Ausgabe 
12.11.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 266

Zweites vlatt

160. Jahrgang

Erscheint täglich mtt Ausnahme deS Sonntags.

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Einvernehmen.

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Dre«iehener KamilienblStter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kretsblatt für Öen Kreis Giehen" -wermal wöchentlich. Die ^Landwirtschastlichen Seit- fragen" erscheinen monaUich zweimal.

Gras Aehrenthal erwiderte: Forgach habe nie mit Dasjrc in Verkehr gestanden.

Wien, 11. Nov. Die u n begann die Verhandlungen über

a m e rikanischen Handelshäuser und richtete dadurch gronen Schaden an. Die Polizei bewacht das Konsulat Verletzt wurde anscheinend niemand. Die Stadt macht den Eindruck einer belagerten Stadt.

Budget des Aeu- ßern. Alle Redner erkannten den Erfolg der Politik Aehrenthals und die Bundestreue des Deutschen Reiches an.

5amtag, 12. November 1910

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schm Unwersuäts - Buch- und Sietndruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Verlag: ea® 5L Redatlww^AllL. Del.-Adr^ Anzeig erGietzen.

8. der Speicher-, der Lagerei- und der Kellereibetrieb, wenn sie gewerbsmäßig betrieben werden,

9. der Gewerbebetrieb der Güterparner, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Messer, Schauer, Steuer,

10. Betriebe »ur Beförderung von Personen oder Gütern oder zur Behandlung und Handhabung der Ware, wenn sie mit einem kaufmännischen Unternehmen verbunden sind, das über den Umfang des Kleinbetriebs hinausgeht, sowie 'unter der gleichen Voraussetzung Holzfällungsbetriebe. Dis Reichs­versicherungsamt bestimmt, welche kaufmännischen Unter­nehmen als Kleinbetriebe der Unfallversicherung nicht unterliegen.

vcutiche» ikid).

In der Sitzung des BundeSrats am Freitag wurde auch über die Befreiung der Laienbeamten des Bistums und Dom­kapitels von Fulda von der Jnvalidenversicherungspflicht und über die Festlegung der Jnlandsverkausspreise für bestimmte Sorten von Kalisalzen Beschluß gefaßt.

Der Kabinettchef des Königs von Württemberg macht folgendes bekannt: Nachdem von verschiedenen Seiten die Absicht kundgogeben worden ist, dem König und der Königin zu der im kommenden Frühjahr stattfindenden Feier der sil­bernen Hochzeit Geschenke zu überreichen und auch an ver­schiedene Hofstetten Anfragen gerichtet worden sind, haben der König und die Königin, hiervon unterrichtet, den Wunsch aus­gesprochen, es möchte bei diesem Anlasse nicht nur von der Dar­bringung persönlicher Geschenke, sondern überhaupt von allen größeren festlichen Veranstaltungen und Huldigungen abgesehen werden.

Von Bord des ReichspostdampfersPrinz Ludwig" deS Nord­deutschen Lloyds wird durch Funkspruch über Suez vom 11. Nov. gemeldet: Auf dem Roten Meer ist das Wetter verhältnismäßig ihl. Abends gab eine holländische Theatertruppe vor dem Kron­prinzenpaar und 200 Passagieren auf dem in eine Bühne umgewandelten Promenadendeck eine Wohltätigkeitsvor- st e l l u n g.

Gießener Anzeiger

Ceneral-Anzeiger für Gberhesjen

Oesterreichs auswärtige Politik.

In der fortgesetzten Beratung der österreichischen Dele­gation über Oesterreichs auswärtige Politik scheint Frhr. v. Aehrenthal bezüglich der Gegenverpslichtungen Deutsch­land gegenüber eine vorsichtige Zurückhaltung geübt zu haben.

Wien, 11. Nov. (Oesterreich:sche Delegation.^ Bei der Beratung des bosnischen Kredits hob Fürst v Schwar­zenberg hervor, er sei gewiß ebenso ein Anhänger eines guten und intimen Verhältnisses mit Rußland wie manche oppositionellen Redner. Wenn es zu diesem Verhältnisse nicht komme, so sei nicht Oesterreich-Ungarn daran schuld, sondern eine gewisse Empfindlichkeit Rußlands, die weniger der durchgesührten Annexion als dem Umstande zuzuschreiben gewesen sei, daß es über das selb st bewußte und freie Auftreten der Monarchie, woran man durch vele Jahre le i d e r nicht mehr gewohnt gewesen sei, über­rascht gewesen sei. tzs lasse sich auch nicht bestreiten, daß die Haltung Deutschlands und seines Oberhauptes wäh­rend der Annexion mehr als loyal war und die Haltung keiner persönlichen und höfischen Politik entsprungen sei. Die Bündnistreue wäre in Deutschland sehr populär. Er, der Redner, könne nicht begreifen, wie man einem Staats­oberhaupte daraus einen Vorwurf machen könne, daß er in der i h m eigenen Art seine Freude in lebhaften Worten äußerte, an deren Aufrichtigkeit zu zweifeln und zu deuteln nicht gestattet sei. Keines­falls könne die Dankesschuld an Deutschland für Oesterreich-Ungarnein Grund fein, s i ch in der freien Führung seiner Politik beeinflussen zu lassen. Insbesondere, so schloß der Redner, müssen wir auf dem Balkan eine Politik betreiben, wie sie unfern eigensten Interessen entspricht, unbekümmert um Deutsch­land und Rußland.

Der Abg. Kramarcz trat für die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Rußland ein, neben dem Bündnisse mit dem Deutschen Reiche. Jeder Slawe müsse jedoch gegen dieses. Bündnis auftreten, wenn namens dieses Bündmsses eine antislawische Politik im Innern der Monarchie gemacht werde.

Aus dem Strafprozetzausschutz.

:: B e r l i n, 11. Nov.

Der Strafprozeßausschuß führte heute die zweite Lesung der Strafprozeßordnung zu Ende. Eine längere Aussprache veranlaßte nur noch der in erster Lesung vom Ausschuß in den Entwurf ein­gefügte § 471 a, wonach gegen Mitglieder gesetzgeben- derVersammlungen des Deutschen Reiches und der Bundes* staaten während der Sitzungsperiode der Versammlung nur mit deren vorheriger Genehmigung eine Freiheitsstrafe in Vollzug gesetzt werden darf.

Tie Nationalliberalen beantragen die Streichung dieses von der Regierung mit Scharfe bekämpften Paragraphen, wenn ein von polnischer und Zentrumsseite gestellter Antrag diesen Bestimmungen nur Geltung geben wollte, wenn es sich um Freiheitsstrafen bis zu W Monaten handelt. Von fort- schrittlicher und sozialistischer Seite wurde diesen An­trägen aufs lebhafteste widersprochen. Die Abstimmung ergab bte Beibehaltung des Paragraphen trotz des Widerspruchs der Negierung.

Gegen den Antrag der Nationalliberalen auf Streichung, erklärte sich eine Mehrheit aus Zentrum, Volks­partei, Sozialdemokraten und Polen, während für den Zentrumsantrag nur Zentrum und Polen stimmten. Auch das Einführungsgesetz wurde in der heutigen Sitzung erledigt, so daß damit 6er Strafprozeßausschuß seine Arbeit beendet hat.

Im Einführungsgesetz wurde ein vom Zentrum neu be­antragter § 3a angenommen, wonach die im Gerichtsverfassungs­gesetz und in der StrafprozeßordnunH angedrohte Hast oder Zwangshaft in einfacher Freiheitsentziehung zu bestehen hat. Von, den sonstigen mehr redaktionellen Aenderungen hat eine sachliche Bedeutung der Beschluß zu ß 184 b, wonach nichtM i t- teilungen" aus Verhandlungen, für welche wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oesfentlichkeit ausgeschlossen ist, sondernBe­richte" mit Geldstrafe bis zu 300 Mark oder Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre bedroht werden.

M a s a r y k protestierte gegen die Behauptung des Mi­nisters des Auswärtigen, daß er Verdächtigungen vorge­bracht habe und verlangte eine klare Antwort auf die Frag ob der Gras Forgach mit dein Fälscher der Dokumente, SBaffn verkehrt habe.

Ausland.

Tie WienerNeue Freie Presse" erfährt: Ter päpstliche Erlaß, betreffend den Modernisteneid, wurde von den österreichischen Bischöfen zur Kenntnis genommen. Die Regierung erhielt davon keinerlei offizielle Mitteilung. Sie ist der Ansicht, daß es sich in diesem Falle um eine rein innerkirchliche An­gelegenheit handelt und wird daher zu dem Erlaß keinerlei Stellung nehmen. Im Wiener Konsistorium finden gegenwärtig Beratlmgen, betreffend die Regelung der Eidesablegung, statt. Der Eid dürste in die Hände der Bischöfe und wo keine solchen vor­handen sind, in die Hände von Dechanten an einem noch zu bestimmenden Tage gemeinsam abgelegt werden.

Tie Verhandl ung gegen den preußischen Leut­nant Helm wird in der nächsten Woche vor dem Schwurgericht in Hompshire stattfinden

Der Ches der mittelasiatischen Abteilung des russischen Mini­steriums des Aeußern v. Klemm erklärte einem Berichterstatter derNowoje Wremja", daß die russische Regierung zwar durch den Verttag vom September 1909 verpflichtet sei, keine gegen Persien gerichtete Agitation des früheren Schahs in Rußland zuzulassen, sie könne aber andererseits dessen Abreise nicht hindern und seine Tätigkeit außerhalb Rußlands nicht beaufsichtigen.

TierussischeReichSduma beendete die HauptauSsprache über das B o l ks sch u l g e s e tz und nahm mit allen Stimmen gegen die der äußersten Recksten und der Sozialdemokraten den UeberganQ zur Lestmg der einzelnen Artikel an.

Jeni Gazetta" hebt in der Besprechung des Anleihe­vertrages hervor, daß zwar der türkische Schatz einige mate­rielle Opfer erlitten habe, daß er aber von einer Ver- pslichtung f reig eblieben fei, die mit der nationalen Würde und Unabhängigkeit unvereinbar gewesen wäre, was ein großer Erfolg sei Diese Unter ft üfcuna der Türkei durch Deut f-ch land werde nicht verfehlen, auf die Ottomanen einen günstigen Eindruck zu machen

In Kristiania wurve eine skandinavische Eisen- bahnkonferenz abgehalten, auf der beschlossen wurde, einen Ausschuß zu ernennen zur Besprechung einer Eisenbahnverbindung von Kristiania nach dem südlichen Ausland via Trelleborg oder Kopenhagen. Die nächste Versammlung des gesamten Ausschusses oll am 28. November in Wiesbaden zusammentreten

Die Konferenz zur Verbesserung der Handelsbezieh- u n a e n zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten wurde geschlossen, ohne daß e5 zu einem Beschluß gekommen wäre. Im Januar stndet eine zweite Konferenz in Washington statt, von der man hofft, daß sie ein günstiges Ergebnis hat.

In Konstantinopel haben die K o h l e u a u S l a d e r den allgemeinen Ausstand verkündet.

Nach einer Meldung aus San Antonio in Texas soll der Pöbel in der Stadt Mexiko einen Anschlag aus den Botschafter der Vereinigten Staaten verübt haben

Wie aus Guadalajara (Wie^Uo) gemeldet wird, zer­trümmerte eine Menge gestern abend bit Fenster der

Die Reichsversicherungrorünung.

:: Berlin, 11. Nov.

Der Reichsverficherungsausschuß nahm heute die Abstimmung über den § 560 vor (Liste der unfallversicherungspflichtigen Ge­werbe), was die ganze Sitzung des Ausschusses in Anspruch nahm. Die Versicherungspflicht der Apotheken- und Bühnen­betriebe wurde abgelehnt, jedoch nur mit einer Mehrheit von einer Stimme (13 gegen 12). Ausgenommen wurden in den Kreis der versicherungspflichtigen Gewerbe alle.Gewerbebetriebe (auf Antrag Tr. Semler, nait), die Steinzerkleinerungsbetriebe (aus Antrag Dr. Mugdan, frf. Vp.); das Dekorateurgewerbe wird in die Gruppe des Bauberufs gebracht, um den ganzen Betrieb zu treffen; ebenso das Speditionsgewerbe, das nach dem Entwurf mit dem Lagerei-, Speicher- und Äellerbetrieb zusammen ist, in die Gruppe des Fuhrwerksbetriebs. Abgelehnt (gegen 10 Stimmen) wurde die Versicherungspf licht der Dienstleistungen zur Rettung von Personen und Sachen aus Feuersgefahr, sowie der Gast- und Schankwirtschaften mit mehr als zehn Beschäftigten Die Versicherungspflicht des Binnenschisfahrts-, Flößerei-, Nachen-, Treidelei-, Baggerei- und Binnenfischereibetriebes werden, auch wenn sie nicht gewerbsmäßig betrieben werden, der Versicherung unterstellt und die Fisc^ucht und Teichwirtschaft sowie die ge­werbsmäßige Eisgewinnung hinzugefügt. Dieser ganze Beschluß erfolgte aber nur bei Stimmengleichheit.

Weit erber al ung Sonnabend vormittag. *

Nach den heutigen Beschlüssen des Ausschusses hat der grundlegende Paragraph der Gewerbe-Unfall­versicherung, § 560, folgende Fassung erhalten:

Der Versickerung unterliegen:

1. Bergwerke, Salinen, Aufbereitungsanstalten, Steinbrüche, Grab er ei en (Gruben) und Gerbereibetriebe,

2. Fabriken, Werften, Hüttenwerke, gewerbliche Brauereien, 3. Bauhöfe, Gewerbebetriebe, in denen Bau-, Dekorateur-, Steinhauer-, Schlosser-, Schmiede- oder Brunnenarbeiten ausgeführt werden, ferner Steinzerkleinerungsbetriebe so­wie Bauarbeiten außerhalb eines gewerbsmäßigen Bau­betriebs,

4. das Schornsteinfeger-, das Fensterputzer-, das Fleischer­gewerbe und der Betrieb von Badeanstalten,

5. der gesamte Betrieb der Eisenbahnen und der Post- und Telegraphenverwaltungen sowie die Betriebe der Marine- und Heeresverwaltungen,

6. der Binnenschisfahrts-, der Flößerei-, der Prahm-, der Fährbetrieb, die Binnenfischerei, die Fischzucht, Teichwirt­schaft und die EiSgewinnung, letztere, wenn sie gewerbs­mäßig betrieben wird, der Gewerbebetrieb des Schiffziehens (Treidelei) und der Baggereibetrieb,

7. der Fuhrwerksbetrieb, der Speditionsbetrieb, der Reittier- und der Stallhaltungsbetrieb, wenn sie gewerbsmäßig be­trieben werden, daS Halten von Reittieren und von solchen Fahrzeugen, welche durch elementare oder tierisch« Kraft bewegt werden.

An- Stabt nnd Land.

Gießen, 12. November 1910.

** Veränderungen i m 18. Armeekorps. Gefärbt, Lazarettinspektor auf Probe in Frankfurt a. M., jum Lamrettinspektor ernannt; Stamm, NechnungSrat, Ober­zahlmeister vom Garde-Füs.-Bat. Leib-Garde-Jnf.-Regts. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 115, aus feinen Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt.

** Der preußische Gesandte in Darmstadt, Freiherr von Jenisch, schloß sich auf den Reifen des deutschen Kaisers nach Baden und Schlesien dem Gefolge ' als Vertreter des Auswärtigen Amts an. Während der Abwesenheit des Gesandten werden die Geschäfte der Gesandtschaft n. d. Darmst. Ztg. zunächst durch Legations- sekretär von Stumm als interimistischen Geschäftsträger geführt werden.

"ErledigteLehrerstellen. Eine evang. Lehrer- stelle zu Muschenheim. Eine evang. Lehrerstelle zu Rudlos, mit der Organisten- und Lektordienst verbunden ist. Zwei evang. Lehrerstellen zu Lanzenhain; beide haben Ortszulagen. Mit der einen ist Organisten- und Kantordienst verbunden Eine evangelisch Lehrerstelle zu Schl echt en weg en. Mit derselben ist Organisten- und Lektorendienst verbunden. Dem Inhaber kann eine Orts­zulage bewilligt werden. Eine evang. Schulstelle zu Hopf­mannsfeld, mit Organisten- und Lektordienst.

,.<.** Atadtt Heater. Es sei darauf hingewiesen, daß die bewen Vorstellungen des Sonntags, nachmittagsDer Ver­schwender", abendsDer große Name" die letzten Aus­führungen der genannten Werke überhaupt sind. Beide Vorstelluw- gen werden bei kleinen Preisen gegeben. Die nächste Novität bringt der Dienstag, an dem im Abonnement das Schauspiel Taifun von Lengyel $ur ersten Ausführung gelangt. Das neue Werk, das gegenwärtig den Spielplan zahlreicher Bühnen beherrscht und überall einen Sensationserfolg erzielt, so in Frank­furt, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und natürlich auch in Berlin, spielt in dem hochinteressanten Milieu der japanischen Kolonie zu Paris. Die Hauptrolle des Tokeramo wird bei der hiesigen Premiere von Herrn Curt Westermann, dem Darsteller der Rolle am Darmstädter Hoftheater, als Gast gegeben werden.

** Preisgekrönte Brieftaubenzüchter. Bei der Internationalen Militär-Briestauben-AuSstellung zu Herzogen­rath erhielt Karl Böhling, Mitglied de8 Brieftauben- BereinS ,®ermanta* Gießen, den 11. Preis. Außerdem gewann er bei der mit der Ausstellung verbundenen Ver­losung den Konstatierapparat, System ,Remy^. Von dem alten Brieftaubenklub wird und im Anschluß an die Notiz von der Gründung deS Brieftauben-VereinS »Germania^ ge­schrieben, daß feine Mitglieder die Briestaubenzucht schon immer auS rein sportlichem Interesse betrieben haben.

** Die Maul- und Klauenseuche ist nunmehr auch nach Hessen vorgedrungen. Bis jetzt ist aller­dings nur ein Seuchensall aus Erfelden im Kreis Groß-Gerau gemeldet und wir wollen hoffen, daß es ge­lingen möge, die verderbliche Seuche auf dieses eine Gehöft zu beschränken. Außerdem wirb der Ausbruch der Seuche neuerdings aus dem pfälzischen Bezirksamt Landau ae-i meldet.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 11. Nov. In der Sihimg^er Stadt­verordneten widmete der den Vorsitz führende Beigeordnete W in d ecker dem verstorbenen Stadtverordneten Stein- h ä u ß e r einen warmen Nachruf, den die Mitglieder der Versammlung stehend anhörten. Von dem Kreisamt find' die Pläne zur Erbauting einer Kreisstraße von Bad- Nauheim ^nach Friedberg vorgelegt. Die Straße führt den Städterweg entlang bis zur Gärtnerei Hense und' dann in einem Bogen über die Kunstwiese nach der Land­straße. Die Breite ist 20 Meter breit vorgesehen. Ein Achtel der Baukosten sowie die Geländekosten innerhalb der; Gemarkung Friedberg hat die Stadt zu tragen. Dem Plan wird vorläuftg zugestimmt.

m. Bad-Nauheim, 11. Nov. Der Maurer- streik, der nun schon vier Wochen andauert, ist anfangs dieser Woche von der Zentralleitung des deutschen Maurer­verbandes in Hamburg als nicht zu Recht bestehend be­zeichnet und gleichzeitig der lokalen Streikleitung mitgeteilt worden, daß Streikunterstützungen nicht gewährt werden. Die Streikenden traten ohne besonderen Grund am 18. Okto­ber abends in den Ausstand, indem sie eine Stunde vor Feierabend den Meistern das Ansinnen gestellt hatten, einen Stundenlohn von 50 anstatt seither 45 Pfg. zu bezahlen. Die Meister lehnten dies mit dem Bemerken ab, daß sie chre Submissionsansprüche für die staatlichen Arbeiten nach den vereinbarten Arbeitslöhnen bemessen hätten. Die we­nigen christlich Organisierten arbeiteten weiter, die Bade­direktion erklärte, daß die Arbeiten nicht eilig seien und nur teilweise bis zum 1. April 1911 beendigt sein müßten. Dies und andere Umstände hätte den Streikenden ein Finger­zeig sein müssen, die Arbeiten wieder aufzunehmen. Am zlerchen Tage, an dem der Vorstand des Zentralverbandes )eutscher Maurer seine Mitglieder aufforderte, die Arbeit osort wieder auszunehmen, beschloß eine hier abgehaltene Versammlung der Streikenden den Streik aus eigene Kosten ortzusetzeu Bis jetzt ist nur ein kleiner Teil wieder zur Arbeit anaetreten, doch ist zu hoffen, daß am nächsten Montag alle Arbeiter, soweit sie nicht nach dem Rhein­land abgereist sind, wieder an der Arbeitsstätte erscheinen. Von den 151 organisierten Maurern in Ober-Mörlen sind gegenwärtig nur noch 57 hier, während in den sonstigen um­liegenden Ortschaften .immer noch etwa 200 Maurer an-t wesend sind. Der Schaden, den die übrigen Handwerker, Zimmerleute, Scbreiner, Glaser, Weißbinder usw., durch )ie Arbeitsniederlegung erlitten haben, ist bedeutend.

m. Bad-Nauheim, 11. Okt. Eine eigentümliche Lage ist burtb den Tod des langjährigen Inhabers der städtischen Sprudel-Apotheke, Werner, geschasjen worden. Die Stadt Bad-Nauhelm bat als eine der ersten hessischen Gemeinden die Kvnzeftwn für die Sprudelapotheke und bann später auch die kür

Graf Aehrenthal bemerkte, daß die Angabe, die er vorgestern gemacht habe, daß M a s a r y k bei der En­quete in Belgrad etwas leichtgläubig vorgegangen sei, auch von einem Teile der serbischen Presse geteilt werde. Der Oppositionelle S t a m p a erklärte direkt, daß der von Masa- ryk erwähnte V a s s i c ein bekannter Verleumder sei, welcher schon mehrere Erpressungsverjuche gemacht habe. Der von Masaryk mit Hilfe der ausländischen Presse unternommene Versuch, die öiterreichisch-serbiscben Beziehungen zu trüben, werde nicht gelingen. In dieser Auffassung wisse er der Minister sich mit Der serbischen Regierung ui vollem