Ausgabe 
21.9.1910 Zweites Blatt
 
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Abänderung des Beschlusses von Nürnberg dahin vorzunehmen, daß eine aus zwingenden Gründen notwendige Zustimmung zum , Budget den Landtagssraktionen erleichtert wird." (Der Brief ist innerhalb der Fraktion mit 16 gegen eine Stimme beschlossen worden.)

Erster Diskussionsredner ist Genosse Katzenstein (Berlin): Die badischen. Genossen haben schon für das Budget gestimmt, als sie in schärfster Opposition zur Negierung standen. Es kann also nicht stimmen, daß erst die heutige politische Konstellation diese Verhältnisse erklärlich erscheinen läßt. Die paar Verbesse­rungen in Baden werden nicht bestritten, aber es herrscht auch dort das aristokratisch-bureaukratische Regierungssystcm.

Hildenbrand (Stuttgart): Ich warne davor, einen wert­losen Beschluß zu fassen. Wenn Sie den verschärften Antrag der Norddeutschen annehmen, werden Sie damit die Frage nicht für alle Zukunft regeln.

Lipinski (Leipzig): Die Süddeutschen haben die Kern­frage umgangen. Es liegen bindende Beschlüsse vor, da kann von Gutgläubigkeit und Irrtum keine Rede sein.

W i t t i) (München): Ich brauche die Badener nicht zu ver­teidigen, aber wenn man über

Spießbürgerei

reden wollte, müßte man sich auch mit Lipinski auseinandersetzen. Das sächsische Kleinbürgertum wird von der Rede Lipinskis profi­tieren. Wenn Sie die Resolution des Vorstandes annehmen wollen, tun Sie es in Gottes Namen (Stürmische Heiterkeit), die Streitigkeiten über die Budgetbewilligung werden dadurch nicht verstummen. Richten wir unsere Front gegen unsere Gegner, das wird besser sein, als wenn <5ie sämtliche Badener Genossen auffressen. (Große Heiterkeit.)

Zubeil (Berlin) begründet den Zusaßantrag der Nord­deutschen. Viele Genossen verstehen es nickst, daß in der Partei mit zweierlei Maß gemessen wird. Nach unten kommt auch in Baden der Grundsatz zur Geltung: wer sich nicht fügt, der fliegt!, nach oben heißt es: ja Bauer, das ist etwas anderes. Die Ge­nossen müssen den Beschlüssen der höchsten Instanz Geltung ver­schaffen. Wer glaubt, sich nicht fügen zu können,

dem steht die Tür weit offen.

.(Erneute stürmische Zustimmung der Norddeutschen.) Wer es mit seinem Inneren nicht verantworten kann, unter uns zu bleiben, der mag von dannen gehen. Wenn es nach den Parteigenossen in Berlin gegangen wäre, wäre die Resolution noch etwas schärfer ausgefallen. Wenn es den Badenern ,Spaß mackst, mögen sie sich außerhalb des Rahmens der Partei fteUen. I ch gehöre auch nicht zu den Dummen. (Zuruf bei den Süddeut- schen: Na, na! Große Heiterkeit.) Ich fordere die Achtung vor den Beschlüssen des Parteitages, und wir müssen diese Achtung eventuell erzwingen, ganz gleich, ob im Osten, Westen, Norden oder Süden dagegen verstoßen wird. (Lebhafter Beifall bei den Nord­deutschen und auf den Tribünen.)

Eng ler (Baden): Wenn Sie kein anderes Mittel haben, uns zu schwächen, als das Berliner Geld, damit schrecken Sie uns nicht. (Unruhe.) Die Budgetfrage ist eine praktische Frage, und da muß die Fraktion die Freiheit haben, zu tun, was der Moment erfordert.

Haase (Königsberg): Die Gründe der Badener sind ab­geschmackt und verbraucht: es sind verrostete Waffen, mit denen die Nationalliberalen von Niederlage zu Niederlage schritten.

Riehm (Dresden): Die Badenser haben im guten Glauben, gehandelt. Meine Dresdener Genossen kennen genau diese meine Stellung und haben mich trotzdem zum Delegierten gewählt. Auch wir unterschätzen nicht die Wichtigkeit der Prinzipien. Ich bin der Meinung, man solle nicht zweierlei Maß anwenden.. Früher hat man aber Beschlüsse gegen Parteitagsbeschlüsse tfairni gerügt, und jetzt toilt man gewissermaßen

einenGeßlerhulaufrichten.

(Sehr gut) Will mau die Genossen zu Heuchlern erziehen?

Feißner (Dresden): Der Genosse Riehm hat nicht im winue der übergroßen Mehrheit der Dresdener Genossen ge­sprochen. Wir dürfen nicht auf den Boden der Konzessions- Schulz ens-Politik treten.

Kolb (Baden): Die Badenser haben den Mut der Ueber- zeugung gehabt, die Sachsen haben in ihrer Begründung der Ab­lehnung des Budgets nur ein Scheinmanöver ausgefuhrt. (Wider­spruch.) Das war

ein sächsischer Schildbürgerstreich Man kann nicht jedesmal einen Parteitag einberufen, wenn eine Bewilligung des Budgets in Frage kommt. Sie werden keine Fraktion zwingen föiuien, unter allen Umständen gegen das Budget zu stimmen. Wollen sie die ganze Fraktion zum Austritt aus der Partei zwingen? In Baden wäre ein ganz anderes Budget zustande gekommen, toeim wir nicht einen starken Einfluß auf seine Gestaltung hätten ausüben können. Das Zentrum Hat bei uns Himmel und Holle in Bewegung gesetzt, um das von uns und den Liberalen aufgestellte Budget anders zu gestalten. Daher hatten wir das Recht unb die Pflicht, das Budget, wie es, war, zu bewilligen.

Süßheim (Nürnberg): Die Ablehnung des Budgets hätte nicht die schlechten Folgen gehabt, wie man uns hier erzählt

Keir (Stuttgart): Ick) lehne es von vorneherein ab, in das Prokruftosbett der Revisionisten oder in das der Radikalen mich zu legen. Ich bin aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß mir unmöglich mit den Nürnberger .Beschlüssen weiterkommen.

Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen werden die Verhandlungen auf morgen vertagt. Große Heiterkeit erregte unter den Delegierten die Mitteilung, daß den Revisionisten ein Paket mit Stricken zugegangen sei.

Nach Schluß der heutigen Verhandlungen vereinigten sick) die Deligierten mit den Magdeburger Genossen im Sitzungssaale zu einemKonzertabend", ßu dem auch eine Reihe Lichtbilder vorgeführt wurden. Die heutige Abendvorstellung sollte dazu dienen, den Genossen das Lichtbild als Anschauungs­unterricht der sozialdemokratischen politischen Agitation vor Augen zu führen. Wir werden also wahrschein- lich schon bei den näckstten Reichstagswahlen.mit sozialdemokratischen Lichtbildervorträgen zu rechnen haben. Die Bilder waren zum Teil dem bekamtten sozialdemokratischen Parteiblatt derWahre Jakob" entnommen, dessen Verleger der Parteitagsvorsitzende Verlagsbuch­händler Dietz in Stuttgart ist, zum anderen Teil waren sie be­sonders gezeichnet worden. Sollten, so hieß es, in der Kund­gebung der Veranstalter für den heutigen Abend, wie wir hoffen, diese Darbietungen bei den Parteigenossen im Lande Anklang finden, so müßte um die Lickstbilder im Wahlkampfe überall ver­wenden zu können, natürlich Vorsorge getroffen werden, daß die neuesten politischen Vorgänge durch berufene Zeichner rechtzellig fixiert werden. Witter-

2lit» Stadt und Land.

Gießen, 21. Sepi. 1910.

Das 18. Armeekorps im Korpsmanöver.

Der zweite Tag war ein böser Tag für die Truppen. Schon vorgestern abend, bald nachdem die Biwaks aufgeschlagen waren, begann es zu regnen und es regnete die ganze Nacht durch. Es wurden infolgedessen von einigen Truppenteilen noch in später Abendstunde Notquartiere bezogen. Um 4 Uhr Dienstag früh begann schon der Abbruch der Feldlager und der Vormarsch. Bon Osten stiegen die Hessen aufwärts gegen Ulrichstein, von Südwester strebten die Preußen auf der Straße SchottenRebges- Hain auf die Höhe. Bei Ulrichstein gerieten die Vorpostenketten ineinander. Die 25. Division (Rot) kam von Lauterbach über ^rischborn, Eisenbach, Dirlammen und nahm bei Hopfmannsfeld, Eichenrod und Hörgenau Aufstellung. Die 21. Division mar­schierte von Rudingshain und Götzen an der Feldkrückcrhühe vor­bei, über Wiesenhof, Selgenhof und Rebgeshain Hier entwickelten nch ihre Schützenlinien. Es regnete unaufhörlich. Das Gefeckst spielte sich um Engelrod- Hörgenau ab. An Biwak war natür­lich bei dem Regenwetter nicht zu denken, zumal die Felder voll- i:c..idig oon Wasser und Schmutz starrten. Tas ganze Armee- torp, bezog daher im l-oheu Vogelsberg Notquartiere, und zwar

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O der Hessens statt. Der Bischof

Meteorologischeveobachtungen der Station Eichen.

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18. Oktober findet hier katholischen Kirche von Mainz wird am

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um Ulrichstein, Engelrod, Herbstein, Helpershain, Großfelda, Sei­bertenrod. Für die Nacht von Mittwvch auf Donnerstag soll Nachtgefecht bevor stehen, das dann schon in der Frühe des Don­nerstag beendet sein wird. Die Infanterie-Regimenter werden Donnerstag auf den Stationen der Bahnlinie GießenFulda verladen. In Nieder-Gemünden ist eine Zstiegskochlüche errichtet. Die Kavallerie und Artillerie hat noch sechs Marschtage und trifft am 29. September in der Garnison ein.

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" Unser neuer Noman, der heute in den Gießener Familienblättern beginnt, stammt aus der Feder des be­liebten Schriftstellers Fedor von Zobeltitz und heißt: Friedel halb-süß. Der Verfasser führt uns an den grünen Nhein, mitten in das vornehme Getriebe der Kur- und Weltstadt Wiesbaden zur Zeit des Kaiserbesuches. In seiner spannenden packenden 91 rt zeigt uns Zobeltitz das Geschick der berühmten Sektsirma Friedel, die durch die Ver- schivendungssucht der adelsstolzen Gattin des Chefs dem Ruin entgegengeführt wird. Sie hat es durchgesetzt, daß ihr Sohn, anstatt sich dem Geschäfte zu widmen, ein flotter Husaren- osfizier geworden ist, Friedel halb-süß ist sein Spitzname, aber es lebt doch ein Funke von der alten Art in seinem Blute und durch einen Freund, den Herzog von Abeel'en, gelänge es ihm beinahe, das Geschäft durch eine glänzende Idee zu retten, wenn nicht die Feinde wären. Besonders der junge Spannuth, Diane von Helldorf und Graf ©(bringen sind seine erbitterten Gegner und ihnen ist jedes Nüttel recht, um das Haus Fnedel zu vernichten. Schon im Theater beginnt der Kampf und wie er sich immer mehr zu­spitzt, wie die Rache zweier Frauen in heimlicher Wühlerei ihre Opfer sucht, wie der junge Friedel halb-süß in die unter­irdischen Kellereien eingesperrt wirb, das schildert Fedor von Zobeltitz, der selbst Offizier gewesen ist, in seinem Noman i t so starkem Temperament und mit so fesselnder Lebendig-

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19. bis 20.

19. 20.

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Vorabend eintreffen, am 18. die Weihe vollziehen und am 19. die Kinder firmen. Die prächtige Kirche hat Tombau- meifter Becker gebaut; sämtliche bunten Fenster sind von Be­wohnern Ockstadts gestiftet. Hinter der Kirche befindet sich das ebenfalls neu erbaute katholische Pfarrhaus.

R. B. Darmstadt, 20. Sept. Die Beisetzung des Staatsministers a. D. Wirklichen Geheimerats Dr. Ju­lius Frhr. von Starck erfolgte heute vormittag. In der Wohnung des Verstorbenen war der Sarg aufgebahrt; Oberhofprediger Ehrhardt hielt eine ergreifende Ge­dächtnisrede. Dann erfolgte die Ueberführung der Leiche nach dem Friedhof, woselbst eine große Schar von Leid­tragenden trotz des heftigen Regenwetters der Ankunft harrte und sich am Friedhofsporral dem von dem^ Geist­lichen geleiteten Sarge anschloß. Neben den drei Söhnen des Verewigten uird den übrigen Verwandten waren Staats­minister Ewald, Finanzminister Braun, Minister des Innern v. Hombergk, Geh. Staatsrat Krug v. Mdda, die Geheimeräte Frhr. v. Biegeleben, Wilbrand, Dr. Becker, Best, Dr. Weber und Süffert, ferner der Geh. Oberfinanz­rat Fuchs, Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert, Geh. Baurat Dr. Eser, Oberbürgermeister Dr. Glässing, Oberstaatsanwalt v. Hessert, Regierungsrat Dr. Kranz­bühler, Legationsrat Dr. Neidhart u. a. anwesend. An der Gruft verlas Oberhofprediger Ehrhardt den von der Auferstehung der Toten handelnden Teil aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther, Kap. 15, das mit den Worten schließt:Der Tod ist verschlungen in den Sieg; Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum!" Mit Gebet und Segen des Geistlichen schloß die Beisetzungsfeier und zahlreiche Kränze wurden an der Gruft niedergelegt, da­runter ein prächtiger Lorbeerkranz des Großherzogs, ein Kranz der Technischen Hochschule u. a. m.

Befugnis zu, das Urteil im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen. Der Beleidigte als Nebenkläger und die Staatsanwaltschaft legten Berufung eilt. Ersterer begründete sie damit,, er habe erfahren, der Angeklagte habe sich damit gebrüstet, daß er dem Anwalt chon mehr derartige Beleidigungen in das Gesicht gesagt habe und daß er sich vorgenommen habe, ihm diese Beleidigung im Gerichtssaal an den Kopf zu schleudern. Aus diesem Grunde sei er jeglichem Vergleich abgeneigt gewesen. Nachdem die Staats­anwaltschaft eine Geldstrafe von 50 Mark beantragt hatte, erkannte das Gericht auf 15 Mark, indem es hervorhob, daß der Be­leidigte dem Angeklagten zu feinem Vorgehen keinen Anlaß ge­geben hat und besonders nicht in verletzender Form von feinem Recht Gebrauch gemacht hat. Andererseits wurde der Gesundheits­zustand des Angeklagten und der Umstand, daß ihm solche Aenße- rungen im Verkehr mit den Handelsleuten sehr geläufig sind, "trafmildernd in Betracht gezogen.

Anläßlich der Bürgermeisterwahl zu Wohnbach

oll der Landwirt W. W. geäußert haben, H. K. könne man nicht zum Bürgermeister wählen, da er seine Familie um 16 000 Mk. gebracht habe. Am Schöffengericht fehlte es am Nachweis, daß die Beleidigmrg gefallen ist, weshalb Freisprechung erfolgte. Der Kläger verfolgte Berufung, die an der Straftammer zu einem Vergleich führte, da der Angellagte erklärte, falls er die Aeuße- rung getan habe, nehme er sie unter dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Der Kläger zog hierauf den Strafantrag zurück.

Märkte.

Gießen, 20. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wocken- matkte kostete: Butter pr. Pfd. 1.301.40 Mk., Hühnereier 1 St. 89 Big., Enteneier 1 Stück 0 Pfg., Käse pr. St. 68 Ps., Käfematte pr. Ct. 56 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Hühner pr. St. 1,001,60 Pik., Hahnen pr. Stück 0,801,80 M., Enten vr. Stück 1,802,20 All., Ochsenfleifch pr. Psd. 8492 Pfg., ^Rindfleisch pr. Pfund 8084 Psg^ Kuhsleisch 70 Pfg., Schweine- leisch pr. Pfund 8096 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 8688 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6084 Pfg. Kartoffeln (neue) pr. 100 Kg. 7.00 bis 8.00 Mk., Zwiebeln per Ztr. 6,008,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Birnen per Pfd. 8 bi§ 12 Pfg., Aepsel per Pfd. 6 bis 12 Pfg., Zwetschen per Psd. 1015 Pfg., Nüsse 100 Stück 50 bis 00 Pfg., per Ztr. 000 Alk., Bohnen per Psd. 1400 Pfg., Weiß, kraut das Stück 2030 Psg. Niarktzeit von 82 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 20. Sept. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 10 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,003,50 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 0,00 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft ehr ruhig. Die Zufuhren waren aus Oberhessen und dem Ober- taunuskreis.

Kartoffelmarkt-Bericht vom 19. September 1910. Dortmund: Holländer Mäuse Alk. 3.70. C r e f e l d : Nieren, Paulsens Juli Alk. 3.20-3.50, Frühgelbc Nlk. 3.20-3.50. Köln: Kaiserkrone Mk. 2.300.00, Stieren, Paulsens Juli Mk. 3.603.80. Plaidt: Nieren Mk. 3.00. Mannheim: Frühe weiße Kaiser- rrone Alk. 3.50. (Alles für 50 Kg.)

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)( Gießen, 20. Sept.

Fahrlässige Bahntransportgesährdung

und Körperverletzung war dem Fuhrunternehmer K. I. und dem Wagenführer O. V. hier zur Last gelegt. Im Juli D. I. erfolgte in der 9Lähe des Bahnhofs ein Zusammenstoß zwischen der elektrischen Bahii und dem Fuhrwerk des I. Das Fuhrwerk ivurbc beiseite geschoben und I. herabgeschleudert, so daß er Verletzungen davontrug. Die Ermittelungen ergaben, daß I. mit einem sehr langen Wagen bei dem L>auptpoftamte neben dem Gleise herfuhr, um dieses nach der (£ilgntabfcrtigung; zu überqueren. Erst als er sich auf dem Gleise befand, sah er sick) um und da der Wagen schon nahe herangekommen war, hielt er die Pferde unwillkürlich an, um sie sofort wieder anzutreiben. Der Wagenführer Halle Signal gegeben, dieses wurde aber von I. überhört: auch hatte der Wagenführer die Bremse gezogen, aber zu spät. Die Fahrlässigkeit des I. erblickte das Schöffen­gericht darin, daß er sich vor dem Passieren der Schienen nicht umgesehen hat, und die des V. in dem nicht rechtzeitigen Bremsen. Daß die Körperverletzung des Angeklagten I. durch das Ver­halten des Wagenführers verursacht worden ist, konnte nicht als erwiesen angenommen werden, da eine Zeugin angegeben hatte, daS Ful)rwerk sei gegen einen Prellstein gefahren, wodurch I. voin Wagen fiel. I. wurde zu 15 und V. zu 10 Mark Geld­strafe verurteilt. Die Angeklagten und die Staatsanwaltschaft fochten das Urteil an. V. gab an, er habe, als er I. auf dem Gleise bemerkte, sofort beide Bremsen gezogen und laut Signal gegeben, aber der Zusammenstoß sei nicht mehr zu vermeiden! gewesen. Er berief sich auf das Glllachten des Betriebsleiters des Elektrizitätswerks, der auch diese Angaben bestätigte und weiter ben^ertte. ein zu starkes Bremsen an einer abschüssigen Stelle könne gefährlich werden, da die Räder dann außer Betrieb kämen und der Wagen wie ein Schlitten weiterrutschtes fei nicht mög­lich, einen Wagen auf 10 bis 12 Meter zum Stehen zu bringen, wie dies das Schöffengericht angenommen hat. Auf Grund dieses Gutachtens mußte der Angeklagte V. freigesprochen werden. Die Berufung des I., der nicht rechtzeitig erschien, wurde verworfen.

Ein Vergehen gegen das PerfonenstandSgesetz

fand die (Straftammer in dem Unterlagen des Aufgebots in dem Wohnorte der Brant. Ein Standesbeamter hatte eine Trauung vorgenommen, ohne in denc seitherigen Wohnort der Braut das Aufgebot vollziehen zu lassen. Im Drang der Geschäfte fratte der hochbetagte Angeklagte dieses versäumt, weshalb er mit drei fUiart Geldstrafe durchkam.

Die Beleidigung eines NechtSanwaltS

im Gerichtssaal brachte ben Landwirt K. E. hier unter Anklage. Dem Angeklagten war vom Gericht in einer Prozeßsackie, in der der Anwalt den Gegner vertrat, der Eid zugeschoben worden.. Als er sich zur Leistung des Eides vor dem Gericküstisch befanb, machte ihm der Anwalt Vorstellungen, worauf er dessen Verhalten alsJudenpossen" bezeickmete. Der Anwalt war hierüber so empört, daß er wiederholt Abbltteleisttlngen zurückwies und sich auch zu keinem Vergleich verstand, als der Angellagte eine größere OKldbuße anbot. Das Schöffengericht erkannte, unter Berücksichtigung des leidenden Zustandes des Angellagten, auf die Minimalstrafc vmr 3 Uark und sprach dep; Beleidigten hic

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Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 22. Sept. 1910: Zeitweise heiter, nur noch einzelne Regenschauer, anhaltend ehr kühl.

Eiu ausgezeichneter Erfolg.

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Mein dreijähriges Söhnchen Wilhelm hatte letzten Winter die Atasern zwar glücklich überstanden, war aber dadlirch sehr von Kräften gekommen, und seine Widerstandsfähigkeit war sehr zurück- gegangen. Ich gab dem Kleinen nun eine Zeit lang Scotts Emulsion zu feiner allgemeinen Stärkung und Wlederaufrichtung, was mir auch bestens gelungen ist. Nach verhältnismäßig kurzem Gebrauch ist der Kleine heute em dicker, wilder Junge, dessen Befinden mchts zu wünschen übrig läßt". (gez.) Frau Volk.

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