Nr. 242
Drittes Blatt
160. Jahrgang
Samstag 13. Oktober 1910
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strage 7. Expedition und Verlag: ^0 51. Redaktion:«-^ 118. Tel.-Adru An-eigerGleßen,
Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Unwersiläls - Bi- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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MEiießener Kamlltenbldtter" werden dem ,91naeiger* viermal wöchentlich belgelegt, das ^Xrettdlan fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Leit» frage!- erscheinen monatlich zweimal.
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Leiter heilst es: Bei dein (larteii Anwachsen der acht- klassigen Schule sei die Schaffung eines Konferenzrechtes unbedingt erforderlich. Daß Verhältnis von Schule und Kirche bedürfe einer Neuordnung: „Wir sind für die Beibehaltung deß NeligionSunterrichtS in der Volksschule und wünschen ein friedliches Nebeneinanderarbeiten von Geistlichen und Lehrern, aber bezüglich des Vorlesedienstes, des LeichensingenS, der Kirchenaussicht und der Beaufsichtigung des Religionsunterrichts sind unsere Forderungen wohl berechtigt.^
Die freie Dienstwohnung bedeute für einen großen Teil der hessischen Lehrer eine Einbuße am Gehalte von 50 bis 2üO Mark — und über die Hälfte der Kollegen und Kolleginnen besitze überhaupt keine Dienstwohnung. Diese Angaben werden durch Zahlen belegt. Zum Schluß wird die Forderung vertreten: Bei gleicher Vorbildung und gleicher Berufsarbeit dieselben Gehalte.
„Heute erhalten die meisten Schüler der höheren Anstalten mit 15 Jahren die Einjährigen-Berechtigung; ein Teil derselben tritt mit 16 Jahren in das Lehrersemiitar ein, kann aber erst nach mindestens 3 Jahren und nach bestandener Staatsprüsimg feste Anstellung im Sckmldienst finden. Im pädagogischen Kursus müssen jährlich etwa 30 angehende Lehrer nach Erlangung des Maturitätszeugnisses nvch ein Jahr studieren. Und all diesen Leuten sollte man die Gleichstellung mit den mittleren Finan--- imb Justizbeamten verweigern?"
Der Artikel schließt: ,Gerade weil Herr Geheimerat Süffert von HauS aus Jurist ist, richten wir an ihn die Bitte: Für Lehrer und Staatsbeamte gleiche Pflichten und gleiche Rechte!"
,0,^. r^Tt,raIt fflT d" Volksschule -ms dem Fohr 1874 hat sich tm großen ganzen gut bewährt: er bildet heute nnh die Grundlage für die Stoffverteilung in den einzelnen Klassen, trotzdem ist er mit dec Zeit in mancher Hinsicht veraltet, luntt man hat deshalb in den verschißenen Kreisen längst Stoffplänä entworfen und probiert. Ein besonderes Augenmerk verdient der Ausbau der Volksschule, die Einführung von Wahlfächern in dm Oberklassen, tue stärkere Berücksftliitigung der örtlichen Ver- haltmiie und vor allem die Arbeit in der Fo r t b i l dun g s i schule. Selbst im Bauerndorf soll sie keine reine Ackerbauscl-ule «em, aber sie muß die Arbeit, den Beruf der Schüler so weit als nur möglich berücksichtigen. Das ist die beste Fortbildungsschule, m der man am gründlichsten Geschäftsaufsatz, Rechnen und Buchführung lernt, in der bei Wahrung der Autorität die Schüler am tiefsten mit dem Lehrer fühlen und die größte Lust zum Deiterbüden zeigen. Die heutige Berufskunde erweckt wohl durchweg wenig Interesse, ja, selbst für die Gesetzeskunde fehlt bei dreien SckKlern in der Hauptsache der geeignete Boden.
Es ist uns unverständlich, warum in Hessen die von der Regierung längst angekündigte Seminarreform immer noch nicht zur Durchführung kam. Nach den Vorgängen in Bayern, wachsen usw. kann man bei uns unmöglich die Einführung eines weiteren Ausbildungsjahres länger hinausschieben. Aehnlich verhält es sich mit der Neugestaltung der Schulverwaltung.! Es stünde mit unseren Landschulen fast durchweg besser, lvenn wir keinen Schulvorstand gehabt hätten und die Kreisschullommission bei den unvermeidlichen Operationen energischer dnrchgreifen könnte. Tie Schuld liegt da weniger an dem Vorsitzenden des Schulvorstandes als an der Zusammensetzung des letzteren. Die Lichtseiten der Gemeindeschule treten in den größeren Städten mehr zu Tage, auf dem Lande kam der Ruf nach der „Staatsschule" vor allem durch die üblen Erfahrurrgen, die man mit dem Laienregiment machte. Die Schule soll die Verbindung mit der Gemeinde festlwlten, aber nach der seit 1874 gemachten Erfahrung, würde die Stärkung des Laienelementes einen Rückschritt unausbleiblich zur Folge haben. Es gibt in der Schulverwaltung sehr vieles, das am raschesten und sichersten von dem Lehrer selbst besorgt wird: wenn er aber 9/io der lausenden Geschäfte doch et» ledigt, obwohl der Bürgermeister dem Namen nach den Vorsitz führt, dann soll er auch die Leitung der örtlichen Schulverwaltung übernehmen, dann soll die Lehrerschaft durch die von ihr gewählten Vertretern in der Kreisschulkommission auch in der Lage fein, an der Förderung desVolksschulwesens mitzuarbeiten.
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gehört, seine Hand angeboten habe, um das Bad zu sanieren. E- hieß sogar, daß er 300 000 Mark zur Verfügung gestellt habe. Dieses Gerücht entbehrt aber, wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, der Begründung. Dagegen hat sich ein Gläubigerausschuß gebildet, der unter allen Umständen das Bad sanieren und eutoi Konkurs verhindern will.
• Erfolge der NaturdenkmalSpflege. Seit dem Bestehen deS Gesetzes über die Pflege der Naturdenkmäler vom 15. Juli 1907 sind etwa 100 CrtSftatnte für geschlossene Ortschaften und mehr als 50 Verordnungen für landschaftlich hervorragende Gegenden erlassen worden. Dadurch sind etwa 120 kleme und größere Schutzbezirke in verschiedenen Teilen des Staatsgebietes gegen Verunstaltung eingerichtet. So z. B. im Regierungsbezirk Königsberg bie Seeküste des Samlandes in einer Länge von rund 58 Kilometer und einer Breite von 0,2 dis 3,5 Kilometer, im Regierungsbezirk Potsdam die Ufer der Havel- und anderer Seen, im Regierungsbezirk Frankfurt ein großer Teil des Spreewaldes, im Regierungsbezirk Breslau Teile des Waldenburger und des Eulengebirges, im Regierungsbezirk Liegniq Teile des Riesen- und des Jsergebirges, im Regierungsbezirk Magdeburg Teile des Harzes, im Regierungsbezirk Tlerieburg Telle des Saale- und des Unstrut- Tales. Ferner sind geschützt im Regierungsbezirk Schleswig Ufer- Partien zablreicher Seen und der Elbe von Grünhof bis Lannburg, im Regierungsbezirk Hannover Teile deS Osterwaldes, des Ith, des Deister, des Süntel u. a. m., im Regierungsbezirk HildeStieim beträchtliche Teile des Harzes und des Werra-, Fiilda- und Weser- Tales, im Regierungsbezirk Lüneburg die höchste Erhebung der Lüneburger Heide, der Wiliederbera mit dem Totengrund, im Regierungsbezirk Arnsberg mehrere Waldtäler, im Regierungsbezirk Wiesbaden das Rhemufer von der Grenze des Landkreises Wiesbaden bis über die Mündung der Lahn hinaus, beträchtliche Teile des Lahntales, des Westerwaldes und des Taunus, im Regierungsbezirk Koblenz das Rhelnuser von der Nahemündung bei Bingen bis zur Moselmündung bei Koblenz und im Regierungsbezirk Trier mehrere Gebiete von den Tälern der Ruhr, der Urft und des Oiesbaches.
* D er Krach von Heiligendamm. In dem uralter, mecklenburgischen Seebad Heiligendamm, dessen schöner Strand und dessen rauschende Buchenwälder alljährlich viele Sommer- rischler, vor allem aus den Kreisen der Aristokratie anlockten, hat es in der letzten Zeit stark gekriselt. T<rs Bad war im vergangenen Frühjahr Eigentum einer G. m. b. H. geworden, an deren Spitze der Nesse der Romanschriftstellerin Marlitt, Herr ^ohn-Marlitt aus Berlin trat. Trotz des verl)ältnismäßig guten Besuches, dessen sich das Bad in der letzten Saison wieder erfreute, geriet die Gesellschaft, wie schon berichtet, in Zahlungsschwierig keilen, und bie Passiven haben sich jetzt auf die ansehnliche Höhe von einer Million Mark erhöht. Tie Gesellschaft, die das Bad wohl zu großzügig ausgebaut hat, wurde in letzter Zeit von ihren Gläubigern stark bedrängt und hat jetzt die Zahlungen eingestellt, um niemanden zu benachteiligen. Es war das Gerücht verbreitet, daß der Kronprinz, der zu den eifrigsten Freunden des Bades
Die hessischen Lehrer unö der neue Leiter des hessischen Schulwesens.
In der neuesten Nummer des .Schulboten für Heften" ist ein Artikel ,Unter neuer Leitung*, versaßt von Krapp, bemerkenswert. Es heißt darin: .Wir betrachten es als unsere Aufgabe, dem neuen Leiter des hessischen Schulwesens die Wünsche vorzutragen, die der Landeslehrerverein nach dem Tode von Geheimerat Dr. Eisenhuth bald erfüllt sehen möchte. * Dann fährt der Versaftec u. a. fort:
Ist es den gesetzgebenden Faktoren bekannt, daß selbst die Witwen der ältesten Lehrer weniger Peirsion beziehen als die Hat die Großh. Regierung roirflid) tnf Absicht, der Witwe eines Oberlehrers, der über 50 Jahre un Ttenste stand, auch ferner -weniger zu geben als die Witwe an derselben Schulgruppe als Ruhegehalt bericht ? Tie Großh. ^Regierung bringt hoffentlich noch diesen Herbst die dringendste unserer Forderungen zur Verhandlung: Die Gleickst- stellung unserer W itw e n und W aisen mit denen der Staatsbeamten.
Bei Errichtung der F ortb ildung s schul en , 1874, zahlte man om Lehrern pro Stunde 1 Mk.; das war schon damals eine recht bescheidene Vergütung, wenn man bedenkt, lvelche Schwierig- vielfach zu groben Klassen ergaben. Heute, nach öb Satiren, bekommen noch viele Selyrer genau denselben Betrag; und selbst 1,25 Mk., 1,50 Mk. sind .für diese Arbeit absolut keine zettgemaße Entlohnung. Wie steht es mit der Durchführung der Schulpflicht? Bei den heutigen Löhnen bedeutet pt nnen 16- bis 17 jährigen Maurer- oder Schlosserlehrling, ja 125 bis 14jährigen Volksschüler eine Strafe von 20 Pfg. sehr wenig; mit solch veralteten Mitteln läßt sich heute em regehnamger Schulbesuch, aber auch das Ansehen der Schule nicht mehr 7 durckisührttl. Recht dringend ist der Ausbau der H a u s h a l t u n g s schu l e n; die hübschen Erfolge, die man seither in Darmstadt, im Kreise Groß^erau usw. erzielte, weisen, daß diese Schulen einem Bedürfnisse unserer Zeit entsprechen.
. .Unter Freunden. „Weißt du, meine Frau. . . . der reine Sekt!" — „So prickelnd?" — „Nee, so aufbrausend!"
* S i e w e i ß es besser. Er: „Aber liebes K4nd warum willst du Perlen als Geburtstagsgeschenk? Perlen bt* deuten ja Tränen!" — Sie: „Ja — aber getrocknete!"
* Widerspruch. „Gehen Sie zu der Galavorstellungi auch tief ausgeschnitten?" — „Aber selbstredend, man kann sich doch keine Blöße geben!"
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2. Kurze^Kochzcit und bcauemite Zubereitung.
3. Jede «orte bat den ihr eigenen, natürlichen Wohlgeschmack. SDian verlange ausdrücklich MAGGI» Suppen. (Os/10


