird angenommen, daß ein Feuerbestattungsgesetz in nicht ferner Zeit in Preußen Annahme finden wird.
Zur Nachfolgerfrage für den Erbprinzen Hohenlohe wird uns von parlamentarischer Seite geschrieben: Der Reichstag ist seit Monaten picht oersamm5lt, feine Mitglieder sind in alle Winde «zerstreut. Seitdem Erbprinz Hohenlohe das Amt des zweiten Vizepräsideirteu uiedergelegt hat, bemüht sich die Presse krampfhaft, einen Nachfolger zu finden. Man liest von Absichten der Parteien, liest sogar bestimmte. Namen. Eine solche Berichterstattung ist grober Unfug. Die Fraktionen sind nicht versammelt, sie können also keine Beschlüsse fassen, die genannten Herren, die zum Nachfolger ausersehen sein forten, find darüber am meisten erstaunt.
Die Niederdeutsche Bank in Dortmund ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Da durch den Zusammenbruch auch zahlreiche mittlere und kleinere Betriebe in Mitleidenschaft gezogen werden würden, so ist von mehreren Seiten die Einleitung einer Hilfsaktion durch die Reichsbank angeregt worden. In diesem Sinn hat sich auf Anregung ans rheinisch-westfälischen Parteikreisen ,<uirf) der nationalliberale Parteiführer Bass ermann verwandt, indem er bei dem Reichskanzler und dem preußischen Finanzminister mit Rücksicht auf die durch den etwaigen Zusammenbruch der Bank schwer gefährdeten dNittelstandsexistenzen für eine Hilfsaktion unter Führung der Reichs bank eintrat. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Änregung von Erfolg begleitet sein wird.
Aus Bukarest wird gemeldet: Die deutsche Kolonie veranstaltete am Montag zu Ehren des zum Staatssekretär ernannten bisherigen Gesandten v. Kiderlen-Wächter ein Bankett, an dem etwa 300 Personen teilnahmen, v. Kiderlen- Wächter gedachte in seiner Erwiderung auf den auf ihn ausgebrachten Trinkspruch Rumäniens, des gastlichen, zukunftsreichen Landes, pries die Weisheit des Königs Karol und trank auf die Deutschen Rumäniens.
Der griechische Gesandte in Konstantinopel hat am Dienstag von der Pforte die formelle Erklärung erhalten, daß der Boykott binnen wenigen Tagen aufhören werde, nachdem« der Ministerrat die. Aushebung des Boykotts unter Anwendung aller Mittel beschlossen und dem Boykottkomitee ernste Ratschläge erteilt hatte.
Aus U d s ch d a wird gemeldet, daß die Eingeborenen nach dem Kampfe bei Mal el Bacha am 12. Juli ihr Bedauern über die gegen die Franzosen unternommenen Angriffe und den Wunsch nach Wiederherstellung guter Beziehungen ausgesprochen haben. Die Lage kann dairach als völlig beruhigt an-, gesehen werden.
politische Vorträge von Studierenden.
Das Präsidium' der Gießener Freien Studentenschaft sendet uns mit der Bitte um Ausnahme folgende Zuschrift, in der viel Bekanntes wiederholt wird und manches unklar bleibt:
Das Präsidium d er Gießener Freien Studentenschaft sieht sich genötigt, an dieser Stelle einige Unrichtigkeiten des Artikels vom 18. Juli richtig zu stellen:
1. Der Ausdruck „Angehörige der Freien Studentenschaft" ist irreführend. Di« Organisation der Freien Studentenschaft hat als solche nichts mit den Vorträgen zu tun, nachdem sie diese wegen des Verbots nicht veranstaltchi konnte. Der Begriff „Angehörige der Freien Studentenschaft" beruht auf falschen Voraussetzungen. Die Freie Studentenschaft ist kein vereinsartiges Gebilde, sondern eine Interessengemeinschaft, deren Vertretung (das Präsidium) die allgemeinen akademischen Interessen der .Nichtinkorporierten wahrzunehmen hat. Wir müssen dies mit Entschiedenheit betonen, da von verschiedenen Seiten, sogar vom hohen Katheder im Kolleg herab, andere Ansichten bekundet wurden.
2. Die Mitteilung, daß die Vorträge uns nur vor Akademikern und ohne Diskussion gestattet waren, .ist richtig. Es fehlt hier aber der notwendige Hinweis, daß wir die Vorträge in diesem Falle aufgeben mußten wegen der bedeutenden Unkosten, die bei einem kleinen Zuhörerkreis nicht gedeckt worden wären. Dies war den Behörden auch mitgeteilt worden. Ferner vertreten wir den Standpunkt, daß es erstrebenswert ist, wenn in Fragen der Belehrung, sei es auch über Politik, feine Scheidewand zwischen Akademikern und Nichtakademikern aufgerichtet wird. Das Ansehen der Universität leidet dabei nicht, wie das Beispiel von Freiburg zeigt, wo solche Vorträge, die unter den gleichen Bedingungen stattfanden, ordnungsgemäß verliefen.
3. Der Meinung.der „Deutschen Tagesztg.", wir hätten einer politischen Vortragsfolge ohne sozialdemokratischen Redner zugestimmt, müssen wir widersprechen. Unser durch das freistudentiiche Neutralitätsprinzip notwendiger und auch allgemein zu rechtfertigender Grundsatz ist, daß bei der Aufklärung über die Hauptrichtungen des politischen Lebens Vertreter aller Parteien, auch der Sozialdemokratte, zu Worte kommen müssen.
4. Falsch ist ferner der Satz, daß nach den Univerfitäts- satzungen die Abhaltung öffentlicher politischer Vorträge nicht zulässig sei. Der fragliche § 28 lautet: „Allgemeine Studentenversammlungen und öffentliche Veranstaltungen von Studierenden bedürfen der Genehmigung des Rektors." Dieser dem Geiste des Vereinsgesetzes widersprechende Paragraph wird von der gesamten Studentenschaft als Eingriff in die akademische Freiheit empfunden und als solcher bekämpft.
Die Beanstandung des Ausdrucks „Angehörige der Freien Studentenschaft" ist unseres Erachtens grundlos und auch unwesentlich. Die Tatsache, daß es sich um Angehörige der Freien Studentenschaft handelte, ist nicht wegzudisputieren, und wir haben bei dem Ausdrucke weder dem „vereinsartigen Gebilde", noch der „Interessengemeinschaft" etwas Böses an die Nockschöße hängen wollen. Eine Scheidewand zwischen Akademikern und Nichtakademikern besteht nicht, denn jeder Akademiker kann an politischen Vorträgen und Belehrungen, die von nichtakademischen Kreisen veranstaltet werden, teilnehmen so viel er will.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Juli 1910.
Die Bevölkerungsbewegung im Jahre 1909.
Nach den Ergebnissen der Statistik über die Bewegung der Bevölkerung beträgt die Zahl der im Großherzogtum Hessen im Jahre 1909 standesamtlich gemeldeten Lebend- geborenen 36 299, der Totgeborenen 1164. Bei einer mittleren Bevölkerung von 1 274 000 kommen demnach n. d. Darmst. Ztg. auf 1000 Einwohner 28,5 Lebendgeborene. Gegenüber dem Vorjahre ist sowohl nach der Zahl (37 359) wie im Verhältnis zur Bevölkerung (29,7 aus 1000 Einwohner) ein Rückgang zu verzeichnen. Die Zahl der unehelich Geborenen betrug 2867 = 7,7 Prozent aller Geborenen, darunter 114 Totgeborene. Unter den Lebendgeborenen (96,9 Prozent aller Geborenen) befanden sich 18 713 Knaben und 17 586 Mädchen. Unter den Totgeborenen waren 632 Knaben und 532 Mädchen. Von den im Jahre 1909 Geborenen überhaupt waren 36 444 Einzelgeborene, 998 Zwillinge und 21 Drillinge. Die Zwillinge waren in 170 Fällen 2 Knaben, in 162 Fällen 2 Mädchen und in 167 Fällen 1 Knabe und 1 Mädchen. Als Drillinge kamen zur Welt zweimal 2 Knaben und 1 Mädchen, zweimal 1 Knabe und 2 Mädchen und dreimal 3 Mädchen. Gestorben sind im Jahre 1909 (ausschließlich der Totgeborenen) 19 204 Personen, 357 weniger als im Vorjahre. Von 1000 Einwohnern starben
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Um so furchtbarer war dann ihre Enttäuschung, als der diabolische Korse sein wahres Gesicht herauske^rte und ihr die endgültigen Bedingungen bekannt wurden. „Sire, vous m’avez cruellement trompee!“ war alles, was sie beim Abschied einige Tage später herausbringen koirnte, worauf ein Lächeln, das ihr wahrhaft sardonisch schien, seine einzige Antwort war.
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Tie Morgenblätter melden aus Berlin: Das M a u s o l e u m 4 n Eharlottendurg und das L u i s e n d e n k m a l im Tiergarten waren aus Auslaß des 100jährigen Todestages der Königin Luise das Ziel der Wanderung von vielen Tausenden. Im Mausoleum in Charlottenburg fuhren nachmittags Prinz August Wilhelm und Gemahlin vor, um einen Lorbeerkranz des Kaisers, der mit weißen Rosen und Kornblumen, sowie mit einer Widmungsschleise geschmückt war, am Sarge niederznlegen.
Hannover, 19. Juli. Zum hundertjährigen Todestage der Königin Luise fand heute mittag bet schönem Wetter die Enthüllung des vom Kaiser der Stadt Hannover geschenkten Prinzessin neu-Denk males statt. Als Vertreter des Kaisers wohnte der Kronprinz der Feier bei.
Gperetten-Aufführung int Siebener Stadttheater.
Gießen, 20. Juli.
Unser Studttheater hatte gestern bei ziemlich guter Beteiligung — im Sommer kann man nie aus ein ganz volles Haus rechnen ।— wieder einen munteren, musikalischen Unterhaltungsabend. Das Gastspiel des Großh. Kurtheaters Bäd-Nauheim brachte uns das zwar alt bekannte, aber immer ivieder lockende „SüßeMäde l", dessen musikalische Vorzüge (Heinrich Reinhardt ist der Komponist) unbestritten sind. Soll man etwa heute noch über d-en „tieferen künstlerischen Gehalt" der leichten Ware nachdenken? Die gemütlichen Oesterreicher mit ihren Liebesbändeleien reiften uns unwiderstehlich mit sich fort, so zwiespältig auch ihres Treibens .Höhepunkte surd: erst das ungebundene Idyll des Glückes „wilder" Ehetage, dann der Hymnus auf das eheliche Paradies und die regelrecht abgestempelten Heiraten, wobei allerdings die „Moneten" des gräflichen Vaters Liebenburg reichlich mitsprechen. Biel Schäckern u. Kosen, manche lachende Selbstironie, und in vielem oberflächlichen Freudenübermaß auch ein bißchen Herzlosigkeit. Trotzdem: das „süße Mädel" und jein prickelndes Trällern und Tanzen schwemmt
alles Kriteln mit sich fort. Für Frl. Grete Brill hat die Titelrolle noch nichts von ihrem zauberischen Glanz eingebüßt. Sie fang und tanzte sich in das Schlemmerleben mit so viel Anmut und Lebhaftiakeit hinein, daß die alte Wirkung wieder neu wurde. Erfreulicherweise fehlte auch den übrigen .Mitwirkenden das so nötige elektrisierende Temperament nicht. Der junge Graf Liebenburg des Herrn Wern ert war int ersten Teil etwas matt, nahm aber später um so volleren Anteil an dem Eroberungszug nach dem Ehehafen. Schon sein Lied von der launischen Göttin weckte reichen Beifall. Was aber gleich gonA besonders hervorgehoben zu lverden verdient, das war das präzise Zusammenspiel aller, der Chor der weiblichen und männlichen Festgäste nicht ausgenommen. .Herr Norden, der die erfolgreiche Regie führte, machte sich auch um die Rolle des alten Grafen Balduin sehr verdient. Diese unverwüstliche Operettenfigur hnirbe von ihm mit Humor lunb Geschick in allen Einzelheiten fein ausgemalt. Dias famose Paar Florian Lieblich und Fritzi Weyringer stand den Uebrigen nicht nach: Herr Seybold ging mit großer Lebhaftigkeit in dem Maler auf, und Frl. Loges, die auf dem Spiel- plan als ein Gast aus Köln bezeichnet war, mimte ihre Charakterrolle mit dem besten Gelingen und zeigte nebenbei auch eine ganz hübsche Gesangsstimme. Frl. Lore Scholz entwickelte als die Nichte des alten Grafen und Angebetete des geisterhaften Sekretärs den gewohnten Humor. Dieser Sekretär hatte in der Verkörperung durch Sperrn Timian etwas gar zu monoton klappriges und gespensterhaftes. Der wirkliche Klapper, Diener des Grafen Hans, zog viel packendere Seiten auf: trockenen und — mit der Gießkanne — nassen Humor. Es war der von früheren Spielzeiten des Gießener Tl)eaters her uns bekannte Komiker Otto Kon- rabi. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten!" Zu dem Erfolg des musikalischen Teiles imb des präzisen Zusammenspieles hat auch die Kapelle unseres Infanterie- Regiments unter der geschickten Leitung des Dheaterkapell- meisters beigetragen. Herr Direktor Hermann Steingötter mirb uns mit feinen Künstlern noch zwei weitere Abonnement-Vorstellungen bescheren. X.
also 15,1. Auch in diesem Jahre ist, wie seit einer Reihe von Jahren, eine absolute und relative Abnahme der Sterbllchkeits- siffer zu verzeichnen. Im ersten Lebensjahre starben 4722 Kinder = 24,6 Prozent der Gestorbenen überhaupt; hierunter befanden sich 2580 Knaben und 2142 Mädchen. Auf 100 im ersten Lebensjahr gestorbene Kinder entfallen 54,6 Knaben und 45,4 Mädchen, d. h. die Sterblichkeit der Knaben ist wie stets im ersten Lebensjahre erheblich höher als die der Mädchen. Von 100 Lebendgeborenen starben im ersten Lebensjahre 13,0. Die Säuglingssterblichkeit der ehelichen Kinder betrug 12,3 und die der unehelichen Kinder 22,0 Prozent. Das Jahr 1909 schließt mit einem Geburtenüberschuß von 17 095 Personen oder 13,4 auf 1000 Einwohner ab, gegen 17 798 oder 14,2 im Vorjahre. Ehen wurden 9633 geschlossen, gegen 9753 des Vorjahres; auf 1000 Einwohner kamen demnach im Jahre 1909:7,6 Eheschließungen, gegen 7,8 im Jahre 1908. Rein evangelische Ehen wurden eingegangen 5588, rein katholische 2232, rein israelitische 185, sonstige 33. In 1595 Fällen haben Personen verschiedenen Bekenntnisses geheiratet, und zwar betrug die Zahl der Mischehen zwischen Evangelischen und Katholischen 1432, der sonstigen Mischehen 163.
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" Tageskal ehnder für Mittwoch, 20. Juli. Vortrag von Oberleyrer Dr. Strecker- Bad-Nauheim über die Aufgaben der fortschrittlichen Volkspartei, Abends 8'/, Uhr im (Safe Ebel.
** Zum Rektor der Landes Universität wurde für die Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 1. Oktober 1911 Prof. Dr. Biermann gewählt. Die Bestätigung der Wahl durch den Großherzog steht noch aus.
** Landesuniversität. Das Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 1910/11 ist erschienen und für 20 Psg. zu haben. Die Immatrikulationen beginnen am 17. Oktober und die Vorlesungen am 24. Oktober. Von Vorlesungen allgemein interessierenden Inhalts seien erwähnt: Dr. Groos: Moderne Weltanschauungen, Dr. Rauch: 2(nleitung zur Betrachtung von Kunstwerken, Dr. Behaghel: Ueber Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit, sowie Hebungen über den schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache und Vortrags- übungen.
** Mobiliarfeuevversicherun in Hessen. Jml Jahre 1909 waren in Hessen 42 Feuer-Versicherungsuntcrneh- niungen zugelassen, darunter fünf nichtdeutsche. Die Zahl der in Hessen bestehenden Versicherungspolicen ist von 96 441 im Jahre 1884 auf 170395 1898 und auf 249 447 1909 gestiegen. Auf 100 Einwohner kommen im Jahre 1909 20 Policen, im Jahr 1898 16 und im Jahr 1884 erst 10. Die Versicherungssumme betrug im Jahr 1884 877 Millionen Mark, 1898 1415' und 1909 1965, auf einen Einwohner demnach in den gleichen Jahren 929 Mark, 1342 Marl und 1542 Mark. Der Durchschnittsbetrag einer Police hat sich nicht erhöht, er ist in den genannten Jahren von 9091 Mark auf 8303 bezw. 7876 Mark gefallen. Es erftärt sich dies daraus, daß sich die Versicherung immer mehr auf weniger bemittelte Volks kreise ausdehnt. Die ausgezahlten ^Entschädigungen beliefen sich im Jahr 1909 .aus 968 823 Mk., d. i. für 1000 Mk. Versicherungssumme 49 Pfg. Sie schwankten in den Jahren 1884 bis 1898 zwischen 429346 Mark und 1 172 244 Mk., d. i. 31 und 96 Psg. pro 1000 Mk. Züm Vergleich fei mitgeteilt, daß die Brandversicherungssumme der Gebäude Ende 1909 2101 455 620 Mk., die Gebäudebrand- entschädigungen in diesem Jahr 695 111 Mk. betragen. — Zur Vermögenssteuer waren im Jahr 1909 4 524 062 000 Mk. veranlagt.
** Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft? tritt morgen in Straßburg zu seiner Jahressitzung zusammen^ Am interessantesten für unsere Gegend ist von den Verhand^ hingen ein Protest gegen die Abhaltung des übernächsten' mittelrheinischen Kreislurnfestes in Asch affen bürg. Hiergegen wird von dem 12. Kreise (Bayern) Verwahrung eingelegt, da in Aschaffenburg von 5 Turnvereinen 3 zum Kreise Bayern gehören.
** Zur Beschädigung des Liebigdenkmals. Der Eigentümer des Gesäßes, das bei der Beschädigung des Liebigdenkmals der einen Figur auf den Kopf gestülpt war, ist noch nicht festgestellt. Im Interesse der Untersuchung liegt es, zu ermitteln, wo das Gefäß wegg eommen worden ist. Es ist ein hohes, oval geformtes Gesäß aus Zinkblech mit zwei Eisengriffen am oberen Rand. Es ist mit Müll gefüllt für Montag früh zum Abholen bereit gestellt gewesen. Hoffentlich veranlassen diese Zeilen den Eigentümer, sich beim Polizeiamt zu melden.
* * V o m K in e m a t o g r a p h wird uns geschrieben : Der Hauptschlager in dem neuen Programm ist der 2. Teil der Helden- taten des vor wenigen Wochen im Kmematogravhen-Theater bekannt gewordenen Marineleulnant von Brink en. Auch die übrigen Nummern des Programms sind ausgezeichnet, sodaß jeder Besucher mit dem Gebotenen zuirieden sein wird.
* * Die landwirtsch. Winte rschu len beginnen den Lehrgang 1910/11 am Montag, 7. November.
" Der Gießener Fußballklub 1900 hält aus Anlaß der Eröffnung seines neuen Sportplatzes an der Rod- Heimer Straße am kommenden Sonntag nachmittag mehrere Wettspiele ab, u. a. ein sehr interessantes Faustball-Wettspiel der Faustball-Mannschaft des Klubs gegen Mannschaften des Gießener Gymnasiums und ein Fußball-Wettspiel zwischen Hanauer Fußballklub 1893 (Meisterschaftsklub des Nordkreises von Süddeutschland) gegen den Gießener Fußballklub 1900 (Meisterschaftsklub des 8. Bezirks des westdeutschen Spielerverbandes). — Am Sonntag, 31. Juli, findet auf dem neu eröffneten Sportplatz das Bezirksfest des 8. Bezirks des Westdeutschen' Spielerverbandes statt. Der Fußballklub wird seinen Namen in Gießener Sportverein 1900 umändern, da er außer dem Ballspiel Rasensport und Leichtathletik treibt.
"Vorn Friedberger Attentat. Am Montag mittag fuhr ein 24jähriger Handlungsreisender von Station Hanau-Ost nach Frankfurt, der durch eine gewisse Aehulichkeit und durch sein schüchternes Benehmen bei den Mitfahrenden den Glauben erweckte, er sei der langgesuchte Friedberger Attentäter. Die Offenbacher Polizei wurde in Kenntnis gesetzt, die den nicht wenig Erschrockenen feftnahm und nach dem dritten Polizeibezirk brachte. Dort stellte es sich durch seine Papiere und durch bekannte Leute, die der Sistierte herbeirufen ließ, bald heraus, daß man es mit einem völlig Unbescholtenen zu tun hatte. — lieber den Nachlaß des Friedberger Bankräubers und Selbstmörders Otto Wingeß aus Leipzig ist auf Antrag des Pflegers desselben, Notar Stahl zu Bad-Nauheim, das Konkursverfahren eröffnet worden.
- m Rodhei m v. d. H., 19. Juli. Ein Bauer hatte in einem benachbarten Walde eine Fuhre Holz gcholt. Auk


