Ausgabe 
12.12.1910 Viertes Blatt
 
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vierte, Natt

(60. Jahrgang

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Zeit nur etwas über 10 Prc^ent gestiegen ist. Dem entsprechend muß in den nächsten Jahren eine ganz ungeheure Zunahmt )er Aerzte in Deutschland stattsinden. Nun i|t_ deren Zahl in Den 14 Jahren von 1885 big 1909 die Jahres liegt mir nicht vor von 15 783 aus , ->as ist eine Zunahme von über 100 Prozent, während die Ein der gleichen Zeit von 47 Millionen von nur 43 Prozent

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ws ist eine Zunahn------

vohnerzahl Deutschlands in ruf 63 Millionen stieg, also eine Zunahme------- .

1885 kam ein Arzt auf ca. 3000 Einwohner, 1909 aui noch richt 2000 Einwohner ein Arzt. Wohin soll das führen, wenn man hört, daß z. B. im Königreich Sachsen nach der letzten »fsiziellen Statistik über ein Drittel der Aerzte noch Nicht ein ährliches Einkommen von 4300 Mark und noch nicht die Hälfte in Einkommen von 6300 Mark hatte, und das ist dach bac mindeste, was ein Arzt mit Familie braucht, der im Gegensatz um Beamten für Krankheit, Invalidität und Alter, für die ventuelle Versorgung der Witwe und Waisen allein auskommen .nnß. Dabei ist unter dem genannten Einkommen nicht etwa asjenige aus der Praxis allein verstanden, sondern darin ein zeschloss en sind auch die Erträgnisse des Privatvermögens von Nann und Frau und alle sonstigen Nebeneinnahmen. Beoenn man nun, daß das ärztliche Studium einschließlich Dienitjach .mb Praktikanteniabr, in dem noch nichts verdient wird, 7 bis

und zu Beihilfen zur Beschaffung von Hederichsprrtzen für die Vereinsmitglieber. Die Ehrenpreise kamen zur Ver­teilung bei der durch den Landwirtschastskammer-Ausschutz für Oberhessen veranstalteten Kreisschau zu Lauterbach, bei der Bezirksausstellung auf der Gehspitze im Kreise Fried­berg, auf der Bezirksausstellung zu Echzell und auf der Bez'irksausstellung zu Grünberg. Die Namen der Lartd- wirte, denen die ^renpreise zuficlen, sind s. Zt. in der landwirtschaftlichen Zeitschrift für das Großherzogtum veröffentlicht. Beiträge zur Beschaffung von Hede­richspritzen zur Vertilgung -es lästiaen Unkrautes emp- fingen die Herren Mchard Vorbach, Rodheim v. d. Höhe, Zohaunes Alter II.-Berstadt, Karl Breidenbach-Dorheim, Adolf Hensel-Dortelweil. Im V o r a n s ch l a g ist für 1911 wieder eine e.hebliche Lumme eingesetzt über deren Ber- vendung eine Kommission her Mitgliederversammlung, welche am 22. Dezember in Gießen stattsinden soll, Vor­schläge zu machen hat. Die Tagesordnung wird den Mit gliedern demnächst durch die Ä'reisbtätter bekannt gegeben werden in der Einladung zur Mitgliederversammlung.

** Zur Berufswahl wird uns geschrieben: In we­nigen Monaten müssen wieder zahlreiche Oberprimaner, welche unsere höheren Schulen verlassen, sich entscheiden, welchen Berus sie ergreifen wollen. Da seien denen, die Medizin zu stu -fieren beabsichtigen, folgende warnende Zahlen vorgehalten: Tn Zahl der Medizinstudierenden betrug im Sommer 1905: 6032, im Sommer 1910: 11 125, dks ist eine Steigerung von 85 Prozent in üns Jahren, während die Gesamtzahl der Studierenden in dieser Zeit nur etwas über 10 Prc^ent gestiegen ist. Dem entspreck^end den nächsten Jahren eine ganz r" ' :e in Deutschland stattfinden. Nm. .

Zahl des letzten 31 969 gestiegen, die ®i~

8 Jahre dauert und sehr viel kostspieliger als andere ist, rechnet man dazu die Beträge für Approbation und Promotion, für Die erste Niederlassung mit all ihren Anschaffungen usw., so ist die Summe von 2530 000 Mark für das alles nicht zu hoch be­messen; der junge Arzt muß also zunächst einmal jährlich ca. 1200 Mark verdienen, |um nur den Betrag zu verzinsen, den er von seinem Erbe für seine Ausbildung aufgebracht hat. Nun verdient schon jetzt mancher Anfänger in den ersten Jahrerö nicht soviel, wie sein Lebensunterhalt kostet, in Zukunft wird ich das alles bei dem enormen Zudrang zum Beruf nod) günstiger gestalten, zumal menn nach der neuen Neichsversiche- rungsordnung noch viele Millionen bisheriger Privatpatieirten in die Kassen eintreten, die den Aerzten vielfach nur Vr bis 7a von dem bezahlen, was schon in der Preußischen Gebührenord­nung von 1815! als .Mindestmaß für Armenkassen besetztet wurde. Gewiß soll bei der Wahl eines Berufes in erster Sune Neigung und Veranlagung in Betracht kommen, und es muß deshalb vor allen Dingen jeder, der Medizin studieren will, nach dieser Richtung hin sich ernstlich prüfen, ob er zum Arzte berufen ist; daneben macht aber doch die rauhe Wirklichkeit, die in den vorstehenden Mitteilungen zum Ausdruck gebrad>t ist, sich unerbittlich geltend, und die Vertreter unseres Standes sind meines Erachtens verpflichtet,.alle Eltern und Erzieher auf diese viel zu wenig bekannten Tatsachen hinzuweisen.

Kreis Lautervach.

= Wallenrod, 10. Dez. Gestern nachmittag wurde der erste Kursus der wandernden Kreis haus- »altungs- und Koch schule durch die Kreisbehörde hier mit einer Prüfung geschlossen. Er war von 26 Schülerinnen von hier und der nächsten Umgebung besucht, die die Prüfung in den verschiedensten Zweigen d-es Haus- wltungswesens nach der theoretischen wie nach der prak­tischen Seite hin ehrenvoll bestanden. Zugleich ließ die Prüfung erkennen, daß die Kreisbehörde in uDer Lehrerin, Der Schule, Fräulein Pfündel, Tochter des HauptlehrerÄ der Großh. Webschule zu Lauterbach, eine vortreffliche Lehr­kraft gewonnen hat. Die Besichtigung der äußerst zahl- -eichen und mustergültig angefertigten Handarbeiten mußte oei jedermann diesen Eindruck verstärken. Nicht minder wbenswert war die Prüfung in der ersten Hülfeleistung bei Unglücksfällen, die Kreisarzt Dr. Heinrich den. Schülerinnen in einigen Unterrichtsstunden gelehrt hatte. Von den teilweise anwesenden Mitgliedern des KreistaaS lind Kreisausschisses, sowie den Angehörigen der Schüle­rinnen, wurden die Leistungen rückhaltslos anerkannt. Nach der Prüfung wurden alle Anwesenden mit Kaffee und buchen bewirtet. Möchte man überall in den Gemeinden des Kreises der Haushaltungsschule Verständnis entgegen­bringen, dann erst wird die Schule die ihr gestellte Auf* zabe in der rechten Weise erfüllen können.

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Das Kurpfuschertum in England.

London, 8. Dezember.

Das deutsche Kurpfuschergesetz und die Verhandlungen arüber im Reichstag finden ein lebhaftes Echo in der ngU scheu Presse. Die Schlußfolgerung, die aber aus einer troaigeii Wirksamkeit des Gesekes in Deutschland für Eng- anb gezogen wird, ist eine ziemlich pessimistische. Falls lämlid) das Gesetz zur strikten Anwendung gelangen würde, ührt dieTruth>" aus, so würde das gesamte Kur- »suschertum in Deutschland zu Grunde gerichtet werden, iuf alle Fülle würde ihm der Boden zur'Betätigung ent- ogen werden, und die unmittelbare Folge würde die Aus- oanderung deutscher Quacksalber nach England sein. Eng- and leide bereits unter der Tättgkeit amerikanischer Kurpfuscher, die sich in großer Zahl im Lande nieoer- 1 daffen hätten, da ihnen die amerikanischen Gesetze dii tzraxis verleideten.

Vielleicht bringt die drohende Einwanderung reutscher Quacksalber, schreibt dieTruth", auch etwas Gutee nit sich- Die englische Regierung wird sich dann endlick, inch genötigt sehen, den Kurpfuschern den Garaus zi nachen. Unlängst sei ja bereits der erste Schrttt nacl )icser Richtung getan worden. Die englischen Gesund unfsbehörden hätten ein B l a u b u ch über unverechtigl. irztliche Praxis herausgegeben, in welchem eine ganza Reibe krasser Fälle bösartigen Kurpfuschertums erörter worden sei, aus welchen hervorgehen soll, daß die Haupt- begründung der Existenz von Quacksalbern einerseits au Vie maßlose Unwissenheit gewisser Gesellschastsschichten, an pererseits aber auch auf die zielhewußte dumm-dreiste Arro ganz der Kurpfuscher zurüc^uführen sei. Die Bel)ördei hätten aber das Blaubuch, das sich doch gegen die Kui pjuscher richten sollte, in ganz eigenartiger Weise aus gestattet, indem sie es mit Inseraten von Personem die eine ärztliche Praxis unbefugt ausüben, versetzen hätten dem Blaubuch soll sogar ein Reklame-Flugblatt einesK r äu t er-Do kt o r S" beigelegen haben! Da< seien allerdings keine energischen Maßnahmen.

Au» Stabt undano«

Gießen, 12. Dezember 1910.

** Land wirtschaftlicher VereinfürdiePro vinz Oberhessen. Am 8. Dezember fand eine Aus fchußsitzung des Vereins statt die sich mit der Aus nähme neuer Mitglieder beschäftigte und den Bericht dec Vorsitzenden entgegennahm, der 'Aufschluß gab über di Verwendung der früher bewilligten Mittel zu Ehrenprciser

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