von Angebot und Nachfrage. Um sittliche freie Persönlichkeiten zu schaffen, müssen wir selbst sittlich frei werden und deswegen möchte ich, daß Sic eine einstimmige Kundgebung dahin beschließen: In dieser Haupt- und Kernfrage der Schulaufsicht ist die deutsche Lehrerschaft einig. Stoen Sie uns auf das Roß, reiten werden wir schon können. «Stürmischer Beifall.)
Lehrer Kroll «München»: Die Hauptpslicht bleibt für uns, daß die Schulaufsicht gereinigt wird. Bor allem muß die Geiß lichkeit aus ihr entfernt werden, die von der Volksschule nichts versteht, das ist viel wichtiger als die Frage der Schulaufsicht der Rektoren. — Lehrer Reinhardt (Köln): Die Forderung des TageS ist: Fort mit jeder Lokalaufsicht. Darüber muß heule eine Nippe und Nare Entscheidung fallen.
Es folgt die Abstimmung, in der die Thesen Salchows angenommen werden. Eine Sonderaussprachc findet nicht statt.
Dors. Röhl: Meine Herren! Ich habe Ihnen eine Entschließung der Vertreterversammlung mitzuteilen, die folgenden Wortlaut hat:
„Da trotz mancher Besserung die Gehaltsordnung der deutschen Lehrer in keinem Staate den berechtigten Forderungen entspricht, beauftragt die 23. Bcrtretervcrsaminlung den geschästssührendcn Ausschuß, zur Erörterung der wirtschaftlichen Lage der Volksschullehrer die geeigneten Schritte zu unternehmen."
Evangelisch-Sozialer ltongretz.
2$. Chemnitz, 17. Mai.
Hier trat heute der diesjährige Evangelisch-Soziale Kongreß zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung zusammen. Es waren etwa 1000 Personen erschienen, darunter Geheimrat H a r n a ck , Reichstagsabgeordneler Naumann und Geheimrat Wagner. Bor allem tvaren auch die sächsischen Theologenkreise stark vertreten.
Professor Wendt (Chemnitz) begrüßte die Versammlung. Darauf ergriff Lalidesökononiieral N o b b e das Wort, der selbst früher 12 Jahre lang die Leitung des Kongresses inne hatte und der betonte, daß er auch den furchtbaren Sturm habe mitmachen müssen, der den ganzen Kongreß beinahe zum Scheitern gebracht hätte. Damals war es nur dem Eingreifen Wagners zu verdanken, daß er weiter existierte, ihm habe der Kongreß überhaupt viel zu danken. Der Redner ging bann auf die Geschichte des Kongresses ein.
Der bekannte Superintendent Mcher (Zwickau) überbrachte die Grüße des Evangelischen Bundes für das Königreich Sachsen.
Geheimrat Wagner, mit lebhaftem Beifall begrüßt, führt auS:
Ms echter deutscher Gelehrter, nicht als Exzellenz unb Geheimrat, als deutscher Professor in aller seiner Einseitigkeit spreche ich zu Ihnen. (Heiterkert.) Wie kam es, daß eine so eigentümliche Bildung nm? der Evangelisch-Soziale Kongreß sich entwickelt und behauptet hat, obgleich unsere Verhältnisse doch so ziemlich zerfahren hat. Das erklärt sich historisch. Früher war die Nationalökonomie auf den Standpunkt eingeschworen, daß immer das Wort gelten müsse: laiscr faire. Das mar eine optimistische Lehre, die eine Entfaltung des Egoismus brachte und kiefern freie Entfaltung ließ. Damals war cs der sächsische Nationalökonom Wllhelm Roscl>er (Leipzig), der von der bisherigen Ansicht abwich und bewies, daß die wirtschaftlichen Grundlagen mit dem evangelischen Christentum und speziell auch mit dem positiven Christentum zusammenhängen. Die ganze nationalökonomische Entwicklung verdankt diesem sächsischen Gelehrten außerordentlich viel. Die praktischen wirtschaftlichen Probleme siird auch am meisten in Sachsen ausgetreten, mag das Stammesanlage sein, oder mag das an der besonderen Entwicklung der sächsischen Industrie liegen. Eigentlich ist ja Sachsen sehr benachteiligt, weil es so fern von der See liegt, Sachsen hat aber am meisten dazu beigetragen, das große Problem von Kapital und Arbeit in den Vordergrund zu stellen. Auch die wirtschaftliche deutsche Entwicklung verdankt Sachsen viel. Wenn wir jetzt auf die historische und politische Entwicklung zurückblickcn, so nehmen wir sie als etwas Gegebenes an. Auch in Sachsen steht man jetzt auf diesem versöhnenden Standpunkte. Man erkennt die innere historische Notwendigteit an. Daß die deutschen Fürsten einen Hohenzoller zum Kaiser wählten und treu zu ihm standen, war von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Erstarkung des deutschen Vaterlandes. Freilich haben wir noch viele Neider hüben und drüben, jenseits des Kanals und des Ozcans. Aber Schattenseiten sind nicht zu vermeiden. Immerhin können wir auf erfreuliche Fortschritte blicken. Mlerdings hat schon Stöcker gesagt, daß lebet wirtschaftliche Aufschwung auch große Gefahren birgt. Darum ist es notwendig, daß ein Evangelisch-Sozialer Kongreß sich bildete, daß endlich auch die Ueberzeugung sich durchringt, daß das wirtschaftliche Leben mit ethischen, religiösen und christlichen Begriffen zusammenhängen muß.
Der Redner spricht dann in längeren Ausführungen über das Thema der Versöhnung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Nicht nur von Seiten der Unternehmer, sondern auch der Arbeiter ist viel gesündigt worden. In dieser Hinsicht muß der Evangelisch-Soziale Kongreß noch versöhnend und aufklärend wirken. Es ist ein alter Fehler der deutschen Professoren, auch mir geht es so, daß sie zu leicht wieder in den Kathedevwn verfallen und dozieren. Aber jetzt ist die Kritik überall wieder voran, überall wird getadelt. Bei einem Vergleiche aber des deutschen Volkes mit jedem anderen Volke in Europa, ja der Welt, braucht sich dieses nicht zu schämen. Bei uns kann es nicht vorkommen, daß ein paar Millionäre die Herrschaft führen. Das kann bei uns nicht so weit kommen, weil wir an der alten bewährten Staatsform, der Monarchie, sesthalten und immer festhalten roerben. Wir brauchen uns keines Vergleiches zu schämen und können den Vergleich noch mit jedem anderen Volke aufnehmen. Kein Volk kann auf eine solche Geschichte zurückblicken als das deictschc. Wir können auch mit Stolz in die Zukunft schauen. Das Wort des ersten neuen evangelischen Kaisers Wilhelm I. ist zur Wahrheit geworden: Welch eine Wendung durch Gottes Fügung. Dir haben alles der Fügung Gottes zu verdanken, daher können wir auch hoffen, daß unser Voll auch in Zukunft erfolgreich sein werde. Wir haben überall an allen Kulturerrungenschasten mitgearbeitet. Auch das soziale Element ist zunächst von uns Deutschen gekommen, das sollten sich auch die deutschen Arbeiter merken. Wir hoffen sicherlich, daß, wenn wir mit Kvuseauenz in dieser Hinsicht weiter arbeiten, es dem deutschen Volke zum Segen gereichen wird.
Es kamen noch eine Reihe anderer Redner zum Wort, worauf die Begrüßungsversammlung geschlossen wurde.
Chemnitz, 18. Mai
Heute vormittag fand im kaufmännischen Vereinshause die erste Hauptversammlung des Evangelisch-sozialen Kongresses statt. Der Borsitzende, Geheimrat Professor Harnack Berlin, eröffnete die Tagung mit einer Rede, in der er alle Erschienenen aufs wärmste begrüßte und um lebendige, wirksame Teilnahme bat. Der Redner gedachte zum Schlüsse der Häupter der deutschen Staaten und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch aus den König von Sachsen und den deutschen Kaiser aus
Auf diese Eröffnungsansprache Harnacks erfolgten offizielle Begrüßungen,
Hierauf erstattete Pastor Georg Liebster (Leipzig, seinen Berictu über das Thema „Sozialistische Weltanschauung und christliche Religion". Der Redner hat seine Ausführungen in folgenden Leitsätzen zusammengefaßt:
„1. Christliche Religion und sozialistische Weltanschauung können keine Vermischung eingchen, weil ihre Ziele verschie- denen Gebccten angehören. Jene sucht die Verbindung mit dem Ewigen, lieberweltlichen, diese erstrebt eine vernünftige und gerechte Verteilung des Arbeitsproduktes. 2. Als Faktoren des gegenwärtigen Geisteslebens müssen beide in Beziehung gesetzt werden. Traditionell ist die feindliche Gegenüberstellung. Tic Verhältnisse erfordern eine friedliche gegenseitige Durchdringung. 3. Dabei erfolgt eine Umgestaltung der die christliche Religion begleitenden Weltanschauung im Sinne der Dialektik und aus der sozialistischen Weltanschauung verschwindet der Materialismus. Damit wird das beseitigt, was bisher hinderte, gleichzeitig Christ und Sozialist zu sein. 4. Dic gegenseitige Durchdringung ist von christlicher Seite durch Diskussion zu fördern."
Nach längerer Aussprache, an der sich u. a. von Schulze- Gävernitz, Landgerichtsrat Kulernann, Prof. Weinet, Pfarrer Traub und Geheimrat Roscher beteiligten, wurden die Leitsätze gebilligt.
Sei weine mittelmäßig.
pro 100 Pfd. Id)nitt6prei5
von-bckvon-bir
Ochsen.
höchsten
78-82
45
80
73-76
40
74
68—71
35
69
72-77
42
74
66—73
36
69
58
50
41-42
82-84
41
83
54
70
Limburg a. d. Lahn, 18. Mai. Fruchtmarkt.
Wetter
s
Niedrigste
17.
Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe».
Höchste Temperatur am 17. bis
54-55 69—71
52—54 67—69
Weißbrot 2 Kg. 62 Pw.
Schwarzbrot 2 Kg. 54 Ptg
8
10
5
31
26
61
54
Lebendgewicht
Fleischige Schweine
54
53
2
2
4
55-62
52-55
48—52
70
68
Durch. ,90 Alk.,
58-65
50-58
Weizen 100 Mg. 22.25-22.5U Mk.
Roggen 100 Kg. 16.50-16.65 Mk.
Gerste: Ftlttergerste 0,00 'Ulf., Braugerste 00,00 Mk., pater 7,45 Alk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 4,60-5,00 Mk.
92—103
87-93
80-85
Lebendgewicht 54—55 69—71
Poll fleischige Schweine über 2 Zentner
Tic Marktpreise für Biel) und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcisc am 18. Mai 1910.
Bew. Himmel Bed. Himmel Sonnenschein
Märkte.
F.C. Wiesbaden. Vieh hot-Marktbericht vom 18. Mai. Austrieb: Rinder 146, Kälber 154, Schafe 50, Schweine 347.
97
90
82
Feinste 'Mast- (Bollmilchmast) und beste
Saugkälber 'Mittlere 'Mast- und gute Saugkälber . Geringere Saugkälber Schafe.
Masllämmer und jüngere Masthammel Schweine.
Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner
schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassalnscher) 17, meiner Weizen (angebaute Fremdsorten) 17,60 'Mk., Korn 11,50 Mk.
Dollfleischige, ausgemästete, . ..
Schlachtwerter, höchstens 6 Fahre alt 43—47
,E5
E
Tendenz: Rinder gedrückt, Kälber sehr gedrückt, Schafe flott, Preis Dnrch-
W ENE
N
18. Mai - 4- 22,9 • C.
18. „ = -f- 13,4 °C.
Junge, fleischige, nicht au§gemäftete und ältere ausgemäftete......38—42
Mäßig genährte junge und gut ge
nährte ältere 34—37
Färsen, K u h e.
Bollsietschige ausgemäftete Färsen höchst.
Schlachtivertes 40—44
Dollflehchige ausgemäftete Kühe höchst.
Schlachtivertes bis zu 7 Jahren. . 35—38 'Heitere ausgemästete Kühe und wenig
gut entwickelte jimgereKühe u. Färsen 29—34 Mäßig gpiätjrte Kühe nnd Färsen, . . 24—29 Kälbe r.
Vebenb. Schlacht- pro 100 Pfund flcroidn ,. yebenb. Schlacht- uewlchl
Foulard - Seide 95 «.
tW
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n f f u r t a. M.
Fleischpreife in Gießen
Ochsen
Kälber Schiveine
50 Kg. Schlachtgewicht 78-80 'Mk.
Kg. Schlachtgeiv. 95-100 Ps.
, 67-69 „
7. Kg. 76-84 Pfg.
, 80-84 , '/, , 80-96 ,
Getreidepreise in Dlannheim
Arotpreife in Gießen
Mai
1910
Barometer auf 0e reduziert
c Z G
5
der Lust
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchllgkeit
18.
2”
742,7
22,5
12.9
64
18.
9»
742,5
18.4
13,6
86
19.
7«
742,0
18,4
12,8
81
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Nr. 114
General-Anzeiger für Gberhesfen
Giessen.
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Tte „Gtttztoer KamNienblSNer" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Hreisblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» kragen" erfdeinen monatlich zwetmai.
Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition unb Verlag: 51.
Redaktion:^sK112. Tel.-Adr.:AnzelgerGießen.
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Allgemeiner Deutscher Lehrertag.
•4 ©träfe bürg i. E., 18. Mai.
Der Deutschs Lehrertag setzte heute seine Verhandlungen unter unverminderter Tctlnahmc der deutschen Lehrer aus allen Teilen des Reiches fort. Auf der Tagesordnung stand der roufr tige Vortrag über Schulleitung und Schulaufsicht.
Der erste Berichterstatter, Lehrer O. Salchow-Charlotten- bürg, unterbreitete Leitsätze, in denen es heißt:
1. Die Schulaufstcht ist ausschließliches Recht des Staates. 2. Die Fachaufsicht gelange bis in die obersten Instanzen zur Durchführung. .'> Jede Ortsschulaufsicht ist zu beseitigen. 4. Dte K-reisschullnspettton, in die nur Männer zu berufen sind, dic sich im Bolksschuldienstc bewährt haben, bilde dic erste Aussick'tsinstanz für die Volksschule. Die Berufung in das Amt des Schulleiters bangt iricht ab vvn dem Bestehen besonderer Prüfungen, sondern ist in Rücksicht auf dic Persönlichkeit, Einsicht unb Erfahrung der zu Berufenden zu vollziehen. 5. Der Schulleiter ist ausübendes Organ der Schulverwaltung. Darum stehen ihm keinerlei Disziplinarbesugnissc zu, iwch bat er das Recht, dem Lehrer über dessen außerdienstliches Der- 'halten Belehrungen und Vorhaltungen zu madxm. 6. Dem Schulleiter ift grundsätzlich das Recht zu hospitieren zuzuge- stehcn, soweck es sich aus die Angelegenheiten der Schulverwaltung und auf die '.'lusführung der Konfercnzbeschlusse erstreckt. Unter keinen Umstanden darf durch die Amtsführung des Schulleiters die nur mit Rücksicht aus den Gesamtorga- itismus begrenzte Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit des einzelnen Klassenlehrers eingeengt unb seine methodische Freiheit beschränkt werben. 7. Ein Konserenzreckst gewährleistet ledern Lehrer die Mitbestimmung in Schulangelegenheiten.
Ter Gegeilberichterstatter Lehrer Paulsen legte seinen Aus- flihrungcn nadyftefoenbe Leitsätze zu Grunde:
1. Das Prinzip der autoritativen burcaukratischen Schul Verfassung ist zu verwerfen. 2. Der Klassenlehrer trägt die Verantwortung für die Klasse. Seine Arbeit ist aus Gründen der Erziehung unb des Unterrichts frei. Normiert nur durch allgemeine gesetzliche Bestimmungen. 3. Das Lehrerkollegium ist eine selbständige Arbeitsgemeinschast. Es beschliefet über Fragen, bie der Gemeinsamkeit der Sck-ularbeit entspringen und wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, der Beauftragter und Verttet'r des Kollegiums in allen Angelegen^ heiten der Schulverwaltung ist. 4. Die Lehrerschaft bildet in ihren RepräsentatiÜbertretungen die beratenden Körpersehaftcn der staatlichen Schulbehörden. 5. Lehrer und Eltern werden als btc tragenden und fördernden Kräfte des Schulwesens zu kollegialisch beschließenden Selbstvcrwältungs- körpern organisiert. Tas Kreisschulinspektorat ist bie unterste Aufsichtsinstanz
In der Aussprache spricht sich zunächst Schulrat Sch-erer (Bü dingen'» für btf Hamburger Thesen aus, jeboch unter Ausschluß der These 5, wonach Lehrer und Ellern zu beschliefeenden Selbstverwaltungsrörpern organisiert werden sollen. Der Schul- unipcftor mag eine beratende und leckende Persönlichkeit sein, r nen Kontroll beamt en wollen wir in ihm nicht sehen, und was sch an Aufsichtspersonen noch nötig macht, das soll in den unteren Instanzen liegen, nicht in den oberen. Wir wissen, daß nicht alle Lehrer sittliche Persönlichkeiten sind (Zuruf. Daran ist nicht der Stand schuld^. Wir müffen eine Aufsicht haben, aber eine solche, daß Aussicht und Leitung möglichst einfach sind. Zunächst muß das Lehrerkollegnun ein Wort mck-usprechen haben. Ferner dürfen wir zwischen Schulleitung und Schulaufsicht nicht s<l>eiden, wie es verlangt .ist. Tas-iplinarbefugnisse dürfen nicht einzelnen Personen überlassen roerben. Man rauft soviel Mißtrauen in seine eigene Person haben, daß man lieber ein Kollegium neben sich haben will. Daß dcc Beaufsichtigung auch auf außerdienstliche Verhältnisse ausgedehnt wirb, wirb nicht zu um» gehen sein.
Inzwischen ist ein Antrag Lü de k i n d (Bremen) chtgegangen, alle vorliegenden Leitsätze durch den Satz zu ersetzen: „Die Schulaufsicht soll nach parlamentarischen Grundsätzen gehandhabt werden."
Professor Strom 'Bremen): Im Auftrage der Bremer Schulbehörde nehme ich an den Verhandlungen teil und muß fon- taticrcn, daß Paulsen in Bezug aus das Disziplinarverfahren irgen Angehörige der Bremer Lehrerschaft den Ausdruck brauchte, mc Bremer Schulverwaltung könne Männer wie Holzmeier an- dheinenb nicht vertragen (sehr richtig). Es ist mir natürlich völlig unmöglich, tn biciem Stadium bet Verhanblungen auf Einzel briten der Diszipltnarverhandlungen cinzugchen. Ich halte es aber für meine Pflicht, hier sestzustellen, daß Paulsen dem Lehrerloge bie notwendigen Unterlagen für seine Behauptungen schuldig blieb und hier nur ein subjektives Urteil ausgesprochen hat (Zuruf: Tas trifft aber zu). Bors. Röhl: In diesem Sinne habe ich die Ausführungen des Herrn Paulsen auch nicht verstanden, sonst bitte ich sie zurückweisen müssen. — Schäfer (Köln) wird mit Unruhe empfangen, als er bie Erklärung abgibt, baß er nicht mehr Mitglied des Deutschen Lehrervereins fei. — Bors Röhl: Das Wort hat hier jeder, warum sollen wir nicht auch eine gegenteilige Meinung hören. — Schäfer führt aus: Wenn man Referenten unb Korreferenten bestellt, so hat bas doch nur einen Sinn, wenn man verschiedene Meinungen hören will. Der Redner wendet sich gegen die Form der Schulleitung. Er sei Mitglied des Deutschen Klassenlehreroereins, unb auch dieser stehe auf dem Boden, daß her Schulleiter in der Klasse überhaupt nichts zu suchen habe. Man rede von der freien Persönlichkeit der Lehrer, und den Raum dazu schaffe man durch Lehrpläne, Stundenpläne, Pensen- fintcilung und die vier Wände des Schulzimmers. Wir billigen das Recht der Verwaltung der Schulleitung in äußeren An- gelegen hei len gewiß zu, für den Lehrer aber verlangen wir das Recht, das auf den Konferenzen Beschlossene in seinen vier Wänden Imngemäfe anzuwenden. Das erwarten wir ohne weiteres von (einem pädagogischen Takt. Wo sollte sich auch sonst noch seine Persönlichkeit betätigen? Die Schulleitung enthebt ihn auch nicht ber Verantwortung, wenn schlechte Resultate erzielt werden durch bas, was auf der Konferenz beschlossen wird, also soll man ihm auch nicht hineinreden tn das, was er innerhalb seiner vier Wände litt. — Bigge »Brandenburg): Die Schule gehört dem Staate, itnb dieser wird sich nicht das Recht nehmen lassen, die Schulleitung auszuführen. Daß dabei Fehler vorgekommen sind, beweist bi: Existenz des Deutfchen Rektorenvereins. Wer sich dem Zwange bc-3 Staates nicht fügen will, bat fein anderes Mittel als die stonseauenz zu ziehen, rote es Scharrelmann tat. Mit den hier tr örterten Forderungen werde man das Konferenzzimmer jtum Tummelplätze der wider st rebeudsten Inter- (fiten machen. Fordern Sie für die Besetzung der leitenden S teilen die allerstrengsten Bürgschaften, aber die Tatsache werden Sic nickt aus der Welt schaffen, daß eine Vielheit nicht bie Ein- bentlichkeit repräsentieren würde, die Sie wünschen, sondern daß immer die Persönlichkeit entscheiden wird. Freilich muß diese Bikrsönlichkeit handeln können ohne disziplinäre Polizeigewalt.
Lehrer Langer mann । Reinscheib' mit Beifall unb Zischen empfangen, bedauert, daß kein Minister anwesend sei, der aus be:m Geist der heutigen Versammlung heraus seine Schlüsse ziehen urb die Wünsche in ein gemeinsames Bett leiten könne. — Vor|. Röhl unterbrechend : In den Reichslanden gibt es keinen Minister, sondern es heißt hier Präsident. Er mar eben noch Fu.tr. Zuruf: Er ift auch noch hier! — Lebhafter Beifall.) — langer mann (fortfahrend): Das freut mich zu hören. Im ge-'ellschastltchen unb wirtschaftlichen Leben entscheidet bas Gesetz
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