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OeiDrcdiSftofr geliefert Batten, tarn man auf die Schweine: „Ihre I Kathrein das Shielkartenbüschel und ließ es beim Bnchbiicher GdiöDTuna allein," faat Wieland, „kann ich der Natur nicht einbinden, ganz in der Form, wie des Moselbauern kleines Gebet- ' . , , -w • z i'f __... r X — — u. «w link • Km- CX Xim «»k.'rfn A Äftrtt mi tM
t, ganz in der Form, toie des Mo,eibauern rieincs tsever buch war. Und ich, der Lchneidcrlehrling, dem auch der Spitzbub im Nacken sag, übernahm die Aufgabe, dem Bauer das Gebet- büchel zu stibitzen und dafür die gebundenen S^elfartcit in die Sonntagsjoppe zu praktizieren. Als nun der eonntag kam und der Moielbauer in der Kirche nach gewohnter Weise der Gemeinde
Die Stichwahl "in Zrieüberg - vüöingen.
Der Bund der Landwirte hielt am Sonntag 37 Versammlungen ab und zwar hauptsächlich in der Butzbacher Gegend. Als Redner traten aus: Dr. Becker-Sprendlrngen,
volirschullehrer und Grganiftendienft.
Eine Vorstellung des Hessischen Landes^ Lehrer Vereins an die Zweite hessische Kammer erstrebt die Aufhebung des Artikels 50 des Volksschulgesetzes. Tic Gingabe, die auch für weitere Kreise Interesse hat, hat folgenden Wortlaut:
Nach Artikel 50 des Botts schukgesetzes sind die Lehrer an Volksschulen verbunden, die kirchlichen Funktionen als Organist, Kantor oder Vorleser in denjenigen Gemeinden gegen angemessene Vergütung zu übernehmen, in welchen die Verbindung dieser Funitionen mit der betreffenden Schulstelle hercörnrnlich i-, vorausgesetzt, daß diese Funktionen nicht in die ordentliche Schulzeit fallen.
Tiejc Bestimmung ist nach Ansicht der Unterzeichneten nicht mehr den heutigen Anschauungen über die Stellung von Schule und Kirche entsprechend. Ter Lehrer steht zwischen Kirche und Schule, und ein friedliches Neben- und Miteinanderarbeiten von beiden ist vielfach unmöglich.
Auch rechiliche Gründe sprechen für die Aufhebung dieses Artikels. Sicher ist das Recht nur einseitig gewahrt, wenn
— Tas verhexte Gebetöüchl. Im Tagebuch seines Heimgartens (Verlag Leykam, Graz) erzählt Pester Rosegger folgende Erinnerung aus seiner Jugendzeit: In meinem Tage- vüaiel von 1860 findet sich folgende schritt: „Als Motes in per Wüste mit seinem Stabe auf einen Felsen ichlug, da quoll Wasser hervor. — Heute schlug der Moselbauer auf einen tfds «auf griechisch Petrus) und siehe, es quoll Wasser hervor." — Hübsch lange niuEie ich nun nachdenken, bis mir bieje Legende klar wurde. Dann ist es mir wohl eingefallen. Der Mottt- bauer war ein passionierter Kartenspieler. Nun stahl chm eines Abends der zu allem Schabernack aufgelegte Haaswirt m öt
Aus Hessen.
Zu dem Gesetzentwurf über die Gemeinde« umlagen hat der Landesverband Hessen des Hansabundes folgende Erklärung beschlossen und den Mitgliedern der Zweiten Kammer übersandt:
Der Landesverband Hessen des Hansabundes entnimmt mit Bedauern dem Berickst des Ersten Ausschusses der Zwecken Kammer der Landstände über den Gesetzentwurf betreffend die Gemeindeumlagen, baß die Großh. Regierung erklärt hat, einem. Beschlüsse des Landtages, durch welchen die landwirtschaftlichen Oekonomiegebäude von der Grundsteuer frei- gelassen werden, ihre Zustimmung nicht zu versagen. Er muß dieser von dem Landtagsausschuß inzwischen beschlossenen, ein seiligen und unberechtigten Bevorzugung der Landwirtschaft umsomehr auf das Entschiedenste widersprechen, als einerseits die Landwirtschaft durch die seitherige Art ocr Besteuerung, die die gesteigerten Erträge unberücksichtigt ließ, bereits wesentlich bevorzugt war, und als anderersecks die Gründe, welche für dic Freilassung der Lekonomiegebäude von der Gruiidsteuer angeführt werden, auch bei zahlreichen Gebäuden von Handel, Gewerbe und Industrie vorliegen, weshalb nicht einzusehen ist, daß in solchen Fällen nur die Landwirtschaft fteuerfrci ausgehen, Handel, Gewerbe und Industrie aber besteuert werden sollen. Der Landesverband des Hansabundes erwartet daher, daß der der Gleichberechtigung aller Erwerbsstände nicht eicksprcchende Be> schluß des Ersten Ausschusses der Zweiten Ständetammer bei
verzeihen. Ihre Tierheit, chre Antigrazie ist mir lchon in oer Vorstellung ein Abscheu." Herder führte nun die Sache der Schweine mit großer Beredsamkeit und verteidigte ihre Ehre, 1. weil sie nächst dem Menschen die größte Ausbreitung auf der Erde haben: 2. weck sie in ihrem inneren Bau so viel Aehnlich- feit mit dem Menschen haben; 3. weil sie echte Republikaner sind. Als er im Sommer auf einem Landgut die Lekonomiegebäude besah, sagte der Lekonom, daß die Amtlichen Schweine beim Schreien eines einzigen in Aufruhr und sympathetisches Angstgefühl gerieten. Die Probe wird auf der Stelle gemacht und ein Schwein am HiMerfuß gezerrt. Auf einmal erhebt sich in allen Schweinekoben ein allgemeines Lamentabcke. Die Koben werden geöffnet, und die Säue springen von allen Seiten dahin, woher oie Anslstimme erscholl, so daß die Gesellschaft sich kaum vor ihnen retten konnte. „Ja, das ist eben die Brutalität dieser Sansculotten," erwiderte Wieland und erzählte eine Anekdote, die er in Biberich erlebte, wo der dicke Haushofmeister des Grafen Stadion von einer Herde Schweine, die auf der Mast in einem Eichenwalde war, beinahe ermordet worden wäre, weck er zum Spaße blindes Feuer auf sie machte. Die Hlwde stürmte mit Heereskraft auf ihn ein und nötigte ilpi, sich auf einen Baum zu flüchten. Als ihm die Tiere da nickt bekommen konnten, fingen lic an, die Wurzeln des Baumes auszuwühlen und versuchten so den Baum zu fällen, was am Ende auch gelungen wäre, wenn nicht der Hirte und Jäger nock zu Hckfe gekommen waren. Der Schottländer Macoonald, der mit in der Gesellschaft war, wunderte sich über diese Schweinedissertation und flüsterte mir ins Ohr: „Es ist wirtlich seltsam, daß Männer wie Herder und Wieland sich so tief in einen Streit über Schweine eiickassen. Wie wurden meine Landsleute lachen, wenn sie das hörten."
Aunst, rvisienschaft und Leben.
— Wendelin WeftßHeimer f. In Nürnberg starb der Komponist Wendelin W e iH h e i m e r, dessen Wiege in Osthofen (Rheinhessen) stand. Eine hochstrebende, reichbegabte Künstlernatur geht mit ihm, der ein Alter von 73 Fahren erreicht hat, von dannen. Er hatte Schatten und Kanten, aber die Grundnatur war edel. Manches, was die Welt gegen ihn einnahm, lag in seiner grenzenlosen Verbitterung. Weißheimer hat als Komponist und Dirigent nicht die Anerkennung gefunden, die er verdiente. Auch Richard Wagner, zu defien intimsten Freunden und Vor- tämpfern er gehörte, dankte ihm nicht dauernd. Zwischen beiden ist dann eine starke Entfremdung eingetreten. Man lese Weißheimers „Erlebnisse", von denen ein zweiter Band in Vorbereitung ist und worin leider Cosima Wagner sehr scharf angegriffen wird. Von 1868 bis 1869 wirkte Weitz- Heimer als Kapellmeister des Mainzer Stadttheaters. Weiter wirkte er in Würzburg und Straßburg. Am populärsten wurde seine Oper „Meister Martin und seine Gesellen" Zuletzt hatte sich Weißheimer der Sozialdemokratie aenähert. Er erwarb sich um die Pflege des Arbetter- gesanges besondere Verdienste.
— Im Frauenbund zur Ehrung rheinländischer Dichter haben, wie man uns mitteilt, die Damen Frau Geheimerat Elsa R ö m h e l d - Darmstadt (bisher 1. Vorsitzende?, Frau Exz. Anna Nicolai - Karlsruhe (3. Vorsttzende., Baronin Selma v. d. H et) d k-Elberfeld hLchatzmeftlerrn,, lyrl. L. von Stülpnagcl- Darmstadt (Schriftführerin) und die weiteren Vorstandsdamen Frl. Math. P l o ch, yrau Exz. von Homberg! zu Dach, Frau Dr. Willy Merck und »-rau Reg.-Rat Reinhart ihre Aemter niedergelegt. Mitteilungen an den Frauenbund sind nunmehr an die 2. Vorsitzende, ^rau Prof. L i tz m a n n ° Bonn a. Rh. zu richten.
— Herder, Wieland und — die Schweine. Eckt Mckarbeiter schreckt öem „Leipz. Tgbl.": Beim Durchblättern eine» halbverschollenen Buches finde ich e^jte drollige,, wohl nur wenigen bekannte Disputation Herders mit Wieland über die Lchweme, wie sie der Archäologe Böttcher, der ihr beiwohnte, in 1 einen Aufzeichnungen festgehakten hck^ Nachdem zunächst Hunde den
Dr. Henckel, Dr. Heins, Landwirt Vollandt, Geschäftsführer des Reichsverbandes, Peter, Redakteur Jluhrer, Ge- chäftssührer Wolf, Dir. Hirschel, Landtagsabgg. Bähr und Breidenbach, Landwirt Hensel und Lehrer Dern-Neu-?)jen- bürg. — Tie Sozialdemokratische Partei hielt am Sonntag 38 Versammlungen ab.
Aus Büdingen, 20. Juni, wird uns geschrieben:
Nachdem man kaum ein wenig Atem geschöpft hatte, ist der Kampf auf der ganzen Linie von neuem entbrannt, aller» rings mit veränderter Front. Und nun rächt sich der vor )er Haupt wähl begangene Fehler, ^n dem begreiflichen Bestreben, um jeden Preis in die Stichwahl zu lommen, haben beide b ärger Liu) c Parteien seither den Kampf gegen den drohend von der äußersten Linken anrücken- den gemeinsamen Feind stark verna.-lässigt.^ Sie haben vielmehr in gegenseitiger Befehdung diesem Feind maaidjc Waffe geschmiedet, die er^iun eM ol^reich gebraucht.
Manchem Außenstehenden mag das ar k e An s ck we l - len des Sozia'lIsmus in rein ländlichen Bezirken rätselhaft erscheinen. Es wird verständlich, wenn man weiß, daß es auch im Kreis Büeingen wenig One gibt, aus denen nicht Arbeiter, vielfach unter Beibehaltung ihres Wohnsitzes, in Frankfurter, Osfenvacher ooer Hanauer Fabriken tätig sind. Jeder einzelne von diesen ist ein zielbewußter Agitator der Sozialdemokratie, dem es dann auch selten an Mitläufern 'fehlen wird. Dazu kommen berufsmäßige Agitatoren aus den genannten, jo bequem gelegenen Städten. Andere werden weicher verschrieben; so wird morgen hier der preußische La.idtagsabgeordnete Borgmann sprechen.
Wenn übrigens anderwärts die Verhältnisse ähnlich ließen ivic hier, so hat die Sozialdemokratie diese Anstren- gungen gar nicht nötig. Herr Dr. Becker-Sprendlingen, der jetzt täglich mehrere Versammlungen abqält, sprach gestern hier im „Fürstenhof". Man hatte denken solkeu, tawn der 9canie dieses Mannes, der seinerzeit in Ohlenbach Herrn Ulrich aus dem Sattel hob, der hier ernstlich als Kandidat in Betracht kam und seine politische Rolle sicher noch nicht ausge,pttlk hak, werde eine zahlreiche Hörerschaft anziehen. Siatt dessen sprach er vor halb leerem Haus, und die Stimmung der Liberalen war derart feindselig, baß man Kaum gutes von ihnen erwarten darf. Und dock) Ijatte sich Dr. Becker, ein trefflicher Redner, ausdrücklich als nationaler und liberaler Manu bekannt. So viel scheint sicher: hier wird Tr. v. Helmolt die nationalliberalen Stimmen nicht vollzählig, von den freisinnigen iaum eine bekommen. Wenn anderwärts die Stimmung ähnlich ist, bann ist der Ausgang der Stichwahl keinen Augenblick zweifelhaft.
der Inhaber einer bestimmten Schulstelle zur Verrichtung kirchlicher Funktionen gezwungen wird, ohne das; ihm ein Kündigungsrecht zusteht und ohne daß zugleich auch den Vertretern der Kirche die Verpflichtung auferlegt ist, dem Inhaber der betreüenben Sch ul ste lle die Aus üb u ug der kirchlichen Funktionen zu übertragen. Es sind nämlich mehrere Fälle bekannt, daß Organistenstellen, und besonders solche, die ein hohes Eintommen abwerfen, nicht Lehrern, sondern Nichtlehrern übertragen wurden.
Bei dem Zustande, wie er eben besteht, kommen au; alle Fälle der Lehrer und die freie Stellung der Schule nicht zu ihrem Recht. Zunächst ist es für viele. Lehrer ein gerade nicht erhebendes Gefühl, in dem Geistlichen einen unmittelbaren Vorgesetzten zu Haben. Es ist auch in Betracht zu ziehen, daß mancher Lehrer gerade durch den Organistendienst in eine mißliche Lage zu der Gemeinde kommt. Denken müssen wir hierbei besonders an die Organisten, die gerade nicht Meister dieses Jnstru- mentes sind. Das Orgelspiel vollzieht sich bekanntlich vorder brciieftcn Oeffentlichtcit, vor den Ohren aller .Kirchen- besucher, und jedem derselben ist auch Gelegenheit gegeben, Kritik zu üben, ohne daß er als Fachmann die Fähigkeit, die mit dem Amte eines Lehre/s auch nicht im nun» nun ein peinliches Gefichl, durch eine gezwungene Tätigkeit,sd ie mit Dein Amte eines Lehrers auch nickt im mindesten im Zusammenhänge steht, an seinem Ansehen als Lehrer zu verlieren.
Auch bei der Besetzung solcher Schulstellen, mit denen Organistendienst herkömmlich verbunden ist, kommt die Schule viel] ach zu kurz. Es sind nämlich Fälle bekannt, in denen die Wünsche der Gemeinde ausschließlich dahin gerichtet waren, einen Lehrer zu gewinnen, der ein guter Orgelspieler ist. Wenn dies auch nicht die Regel ist, so muß doch auf die Hintansetzung der Schule hingewiesen werden. „ w .
Ta nun zurzeit der hohen Zweiten Kammer ein Antrag unterbreitet ist, der als Teil eines größeren Mnzen die Aushebung des Artikels 50 unseres Schulgesetzes zum Inhalte hat, so bittet der unterzeichnete Vorstand, in dem Sinne des Antragstellers beschließen zu wollen und die Regierung zu ersuchen,
Artikel 50 des Volksschulgesetzes aufhebeu und die lieber« nähme kirchlicher Funktionen in das freie Ermessen deS Lehrers stellen zu wollen.
Die „Nordd. Allgem. 3tg.“ zur EnzyMa.
Trotzdem die eigentümlichen Kommentare der offiziösen Presse des Vatikans der preußischen Regierung unmöglich verborgen geblieben fein können, kommt die „Nordd. Allgem. Ztg." in ihrer Wochenschau vom 19. Juni nur mit folgenden vier Sätzchen aus die Enzytkikaangelegenheit selbst zurück:
„Die Evangelischen Kundgebungen im Lande haben, wie wir mit Genugtuung feststellen, bisher durchweg unter dem Zeichen öcö konfessionellen Friedens gestanden. Geheimrat Kahl, der Leiter der Versammlung im Zirkus Busch, hat mit besonderem Nachdruck seine Stimme erhoben, um in diesem Sinne Zeugnis abzulegen. Ter Konflltt ist in einer Weise bcigelegt, wie cs für daä einträchtige Beieinanderleben der Konfesscknen nur gewünscht werden kann. Wer es mit unserem Vaterlande gut meint, soll es dabei bewenden lassen."
Die „Nordd. Allgem. Ztg." scheint danach noch immer des Glaubens zu leben, daß man sich so ziemlich allgemein im deutschen Volk zu der offiziös vorgeschriebenen Befriedigung" bekennt. Auch nachdem die päpstliche Presse diesseits und jenseits der Mpen hinreichend erläutert hat, daß sowohl die Kurie wie der von ihr beherrschte Zentrums- katholizismus auf dem Sinn und Inhalt der wahrheitswidrigen und sittlich verletzenden Angriffe der Borromäus- Enzyttika beharrt. Wird das „einträchtige Beieinanderwohnen der Konfessionen" denn aber wirklich dadurch gefördert, daß in diesem entscheidenden Punkt trotz der tiefgehenden Empörung aller protestantischen und national empfindenden Kreise im wesentlichen alles beim alten bleibt? Wer es mit dem Vaterlande wohl meint, soll es dabei bewenden lassen? sDüd)t einmal zu einem Keruwort gegen Zentrumsstimmen, die das Gewohnheitsrecht des Papstes, Brand zu stiften im deutschen Hause, verteidigt haben, rafft 'ich dieser weichmütige Optimismus auf. Da werden es denn aber auch die aUerroeiteften Kreise im deutschen Protestantismus ablehnen, ihr Verhalten dem Zensorenamt der „Nordd. Allgem. Ztg." zu unterstellen; im Gegenteil tvcrden sie sich der ernsten Notwendigkeit bewußt bleiben, den einmütigen und entschiedenen Protest der nichtultramontanen Welt, mit der die Staatsregierung so wenig anzusangen wußte, dauernd zum Wohl des Vaterlandes nutzbar zu machen. Nur so wird der liebermut des Ulkramontanismus, oer allen Schönredereien zum Trotz, auf der Machtstellung des Zentrums beruht, für die Zukunft gehindert werden tonnen, ganz nach Gutdünken im deutschen Hause ein Großtuer anzufachen und den konfessionellen Frieden mit fanatischer Gleichgüktiglett gegen die Lebensinteressen der Nation ?u stören. Daß diese lleberzeugung auch in Regierungs- iteifen „fern von Berkin" vorhanden ist, darf man wohl den Ausführungen des Staaisministers v. Tusch in der ersten badischen Kammer entnehmen, der bei aller Anerkennung der „glücklichen Lösung" doch feststellte, daß „nicht die Wirkung, sondern die Ursacke (b. h. die beleidigenden Worte der Enzyklika) das Bestimmende ist, insofern durch die dogmatische Intoleranz das höchste Gut des konfessionellen Friedens verletzt sei". Herr v. Dusch schloß sich damit im wesentlichen der Erklärung des protei'tantischen^ Redners, des Prälaten Schmidthenner, an, der gleich dem Oberbürgermeister Wilckens fonftaiterte, daß die Beschimpfungen selbst in keiner Weise durch die Erklärungen der Kurie zurück- genommen worden seien. Ob diese Männer, ein Staatsminister, ein Prälat, ein Oberbürgermeister, es mit dem Varerkand nicht mindestens ebensowohl meinen wie die „Nordd. Mgem. Ztg."?
laut die Litanei aller Helligen oorbeten wollte, guckten wir Schelme vom Chore herab und sahen, wie der Bauer sein Büchel würdevoll aufmachte und--in Krämpfen zuckten seine Hände,
zuckte sein Gesicht vor Schreck, eilig wollte er das verhexte Büchel in seinen Sack stecken; er traf das Loch nicht, das Büchel fiel zu Boden, dienstbereit Hub es oer Nachbar auf, sah das Starten spiel und hob es geöffnet schweigend hoch empor, datz die Versammlung sehen konnte, was der fromme Moselbauer für schöne Hellige hatte. Der Eigentümer riß es ihm aus der Hand, stürzte hinaus und schleuderte das Teufelsspiel über die Kirchhoftnauer m die Büsche hinab. Der Maim wurde bann, so oft er sich in Gesellschaft sehen ließ, tüchtig aufgezogen. Er ließ es sich gefallen und lachte dazu. Und weil der Moselbauer so gemütlich lachte, so vermeinte uh es einmal im Wirtshaus ihm gestehen zu können, daß ich zum cchelmenstück meine Hand im Spiele gehabt. Taß er meine Schlauheit bewundern sollte! Er bewunderte sie auch und bezahlte mir noch ein Glas Obstwein für den „Spaß" und trug mir an, ihn zu nächtiger Stunde nach Hause zu begleiten. Ich tat es mit Stolz. Er hatte einen Haselstecken bei sich, und als wir durch bas Wälbchen gingen, blieb der Moseldaucr stehen unb sagte zu mir: „Mein liaba Petrus! Unsa Kartngspiel mitanonb is nouh nit gor. Heind spiel ich aus! Steck'n is Trumps!" unb ließ ben Stab brei- ober viermal über meine Abachselle pfeifen. Ich lief bavon und bann kam — wie beim Felsen Moses — aus den Augen des Petrus bas Wasser.
— Kurze Nachrichten auSKunstu.Wissenschaft. Eins der betiebtesten Mitglieder deS Hoftheathers in Darmstadt, Frl. Teref ina O st e r, hat unsere Hosbühne verlassen unb ist nach einigen ersolgreichen Gastspielen für das Hoitheater in Dresden verpflichtet. — Eine in Berlin lebende Engländerin, Frau Adela M a b d i s o n, hat mit Genehmigung Ludwig Fuldas bas Märchenspiel „Der Talisman" zu einer toiei atilgen Oper vertont. Tre stomboniftin hat sich an den Wortlaut des Stückes gehallep und nur an einigen Stellen Kürzungen, vorgenommen., " j
Nr. 112 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 21. Jnni 1010
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