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15.2.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 37

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Vir »Sietzeaer grtmriltenblätter* «erben bem .Anzeiger^ atermo) «Lchenrlich beigelegt, bai Krtisblati M> bet Kreis (Heften- zweimal »öcbentlittL Die ^Lanbwtrttchastltchev Seit* fragev" «Ichemen monatlich tmeunaL

Dienstag, 15. Februar 1910

160. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Eeneral-Rnzeiger für Gberhchen

Woteftenfbred «n» fleftog bei «rSHNche» UnUxr|itätfl Buch, anb 6tetnbtudettti 0L 8 e g e, Gießen.

fiebaftton, Expebittm» and Druckerei: Gckml« strotze 7. Expedition and Verlag: e=^ öL 9iebaltton:fc3® 112. TeU-Ad^ Anzeiger <L re gen.

Preußischer Handelsminister Dr Sydow:

b Belsen.

Vizepräsident Dr. Spahn

inen

erg-

ipielle und sach

e in Hannover er»

an den Bundes

Weihnachten veröffentlicht

Deutscher ReichStaq.

85. Sitzung, Montag, 14. Februar.

Am Tische des BundeSratS: Dr. Sydow, v. Amrim,

Abg. Hausmann (Natl.):

Es handelt sich tatsächlich um eilten 8 a»5 absonder­lichen Fall. Wir werden unsere Stellung auch von der Er» lläruna abhängig machen, ob etwa auch auf anderen Produkttons- gebieten ein ähnliches Verfahren in Aussicht genommen werdet wird. Einstweilen wird Statt tn abbauwürdigen .^.^ngen aus­schließlich in Deutschland gewonnen. Deutschland ist also Hüter von Schätzen, die es sonst tn der ganzen Welt nich. gibt. Es bat dafür zu sorgen, daß sie nicht v e r s cy l e u d e . t werden. Ge- wiß bringen einzelne Werke große Profite, ergibt aberauA zahE lose, die überhaupt leine Rente abwerfen, ^wße staattrche und vaterländische Interessen stehen auf dem Spiele In besonderen Fällen sind auch besondere Maßregeln notig Oie ^rist könnte vielleicht a u f z c hn Iah r e b e) ch rank werden M^° gebend für uns ist der GesiaMpuntt, daß es sich um große wirt schaftliche und vaterländische Interessen handelt Darrttn steh^ wir d em Entwurf freundlich gegenüber. Wir werden in der Kommission gern Mitarbeiten. (Beifall.)

Abg. Dr. Röficke (Kons.):

Die Materie, mit der sich der Entwurf befaßt nimmt er^ Ausnahmestellung in Deutschland ein Es handelt U um em deutschesMonopol. Nun besteht zwar nicht die Gefahr, dcch diese Bodenschätze in absehbarer Zeit erschöpft werden können, es lieg! aber die Möglichkeit vor, daß das Ausland dadurch gegen toi» Inland konkurrenzfähiger gemacht wird. Der Webner wech auf die Bedeutung hin, die Kali als Düngemittel für öu deutsche Landwirtschaft besitzt. Das Ausland hat all­mählich in Deutschland festen Fuß gefaßt. Das eine natio­nale Gefahr. Wir verlangen von einem Syndikat, daß es einen nationalen Charakter hat. Das können wir z. B. von dem Kohlensyndikat nicht sagen. Alle Mißstände im Kaliabsah waren nicht eingetreten, wenn man seinerzeit gemäß den VorMagen des Grafen Kanitz den Kaliausfuhrzoll cingefuhrt hatte. Die gesetzliche Regelung halten auch wir für notwendig und zweckmäßig. Wie sie sich aber gestalten soll, darüber müssen wir un? die ge­nauere Erwägung tn der Kommission Vorbehalten. Dem Abg. Go» thein wollen wir die Landwirtschaft nickt auSliefern, sonst wäre e$ um sie geschehen. (Sehr richtig! rechts.)

Abg. Huc (Soz.) :

Wir sehen m dem Gesetzentwurf einen interessanten Versuch und werden uns in der Kommission an seiner Gestaltung beteili­gen. Er birgt die Bankerotterklärung der freien Privattätigkeit in der Kaliindustrie in sich. Wir haben 1904 bereits auf die Anarchie in der Kaliindustrie hmgewtefen und im nationalen Interesse Schuhmaßregeln verlangt. In derKuxen- fleitunq" sind verschiedene Mitglieder des Reichstags genaimt, von Dannenberg. Graf Oppersdorfs, Müller-Fulda, Meyer-K<wfbeuren, die eine Unterredung mit dem Direktor Dr. Sauer des Kalisyndt- kats gehabt haben sollen, wonach sie als Jnteresienten er'chemen könnten. Ich bitte um Aufklärung darüber. Wenn dieses Ge. setz eine Mehrheit finden sollte, so werden wir dafür sorgen, daß die geschädigten Arbeiter und Beamten eine, Ent­schädigung erhalten, und daß in Zukunft Tarifverträge mH den Arbeitern der Vertriebsgesellschaft abgeschlossen werden. Im Gegensatz zu den geradezu märchenhaften Gewinnen in der Kaliindustrie erhalten selbst die besten Arbeiter in ihr nur 4,50 Mk. Lohn pro Tag.

Die Vorlage geht an eine Kommission.

Preußischer Oberberghauptmann v. «elfen:

Herr Gothein bat sich in seiner Rede viel mit dem Tun unb Lassen der preußischen Bergderwaltung beschäftigt, um sich an ihr zu reiben. Nehmen Sie mir es nicyt übel, wenn ich Jh' auf diesem Wege nicht folge; denn was die preußische Se Verwaltung zu tun oder zu la^en hat, hat sie vor demp^utzrsck«' Landtage au vertreten. Der Redner erwidert aufAusfuhrungw des Aba. Gothein. Was den verstorbenen Minister Br e Ad an- betrifft, so kann ich es nur bedauern, wenn er Herrn Gothein zu seinem Vertrauten gemacht hat. (Beifall rechts.)

uns sehr unbequem werden könnten, zu gewärtigen hätten.

Nun nochmals zurück zu Herrn Gothein. Er hat es für gut befunden, vertrauliche Mitteilungen, die em ver­storbener Amtsvorgänger von mir ihm gemacht hat, aus du Tri­büne '"des Reichstags zu bringen. (Hort, hort! rechte.) Ich stehe der Frage etwas kritisch gegenüber, ob Herr Gothein die richtige Auffassung dafür hatte, was ihm gesagt wurde. Jedenfalls weiß ich aber, daß, wenn der Verstorbene es geahnt batte baß <nnc solche vertrauliche Bemerkung hier nach feinem Ableben dazu benutzt werden würde, um die Negierung anzugreifen, er ganz gewiß Herrn Gothein nicht in sein Vertrauen gezogen hatte, (Lebhafter Beifall rechts.)

Die starken Töne, die der Vorredner der Regierung gegenüber gebraucht hat, erinnern mich an schwere Zeiten des vergangenen Jahres. Sie sind mir damals nichi auf die Nerven ge­fallen und lassen mich auch heute kalt. (Sehr gut! rechts.) Der Abg. Gothein ist nie ein Freund der Landwirt-, schäft gewesen. (Sehr richtig! rechts.) Von dem ersten Tage meines Amtes an habe ich gewußt, daß ich nie in der Lage sein würde, mich der Zustimmung deö Herrn Go.hein zu erfreuen. (Sehr gut! rechts.) Aehnlich stand es auch mit meinem Vorgän­ger. Seine Rede lief auf den alten Witz hinaus, daß ich ein M i - nister gegen Handel und Gewerbe sei. Das hätte er .sich schenken können, denn damit macht er einem Beamten den Vor­wurf, daß er gegen Pflicht und Gewissen handele. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Der Abg. Gothein hat sich nut einer rührenden Liebe der Amerikaner angenommen. Er sagie, jeder würde so handeln wie die beiden Kaliwerke, und es wäre dumm gewesen, wenn sie nicht die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen versucht hätten. Nein, Herr Gothein, es gibt ein Ge- rechtigkeitsgefühl dafür, daß auch die Konkurrenz leben will, und ich bestreite es. daß der Standpunkt, wenn ich nur mein Schäfchen scheren kann, so mag werden, was da will, der Auffassung eines ordentlichen Kaufmanns entspricht. (Sehr richtig! rechts.) Die Abgg. Dr. Heim und Frhr. v. Gamp sind ja trotz aller Bedenken gegen den eingeschlagenen Weg mit dem Grundzug der Vorlage einverstanden, daß nickt das Ausland sich auf Ko st en des Inlandes bereichern soll. Wir werden in der Kommission zu prüfen haben, ob dieses Ziel auch noch auf einem anderen Wege erreicht werden kann: ich bezweifle das aber sehr start. Die Frage des Ausfuhrzolles ist ernstlich et- mogen worden, es hat sich aber ergeben, daß eine Bestimmung des Ausfuhrzolles nach der Höhe des Verkaufspreises schon daran scheitern würde, daß die Verkäufer es in der Hand haben, einen Scheinpreis zu konstruieren. Dann aber sind Bedenken gegen einen solchen Ausfuhrzoll aus allgemeinen handelspolitischen Ge­sichtspunkten aus zu erheben. Die Regierung wird daran festhal­ten daß wir mit einem Ausfuhrzoll nicht arbeiten können, weil wir unsere handelspolitische Situation gegenüber dem Auslände verschlechterten, da wir andere Ausfuhrzölle _bes Auslandes, bte uns sehr unbequem werden könnten, zu gewärtigen hätten.

1 y " o t e i n. @r M eS für

die einzelnen Werke. Es ist eigentlich nichts anderes als das bisherige Syndikat, nur mit bem Unterschied, daß es nicht mehr von dem Willen der Einzelnen abhängt, den Bestand des Syndi­kats durch einseitige Maßnahm°n zu zerstören. Die staatliche Einwirkung auf diese Betriebsgemeinschaft drückt sich in dreierlei aus: in einer gewißen Kompetenz des Bundesrats, in einer gewissen Kompetenz bei Berufungskommission und in dem Bestehen des Reichskomm iss a r s. Die Be - wegungsfreih"it .m kaufmännischen Sinne ist in_ feiner Weise beschränkt. Der Antrag, welchen Preußen ~ rat gerichtet hatte, und der kurz vor Weihnacht

wurde, ging, wie Sie wissen, weiter. Nach diesem Anträge sollte die Produktion eingeschränkt werden auf diejenigen Werke, die bereits vor dem 1. November des vergangenen Jahres Schächte niedergemacht hatten Den Bedenken, die in der Öffentlichkeit erhoben wurden, verschließt sich der Bundesrat nicht, unb er hat, und zwar wie 'ch ausdrücklich hervorhebe, mit Zustimmung Preußens, beschlossen, den Grundsatz der Einschränkung der Zu­gehörigkeit zur Betriebsgemeinschaft fallen gelassen, um jedem Werke den Beitritt zu ermöglichen. Allerdings ist nicht zu ver­kennen, daß die kleinen schwachen Werke im Gegensatz zu den größeren dadurch eine günstigere Position haben. Auf der an­deren Seite sind die kleineren Werke nicht mehr wie früher in der Lage, mit Angeboten nach außen eine Pression wegen Erhöhung

Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.):

Der Reichstag hat mit dem Gesetz ein selten schwieriges Problem zu lösen. Jetzt haben wir etwa 50 Werke, binnen kurzem werden wir vielleicht 100 haben. Jedenfalls habe ich ernste Sorge, daß daS hier vorgeschlagene Mittel nicht zu einer Sanierung führen wird, sondern vielleicht den Zusammen­bruch der kleinen Betriebe zur Folge haben wird. Es ist ohnehin schon sinnlos gewirtschaftet worden. Einen genügen­den Schutz bet inländischen Abnehmer gegen hohe Preise finde ich in der Vorlage auch nicht. Notwendig ist auch, daß unsere In­dustrie gegen unberi-cktigt hohe Preise gesichert wird. DaS kann einfach dadurch geschehen, daß man bestimmt, daß die Preise für Industrie und Landwirtschaft gleich sein müssen.

Trotz des großen Wohlwollens für die Erhaltung bei: Kali- Industrie und noch wehr für die Förderung der Landwirtschaft haben wir gegm das Gesetz große p r i n a i p r * Jt

liche Bedenken. Gerade die Verhältnisse schweren die Lösung der Frage. Die Analogie mit der Kohlen- Industrie liegt nahe"wenn die Regierung schon einmal solche Für­sorge zeigt. Hoffentlich kommen wir noch zur Verständigung. Wir schlagen eine Kommission von 21 Mitgliedern vor. (Beifall.)

scheint allerdings im öffentlichen Interesse zu liegen. Wenn einem Lande durch die Natur die Möglichfeit gegeben ist, ein Produkt ausschließlich zu besitzen, auf dcsien Bezug das Aus­land angewiesen ist, so ist das ein Moment der wirtschaft­lichen Stärke. Das ist bei den Vereinigten Staaten der Fall mit dem Petroleum und der Baumwollproduktion und auch in Schweden, dessen Handelspolitik sehr günstig beeinflußt wurde, seit die großen Erzlager gefunden worden sind, auf die das übrige Ausland in hohem Maße angewiesen ist. Deutschland ist seit der Erschließung der Kaliwerke in einer solchen Lage. Ganz besonders aber kommt hierbei noch das Interesse der deutschen Landwirtschaft in Frage. Aus allen diesen Gründen haben die tierbünbrten Regierungen einen gesetzgebe­rischen Einfluß für unverschiebbar gehalten. Die Frage ist nur, wie den von mir angebeuteten Zwecken am besten entsprochen werden kann. Die Antwort ergibt sich nach Meinung der ver­bündeten Regierungen tn dem vorgelegten Entwurf. Bei der Regelung der Angelegenheit stehen an der Spitze drei Ge­sichtspunkte : einmal soll die Kali-Industrie in erster Linie den Inlandsbedarf decken, zweitens sollen die Inlands- vretse niedrig gehalten werden, unb drittens dürfen die Auslandspreise nicht niedriger sein als die In­landspreise.

Der Entwurf schlägt vor, die sämtlichen Produzenten von Kalisalzen zu einer Verkaufsgemeinschaft, das ist zu einer Vertriebsgemeinschaft, zusammenzuschließen. Die Gemeinschaft verkauft die Produkte und verteilt den Gewinn auf

Abg. Golhcin (Fr. 93g.):

Da haben wir ein Reichsberggesetz, aber was für eins! Das haben wir wirklich nicht erwartet. Es sieht wie ein Faschings­scherz aus, der das liebel noch schlimmer macht. An den miß­lichen Verhältnissen ist die Bergverwaltung schuld, nicht b i e Handelsminister. Die Minister haben ja auch nicht die genügende Vorbildung. Einer war früher Eisenbahner, der andere Oberpräsibent und ber jetzige ist ein als Schatzsekretär ver­unglückter höherer Postbeamter. (Unruhe.) Die Herren, die das Gesetz gemacht haben, dachten: Nach uns die Sintflut! Sie glauben nicht, daß sie nicht mehr im Amte sein werden, wenn der Krach kommt. Das Gesetz ist nicht dazu da, die Dummen zu schützen. Gewiß ist unrichtig, wenn das Kali ans Ausland billiger abgegeben wird. Dann ist es die v e r - dämmte Pflicht und Schuldigkeit ber Werksbesitzer, ebenso billig im Jnlande zu verkaufen. Das gilt besonders von den fiskalischen Betrieben. Amtlich hat die Regierung erklärt, baß ein Syndikat nicht mehr gebildet werden würde. Wie konnten die Kali-Industriellen aber nur eine Erklärung ber Regierung ernst nehmen? Es war ein Bluff in dem politischen Polerspiel. Ein Reichstagsabgeordneter wäre barauf nicht hereingefallen. Der Entwurf ist gerabezu eine Prämie für die Neugrundung von Werken. Die Hochkonjunktur wird benutzt wer­den, um recht viel neue Aktien an die Dummen abzustoßen. Die seriösen Werke aber werden lahmgelegt werden. Nur ein Heil­mittel gibt es: den freien Wettbewerb! Em ungeh. ier- Iicher Eingriff m die Freiheit der Industrie wird uns zugemulet. Dann verlangen wir auch offene Karten in ber Kommission. Der Bund b c y Landwirte hat durch Rabatte am Syndikat jährlich 240 000 Mart verdient. Damit dieses Gelb weiter in die Bundeskasse fließt, wird nun nach reichsgesetzlicher Hilfe ge­rufen. Die Herren vom Bunde haben sogar ein Werk selbst erworben, angeblich um Einfluß auf die Preisgestaltung zu er­halten. Gleich Darauf verlangte dieDeutsche Tageszeitung" nach gesetzlichem Schutz. Das ist die Vorgeschichte dieses Gesetzes.

Dieser ganze Entwurf ist landwirtschaftsfeindlich, denn er verteuert das Kali. Er liegt auch nicht im Interesse ber Kali- Industrie, nur in dem ber Spekulanten Wir sind daher prin­zipiell dagegen, werden aber in der Kommission Mitarbeiten. (Beifall links.)

eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.

Erste Lesung bc8 Kaligesetzcs.

Abg. Gothein (Fr. Vg.) macht den Vorschlag, die schon vor Weihnachten eingebrachte I n - terpellatioi. seiner Parteifreunde, die damals zurückgestellt wurde, jetzt mit zur Verhandlung zu stellen. Das ist nur zulässig, wenn kein Widerspruch erfolgt.

Abg. Gröber (Zentt.) hält ba£ für unzweckmäßig und erhebt deshalb Widerspruch

Abg. Gothein (Fr. Vg.)

Darm ziehen wir den Vorschlag zurück, werden aber natürlich verlangen, daß sie morgen auf die Tagesordnung gesetzt wird.

Es findet also jetzt nur die erste Lesung des Gesetzes statt.

Preußischer Hanbelsminist-r Dr. Sydow:

Der Entwurf schlägt Ihnen für die Verwertung der Produkte einer wichtigen Industrie auf die Dauer von 20 Jahren gewisse Normen vor. Er faßt die Produzenten zu einer Gemeinschaft zu- fammen und gibt Vorschriften, die sie beim Verkauf der Produkte zu beobachten haben. Es ist nicht zu bestreiten, daß ber Vorgang neu und nicht gerade gewöhnlich ist. Aber neu unb ungewöhnlich sind auch die Umstande, die die Veranlassung zu fei­ner Einbringung gegeben haben. ES ist Ihnen bekannt, daß die Kaliindustrie sich bisher zu einem Syndikat freiwillig zusammen­gefunden hatte, das. in gewissen Zeiten erneuert wurde, und auf das den preußischen Hande lsministec ein gewisser Einfluß zustand. Der Zustand, bet dadurch geschaffen wurde, war im allgemeinen für die K o n s u m e n t e n befriedigend. Sie haben mäßige Preise gehabt, und baS Ausland hat höhere, doch nicht übertriebene Preise für dieselbe Ware bezahlen müssen. Weniger befriebigenb ipar die Entwicklung für die Produzenten. Mit dem zunehmenden Absatz wuchs die Zahl der neuen Werke. Sie wuchs außer Ver­hältnis zur Steigerung des Bedarfs. In den Jahren 1900 bis 1908 ist die Zahl ber am Syndikat beteiligten von 15 auf 80 ge­stiegen, hat sich also verdoppelt. Eine Rrihe anderer Werke bereitet mittlerweile sich zur Produktion vor, und in 4 bis 5 Jahren wer­den etwa 100 Kaliwerke im Betrieb sein. Mit der Verminderung des auf das einzelne Werk entfallenden Absatzes und ber Erhöhung der Zahl ber Werke ergab sich ein Herabgehen ber Renta­bilität, wodurch besonders die guten und starken Werke be­troffen werden. Die Folge war, daß gerade die betreffenden Werke sich nicht mehr im Syndikat wohl fühlten. Als nun die Erneuerung des letzten Syndikats im Juli v. I. erfolgen sollte, kam die Sache zum Slappen. Der Minister schiwem die Versuche, daö Syndikat wieder zustande zu bringen, die an den amerikanischen Verträgen scheiterten. Da ist die Industrie selbst zu ber Ueberzeugung ge­kommen, daß ohne gesetzliches Eingreifen die Herbeiführung eines geordneten Zustandes unmöglich sei. Allerdings stehen ja große materielle Interessen auf dem Spiele; in ber Kaliinbustrie sind fast eine halbe Milliarde Mark investiert, unb 80 000 Arbeiter werden von ihr beschäftigt. Aber zum gesetzgeberischen Eingreifen wäre ein Interesse ber Allgemeinheit erforderlich. Das Syn­dikat ist nicht in der Sage, die Aufgaben zu lösen, bricht aber das Syndikat zusammen, so entsteht ein Krieg aller gegen alle, unb dann ist der Zusammenbruch einer Reihe der schwächeren Werke unausbleiblich, unb bann ist kein Zweifel, daß sich sofort die amerikanischen Trusts den Einfluß auf eine Reihe weiterer Werke sichern werden, auf soviele tote sie brauchen, um ihren Bedarf zu decken. Von diesem Augenblicke an aber wäre es nicht mehr möglich, den Grundsatz aufreckt zu erhalten, daß das .KuSlanb keine billigeren Preise haben soll, als das Inland. Das Ende vom Liede würde sein, daß wir einen Trust ber sämtlichen Werke bekämen, in welchem, das Ausland eine über- wiegende Rolle spielt. Daß das vermieden wird,

ihrer Beteiligungsziffer auszuüben. Wir glauben, daß diese Ge° ichtSpunkte sich die Wege halten und daß schließlich auch innerhalb >es Syndikats es gelingen wird, denZutrittneuer Werke . in entsprechender Distanz zu halten. Der Entwurf . regelt die Verteilung des Inland- und Auslandabsatzes auf die ' Gemeinschaftsmitglieder. Es ist eine billige und gerechte Lösung < der schwierigen Frage gefunden worden, was mit den amerika­nischen Vertragen geschehen soll. Der Gesetzentwurf ist das Ergebnis einer langen Beratung und mannigfacher Erwä­gungen.

Es gibt keinen Weg, der weniger als ber von uns vorgeschla­gene in die Freiheit des Gewerbes eingreift. Alle anderen Pro­jekte erfordern viel schärfere Eingriffe. Unser W e g ist der ge­ratenste, ber einfachste, und wenn ich L^n Ausbruck gebrauchen darf, ber ehrlichste. Wenn Sie an ber Grundlage dieses Entwurfes festhalten über Einzelheiten wird sich ja in ber Kommission reben lasten, so werben Sie dadurch erreichen, baß bie Kali­verkäufe auch künftig im Jnlereste der deutschen Produktion ge­handhabt werben, daß bie deutsche Kaliinbustrie unb damit indirekt die deutsche Volkswirtschaft in ihrer Stellung gegenüber bem Auslande gefestigt wird. Werda glaubte, daß damit etwa ber Kaliinbustrie selbst ein großes Ge­schenk in den Schoß geworfen würbe, ber würbe sich sehr irren (Sehr richtig' links), denn ber Absatz wird ja zwar steigen, aber bie Zahl ber Werke, bie jetzt schon zunimmt, wirb ebenfalls an- tuachsen; immerhin wirb bie Möglichkeit geschaffen werden, bie Einnahmen ber Kaliinbustrie auf einem erträglichen Niveau zu halten. Unb bas ist ja wohl auch ber Grunb, weshalb bie Sali» inbustrie selber mit bem Wege, den wir hier Vorschlägen, im großen und ganzen zufrieden ist. Die Notwendig­keit zwingt zu einer Verständigung.

Abg. Dr. Heim (Zentr.):

Wir haben wohl Staatsmanopole, aber Privatmonopole mit staatlicher Stempelung kennt man nirgends. In Oesterreich würde man das einek. k. Privileg. Gesellschaft" nennen. Von einer Verschleuderung des Kali kann keine Rede sein, benn es ist niemals ans Ausland unter dem Selbstkosten­preise abgegeben worden. Wenn die Regierung es ernst meint, dann hätte sie wirklich früher Maßnahmen treffen müssen. Man hat der Sache ein doppeltes Mäntelchen umgehängt, ein nationales das deckt ja alles, unb ein agkarisches bas deckt ja Auch alles. (Heiterkeit!) Ich habe den guten Kern, der in der Vorlage stecken soll, noch nicht gefunden. Jedenfalls b e- halte i ch mir ein abschließendes Urteil vor. Viel­leicht erhalten wir in der Kommission noch Aufschlüsse. Bezeich­nend ist, daß am letzten Ende alles von ber Entscheibung des Bun­desrats abhängt. (Zuruf links. Unb der Reichstag?) Der Reb- ner bemängelt die einzelnen Bestimmungen der Vorlage, die Ent­scheidung über die Abgabe auf das nacPÄmerika gehende Kali liegt in letzter Hinsicht gruselt's Ihnen nicht? bei Herrn Morgan in Newyorkl Wer da noch über die Art der Entscheidung tm Zweifel ist, der ist em Zweifelsathlet. ^Heiterkeit!) Kann nicht anstelle der Betriebsgemeinschaft lieber eine Ausfuhrgesell­schaft sürKaligeschaffen werden, durch die der inländische Martt unberührt bleibt t

Wir müssen d'e ganze Frage vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachten. Unsere Landwirtschaft muß gegen das Gesetz alar­miert werden! Aber es dürfen feine Maßnahmen getroffen wer­den auf Kosten der Jnlandsabnehmer. Das ist ber einmütige Standpunkt des Zentrums.