Ausgabe 
14.2.1910 Zweites Blatt
 
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Montag 14. Februar 1910

Nr. 3-

Zweites Blatt

160. Jahrgang

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scheint täglich mit Ausnahme de? Sonntags.

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viele Besucher finden, über den Odenwald als den Herausgeber Land und Leuten im von ihm wissen, daß

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NeGiehener ZamilienblStter ' werden dem Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das .Mirdlatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- ftagen" erscheinen monatlich zweimal.

er die im Darmstädtischen städtischen Museum befindliche Odenwalbsalnmlung, auf die die Stadt mit Recht stolz sein kann, zusanunengebracht hat.

** Alpenverein, Sektion Gießen Ein genußreicher Abend wurde am Donnerstag den Mitgliedern geboten, die sich eingejunden hatten, um einer Schilderung des .Herrn Dr. Heine­mann zu lauten von seinen Wanderungen und Klettertouren tu der Brentagruppe. In Wort und Bild ließ er jenen reizeirden Teil der Alpen an unserem Auge vorüberziehen, der. durch seine Schneefelder und Gletscher einerseits und durch seine bizarren Fels­zacken andererseits die Reize der Zentralalpen wie der Dolomiten in sich vereint und durch seine Lage großartige Fernblicke gestattet. Im Osten erheben sich märchenhaft die Dolomiten bis zur Pala, im Westen die Riesen der Adamcllo-, Ortler- und Berninagruppe, im Norden leuchten die Oelztaler auf, und nach Süden verliert sich, der Blick träumerisch in Italiens Gefilden. Die Tosahütte und Tucketthütte dienten als Standquartiere, von wo aus die um­stehenden Gipfel bezwungen wurden. So von der ersteren die Cima Tosa und die Brenta alta, von der letzteren die Cima di Brenta, die Cima Croste und das Castelletto di Vallesinellai inferiore. Nach einem Besuch auf der gewöhnlichen Anstiegroute wurde eine Erstersteigung dur vbte Südwand aus den Castelletto erzwungen, und die Bilder, die uns zeigten, wie der Führer iw den Wänden und Kaminen arbeitete, haben einen lebhaften Begriff

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei. 9L Lange, Gießen.

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MaurerAus dem Odenwald" Ist e§ doch ein Berufener, der da spricht'. Manche werden ihn kennen der prächtigen Bildersammlung:Von Odenwald". Noch mehr aber werden

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=^5L Redaktion: ^-88112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.

kleines Feuilleton»

Balentinstag. Der 14. Februar ist ein Tag, der ins- 'sondere in England und Schottland eine ähnliche, aber viel "itierc Rolle spielt, als unser 1. Avril. Während dieser bei una -'M benützt wird, andere zu svppen, benützt man den 14. Februar, einander Liebenswürdigkeiten zu erweisen, und zwar sind es iie jungen Herren, die an diesem Tage sich besonders nett gegen Mge Tamen bezeigen und sie beschenken. Die namenlosen Briefe, --efchenke und Lotterien, die am Balcntinstage von einem zum Mrn wandern, führen den NamenBatentin^. Die Gebräuche uid iratt und es ist ein kleiner Teil Wer glauben damit veri-

. Man glaubt, daß die Dame, deren Namen man am Abend

vor gelost hat, oder die einem am Morgen zuerst begegnet, die 'njänitige Gattin sei. Bi an beschenkt sie dwcher und sie bleibt zum Mindesten das ganze Jahr über dieValentine" ihresValentins".

e Lotterie wird in bei" Weise veranstaltet, daß Sün^linge und lungtrauen die wahren ober vorgegebenen Namen, die für sie von -iimberent Interesse jinö, auf Zettel schreiben; daß bann diese ktei zusammengerollt und gezogen werben. Dabei erhalten die

-en die Zettel der Jünglinge und diese die der Mädchen, 's daß jeder tzi-nd jede auf einen Valentin und eine Valirttine rechnen kann. Die jungen. Leute geben ihren Damen Bälle und torgen viele Tage lang ihre Namen auf beit Aermeln über gar an Licken. Jeder Shalespearelertner wird wissen, daß der nette ^r-aitct. schon zu den Zeiten des großen Dickster s im Schwange war, «mn Ophelia erwähnt ihn in ihrem Liede. Auch) Gustav Freytag ui ।einem SchauspielDie ValenLine" den alten Brauche als lirundlage verwendet. In allen Zeiten hatte der Valentinstag ein.- besondere seltsame Bed-mtung: in den Klöstern war er chElderlaß-Tag bestimmt und es gibt noch einen alten ftanzö--

liefen Vers:

Stigner du jonr Saint-Valentin, Fait le sang net soir et matin.

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rulhutz-L ichük

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mäßig über das ganze Land verteilt sein und auch die baupolizei­lichen Funktionen handhaben.

Allerdings müßte diesen Beamten jedePrivatarbeit", auch jedes Interesse an solcher untersagt sein.

Der Beamte muß frei und vvrurteillos sein, dies kann er nur, wenn er ganz seinem Amte lebt und seineganze Straft" für die Interessen des Staates einsetzt.

Auf diese Weise würde sich die Organisation des Bauwesens in Hessen am besten gestalten, der Betrieb würde wesentlich eist- facher und billiger werden für Staat und Gemeinden.

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Vorschläge zur Organisation der Hess, Saubehörden.

Aus dem Verband hessischer Privatarchitektew wird uns geschrieben: _ '

Unter diesem Titel brachte der Gießener Anzeiger in Nr. 20 und Nr. 30 zwei gegensätzliche Artikel, der letztere von einem Mit- gliel'e eines Kreisausschusses verfaßt, denen keine Gemeinde- ober Kreisoertretung ober gar Landtagsabgeordnetec zustimmen sollte.

Der Artikelschreiber will alles Staatl. Kreis- und Gemeinde­bauwesen in die Hände der Kreisbauinspettvren bezw. deren Per­sonal gelegt wissen.

Es ist bekannt, daß diese Behörden nicht billig arbeiten, und den Gemeinden jede Selbständigleit in Bauangelegenheiten ge­nommen würde, wenn die Ansicht des Artikelschveibers Gesetz würde. Denn bann müßten die Gemeinden ihre sämtlichen; Tauangelegenheiten diesen Aenttern übertragen und hätten keine freie Entschließung mehr, könnten auch weniger mehr auf Er­füllung ihrer Wünsche beim Bau rechnen.

Heute sind die Gemeinden freier, sie können zu ihren Bau­aufgaben auch Privat-Archstetten .heranziehen, was von vielen Gemeinden sehr zu ihrem Vorteil geschehen ist. Die Gemeinden kommen auf diese Weise billiger zum Ziel, und der Architekt hat ein Interesse daran, bei Lösung der Aufgabe sein möglichstes zu leisten, denn er will die Gemeinde als Kundin behalten. Der Kreis- bauinspettivn kann es einerlei sein, ob die Gemeinde zufrieden ist oder nickst.

Es liegt nur an den Gemeinden, sich einen tüchtigen Architekten zu suckln, und dies dürste nicht schwer halten, durch eine Konkurrenz unter geeignet Erscheinenden, wird sich der beste schon finden.

Auch bei allen wichtigeren baukünstlerischen Arbeiten sollte dieser Weg eingeschLagen werden und diese Arbeiten nicht den, Kreisbauirrspettorenim Nebenamt" übertragen werden, wie das erwähnte Kreisausschußmitglied vorschlägt. Nur im freien Wett­bewerb, bei freiem Versügungsrecht der Gemeinden, kann billig urib individuell lii:: sterisch gebaut werden. Und gerade das Gebiet der Baukunst füllte frei sein und keinBauamt" hier wirken. Cs gesch.ieht ck'ch chowst so stiel zur Hebung der freien Kunst in Hessen und warum hier so wenig? Nur dieser Weg' bringt uns Besserung in der Kunst und im Geldbeutel.

Es wird vielfach angeführt, daß die Kreisbauämter die Ge­meindebauten für 21/n Prozent ausführen. Das entspricht auch nidjt den Tatsachen, denn bei Durchsicht der Kreiskasserechnungech findet sich in Rubrik Gehälter und Diäten das übrige: ,jJa die Diäten!" Auch ein Zopf der fallen müßte, sehr zum Wohle des Staatssäckels.

Mit einem akademisch gebildeten Proviirzialbaubeamten, dem sämtliche Projekte zur Begutachtung vorgelegt würden, dürste man in jeder Provinz audih)mmen. Diesem könnten auch noch die nötigest Assistenten und Schreibgehilfen beigegeben werden.

Die gewöhnlichen Bauten, Straßennnterhaltungen usw. könnten von den Kreisbaubeamten, jetzt .Straßenrneister, erledigt werden, wie es bis 1882 auch gewesen ist. Diese müßten möglichst gleich-

Bv m De n km a 1 P e r e rs des Großen. Dem Denk- Peters des Großen in Petersburg soll Gefahr drohen. Es emeil großen Riß auf. Petersburger Matter beraubten, der .Estlgc -stcks, der das Donkmal trägt, sei nicht aus einem Stück, bestehe aus zwei miteinander durch Zementierung ver- /-adenen Steinblocken. Das ist bisher nicht bekannt gewesen.

Stein flammt aus dem karatffchen Dorfe Lachta, ; v-m Petersburg gelegen. Mit ungeheuere r Mühe hruroe ,'iach seinem jetzigen Standorte geschafft und dort für das Denk- *7- Es ist früher oft darüber Klage sesührt, daß un- . ,.7,7- Vande den imposanten Bbock, der wock) jetzt durch seine Masse wirkt, verhmrzt hätten, aber daß er aus zwei

Teilen bestehen soll, war doch nicht bekannt. Jedenfalls aber ist jetzt ein Riß vorhanden, in dem sich Wasser angesammelt hat, weiter frißt, und wenn es im Winter gefriert, einen förmlichen Keil bildet. Und nun kommt eine echt russische Seltsam leit. Tie Regierung hat das Stadtamt angeio-iefen, eine cnffp-reck>ende Aus- (yehmmg zu veranlassen, das Stadtamt weigert sich aber, weil das Denkmal der Stadt immer noch nicht übergeben ist! Es wurde am 7. August 1782 enthüllt.

Die deuts che ni Bäcker Londons. Man schreibt aus London: Während her englischen Wahlen ist bekanntlich stiel vom deutschen Schwarzbrot die Rede gewesen. Tie Fachzeitung der hiesigen Bäcker weist nun darauf hin, daß die Londoner ihr Weißbrot zum großen Teil aus der .Hand von Teutleben erhalten. Wie wenige von uns wissen," schreibt sie,ein. wie großer Pro­zentsatz der Millionen von Brotlaiben, die täglich in London ge­gessen werden, von Deutschen gebaden worden ist? In der Haupt- stecht ist der deutsche Bädiw allgegenwärtig er hat seinen Namen über den palastähnlick-en Laden des Westendes und er ist gleich häufig in denSlums" des Ostendes. Er hat London kr- vbert untrer dehnt seine Operationen aus. Man braucht nur durch die Straßen Londons zu spazieren und man kann sich schnell überzeugen, daß das Bäckergewerbe zum großen Teil in der Hand der Deutschen liegt." Tas Blatt (jat ganz recht; es ver- schweigt nur, daß der deutsche Bäcker das Bäckereigewerbe in London nicht erobert, sondern recht eigentlich erst geschaffen hat. Tenn in London, wie im übrigen England, war cs bis weit in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein gebräuchlich, daß jede Fa­milie ihr eigenes Brot backte. Ter Haupteinzug der deutschen Bäcker erfolgte schon vor vielen Jahren und stiele der hiesigen beutirfv-rt" Bäcker sind nur nach dem Namen nach deutsch. Wie sehr die deutschen Namen in dem Gewerbe überwiegen, zeigt ein flüchtiger Blick in das Mitgliederverzeichnis der hiesigen großen Vereinigung der Bäckermeister. Unter den Buchstaben B und F sind gut die Hülste der Namen deutsch, unter G 37 von 51, unter K 44 bon 50, unter Z alle!

Hk. Zwei Preisausschreiben. Der Deutsche Verein für V e r s i ch e r n n g s w i s s e n s ch a f t beabsichtigt, die Bearbeitung der Geschichte der Versicherung in Deutschland in die Wege zu leiten und hat deshalb beschlossen, mehrere Preis­ausschreiben zu erlassen. Zunächst sind zwei Preise von je 2500 Mark ausgesetzt für eine Geschichte der Lebensversicherung in Deutschland und für eine Geschichte der Feuerversicherung in Deutschland. Die Arbeiten müssen streng wissenschaftlich sein. Die Arbeiten sind bis zum 30. Juni 1910 an das General- feiretariat des Vereins, Berlin W. 50, Prager Str. 26, ein- zureichen. Die Akademie der Wissenschaften in

Aus Statt und Land.

Gießen, 14. Februar 1910.

* Roie8 Kreuz. Die Hauptversammlung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz findet am Montag, 14. Februar, in Darmstadt statt. Gleichzeitig ist eine Sitzung des Verwoltungsrats des Vereins, um den Bericht des Verwaltlingßrates an die Hauptversammlung über die Prüfung der Vereinsrechnung für 1908, wie den Voranschlag über Einnahme und Ausgabe des Vereins für 1910 festzu­stellen, ferner Ersatzwahlen für die vom Verwaltungsrat ge­wählten Vorstandsmitglieder, die ausgefchteden sind oder jetzt auszuscheiden haben, vorzunehmen.

* KreiSamtSpersonalien. Der Großherzog hat den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Bingen Karl Draudt zum KreiSamtmann bet dem Kreisamt Oppenheim und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Oppenheim RegierungSrat Wllh. Bohn zum Kreisamtmann bei dem KreiSamt Bingen ernannt.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Wagner aus Krofdorf die Lehrern stelle an der Gemeindeschule zu Metzlos-Gehaag. Er­ledigt ist eine mit einem evang. Lkksrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen.

** Studentische Unterrichtskurse. Der nächste Einzelvortrag findet Freitag, 18. Februar, abend 8'/3 Uhr im Hörsaal 2 der Universität statt. Dr. Vogt wird über Die Entstehung des hessischen Staates" sprechen. Jedermann ist willkommen.

Hessische Vereinigung für Volkskunde. Ohne Zweifel wird der heute abend in der Universität statt-- findende Lichtbildervortrag des Sanitätsrates Dr.

Bologna schreibt zum erstenmal den von Dr. Elias de C Y o w gestifteten, alle zwei Jahre zu' verteilenden Preis von 3000 Lire aus für die beste Arbeit über folgende Themata: 1. Die Funk­tionen des Herzens, besonders der Herznervcn und Vasomotoren; 2. Tic Funkttonen des Ohrlabvrinths; 3. Die Funttivnen der Phyreoidea, der Hypophysis und der Glandula vinealis. Schluß des Ausschreibens am 1. März 1911. Alles Nähere durch Prof. Ercole Giacomini, Bologna, via Zamboni 33.

Der Südvolarforscher Charcot, der vor zwei Jahren seine Expedition angetreten hat, ist in Punta Arenas eingetroffen. In einem Telegramm ait seine Gattin sagt et- unter anderem: Er habe südlich von der Adelaide-Insel einen ausgedehnten Golf entdeckt, etwa 120 Meilen neuen (fiebietcs auf genommen und sodann^ bei der Peterland-Jnsel überwintert. Sein Schiff habe wiederholt Schäden erlitten. Während einer weiten südlichen Fahrt zwischen dem 69. und 71. Grad nördlicher Breite habe er ein n e u c s L a n d entdeckt und die In sel Peter I. wi ed er g ef u n d e n. Die Depesche schließt mit den Worten:Wir haben mehr erhofft, aber unser Möglichstes getan."

Die deutsche .Hochschule in Au stralien. In Südanstralien wohnen 25 000 Deutsche, deren Sprache und Art fiel) unverfälscht erhalten hat. Das ist in erster Linie den bcutfdfen Kirchen und Gemeindeschulen zu danken. Die ersteren sind aus- nahins.os evangelisch; die wenigen bcutfd?en Katholiken schließen fick» zumeist den Iren an und gehen bald ihrem Volkstum ver- toren. Die deutsch-evcrngelischen Gemeinden wohnen meist in deck Bezirten südlich und östlich der .Hauptstadt; sie besitzen 90 Kirchen unb 42 Prediger, ferner 35 Sckrulen mit 44 Lehrern und rund 1300^Sck>ülem. Zur Ausbildung der Lehrkräfte ist in Hahndorf ein Seminar errichtet wvrden, und früh ging man auch an dis Gründung einer Anstalt zur Ausbildung junger Geistlicher, um sich nicht mit bloßen Laienpredigern begnügen zu müssen. Eine solche SckMe mürbe in bescheidensten Maßen vor längerer Zeit in Lobetal eröffnet, dann wurde sie nach Mnrtoa unb tut März 1906 nach. Malvern verlegt unter dem DMineit Concordia College. Vor einigen Monaten wurde, wie wir schon mitngeteilt haben, unter allgemeiner Beteiligung aus allen australischen Staaten der Grund- stein zu einem großen Erweiterungsbau gelegt, der die Ausgestaltung zu einer dentscchaustralischeu Universität ermöglich« oic steht in Zusammenhang mit einem Gymnasium, das sechsklassig ist, aber nur Fortgeschrittene aufnimmt. Der Kern der ganzen Anstalt ist chlerlängs noch immer die theologisch« Fakultät, die dreijährigen Besuch) fordert und klassische Bildung der Eintretenden voraussetzt. Die Le tung der ganzen Anstalt, die lediglich von den Gemeinde^ selbst erhalten wird, liegt in den. Händen des Professors Dr. <£. F. Grabner.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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die Versicherung des im Kreise geschlachteten, sondern auch des zum Schlachten verkauften Viehes übernehmen. Der Redner legte schließti »eine seinen Ausführungen entsprechende Entschlietzung vor, die angenommen wurde.

Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Frage der Bildung von Rentengütern aus bestehenden Objekten", worüber Rittergutsbesitzer Graf zu Rantzau-Rastorf referierte.

Als letzter Punkt der Tagesordnung behandelte bann bie Ver­sammlung bad neue Stellenvermittelungsgesetz. Dr. Ludwig-Berlin legte der Versammlung eine Reihe von Ab - änderungsvorschlägen vor, in denen es u. a. heißt: Das Laude konomic-Kollegium begrüßt den zurzeit dem Rerchs- tagc zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorgelegten Ent­wurf eines Stellenvermittelungsgesetzes mit der Tendenz, das gewerbliche Vermittlerwesen allmählich auszuschalten." Jni ern- ieinen gehen die Abänderungsvorschläge dahin, bestimmte Para­graphen zu verschärfen. So soll der wichtige Paragraph 3 fol­gende Fassung erhalten: Wer das Gewerbe eines Stellenver­mittlers betreibt, darf Gastwirtschaft, Handel mit geistigen Ge­tränken, gewerbsmäßige Vermietung von Wohn- und L-chlafftellen, Handel mit Kleidungs- ober Verzehrungsgegenstänben ober mit Sötte S losen, bas Geschäft eines Geldweck)slers ober Psanbleihers weder selbst noch burch anbere betreiben. Der Stellenvermittler bars mit anberen Gewerbetreibenben bet bezeichneten Art nicht so in Geschäftsverbindung treten, daß er sich für die Ausübung seiner Tätigkeit von ihnen Vergütungen irgend welcher Art ge­währen oder versprechen läßt.

Die Vorschläge wurden mit unwesentlichen Aenderungen an­genommen, wonach der Vorsitzende, Graf von Schwerin-Löwitz, die Tagung mit dem Kaiserhoch für geschlossen erklärt^

Der Entwurf eines Arbeitskammergesetzes ist Reichstage zugegangen. Der abgeänderte Entwurf ist be- bekannt, er lehnt sich an bie Beschlüsse bes früheren Reichs- i^sausschusses an. Die Aufgaben bet Arbeitskammern ist bie Wege des wirtschaftlichen Friedens, Unterstützung bei Erstattung ivülicher Gutachten, Mitwirkung beim Abschluß von Tarifver- rigen, Einrichtung nicht gewerbsmäßiger paritätischer Arbeits- Schweis?. Die Arbettskammem können ferner Umfragen über ge- vkrblichc und wirtschaftliche Verhältnisse der in ihnen vertretenen Acwcrbezweige in ihrem Bezirk selbständig veranstalten. Die Zu- >mmensetzung der Arbettskammem ist nach dem alten Entwurf beibel)alten worden. Die Bestimmungen über Wahlberechtigung, Ahlbarkeit und Wahlmodus sind den Ausschußbeschlüssen nach- tflilbet, jedoch sind Organisationsbeamte und Arbeitersekretäre ckfe wählbar. Auch sind Betriebsbeamtc, Werkmeister und Tech- iler mit Rücksicht auf die Schwierigkeit ihrer Stellung in der beitskammer von der Geltung des Gesetzes ausgeschlossen wor- Eine Herabsetzung des Alters für die Wählbarkeit ist ab- Kehnc worden.

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Die grobe deutsche Landwirtschaflrwoche.

4- Berlin, 12. Febr.

In der heuttgen Schlußsitzung bes Landesökonomie-Kollegiums irichtttc zunächst Detonomicrat B« rckardt (Berlin) überDie Ürgetung der S chl ach tvieh v er s i cherun g". Er suchte ten Nachmsis zu führen, daß eine Regelung der Schlachtoiehver- icherung absolut notwendig sei. Wenn trotzdem die Landwirt- chytskammem wenigstens teilweise von einer staatlichen und obli qttarischeu Regelung der Frage vorläufig absehen wollen, so spielt Win lüc?entlief} die geringe Aussicht auf einen ausreichenden riaalszuschuß eine Rolle. Zwar hofft eine Reihe von Kammern burch Ausbau bestehender SchlachtviehversickTerungen dem vor- fendm.m Bedürfnis Rechnung tragen zu können, doch ist kaum msunebmen, daß hier ein wesenllicher Erfolg zu erreichen fein »irb. Eine Uebertragung an bie Vcrsicherungsvereine für lebenbes i<ieh würbe die Leistungsfähigkett ber meisten stark in Pvragc Helfen. Ein Zusammenarbeiten zwischen Landwirten unb Fleischern in den Anstalten ber Fleischer auf ben Schlachthöfen hat eben- '°lls nur, geringe Aussicht auf Erfolg. Die Fleischer werben Mort bie Befürchtung Hatzen, baß sie ausgeschaltet werden sollen, einigermaßen Aussicht dürste daher nur bie Schaffung kommu­ner Kreisversicherungsdereine haben, wie sie bereits im Kreise i^ltoto bestehen. Diese Vereine müßten dann aber nicht nur

Heue Gesetzentwürfe für den Reichstag.

:* Berlin, 13. Febr.

Der Entwurf eines Hausarbeitsgesetzes ist In« Reichstage zugegangen. Der Entwurf ist ein Teil der großen i!-<werbeorbnungsnooelle bes Vorjahres, bie bekanntlich unerledigt ipHieben ist, und regelt nach den vorjährigen Vorschriften bie ^kämpsung von Mißständen in der Hausindustrie. Die Vor- idjrijten über bie Lohnbücher scheidet der Entwurf aus, weil sie l!tdj in solchen Betrieben Anwendung finden, in welchen gc- roerblidfe Arbeiter beschäftigt werden. Diese Bestimmungen sollen itäter neu geregelt werden. In dem vorliegenden Entwurf eines z.iusarbeitsgesetzes sind ausschließlich die die Hausarbeit de- n.Üenbcn Vorschriften des Artikels 4 des vorjährigen Entwurfs migenommen worden. Der Entwurf über bie Herstellung von .^atren in der Hausarbeit, der ebenfalls vom Reichstage nicht tiEebigt worden ist, soll nicht mehr eingebracht werden. Viel- »i hr wirb in Aussicht genommen, bie barin enthaltenen Vor- .d-riften auf Grunb bes vorliegenden Entwurfs zu erlassen.

Der neue Entwurf ist, abgesehen von kleineren Aenderungen, tu Duplikat des Artikels 4 der vorjährigen Gewerbeorbnungs- wvclle. Er ttifft 23cftimmungen über bie Bekämpfung ber Ge- i.ihren für Leben unb Gesunbheit der Heimarbeiter. Gewisse ge- undheitsgefährliche Verrichtungen werden aus der Hausarbeit Hlig ausgeschlossen. Ferner sind Bestimmungen vorgesehen, um fctj liebe rang eB ot von Arbeits'krästen einzudäm- men und um Garantie zu gewähren, daß in allen Netti eben der ..riusinbufttte genügende 5kontrolle herrscht, damit den Anfor- >nmgen der Hygiene überall nachgekommen wird.

Der zweite Entwurf, ber dem Reichstage vorliegt, bie Aenberung ber §§ 114 a usw. ber Gewerbeorbnung schlägt bie Regelung des Lohnbücherwesens vor. Ach düse Bestimmungen sinb ber vorjährigen Gewerbeorbnungs- rowfle entitommen. Ein Teil ber bamati^en Ausschuß-Beschlüsse fet bei der Regierung aber keine Annahme gefunden, so die jeitimmungen über die Rechtsverhältnisse ber technischen Beamten.

Die einzelnen Bestimmungen über bie Einrichtung ber Lohn- sicher oder Arbeitszettel usw. sind bekannt.

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