Erstes Blatt 160. Jahrgang Samslag 1?.September 1810
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MK General-Anzeiger für Oberhessen
bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Ruch- und Lteindruckerei K. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7
_______— ' u Anzeigenteil: H. Beck.
Die^>eutige Nummer umfatzt 14 Seiten.
politische Wochenschau.
Gießen, 17. SepL
Die Reichstagsersatzwahl in Frankfurt a. d. Oder, die am Donnerstag mit knapper Not eine Stichwahl zwischen dem nationalliberalen nnd dem sozialdemokrarischcn Kandidaten ergab, läßt die gegenwärtige Lage der bürgerlichen Parteien wieder in einem düsteren Zwielicht erscheinen. Erfreulicherweise ist der nationalliberale und nicht der konservative Kandidat mit dem Roten in die Stichwahl gekommen und so besteht wenigstens ein Schimmer von Hoff- nung, daß der nationalliberale Geh. Archivrat Winter mit konservativer Hilfe zum Siege gelangt, vorausgesetzt, daß die bei der Hauprwaht fern gebliebenen Wahlberechtigten sich zum größten Teile um die nationale Fahne scharen werden. Jrür die Konservativen liegt die von ihnen beabsichtigte Stichprobe — aus die Gewinnung des Mandates tonnten sie kaum ausgehen — vor; sie haben keinen Grund, sich darüber zu freuen. Wer die Roten für die Retter der Zeit hält, der mag sich die Hände reiben. Seit der tzauptwahl im Jahre 190? ift sowohl das nationalliberale, wie das konservative Barometer stark gesunken, die Ratio- nallibcralen verzeichnen eine Einbuße "von über 2300, die Konservativen von reichlich 1100; die Wahlbeteiligung war schwächer als das letzte Mal, und die roten Rächer der neuen Steuergesetzgebung haben etwa 1800 Stimmen neu hinzugewonnen. Tas alte, trübe Bild. In den bürgerlichen Lagern arbeitet man nun wieder mit Wenn und Aber, das Berliner Tageblatt rechnet z. B., der liberale Kan-, didat hätte bessere Erfolge gehabt, wenn er von vornherein nicht erklärt hätte, daß im Falle einer Stichwahl zwischen dem Konservattven und dem Sozialdemokraten die Parole für den ersten ausgegeben werden müsse, und von anderen Seiten bedenkt man, wieviel Sttmmen die Konservativen wohl weniger aufgebracht haben würden, wenn sie nicht einen Arbeitersekretär als Kandidaten aufgestellt haben würden. Tie 9Lationalliberalen berufen sich zum Tröste chrer großen Stimmeneinbuße auf das Hauptwahlergebnis von 1903: damals standen sie mit 7025 Sttmmen hinter den Konservattven zurück, die 8268 bekommen harten. Es ist nutzlos, sich in weitschweifige und mehr oder weniger gekünstelte Vergleiche einzulassen. Ein paar ernste, karge Worte sagen das Ergebnis, stellen die Lehren dar. Trüb sind die Aussichten auch im Frankfurter Wahlkreis, weil man nicht gerade Hauser darauf bauen kann, daß die konservativen Wähler vollzählig für den Liberalen arbeiten werden.
Bitter berührt es auch, daß das Werk, das selbst in trüben Tagen alle Deutschen einig, begeistert und hoffnungs-, ftoh zusammengeführt hatte, Schlag auf Schlag erleiden muß. Wieder ist ein Zeppelinsches Luftschiff vernichtet! Zweifler und Pessimisten lassen den Kopf hängen und sagen, das Werk des greisen Erfinders sei doch noch allzu unfertig und unsicher. Aber wenn es auch begreiflich ist, daß ein allgemeines Bedauern über die Katastrophe bei Oos um sich griff, so wird doch jeder Verständige so hämische und törichte Betrachtungen, wie sie ein Hauptzentrumsblatt, die „Germania", verbreitere, weit von sich weisen. Brachte doch dieses Blatt es ferttg, unter allerlei gttesgrämischcn Nörgeleien die Frage aufzuwerfen, „ob wir denn überhaupt nut der Luftschiffahrt nicht vielleicht auf völlig falschen Wegen" uns befänden? „Drum besser wär's, wenn nichts entstünde." Brauchen wir Luftschiffe? Das macht hoffärtig und erstickt die Frömmigkeit? „Wenn man
sich so wenig auf die Luftschiffe verlassen kann, dann ist es ebenso gut, man hat gar keine", so schreibt das Blatt wörtlich. In Wahrheit aber handejt es sich bei dem Unglück in Oos um eine Unvorsichtigkeit, die man künftig zu vermeiden trachten muß. Die Motore müssen nicht notwendig mit Benzin gereinigt werben, namentlich dürfen sie in so gefährlichem Augenblick nicht angekurbelt werden. Die Luftschiffe erheischen eine gut geschulte Bedienungsmannschaft, die'künftig solche Lehren und Erfahrungen beherzigt. Glücklicherweise wird die Zeppelin-Gesellschaft nicht im Sinne der „Germania" sich in die Wüste zurückziehen, sondern wird ein neues Luftschiff, den Ersatz für „Deutschland", in wenigen Wochen zur Stelle schaffen. Und ganz so gering sind die Leistungen des L. 1V 6 eben doch nicht gewesen. „Wir sind in 20 Tagen an 18 Tagen gefahren und haben an diesen 18 Tagen 34 Fahrten gemacht, also fast zwei Fahrten den Tag. . Wir haben in 18 Togen ungefähr 3150 Kilometer zurückgelegt, was eine Durchschnittsleistung von 100 Kilometern für den Tag bedeutet. Wir haben diese Fahrten nicht nur bei günstigem Wetter ausgesührt, sondern häufig gegen heftige Böen gekämpft. Wir sind um Gewitter herumgefahren und haben alle Fährlichketten vermieden. Diese 3150 Kilometer haben wir insgesamt in einer Fahrdauer von 65 Stunden zurückgelegt, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 47 Kilometern in der Stunde bedeutet. Wir sind beispielsweise bei einer Fahrt nach Mannheim mit einer Windstärke von neun Sekundenmetern von Oos weggefahren und sind gegen dieselbe Windstärke nach dreistündiger Fahrt glücklich wieder in Oos angekommen." Leider werden die schönen Herbsttage nicht weiter für die Passagierfahrten von Baden-Baden aus ausgenutzt werden können. Mit dem verunglückten Luftschiffe waren in den erwähnten 18 Tagen nicht weniger als 60000 Mark an Fahrgeldern und 25 000 Mk. Eintrittsgelder für die Halle vereinnahmt worden.
Die vor 4 Wochen in Griechenland gewählte Nationalversammlung ist am Mittwoch mit einer Ansprache des Königs Georg eröffnet worden und hat gleich in der ersten Sitzung die Streitfrage aufgeworfen, um die es sich seit langer Zeit in Griechenland handelt. Die eine Gruppe der Erwählten will, der neuesten Thronrede des Königs entsprechend, daß die Verfassung unversehrt aus derselben Grundlage erhalten bleibe und daß nur die nicht gründe legenden Besttmmungen revidiert werden sollen, die andere Gruppe will beschließen, die Nattonalversammlung möge als konstituierende Versammlung erllärt werden, womit nach der Erklärung des leitenden Ministers sofort ein Regierungswechsel ein treten würde. So erkennt man, daß die alten radikalen Forderungen noch immer weiter brodeln, wenn auch der Thron des Königs Georg heute weniger erschüttert erscheint als vordem.' Wahrscheinlich werden die ruhigeren Auffassungen einstweilen siegen, so daß die Nattonalversammlung tatsächlich int Rahmen der ihr durch die Abgeordnetenkammer im Frühjahr gesteckten Aufgaben sich hatten wird. In dieser Erwartung hat auch die türkische Regierung ihre früheren kategorischen Forderungen wegen der Beteiligung der Kreter'in der Nationalversammlung fallen lassen oder wenigstens stark ein* geschränkt, sobald aber die Nationalversammlung zur konstituierenden Versammlung erllärt würde, müßte die Kriegsgefahr unmittelbar heranrücken. Aber auch wenn her vom König angebeutete friedliche Weg verfolgt wird, lauern in der nächsten Zukunft alteret „schlangenhaarigte Scheusale". König Georg selbst sprach von einer Grundlage, „auf der die Verwirklichung der nationalen Ideale günstiger sein wird". Die Kreta-Frage birgt
die gefährlichsten Keime. Es ist nicht daran zu denken, daß die griechischen Wünsche irgendwie gefördert werden können, und die Jungtürken in Konstantinopel haben dafür gesorgt, daß die griechischeü Bäume nicht in den Himmel wachsen. Durch den Ankauf der zwei deutschen Kriegsschiffe haben sie diesmal eine Flottenmacht, über die Griechenland nicht verfügt, und in Konstantinopel hat man es verstanden, durch die Anknüpfung neuer Fäden insbesondere mit Defter- reich und Deutschland die Stimmung der Mächte sich gün-- ftiger zu gestalten. Die Griechen müßten von Sinnen sein, wenn sie jetzt der Stimmungsmache der kretsicken Führer Gehör schenken und die Türkei herausfordern wollten. Schon wird aus Konstantinopel gemeldet, daß für alle Fälle kriegerische Vorbereitungen getroffen worden seien. Durch die gleichzeitige Eröffnung einer Nationalversammlung auch, der osmanischen Griechen ist die Empfindlichkeit der Jung-' türken aufs Höchste gesteigert worden.
Lin neuer Unterstaatssekretär im HolonidlämC
Berlin, 16. Sept. Der Bürgermeister von Metz, Geh. Regierungsrat Dr. jur. Paul Böhmer, ist zum'Unterstaatssekretär im Reichskolonialamt ernannt worden.
Dr. Böhmer war bis zu seiner vor nicht ganz zwei Jahren erfolgten Wahl zum Bürgermeister von Metz Dezernent für Kunst- angelegenheiten im elsaß-lothringischen Ministerium in Straßburg. Dr. Böhmer galt, so entnehmen wir einer aus Mek datierten Mitteilung der „Franks. Ztg.", als persona grata beim Kaiser. Er ist geboren in Gammertingen in Hohenzollern im Jahre 1864. 1892 trat er in den elsaß-lothringischen Vermal tungsdienü über und war zuletzt von 1906 bis 1908 als Dezernent int Straßburger Ministerium tätig. Er ist für die Hebung der Stadt Metz, insbesondere für die Ausschließung des lothringü scheu Industriegebietes mit vielem Ersolg eingetreten. Als Vorsitzender des Verbandes zur Kanalisation der Mosel und Saar hat er gleichfalls eine rege Tätigkeit entfaltet. In politischer Hinsicht galt Dr. Böhmer wegen seiner .Haltung gelegentlich des Umbaues des llerikalen Hospitals Bon Secours als Parteigänger des Zentrums. Im liberalen Lager hat sich jedoch in der Folge die Ansicht entwickelt, daß Dr. Böhmer mehr aus Gründen der Opportunität sich der llerikalen Majorität des Metzer Gemeinderats angeschlossen hatte. Persönlich hat der jetzige Unterstaatssekretär des öfteren seine Zugehörigkeit zur klerikalen Partei energisch bestritten.
Die griechische Nationalversammlung.
Athen, 16. Sept. Bei Beginn der heutigen Sitzung der Nationalversammlung beantragten die'Revisionisten die Vereidigung der Mitglieder, dem heftig widersprochen wurde. Es kam zu lärmenden Zwischen-» fällen, bis Dragumis die Ruhe wieder herstellte. Dio Eidesleistung wurde vertagt; dann trat man in die Aussprache über die Befugnisse der Versammlung ein. Dim itrakopuleos warnte vor unliebsamen lieber^ raschungen und redete einer Constituante mit weitgehenden gesetzgeberischen Befugnissen das Wort. Die Sitzung wurde bann bis zum 9fbenb aufgehoben.
Im Laufe bet Zwischenfälle, die sich in ber heutigen Sitzung ereigneten, würben einige Abgeordnete hanbgemein, was zu lang anbauernbem Tumult führte. Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war und Ministerpräsident Dragumis unter lebhaftem Beifall seine Mißbilligung über den Fall ausgesprochen hatte, wurden zwei Anträge angenommen. Der eine, von den Anhängern der Verfassungsrevision ausgehend, besagt, daß die auf gesetzliche Weise gebildete Nationale Versammlung ihr Recht bestätige, die nichtgrundlei g cn b en Bestimmungen b er Verfassung zu revidieren und ihr neue zuzufügen.
Alexander v. Humboldt in Mexilo.
In der Stadt Mexiko ist am Mittwoch unter großen Feierlichkeiten ein Standbild Alexander v. Humboldts errichtet worden. Es ist dies nicht das einzige Gedenkzeichen, das an den Aufenthalt des berühmten Naturforschers und Reisenden in der Hauptstadt des alten Aztekenlandes erinnert. In der Ästla der dortigen Bergingenieurschule (Colegio de mincria) hängt schon ein Bild des großen Forschers, das ihn als Mann von 34 Jahren darstellt und zum Gedächtnis seines Besuchs in jener 1792 gegründeten und noch heute unverändert fort beliebe nben Akademie gestiftet worden ist. Die Porträtähnlichkeit des Bildes, das dem Schöpfer der Statue wahrscheinlich als Modell diente, wird von solchen, die den berühmten Gelehrten in seiner letzten Lebenszeit gekannt haben, trotz des Unterschieds der Jahre als eine überraschend große bezeichnet. Humboldt ist in ungekünstelter Haltung an einem Tische sitzend dargestellt, auf dem sich Papiere und physikalische Instrumente befinden. Sein Anzug besteht in einem dunkeln Uniformfrack mit umgeknöpften hellen Rabatten, hohem steifen Kragen und herabhängenden Schulterschnüren, einer weißen Weste und ebensolchem, Beinkleid und einem Halstuch von weißem Batist. Das Gesicht ift völlig bartlos, die leicht gelockten Haare sind cm den. Schläfen nach vorn gekämmt und bedecken zum Teil die hohe geistvolle Stirn. Die Augen sind die eines Denkers: der geschlossene Mund deutet auf Beharrlichkeit; eine gleichsam Philosophische Ruhe liegt über der ganzen Erscheinung. Das Bild ennnert, wie schon angedeutel, an Hunrbolbts Besuch in jener Fachschule m der zweiten Hälfte des Oktober 1803. Die „Voss. Ztg." gibt einen Bericht der „Gazeta de Mexico" wieder, der zugleich als Beweis der außerordentlichen Schätzung bienen kann, die man der Person und den Besttebungen des deutschen Forschers damals schon in der neuen Welt entgegenbrachte; er besagt über die Veranlassung folgendes: „An den Nachmittagen des 1 <. bis 21. Oktober" die Worte sind treu aus dem Spanischen übersetzt — „hielten die Alumnen des Königlichen Seminars für Minenwesen ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen ab in Gegenwart ihres Vizepatrons, des königlichen Ober-Tribunals, und zur Besttedigung eines zahlreichen und glänzenden Zuhörerkreises." Nach längeren Ausführungen über die Fortschritte und 'Leistuw gen der Zöglinge, ihre Kenntnise in Mathematik, Geologie, Ma^ ichlnemechnik usw heißt es dann weiter: „Zu dem außerordentlichen Glanze dieser Festlichkeiten trug in hohem Grade der Eifer ber gelehrten Examinatoren bei, unter denen sich Herr Alexander Baron v Humboldt besonders hervortat, der als leiben• schaffticher Verehrer der betreffenden Wissenschaften: und als warmer
Freund der Seminaristen feine Mübe scheute. .Mit unoerkenw- barem Vergnügen wohnte er dem festlichen Akte bei, examinierte persönlich alle Schüler, und an zwei Nachmittagen sah man ihn sich von seinem Sitze erheben, um bei der Anwendung der Apparate hilfreiche Hand zu leisten, nachdem er an den oorhergegange- nen Tagen in vertraulicher Weise mit den Alumnen in den Kabinetten und Laboratorien verkehrt, und ihnen seine Freude geäußert hatte, so fleißige und wohlunterricHtete junge Leute kennen zu lernen. Nach Schluß der Prüfungen hielt der Domherr D. Joso Beriftain eine Ansprache, in der er den Alumnen und Professoren zu ihrem Erfolge Glück wünschte, und, um sie zu neuem Fleiße auzuspornen, stellte er ihnen als Muster den Herrn Baron v. Humboldt hin, von dessen Persönlichkeit er eine kurze Skizze gab, in der er die Kenntnisse, Tugenden und alle hervorragenden Eigenschaften dieses Helden der Wissenschaften rühmte, dessen Beispiel in höchstem Maße geeignet sei, den jungen Leuten als leuchtendes Vorbild ihrer Bestrebungen vorgeführt zu werden". Die obengenannte Patronatsbehörde beschloß darauf, den illustren Gast um die Erlaubnis zu bitten, ein Bild von seiner Person an- fertigen lassen zu dürfen und es zur Erinnerung an seinen Besuch in einem der Säle des Kollegiums aufzuhängen. Humboldts Verdienste um die wissenschaftliche Erschließung und den wirtschaftlich-politischen Aufschwung Mexikos können nicht hoch genug angeschlagen werden. Sein „Essai politiaue für le Rovaume de Nouvellc Espagne" ist für die gcographisch-statistische nnd ebenso für die geognostisch-mineralogisck)e Erforschung des Landes bis heute grundlegend geblieben. Er lenkte zuerst hie Aufmerksamkeit der Welt auf die. bevorzugte Lage, die es zwischen dem Atlantischen und Stilleir Ozean einnimmt; er gab zuerst Aufschluß über seine unerschöpflichen Reichtümer an Metall und Bodenprodukten: er erkannte schließlich in der Regeneration der eingeborenen Bevölkerung die notlveirdige Bedingung für den materiellen und sozialen Fortschxüt des Landes. Wiederholt hat er auch später noch Ieinem Glauben an die große Zukunft Mexikos Ausdruck gegeben. Die Regierung und Bevölkerung des Landes sind für diese Shm pathien des großen Gelehrten nicht undankbar geblieben: sie ernannten ihn 1827 (zugleich mit seinem treuen Gefährten Bow Pland) zum Ehrenbürger nnd noch heute geniest der „Bürger zweier Welten" — wie man Humboldt mit Reckst genannt hat — nirgends in d^r Welt, selbst in seinem Vaterlande nicht, größere Verehrung als beim mexikanisck>en Volke.
— Die amerikanische Bühne als moralische A n st a l t. Der befannte Newyorker Theatermanager Charles
Frohman, ber bisher der Hauptgegner aller Theateraufführungeit. am Sonntag war, tritt nun mit dem Vorschlag eines besonderen: amerikanischen Sonntagstheaters hervor. Er will eine Aenderung des Gesetzes erwirken, das bisher dramatische ?lufführimgen am Tage des Herrn verbot, unb er behauptet, gerade mit letxfin Plan durchaus konseguent^die Bemühungen weiter zu verfolgen, mit denen er bisher den Sonntagsvergnügungen entgegengetreten ist. Sein Sonntagstheater soll nämlich dem großen Publikum, dem bas Anhören einer Predigt zu langweilig ist, die .Arche ersetzen; von der Bühne herab sollen die großen moralischm Probleme in einer Weise behandelt werden, die zugleich anregt und bessert. Es sollen nur Werke aufgeführt iverben, die dem Herzen eine feiertägliche Erbauung genüihren, es mit ernsten und weihevollen Gefühlen erfüllen und zur Erziehung und Besse rung ber Menschheit beitragen. Die Werke sollen in jeder Gemeinde von einem besonderen Komitee ausgewäblt werden, das ihre moralische Tendenz verbürgt. „Meine besonderen Sonntags ailfftihrungen," so erklätte Frohman, „sollen die llngerechtig feiten und Schäden unseres gegenwärtigen sozialm unb politischen Lebens barstellen und dadurch zur Reform und Besserung her Zustände beitragen. Eine Anzahl von Dramatiken^, so John Gals- worthy, Granville Water unb Bern ar d Shaw, widmen jetzt all ihre. Aufmerksamkeit dem Vorsatz, Stt'icke zu schreiben, die mit eindrucksvoller Beredsamkeit, Rechtlichkeit, Bn'iderlichkeik und Mensckienfreundlichkeft lehren. Bisher konnte bas Publikum, das am Sonntag nicht die .Arche besuchte, sich nur in Vergnügnngs- lokalen niederer Art amüsieren, nnd viele konnten die Sehnsucht nach einer höheren Form der Unterhaltung nickst befriedigen. Mit einem Sonntagsdrama möchten ich nun die Gedanken des Publl kums auf höhere Ideale richten." Frohman hat bereits zwei Stücke ft'ir diese Sonntagsaufsührungen int Ange, die alle feine Anforderungen erfüllen, nämlich „Gerechtrgkeit" von John Ctol* worthy und das in London mit vielem Erfolg aufgefübrte Schau spiel „Smith".
— Kurze Nachrichten ar? s Kunst n. W i ssen schaft. Der Altettumsforscher Hormund Rassan ist in Brighton gestorben. — In Freiburg i. Br. ist der Proftffor ber Mai he matif Dr. Jakob Lüroth im Alter von 66 Jahren g e sto rden Der Verstorbene war ein geborener Mannheime r. — Der spanische Kriegsminister beauftragte den gegenwärtig in Berlin weilenden Militärarzt Angel Morales, sich nach Franllurt a. M. zu begeben, um das Heilmittel Hata 606 zum Zwecke der Anwendung m der spanischenArmee zu studieren


