Ausgabe 
19.1.1910 Erstes Blatt
 
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sich auf einen «Sturm im Abgeord-netenhcmse gefaßt. Zwar will er noch versuchen, dort sein Programm zu entwickeln, imt wenigstens ein Budgetprvoisorimn vom Abgeordneten- hauss zu erlangen. Wenn er aber dort kein Gehör findet, will er sein Programm, dessen Kernpunkt die Wahlreform auf breitester Grundlage, sowie Berwaltungs- und Justiz- resormen bilden, dem Magncttenh'ause vorlegen, in dem die Unabhängigkeitspartei nicht einen solchen Einfluß be­sitzt, wie im Abgeordnetenhaus^ Was aoer wäre damit erreicht? Weder das Budgetprovisorium, noch die Wahl- reform, noch schließlich die Zurückstellung der Heeres- und Bankfrage. Deshalb würde die Programmrede Khuen- Hedervarys nur die Plattform der Regierung für die Neu­wahlen darstellen, um die sie nicht herumkvmmt, soll das neue Kabinett im Abgeordnetenhause den zu seiner Existenz nötigen starken Rückhalt erlangen.

So ist das Ministerium Khuen-Hedervary letzten Endes ein Kampfministerium gegen die bisher in Ungarn maß­gebende Unabhängigkeitspartei, das versuchen wird, mit Hilfe von Neuwahlen eine andere Zusammensetzung des Ab­geordnetenhauses durchzusetzen und so die Verabschiedung oes Budgets und der Wahlreform zu ermöglichen. Ob es dem Grafen Kchuen gelingt, die Reste der alten liberalen Verfasfungspartei von 1867 durch die Wahlen so zu ver­stärken, daß sie die Unabhängigkeitspartei in Schach halten kann, will uns zweifelhaft erscheinen Besteht doch die Ge­fahr, daß sich dre Justhgruppe bei den Wahlen wieder mit der Kossuthgruppe vereinigt, und daß die klerikale Volks­partei alles aufbietet, um die Reorganisation der liberalen Partei zu hindern. Auf eine Unterstützung aber kann Graf kkhuen außer bei der Verfassungspartei nur bei den Sieben­bürger Sachsen rechnen, alle übrigen Nichtmagyaren werden gegen ihn Stellung nehmen, da er die Wahlreform nicht aus Grund des Kristoffyschen Entwurfs durchführen will Unter solchen Umständen wird er bei den Neuwahlen besten­falls nur eine knappe Mehrheit erringen können, um dann vor neuen Schwierigkeiten zu stehen. Das eine allerdings wäre gewonnen: das neue Parlament könnte erst so spat zusammentreten, daß die Banktrennung bis zum 1. Januar 1911 nicht mehr erfolgen könnte, und die Justhgruppe sich mit einem Bankprovisorium begnügen müßte. Fallen da­gegen die Wahlen im Sinne der Unabhängigkeitspartei aus, so dürfte die ungarische Krise noch geraume Zeit in aller Schärfe fortdauern und falls die Krone ihren Widerstand gegen die nationalen Forderungen der Magyaren aufrecht erhält noch so manchen Ministerpräsidenten in ihrem Strudel verschwinden lassen. Meckerte, Lukacs, Khuen-He- dervary .... Merz wird das nächste Opfer der ungarischen Klüse sein?

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Mannesmann über das Weißbuch.

Von den Gebrüdern Mannesmann erhält dieRhein. Westfäl. Ztg." folgende Aeußernng zu dem Weißbuch des Auswärtigen Amtes über die deutsche Marokkopolitck:

Das deutsche Weißbuch über Marokko, dessen eingehende Be­antwortung noch folgen wird, bringt in rechtlicher Bestehung nichts Neues. Es wiederholt nur das bekannte längst Widerlegte und detailliert es mit Attrnmateriol. Ta von allen Rechtsß gutaclstern allgemein anerlännt wurde, daß unser Rcchtsstaud- punkt unangreifbar ist, so wird sich an diesem Urteile auch durch die Veröfsenttichung des Aktemnaterials nichts äubcm können.

Zur Bekämpfung der Reckstsgülligteit unserer Minen-Kon- zessionen werden folgende Punkte hervorgehoben: 1. Das Muley Hafidsch? Bergg.setz sei zustande gekommen, entgegen dem Beschluß des diplomatischen Korps, ein Berggesetz durch Herrn Porcl-e ausarbeiten zu lassen. Mit diesem Beschluß sei der Sultan Abdul Asis einverstanden gewesen. Temgcgeuüber ist zu bemerken, daß zu der Zeit dieses Beschlusses dlbdut Asis nickst michr der rechtmäßige Herrscher von Marokko war

2. Das Berggesetz sei entstanden ohne Mitwirkung des di­plomatischen Korps in Tanger. Nach dem Urteil sämtlicher Rechts- gutackster ist nach der Algecirasakte das diplomatische Korps bei der Mitwirkung des Berggesetzes nicht zuständig.

3. Tas Gesetz sei bis auf den heutigen Tag geheim geblieben. Demgegenüber ist zu bemerken, daß zur Rechtsgültigkeit eines Gesetzes nach Marokkanischem Recht der Ueberdrnck des Sultans- siegels genügt. Eine Veröffentlichung ist zur Rechtsgültig leit kemessalls notwendig, wie auch die Algecirasakte nur durch Sul- tanssiegöl gültig wurde und in Marokko nicht veröffentlicht wor­den ist.

kaum ein Wort; so blieben die Worte des Rufers z. B. säst vollständig unverständlich, obwohl sich Kürt Goldberg einer scharfen und deutlichen Aussprache befleißigte. Sehr erfreulich war es, daß der Auftritt der Siechen naturalistisch durchgeführt wurde und daß sie auch in Aussehen und Hal­tung lebenswahr erschienen. Als besonders charakteristische Masken fielen mir namentlich Rolf Gunolt, Edgar Pauly, Albert Ruch und Paul Urban auf, durch deren Spiel ein gewaltiger, erschütternder Gegensatz geschaffen wurde.

Einen vollen Erfolg errang sich Hans Baumeister vom .Hoftheater in Darmstadt als Tantris. Er brachte den an seiner Seele Siechen in schöner Darstellung zu wirk­samer Erscheinung und namentlich als Narr im tnercen und .fünften Auszug erreichte er eine Höhe, die lebhaften Beifall sand. Wie er hier, schwankend zwischen Wehmut, Liebe .und Hohn, beredten Ausdruck fand, das war hoch bedeutend. Auch Gertrude Baumeister als Frau Jsot hatte einen ftarten Erfolg, aber wenn sie auch die Gewalt der sehnsuchtsvollen Königin mit leidenschaftlicher Wärme belebte, Jo blieb sie uns kroch das heimliche, doppelzüngige in pem Wesen der Isolde schuldig. Sie ist nicht die edle Dulderin sie treibt tatsächlich ein frevles Spiel wie der Eid im 2. Aufzug beweist. Auch klang ihre Sprache in der Erregung nicht immer schön und Ueberhckstung ist noch lange keine innere Gestaltung; daß sie dabei g wie sch spricht, ist nicht hübsch, von der oft zu weichen Pathetik ganz ab­gesehen. Hermann Bakof ließ als Marke die quälende, krankhafte Eifersucht etwas vermissen, bemühte sich aber sonst mit gutem Erfolg um seine schwierige Rolle. Kurt Gühne als Denovalin-Jago zeigte eherne Krait und blei­schwere Würde, Rudolf Goll als Dinas Wärme und Herz­lichkeit. Gusti Ney war ein liebenswürdiger, munterer Paranis, Elly Gühne eine sorgliche Branaäne. Recht hübsch waren Rolf Gunolt als G.inelun, Karl Do l ck als fremder Ritter, Karl Marx als Hirte. Tie drei gälischen Barone wurden von Paul Urban. Kurt Goldberg und Albert Ruch angemessen dargestellt.

«Auch die Ausstattung war sehr ansprechend, namentlich der Burghof, doch empfiehlt es sich hier den Palast etwas mehr in die Seite zu rücken, da man sonst die Säulen von hinten sehen kann. Alles in allem ein voller Erfolg, da : Hans Baumeister auch unsere heimischen Darsteller mit sich fortriß Die tiefe Wirkung, die von dem Stücke ausging, wurde durch das vorzeitige Klatschen eines Uebereifrigen nach jedem Aufzug empfindlich gestört. Derartiges Vor­drangen beweist wenig Verständnis für nachhallSchirin- gungem. K. Neurath.

Aus Heften.

Am Sams dog abend fand in Londorf unter dem Vorsitz des Schuhmachermeisters Hasselbach eine gut be­suchte Versammlung statt, in welcher Professor Urstadt - Gießen überLiberalismus" sprach. Nachdem noch eine Protestentschließung gegen das Pluralwahlrecht von der Versammlung gutgeheißen und an die Regierung abgeschickt worden war, wurde die Gründung eines freisinni­gen Vereins beschlossen, dessen «Satzungen in einer dem­nächst stattfindenden Versammlung beraten werden sollen.

Deutsches Neich.

In Nürnberg muß infolge der Beamtenaufbesse- rungen und des Wegfalles des städtischen Oktrois die K'o m- munalfteuer von 140 auf 180 Proz. erhöht werden.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Am 17. Januar be­gannen im Reichsjustizamt unter Zuziehung von Sachver­ständigen aus den Interessentenkreisen die Beratungen zur Vorbereitung einer internationalen Konferenz, die im Juni int Haag Zusammentritt, um die Aufgabe der Vereinheitlichung oe>s Wechselrechts zu lösen. Tie Beratungen nehmen voraussichtlich die ganze Woche in Anspruch.

In der Sitzung der badischen Zweiten Kammer fragte am Dienstag der Abg. Vogel- Mannheim (Demo­krat) die Regierung über die Frage der Neckar-Kanali­sation. Staatsminister Dusch erwiderte, die Jn- teressenfrage werde gewahrt und nichts versäumt. Was die Verhandlungen mit Württemberg betreffe, so könne er gegenwärtig keine Erklärung abgeben.

2Iu5tanö.

Entgegen allen in der Austandspresse erschienenen Nach­richten über die Erkrankung der Zarin wird auf Anfrage an zuständiger Stelle in Petersburg die Erklärung abgegeben, daß der Gesundheitszustand der Kaiserin gegen­wärtig völlig befriedigend sei. Ebenso erklärt dieselbe maßgebende Stelle, daß alle Gerüchte von einer ernsten Erkrankung des Thronfolgers unbegründet seien. Der Thronfolger habe sich beim Spielen eine leichte Kontusion des Beines zugezogen, der ärztlicherseits keinerlei Bedeu­tung beigemessen wird.

Wie aus London gemeldet wird/hat Asquith der Männerliga für Frauen st immrecht auf ihr Ver­langen, eine von ihr delegierte Deputation zu emp­fangen, üritgeteilt, daß er unter dem Drucke der dringenden Geschäfte gezwungen fei, während der Dauer dieser Session auf den Empfang jeder Deputation zu verzichten. Die Männerliga hat daraufhin folgende Entschließung gefaßt:

Obgleich die Liga aufs strengste an dem Grundsätze völliger Neutralität bezüglich der Politik anderer Organisationen fcsthält, kann sie nicht umhin, ihr tiefes Bedauern und Besorgnis über die Stellungnahme der jetzigen liberalen Regierung auszudrucken, die sich weigerte, bei den Anfängen der streitbaren Bewegung den politischen Charakter der Ordnungsstörungen durch Einweisung der Träger der Bewegung, welche solche Störungen begingen, in die 1. Abteilung (der Haft), anzucrkennen. Wir empfinden ferner und müssen mit Bedauern unsere Ueberzeugung konstatieren, daß die Zwangsfütterung weiblicher politischer Sttäflinge die Kon­sequenz dieser mangelnden Unterscheidung ist, daß daher eine schwere Verantwortlichkeit für diese beklagenswerte Sachlage die Regierung trifft."

Aus Stabt und Land.

t Gießen, 19. Januar 1910.

Die Feier der Gründung des Reiches, die gestern abend vom Alldeutschen Verband in Steins Garten veranstaltet worden war, war^aus allen Kreisen der Bevölkerung sehr gut besucht und der mit bei Feier beabsich­tigte Zweck, einmal im Jahre alle gesellschaftlichen Schranken fallen zu lassen und sich der Freude an dem Besitz des einigen deutschen Vaterlandes gemein)am hinzugeben, wurde vollauf erreicht. Tie Feier begann leider mit einiger Ver­spätung mit demHochamt im Walde", das der Bauer- che Gesangverein unter Herrn Otto Görlach 's Leitung feinsinnig und klangschön fang und lebhaften Beifall >amit fand. Dann dellamierte Fraulein I Strack Bruch­tücke aus HamerlingsGermanenzug" mit deutlicher klarer Aussprache und viel Gefühl. Dem trefflichen Vortrag des Deutschen Tanzes" durch Herrn Julius Hahn folgte dann der mack)tvolle EhorBarbarossa" durch den Bauer'schen Gesangverein, der passend zu der gedankenreichen Festrede >es Professors Dr. Roloff über die Gründung des Reichs überleitete. Der Redner gab in seinen etwa eine Stunoe umfassenden Ausführungen ein übersichtliches und allgemein verständliches Bild der Einheitsbestrebungen von den Frei­heitskriegen bis zur Gründung des Reiches, das die Zuhörer von Anfang bis zu Ende ungemein fesselte. Tann folgte das Kaiserhoch, das von Privatdozent F-reiherrn von Liebig in begeisterten Worten ausgebracht wurde, und der Gesang vonDeutschland, Deutschland über alles". Zwei Klavier­stücke des Herrn Hahn und>ein weiterer Gesangsvortrag des Bauer'schen Gesangvereins bildeten den Schluß der F-eier, die von hohen patriotischen Gefühlen durchweht war und auf alle Teilnehmer einen erhebenden Eindruck gemacht hat.

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** Tageskalender. Stadttheater: Flotten-Ma- növer Anfang 7 Uhr.

Vorlesung von Gesängen aus Dantes Göttlicher Ko­mödie von Fräulein M. Bass ermann aus Heidelberg. Abends 8Vr Uhr im großen Hörsaal der Universität.

h. Droesigl betitelt sich der neue Roman unserer Familien blätter. Wir beginnen beute mit dem Abdruck dieses Werkes, das einer der neuesten Romane des alß unterbollsamen, frischen Erzählers geschätzten Freiherrn c>. Ompteda ist, der unseren Lesern ja auch schon aus der bübschen Erzählung Nerven bekannt ist. Ompteda schildert in diesem Roman, mte sich der Sohn eines aus kleinsten Anfängen cnipocgesliegenen Kohlenbarons in dem märkischen Adel allmählich eine geachtete Stellung erringt und zuletzt iclbft RcichSfreiherr wird. Die großen lind kleinen Begeben­heiten in diesen Kreisen, die Ompteda wie taum ein zweiter deutscher Romandichter zu schildern weiß, sind mit liebens­würdiger, lebenslustiger Kunst erzählt und gern folgen wir dein jungen Kohlenbaron durch Wald und Ried, über das glatte Parquctt lichiflkrrender Säle bis in sein molliges Heim, das er sich und feinem adeligen Weibe mit erlesenem Ge­schmack errichtet und das trotz aller -Neider und Hindernisse doch ein glückhaftes Neüchen wird. Möge dieser Droesigl so viele Freunde finden rote bie Rheinlandstöchter.

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" Hessischer Landes-Lehrer verein. Nächsten Samstag, den 22. d. Mts., nachm. 2i/2 Uhr, findet zu Frankfurt a. M. in der RestaurationZum Storch" eine

Obmännerversammlung für Hessen statt. Es toirb erwartet, daß auch die entlegenen Bezirke vertreten sind.

** Für die Sitzung berStabtver ordneten« Ber sam mlu n g am Donnerstag, 20. Jun., nachm. 4 Uhr. ist folgende /^agesordung ausgestellt worden: 1. Aus­losung von Schuldverschreibungen. 2. Mitteilungen. 3. Bau-, gesuch Löb Süß für Morktst-raße 9. 4. Baugesuch Eugen Wallensels für Moltkestraße 3. 5. Baugesuch H. W. Rinn für bie Marburger Straße. 6. Baugesuch Friebrich Amend für Neustadt 45. 7. Bauaesuch Franz Senner Erben für Seltersweg. 8. Dauaesuch Heinrich Tichy für die Löwev- gasse. 9. Baugesuch Wilhelm Seipp III. für Roowstraße 8. 10. Baugesuch der Firma Birkensdock und Schneider für bie Friebrichstraße; hier: Nachtragsbispens. 11. Baugesuch Wilhelm Reusch für den Seltersweg. 12. Baufristverlänge­rung Eugen Käufsmann, Schiifenberger Weg. 13. Gesuch des Glasers Heinrich Baum u .i Anbringung eines Schau­kastens am Hause Bleichstraße 2. 14. Befreiung von der Einfriedigung des Eigentums vor dem Hause Hammstro.ße 15, Besitzer Metzger uno Wirt Fritz Euler. 15. Gesuch des Konrad Häuser zur Errichtung eines Schornsteins Riegel­pfad 21. 16. Gesuch des Karl Stückrath zur Erbauung einer Holzhalle am alten Steinbacher Weg 17. Einspruch des Christoph Schmidt gegen die Ortsbau Satzung Gutenberg- sfraßa ^18. Bebauungsplan für bas Gebiet'zwischen Frank­furter Straße, Main-Weser-Cisenbahn unb Beterinäran'ialt: hier: Einspruch Oskar Gutmann. 19. Orlsstatut. bie Berg­straße, Gartenstvaße, Moltkestraße und Hofmannstraße betr. 20. An- und Berkaus von Grundstücken. 21. Anschaffung von Bettwäsche und Koltern für die Polizeiwache. 22 Geneh­migung von Rechnungen. 23. Vergebung von Arbci en und Lieferungen. 24. Hastpfächtversicherung. 25. Mobiliarver­sicherung. 26. Besetzung von Lehrerstellen an der höheren unb erweiterten Mabchenschule. 27. Besuch ber Hauptver­sammlung bes beutschen Vereins für bas höhere Mäbchen- schulwesen burch Direktor Dr. Störiko. 28. Gesuch Otto Rühl um Erlaubnis zum Schankwirtschastsbetriebe im Hause Malltorstraße 33. 29. Desgl. Johannes Steinhauer' sen. für Lubwigstraße 55. 30. Desgl. Heinrich Schäfer VII. für Dammstraße 39.

** Gustav Winbecker f. Gestern trug man hier Herrn Gustav Winbecker zu Grabe, der sich in weiteren Kreisen wegen seines lauteren rechtlichen Charakters, seines Fleißes und seiner persönlichen Auspruchlosigkeit der größten Wertschätzung erfreuen durfte. Herr Windecker, der aus einer angesehenen Friedberger Familie stammt, übern.ahm schon frühzeitig das von seinem Vater und seinem Onkel gegründete Kolonialwarengeschäft, be.sen Cmgros-Abteilung er nach Abtrennung des Detailgeschäfts mit verschiedenen Teilhabern unermüdlich bis zu seinem Tode weiterbetrieb. Nachdem seine Frau schon wenige Jahre nach seiner Ehe­schließung gestorben war, führte er mit seiner Schwester ein vorbildliches Familienleben. Lange Jahre gehörte er dem Kirchenvorstand und der Kirchengcmeindevertretung an; als Rechner der Herberg« zur Heimat leistete Herr W. Jahre hindurch viele uneigennützige Arbeit, wie er auch im Stillen viel gutes tat. Ter Verstorbene war ein warmherziger Patriot, der was nur wenig bekannt sein dürfte als einer der ersten für ein starkes einiges Deutsch­land unter preußischer Führung ein trat. Seine Beer­digung gestaltete sich zu einer erhebenden Trauer- tündgebung; u. a. gaben ihm der evaug. Arbeiterverein, dessen Mitgründer er war, und der Gießener Wingols, bein er als erster Ehrenphilister angehörte, bas letzte Geleite. >lirchenrat D. Sch l o sser hielt ihm bie Gedächtnisrede über Psalm 90, Vers 10, toäljrenb Pros. Weimar im Namen besWingolf" unter ehrenben Worten einen Kranz nieberlegte.

** 1. Verkehrstag in Gießen. Ter geschäfts- sührenbe Ausschuß für ben 1. Verkehrstag in Gießen hielt bieser Tage seine Schlußsitzung ab, und es wurde dabei von ben Vertretern aller beteiligten Körperschaften mit­geteilt, baß man in ber Bürgerschaft unb besonders in der Geschäftswelt unserer Stabt mit dem Verlaus des Tages sehr zufrieben ist. Es war burch ihn den hiesigen Ge­schäften ermöglicht, ben Einheimischen wie auch ben zahl­reich hierhergekommenen Fremden zu zeigen, baß sie üi ihrer Leistungsfähigkeit durchaus nicht hinter denen be- beutend größerer Städte zurückstehen: unb wenn sich auch manche aufgewanbtc Mühe nicht sofort belohnte, so wirs sie boch sicher in ber Folge gute Frucht tragen, lieber bie Fortschritte der Stadt selbst aber konnte man aus bent Munde der Fremden gar manches anerkennende Wort hören; galt Gießen früher als ein schmuHiges Nest ein Weltblatt scheute sich sogar vor einiger Zett nicht, sich mit einem Jeuilletonartikel in ben Gießener Schmutz zu legen so zeigt es sich heute mit feiner eleganten Straßenbahn, feinent neuen Pflaster unb )einer tadellosen Beleuchtung als eine Stadt, die ben Vergleich mit ihren größeren unb bedeuten- ;eren Schwestern^ nicht zu scheuen braucht. Die zahlreichen' rnalerischcn Straßenbilder mit den schönen FachwerDauten,- )ie prächtigen, peinlich sauberen Vertcmfsladen mit ihren jerrlich dekorierten Schcmfensvern haben manchem Besucher von auswärts, der Gießen seit Jahren nicht mehr oder überhaupt noch nicht gesehen hat, Worte des Staunens und )er Bewunderung entlockt. Ganz besondere Anerkennung verdient der B e w e r t u n g s a u s s ch u ß für den Schou- ensterwettbewerb. Die Herren, die in selbstloser Weise das nühevolle Amt eines Preisrichters übernommen haben, laben dadurch nicht nur den ausstellenden Firmen, sondern, auch der ganzen Stadt einen schätzenswerten Dienst geleistet. Ihnen gebührt daher nicht nur der Dank aller derer, die'in >en Besitz eines der prächtigen Bewertungsdiplome ge­kommen sind (von denen übrigens schon einige in schmuckem Rahmen eine Zierde der Schaufenster bilden), sondern auch )er ganzen Bürgerschaft und vor allem auch derer, deren Teilnahme und Interesse sich nicht nur daraus richtet, daß unsere Vaterstadt sich immer weiter entwickelt, fonoern and) toie sie sich entwickelt. Die guten Erfahrungen mi: )em 1. Verkehrs tag haben übrigens den geschästssührenden Ausschuß bewogen, auch gegen ben «Sommer hin einen olchen einzurichten.

** Oberhessischer Obstbauverein. Gegenüber dem Vorgehen ber Obstzüchter des Kreises Büdingen, die sich vom iurerhessischen Obstbauverein getrennt haben, gedenkt der Aus amB des Provinzial Vereins in einer Äusschuszsitzung demnächst Schritte zu tim. Für den Kreis Büdingen ist ein besonderer Obstbauverein gegründet worden.

** V erh aftet. Ter von ber Königs. Staatsanwaltschaft Giene wegen Rückfalldiebstahls steckbrieflich verfolgte Hausierer Paul Geraeds aus Piersen wurde hier verhaftet.

N e t t e F r ü ch t ch e n. Zwei Schuljungen wurden gestern abend dabei ertappt, als sie einen Automaten, der vor einem Gcschästshause in der Friedrichstraße steht, mittelst Nach-- . ) chlü11el zu öffnen versuchten. Der Schlüssel brach ab, und so Icheiterte^das Umeruehmen.

Steinbach, 18. Jan. Am 16. b. M. fand ein Familien abend vom Zweigverein Steinbach des Evangelischen Bundes" statt. Der Vorsitzende/