rcamqSverhältnffse waren güitfHg; der Himmel war bedeckt, aber es regnete nicht, dagegen beeinflußte ziemlich heftiger Gegenwind auf dem stark angeschwollenen Rhein einzelne Rennen empfindlich. Dennoch konnte die Regatta zu (mhe geführt werden. An erster Stelle der Sieger marschiert wiederum der Frankfurter Rudersportverein „Amicitia". Er gewann im Endkampf gegen Offenbacher „Germania" und Mainzer „Fortuna" in 7: 08 den Bürger-- Preis von Mainz, der jetzt Eigentum der „Amicitta" ist;, weiterhin gegen Mainzer >,Fortuna" in 8:49 den Herausforderungsvierer-» preis vom Mainzer R.-V. leicht, sowie überlegen mit 2 Langen den Großherzogs-Achter in 6:54 gegen Mainzer „Fortuna" und Frankfurter „Borussia", lvelche mit 2/s Sek. M»stand voneinander das Ziel passierten. An zweiter Stelle rangiert der Mainzer R.-Kl. 1903, der den Junior-Vierer in 7:45 sicher gegen Limburger R.-Kl. 1907, Gießener „Hassia" und Frankfurter „Borussia", sowie den Ermunterungsvierer gegen Mainz« „Fortuna", Limburg und Flörsheim in 7:44 nach Belieben gewinnen konnte. Der Frankfurter R.-Kl. „Alemannia" blieb im Berbandsvierer sicherer Sieger in 7:34 gegen Gießener „Hassia", Frankfurter „Borussia" und Mainzer „Fortuna". Die Mainzer „Fortuna" errang einen leichten Sieg im Airfängervierer in 8:52 gegen Flörsheim und Mainzer Kl. 1903. Im Trostvierer siegte Giern e r „Hassia" in 7:57 überlegen über Flörsheim. Der Junior-Einer wurde eine sichere Beute des schön fahrenden und brillant steuernden Offenbacher F. Brack in 8:54 gegen die noch unsicher fahrenden Schmalz (Gießen), Muhr (Mainzer Kl. 1903) Und Cazarn (Mainzer „Fortuna"), sowie gegen den noch sehr- schwachen Hahn (Flörsheim). — Dem Mainzer Regattaausschuß des Süddeutschen Ruderverbandes wurde vom Kaiser Wilhelm II. ein prächtiger Wanderpreis gestiftet, der am 28. August im Vierer ohne Steuermann in Mainz zum ersten Male zur Ausfahrt gelangen soll.
Erdbeben.
Ein Erdbeben in Tirol und Südbayern, das glücklicherweise keine Menschenleben kostete und nur geringen Schaden anrichtete, beunruhigte gestern vormittag außer den Bewohnern die zahlreichen dort jetzt ihrer Erholung nachgehenden Fremden. 'Es liegen darüber folgende Meldungen vor:
München, 13. Juli. Wie die hiesige Erdbebenstatton mitteilt, arbeitete heute morgen der Seismograph sehr stark; er verzeichnete eine erste Erschütterung urrt 9 Uhr 32 Min. 37 Sek.' und die stärkste Erschütterung um 9 Uhr 32 Min. 51 Sek. Der Herd des Erdbebens ist vermutlich Tirol. — Das Erdbeben wurde hier in zahlreichen Hausern an dem Schwanken der Möbel verspürt. In einigen Schulen wurde ein plötzliches Schwanken der Schultafeln und Wandkarten beobachtet; besonders stark machte sich das Erdbeben in der Gegend des Gärtner-Theaters bemerkbar. Im Schulhaus an der Klenzestraße hörte man, besonders in den oberen Stockwerken, ein starkes Donnern und Poltern. Die Mädchen liefen laut schreiend aus den Lehrzimmern. In den Kellerräumen 'der Schulen zeigten sich Risse. Auch der große Ratoausbau war starker Erschütterung ausgesetzt. In dem großen städtischen Vibliotheksaal schwantten die hohen, mit Tausenden von Büchern belegten Wcnidregale in bedenklicher Weise. Im Verkehrsministerium, im Telegraphen- und Telephonamt wurden ebenfalls starke Erschütterungen verspürt. Anfänglich herrschte der Glaube vor, es hätte eine Explosion stattgefunden. Die Leute liefen vielfach zusammen, um die Ursache der Erschütterung zu erfahren. Seitdem die Erdbebenstation in München besteht, wurde ein derartiges Erdbeben nicht wahrgenommen. An anderen Orten Ober- und Niederbayerns, sowie der Ober- Pfalz — wie Landshut, Rosenheim und Regensburg — wurde heute vormittag ein Erdbeben verspürt.
G a r m i s ch , 13. Juli. Heute früh 93/4 Uhr wurde hier ein wellenförmiger Erdstoß von drei Sekunden Dauer verspürt. Durch das Klirren der Fensterscheiben und das Erzittern der Möbel wurden vielfach Leute in Schrecken versetzt und liefen ins Freie. Der Meteorologe auf der Zugspitze hat den Erdstoß ebenfalls beobachtet; sein Haus erzitterte wie bei einem hef- ttgen Sturme. — Auch in Ober-Ammergau wurde der Erdstoß verspürt.
Innsbruck, 13. Juli. Ein sehr heftiger Erdstoß, mehrere Sekunden andauernd und von solcher Stärke, daß in den Wohnungen selbst-schwere Möbelstücke wankten, wurde heute vormittag verspürt. Soviel bis mittags feststand, wurde kein nennenswerter Schaden angerichtet. — Das Erdbeben wurde hauptsächlich in Nordtirol wahrgenommen, während Südttrol verschont blieb. Der erste Erdstoß war kurz und schwach und wurde um 9 Uhr 20 Minuten verspürt, die zweite Erschütterung dauerte fünf Vttnuten und war von einem dumpfen Rollen begleitet. Sie erfolgte 14 Minuten später und war sehr stark fühlbar. Die Leute verließen vielfach 'fluchtartig ihre Häuser. Bilder sielen von den Wänden, Türen sprangen auf und Fensterscheiben gingen mehrfach in Trümmer. Am stärksten war der Erdstoß im Oberinntal. Jn Nassereith und Silz stürz- feit mehrere Zimmerdecken und Schornsteine ein, mehrere Häuser zeigen klaffende Mauersprünge. Die Bevölkerung von Silz wurde von panikartigem Schrecken erfaßt.
Luftschiffahrt.
23ttt-et fefik, 13. Juli. „P. L. 6" ist heute mittag 11% Uhw nach glatter Fahrt eingetroffen, ncuWem bei Wurzen wegen des starken Nebels eine Zwischenlandung vor- gnwnrmen worden war.
Vermischtes.
* Die Berliner Erpresserrgeschichte. Für die Ermittelung der Erpresser und Bombenleger in Lichtenrade hat der Polizeipräsident eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Das Befinden des Gutsbesitzers Kraatz hat sich bedeutend gebessert. Es besdeht keinerlei Gefahr für die Augen, da der Sprengkörper nicht auseinandergeflogen ist und die Verletzungen nur durch das Aufpuffen des entzündeten Pulvers verursacht worden find.
* E i n schweres Automobilunglück. Aus Osnabrück wird gemeldet: Am Dienstag abend verunglückte zwischen Bissendorf undS uns deck das Automobil des Bankvorstehers Wilhelm Schmidt aus Bünde. Das Automobil brach die beiden rechtsseitigen Räder; die vier Insassen wurden heraus geschleudert. Dabei erlitt der Buchhalter Rahn- Bünde einen Schädelbruch und war soforttot; Moehle - Bünde erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Die beiden anderen Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Unglück wird auf ein zu schnelles Fahren zurückgeführt.
* Eine schwere Bluttat verübte am Mittwoch früh in Helmstedt der Grünwarenhändler Hermann Seel en - berg: er erschoß seine Frau, seine zwei Kinder und dann sich selbst. Weitere drei Kinder verletzte er schwer; sie mußten ins Krankenhaus Marienburg übergeführt werden; an ihrem Aufkommen wird gezweifell. Das Motto zur Tat ist in Nahrungssorgen zu suchen. Seelenberg, der eine gut gehende Backerei Ibesaß, aber in Konkurs geriet, äußerte sich schon öfter, er werde bei.Geldmangel sich und seine Familie erschießen. — Später wird noch gemeldet: Von den drei schwer verletzten Kindern des Gemüsehändlers Seelenberg sind noch am Mittwoch vormittag 11 Uhr zwei gestorben; das dritte Kind liegt hoffnungslos darnieder.
* Alas sen vergift un gen. Die „B. Ztg/ meldet aus Posen : In W o l l st e i n erkrankten nach dem Genuß von Kaffee 2 0 P e r s o n e n an schweren Vergistungserscheinungen; der Kaffee soll in einem kupfernen Kessel gekocht worden sein. — Aus Posen wird ferner gemelDet: In Schneidem ü h l erkrankte das gesamte Personal eines Geschäftshauses nach dem Genuß von F i sch- ko n s e r v e n an Vergittungserscheinungen. Der 19jährige Hausdiener Korner ist bereits gestorben; einige der Erkrankten befinben sich noch in Lebensgefahr.
*
* Sehr deutlich. Patient: „Ich fühle mich in letzter Zeit wieder recht schlecht, Herr Dvktor, ich habe schon allen Mut verloren." — Arzt: „O, das glaube ich nicht. Sie haben doch noch Mut .genug, mich zu konsultieren, trotzdem meine letzte Rechnung noch.nicht bezahlt ist!"
* Anerkennung. Hausfrau (die einem Bettler etwas zu essen gab): „Na, hat's geschmeckt?" — Be ttler: „Aber wirklich ganz famos, was haben S' denn morgen?"
Kleine Dagesastronik.
* Frau von Schönebeck-Weber ist am Mittwoch im Sanatorium des Dr. Weil in Schlachtensee eingetroffen.
Aus Thun wird gemeldet: Am Mittwoch wurde nach Sty* jähriger Bauzeit die 3600 Meter lange elektrische Drahtseilbahn^ auf den 2360 Meter hohen Niesen eingeweiht. Diese Bahn ist die längste Drahtseilbahn der Schweiz und hat eine Steigung bis 66 Prozent. Der Höhenunterschied zwischen der Talstation unb der Endstation auf dem Niesen beträgt 1650 Meter.
Aus Tann Wald (Böhmen) wird gemeldet: In der Nähe von Eisenbrod warf ein Mann im Wahnsinn sein jüngstes Kind in einen Topf siedendes Wasser, tötete ein zweites Kfnd durch Fußtritte, erwürgte die herbei- eileude Mutter und 'spaltete dem Vater mit einem Beil den Kopf. Erst nach einiger Zeit ist es gelungen, den Wahnsinnigen zu überwälttgen und in die Irrenanstalt zu schaffen. Zwei größere Kinder konnten sich rechtzeittg verstecken.
Nurrft, wifdenschast rind Leben.
— D i e Zeppelinsche Expedition. Aus Trom sö wird gemeldet: Die Dampfer „Mainz" und „Phönix" mit dem Priuzeu Heinrich von Preußen und den übrigen Teilnehmern an der Zeppelinschen Vorexpedition an Bord, sind, begleitet vom Torpedoboot „Carmen", nach Spitzbergen abgegangen.
— DieForschungsreiseFilchners. Die „Morning- post" veröffentlicht ein Interview mit dem Forschungsreiserrden Filchner, welcher erklärte, er beabsichtige nicht, mit Scotts Expeditton zu rivalisieren. Das Ziel seiner eigenen Expedition sei nicht der Südpol selbst, sondern die Erforschung des Meeres und des Landes am Pol. Die anfänglich geplante ergänzende Expedition nach dem Roßmeer sollte nicht ein Einbruch in .Scotts
Forschungsgebiet sein. Er habe nunmehr diese ergänzende Expedition aufgegeben, obwohl Scott ihm erklärte, daß er eilte zwei« Expedition nach dem Roßmeere mit der Basis King Edwnrdsland keineswegs für unfreundlich ansehen würde. Filchner erklärte ferner, er wolle ebensowenig die Kreise der schottischen Expedition Dr. Bruce stören. Er beabsichtige eine Aussprache mit Bruce,und erhoffe eine ebenso freundschaftliche Verständigung wie mit Scott.
— Bildersammlung der Berliner Universität s p r o f e s s o r e n. Aus Anlaß des Universitätsjubiläums soll die bei der Universität seit 1836 bestehende Sammlung von Bild- nissen (Lithographien und Photographien) der früheren und jetzigen Professoren der Universität vervollständigt werden. Es ist be- absichttgt, die Sammlung während der Festtage auszustellen. In dem bisherigen Bestände der Sammlung fehlen noch die Bilder einer großen Anzahl von Professoren, besonders solck)er, die verstorben oder an andere Universitäten berufen sind. An alle, die in der Lage sind, zur Vervollständigung der Sammlung beizutragen, sei es durch Hergabe vop Bildern, sei es durch Nachweis, auf welchem Wege, etwa durch Vermittlung von Verwandten, Freunden oder Schülern der Professoren, das eine oder das andere Bild zu beschaffen wäre, ergeht die Bitte, ihre Zusendungen oder Mitteilungen an die mit der Vervollständigung der Swumlung beauftragte Amtliche Akademische Auskunftsstelle an der Univerfftät Berlin gelangen zu lassen, von der auch ein Verzeichnis der in, der Sammlung noch nicht vertretenen Bilder zu erhalten ist.
— Ei n Neunzigjähriger. Der Altmeister der Kinderheilkunde Geheimrat Professor Dr. med. Eduard Heinrich He noch an der Berliner Universität begeht am 16. Juli seinen 90. Geburtstag. Er ist ein geborener Berliner. Seine Hauptlehrer! waren Schönlein und Romberg. 1843 wurde er Doktor, war lange Zeit Assistent bei Prof. Romberg an der Universitäts- Poliklinik und habilitierte sich 1850 in der Berliner medizinischen Fakultät. 1858 wurde er a. o. Professor und gründete 1860 eine eigene Kinderpoliklinik. 1872 wurde Henoch Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderkrankheiten in der Charite, die er bis 1893 leitete. Er trat darauf in den Ruhestand, lebte 1893—99 in Meran und siedelte dann nach Dresden über. Henoch hat sich um die Förderung der Kinderheilkunde als Forscher, wie namentlich als Lehrer große Verdienste erworben. Seine Hauptwerke sind: „Klinik der Unterleibskrankheiten," „Beittäge zur Kinderheilkunde," „Vorlesungen über Kinderkrankheiten".
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.
Verlauf der Witterung seit gestern früh: Die Randwirbel über Mittel- und Ostdeutschland haben gestern und in der Nacht wiederholt Gewitterregen gebracht. Dabei haben die Nachmittags- temperaturen sich bis 25 Grad stellenweise erhoben. Da über Rußland sich wieder eine Zyklone bildet, deren Westrand unsere Witterung beeinflußt, dauert die Gewitterneigung an.
Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 15. Juli 1910: Gewitterregen, etwas kühler.
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Aus der Zweiten Hessischen Kammer.
R. B. Darmstadt, 14. Juli. Die 2. K a m m e r überwies den Antrag Köhlev wegen der Sicherstellung und dem Ausbau der hessischen Wetterdienststelle am landwirtschaftlichen Institut M G i e ß e n an den Ausschuß.
Die Vorstellung der Unter beamten wegen einer Teu- elrungszulage wurde, nachdem die Ab'gg. Dr. Osann, Reh, Bach und Brauer dafür eingetreten waren, dem Ausschuß überwiesen.
Die Wahl der Abgg. Bach, Mainz (natl.) und Dr. Wolf, Mombach-Jngelheim (fortschr. Volksp.) wurde für gültig erklätt.
Die Wah'lkreiseinteilung soll auf Antrag des Abg. Dr. Schmitt morgen beraten werden.
Die Sitzung dauert fort.
Chinesisch.porttrgiesische Reibereien.
Hongkong, 13. Juli. Wie Reuter aus Macao meldet, fand auf der Insel Col o wan zwischen Portugiesen und Chinesen, die man für organisierte Piraten hält, ein Kampf statt. Ein von Macao gesandtes Kanonenboot griff in den Kampf ein. Portugiesischerseits wurden zwei Manu verwundet, von denen einer gestorben ist. Die Chinesen batten zahlreiche Verluste.
'Die Chinesen nahmen den portugiesischen Posten im Sturm. Die Kanonade dauert an. Die Kreuzer „Rainka" und „Don Amelia" sind nach Macao in See gegangen. Auf den Inseln L a i p a und Colowan ist der Belagerungszustand prollamiert worden.
♦
Paris, 14. Juli. Nach dem „Echo de Paris* hat Frankreich der Umwandlung Montenegros in ein Königreich zugestimmt. Sie wird wahrscheinlich am 15. August erfolgen.
Donnerstag, 21. Juli 1910, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Ludwig Wacker Eheleuten zugeschriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert:
1/462 = 34 qm Hosreite in der Schloßgaffe.
1/463 — 39 qm Hosreite daselbst.
Gießen, den 15. Juni 1910.
Grotzherzogl. Ortsgericht Gießen. _______________03 r o s.______________ K 23/10. (B14/7
Donnerstag, 25. Ang. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die zurKonkursmasse der Christian Dnill Eheleute in Gießen gehörige, nachstehend verzeichnete Parzelle versteigert: Fl. 18 Nr. 14V1O — 921 qm Hof- reite, neben der Grünberger Chaussee.
Gießen, den 11. Juli 1910.
Großh. Ortsgericht Gießen.
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