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1909
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Süsser!, zum Ministerialrat und Vorsitzenden der teilung für Schulangelegenheiten im Ministerium Innern mit Wirkung vom 1. September ab ernannt.
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Rindvieh.........
Fleisch außer frischem Schweine- steisch......t . . .
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Der neue Leiter des hessischen Schulwesens.
Der Groß Herzog hat den Ministerialrat und Vorsitzenden der Mteilung für Eisenbahnwesen und Finanzwirtschaft int Ministerium der Finanzen, Geheimerat Karl
'Abdes
Deutsches Ucsch.
Der -Kaiser empfing am Montag in Swinemünde' am späten Abend noch den Besuch des Großherzogs von Oldenburg, der mit seiner Jacht „Lensahn" eingetroffen war. Dienstag vormittag machte der Kaiser einen Spaziergang in Begleitung des Reichskanzlers. Gegen Mittag traff Geheimrat Strempel, der Stellvertreter des Ehefs des Zivilkabinetts, zum Vortrag ein und nahm auf der „Hohen-^ zollern" Wohnung. Nachmittags um 3 Uhr 17 Minuten reisten der Reichskanzler nach Hohenfinow und Staatssekretär v. K'iderlen-Wächter nach Berlin -zurück.
Die Hamburgische Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiter Verbandes richtete an die Ham-
Abschluß sühren. Es möglichst bald zum A erkuirt, daß es keine
wird, ist seit 1871 mit Ausnahme der Jahre 1884 bis 1893 in nationalliberalem Besitz. Von 1884 bis 1893 war ev konservativ vertreten (Konsul Menzer in Neckargemünd). Ihn Jahre 1907 erhielt der jetzige Vertreter des Wahlkreises, Abgeordn. Beck, in der Hauptwahl 11932 Stimmen, die von dem Zentrum unterstützte konservative Partei 8480 Stimmen und der Sozialdemokrat 6713 Stimmen. Tier Stichwahl zeigte dann für Beck 14 685 gegen 9287 Stimmen.
eint, daß die Pforte gewillt ist, luß zu gelangen, zumal England seiner Marine gewesene Schisse
politische Tagesschau.
Verkauf deutscher Kriegsschiffe an die Türkei.
Zwischen .der deutschen und der türkischen Regierung sind Verhandlungen im Gange, die den Ankauf der deutschen Kriegsschiffe „Brandenburg" und „Kurfürst Friedrich Wilhelm" durch die Türkei bezwecken. Die Schiffe, so sehr sie auch für die von der türkischen Regierung verfolgten Zwecke geeignet sein mögen, entsprechen! nach Ansicht unserer Marineverwaltung doch den besonderen Ausgaben der deutschen Marine schon wegen ihrer geringen Geschwindigkeit weniger. Wahrscheinlich werden! die Verhandlungen zu einem beide Teile befriedigenden!
verkaufen würde. Da der für die deutschen Schiffe qe=* forderte Kaufpreis — 1/2 Millionen Pfund — sehr vorteilhaft ist, da ferner zugleich die gesamte Geschützmunition geliefert wird und schließlich die Uebergabe sofort erfolgen fann, dürfte die Türkei so rasch zugreifen, daß die beiden relativ modernen Schiffe noch vor Ankunft des griechischen Panzers „Aweroff" in Athen in türkischen Gewässern eintresfen. Damit hält man die türkische Flotte trotz des Panzers „Aweroff" der griechischen für vollkommen überlegen. Das! erste von den 4 bei der Schichauwerft angekauften Torpedoboote ist in Konstantinopel eingetroffen und von der Bevölkerung begeistert begrüßt worden. Die beiden deutschen Panzer haben eine ÄZasser-Verdrängung von je 10 060 Tonnen. Sie wurden in den Jahren 1890 bis 1894 gebaut, der eine auf der Vulkanwerst, der andere auf der kaiserlichen Werft Wilhelmshaven. Ihre Schnelligkeit beträgt 16,3 bzw. 17 Seemeilen. Sie führen je 6 28 Zentimeter-Geschütze, 8 10,5 Zentimeter-Geschütze und 8 8,8 Zentimeter-Geschütze. Die Panzerstärte beträgt in der Wasserlinie im Marimum 40 Zentimeter. Die Schiffe haben eine Länge von 108 Meter und eine Breite von 19,5 Meter. Der Tiefgang beträgt 7,4 Meter. Sie führen im ganzen 579 Mann Besatzung. Ein Kaufpreis von 9,228 Millionen Mark (= eine halbe Million türkische Pfund) für jedes Schiff müßte als recht günstig bezeichnet werden.
Die französische Kriegsbeil des Jahres 1870/71.
Von Paul Pasig.
Während die deutsche Kriegslyrik des großen Jahres sich im großen und ganzen gleich blieb und den schon von Anbeginn angestimmten Ton gerechter Empörung wider den Friedensstörer und zuversichtlicher Siegesfreude bis zum allmählichen Verklingen beibehielt, machen wir bei der gleichzeitigen französischen Kriegslyrik eine auffällige Beobachtung. Sie gliedert sich scharf in z west Perioden, die durch die Katastrophe von Sedan und die sich unmittelbar daran anschließenden Folgen, die Ersiärung der Republik unb, die Verhandlungen zwischen Jules Favre und Bismarck, klar geschieden werden. In der ersten Periode herrscht ein wenigstens begreiflicher und bei aller Uebertreibung und Ucberschwänglichkeit auch uns, den damaligen Feinden, verständlicher, wenn auch zuweilen recht übermütiger Ton vor. Die Ergüsse der zweiten Periode jedoch, äußerlich hervorgerufen durch den Verdruß über das Scheitern der Verhandlungen, durch die fortgesetzten Niederlagen und das hierdurch fast bis zum Wahnwitz gesteigerte Rachegefühl, fließen dermaßen über von Schimpfworten und Lästerungen sowohl über die Napoleonische Herrschast als auch über die Deutschen, besonders die Führer der Heere und diese selbst, daß man sie mit dem gleichen Gefühl liest wie etwa die einem kranten Hirn entsprungenen Phantasien und Walmreden eines Unzurechnungsfähigen. .
Ter Typus der damaligen Kriegslyriker war Victor Hugo (t 1885). Bei ihm und seinen poetischen, sprachlich meist überaus schwülstigen Ergüssen läßt sich dieser Wechsel leicht Nachweisen. Paris ist ihm der Mittelpunkt der Welt, weil der Zivilisation ein „heiliger Ort", „der gewaltige Wohnsitz der Ideen, in dem die Seelen durch den leuchtenden Schein hingeführt werden," ,,ein Morgenrot in der Lebendigen Milte", „ein ideales Schiff mit unsichtbaren Masten" usw. und uns, die deutschen Gegner, apostrophiert er zuerst: „Keine Nation ist größer als du! Zur Zeit, als die ganze Erde noch ein Ort des Schreckens war, warst du unter , den starten Völkern das aerechte Volk! * Güt dunkles T'.adem schmückte deine erhabene Stirn, und dennoch glänzest du wie Indien. O Land der blauäugigen Menschen, erhabene Klarheit im düstern Grunde Europas, ein unnahbarer, ungestälter, gewaltiger Ruhm hüllt dich ein! O Teutonen, eure Gräber sind wie Trophäen, unsterbliche Gebeine haben eure Voreltern aus- gesäet, eure Lorbeeren blühen überall! Seid stolz, ihr Deutschen! Nur der Tilancnsuß paßt für eure Sandale .... Deutschland ist mächtig und stolz!" In solchen Tiraden geht es fort. Andere Dichter vergaßen dabei nicht, an den ersten Napoleon zu erinnern, den Sieger von Jena, auf dessen rühm- reichen Söhnen, man weiterschreiten werde ä Berlin — nach Berlin! Sully-Prudhomme redet in den Stanzen „Le flöge" den König
Wilhelm als Eroberer an und verherrlicht Frankreich als das Land der Ideen, das die menschlichen Gesetze selbst in die Herzen derer geschmiedet habe, die cs bekämpfen. Henri Blaze de B u r Y dichtete eine lyrisch-dramatische Szene: „Das Erwachen des Prinzen", deren Held der Kronprinz von Preußen ist. Dieser steht — ein übrigens damals bei den Franzosen sehr beliebtes Thema, das geradezu zur fixen Idee ward — in schroffstem Gegensätze zu seinem königlichen Vater und vor allem zu Bismarck:
„Ich bin Kind meiner Zeit, mein Glaube ist ein anderer. Und was der König meint, ist nimmer meine Meinung."
Ter Prinz wird von Gewissensbissen gepeinigt, weil er sich verantwortlich fühlte für das vergossene Blut. Tann erscheint Frankreich selbst und hält ihm eine derbe Strafpredigt, indem! es ihn an das melancholische Geschick Kaiser Ottos II. erinnert, dieses jungen, blonden „Schwaben", der auf italienischem Boden geblieben sei, und schließt dann sehr dramatisch:
.„Prinz: Sag', wann seh ich dich wieder, O Cäsars Geist?
Frankreich: Am Abend bei Philippi!"
Zur Vieh- und ZIeischeinfuhr aus Dänemark.
*** Berlin, 2. August.
Nach den Meldungen, die vor einiger Zeit über die angeblich so rigorosen sanitätspoliKeilichen Maßnahmen gegen die dänische Vieheinfuhr verbreitet wurden, hatte es den Anschein, als ob die Einfuhr von dänischem Rindvieh nach Deutschland ganfr aufgehört hätte und als ob die dänischen Viehzüchter dauernd auf das deutsche Absatzgebiet verzichtet und sich ausschließlich dem englischen Markte zar- gewandt hätten. Wie übertrieben jene Meldungen waren, geht nun aber aus der Tatsache hervor, daß unsere Einfuhr von lebendem Vieh und von Fleisch aus Dänemark kaum jemals so groß gewesen ist als im laufenden Jahre und besonders in den letzten Monaten. Nach unserer amt»
Nun kam statt dessen, die unerwartete Katastrophe von Sedan, mit einem Male alle hochflicgenden Pläne und Hoffnungen Nichte machte, und die deutschen Truppen schickten sich nach dem vorausgesehenen Fehlschlagen der Verhandlungen an — die Franzosen hatten erklärt, „keinen Fußbreit Landes und keinen Stein von ihren Festungen" herzugcben — um auf Paris zu marschieren. Wie ganz anders klangen u'tzt alle Kriegsfansaren! Laut genug zwar und schmetternd, aber mißtönig grell! Victor Hugo vor allem wußte sich in> Beschimpfungen nicht zu erschöpfen. In dem Gedichte „Prouesses borusses" („Preußische Heldentaten") phantasiert er: „Auf daS Gold des reichen Nachbars hat ein armer Nachbar ein Recht; auf den Rücken der Viktoria hebt man den Bettelsack, und in Erwartung, Lothringen und Elsaß zu erhalten, nimmt man eine Uhr vom Nagel eines Uhrmachers. Man will unermeßlichen Ruhm gewinnen: aber man findet, daß es schade sei, ihn zu zerbrechen, und besser, ihn h'ortzutragen. Man zieht die Ehre allem andern vor: aber der Mensch braucht Tabak, und man stiehlt ihn . . . man will seine Geliebte möblieren, man braucht dazu eine Pendeluhr, die man irgend einer blonden Nymphe anbietet. Mit fünf Milliarden kehrt man in Walhalla ein, man ahmt die schielenden Beduinen und die stumpfnasigen Baschkiren nach, und Schinderhannes setzt die falsche Nase auf . . . Ter Deutsche wird sich als Franzose erkennen, und er, der unser Blut trank, wird sich sehnen, unsere Füße zu küssen." In den „Oktober-Betrachtungen" schreibt er über die gegen Paris heranmarschierenden Deutschen: „Sie find da, sie bedrohen Paris, sie bestrafen es! Warum? Weil Paris Frankreich ist und das Universum, west es sich glänzend emporge
Basiermann und dre nationalliberale Reichstagsfraktion.
Die „Nationattib. Korresp." schreibt: Dem Abgeordneten Bassermann ist das nachfolgend wiedergegebene, von den Mitgliedern der natronälliberalen Neichstagsfraktion unterzeichnete Schreiben zugegangen, dem wir wohl nichts hinzuzufügen brauchen:
Berlin, den 30. Juli 1910.
Hochverehrter Herr Bassermann! Sie sind in den vergangenen Wochen Gegenstand gegnerischer! Angriffe gewesen, die Ihr während vieler Jahre betätigtes politisches Wirken im Tienste der national- liberalen Partei und Ihre Führung der nationalliberalen R/ichs- lagsfraktion zum Ziele hatten.
Tie Vertrauenskundgebungen aus der Partei heraus werden Ihnen zu erkennen gegeben haben, mit welcher Treue diese zu Ihnen steht.
Uns aber, den Mitgliedern der Neichstagsfraktion, ist es ebenso ein Bedürfnis, Ihnen zu sagen, welch Gefühl der TankbarGir wir für Ihre aufopferungsvolle Arbeit empfinden und welch ein Vertrauen wir in Ihre dem Vaterlande und der Partei dienende Führung setzen.
Wir verbinden damit den einmütigen Wunsch, daß es auch der nationallibcralen Fraktion des künftigen Reichstags vergönnt sein möge, unter Ihrer bewährten, die volle Unabhängigkeit der Partei gewährleistenden Führung in ernsten Zeiten für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten.
Mannheim, 2. Aug. Wie die „Neue Badische Landes-Zeitung" mitteilt, wird Reichstagsabgeordneter Bassermann bei den nächsten Reichslagswahlen im 12. badischen Reichstagswahltreis (Heidelberg-Eberbach- Mosbach) kandidieren. Der Wahlkreis, der gegenwärtig von dem nationalliberalen Abgeordneten Beck vertreten
Hiernach hat die Einfuhr nicht nur nicht nachgelassen, sondern sie ist sogar dem Vorjahre gegenüber noch gestiegen. Eine Ausnahme macht nur die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Dänemark: diese hat sich von 7918 dz im ersten Halbjahr 1909 auf 1087 dz im ersten Halbjahr 1910 vermindert. Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß unsere Einfuhr von frischem Schweinefleisch auch aus andern Ländern zurückgegangen ist, so z. B. aus Holland von 37 394 auf 16 546 dz. Was die Rindvieh- Einsuhr aus Dänemark anlangt, so ist die Einfuhr von Ochsen gestiegen von 2199 auf 2500 Stück und die Einfuhr von Kühen von 31986 auf 34 670 Stück. Tagegen hat sich die Einfuhr von Stieren vermindert von 4560 auf 4324 und die Einfuhr von Jungvieh von 31418 auf 28 941 Stück.
Die vorstehenden Zahlen zeigen, welchen Wert der deutsche Markt für die dänische Viehzucht hat. Tie Einfuhr von dänischem Rindvieh nach Deutschland hat sich im Laufe der letzten Jahre ganz bedeutend entwickelt. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn die sanitätspolizeiliche Kontrolle an der deutschen Grenze wirklich so rigoros gehandhabt würde, wie es in der Presse häufig dargestellt wird. Im Jahre 1909 hat unsere Einfuhr von dänischem Rindvieh nach Deutschland einen Wert von 33 Millionen Mark erreicht gegen nur 15 Millionen Mark im Jahre 1903. Dazu kommen noch für 5,3 Millionen Mark frisches Rindfleisch, für 2 Millionen Mark präserviertes Schweinefleisch, ferner für 2,1 Millionen Mark Schweineschmalz., für 13,5 Millionen Pfund Butter, für 14,1 Millionen Mark frischer Rahm, für 1,8 Millionen Mar? frische Milch, für 13 Mill. Mark frische Kalbst und Rindshäute, Därme usw. Aus diesen Wertzahlen geht ohne weiteres hervor, daß die dänischen Landwirte auf den deutschen Markt unbedingt angewiesen sind. e>ie geben sich auch alle Mühe, ihren Absatz nach Deutschland zu vermehren. Die Zollsieiheit für Rahm wissen sie sehr geschickt zu benutzen, um den Butterzoll in Deutschland zu ersparen. In den letzten Jahren ist die Rahmeinfuhr aus Dänemark ganz gewaltig gestiegen: in diesseits der Grenze gelegenen Meiereien wird dann der Rahm sofort zu Butter verarbeitet. Der Wert der gesamten Ausfuhr Dänemarks beläuft sich auf rjinb 500 Millionen Mark jährlich. Davon gehen nach Deutschland nicht weniger als 27 Prozent und diese bestehen zum weitaus größten Teil in Produkten der Viehzucht.
Die Entscheidung über Eisenhuths Nachfolger ist unmittelbar nach der Rückkehr des Großherzogs aüs England erfolgt. Die Wahl fiel, entgegen den Wünschen der ganzen Lehrerschaft, auf einen Juristen, doch ist darin keine grundsätzliche Abkehr von der Gepflogenheit zu erblickens an die Spitze des Schulwesens einen Fachmann zu stellen. Vielmehr wurde die Gelegenheit benutzt, im Sinne der auf Vereinfachung der Verwaltung hinzietenden Bestrebungen zu sparen. Nach einer halbamtlichen Mitteilung der „Darmst. Ztg." soll nämlich die durch die Er- nen'nuiia des Geheimerats Süffert freigewordene Stelle eines Vorsitzenden der Abteilung für Eisenbahnwesen und Finanz wirtschaft zunächst nicht wieder besetzt werden.
Geheimerat Karl Süffert ist am 17. August 1863 in Schlitz geboren. Er war früher Kreisamtmann in Friedberg und bekleidete die Stelle des Feldberetnigunaskommissars in diesem Kreise. Am 15. Oktober 1900 wurde er zum' Kreisrat in Alzey ernannt und auf Veranlassung des damaligen Finanzministers Gnauth durch Dekret vom 29. Juli 1905 ins Finanzministerium berufen und zum Ministerialrat und Vorstand der Ministerialabteilung für Finanzwirtschast und Eisenbahnwesen mit Wirkung vom 16. November 1905 ernannt. Seine Ernennung zum Geheimerat erfolgte nach dem Zustandekommen der Finanzreform unter Finanzminister Braun.
schwungen hat über gähnende Abgründe, weil es wie eine Riesen-e saust den Strahlenball hält, in dessen Glanz sich Europa badet: sie strafenParis, weil cs die Stadt der Freiheit ist, die Stadt, woDantont grollt, wo Moliore strahlt und Voltaire lacht; sie strafen Paris, weil cs die Seele der Erde ist... Weil cS die große Fackel ist, die kein Wind auslöscht, der Feuergcist, der durch dies Gewölk bricht, der Mond des Fortschrittes, der am düstern Himmel wächst" usw. „Es gilt, die Vandalen zu verjagen, und nicht blöß Paris, sondern Europa von diesen Banden zu befreien..^ Paris geht nicht unter wie Athen, Memphis und Troja, groß, sondern ein Tunket in einem Gewimmel von Plünderungen und» Diebstählen, von Pest und Hunger; es sind Würmer, nicht Löwen, mit denen es den Kampf gehofft hatte..
Aehnlich ■ August Barbier. Seine berühmtesten Gedichte: „Die Söhne der Hunnen" und „An die Dcutsch-en" variieren denselben Gedanken:« Die Deutschen sind Hunnen unH Vandalenhorden! Das erstere Gedicht schließt:
O Schrecknis! Durch Jahrhunderte hat man So viel an Geist und Herz aufwenden müssen. Um sich erneuen zu seh'n mit Hellem Blick Das grause Werk der Horden Attilas!"
Das zweite schließt noch schärfer:
„Doch sieh', die Strafe naht, denn bald frißt Nach diesem schreckensvollen Krieg Preußens Gift in deinen Adern und An ihm stirbt Deutschland..."
Vor allen waren cs König Wilhelm, Graf Bismarck! und das deutsche Heer, denen Hohn, Spott und Lästerwort: galten. Ten höchsten Grad leidenschaftlick>er Verblendung er* reichte Viktor Laprade ui einem Gedicht aus dem Dezember 1870, in dem er den würdigen, maßvollen und» frommen König mit Schimpfnamen wie „Bandit", „Pictisto hypocrite" (scheinheiliger Mucker) belegt, und ihm iw der Walhalla seinen Platz neben Attila anwcist. Paul Tc-> roulöde rechnet auf baldigen Ausbruch der Revolution iw Deutschland, wo das geknechtete deutsche Volk nur auf seine Befreiung warte. Ein beliebtes Thema dieser Kriegsdichtung war^ „Wilhelms Traum": der König sieht die Schatten der tötens Krieger vorüberziehen, betrunkene deutsche Soldaten »uch-en durch wüsten Gesang das herzzerreißende Stöhnen der Verwundeter und das erschütternde Wehklagen der Bräute, Frauen, Kindei- und Mütter der Gefallenen zu übertönen. Mit schweren wissensgualen denkt der König des Augenblickes, da er v.-c Gottt treten und Rechenschaft ablegen muß. Zugleich wird versucht,-' die Könige von Sachsen, Bayern und Württemberg zu '.Schotten» Königen" herabzuwürdigen.
Am meisten war icdoch Bismarck den Pfeib»l des StotteS und der Verlästerung preisgegeben. Von seinl^t Aeußern
Nr. 179 Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch 3. August 1910
erscheinttäglich,"auper O monatlic^75P^viertel-
Gießener Anzeiger
=~ Seneral-Anzeiaer für SberWen
Annahme von Anzeigen • IV» u.Land" und „Gerichts-
bis v-ruM°gs"g"nh? Rotationsdruck und Verlag der Srühl'schen Univ.-Vuch- und Steinbrnckerei R. Lange. Redaktion, Expedition uno Druckerei: Schulftrahe 7. Äck.


