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20.6.1910 Erstes Blatt
 
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Ich verbleibe

zugehen.

Ich verbleibe

Ihr wohlgeneigter König Wilhelm R.

Ihr wohlgeneigter König Wilhelm R.

Tas Handschreiben cm den Minister v. M o l t k e hat folgenden Wortlaut:

Mein lieber Staatsminister von Moltke!

Nachdem ich Ihnen burd) Erlaß vom heutigen Tage die n ad; gesuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt habe, kann ich mir nicht versagen, Ihnen für die treuen Dienste, welche Sie in Ihren mannigfachen Aemtern mir und dem Vaterlandc geleistet haben, meinen königlichen Tank auszusprechen. Als Zeichen meines Wohlwollens verleihe ich Ihnen die Königliche Krone zum Roten Adlcrorden erster Klasse mit Eichenlaub und laste Ihnen die Dekoration hierneben zugehen.

lich-anhaltischer Staatsminister und Bevollmächtigter zum Bundesrat. Anfang 1910 wurde er zum Sbcrpräftdenten von Schlesien ernannt.

Die beiden neuen Minister sind nicht unbekannt und politisch schon scharf hervorgetreten. Freiherr v. Schor lemer, der Katholik ist, stand an der Spitze der dem Zentrum abgeneigten deutschen Vereinigung, die bei den letzten Reichstagswachlen sich die tatkräftige Förderung der Bülow'schen Blockpolitik angelegen sein ließ. Auch bei der Beratung der Wahlrechtsvorlage im preußischen .Herren Haus suchte er durch seine bekannten Vermittelungsantrig- den zerrissenen Draht zwischen Konservativen und Liberalen wieder anzuknüpfen, allerdings bei dem mangelnden Ent­gegenkommen beider Parteien ohne Erfolg.

Herr v. Schor lemer, der neue Landwirtschafts­minister, ist am 29. September 1856 in Alst, Kreis Stein- furt i. W. geboren. Er besuchte die Universitäten in Würz bürg und Göttingen, wurde Reserendar in Göttingen, Os­nabrück und Celle, machte 1884 sein Assessorexamen, war dann Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft in Pose:, und dann in Düsseldorf. Im Jahre 1888 wurde er Justitiar bei der Kgl. Regierung in Magdeburg. Zwei Jahre später wurde er Landrat in Neuß. Im Jahre 1898 wurde er Lberprasidialrat in Magdeburg, ein Jahr später Vorsitzen der der neu errichteten Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz. Im März 1900 trat er aus dem Staats­dienst aus. Am 14. Januar 1901 wurde er ins Herren haus berufen, im Jahre 1905 wurde er zum Oberpräsi- denten der Rheinprovinz ernannt.

Herr v. Dallwitz, der neue Minister des Innern, gehörte zu den sog. K'analrebellen und wurde als solcher mit den anderen frondicrenden Landräten gemaßregelt. Später war er Staatsminister von Anhalt und feit vorigem Jahr Oberpräsident von Schlesien. Seine Ernennung zum Minister des Innern hat nicht überrascht, da man feine Breslauer Tätigkeit lediglich als ein Uebergangsstadium cmfaf).

Johann v. Dallwitz, der neue Minister des Innern, war schon einmal Minister und zwar im Herzogtum An­halt. Er ist im Jahre 1855 in Breslau geboren, wo er jetzt als Oberprasident wirkte Er hatte die Universitäten Bonn, Straßburg und Leipzig besucht und war als Regie - rungsassessor in Königsberg und Liegnitz tätig, in den Jahren 1887 bis 1899 war er Landrat des Kreises Lüben. Er wurde bann Regierungsrat beim Oberpräsidium in Posen. Im Jahre 1900 wurde er Vortragender Rat im Ministerium des Innern, schied aber 1902 aus dem preußi sehen Staatsdienst aus. Ein Jahr darauf wurde er herzog-

wird leider nicht erwähnt: auf natürlichem Wege gebildet wird, genau wie die Perlen in den Muscheln; daher besteht diese Perlen­art cbensalls aus einzelnen Häuten. Wie verlautet, soll Fürst Albert oon Monaco sich für diese Entdeckung lebhaft interessieren.

Einlukullisches" Mahl. Wie uns Plinius be­richtet, verfielen die durch das Uebermaß des Tafelluxus abge­stumpften Römer seinerzeit darauf, als ein neues Reizmittel für ihren Gaumen sehr große, in den Eichenbäumen vorkommende Würmer,Eossus" genannt, zu verspeisen. Was mögen dies nur. fürWürmer" gewesen sein? Der römische Natursorschcr be­schränkt sich auf die kurze Angabe daß sie in Eichenbäumen zu finden seien. Der berühmte französische Gelehrte Fabre, der im April dieses Jahres sein 50 jähriges Jubiläum als Insekten- scrscher feierte, erzählt davon inEin Blick ins Käserleben" ''Stuttgart, Franckh'sckw Verlagshairdlung) folgende kleine Ge- schick.te:Außer den Larven des Heldbocks und des Hirschkäfers, in denen man den berühmtenWurm" des römischen Natur- ft,rschers wiedererkennen will, ist mir noch eine Larve bekannt, die vermutlich der echte Eossus ist. Gesunden habe ich sie aus felgende Weise: Ich begab mich eines schönen Wintemachmittags, mit einem kräftigen Brechwerkzeug versehen, auf einen Baumschlag, aus dem ich schon vor einiger Zeit Fichtenstämme bemerkt hatte, in denen geräumige Freßgänge zu sehen waren, und fing an, in ein paar Stümpfe einzudringen. Das Holz, das außen^dürr und trocken ist, besteht im Innern aus weichen, zunderartigen Schichten, und in diesem seuchten, warmen Moder wimmelt es non feisten Larven in der Dicke eines Daumens. Sie sind von hübscher Elsen- beinfarbe und haben eine seidenweiche Haut, so daß sie, wenn das Voiurteil nickt wäre, sogar 'Xppetit erregend wirken könnten. Denn jede dieser Larven sieht aus wie ein von frischer Butter strotzender, durchsichtiger Darm. Bei diesem Anblick kommt mir ein Gedanke: Ms ist derEossus", der eckte Eossus, mit dem sich die ungefüge Heldbocklarve gar nickt messen kann. Warum soll ich nicht das vielgenihmte Mahl versuchen? Die Gelegenheit ist günstig und kommt vielleicht nicht so bald wieder. Ta uns über die Art, wie die Eossus zur Zeit der Cäsaren zubereitet wurden, nichts überliefert ist, so wähle ich ein möglichst einfaches Verfahren. Au kleine Spießchen gereiht, werden fie auf dem Rost einer lebhaften Kohlenglut ausgesetzt. Eine Messerspitze Salz als nnerläßlickies Gewürz tüt umere Speisen ist die einzige Zugabe. Der Braten bräunt sich, schrumpft ein wenig zusammen und weint ein paar dicke Oeltränen, die bei der Berührung mit den Kahlen Feuer fangen und mit einer schönen, weißen Flamme brennen. Das Mahl ist fertig und wird noch warm aufgetragen. Ter Braten ist saftig, weich und würzig. Es hastet ihm ein Geschmack wie von gerösteten Mandeln an, den ein seines Vanillenaroma noch seiner macht. Kurz, meine Tischgenossen finden das Wurmgericht sehr annehmbar, ja, man könnte sagen, vorzüglich. Nur die Haut läßt zu wünschen übrig, fie ist zu zäh. Es ist wie eine delikate Wurst in Pergamentpapier; der Inhalt ist köstlich, die Hülle ungenießbar!

Arinst, Wissenschaft uuö Leben.

Tie Horen-Ausgabe von Schillers sämt­lichen Werten in 16 Bänden, die der durch seine Propyläen- Äusgabe von Goethes sämtlichen Werken gesdsätzte Verlag Georg Müller in München ankündigt, wird bei allen Schiller-Verehrern den gebührenden Beifall hüben. Die Ausgabe, die auch bic Briese enthalten wird, fußt aus den Texten der besten Sckftl.'r- Ausgaben unter Hinzuziehung alles neu aufgerunbenen unb ver­folgt ebenso wie die Propyläen-Ausgabe von Goethes Werken den Gruiidsatz der zeitlichen Anordnung, ohne natürlich dabei in pedantische Zerstückelung des innerlich Zusammengehörigen zu verfallen. Von allen Anmerkungen und sonstigem Eritndxm Ap­parat ist in der Horen-Ausgabe, die dem lebendigen Gemme be­stimmt ist, abgefchen. Der Druck auf eigens hergestelltem reuten Hadernpapier mit Schillers Unterschrift als Wassereichen bepngt in alter Fraktur W. TrugiUin in Leipzig. Zu Weihnachten 191U werden zwei Bände uorliegen. Im Anschluß an die Horen-Aus gäbe werd n in gleicher Ausstattung unb in gleichem Format zwei Ergänzungsbände veröffentlicht werden, die eine ^Biidet- funbe Schillers' und feiner Werke, feiner Berwattdten, Freunde unb Wohnstätten in Lichtdruck unb .Kupfergravüre enthalten, ferner Einblattdrucke, Schriftproben, Dokumente ufiv. Der erste Band: Schiller unb Sckftllers Werke nach Bildern und Stickten aus der Zeit" wird zu'Weihnachten fertiggestellt fein.

Neue Blumen. Aus London wird berichtet: Der Blumenfreund und der Botaniker, der die kürzlich eröffnete große Aufstellung für Gartenkunst in den Londoner Temple-Gardens besucht, wird durch einige neue Blumen überrascht, die bisher so gut wie. völlig unbekannt waren. Besonders fallt eine Art Rhododendron auf, die erst vor kurzem in Ncordchtna ent­deckt wurde Sie unterscheidet sich sehr stark von den bisher bekannten unb gezüchteten Rhododendron. Eine neue Art der selben Pflanze macht bei den Fachleuten Aufsehen: bic Blumen sind zweimal so groß wie alle bisher bekannten Rhododendroit- blütcn, prachtvoll ist vor allem die Farbe, em zartes, aber bock dabei leuckstträstiges Rofa. Aucki em neuer Bastard der Asckenpflanze fesselt bic Fachleute: bic Blätter ftnd^ von emem Weiß, das nur leicht ins Grünliche spreit, rn der <vorm zeigen sie eine gewisse Verwandtschaft mit dem Laub von^ wildem Eieu, wahrend die Blüten die geometrische Form etnes Sternes haben.

Eine neu entdeckte Perlenart. Orazw Grano in San Diemo bat jüngst in einem Mollusk eine neue Perlenart entdecke. Für gewöhnlich ist diese Perle auf einer ec.te kugelig gewölbt und auf der anderen abgeftackst: ihre ?yaroe ist manchmal lilbent unb manchmal golden, unb zuweilen hat sie den -schimmer der orientalischen Perlen. Tie Perle ist zuweilen unburdmd)tig und matt, manchm ft glänzt sie lebhaft; ihre Gröxe icvwanit zwischen 4 unb 12 Millimeter Durchmesser, zuweilen icbod) erreicht sie die Größe einer kleinen Nuß. Es handelt sich um eine JE er len» art, die in dem We.chtier (um was für eine Art es ftch grübelt.

Die Kretafrage.

In der Krctasrage scheint es auch^ohnc die angeregte Konferenz zu einer Verständigung der Schutzmächte zu kom­men. Folgende neueren Nachrichten liegen zu der Frage vor.

Paris, 18. Juni. Im heutigen M i n i ft e r r a t sprach Pichon über die kritischen Angelegenheiten. Die von Frankreich ergriffene Initiative habe bas Ergebnis ge- Dabr, einen Meinungsaustausch der Schutzmächte und Vvr- schlage zu veranlassen, in Betreff deren sich eine völlige II e b e r e i n st i m m u n g ergeben habe'. Sie habe sogar $ur Folge gehabt, die Beunruhigung zu mildern, welche in der ürtei entstanden war. Um sich die Achtung vor ihren i Entscheidungen zu sichern und um auf alle Fälle gerüstet ;u fein, würden die vier Mächte ihre Streitkräfte zur See in der Suda-Bay verstärken.

Rom, 18. Juni. Nach einer Meldung der Tribun«" at die Regierung der Absicht der Kretaschutzmächte, ein weites Schiff nach der Suda-Bay £U entsenden, int Prinzip zugestimmt. Der KreuzerFraneeseo Far» ruccio" soll bereits Befehl erhalten haben, sich zur Abfahrt bereilzuhalten.

Petersburg, 18. Juni. In Beantwortung des letzten englischen Vorschlages über Kreta unterbreitete die Regierung, obwohl sie sich bereit zeigt, ihm beizutreten and sofort ein weiteres Kriegsschiff in die kretischen Ge­wässer zu entsenden, den Kabinetten von London, Paris und Rom einige Betrachtungen, ohne ihnen jedoch das Ge­präge eines formellen Gegenvorschlages zu geben Danach glaubt das Petersburger Kabinett, daß in Anbetracht der Stimmung auf Kreta kaum zu hoffen fei, daß Kreta sich den Wünschen der Schntzmächte freiwillig fügen werde unb daß man daher als Endergebnis wieder eine Okkupation der Insel durch bic Schutzmächte unb die Heber nähme der kretischen Verwaltung durch sie vorausfehen müsse, ein Ergebnis. Pas aber erst nach einer langen Zeit toller Agitationen und Unruhen, die für die Aufrechterhal­tung des Friedens sehr gefährlich seien, eintreten würda, Urner diesen Umständen und der Unmöglichkeit gegenüber, alle Signatarmächte des Berliner Vertrages zu einer end- gültigen Lösung der Kretafragc ohne weiteres und ohne Wettstreit miteinander bereit zu finden, ist bic russische aiernng der Meinung, daß jede der vier Schutzmächie sofort zur Errichtung einer provisorischen Regierung seitens der genannten Mächte ein hinreichendes Truppenkontingent nach Kreta entsenden könnte. Befäirde sich das Streitobjett wieder in den Händen der vier Mächte, könne man auch auf eine allgemeine Beruhigung rechnen. - Hierzu führt dieNo- woje Wremja" unter der Ueberschrift:Rückkehr zum Alten" aus: Tie russische Regierung wählte den richtigen 'Sag.. Irgend ein Zufall kann die Türkei und Griechenland zu einem Schritt führen, den beide bereuen würden. Der russische Vorschlag beseitigt den Streitpunkt und macht einen griechisch-türkischen Zusammenstoß zwecklos und daher un­wahrscheinlich. Venn die Mächte den Ernst der Lage er­nennen, müssen sie den Vorschlag aimchmen, der eine ruhige Bestimmung des späteren Schicksals Kretas ermöglicht. Die Verwirklichung des Vorschlags verursacht Rußland Aus­gaben von Millionen, die aber eine Versicherungs^ Prämie für die Erhaltung des Friedens auf dem Balkan darstellen.

Konstantinopel, 18. Juni In Beantwortung auf bic Anfrage über bic Resultate ber Europareisc erklärte ber Minister des Aeußern R i f a a t Pascha, die Besprechun­gen in London und Paris hätten ergeben, daß bic vier Mächte, die Kreta in Depot bewahren, in ihren Gesinnungen bezüglich Kretas nichts geändert hätten, besonders was die Wahrung der ottomanischen Souveränität betreffe. Ties gehe aus der letzten 'Note ber Mächte an die Kreter hervor. Wir verlangten, fährt ber Minister fort, bic endgültige Lösung, bie Mächte erklärten, inbem sie auf politische Erwägungen hinwiesen, baß bic Zeit hierfür noch nicht ge* kommen sei Darüber sind wir mit ben Mächten uneinig. Wir setzen die Erörterungen fort unb bestehen auf end­gültige Lösung. Ter Minister glaube, daß er in ganz. Europa eine Verstimmung gegen bie Kreter bemerkt habe, was für die Türkei vorteilhaft fei; bic Pforte nehme eine feste Haltung ein, GebuId fei aber nötig, bie aber nickt als Schwäche betrachtet werde, weil die ganze Welt es wisse, daß die Türkei stark genug fei, um ihr Recht zu wahren. Der Minister wies bic Behauptungen der Presse zurück, daß die Haltung Englands der Türkei gegenüber nicht mehr- freundschaftlich sei und versichert, Staatssclrctär (Ärey habe seine .Haltung in der .Kretafrage nicht geändert. Auch die Haltung der übrigen .Kretamächte fei freundschaftlich. Der Minister hob schließlich den Unterschieb in der Behandlung ber alten und der neuen Türkei seitens der Mächte hervor. 'Auf eine Anfrage des Kreter Mahmed Ali betreffend die von Rußland vor^eschlagene schiedsgerichtliche Austragung erwiderte ber Minister, daß bei solchen Lebensfragen bie Anrufung eines Schiedsgerichts undenkbar fei, zumal die Rechte ber Türkei unbestritten sind.

Bukarest, 18. Juni Tie offizielleJndependanee Roumain.e" melden: Tic rumänische Regierung, bie Wert barauf legt, den genauen Tatbestand bei dem Angriffe auf den PostdampferImperatul Trojan" im Piräus fest - zustellen, ließ sämiftche Schiffsbücher oes Dampfers nach Bukarest kommen. Der Minister des Aeußern Djuva über-, mittelte dem italienischen Gesandten in Bukarest eine offi­zielle Note, in ber die rumänische Regierung nach Dar- legung des Sachverhalts Genugtuung fordert, bic von der griechischen Regierung erwartet wird. Dadurch, daß Italien Imir dem Schutze der rumänischen Interessen bet Griechen-

Miniftenvechsel in preuhen.

Gießen, 20. Juni.

Unmittelbar nach der Schließung des preußischen Land­tags lammt aus Berlin die Nachricht von ber Neu besetzung zweier wichtigen Ministerten, ber Landwirtschaft und bes Innern. Am Samstag nachmittag ging uns hierüber folgendes Telegramm zu:

Berlin, 18. Juni Tem Landwinschaftsminister von Arnim unb dem Minister des Innern von Moltke ist die nachgefuchte Entlassung aus ihren Remtern unter Ver­leihung der Königlichen .Krone zum Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub erteilt worden. Der Oberpräsident ber Rheinprovinz Frhr. v. Schorlcmcr wurde zum Land- wirtschaftsminister und der Oberpräsident der Provinz Schlesien von Dallwitz wurde zum Minister des Innern ernannt.

Tic Ruhcstandsversetzung des Ministers des Innern kommt nicht weiter überraschend. Man wußte, daß Herr von Moltke sich auf seinem Posten als Minister nicht recht wohl fühlte unb lieber als Oberpräsident in Königs­berg geblieben märe, von wo er vor etwa 3 Jahren in das Ministerium des Innern übergcfiebelt war. In Königs­berg war er wegen seines vorurteilsfreien und vornehmen Charakters bei allen Parteien sehr beliebt und man sah ihn nur ungern scheiden, als er am 22. Juni 1907 als Nachfolger des zum Staatssekretär ernannten .Herrn von Bcthmann- .HoUweg das wichtige Ressort des Innern übernahm. In feiner Ministertätigkeit ist Herr von Moltke nickt besonders hervorgetreten «und auch an der Beratung des cincp großen Resormversuchs, ber preußischen Wahlrechtsvor- tage, beteiligte er sich verhältnismäßig wenig. Inwie­weit der dabei erzielte Mißerfolg feine wohl schon längst vorhandene Rucktrittsabsicht beschleunigte, mag dahin­gestellt bleiben.

Daß der Lmckwirtschastsmiiiistcr von Arnim amts- müde sei, nahm niemand an und so kommt sein Rücktritt sehr überraschend. Er war feit 13. November 1906 im Amte und redlich und mit Erfolg bemüht, ein möglichst un­politischer Fachministcr zu fein, im Gegensatz zu feinem Vorgänger von Podöielsly. D-em Zusammenhängen ber ein­zelnen großen WirtschaftSamppcn stand er mit großem Verständnis gegenüber und suchte versöhnend und aus­gleichend zu wirken.

Der König hat an bie beiden aus scheidenden M in i st er Handschreiben gerichtet. Das Handschrei­ben an ben Landwirtschaftsmini ft er lautet:

Mein lieber Staatsministcr von Arnim'

Ick habe Ihrem Ersuchen um Entlassung aus dem Amte als Staatsministcr und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten burdi Erlaß Pom heutigen Tage entsprochen Um Ihnen heim Ausscheiden aus dem Staatsdienst ein besonderes Zeichen meinem Dankes und meines Wohlwollens zu geben, habe ich Ihnen tie ftömgliche Krone zum Roten Adlcrorden erster Klaisc mit Eichenlaub verliehen und lasse Ihnen bic Dekoration hierneben

Nr 1411 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 20. Juni 1810

Der «ictzenrr Anzei-er Ä ä <8ez««»pretS:

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