Ausgabe 
19.10.1910 Erstes Blatt
 
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retten. Um vier Uhr waren die Rettungsmannschasten bis zur Unglucksstelle vorgedrungen. Llußer den bereits ge­borgenen wurde noch eine weitere Leiche zutage ge- jördert. Es wird befürchtet, daß sämtliche noch ein­geschlossenen Bergleute infolge der Explosion ihr Leben eingebüßt haben Der Betrieb ist voraussicht­lich nicht gestört.

Bis zur Stunde herrscht aber noch nicht völlige Klar­heit und die Nachrichten lauten vollständig verschieden. Es soll gelungen sein, die Leichen von 14 Bergleuten zu bergen. Nach demB. T." würde es noch einer Reihe von Stunden angestrengtester Arbeit bedürfen, um an die Verunglückten heranzukommen.

Luftschiffahrt.

Die Preisverteilung der Berliner Flugwoche.

Berlin, 18. Okt. Nach der Entscheidung des Preis­gerichts über die Ergebnisse der Flugmoche vom 9. bis 16. Oktober in Johannistal erhielt Lindpaintner den vom Kriegsministerium gestifteten Preis von 25 000 Mk. und Jeann in den von einem ungenannten Patrioten gestifteten Preis von 15 000 Mk. Vom Kriegsministerium gestifteten Belastungspreis erhielt Brun hu der den ersten mit 5000, Wie nczierS den zweiten mit 3000 Mk., während der dritte von 1000 Mk. nicht gewonnen wurde. Den Bleichroeder- PreiS von 10000 Mk. und den Höhepreis von 4000 Mk. erhielt WienstzierS.

9 Luftschiffe vermißt.

Saint Louis, 18. Okt. Bisher ist von den zehn an der internationalen Wettfahrt um den Gordon-Bennet- PreiS beteiligten Ballons nur ein amerikanischer Ballon gelandet. Die drei deutschen BallonS wurden zu­letzt in der Nähe des Michigan-Sees beobachtet.

Der Schluß von wellmans Gzeanfahrt.

Die mit so großem Tamtarr^ eingeleitete Fahrt Wellmans ist schon wieder beendet. Spötterzungen haben schon. vor­her diesen Ausgang erwartet und auf seinemißglückte" Fahrt nach dem Nordpol aufmerksam gemacht, die er tatsächlich nur gemimt hatte. In Wirklichkeit hatte er nie die Absicht gehabt, nach dem Nordpol zu fahren. .Dasselbe wird nun von seiner Ozeanfahrt behauptet, bei der er allerdings 69 Stunden in der Luft war. Wir erhalten folgende Drahtnachrichten:

New York, 18. Okt. Nach einem drahtlosen Telegramm des Kapitäns des DampfersTrent", Dew, an die hiesige Ver­tretung der Royal-Mail-Linie, sichtete der Kapitän heute früh 5 Uhr den BallonAmerika". Dieser signalisierte, er brauche Hilfe. Nach dreistündigem Manöverieren bei starker Brise wurden Wellman und seine Begleiter, die sich alle wohl befinden, an Bord des DampfersTrent" gebracht. Die Rettung erfolgte ungefähr 450 Meilen südlich von Sandy Hook unter 3o Grad 43 Min. nördlicher Breite und 68 Grad 18 Min. westlicher Länge.

Newyork, 18. Okt. Eine drahtlose Meldung des Damp­fersTrent" an die Associated Preß besagt:Der Ballon Amerika" telegraphierte anTrent" um 4Vs Uhr früh, die Mannschaft wolle den Ballon verlassen.Trent" wurde ersucht, dem Ballon, der mit einer Geschwindigkeit von 12 Meilen da­hinflog, zu folgen. Die Niederlassung des Rettungsbootes des Ballons gestaltete sich sehr schwierig. Nachdem das Boot los­gemacht war, schoß der Ballon in die Höhe. Wellman erklärte, der Ballon sei soweit aus dem Kurs getrieben worden, daß er es nicht für ratsam gehatten habe, weiterzufahren. Ms der DampferTrent" die Bergung des BallonsAmerika" aufnahm war es 7,i/3 Uhr vormittags. Die Losmachung des Rettungsbootes des Ballons gestattete sich sehr schwierig (wie bereits gemeldet) und nahm viel Zeit in Anspruch. Ter Eqmld- brator drohte mehrmals, das Boot umMwerfen und riß ein Uei- nes Loch in eine Seite des Bootes. Der Ballon wurde nach der Aufnahme Wellmans und seiner Begleitung seinem Schicksal überlassen.

Washington, 18. Okt. Präsident Taft hatte das Marineamt beauftragt, alle Maßregeln zur Rettung Wellmanns zu treffen, nötigenfalls ein Kriegsschiff zu entsenden, um Well­mann aufzusuchen. Im Marineamt ist man der Ansicht, daß Wellmann Glück gehabt hat, weil der Teil des Ozeans, wo Weltmann aufgefunden wurde, außerhalb der gewöhnlichen Damoferroute liegt und nur zwei Dampfer den regelmäßigen Dienst zwischen Newyork uiid Bermuda machen. Jedenfalls aber habe der BallonAmerika" eine ununterbrochene Fahrt von 69 Stunden zurückgelegt und damit alle Distanz- und Zeittekords geschlagen.

Der Grkan auf Kuba.

N ewyork, 18. Okt. Wie derNewyorker Herald" aus Havanna meldet, stieg gestern die Wasserhöhe infolge ernes Orkans derart, daß der nördliche Stadtgürtel über­schwemmt wurde. Nach einer weiteren Meldung des Gencral-

Die Beerdigung meines lieben Gatten, unseres lieben

Balers Wilhelm Grümer

findet am Donnerstag den 20. d. M. nachmittags 2 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen.

Gießen, 19. Oktober 1910.__________________________<5822

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legt die Hausfrau mit dem Inhalt ihres Leinen­schrankes ein, wenn sich derselbe schneeweiss und unverdorben dem Auge präsentiert. Hierzu verhilft

Postmeisters sind ihm Nachrichten aus Pinar bei Rio zu- gegangen, daß die Städte Martinas, Guana le Grisa, Punto Earpes Cortes und der größte Teil von Artemiso zerstört worden sind. Das Blatt schätzt di e Z a hl de r auf Kuba Umgekommenen auf Tausend Die Bananen- und die Weizen ernte ist durch den Sturm vernichtet wor­den, so daß es nötig sein wird, das Ausland um Beihilfe zu ersuchen. Die Tabakernte wird höchstens zehn Prozent oer normalen Ernte betragen. Der Zucker litt weniger. .Das Wohnviertel Havannas steht zum größten Teile unter 28 aff er. Gestern abend gegen 10 Uhr ließ der Sturm nach.

Havanna, 18. Ott. Der Schaden beträgt mehrere Milli­onen Dollar. In den Provinzen find Tausende obdachlos. Die Tabakernte in den Provinzen Matamas, Pinar del Rio und Havanna ist vollständig vernichtet, die Zuckerernte ist schwer geschädigt. Man glaubt aber, daß nur die westlichen Provinzen von der tollen Gewalt des Sturmes getroffen worden find. Seit gestern abend ließ der Sturm nach.

New-Orleans, 18. Okt. Das Geschäftsviertel von Saint Augustine (Florida) ist von der Sturmflut über­rascht worden. Der DampferMercator" der Vaccaro-Linie ist mit 60 Personen im Sturme untergegangen. Das Unwetter richtete auch an den Fruchtbäumen der Halbinsel Florida be­deutenden Schaden an. Der Sturm ging vorn Zenttum der Halbinsel aus. Der Verlust wird nach vorsichtigen Schätzungen mit einer Million Doll ar angegeben.

Ein (Eifenbahnausftanb in Aegypten.

Kairo, 18. Ott. Eine große Zahl Angestellter des Netzes der Regierungsbahnen in Oberägypten ist in den Aus st and getreten. Sie verlangen höhere Löhne und lassen die Züge nicht weiterfahren. Der Ausstand dehnte sich auch auf die Werkstätten der Bahnlinie BulakKairo, zum Teil auch auf Unter-Aegypten aus. Aegyptische Truppen bewachen die Eisenbahnwerkstätten von Bulak. Unter dem Eisenbahnpersonal herrscht große Erregung. Die Polizei wurde mit einem Hagel von Steinen empfangen. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß, wobei viele Verwundun­gen vorkamen und mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. Die Polizei zerstteute die Ruhestörer. Die Ausständigen erheben auch gegen die Einziehung von Strafgeldern Widerspruch.

Bei dem Ausstand der Eisenbahnangestellten handelt es sich, wie weiter gemeldet wird, lediglich um die Angestellten in den Eifenbahnwerkstätten von Bulak, die die Abfahrt von Lokomotiven nach Oberägypten verhinderten. Die Ausständigen griffen den Eisenbahndirektor und andere Beamte an: die Polizei machte von den Schußwaffen Gebrauch und nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Haupteifenbahnverbindungen find nicht unterbrochen. Man glaubt im allgemeinen, daß die Ausständigen durch Einfluß von außen aufgereizt worden sind.

Kleine Tageschronik.

Am Dienstag früh 6 Uhr stieß der von Deisenhofen pb- gegangene Lokalzug bei der Einfahrt in die Station Taufkir­chen Unter-Haching infolge des Ueberfahrens des Haltesignals auf einen rangierenden Güterzug. Dreizehn Personen! wurden leicht verletzt: sechs Wagen des Personenzuges und fünf Wagen des Güterzuges wurden beschädigt.

In der Nacht voin Montag auf Dienstag brach in Berlin im Elisadethenstiil Feuer aus, das eine geistesschwache, last völlig gelähmte 90jährige Witwe namens Griewotett durch Un­vorsichtigkeit enlzündet hatte. Die alte Frau ist bis ^ttr Un- kenntlichkeil verbrannt. Eine Mitbewohnerin des Zunmers konnte sich retten Der Brand wurde von her Feuerwehr gelöscht.

Ter der Reederei A. K i r st e i n in Hamburg gehörige über­fällige DampferValeria", von Petersburg kommend, ist wahr­scheinlich bei einem SturrninderOstfeeuntergegang en.. Von der Besatzung wurden vier mit Rettungsgürteln versehene Leute auf der Insel Oesel als Leichen angetrieben: das Schicksal der übrigen zwölf ist unbekannt.

Durch ein Großfcuec wurde auf der Gutehofsuungshütte bei Osterfeld die Teerfabrik vollständig zerstört, die Flammen sprengten das Dach heraus und stiegen züngelnd hundert Meter hoch, so daß die 15 Feuerwehren, die zur Hilfe herbei­eilten, vollständig machtlos waren. Der Schaden beträgt zirka eine Viertelmillion.

Der im Jahre 1898 zu lebenslänglichem Kerker verurteilte Mörder der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ist irrsinnig geworden.

In einem Walde bei St. Cloud überschlug sich gestern ein Llutomobil, in welchem der Flieger Biolovuccie mit einer Freun­din saß: die junge Dame und der Lenker wurden schwer, der Flieger selbst nur leicht verletzt. Am Ausgange des Tunnels bei Dt. Cloud verlor ein anderes Automobil gestern ein Rad und überschlug sich. Der Lenker wurde gegen «einen Baum geschleudert und getötet; ein Freund von ihm wurde schwer, eine junge Dame leicht verletzt.

Ter zum Zolldirektor in Lome (Togo) ernannte Max Reinhardt wurde in seiner Wohnung in Trier mit durch­setz o f s e n e rn Kopfe aufgefunden. Reinhardt war verlobt und wollte in 14 Tagen heiraten. Es wird Selbstmord an­genommen, doch ist die gerichtliche Feststellung darüber noch nicht beendet.

Die Untersuchung gegen den Millionendefraudanten D u e z in Paris ist abgeschlossen. Duez wird wegen Fälschung,

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In dem russischen Grenzorte D o m b r o w a verübte die Menge an neun polnischen Burschen Lynchjustiz, weil sie eine Kapelle zerstört hatten. Alle neun wurden getötet.

handelt und Verkehr, Volkswirtschaft.

* Internationale Verhandlungen über Per^ sonen- und Gepäcktarif. In Bozen berät gegenwärtig eine Konferenz über den Entwurf eines internationalen, 11 eber einkomm ens über den Personen- und Ge- päcktarif. An den Verhandlungen nehmen Delegierte des- deutschen Reichseisenbahnamtes, des deutschen Reichsjustizamtes, des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, des bayerischen Verkehrsministeriums, des ungarischen Handelsmini­steriums, des ungarischen Justizministeriums, sowie des öster­reichischen Eisenbahnministeriums, des österreichischen Justiz- und' des österreichischen Handelsministers teil,

Märkte.

kc. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 19. Okd Ausgetneben waren 1613 Schweine. Voll fleischige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgew. 57,00 58.00 Schlachtgewicht 71- 73 Vit. Vollfleischige Schweine über 2 Ztr. Lebendgewicht 57.00 - 58.00 Mk.^ Schlachtgewicht 71 73.50 Mk. Vollfleischige Schweine über L^/r Ztr, Lebendgew. 57.0 58.00. Mk., Schlachtgewicht <3.0074 Mk. Fett-"

schweine über 3 Ztr. Lebendgewicht 57.0>>-57.50 Mk., Schlachtaew, 7273 Mk. Fleischige Schweine Lebendgewicht 53.5000.00 Mk., Schlachtgewicht 67.00-00 Alk. Sauen Lebendgewicht 0000 Mk., Schlachtgewicht 0000 Mk. Geschäft mittelmäßig, bleibt Ueberstand,

Amtlicher Wetterbericht.

Oefsentliche Wetterdienststelle Gießen.

Verlauf der Witterung seit gestern früh: Das westliche Ties« britdgebiel hat unter Verstärkung seinen Wirkungsbereich auS- gedehnt. In ganz West- und Mitteldeutschland sind daher leb­haftere Südwestwinde eingetreten, die völlige Bewölkung mit sich führen. An der Nordseeküste regnet es bereits. Die Zyklone über der Nordsee nnd dem norwegischen Meere bringt ostwärts fort­schreitend Regeniälle.

Wetteraussichten indessen am Donnerstag dem 20. Oktober 1910: Regenfalle, starke südwestliche, spater nach West drehende Winde, kühler.

GrisiiraL-DrahtnreLSurrgen.

Das Kabinett Venizelos.

Athen, 19. Mt. Kallergis hat das Portefeuille des Aeußern im Kabinett Venizelos abgelehnt. Man glaubt, daß der griechische Gesandte in Konstantinopel Gry- Paris Minister des Aeußern wird. Das erst jüngst ge­schaffene Ministerium für Handel wird Binachi, Ob­mann der griechischen Kolonie in Alexandrien, übernehmen.

Konstantinopel, 19. Okt. Wie authentisch ver­lautet, beschloß der Mi nist er rat, welcher über die an­läßlich der Bildung des Kabinetts Venizelos gegenüber Griechenland zu beobachtende Haltung beriet. Die Be- ziehungen zu Griechenland nicht abzubrechen und die Haltting nach dem Vorgehen des Kabinetts Venizelos ettr- zurichten. Dem türkischen Gesandten in Athen wurde eine Verlängerung seines Urlaubs gewährt.

Die neueste türkische KrifiS.

K o n st a n t i n o p e l, 18. Okt. Sicheren Informationen zufolge gipfeln die Vorschläge des Kriegsministers in einer selbständigen Fin anzv erwaltun g des Kriegs­und Marineressorts, sowie in der Unabhängigkeit bei Bestellungen. In dem heutigen Ministerrat scheint der Kriegsminister seinen intransingenten Standpunkt in­folge oer Einwirkung des Großwefirs aufgegeben zu haben. Er machte bezüglich einiger Punkte Konzessionen. Nach längerer Beratung wurde beschlossen, die ,Vorschläge des Kriegsministers als Gesetzesnovelle der Kam­mer zu unterbreiten. Inzwischen soll das Miegsmini- sterium dem Gesetz über Den Oberrechnungshof unterstellt werden. Nach dem Mini st errate wurde den Journa­listen amtlich mitaetettt, daß eine Verständigung an­gebahnt und Die Gefahr einer Krise gehoben i'ei. »

Bad-Nauheim, 19. Okt. (Privattelegramm). So­eben sind 400 Maurer in den Aus st and getreten. Sie verlangen 50 Pfennig Stundenlohn.

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Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Birklar.

Die Versteigerung der Maffegrundstücke findet an Ort un8 Stelle

Montag, den 24. Oktober 1910 statt.

Zusammenkunft hierzu vormittags 91/? Uhr am Ortsausgan» nach Lich, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt ge­geben werden.

Friedberg, den 12. Oktober 1910.

Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Schnittspahn, Großh. Kreisamtmann.

Geschäfts-Eröffnung.

Hiermit die ergebene Mitteilung, daß ich in (Sieben, Walltor­strasse Nr. 6 ein

Milch-, Biltier-, An- uiiii Käse-Geschäft errichtet habe. Es wird mein Bestreben fein, stets gute und billige Ware zu liefern.

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