Ausgabe 
16.11.1910 Erstes Blatt
 
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zu einem Besuch bei dem Premierminister ein und blieb eine halbe Stunde.

Lo u d o n, 15. Nov. (Oberhaus.) EckrlofCrewe erklärte auf eine Anfrage von Lord Lansdowne, er könne über den weiteren Gang der Geschäfte erst dann Mitteilung machen, wenn eine ähnliche Erklärung im Unterhause ab- 'gegeben worden fei. Lord Lonsdowne kündigte an, er werde morgen eine Entschließung beantragen, in der die Regie- rung ersucht werde, dem Oberhause ohne weiteren Verzug eine Bill vorzulegen, welche die Vetoentschließung enthalte. Bezüglich der Vetokonferenz erklärte er sodann, er stimme dem zu, daß die Verhandlungen der Konferenz geheim ge­halten werden müßten.

Die Blättermeldung, daß die Vetokonferenz geschei­tert sei, weil die unionistischen Peers Balfour nicht erlauben wollten, gewisse Bedingungen anzunehmen, müsse er jedoch als völlig unbearündete bezeichnen. Die unionisti­schen Peers seien niemals um ihre Ansicht befragt worden.

(Eine «aiserrede in Beuron.

Bei dem Besuch des Kaisers in der Erzabtei Beuron antwortete, wie wir derKöln. Votksztg." entnehmen, der Kaiser auf die Begrüßungsworte des Erzabtes Schober:

Verehrter Herr Erzabt! Ich spreche Ihnen meinen herz­lichsten Dank aus für die freundlichen Worte, mit denen Sie mich empfangen haben und freue mich über die Gelegenheit, der Kon­gregation einmal einen Besuch machen und Ihnen mein aufrichtigstes Wohlwollen aussprechen zu können. Von Anfang meiner Ne- rung an war es mir eine besondere Freude, die Benediktiner in ihren Bestrebungen zu unterstützen, da ich beobachtet habe, daß sie überall, wo sie gewirkt, nicht nur die Religion aufrecht zu erhalten und zu stärken bestrebt waren, sondern auch als Kulturträger aus dem Gebiete des Kirchengesanges, von Kunst und Wissenschaft und in anderem sich hervorgetan haben, eine nicht zu unterschätzende ^Arbeit.

Was ich von Ihnen erwarte, ist, daß Sie in den Bahnen Ihrer Vorfahren weiterarbeiten und mich unterstützen inmeinen iBestrebungen, dem Volke die Religion zu crhal- jt en. Dies ist um so wichtiger, als das 2 0. Jahrhundert Gedanken ausgelöst hat, deren Bekämpfung nur mit Hilfe der § Religion und mit Unterstützung des Himmels siegreich durchgc- fführt werden kann. Das ist meine feste Ueberzeugung. Die Krone, ;bie ick trage, kann hier nur dann einen Erfolg verbürgen, wenn ,sie sich gründet aus das Wort und die Persönlich- ,keit des Herrn. Als Symbol dafür habe ich das Kreuz an diese Kirche gestiftet, um damit, wie ich es in meinem Hand­schreiben gesagt habe, zu beweisen, daß die Regierungen der christ­lichen Fürsten nur im Sinne des Herrn geführt werden können, '"uni) daß sie helfen sollen, den religiösen Sinn, der den Germanen angeboren ist, zu stärken und die Ehrfurcht vor Altar und Thron zu vermehren. Beide gehören zusammen und dürfen nicht getrennt werden. Darum fördere ich von ganzem Herzen die Bestrebungen, die Sie verfolgen. Wie bisher werde ich Ihnen auch in Zukunft meine Huld und meinen Schutz bewahren.

Deutsches Reich.

In Marburg wurde am Dienstag in einer konserva­tiven Vertrauensmanner-Versammlung der Privatdozent für Nationalökonomie an der dortigen Universität, Regierungs- Assessor Dr. Bredt, zum Reichstagskandidaten proklamiert.

Die Hamburg-Amerika-Linie steht im Begriff, ihren persischenDienstzu erweitern und zu ko.rsoli- dieren. Sie kaufte zu diesem Zwecke die beiden Dampfer ,,Türkistan" undGerjistau" an, die erst vor einigen Jahren für eine der in diesem Verkehr, führenden englischen Reede­reien erbaut worden sind. Die Dampfer gelangen in we­nigen Monaten zur Ablieferung und werden dann sofort ihrer neuen Bestimmung zu geführt.

Ausland.

Der P a p st empfing den Oberlandesgerichts Präsi­denten Spahn und den Direktor des Volksvereins für das Katholische Deutschland Pieper in Audienz.

Der Marineausschuß der französischen Kammer hat mit allen gegen zwei Stimmen das Flottenprogramm der Regie­rung angenommen. Die Schlachtflotte wird nach dem angenom­menen Flottenprogramm aus 28 Panzerschiffen gebildet, die in vier Geschwader von je sechs Panzer- und vier Ersatz-Panzer­schiffen eingeteilt werden.

Wie das Reuter-Bureau erfährt, wurde vor kurzem in London zwischen den Vertretern von englischen, amerikanischen, deutschen und französischen Gruppen bezüglich der chinesischen An­leihe ein Abkommen unterzeichnet, das für eine Reihe von Jahren gelten soll., Das Abkommen gewährt zwar jeder Nation völlige Handlungsfreiheit, beseitigt jedoch die finan­ziellen Einflußsphären und macht der alten Politik des Ausspielens einer finanziellen Gruppe gegen eine andere ein Ende. Da es ferner eine gleiche Beteiligung an auswärtigen Anleihen jedem Teile in China sicherstellt, beseitigt es den Gedanken der Er­oberung .Chinas durch Bahnbauten seitens der einen oder anderen Macht.

Tie Entschädigungssumme, die Marokko an Spanien für den Riff-Feldzug zu zahlen hat, ist auf 6 5 Millionen Franks festgesetzt worden. Der Zinsfuß be­trägt 3 Proz. Nach Blättermeldungen hat Spanien außer der Entschädigungssumme von Marokko die Errichtung einer aus Ein­geborenen bestehenden Polizeitruppe in Ceuta zugesagt bekommen, nie von spanischen Offizieren kommandiert werden soll. Ferner hat Marokko in die weitere Besetzung des Riffgebietes durch spanische Truppen und in die Errichtung einer Zollstation an der Grenze des spanischen Lagers von Ceuta eingewilligt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Nov. 1910.

** T a g e s k a l end er. für Mittwoch, 16. Nov. Stadt- t b e a t e r nachmittags 3Vs Uhr das Opferlamm, abends 71/2 Uhr die F ü r st e r ch r i st e l.

Vortrag von Dr. Jaskowski ans Leipzig: Der Tod und was dann? abends 8V2 Uhr im Hotel Einhorn.

GesellschaftfürErd-undVölkerkunde. Vortrag von Dr. Herrn. Pinnow-Kassel: Heber Abessinien (mit Licht­bildern) abends 8V4 Uhr in der großen Universitätsaula.

** Buß- und Bet tag wird heute in Preußen begangen.

** Zur Stadtverordneten Wahl. Gestern abend hielt der vereinigte Bürgerausschuß eine Sitzung ab, in der er die Kandidaten für die nächste Stadtverordnetenwahl nominierte. Alle 20 Vereine waren mit 60 Vertretern anwesend. Es wurde alsbald nach nur kurzer Aussprache bei der Auswahl der Kandidaten eine volle Einmütigkeit erzielt. Dies war umso leichter, als die einzelnen Vereine sich in ihren Vorschlägen nur auf das Notwendigste be­schränkt hatten und deshalb nur eine einfache Durchstim­mung stattzufinden brauchte. Aus der Wahl gingen fol­gende Herren hervor: Brück, Franz, Hoflieferant, Em­me lius, Louis, Stadtv., Helfrich, Friedrich, Stadtv., Helm, Fritz, Stadtv., Homberger, Wilh., Kaufmann,, Huhn, Louis, Stadtv., Jnderthal, Christtan, Fabri­kant, Jann, Karl, Stadtv., Jaskowsky, Max, Gast­wirt, Krailing, Karl, Schlossermeister, Luley, Joseph, Professor, Oberlehrer, Müller, Emil Hch., Schreinermstr., 'Schmidt, Mols, Agent. (Ersatzmann Dr. Heuser,

Oberbibliothekar.) In der vor und nach der Abstimmung vorgenommenen Aussprache wurde besonders betont und von der gesamten Versammlung einmütig bestätigt, daß bei der Auswahl der Kandidaten des Bürgerausschusses jegliches politische Moment ausgeschaltet und man bestrebt war, aus der Liste der Vorgeschlagenen ohne Rücksicht aus ihren Stand, Beruf oder politisches Bekenntnis Männer auszuwählen, die das Interesse der Allgemeinheit und da­mit das aller Berufsstände zu vertreten geeignet erschienen. Mit einem warmen Appell an alle Anwesenden, nun tat­kräftig für die Liste des Bürgerschaftsausschusses einzu­treten, schloß die Versammlung. Von Landgerichtsrat Holzapfel wird uns mitgeteilt, daß seine Aufstellung als Kandidat ohne und gegen seinen Willen geschehen sei, und daß er eine ihn etwa treffende Wahl auf Grund des Art. 112 Ziff. 5 der Städte-Ordnung ablehnen würde.

** Köhler und die Reichstagskandidatur. Der Abg. Köhler-Langsdorf schreibt uns zur Aus­einandersetzung mit Prof. Gisevius, daß dieseerst im eigentlichen Wahlkampf ihre Erledigung finden soll":

Nur das eine möchte ich zu der letzten Behaupttmg dieses Herrn in Ihrem heutigen Blatte bemerken, daß ich ihm über­haupt nichtseröffnet" habe. Pros. Gisevius hatte sich bei mir ansagen lassen, daß er meine Demtschinsky-Getreideanbau-Versuche besichtigen wolle. Dabei überrumpelte er mich mit feiner Kandi­datur. DieEröffnung", von der Herr Gisevius spricht, bestand nur, um ihn mit seinem Drängen los zu werden, darin, daß ich bemerkte:Wenn ich so krank bleibe, kandidiere ich wahrscheinlich nicht mehr!"

In Bezug auf seine Vorwürfe gegen denGießener Anzeiger" bittet uns Herr Köhler, folgendeRichtig­stellung", die er in dem Friedberger Blatt veröffentlicht hat, auch unseren Lesern zur Kenntnis zu bringen:

Auf meinen Artikel, denGießener Anz." betreffend, er­widerte dieser nun in feiner Nr. 267 vom 14. Nov. 1910, daß meine Erklärung über die Behauptung des Prof. Gisevius nicht in die Hände der Redaktion gelangt sei und daß diese Verfehlung wahrscheinlich der Aenderung der Abholung der Postsachen zu­zuschreiben sei. TerGießener Anz." sagt dann wörtlich:Selbst­verständlich würden wir eine solche Feststellung Köhlers ohne weiteres veröffentlicht haben." Tas genügt, um meinerseits zu bekennen, daß i ch also der unrichtigen Meinung in diesem Falle war; die Redaktion derNeuen Tageszeittmg" aber bitte ich, diese meine Richtigstellung zu veröffentlichen, dennR e ch t muß doch Recht bleiben". lbti> es ist genug, daß jetzt schon ein neugegründetes Gießener Hansa-Blatt beginnt, Schmutzkübel über Schmutzkübel über uns auszuleeren. Wir werden eine Ehre darin suchen, gegenüber der kommenden Schmutzwelle möglichst rein zu bleiben. Köhler- Langsdorf.

** Aus dem 18. Armeekorps. Sic. Lang, Militär- Hilfsgeistlicher der Hess. Div. in Darmstadt, in gleicher Eigenschaft zur 31. Div. nach Hagenau i. E., behufs Wahrnehmung der Div.-Pfarrstelle daselbst, versetzt.

** Nachträgliches v 0 m Zur en besuch. Von der Spende des Kaisers von Rußland im Betrage von 10 000 Mk. zum Besten der örtlichen Wohltätigkeits­anstalten und der ärmeren Bevölkerung Friedbergs und Bad-Nauheims hat der Staatsminister Dr. Ewald den größeren Teil den Bürgermeistern von Friedberg und Bad- Nauheim zur alsbaldigen Verteilung an die Armen und den Rest an Wohltätigreitsanstalten der beiden Städte mit der Bestimmung überwiesen, daß wegen Zuwendungen aus der Spende Armenunterstützungen, die von der Gemeinde zu leisten sind, nicht gekürzt werden dürfen. Der Kaiser hat vor seiner Rückreise nach Rußland weitere 10 000 Mk. zum Besten der Wohltätigkeitsanstalten und Armen von Darm­stadt und der ärmeren Bevölkerung der Umgegend von Wolfsgarten dem Staatsminister Dr. Ewald zur Ver­teilung übermittelt. Der Kaiser von Rußland hat u. a noch folgende Orden verliehen: den Stanislausorden 2. Kl. mit Stern dem Geh. Rat Ministerialrat W. Best; den St. Annenorden 2. Kl. dem Provinzialdirektor Feh, dem Ober­bürgermeister Dr. Glässing, dem Eisenbahndirektions­präsidenten Dr. Michaelis-Mainz; den Stanislaus­orden 2. Kl. dem Kreisrat L 0 ch m an n-Offenbach, dem Direktor Dr. Back und dem Prof. Dr. v. Ko ch vom Landes­museum, dem Legationsrat Dr. N e i d h a r t, dem Vorstand des Polizeiamts Darmstadt, Regierungsrat Dr. Kranz- bühler, dem Geh. Baurat Frey-Darmstadt; den St. Annenorden 3. Kl. dem Beigeordneten Mueller-Darm­stadt, dem Provinzial-Dauinspektor Baurat D au d t-Darm­stadt, dem Polizeiamtmann Lauteschläger-Darmstadt, dem Regierungs- und Baurat Barzen-Mainz; den Sta­nislausorden 3. Kl. dem Polizeisekretär K.ais er-Darm­stadt, den Bahnhofsvorstehern Horn-Darmstadt und M ö n n i ch - Langen, dem Eisenbahn-Obersekretär D 0 r r - Mainz, dem Branddirektor Fischer- Darmstadt, dem Ober­brandmeister Vogel-Darmstadt.

** Reuterfeier. Wie wir schon erwähnten, soll Fritz Reuters 10 0. Geburtstag auch hier noch ge­feiert werden. Wie aus der Anzeige in der heutigen 9kum- mer ersichtlich, ist die Feier für Montag, 21. d. M., ge­plant. Bei dem allgemeinen Interesse, das sich allerorten für dies Dichter-Jubiläum gezeigt hat, kann auch wohl hier auf eine starke Beteiligung gerechnet werden, wes­halb der große Steinsche Saal dazu gemietet ist.

** Der Schiklub Wintersport Gießen ver­anstaltete am Montag abend im oberen Saale desMetro­pol" einen Lichtbildervortrag über Winter­sport, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Die über 60 Lichtbilder illustrierten den von Jahr zu Jahr steigenden Schisport sehr anschaulich und die große Zahl der Naturaufnahmen zeigte die den wenigsten Städtern be­kannte Schönheit der Winterwelt mit all ihren weißen Wundern an außerordentlich schönen Beispielen aus dem Vogelsberg und den anoergt deutschen Mittelgebirgen sowie den Alpen. Auch eine Anzahl schitechnischer Bilder wurden wiedergegeben und an ihnen die eigenartige, aber keineswegs übermäßig schwere Kunst des Schilaufes aus­führlich erläutert. Besonders hervorgehoben wurde noch der Vogelsberg, der mit seinen langen Waldschneisen, seinen ausgedehnten Wiesen und seinen Llbhängen zum Schneeschuhlauf ganz besonders geeignet ist.

Landkreis Gießen.

-- Staufenberg, 15. Nov. Am nächsten Sointtag nächmittag findet in der Burgwirlschaft ein von der Hess. Landwirtschaftskammer veranstalteter Vortrag statt. Oeko- nomierat Weitzel von Lich wird über die neuesten Er- faljningen im Getreide- und Kartoffel bau sprechen.

= Lond orf, 15. Nov. Am Sonntag veranstaltete der Turnverein sein Wintervergnügen, verbunden mit Schauturnen, im Saale derStadt Gießen". Nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden Edler begann das Schau­turnen, das mit Musikvorträgen der Marburger Iägerkapetle abwechselte. Nach Ablauf des Programms bildete ein Tänzchen den Schluß der Feier.

sp. Reiskirchen, 16. Nov. Tie Quellfassung für unsere Wasserleitung ist nunmehr fertiggestellt. Gestern nachmittag wollte man die einem Unternehmer in Beuern gehörige Maschine, die zum AuspumpM deA

Wassers bei der Quelffassung gedient hatte, wieder nach Beuern bringen. Aus dem nassen, bergigen Wüsengclände geriet die Maschine ins Rutschen und stürzte um. Tas Schwungrad ging entzwei und auch sonst kam es noch zu einigen Beschädigungen der Maschine, während erfreu­licherweise Menschen nicht zu Schaden kamen.

Kreis Büdingen.

X. Büdingen, 16. Nov. Tie in der letzten Zeit er­folgten Schritte zwecks Verwirklichung des Kleinbahn- Projektes Hanau Büdingen von den beteiligten Kommunaloerbanden erhöhte Zuschußleiftungen zu erhalten, haben keinen Erfolg gezeitigt. Obwohl die Gemeinde Marköbel einen Barzuschuß von 50 000 Mk. bewilligt hat, so i>'t doch gegenüber dem früheren Beschlüsse mit seiner Geländestellung dadurch eine wesentliche Vergrößerung des Zuschusses nicht einqetreten. Die Gemeinden Oberissigheim und Rüdigheim haben eine erhöhte Zuschußleiftung zum Bahn­bau abgelehnt, ebenso der Magistrat der Stadt Hanau.

-e- Büdingen, 15. Nov. In her heutigen Sitzung des Gemeinderats beschäftigte man sich hauptsächlich mit dem Gaswerk, das soweit betriebsfähig ist. Tie für die Inbetrieb­nahme notwendigen Einrichtungen wurdet: nach den Ausschuß-An­trägen gutgeheitzen. Weiter wurde beschlossen, für die Heizung der landwirtschaftlichen Win ter schule statt der bisher gelieferten 10 Meter Holz Kohlen zu verwenden. Land­wirtschaftslehrer Oekonomierat Andrae dankt der Stadt für lieber- lassung des Lokals für die Schule und bittet um ein Darlehen von 400 Mk. zur Einrichtung der Gasleitung und Herstellung eines Garderoöeverschlags für die Zwecke der Schule. Heber den Antrag soll in einer späteren Sitzung beschlossen werden.

Kreis Lauterbach.

= Lauterbach, 15. Nov. Unter sehr schwacher Be­teiligung sand heute hier die Gemeinderatswahl statt. Für drei ausscheidende Mitglieder rnufcte Neuwahl und für zwei verstorbene Ergänzungswahl stattfinden. Gewählt wurden Kaufmann Karl Lang mit 240 Stimmen, Rentner Heinrich Stöhr II. mit 238 Stimmen, Kaufmann Karl Helfen­bein mit 159 Stimmen, August Schiebelhuth mit 156 und Konditor I. E. Duchardt mit 131 Stimmen. Stöhr und Helfenbein wurden wieder-, die übrigen neugewählt. Falls Herr Helfenbein auf sein Mandat verzichtet, wie er vor der Wahl ankündigte, käme der Maurermeister Leonhard Metzen­dorf mit 122 Stimmen an seiner Stelle in Betracht. Sämt­liche Herren gehören der bürgerlichen Partei an. Von 768 Stimmberechtigten machten nur 367, also nicht ganz die Hälfte, von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Insgesamt ver­teilten sich die Stimmen auf 35 Kandidaten, weshalb sich die Zählung bis gegen 10 Uhr abends hinauszog.

Starkenburg und Rheinhessen.

cd. Vom Mittelrhein, 15. Nov. Der Rhein« wasserst and geht weiter zurück. Immerhin ist die lieber« schwemmung noch ziemlich bedeutend. Die Ueberflutung war diesmal größer und schneller ivie jemals, wenn auch der Stand am hiesigen Pegel schon höher gewesen ist. Sehr großen Schaden hat das Hochwasser nicht angerichtet, immer­hin wurden die Aecker stark überschwemmt und die noch stehenden Feldsrüchte und Gemüse sind recht übel weg, gekommen. Auch in den überschwemmten Kellern wurd< Schaden angerichtet.

Hessen-Nassau.

Marburg, 15. Nov. Der kurhessische Verein für Luftschiffahrt hielt hier seine Jahres-Versamm- timg ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Mitbegründer Geh. Rat Prof. Theobald Fischer, dem ausgezeichneten Geographen unserer Universität, einen warmen Nachruf. Sodann toinv den verschiedene geschäftliche Mitteilungen gemacht, u. a. daß der Verein Beiträge za dem geplanten Denkmal für den ersten Flieger, den verunglückten Lilienthal, entgegennimmt. Darauf wurde der Jahresbericht über die Vereinsversamm­lungen erstattet und von Dr. Wegener der über die Ballon-> sahrten im ersten Jahr. Der Kassenführer Bang gab dew Jahresabschluß bekannt, der von den Rechnungsreviforen. Kreisbahninspektor Köhler und Dr. Hellinger für richtig befunden wurde. Hiernach wurde der Vorstand für das ver­flossene Geschäftsjahr entlastet und wiedergewählt. Durch die im Oktober stattgefundene 'Ergänzung "besteht er nun­mehr aus Prof. Richarz, Vorsiender, Oberst Krause, stell- vertr. Vorsitzender, Pros. Gürber, Vorsitzender des Fahrten- ausschusses, Dr. Wegener, stellvertr. Vorsitzender des Fahr- tenausschusses, Rechtsanwalt Dr. Külz, Schriftführer, Bankier Bank, Kassenführer und den Beisitzern Regierungs- assessor Dr. Bredt, Oberleutnant Ferno, Kaufmann Hering, Fabrikant Bertr. Schäfer. Alsdann hielt Prof. Brauer einen Vortrag über die von ihm im September unter­nommene Ballonfahrt. Sie wurde von Herrn Dr. Wegener geführt; an ihr nahm auch noch Regierungs- und Forstrat Kieke aus Kassel teil. Sie tourbc mit Wasserstosfüllung von Griesheim bei Frankfurt aus angetreken. Die Landung er­folgte nach neunstündiger herrlicher Fahrt, die wertvolle Beobachtungen ergab, zu Litten bei Prag. Mit dem Dank^ für diesen Vortrag verband d:rVereinevorsitzcnde denTank an Prof. Braiter für die Verdienste, die er sich von der Begründung an um den Verein erworben hat, und über­reichte ihm das künstlerisch ausgeführte Diplom als Ehren­mitglied. Die nächsten Ätzungen des Vereins wurden aus den 13. Dezember, 17. Januar und 7. Februar festgesetzt. Die! letzte Sitzung des Winters soll entweder am 28. Februar oder 1. März stattfinden. Mit Bedauern stellte der Vorsitzende ! fest, daß die Zahl der Mitglieder etwas zurückgegangen sei.

[] Marburg, lo. Nov. In den Stadtsälen sand gestern abend eine von Akademikern und Bürgern zahlreich besuchte Versammlung des Hansabundes statt. Der Direktor des letzteren, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Zwecke und Ziele des Bundes.

w. Frankfurt, 15. Novbr. In der heutigen Stadt« ' verordneten sitzung beantragten die Sozialdemokraten die I Vorlage des Briefwechsels zwischen dem Regierungs­präsidenten und dem O b e r b ü r g e r m e i st e r wegen der Verlegung der Stadtverordnetenwahlen auf einen Sonntag. Die Freisinnigen erklärten sich gegen den Antrag, weil ein solches! Verlangen einen Eingriff in die Rechte des Magistrats bedeute^ Nach längeren Auseinandersetzungen wurde der Antrag schließlich mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.

wandern und Reisen.

* Der Frankfurter Vogelsberger Höhen- Club, der jetzt nahezu 500 Mitglieder zählt, hat für das Jahr 1911 nach­stehendes Wand e r pr 0 gram m festgesetzt: 1) Januar, 8.: Schonen, Hoherodskopf, Schotten: 2) Februar, 19.: Änfvach, Schmitten, Cron berg; 3) März, 19.: Steinau, Hintersteinau, Wall- rotb. Schlüchtern; 4) Avril, 23.: Bieber, Kahler Glashütte. eisen, Gelnhausen; 5) Mai, 14.: Rödgen, Busecker Tal, Beuern, Hangelstein, Gießen; 6) Juni, 4., 5. und 6. (dreitägige Pfingst- tuanoerimg): Nösberts, Zahmen, Stockhausen, Salzschlirf, Schlitz,-