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Der Lietzener Anzeiger edd)etni täglich. außer konntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -ietzcnerFamllienblStter; zweimal roöcbenlLKietS: blatlsürdentlreisSirtzen (Dienstag und Freilaq)-, .wennal inonntl. Land- Wirtschaftliche äritfragen Ferniprech - Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
Anzeiger Gieße«.
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Erstes Blatt 160. Jahrgang DonnerStag »«.Oktober 1910
Gießener Anzeig
General-Anzeiger für Gberhesfen
V ’ u. Land" und ^Gerichts-
Rofaflonsörnif und Verlag der SrLhl'schen Univ.-Vuch- und Steinöratferei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. ^“‘“■fle„iefl‘6;$)lüVetf
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monatlich75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20 ; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 3.—viertel^ jährck cmsschl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal IbPs^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für »Feuilleton* und »Vermischtes*
Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
vetokonserenz und föderalistische Bestrebungen Englands.
Die Vetofonferenz, die man vor etwa einem halben Jahre in Englmid eingesetzt hatte, um die zwischen Unterhaus und Oberhaus und so gleichzeitig auch zwischen Liberalen und Konservativen schwebenden Differenzen hinsichtlich der Oberhaussraae und namentlich hinsichtlich des Betos der Lords zu schlichten, hat am Dienstag ihre Arbeiten plötzlich abgebrochen und sich aus unbestimmte Zeit vertagt. Das könnte nun als ein schlechtes Zeichen für die ganze Versöhnungsaktion gedeutet werden, wenn nicht gerade in den letzten Tagen die Vetokonserenz mit besonderer Hingabe gearbeitet und Überdies den Premierminister Asquith beauftragt hätte, während der Arbeitspause einen Gericht Über den Stand der Verhandlungen auszuarbeiten, so daß man ganz von selbst zu der Anschauung kommt, die Konferenz hat sich nur vertagt, um Asquith Zeit für diesen Bericht zu lassen.
Daraus wird man erst ersehen können, in welchen Punkten schon jetzt eine Verständigung erzielt wurde, und über welche noch weitere Differenzen bestehen. Lassen sich diese im ferneren Verlauf der Verhandlungen und vor dem Zusammentritt des Parlaments am 15. November nicht schlichten, so dürsten, da das Oberhaus dann ebenso das Budget wie die Homerule für Irland ablehnen würde, im Januar Neuwahlen stattfinden müssen. Damit wäre das jetzige liberale Ministerium Asquith, das schon bei den letzten Neuwahlen zum Unterhaus im Januar d. I eine nur geringe Majorität erhielt und sich überhaupt bis jetzt nur durch die Unterstützung der Iren und Arbciterparteiler hielt, also aufs äußerste gefährdet und wurde nur zu leicht einem konservativen Ministerium Platz machen müssen.
Aus Furcht vor diesen Neuwahlen liegt natürlich der liberalen Negierung alles daran, daß in der Vetokonserenz eine Einigung zustande kommt. Das ist aber, mögen auch die Liberalen in der eigentlichen Oberhausfrage den Konservativen noch so sehr entgegenkommen und auch diese zu einigen Opfern bereit sein, deshalb gar nicht so leicht, weil das Kabinett Asquith mit zwei Faktoren, mit den Arbeiterparteilern und mit den Iren, zu rechnen hat. Eine -inigung müßte auch die Forderungen dieser Parteigruppe vollauf befriedigen. Die Arbeiterparteiler aber sind mit einer kleinen Oberhausreform nicht zufrieden, und die Iren verlangen vor allem, daß das Oberhaus, wenn sein Vetorecht nicht völlig beseitigt werden soll, sich verpflichtet, für die irische Homerule einzutreten, die bisher immer an dem Widerstand der Lords scheiterte. Gelingt es Asquith nicht, die Forderungen dieser beiden Parteigruppen bei dem liberal-konservativen Oberhauskompromiß voll und ganz zu befriedigen, so drohen sie ihm mit der Verweigerung Des Budgets, und es ist gar keine Frage, daß bann, wo Asquith mattgesetzt ist, auch die Konservativen ihm das Budget verweigern würden, um wieder zur Macht zu gelangen. Trotz der Einiaung der Vetokonserenz würden also Neuwahlen stattzusinoen haben.
Es ist wohl kein Zufall, daß gerade in dem Augenblick, wo der Stand der bisherigen Verhandlungen der Vetokonserenz festgestellt werden soll, um eine neue Basis für weitere Verhandlungen zu gewinnen, in London Gerüchte auftauchen, die im Zusammenhang mit der durch die Ober
hausfrage angeschnittenen Homerulefrage für Irland die prinzipielle Frage der föderativen Umgestaltung des britischen Reiches in die Aussprache des Tages werfen. Es sollen danach — natürlich neben England — nicht nur Irland, sondern auch Schottland und Wales eine Homerule erhalten, und zwar dergestalt, daß sie eigene Regierungen und Landtage für ihre speziellen Angelegenheiten bekommen, während die Angelegenheiten des gesamten Großbritannien durch eine Reichsregierung und em Reichs Parlament in London geordnet werden, in dem England, Schottland, Irland, Wales durch Abgeordnete vertreten wären, ja, $u7)em auch die selbständigen Kolonien Vertreter zu entsenden hätten.
Dieser Plan hat natürlich für die konservativen Unionisten und Tarifreformer etwas ungemein bestechendes. Denn »dann wäre für die Zukunft wirklich der Ring gefunden, der das Land der vereinigten Königreiche mit seinen Kolonien untrennbar verbände und die Möglichkeit böte, Rüftungs- und Wirtschaftsfragen nach einem einheitlichen Gesichtspunkt von ganz gewaltigen Dimensionen zu ordnen. Zwar haben Rerchskoloniaskonferenz und Reichsverteidigungskonferenz hier sä)ion vorgearbeitet, aber solange man nicht weiß, von wem diese Gerüchte ausgehen, wird man eine Umgestaltung Englands auf föderativen Grundlage schwerlich glauben können. Denn wenn auch die Bedeutung der Oberhausfrage und irischen Homerule- srage durch die Föderation eine Abschwächung findet, weil das Schwergewicht des ganzen politischen Lebens bann beim Neichsparlament ruhen würde — so groß ist diese Abschwächung doch nicht, daß die Konservativen daraufhin klein beigäben. Wohl könnte sie die Ausgestaltung der britischen Wehrmacht und die Tarifreform locken, aber diese Ziele vermögen sie, wenn erst die Neuwahlen gegen die Liberalen entschieden haben, genau so gut, wenn auch nur für England, zu erreichen.
Der Straßenbatymsftanö in vremen.
Bremen, 19. Okt. Heber die Ausschreitungen am gestrigen Aberrd wird «noch berichtet: Am Dienstag um 5 Uhr nachmittags begannen größere Ansammlungen in der Näye des Depots Haserkamp. Gegen 6 Uhr wurde dieses durch die Polizei gesäubert. Bis gegen 7i/4 Uhr trat Ruhe ein. Um diese Zeit wurde auf dem Spielplatz in der Nordstraße mit Steinen und Flaschen geworfen und einem Schutzmann Pfeffer ynb einem Polizeiwachtmeister ein Kranz in bie Augen geworfen; da bie Menge eine drohenbe Haltung annahm, mußte der Platz gesäubert werden, dabei fielen aus der Menge einige Revolverschüsse. Unter Hinweis darauf, daß die Beteiligten sich des Landfriedensbruches schuldig machten, wurde die Menge nochmals aufgeforbert, auseinanberzugehen. Als dieser Aufforderung keine Folge geleistet wurde, wurde eingeschritten. Es mußten zehn Wirtschaften am Haferkamp, in der Nord-, in der Schultze- Delitzsch- und in anderen Straßen geschlossen werden. Die Menschenmenge mußte wiederholt zurückgedrängt werden. Beim dritten Zurückdrängen über bie Nordstraße hinaus bis zur Jutespinnerei fielen wieder Revolverschüsse. Die Straßenlaternen von der Hansastraße bis zur Jutespinnerei und in den Nebenstraßen wurden durch Steinwürfe zertrümmert; in verschiedenen Geschäftshäusern wurden die Fensterscheiben zerschlagen. Beim Zurückdrängen mußte von der Waffe Gebrauch gemacht werben. Daburch, daß die Nordstraße von der
Hansastraße aufwärts vollständig in Dunkel eingehüllt war, wurde das Einschreiten der Beamten besonders erschwert^ Viermal wurde die Feuerwehr von Unbefugten alar- miert. An mehreren Stellen wurden die Feuermelde-, Internen durch Steinwürfe zertrümmert. Elf Verhaftungen wurden vorgenommen. Vier verletzte Zivilpersonen wurden mit Krankenwagen dem Krankenhause zugeführt. Ein Schutzmann wurde an der Wartburgstraße durch einen Steinwurf am Kopfe schwer verletzt und im Diakonissenhause verbunden. Nachdem bie Nordstraße vson der Menschenmenge gesäubert worben war, war die ganze dtorbftraße, von der Hansastraße an, mit faustgroßen Steinen besät. Ein Einwohner der Norbstraße will gesehen haben, daß Frauen unb Kinder Steina von einem nahegelegenen Umbau den Lärm- machern zu getragenhaben. Gegen Mitternacht war die Ruhe toieber hergestellt. Auf der Polizeiwache 4 meldeten sich mehrere Personen, bie burch Sä b elhiebeVer- letz un gen erhalten hatten. Gegen eine größere Anzahl- von Personen würbe Anzeige erstattet, weil sie ben wiederholten Äufforberungen ber Beamten, weiterzugehen, keine Folge geleistet hatten. Die Arbeitswilligen würben heute morgen 5 Uhr ohne Zwischenfall zum Straßenbahnhof ge* geleitet.
Bremen, 19. Okt. Die auf heute vormittag vertagten Einigungsverhandlungen im_ Straßenbahnerausstand verliefen ergebnislos > da die Straßenbahner an dem heute morgen einstimmig gefaßten Beschluß festhielten, nur in Verhandlungen einzutreten, wenn auch Vertreter ihres Verbandes daran teilnehmen können. Da die Direktion jede Verhandlung unter Hinzuziehung von Verbandsvertreiern ablehnt, so sind die 6ini- gungsverfuche zunächst als gescheitert anzusehen._________________
Die türkische Anleihe.
Paris, 19. Okt. Die Blätter erörtern eingehend die heutigen Zeitungsmeldungen über bie türkische Anleihe. Das! Journal des Däbats" weist auf bie Spannung zwischen ber Türkei und Griechenland hin unb meint: Man sieht, daß der Augenblick schlecht gewählt worden wäre, um bedingungslos den Nervus rerum den Händen von Reaie- rungen anzuvertrauen, welche bereit sind, auf einander ws- zustürzen. Der „Temps" schreibt:
Der französische Erfolg, als welcher das Ergebnis der An> leihe-Verhandlungen hingestellt wird, schrumpft bei näherer Betrachtung so stark zusammen, daß wir ein auf dieser Grundlage erzieltes Abkommen gar nicht als endgültig anfehen können. Dieser Erfolg wäre ein reiner Scheinerfolg, unb nur die Türken könnten sich schmeicheln, einen Triumph daoongetragen zu haben. Da wäre es besser gewesen, schon im Juli die Zulassung zur Kotierung zu bewilligen, als dies je^t zu tun, wo die Ursachen bet finanziellen Mißwirtschaft ernster denn je sind.
Wie die „Agenee Havas" meldet, dauern die Verhandlungen über die türkische Anleihe mit Frankreich gleichzeitig in Paris und Konstantinopel fort Sie scheinen ;etzt auf bestem Wege zu sein. Doch nimmt man in politischen Kreisen Frankreichs nicht an, daß die definitive Entscheidung nahe bevorstehe. Es gilt indessen als ausgemacht, daß Frankreich bei Bestellungen der Türkei das Meistbegünstigungsrecht:' zugestanden wird.____________
Die englische vrohnot^an Persiens
Paris, 19. Okt. Der „Steckte" schreibt zu der von England cm Versien gerichteten Note:
Tie russische Besetzung und das englische Protektorat werden die persische Nationalität nicht schwächen, dagegen könnte bia
Lärmschutz.
In unserer Nr. 245 vom gestrigen Mittwoch veröffentlichten wir an dieser Stelle einen kleinen Aussatz über den Lärmschutz in früheren Jahrhunderten, der sich in der Hauptsache mit den spöttischen Ausführungen des Thornasius beschäftigte. Hierzu erhalten wir aus unserem Leserkreis eine Zuschrift, der wir um so lieber Raum aeben, als wir uns selbst schon mehrfach energisch gegen das rücksichtslose Lärmen gewendet haben, das meistens überflüssig ist und nur von bösem Willen 'ober "Gedankenlosigkeit herrührt. Der Einsenber führt aus:
Tie Mittwochnummer Ihres Blattes enthält einen Artikel über „Lärmschutz in früheren Jahrhunberten". Sie erwähnen bie Privilegien ber Gelehrten jener Zeit und ihre Verspottung durch Thomasius als ein Kuriosum der Vergangenheit und sind vielleicht gar mit ihm der Meinung, daß, wer in einer volkreichen Stadt wohnen Wille, aiuf) deren Lärm ertragen lernen müsse. Gewiß ist bas bis zu einem gewissen Grabe richtig. Trotzdem ist es aber in unserer Zeit sehr angezeigt, die Frage des Lärmschutzes toieber aufzunehmen und es wird Ihnen vielleicht bekannt sein, daß dies unter der Ae g ide des Tr. Lessing in Hannover in ben Utzten Jahren bereits lzum Teil in Anlehnung an amerikanische Ideen) in zahlreichen Orten geschehen ist. Es ist burchaus berechtigt, wenn in unserer Zeit bie gebildeten, sensitiven und »u rbrer Arbeit der Ruhe bedürfenden Menschen, die zur größten Anzahl auf Mietwohnungen angewiesen sind, sich zusammen- fchließen und Schutz gegen ben Lärm rücksichtsloser Hausgenossen anstreben. Unb es sollte insbesonbere Pflicht jedes Hausbesitzers sein, durch entsprechende Bestimnrungen int Mieiftmtrakr auch ruhe- bedürftigen Bewohnern seines Hauses Garantien gegen Rücksichtslosigkeiten zu verschaffen, zumal in einer Stadt, in welcher sich viele geistige Arbeiter befinden! Eines der übelsten Lärm- iustrumente ist gegenwärtig jedenfalls das Klavier, und wenn man die Flüche sammeln wollte, die räglich ausgestoßen werden, wenn plötzlich über oder unter jemandem, ber auf Erwerb burch geistige Arbeit angewiesen ist, talentloses Geklimper ertönt, wenn zum so unb so vielten Male bas gleich Repertoir zu irgend einer beliebigen Zeit heruntergettappert wird, man würbe erschrecken über bie Unsumme von Segenswünschen. Wie mancher hat es schon versucht, Hausgenossen bitteub zu bestimmen, bie für nötig erachteten Fingerübungen auf gewisse Tagesstunben zu legen. Und wie mancher hat vielleicht bie 2lnt- toort empfangen, daß jeher in seiner Wohnung tun unb lassen könne, was er wolle, und hat schweigend weiter butben müssen, obwohl mit gutem Willen recht wohl Rücksicht hätte genommen toerben können. Schreiber bieses leidet selbst seit Jahren unter lolcheu Rücksichtslosigkeiten und nucß zeitweilig sogar an der
Mischung von Klavier- unb Näbmasch'nenkünsten sich erfreuen. Mit der Zeit gelingt es wohl manchem, sich seufzend zu einer gewissen Resignation burchyudringen unb stch bannt zu begnügen, denQuälern bie Pest an ben Hals zu wünschen, benn ausziehen kann nicht leber, zumal wenn bie Zahl komfortabler größerer Etagenwohnungen in einer Stabt so rar ist wie in Gießen. Aber man fühlt sich hoch versucht, sich immer toieber die Frage vorzulegen: sollte es nicht möglich sein, überall in Mietshäusern auf gutwillige Hausgenossen erzieherisch einzuwirken, daß sie ihre musikalischen Uebungen auf bestimmte Tagesstunden, die in fiied- lichem Konzern auszumachen wären, verlegen, und solche, die sich dahinter verschanzen, daß sie tun und lassen können, was sie wollen, zu zwingen, daß sie ihre Mitmenschen schonen?
Zweck dieser Zeilen ist, einmal eine Diskussion über Notwendigkeit und Durchführbarkeit eines Lärmschutzes in Gießen anzuregen. Vielleicht nimmt sich der hier bestehende Mieterverein auch der Sache einmal an, damit der Brauch inauguriert wird, daß bei Eingehung eines Mietverhältnisses auch Stunden festgesetzt werden, in denen es gestattet ist, auf dem Klavier Geräusch zu machen. Es wird Zeit, daß einmal denen, welche da meinen, zu jeder Zeit ihr talentloses Geklimper ertönen lassen zu dürfen, klar gemacht wird, was Rückficht bedeutet. Prof. Dr. D.
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— Freie Vereinigung Darmstadter Künstler. Die von der Ausstellung des Künstlerbundes ausgehenden Anregungen haben nicht nut in den Kreisen der Kunstfreunde segensreich gewirkt, sie haben auch in den Kreisen der Künstler selbst neues Leben und Lust zu neuer reger Tätigkeit geweckt. Die Freie Vereinigung Darmstädter Künstler, die die in Hessen leben- den oder aus Hessen stammenden bildenden Künstler zu einer Art Landesorganisation zusammenfassen möchte, hat sich durch Zuwahl hervorragender, meist jüngerer Maler vergrößert und besteht nunmehr aus 37 Mitgliedern, bie mit ganz wenigen Ausnahmen bereits auf ber Lanbesausstellung 1908 mit allgemein anerkannten Werken vertreten waren. Infolge ber großen Zahl der Neuaufgenommenen, unter denen Meister von Weltruf, wie auch weniger bekannte, aber hochbegabte junge Landsleute sind, wurde eine Neuorganisation oorgenommen. Der neu gewählte und erweiterte Vorstand besteht jetzt aus den Herren Maler Adolf Beyer, 1. Vorsitzender; Prof. Rich. Hoelscher, 2. Vorsitzender; Maler G.wrg A l t h e i m , Schatzmeister: Prof. Dr. Karl B a n tz er-Dresden, Geh. Hofrat Prof. Eugen B r a ch t-Dresden, Prot. Otto Heinrich Engel- Berlin, Prof. Ludwig v. Hofmann-Weimar, Maler Karl Küstner- Guntersblum (Rheinhessen), Maler Otto U b b elo h d e-Goßfelden bei Marburg als Beisitzer.
— Studienreise. Im Auftrage des internationalen Ausschusses für wissenschaftliche LuftMfahrten be- gibt sich der Assistent der Arachenstation am Bodmsee, Dr.
! I o n a s, in nächster Zeit nach Westindren, um dort Untersuchungen der freien Atmosphäre, insbesondere des Passatwindes vorzunehmen. Tie Versuche haben von Borb S. M. frreujer! „Freya" aus statt, ber in ben dortigen Gewässern stationiert.ift^ and bauern ungefähr vier Wochen.
— Wilbf anggräben aus der Eiszeit. Dep Schweizer Archäologe O. Hauser, dem bekanntlich weitere Grabungen von bei französisck)en Regierung verboten wurden, hat in seinem Ausgrabungsgebiet bei Laugerie haute nicht toenigaj als 21 Wilbsanggräben entdeckt, bie uns mit der Jagbweise bei vorgeschichtlichen Jäger im westlichen Europa bekannt machen^ Es hanbelt sich, wie Dr .L. Reinhardt in der Zeitschrift „Neu- lanb bes Wissens" berichtet, um ein Jagdgebiet, das m der zweiten Hälfte der letzten Zwischeneiszeit außerordentlich wildreich gewesen sein muß; aus den Unmengen von Wilbpferd- unirf Büfselknochen ließ sich dieser Schluß ziehen. An einer Durchgangsstelle, bie. das zum Flusse ziehende Wild, bas seinen Durst stillen wollte, passieren mußte, halten bie vorgeschichtlichen Jäger zwei Reihen von Fanggräben in der Weise geschaffen, daß diejenigen Tiere, die glücklich über die erste Reihe gekommen waren, mit Sicherheit in die zwecke fallen mußten. Diese für jene unkultivierten Jäger ganz ingeniöse Idee wurde mit vielem Raffinement durchgeführt, obschon sie sich nicht allzuleicht verwirklichen ließ; beim bie Unterlage bestand aus hartem Kreidekalfftein, in ben bie Gruben höchst mühsam durch Klopfen mit Feuerstein- Hauern eingegraben werden mußten. Man kann sich denken, welche Arbeit bas für jene nur mit Werkzeugen unb Waffen aus Stein unb Horn Ausgerüsteten Menschen war bei Tiefen von durchschnittlich 1,6 Meter und einem obersten Durchmesser von! 0,6 Meter. Die Gräben, die bei ihrer Entdeckung gänzlich mck Erbe ausgefüllt waren, enthielten auf ihrem Grunde eine Menge von ben Jägern verlorener ober weggeworsener Feuersteine, heran Technik ihre Enstehung in bie Solutreenzeit verweist, bie durch 100 000 Jahre hinter unserer Zeit liegt. Nicht weniger interessant ist ein ebenfalls von Hauser gemachter Funb, her einer späterem Zeck- hem vor 18 000 Jahren zu Ende gegangenen Magbalenien angehört unb uns einen Arbeitsplatz ber Mammut- unb Aenntier- läger vorsührt. Eine Büchsenschußw-eite von ben Wild sang grubem von Laugerie haute entfernt, fand sich bei her Untersuchung her Kulttrrschichten ganz oben ein größerer Stein, der den Leuten als gemeinsamer Ambos bei der Arbeit biente. Um ihn herunü lagen, wie sie einst Mr Seite gelegt würben, Pie Klopfsteine und! andern Werkzeuge aus Faierstein mit den mannigfaltigsten Arbeit s spur en, Msarnmen mit den damit erzeugten feinsten Knochen- artefaften. Diese Station bewohnten offenbar Spezialisten für die Herstellung von Knochenartefakten, bie denn auch eine verblüffende Geschicklichkeit bann erlangt hatten und Erzeugnisse für den Tauschhandel mit den Nachbarn erzeugten, die heute noch unfere Bewunderung erregen.


