fphäve abhängt. 'Damit tritt zugleich die Forderung nach befserer meteorologischer Durchbildung der Ballonführer und^ drc Einrichtung besonderer Kurse für die Führer hervor, ^re^sctther von dem Deutschen Luftschisserverband »nr Erwerbung des Führer vatentS geforderten vraktischen und theoretischen dtcnnrniffe und keinesfalls ausreichend und müssen bedeutend, bcionber», ivt? bie ?)iedaklion gestern richtig bemerkte, auch nach ber mctcorolognchen Seite hin erweitert werden. Es ilt vor allem eine eingehende Kenntnis der Wetterkarten erforderlich, die nicht nur drc Kenntnis der Luftbcwegung an der Erdoberfläche, sondern für den Kundigen auch wichtige Hinweise auf die in der Höhe^crr- s ch c n d c n Ström iingsvcrhältniife vermittelt, öo hat seinerzeit der Meteorologe Wegner- Frankfurt a. M. eine bestimmte Wetterlage geschickt dazu benutzt, um nut feinem Freiballon von Frankfurt nach London zu fliegen, was dem Nicht- meteorologcn kaum möglich geivesen wäre. Denn die Strömungs- Verhältnisse ändern sich mit zunehmender Höhe bei verschiedenen Wetterlagen versäu>'dcn. Steigt ein Ballon auf der Rückseite eines Tiefdruckgebietes bei Westwind auf, so wird er in fast allen Fällen in Höhe von 2000—3000 Metern bereits in Sturm geraten und zugleich in eine Rechtsdrchung des Windes nach Nord- west und starke Temperaturabnahme «bis 1 Grad auf 100 Meter). Andererseits nimmt im Durchschnitt bei noch weiterer Entfernung der Zyklone auf ihrer Ostseite die Windgeschwindigkeit ab und cs wird häung wärmer. Unsere acrologischen Stationen, die täglich Drachen und Registrierballons aufstcigcn lassen, vermitteln eine genaue Kenntnis der atmosphärischen Strömungsverhältnisse, die von A ß m a n n neuerdings im Interesse der Lenkluftschiffahrt und der Aussichten einzelner Luftverkehrslinien verarbeitet wurden. Dabei wurden in Deutschland Windstärke und windschwache Gebiete festgestcllt.
Windschwache Gebiete kommen besonders als zukünftige Verkehrslinien in Frage. Interessieren wird u. a. die Feststellung, das; von außereuropäischen Ländern Java eines der windschwächsten ist, wo die Einrichtung eines Luftverkehrs die größte Möglichkeit und Betriebssicherheit hat.
1 Ganz besondere Feinde der Luftschiffahrt sind Böen und Gewitter, die häufig innerhalb der Atmosphäre von senkrechten Wirbelwinden «turbulenten, vertikalen Luftströmen) begleitet sind, die das Luftschiff, ob lenkbar oder nicht, in große Gefahr bringen. Die allermeisten Störungen dieser Art lassen sich rechtzeitig auf gründ der Wetterkarten voraus erkennen und sollten zu größter Vorsicht Anlaß geben. Auch das letzte Unglück kennzeichnet wieder deutlich die bei Nichtbeachtung der meteorologischen Verhältnisse entstehenden Gefahren. Mag die eigentliche .Katastrophe durch elektrische Entladung oder sonstwie hervorgcrusen worden sein, jedenfalls ließen die am Samstag vormittag hcrausgcgebeuen Wetterkarten leinen Zweifel, daß höchste Vorsicht geboten sei, die eine Verschiebung der Fahrt forderte. Eine Zyklone war, am Morgen über England lagernd, in raschem Vorrücken nach Osten: auf ihrer Vorder>eite wehten warme Südwinde, in ihrem Rücken unvermittelt kalte und starke Nordwestwindc. Heber Nordwesteuropa fiel Schnee bei Temperaturen unter und nahe 0 Grad. Am Abend des 16. konnte längt"! diese Tatsache den Lustschiffern bekannt sein (aus den Wetterkarten, Tageszettungen oder telephonischen Anfrage bei der nächsten Wetterdienststelle). Tie Erwägung, daß nahe an Mitteldeutschland eine Zyklone lagere, die rasch ostwärts vorrücke, hätte den v o r s i ch t i g e n L u f t s ch i f f e r zu einem .Hinausschieben des Aufstiegs auf den folgenden Morgen bewegen müssen, wo nach Vorüberzug der Zyklone jede Gefahr gefehlt hätte; zum mindesten aber durfte mit so hoher Besatzung (4 Personen) nicht gefahren werden, die dem Ballon jede Bewegungsfähigkeit nimmt. Während der Nacht geriet der Ballon in die Böenrinne, wo der Süd in Nord umschlägt und heftige Luftströmungen, verbunden mit Abkühlung, Niederschlägen und Gewittererscheinungen eintreten. Es ist nebensächlich, ob der Ballon vomBlitz getroffen wurde ob. auf der Rückseite derBöe von den kalten, mit großer .Heftigkeit abwärts wehenden Winden auf die Erde geschleudert wurde. Eine Katastrophe war unvermeidlich, weil bei so starker Bemannung Ballastausgabe den Fall nicht genügend gebremst haben würde. Um die Sicherheit einer Gewitteruoraus- sage im Interesse der praktischen Luftschisfahrt noch wesentlich zu erhöhen, wurde im letzten Sommer während der Lustschisfahrt- ,Ausstellung durch beit Wetterdienst in Frankfurt ein Gewitter- mclbebicnft eingerichtet, der später allgemein im Anschluß an die öffentlichen Wetterdienststellen organisiert werden soll. Im Umkreis von 150 Kilometer*) von Frankfurt wurden zahlreiche Beobachter angewiesen, sofort bei Jnsichtkommen eines Gewitters oder einer Böe ein dringendes Telegramm an die Wetterdienststelle zu senden. .Hierdurch war es in allen Fällen möglich, das Heran- nahen der Störungen rechtzeitig zu erkennen und Warnungen ergehen zu lassen. Leider aber wurden diese Warnungen in Luftschifferkreisen nicht genügend berücksichtigt. Am 30. August beispielsweise hielt man es in dem Sportausschuß gar nicht für notwendig, den Aufstiegplatz zu benachrichtigen. Gelegentlich des internationalen Wettfliegens an diesem Tage waren bereits zwölf Ballons aufgeflogen, als das Gewitter heranrückte. Trotz rafcyester Entleerung der noch zurückgebliebenen Luftschiffe riß die Böe einen Ballon aus seinem Netzwerk und entführte ihn ohne Bemannung. Leicht hätte viel schlimmeres eintreten können.
Und ebenso ist seinerzeit am 2. August 1909 Zeppelin das Warnungstelegramm des Wetterdienstes von dem Sportausschuß — infolge eines Versehens! — ebenfalls nicht zugcstcllt worben, so baß er seine denkwürdige Fahrt nach Köln antrat, um mit viel Glück abends 9 Uhr wieder nach Frankfurt zurückzukehren, ba er das entrückende Gewitter nicht durchbrechen konnte. Ein Luftschifführer, der Meteorologe gewesen wäre, hätte auf gründ der Wetterkarte diese Fahrt nie angetreten.
Eine weitere Zunahme, des Luftverkehrs, die vor allem nur durch bas Vertrauen bes Publikums in bie Betriebssicherheit bes Lustschiffes bedingt sein wird, fordert von selbst die weitere Ausbildung des modernen Wetterdienstes und der theoretischen Kenntnisse der Führer. Auch der Gießener Wetterdienststelle wirb cs in Kürze möglich sein, sich durch Pilotballonaufstiege an der Erforschung der Atmosphäre zu beteiligen.
*| Ta eine Gewitterböe mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer in der Stunde vorrückt, so war man 5 Stunden vorher auf das Herannahen vorbereitet.
Koiiferttt) der hessischen Bergroerfsbetriebskitcr.
Man berichtet uns:
Auf Einladung der Fürstlich Solms-Brannselsfchen Bcrg- verwaltung besichtigte die Betriebsleiterversammlung am 16. ds. Mts. die Naßvreßsteinfabrik der Fürstlichen Braunkohlen- grübe Weck es heim. Fürst!. Bergrat Fölling gab dazu die nötigen Erläuterungen. Die Anlage ist die neueste in der Wetterau und unterscheidet sich von den älteren durch die außerordentliche Einfachheit des maschinellen Teils und besonders dadurch, daß auch bie holzigen Teile ber Rohbraunkohle mit verarbeitet werben. Hierzu ist allerbings eine vorherige Zerkleinerung in einem schweren Kolbengang nötig. Dafür erhöht der Holzgehalt aber bie Heizkraft und verringert ben Aschengehalt des Produktes. — Auch bie übrigen oberirbischen Anlagen ber Grube würben besichtigt, wobei besonberes Interesse bie Dampfkesselfeuerung mit Rohbraunkohlen fanb, bie mittels geeigneter Rostanlage ohne Schwierigkeit einen Dampfdruck von 10 Atmosphären liefert. Die Teilnehmer überzeugten sich davon, baß bas weit verbreitete Vorurteil, die Braunkohle sei für in- bustrielle Feuerungen nicht vorteilhaft, unbegrünbet ist. — Die anschließende Konferenz in Friedberg brachte als ersten Punkt ber Tagesordnung einen Bericht der Bergwerksdirektion über die auf der Grube Ludwig-Hoffnung oorgcitommcnen Versuche mit einem neuen Abbauverfahren in geringmächtigen Braunkohlenflözen. Das Verfahren ergab zwar eine sehr erhebliche Steigerung der Leistung (von 270 Hl. auf 400 Hl. für Häue und Schicht!), aber die Gebirgsbeschafsenheit war bem so gesteigerten Abbau nicht günstig, so baß aus Sicherheitsgründen von ber Fortsetzung abgesehen werben mußte. — Hieraus berichtete Direktor S ch i f f m a n n - Hungen über zwei bemerkenswerte Unfälle: ber eine ereignete sich beim ordnungs- toibrigen Nachfüllen einer .Carbiblampe mW brachte bem beteiligten
Arbeiter erhebliche Brandwunden infolge Explosion der Lampe; der andere erfolgte bei Zimmermannsarbeiten, indem ein Laufgerüst an der Außenseite eines Holzbaues, der verschalt werden sollte, brach, und die beiden darauf befindlichen Leute 8 Meter hoch abstürzten, so daß einer zu Tode kam. Beide Unfälle waren Gegenstand einer längeren Besprechung. — Aus dem kürzlich erschienenen Jahresbericht ber Bergbehörden gab sodann Bergassessor Kobbe einen Auszug wieder. Besonderes Interesse fand die Produktions- und Betriebsübersicht, sowie der Abschnitt über Unfälle und Unfallverhütung und endlich die Angaben über Löhne und Unkosten. Die Löhne allein beliefen sich 1909 mit rund 2 Millionen Mark auf rund 50 v. H. des Verkaufswertes der gewonnenen Produkte. Von der anderen Hälfte hat der Unternehmer noch bie Materialkosten, Versicherungsbeiträge und öffentliche Lasten zu tragen. Hieraus ergibt sich, daß der größte Teil des durch den Betrieb geschaffenen Wertes den dabei beschäftigten Personen, also ber hessischen Bevölkerung direkt und in barem Gelbe zufließt. — Endlich gab Bergrat Köbrich eine Uebersicht über bie Vorschriften ber neuen Verordnung betr. die Anlegung von Dampfkesseln, besonders über die damit eingeführten Neuerungen. Ebenso verwies er auf bie Neuerungen bes Urkuitben- stempelgcsetzes. — Schließlich würben noch eine Reihe kleinerer Fragen an Land ber Literatur behandelt, wobei /ich eine rege Aussprache entspann. — Tie nächste Konferenz soll auf Einladung der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar am 8. Juni ftüttl'inbcn.__________________________________________ __________
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 19. April 1910.
•• Bei ber LanbesoersicherungSanstalt Groß- Herzogtum Hessen finb im März 340 Rentengesuche (320 Invaliden- und Krankenrentenanträge, sowie 20 Alteis- rcntenanträije) eingegangen. Unerledigt würben in den Monat übernommen 349 Rentengesuche, so baß 689 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 267 durch Renten - bewilligung (243 Invaliden-, 9 Kranken- und 15 Altersrentengesuche); 37 durch Ablehnung, weil unbegründet (34 Invalidenrenten- und 3 Altersrentengesuche), 13 durch andere Weise — Zurücknahme usw. — (12 Invaliden- und 1 Altersrentengesuch), zusammen 317, so daß 372 Gesuche als unerledigt auf April übernommen werden mußten. Ferner wurden 231 Anträge auf Beitragserstattung gestellt, imb zwar 181 infolge Heirat weiblicher Versicherter (H.), 49 infolge Todes versicherter Personen (T.) und 1 wegen Bezuges von Unfallrente (U.). Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 93 Erstattungsanträge, so daß zu bearbeiten waren 324 Gesuche. Bewilligt wurden 227 Anträge (191 H. und 36 T.), abgelehnt wurden 18 Anträge (7 H., 9 T. und 2 U.). Unerledigt blieben 79 Erstattungsanträge (53 H., 24 T. und 2 U.), die auf Slpril übernommen wurden. — Ende März 1910 waren in Anstalten 270 versicherte Personen untergebracht.
" Mit dem Straßenausbau hat in diesem Jahre das Tiefbauamt früher als sonst den Anfang' gemacht. Tie Fahrbahn der neuen Straße, bie von ber Ha m m straße bis zur Lahn st raße burchgesührt wird, ist beinahe fertiggestellt und an der Gutenbergstraße ivird ebenfalls gearbeitet. Es wäre zu wünschen, daß mit dem Um- und Neupslastern in ber Jnnenstabt auch frühzeitig begonnen wirb.
** Gauvorturner st und e. Am Sonntag fand in der Turnhalle des Turnvereins unter Leitung der beiden Gauturnwarte Will- Gießen und Günther - Marburg die Gauvorturnerstunde statt. Fast sämtliche Vereine des weitverzweigten Gaues hatten dazu ihre Turnwarte entsandt und es mären mit den Turnausschußmitgliedern über 100 Turner, die in regstem Eifer von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags an den Hebungen teilnahmen. Geturnt wurden der Aufmarsch und die Freiübungen für Gau- und Kreisturnfest, volkstümliche Hebungen, Keulenschwingen und Geräteübungen. Der Turnverein Gießen führte unter Leitung des Turnwarts Häuser eine Muste r- riege am Barren vor, die sorgfältig eingeübt war und die durch den folgerichtigen Ausbau und die sichere Ausführung der Hebungen allgemeine Anerkennung sand. Nachdem noch die für die Gauturnfahrt und das Gaufest bestimmte Pslichtfreiübung erläutert war, konnte Gauturnwart Will um 2 Uhr den turnerischen Teil schließen, der alle Teilnehmer reich befriedigt hat. Welch yol/en Wert der Gau Hessen auf diese zur Ausbildung der Vcreinsturn- warte hauptsächlich bestimmte Uebungstsstunde legt, geht daraus hervor, daß den Turnwarten aus der Gautasse die Eisenbahnsahrt 3. Klasse vergütet wird. Kleinere, entfernt von Gießen liegende Vereine erhalten hierbei oft Beträge, die der von ihnen gezahlten Gausteuer fast gleichkommen und diese sogar übersteigen. (Um auch alle Gauvereine über die Vorgänge in Gau, Kreis und deutscher Turnerschaft stets auf dem Laufenden zu erhalten, wird jedem Verein ein Exemplar der Kreiszeitung kostenfrei geliefert.) Im „Frankfurter Hof" fand später ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, dem sich eine Besprechung über turnerische Fragen anschloß. Als volkstümliche Hebungen für die turnen,chen Wettkämpfe in diesem Jahre (Q)auturn- fahrt nach Münzenberg und Gau turnfest in Grünberg) wurden Weithochsprung, Gewichtheben, Stein- stoßen und Hindernislauf bestimmt. Beim Gau- turufest kommt das Gewichtheben in Wegfall.
” Sozusagen lcbenSgefährlich ist der lieber» gang über den Schoorgraben hinter der Johanneskirche. Der dort befindliche Steg liegt noch aus der Zeit des seligen Ehr. Busch, und es wäre doch Zeit, daß die zuständige Behörde darauf bringen wurde, daß die in Aussicht genommene feste Brücke von dem dazu Verpflichteten nun bald errichtet wird.
? Lang-Göns, 18. April. Bei ben Arbeiten zur Wasserleitung und Kanalisation wurden 2 Italiener fast vollständig von Er d m a s fe n überschüttet und konnten nur mit Mühe ausgegvaben werden. Einer der Verschütteten mußte in die Klinik gebracht werden, er soll nicht lebensgefährlich verletzt sein. An demselben Tage stürzte das Pferd des Gemeinderats Johs. Wagner in der Nieder- ßofstraße in den Graben der Wasserleitung, und es kostete viele Mühe, das Tier Ku retten.
n. Schlitz, 18. April. Am Samstag abend zwischen 9 und 10 Uhr -og das erste Fr ü h j a h r S g c wi>t t c v von Südwesten nach Nordosten unter starten elektrischen Entladungen über unsere Gegend hin. Es bescherte aber nicht nur den Fluren endlich den langersehnten Regen, sondern brachte auch etwas sehr Unwillkommenes mit sich, indem nach einem heftigen Donner sch lag in zahlreichem Häusern unseres Städtchens zum Schrecken der Insassen mit einemmal sämtliche elektrische Lampen erloschen. Notgedrungen mußte man die in irgend einem Winkel des Hau,es ein beschauliches Dasein führenden Oel- lampcit hervorholen,, die man hier und da erst nach längerem Suchen aufstöberte. Erst nach Anbringung neuer Sicherungen nahmen die elektrischen Lampen wieder ihre Tätigkeit auf.
rm. Traisa bei Darmstadt, 18. April. Der fünfzig« jährige Landwirt Karl Daub machte gestern einen Moro- versuch auf feinen eigenen Sohn. Der junge Taub hatte wegen Familienzwistigteiten das Elternhaus verlassen und wollte gestern abend seine Kleider holen. Das Hoflor war verschlossen und als D. übersteigen wollte, gab sein Vater fünf Schüsse aus dem Revolver ab, die sämtlich den Kops traten. Der junge D. liegt bewußtlos im Darmstädter Krankenhaus. Der Vater 'wurde verhaftet.
Gerichtssaal.
** Gin gutes Geschäft mit einem Jagdgewehr machte vor vier Jahren ein jetzt im Ruhestand befindlicher Polizei beamtet. Der Handel kam zufälligerweise hurdj eine Betrug S - an klage gegen einen Beamten der Eisenbahn zur Kenntnis des Schöffengerichts. Im Jalwe 1905 wurde non. einejn un bekannt gebliebenen Reifenden hier in der Bahnhofstraß.' ein Jagd geweht gefunden und an das Fundbureau der Eisenbahn ab geliefert. Ter Beamte des Fundamtes lieferte die Waffe, weil sie auf städtischem Grund und Boden gefimbcn sein sollte, an das Polizeiamt als die dafür zuständige Stelle ab, das damit nach Vorschrift verfuhr, ohne daß sich innerhalb eines, JahreS ein Verlierer für das Fundstück meldete. Nach Ablauf dieser Zeit lud das Polizeiamt den Eisenbahnbeamten, der das Jagdgewehr abgeliefert hatte, vor und gab es an diesen zurück. Ein Polizei - bcamter wußte den Mann zu überreden, ihm den Fund für den Preis von 15 Mark zu verkaufen. Nach einem Jahr verhandele ber Käufer die Waffe für 80 Mark an den Gerichtsvollzieher S., der sie an den Arzt Dr. Wagner in Loydorf für ben Preis von 120 Mark weiter veräußerte. Dieser, der offenbar die Güte des Gewehrs erkannte, sandte es an die Fabrik, die es _ hergestellt hatte, damit sie die Waffe gründlich in Stand setzen sollte. Bei dieser war aber schon 1905 das betreffende Gewehr von einem Dr. jur. Backhansen als ihm geswhlen angemeldet worden, der nun in Kenntnis gesetzt wurde, wer im Besitz seiner Waffe sei. Es entspann sich darauf ein Zivilprozeß zwischen Dr. Backhausen und Dr. Wagner über das Eigentum an dem Gewehr, der heute noch nicht beendigt ist. Die Betrugsanklage vor den Schöffen kam schnell zu Ende. Der angeklagte Eifenbatznbeamte wurde frei- gesprochen, weil er nach ber Behanblnng dieser Fundsache durch bas Polizeiamt habe annehmen können, er habe ein Recht, über das Fundobjekt, für das sich der Verlierer nicht gemeldet hatte, als Eigentümer zu verfügen. Ter Amtsanwalt war der Ansicht, daß die Polizei, da weder der tatsächliche Finder noch der Verlierer nach Ablauf eines Jahres sich geniclbet hatte, die Waffe nach den gesetzlichen Bestimmungen der Stadt Gießen hätte aus- geliefert werden müssen, auf deren Grund und Boden sic gesunden worden war.
Sport.
— Rudersport. Am Boothaus der „Gießener Ruder- Gese lisch ast 1 87 7" herrscht setzt allabendlich wieder reges 'portliches Leben. In diesein Jahre hat die Vereinsleitung zum ersten Riale die Ausbildung ber Ruderer einem Berufs- Trainer, dem bekannten englischen Rnderlehrer 'Mr. A r l e t t ans Henley übertragen. Arlett hat seine Tätigkeit bereits ausgenommen und bis jetzt haben sich 18 Herren zum Training gemeldet, so daß mehrere Mannschaften zusammengesetzt werden können. Durch die Anwesenheit eines RuderlehrerS ist es auch möglich, das Schüler-Rudern mehr als wie seither zu pflegen, und es iuäre mit Freuden zu begrüßen, wenn sich recht viele junge Leute diesem gesunden Sport widmen würden. — Die „Gießener Ruder-Gesellschast 1877" veranstaltet am 17. Juli wieder eine Regatta. Ter Regatta-Ausschuß tritt erster Tage zusammen.
£uftfd)iffa6rt
Paris, 18. April. Henry Far m a n unternahm gestern mit seinem Zweiflächer nut einem Passagier an Bord einen Flug vo» Etampes nach Orleans; er legte die etwa 50 Kilometer lange Strecke in ungefähr 40 'Minuten zurück. Farman hat banui einen neuen Weltsieg für den Flug zu Zweien geschaffen.
Technische Nachrichten.
— Geheizte Fußböden. Fabriken werben im allgemeinen nicht auf dieselbe Temperatur gebeizt wie Wohnzimmer ober Bureauräume, weil die Arbeiter sich in körperlicher Bewegung befinben. Das Unangenehmste für sie ist es, kalte Füße zu bekommen, benn häufig stehen sic, während sie mit den Armen und Händen arbeiten, längere Zeit auf einer Stelle. Um nun eine zweckmäßige Erwärmung des Fußbodens zu erreichen, ohne die Raumtemperatur überflüssig hoch zu bemessen, hat eine amerikanische Fabrik in Ithaka das bereits ben allen Römern zugeschriebene System ber Fußbodenheizung wieder ausgenommen, allerdings unter Anwendung moderner Hilfsmittel. Man hat dort die Heizungsröhren dirett in den Fußboden und zwar in Betonkanäle verlegt. Teilweise rvrrden diese Röhren von den Abdämpfen der Betriebsmaschinen durchströmt, teilweise von heißer Luft. In der Schmiede benutzt man die heißen Gase der Schrniedescuer und leitet sic mit Steinzeugröhren durch den Fußboden.
— Der längste Tunnel der Welt soll jetzt in Amerika erstehen. Es handelt sich um einen 35 englische Meilen, also etwa 53,5 km langen Tunnel, der durch die Kaskadenberge im Staate Washington gebohrt werden soll, um den östlichen Teil des Staates mit der Küste KU verbinden. Die Pläne, die von dem General H. M. Ohittenden vom ameriiäuischen Jngenieurkorps ausgearbeitet sind, veranschlagen die Bautvsten auf rund 4 Mill. Mark für die englische Meile. Um den Tunnel mit den bestehenden Bahnlinien zu verbinden, wird der Ban eines neuen Schicnenstranges von 327 englischen Meilen Länge erforderlich. Bei der Einführung clectrischen Betriebes erfordert der Plan einen Kostenausivand von rund 300 Mill. Mark. Besondere Wagen sind vorgesehen, die dazu dienen sollen, auch Straßengesährte durch den Tunnel zu bc- förbern.
Ein verloren geglaubter Gedicht Zriedrich Schiller;?
Ottvmar K e i n d l, ein Prager Literaturfreund, der speziell auch als Freund Friedrich Theodor Vischers weiteren Kreisen bekannt ist, hat nach seiner Ueberzeugung ein verloren geglaubtes Gedicht Schillers gefunden und veröffentlicht es in der Sonntags- nummcr des ,,Prager Tagblatt" mit ber Bemerkung:
„Richard Wcltrich schreibt in. seiner großangelegten Schillerbiographie auf Seite 798 bes ersten Banbes: „Das Gedicht (Carmen auf Wiltmeister) ist aller Nachforschungen ungeachtet bis heute verloren geblieben." Unb Ebuarb Boas in „Schillers Jugenbjahre" sagt im zweiten Teil, Seite 242: „Tas Gebicht scheint rettungslos verschwunben. — - — Wir müssen abwarten, ob nicht etwa ein glücklicher Zufall bas verlorene Carmen ans Licht bringt." — Durch einen glücklichen Zufall gelangte ich nun in ben Besitz eines alten Manuskriptbatidcs „Sammlung witziger Einfälle in Gedichten unb Prosa". Auf dem Vorsatzblatt steht u. a. geschrieben:
„Wer ohne mein Erlaub lhttt einen Blick hierein, Wirb ohne Zweifel ein 'Nascnweißer sein.
Von Franz Anton von Herrschenfchwanb b. jüng. bei seiner Abreise zum Gesckfenk bekommen. Scholl, 1781, b. 6. April." ^G. G. Scholl.)
In bem zweiten Teil: „Philosophische unb andere Gediäw'", K. 20—22 findet sich bie folgende, etwas schwer leserliche Ein-


