Dienstag IS. April 1810
160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 90
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
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Tie „(Siebener ZamMenblätter" werden dem .Slngeifler* viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kretsblott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Dcc Staatssekretär des Reichsamts deS Innern bat mir soeben mitteilen lassen, daß er leider durch Krankheit verhindert ist, die EinfübrunpSrede zu halten. ... Gesundheitszustand eö gestatte, hofft er noch während der Beratung der Vorlage hier im Hause erscheinen und etwa gewünschte Auskünfte erteilen zu können.
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WnKop&dttippQ? I 5egen Haarausfall | Jaroliaiere dein Baar *' \Javol das Beste V ;
tuale Mehrbelastung viel größer.
der französischen Berechnung auf die Einfuhr deutscher
Rotationsdruck und Verlag der Brühuschen Unioersitäts - Buch- und Gtcinbrudereu R. Lange, Gießen.
ganzen Vaterlandes. (Beifall.)
Mg. Tr. Dlugdan (Vp.):
Lustschiffahrt und Witterungswnöe.
A. Peppler, Wetlerdienstleiter, Gießen.
In Ergänzung seiner gestrigen auf unsere Anfrage verfaßten kurzen Aufklärung schreibt uns unser meteorologischer Mitarbeiter über die kürzlichen Unfälle der Frc> ballons folgende ausführliche Darlegung, die ein klares Licht über den Stand der Luftfchiffahrt verbreiten.
Lange Jahre hindurch sanden fast ausschließlich Luftschiff- führten zu rein wissenschaftlichen Zwecken statt, die von Meteorologen als Ballonführern unternommen wurden. Am bekanntesten geworden sind die mir Unterstützung des Kaisers ausgeführreir Fahrten des Berliner Vereins für Luftschiffahrt, deren Jorjchungs - ergebnisse in dem dreibändigen Werl „Wifscnschaftliche Luftfahrten" von Aßmann und übertön nieber gefegt find, und die von grundfegcnder BedeuMng für untere Kenntnisse dcr Atmosphäregeworden sind. Ebenso dürften die von sämtlichen Kulturländern per Erde allmonatlich ausgeführten internationalen Ballonfahrten, auf die vorher regelmäßig in Tageszeitungen aufmerksam gemacht wird, auch in weiteren Kreisen bekannt geworden sein. Zn diesen wissensästi'tlichen Luftfahrten kommen nun in neuerer Zeit häufig zu stark bemannte Sport- und Vergnügungsfahrten hinzu, eine Folge der Entwickelung der gesamten Lustfchittahrt. Als Folge dieses regeren Luftverkehrs treten uns nun entsetzliche Unglücks- sälfe entgegen, die letzten Endes durch die in der Atmosphäre vor handenen Feinde der Luftschiffahrt hervorgerufen werden und die eindringlich zeigen, in wie hvbem Maße das gesamte Luft- schiffahrtswefen von den Witterungsveryältnissen der freien Atmo-
müsscn.
DaS Gesetz enthält eine ganze Reihe von Ausnahme, bestimm ungen zugunsten der obersten Behörden. Man hat
Gefühl, daß diese am besten wegsalleu. Wir sind bereit, in Kommission mitzuarbeiten zugunsten der Arbeiterschaft und
Abg. Dr. Spahn (Zentr.)k
Ter Gedanke dcr Zusammenfassung der VersichcrungSzwcige geht zurück in die Zeit des Reichstags noch im alten Hause. Ter wesentlichste Teil dieser Vorlage ist aber die uns durch das Zoll, tarifgeseh zur Pflicht gemachte Einführung einer W i t In e n » u n d W a i s c nv e r f i ch c r u n g , und ihre Tragweite auf sitt- lichem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiete legt unS die zwingende Verpflichtung auf, diese Vorlage noch vor dem {. Januar 1911 z u verabschieden. Ter lokale Unterbau der gesamten Versicherung soll in Zukunft bestehen in den Vcrsicherungsämtcrn. Ich habe im Namen meiner volitischen Freunde zu erklären, daß wir vorbehaltlich der Einzelheiten dieser Einrichtung sympathisch gegenüberstehen. Bester 'gefällt unS freilich der erste Entwurf, nach welchem den Versiche- rungsamtern nicht nur die Ermittelung deS Schadens und Vor. Bereitung der Entschädigung, sondern auch ihre Festsetzung ob. liegen sollte. Gerade auch die Spruch, und Beschlußfähigkeit wäre wertvoll wegen der Mitwirkung der Laien. Bei den Kosten der Versicherungc-ämter, die auf 6% Millionen berechnet sind, ist die Entlastung staatlicher und Rcichsbehörden zu berücksichtigen. WaS 'ne Aenderung in der Beitragspflicht und der Verwaltung der Krankenkassen anlangt, so liegt eine Härte darin, den Arbeitnehmern die Stellung, die sie in der Verwaltung der Kasten so lange hatten, zu verkürzen. Im großen ganzen sind Mißstände nicht aufgetreten und man sollte ernstlich erwägen, ob man diesen Weg gehen soll; ich möchte das alte Verhältnis aufrecht erhalten. Vielleicht sollte man auch das Verhältnis der K a f f e n a n g e st e I l t c n im Entwurf regeln und zwar für alle Versicherungszweige, einheitlich. Je weiter die Krankenverstcherung sich ausdchnt, desto nottoenbiger ist eine Regelung des Verhältnisses zu den Aerzten; ob aber gerade der Weg, den der Entwurf geht, der richtige ist, weiß ich nicht; das ist in der Kommission zu erwägen. Auch ob das V er- hältniS der Aerzte zu den Krankenkassen nicht im allgemeinen Teil de» Entwurfs geregelt werden soll zusammen mit dem Verhältnis der Aerzte zur Unfall- und zur Invaliden- Versicherung. M
Ter Hinterbliebenen Versicherung wümche ich rückwirkende Kraft zu geben bis zu dem im Zolltarif- gesetz genannren Termin, den 1. Januar 1910.^ Zu erwägen ist, ob nicht bei den PensionSsätzen über die Beträge deS Entwurfs etwas hinausgegangcn werden müsse angesichts der eingetretenen Verteuerung des Unterhalts. Redner beantragt schließlich Verweisung an eine Kommission.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition imb Verlag: e^5L *Rebaftion:€^112. Tel.-Abr.: AnzeigerGießen.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
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liessen und Umgegend
[nieten Mitgliedern zur A mmis, bat? unsere WamM leitcllen:
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Abg. Schickcrt (Kons.)'7 *
-Obwohl zu vermuten ist, daß auch die Leistungen, ber Reliktenversicherung von manchen Leuten al§ ebenso unzulänglich bezeichnet werden wird, wie dies hinsichtlich der bisherigen sozialen Versicherungen geschehen ist, stimmen wir dieser Versicherung zu. Und ebenso dem Vorschlag kommissarischer Beratung. Wir bc- grüßen eS, daß der ursprüngliche Plan einer Verschmelzung aller Versicherungsträger aufgegeben worden ist. Tie Schwierigkeiten, die sich bei Durchführung diese» Planes ergeben haben würden, sind angesichts der Verschiedenheit der Versicherungsträger zu groß. Ter Entwurf zieht 7 Millionen Arbeiter mehr aI5 bisher in die Versicherung ein. Es fragt sich da, ob die Kreise, denen die neuen Kosfen zugemutct werden, sie auch werden traaen können.
Falls bic (Sigena: _ . ' " **T ra "T
XU n g ausreichende Berück ichtigung findet, w :s ja im Entwurf
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Graf Posadowsky erklärte einmal, zur Bearbeitung ReichsversicherungZordnung gehöre ein Diktator. An dem liegenden Entwurf hat Wohl nur ein Kunktator mitgeholfen. Wohlerworbene Rechte werden vernichtet. Man ordentlich, wie zwei verschiedene Richtungen mit einander kämpfen. Ein Schritt wird vorwärts getan und zwei rückwärts. Eine allgemeine Freude über das Gesetz kann also nicht vorbanden sein. Gewiß zeigt es manche Vorteile. Wir begrüßen die Einbeziehung der Tienstboten und der landwirtschaftlichen Arbeiter. Aber warum richtete man sich nicht nach dem Beispiele Sachsens, Bayerns und Württembergs. Warum schuf man nicht gemeinsame Kasten für städtische und ländliche Arbeiter? Die L a nd kr a n k e n ka s s en sind
zum Teil geschieht, werden wir einer Ausdehnung der Kranken. Versicherung auf die Landwirtschaft nicht wlder'prechen; die -.anb- krankenkasten dürfen aber nicht in die Schablone der anderen eingezwängt werden. Zu einer Verminderung der Betrieb», und JnnungSkrankenkasten haben wir keine Veranlassung. Acndc- rung m der Beitragspflicht und Vorstandsbesetzung der Krankenkassen wird mit Rücksicht auf die Mehrbelastung, zum Beispiel der Handwerker, eingehender Erwägung bedürfen. Daß unerfreuliche Kapital des Verbättniffcs von Aerzten zu Krankenkassen wird nach beiden Richtungen zu unter, suchen sein, namentlich auch mit Rücksicht auf d,e Vcrhal.n,'-e des platten Landes, wo die Entscheidung yber bic Wo bl Der ärztlichen Versorgung durch die Erreichbarkeit deS Arzte» rocicnf icn beeinflußt ist. Bedenken hat die geringe Rücksichtnahme auf die Zahntechniker und Apotheker. Die Frage dcr Aufbringung der Mittel für Invalidenversicherung, die jetzt ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit erfolgt, sondern nach dem zufälligen Umstande der Zahl der beschäftigten Hilfskräfte, wird auch noch.zu prüfen sein. Ob die Einrichtung der VersicheriinaSamter richtig ist. darüber sind mc ne Freunde sehr zweifelhaft. Die Lunts-'eckigkeit des JnstanzenzugS muß beseitigt werden. Tas einer wichen Regelung der Instanzen an gleichmäßiger Gliederung fehlt, muy wett gemacht werden durch die Vermeidung nickt unerheblicher Kosten und die Beseitigung der Beunruhigung, die bisher über die große Selbständigkeit der unteren Instanzen entstanden war. Wenn, wir auch gegen den Entwurf n i ck t u n w e f c n 111 ck e Bedenken haben, so hoffen wir dock, daß eS gelingen wird, ihn so zu gestalten, daß wir ihm zustimmen können zum Wohle der minder bemittelten Bevölkerungsklasten. (Beifall rechts.)
Abg. Horn-Reuß (Ratl.):
Ein Gesetzentwurf von solcher Vielseitigkeit und Bedeutung kanii auf allgemeinen Beifall nicht gleich rechnen. Dazu ist die Zahl der Jnterestenten zu groß Immerhin ist es einigermaßen verwunderlich, daß diese Vorlage, die so dringend gefordert wurde, eine so scharfe Kritik erfahren hat. Mit der Ausdehnung der Versicherung auf die landwirtsck)aftlichen Arbeiter sind, wir einverstanden. Zu erwägen wird fein, ob es richtig ist, daß die Krankenrenten beim Bezug anderer kleinen Renten Wegfällen sollen. Auch die Einbeziehung der Hausgewerbetreibenden ist erfreulich. Die Form der Beitragserhöhung könnte vielleicht vereinfacht werden. Die vielfach von den Aerzten erhobene Forderung, daß 2000 Mk. die Höchstgrenze sein soll für die Versicherungsmöglichkeit, erscheint uns nicht sozial zu sein. Die Aerzte können fick wohl auf andere Weise gegen den Ausfall decken. Würden wir dieser Forderung nachgeben, so wäre es hauptsächlich zum Schaden der vielen Kleingewerbetreibenden, die früher weniger als 2000 Mk. hatten und fick dann weiterversichern wollten. Mit Rücksicht auf de zuweilen ungenügenden Leistungen kleiner Kasten sind wir einer Zentralisation nicht ab. geneigt. Der Redner nimmt die Betriebskrankenkasten tn Schutz gegen Vorwürfe der sozialdemokratisch dirigierten OrtSkranken- kasten. Aus diesen Beschuldigungen spricht nur der Aerger darüber, daß die Betriebskrankenkassen sich von der sozialdemokratischen Herrschaft frei gehalten haben. Die Sozialdemokraten sträuben ficä gegen die Halbierung der Beiträge. Aber bte)e Halbierung bringt den Arbeitern eine Ersparnis von 56 Millionen Mark, die nunmehr die Arbeitgeber -,u tragen haben. Das sollte doch ausschlaggebend fein. In der Acrztefrage stehen sich bis fetzt unvereinbare Forderungen gegenüber. Daß für die Aerzte bei dem Kastenarztsystem tatsächlich ein unwürdiges Abhängigkeits- Verhältnis vorlicgt, ift wohl nicht zu leugnen. Vorläufig stehen sich Aerzte und Krankenkasten feindlich gegenüber. Hoffentlich kommt es zu einem Kompromiß, Wir bitten die deutsche Aerzte. schäft dringend, unS die Lösung unferer Aufgabe nicht zu erschweren. Mit den Bestimmungen hinsich'lich der Hinterbliebenen, für sorge sind wir im allgemeinen einverstanden. Wir bedauern, daß eß nicht möglich ist. zurzeit die Bezüge der Hinterbliebenen zu erhöhen.' Aber wir sind genötigt, auf die Leistungsfähigkeit der beteiligten Kreise und auch auf die schleckte Finanzlage des Reiches Rücksicht zu nehmen. Dio rückwirkende Kraft halten auch wir für erwägenswert.
Run nehmen die Apotheker für Waren, die auf Rezept verkauft werden, den dreifachen Preis wie für solche, die im Handverkauf abgegeben werden. Nach dem Entwurf sollen auch bic Krankenkassenrezepte Handverkaufspreise haben. Dagegen laufen die Apotheker Sturm. Wir werden hier einen Mittelweg suchen
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für uns ganz unannehmbar. Ick hoffe, daß daS HauS diese Forderung mit Entrüstung zurückweist, eic icwetc nut der Landwirtschaft. Ter Kreisausschuß macht das Statut, so oatz die ländlichen Arbeiter keine Svur von Selbständigkeit baden w-.'rden. Wir bedauern tief, daß die Verfasser und die Ver. freier der Regierung die Zeicken der Zeit so wenig verstehen. 2,1c ländlichen Arbeiter müssen erbittert werden, wenn sie ichen, wie. man sie zu Arbeitern 2. Klasse macht. TaS muß die Landsu'.ckt vergrößern. Den vielen Ärankenkäßcken muß ein En ? gemacht werden. Eine Meiige von Arbeitslrn'.- kann da erspart werden. Fnnungs-, Orts- und Landkrankenkassen, da? ist zu viel. D i c Halbierung der Beiträge und die andere Zusammen- setzung der Vorstände lehnen wir ab. Einverstanden kann man sein mit der Einführung des Proportionalwahlsystems. Leider sind alle Bestimmungen sehr kompliziert und unübersichtlich. Wie kann man der Verwaltung die diskretionäre Gewalt geben, mit einem Federstrich die staatlichen Arbeiter diesem Gesetze zu entstehen? Wenn der Entwurf Gesetz wird, werden die unleidlichsten Verhältniste zwischen Krankenkastenärzten und Kasten entstehen. Heber den Preis der Arzneiwaren kann nur emc Freie Vereinbarung zwischen Kasten und Avotheker entscheiden, -t-ic Einmischung der Regierung ist da voin liebel. Wie kann die Regierung die Rabattsätze bestimmen? Ter ganze Entwurf wird durchwebt von dem Gedanken der außerordentlichen Vorzüglichkeit der Behörden. Auf dieser Ucber- schätznng der Arbeit der Behörden beruht die ganze Ordming.
Warum berücksichtigt man die Frauen fo wenig? Sie wären vorzüglich geeignet, bei _ den rtest- stellungcn der Invaliden- und Hintcrbliebenenentsckädigung mtt- zuwirk-'n. Wozu sind eigentlich die V e r s i ch e r u n g s ä m t e r da? Wir sollten endlich cinbaltcn mit der Vermehrung der ehrenamtlichen Stellen. Man sollte die Arbeiter bei der Feststellung der Entschädigung beteiligen. Denn unter den Krankenkastenren>anten, Vorsitzenden usw. gibt e» reckt schlimme Bureaukraten. Tie Kontrolle geht zn weit. Durch diese nutzlosen Bestimmungen macken wir uns geradezu lächerlich. Es fragt sick wirklich, ob es sich lohnt, wegen dieser u n z u r e i ch e n d e n Witwen- u n d W a i s e n v e r s i ck e r u n g, die „Pfennig- rentieren" schafft, einen solchen Beamtenapparat aufzubieten. Es war ein großes Unternehmen, ein einziges Gesetz an Stelle der einzelnen ArbeiterbersickerungSgcsetze zu schaffen. Aber leider befricdi.it dieses Gesetz nickt. Die Vereinheitlichung der Arbciter- gesetze läßt sich eben nickt auf einmal macken. S'.c kann nur sprungweise erfolgen. Theoretisck hat das Werk zweifellos einen bleibenden Wert. Aber praktisck können nur wenige Teile des Werkes Gesetz werden. Wir wollen retten, wa 8 z u retten i st. Wir wollen etwas schaffen, was die Zukunft unserer Arbeiterve^ fiefjerung auf Jahre hinaus sichert, (Beifall links.)
Abg. Molkenbuhr (©05.):
TaS Gesetz ist ein neuer Beweis dcr g 0 t t g e w 0 l l t c n Abhängigkeit der Regierung von den Konservativen. Auch vom Zentrum ist nichts zu erwarten. Denn das Zentrum ist ja keine Arbeiterpartei, sondern eine agrarische Partei. Die ganze Vergangenheit des Zentrums beweist, daß es in erster Suite dm Taschen der Agrarier füllt.
Für die Arbeiter bringt die Vorlage nickt viel. Für diejenigen. die bisher schon der Versicherung in allen ihren Zweigen unterliegen, sind eS nur Verschlechterungen. Die Höchstgrenze von 2000 Mark Einkommen schädigt Werkmeister und Techniker. Man hätte einheitlicher vorochen sollen. Aber krampfhaft hältman an der übermäßigen Zersplitterung des KrankenkasscnwesenS fest. Daß die Dienstboten unb ländlichen Arbeiter einbezogen werden, ist schön. Scklimm aber ist, daß man auck solche Arbeiterklaffen in Ne Landkaffen einbezieben will, die ieht für die Ortskrankenkaffen pflichtig sind, lediglich nm die Landkaffen leistungsfähiger zst machen. Neben den Betriebskaffen läßt man sogar die InnungS- lassen Fortbestehen. Aber die ganze R ü ck st ä n b i g 1 c i t des gegenwärtigen Shst 0 m § kommt da zum Ausdruck, wo man entschuldigen will, daß die Selbständis feit der Ortskranken, 'assen beschränkt werden soll, wie man sagt, um „Mißbräuchen" bei den Ortskassen zu begegnen.
Politisch mißbraucht werden nicht die Ortskassen, sondern die Berufsgenossensckaften. Sie werben keine Ortskasse finden, deren Vorstand politisch organisiert ist. Zahlreiche Be- rufsgenossenschastcn aber gehören dem Zentralveroand der In- dustriellen an. Mit der Halbierung der Beiträge wurde den Arbeitern nickts geschenkt. Die Arbeitgeber geben wie die alten Sklavenhalter und Feudalherren keinen Pfennig umsonst. Soweit wie mancke Aerzte Fordern, können mir nickt gehen. Wir wünsckcn aber, daß möglichst gute ärztliche Hilfe schnell gewährt wird, und daß auch der Arzt eine standesgemäße Einnahme aus der Kasse erhalt.
In dem ganzen Gesetz liegt etwas UnwahrhaftigeS. Die Re- liktenbezüge sind ganz unzureichend. Das ist die schlimmste Ren- tenauetscherei; ein Hohn auf ci.ie wirkliche Witwen- und Waisen- versickerung, eine Karikatur.
Schaffen Sie endlich einmal, statt des Brennholzes für den Krieg, Bauholz für den Frieden. (Beifall bei den Soz.)
Weiterberatung Dient-tag 12 Uhr.
Schluß 634 Uhr.
Deutscher Reichstag.
63 Sitzung, Montag, den 18 April 1910.
Am Tische deS BundekratS: Caspar.
Präsident Graf Schwerin-Löwitz
eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Min. mit folgendem Nachruf auf b c n" (9 1 o f - n Ori 0 la: Bevor wir in die Tages- nrbnung eintreten, muß ich Ihnen wiederum eine sehr schmerzliche Mitteilung machen. (TaS HauS erhebt sick.) Der b:m Hause seit 1893 angehörende Abg. Gras Orwla ift, nachdem er vor wenigen Tagen hier vor den Türen des RiichStagsgcbändes cinen UnFall erlitten hatte, gestern in aller Frühe an einem Schlaganfall verstorben. Graf Oriola hat h'er im Hanfe sich namentlich immer die Fürsorge für alle Bedürftigen und in ganz besonderem Maße die Fürsorge für unsere Kriegs- Veteranen angelegen sein lassen, («ehr richtig!) Dadurch bat er sich in hohem Maße die Liebe und Dankbarkeit unserer Kriegsteilnehmer erworben. Er hat sich weiter Nicht nur durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, sondern auch durch fein üb.raH bervortrctendeS Harfe? Nationalgefühl und Lurch seine Liebe zum Vaterlande die Verehrung und Liebe aller Kollegen hier im .Hanse erworben. Sie hab-n sick zu seinem Gedenken von den Plätzen erhoben, ich stelle dick fest. Ich habe mir bereits gestattet, den Angehörigen bic Teilnahme des Reichs- tagetz auszusprechcn.
Die erste Lesung der RrichSversicherungSorbnung.
Präsident Graf Schwerin-Löwitz:
Die Wiriung der neuen französischen Solltarifs.
# Berlin, 18. April.
9!ach ben Berechnungen der franzöiiscben Zollbehörde erfährt durch den neuen französischen Zolltarif die Einfuhr Frankreichs aus Deutschland eine Mehrbelastung von rund 4 Millionen Fronten, die Einfuhr- Frankreichs aus Belgien eine solche von knapp 11,2 Mill. Franken. Natürlich sind das nur annähernde Zahlen; eine genaue Berechnung wird erst möglich fein, wenn der neue Tarif längere Zeit in Kraft gewesen ist. Vielleicht lirirb sich alsbann, namentlich wenn die Berechnung von deutscher Seite erfolgt, die Mehrbelastung der deutschen Einfuhr wesentlich höher darstellen. Jedenfalls geht aber aus der Berecknung der französischen Zollvertvaltung hervor, daß der deutsche .Handel viel schärfer durch den neuen Tarif getroffen wird als der belgische.
Anscheinend liegen der Berechnung die Einfuhrzahlen des Jahres 1908 zugrunde, in welcl-em nach der französischen Statistik die Einfuhr Frankreichs aus Deutschland 607/> Mill. Franken unb bie Einfuhr Frankreichs aus Belgien 409,5 Mill. Franken Wert betragen hat. Die oben berechnete Mehrbelastung macht also für Deutschlanb einen Wertzoll von burchschnittlich 0,66 Proz., für Belgien aber nur von 0,36 Proz. aus. Dabei ist in Belgien bas Verlangen nach Eegenmaßregeln zweifellos viel stärker als bei uns. Ein Wertzvllzuschlag von 0,66 Proz. wäre ja nun nicht allzu schlimm, wenn sich diese Belastung gleichmäßig auf unsere »Gesamteinfuhr nach Frankreich verteilen würde; in Wirklichkeit werden aber nur bestimmte Gruppen von Waren
Lokomotiven ein Mehrzoll von 504 000 Franken, auf Präzisionsinstrumente ein solcher von 338 000 Fr., auf Werkzeugmaschinen 291000 Fr., auf Glaswaren 190 000 Fr., auf Werkzeuge aus Eisen ober Stahl 161000 Fr., auf Tapeten 152000 Fr., auf künstliche Blumen 143 000 Fr., auf Möbel 119 000 Fr., auf gewirrte Baumwallwaren 114 000 Franken. Eine verhältnismäßig Heine Gruppe von Waren- artiteln hat bemnach bereits eine Mehrbelastung van über 2 Millionen Franken zu tragen.
Unter biejen Uinftänben wirb — unb bamit rechnet auch die französische Zollpolitik — die deutsche Einfuhr nach Frankreich zweifellos zurückgehen. Wenn übrigens die sranzösifchc Zollverwaltung ihrer Berechnung hinzusügt, daß Die Reform des deutschen Zolltarifs Frankreich 3 840 000 Fr an len im Jahre gekostet habe, jo könnte man daraus schließen, der französische Zolltarif sei gerade mit Rücksicht aus die deutsche Zolltarifreform erhöht worden. Tie Mehrbelastung, welche die französische Einfuhr nach Deutschland durch den neuen deutschen Zolltarif erfahren hat, ist aber auch, wie seinerzeit von deutscher Seite amtlich festgestellt wurde, viel geringer, weil Frcuureich auf Grund seines Meistbegünstigungsrechtes an allen Zoll-- ermäßigungen ieünimmr, bie aas Deutsche Reich durch seine zahlreichen Tarifverträge dritten Staaten gewährt. Ein Vergleich zwischen dem bisherigen Zokktaris Arankreichs und dein geltenden deutschen Taris ergibt, daß die sran-
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Sipischaft
ettal u. &artcn in nächst Giehens, 6eliebtet- 31 ni-
>rt mit viel,)nmdenverlck>i> : ioiort an Mliae, touuous 1 MUslem unter gunsügev ngungen zu verpachten.
hviftl. Angebote unter W icn Gteß. Anz. erbeten.
Schreibmalchincuarbeita irgt. Marburg. Ltt. 27II.
getroffen, und bei diesen ist bann natürlich bie prozen- zösische Einfuhr nach Deutschland im Durchschnitt stets gc»s - — * * * " ’ z . So fällt z. B. nach ringer mit Zoll belastet war als bic brutsche Einfuhr nach
Frankreich. ____


