Nr. 2
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Erstes Blatt
160. Jahrgang
Dienstag 4. Januar 1910
Der Gießener Anzeiger Ä ä vezugsprees:
erscheint täglich, anher RN MM DA monatlich75Pchviertel-
Sonntags. — Beilagen: m™ jSr0 * k a a ▲ j* j. ▲. a a jährlich Mk. 2.20; durch
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wirtschaftliche Settfragen V D M ▼ W Chesredakteur: A Goetz
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sür die Redaktion 112, £>9? <r a* politischen Teil: Auc.nst
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Jüt öie Tagesnummer Hofafiottsöru» und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteiudruckeret R. Lange. RedaMon, Expedition und Druckerei: zchulstratze 7. L„eiaemeü: H Beck, bis vorinittags 9 Uhr. oh v-
politische Tagesschau.
Konservative und Freisinnige.
Die „Kreuzztg." unternimmt den Freisinnigen gegen- LLer einen neuen „Ernüchtemlngsversuch", indem ,ie.zugleich dazu auffordert, fortan den politischen Kampf sachlicher und anständiger auszufechten:
Wir sind weit davon entfernt, die Linke itnt „Schonung" zu bitten. Wir sind selber Manns genug, uns zu schützen und zu wehren. Wir haben auch nicht die Shu gäbe ober auch nur die Steigung, den Liberalen Ratschläge zu erteilen, ober sie über ihre Interessen zu belehren. Wenn wir immer wieder auf die unheilvollen Folgen der gegenwärtigen Agitationen zurückkommen, so tun wir das, toeil wir glauben, bamit im allgemeinen vaterländischen Wohle zu handeln. Wir tun eS aber auch und sprechen t*s ausdrücklich aus, um für die verwüstenden Folgen einer Fortsetzung dieser Agitationen die Verantwortung der konservativen Partei aus das nachdrücklichste abzulchnen. Wiederholt haben wir zu dem Zwecke namentlich bat Freisinnigen zu bedenken gegeben, daß die beleidigende Art, mit der sie unsere Partei bv- lämpsen, und die direkte Helfers helfersd>aft, die sie bei einer ganzen Reihe ton. Wahlen der Sozialdemokratie zugewandt haben, keine andere Wirkung haben konnten, als in der konservativen Wählerschaft eine immer stärkere Entrüstung und eine wachsende Abneigung hervorzurufen, sich in Entscheidungskämpse zwischen freisinnigen und sozialdemokratischen Kandidaten einzumischen. Bis jetzt ist es den konservativen Parteiführern noch immer gelungen, diese Abneigung zum Schweigen und die Wählerschaft zugunsten des Freisinns wider die Sozialdemokratie an die Wahlurne zu bringen. Dafür aber, daß das bei der Fortdauer der freisinnigen Taktik auch in Zukunft gelingen werde, körnten wir und kann die konservative ^rteileitung eine Garantie nicht übernehmen.
In Königsberg 1 Pr. ist kürzlich, so schreibt das Blatt zum Beweise der Sachlichkeit des Konservatismus weiter, der Fall etngetreten, daß bei den Stadlverordnetenwahlen die Bürgervereine, erbittert durch die liberalen Agitationen, in Aufrufen und Versammlungen die konservative Wählerschaft aufgefordert haben, sich der Stimme zu enthalten. Sofort aber ist die konservative Parteileitung mit Gegenaufrufen, die außer vom Vorstande noch von vielen Hunderten von Parteimitgliedern unterzeichnet waren, in Aktion getreten und hat bewirkt, daß die bürgerlichen Stimmen nur unwesentlich zurückgegangen und die sozialdemokratischen Eroberungen auf vier Sitze beschränkt worden sind. Selbst fi’etftpnigc1 Blätter haben, wie beispielsweise die „Vossische Zeitung", die korrekte Haltung der Königsberger Konservativen uneingeschränkt anerkannt.
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Deutschfeindliche Ausschreitungen im Elsaß.
In der „Taverne" in Straßburg,, die schon früher der Schauplatz deutschfeindlicher Kuntgwungen gewesen ist, hat sich vor einigen Tagen wieder ein peinlicher Zwischenfalt ereignet, über den die „Straßburger Post" folgendes mit teilt:
„Drei Studenten älteren Semesters, von denen zwei einer hiesigen schlagenden Korporation angehören, während der dritte Mitglied einer katholischen Studentenverbindung ist, besuchten abends gegen lOVs Uhr in vollkommen einwandfreier Verfassung die „Taverne", um dort einen Ka,,ee zu trinken, beit der eine von ihnen, Stammgast des Lokals, besonders rühmte. Im vorderen Raume der „Taverne" laßen die MichKeoer eines altelsäsf Ischen „Cercle", etwa 20 an der Zahl. Als die drei Herren
lUctisies FenMeron.
— Vom Hoftheater in Darmstadt. Dem auch hier gut bekannten 5) e l d e n t e n o r Heinrich S p e m a n n ist die erbetene Entlassung bewilligt worden. Spe- rnomns Abschied ist als die Folge seiner Beziehungen zu der Freifrau von Schilling-Cannsladt in Darmstadt anzusehen. Sein Nachfolger ist der ausgezeichnete Sänger Becker vom Stadttheater in Mainz. — Hierzu meldet unser Mainzer Mitarbeiter: Unser Heldentenor Becker, der nach Darrn- stadt verpflichtet worden ift wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch seinen Vorgänger in Darmstadt, Heinrich Spe- mann, ersetzt werden, der sich vorerst, auf Reisen begeben wird.
n. Mainzer Humor. Am Neujahrstage hielt, wie schon fürs gemeldet, Prinz Karneval Einzug in seine getreue Stadt Moguntia, bei dem dec manchmal etwas rauhe Humor der Mainzer wieder prächtige Blüten trug. Einige seien wiedergegeben. Auf der Kriegskasfe, einem großen Möbelwagen, standen folgende Mahnungen: ,^Jhc Starre, jcljuift be Draht evei — Dann es der Zug bald in de Reih!" und ,Hhr Narre lauft Eich Stern un Kapp — Sunst nimmt's de Steuerrat Eich ab' In der Stadthallc und rechts und links der Bühne waren folgende Sprüche zu lesen: „Dreitausend Mark zum Karneval gab uns der Stadlrat her — Habt Dank! Die Starrheit hat geiiegt, mir nemme aach noch mehr!" und der zweite: „Drei Zipfel sind vom Paradies: Der Wein, die Lieb, das Tanzen — Und wenn's dort noch was Schön'res gibt, Respekt bann vor bem Ganzen!"
— Zum Gedächtnis MultatuliL. Im Jahre 1910 werben 90 Jahre verflossen sein, ba Eduard Touwes Dekkei in Amsterdam das Licht der Welt erblickte, und 50 Jahre, seitdem er unter dem Decknamen „Multatuli" seinen berühmtesten Roman „Max Havelaar" veröffentlichte. Aus Anlaß dieser Gedenktage beabsichtigen in Holland lebende Verehrer des Dichters, ihrem berühmten Landsmann ein würdiges Denkmal in seiner Geburtsstadt zu errichten. Entsprecheudc Ausrufe zu Geldsamm- lungen für diesen Zweck sind, wie das Bert. Tgbl. mitteilt, in Holland bereits ergangen. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß auch in D e u t s ch l a n d , wo die Gemeinde der Multatuli-Berehrer in den letzten Jahren sich außerordentlich vermehrt hat, Geldbeiträge für bas Denkmal gestiftet werben. Tie holländische Schriftstellerin Frau Maria Anderson, die Jugendfreundin und Biographin Detters, die gegenwärtig hochbetagt in M ainz lebt, ist bereit, solche Sammlungen aitzunehmeu und sie an die ßentralitellc in Holland gelangen zu lassen. An bem schlichten Landhaus „Auf der Steig" in N i e d e r - I n g c l h e i m, wo Multatuli die letzten Lebensjahre verbrachte und starb, ist im vorigen Jahre bereits eine Gedenktafel von Frcundeii des Dichters angebracht worden.
— Der Münchener Karneval, der bisher teilweise unter Ausschluß der Qessercklichkeit gefeiert wurde, soll von nun an -treng in Züchten und Ehren begangen wexden. Die Polizeibehörde hat bereits im November neue Vorschriften für
— von denen zwei durch ihre äußere Erscheinung sich sofort als Angehörige einer schlagenden Korporation kenntlich machten — an ihnen vorüber tarnen, ertönten aus bet Mitte des Kreises ohne weiteres die Rufe: „Was rodle b ie Söuschrooro e?" „Nüs mit bennc © djrooro etairo e." Einer her Betroffenen trat alsbald an den Tisch des „Cercle" heran und stellte einen der Rufer zur Rede, wtm.de aber sofort von ihm an die Brust gepackt und mit den Worten: „Du Kneckes, Du Witt ebbes hier mit uns!" zurückgestoßen. Als dem also Angerempetten sein Fremid sofort helfend beisprang, fiel der ganze „Gerde" über die drei Studenten her, worauf eine allgemeine ^Holzerei" entstand. In diese Holzerei mengte sich auch der Wirt. Obwohl es seine Ausgabe gewesen wäre, für Ruhe zu Jorgen und bie Streitenbcn zu trennen, ging er sogar bazu über, ohne sich zu vergewissern, auf welcher Seite bas Unrecht lag, mit samt der Kellnerin und feinem Zapfer auf die in der Minderheit Befindlichen rin-ujchlagen."
Außerdem bemerkt bie „Straßb. Post":
„Das Sonderbarste dieses Vorfalles ist, daß die drei Studenten keinenfalls die Vertreter eines alldeutschen Chauvinismus sind, als die man sie hinzustellen beliebte, sondern, daß zwei von ihnen Alteinheimische (Lothringer) sind, der brüte durch Geburt und Erziehung mü dem Elsaß auf das engste verbmiden ist."
Die Angelegelcheck ist übrigens von den drei Studieren- deu alsbald bei der Univerfitätsbehorde zur Anzeige gebracht worden, und es sind Erhebungen im Gange. Natürlich wird man den Wirt und die übrigen Radaubrüder gehörig darüber aufllären müssen, daß beriet pöbelhafte Aus- schrmtungen in Deutschland nicht geduldet zu werden Pflegen. ‘_______________________________
Line Erkrankung des Prinz-Regenten von Bayern.
München, 3. Jan. Heber das Befinden bes Prinz- Regenten, der sich in den letzten Tagen eine Erkältung zugezogen hatte, wurde heute folgender Krankheits- bericyt ausgegeben: Der Prinzregent leidet infolge Erkältung an verstärktem Bronchialratarrh ohne weitere Komplikationen. Bei genügender Schonung steht Besserung in kurzer Zrit zu erwarten.
Der Prinzregent konnte heute nachmittag eine Spazierfahrt nach Schlag Nymphenburg unternehmen; im Befinden des Prinzregenten konnten die Aerzte beim Wendbesuch eine leichte Besserung' feftstellen.
Riejenunterschlagüngcn im russischen Äegebaiiimnijterium.
Enorme Unter, ch leise, die sogar die gewaltigen Summen, die in der Intendantur des Zaren.eich.s v runtreut w rd.n, erheblich übertreffen sollen, werden aus der ru,,if^enHaupd ftadt an der Newa gemeldet:
Petersburg, 2. Jan. Ein Panama des ALiniste- riums der öffentlichen Arbeiten, das sogar das der Intendantur zu übertressen verspricht, sieh: nach dem B. L. A. [einer Enthüllung durch Revisionen, die in die Hände des Senators Garins und des Moskauer Untersuchungsrichters Brafchili gelegt sind, entgegen. Die Betrügereien bei Bestellungen von Loiomot'ioen und Waggons sokue bei Ausführung von Wasserbauten überschrecken, dem Vernehmen nach, viele Millionen Rubel. Alle Anstrengungen
den Betrieb von „Redouten" erlassen, und diese neuerdings toieder- holt. Die Vorschriften begnügen sich nicht mit allgemeinen Anordnungen. Zunächst wird die Bereühaltung von ganz oder teilweise abgeschlossenen Räumlichkeiten verboten. An vorhandenen Abteilen dürfen Vorhänge auch nicht als Zierrat angebracht werden. Die lichte Weite deö Eingangs muß sich mit der Breite des Abteils decken. Die Abteile müssen ständig beleuchtet sein. Die Rückwände der Gelasse dürfen 1,40 Meter nicht übersteigen. Wenn jetzt bet Münchener Karneval nicht sittenrein wird, kann man bie Schulb wenigstens nicht der Polizei in die Schuhe schieben.
— Die Dortmunder Femli nde. Die Femlinde, bas alte Wahrzeichen der Stätte bes ehemaligen Ob-ersttchls, wird bem Verkehr zum Opfer fallen. Noch Fricbrich Willjelm IV. hatte besohlen, baß bei bem Bau der Bergisch-Märkischen Bahn auf die Linde Rücksicht genommen werde. Tie alte Richtstätte, an der 1802 der Freigras zum letzten 9)lalc seines Amtes waltete, ist nur noch ein alter Stumpf, der, mit eisernen Banden umgeben, letzt ins städtische Museum wandern soll. Ter' alte Stamm hat aber noch einen Sprößling gezeitigt. Tiese junge Linde wll auf dem Bahnhofsvorplatze angepflanzt werden; der Freistuhl und der Tisch, auf bem Iber alte brutsche Reichsadler prangt, füllen in der nahen Umgebung ausgestellt werben. Es ist zu hoffen, daß bie junge Linde ttäftig gedeiht als lebender Zeuge dafür, baß man auch im hastenden Ruhrrevier sich. Heimatsfinn unb Heunatpslege bewahrt hat.
— B j o rn s o n§ G e ne s un g. Aus Paris wird berichtet: Björnson hat dieKrise überwunden; der 78jät)rtge hat erfolgreich dein Tode getrotzt und ist fetzt aut dem Wege zu völliger Genesung. Tie Aerzte bringen zwar noch auf Schonung unb Ruhe, unb Besucher iu-erbm einstweilen nicht emp,äugen. Aber in seinem Zimmer in ber Sine be Rivoli laßt sich der greife Dichter täglich bie Zeitungen vvrlesen, sein Interesse für bie Zeitereignifse ist fo frisch unb Icbenbi® wie je, unb jetzt hat er auch person-lich derr Bries des Königs von Süorwegeu beantwortet, ber ihm in einem Hcuwschreiben baldige Genesung gewünscht ljatte.
— Die verkannten Klassiker. In dem Blatte des Verbandes süddeutscher katholischer Arbeiterinnenvereine „D i e Arbeiterin" wird in einer Neujahrsbetrachtung, bie „Zur Erbauung" überschrieben ist, folgendes verkündet:
„Neulich haben sie in allen deutschen Gauen beit Dichter Schiller verherrlicht aus Anlaß seines 150. Geburtstages. Ob man gerade den 150. (!) Geburtstag in allen unseren Volksschulen feiern mußte, roo Kinder fitzen von 6—13 Jahren, ist doch sehr fraglich. Die Verdienste Schillers um unsere Schuljugend scheinen denn doch nicht gar s o hervorragende zu sein. Da hatten Canisius, Aloysius, Christoph v. Schmidt, Sailer usw. ganz andere Verdien st e aufzuweisen. Ob ihrer in Jubiläen gedacht wird? Wohl kaum! Warum? Darum!"
Es erübrigt Jid) wohl, hierzu noch eine besondere Bemerkung gu machen. Dieses glänzende Wissen, daS sich mit feinstem Verständnis für bidjteriidje Leistungen paart, spricht deutlich für sich iclber, wenn es uns auf bie wahren Klassiker aufmerksam macht.
interessierter Kreije, die Revision zu veryrnoern, sind vorläufig gescheitert.
Die Untersuchungen werden drei Länderkommissionen unb die Wkrtsd-nftskomitees der Wasserbauten, Kunststraßen unb Eisenbahnen umfassen.
Deutsches UeLch.
Der württemberg.sche „Sum.sanzeiger" schreibt: Laut, einer Verfügung ber Generaldirektion der Posten unb Telegraphen vom 28. Dezember sind vom 1. Januar 1910 ab bie Einschreib- unb Eilbriefe wieber mit dem Ankunftsstempel zu beb rucken.
Wie wir von der Leitung ber Staatlichen Erfin- bungs-Ausstellung, bie Enbe nächsten Monats in Stuttgart sbattsinden soll, hören, sinb bie Vorarbecken für bie Prüfung ber eingebundenen Anmeldungen nunmehr so weck beendigt, baß für den größeren Teil der Anmeldungen bie Ausfteiiungsnrobelle ein gefordert sinb. Es sinb bisher ungefähr 1000 v er schiebene Anmeldungen als vorläufig ausstellungsfähig betradjtet. Um eine Orientierung über das auf der Ausftellung Gebotene zu erleichtern, wird beadsich- tgt, den Bezug bes Ausstellungs-Katalogs, welcher das gesamte zur Verwertung angebotene Material enthalt, auch aiq' buch händlerischem Wege in ganz iDeutschlaub zu ermöglichen.
Die „Hamburger Nachrichten", denen wir die Verantwortung für diese Mitteilung überlassen müssen, melden, daß bie bisher bem Bibliographischen Institut (ALeyer) in Leipzig gehöretrbe „Tägliche R u n b s ch a u" für 1250 000 Arirrt in den Besitz der nationalliberaleu Partei übergegangen sei. In dem Redaktio ns stabe werbe bem Vernehmen nach nichts geändert. — Uns scheint bie Meldung nicht sehr glaublich.
rrusiand.
Kaiser Franz Josef empfing am Montag mittag ine in Wien eingetroffene chinesische Mission zum Siudium aus- länbischer Flotteneinrichtungen unter Führung des Prinzen Tsaihsun. Der Kaiser sprach sämttiche Vtüglieber an und verlieh dem Prinzen Tsaihsun bas Großkreuz des Leopold- orbens, sowie den anberen Herren hohe Orbensauszeichnungen.
In London wird der Notenaustausch zwischen Deutsch- Nind unb England über die Verlängerung des Schiebsgerichtsoertrages vom 12. Pich 1904 auf weitere vier Jahre veröffentlicht.
Wie Konstantmopeler Blätter melden, beschlossen Offiziere unb Mannschaften ber ganzen türkischen Armee, ihr Gehalt von zwei Monaten in Raten für Flottenzwecke zu stiften. Auch sonst wirb in ber Provinz die Subskription für die Flotte eifrig betrieben. Der Flottenverein soll in ber nächsten Zeit bem Schatze als erste Rate 150 000 Pfund zum Ankauf eines Kriegsschiffes überweisen. Die Regrerung gedenkt zum Wiederaufbau ber Flotte eine innere Anleihe aufzunehmen. Der Generalstabschef bei Marine trat eine Reise an, um ben in Genua im Lau befinblichen türkischen Kreuzer und dann in England einen Dreadnought zu besichtigen. Tie Notabeln von Drama werden für die Flotte einen Torpedobootszerstörer stiften.
Infolge eines Meetings in Barcelona, das zugunsten der während der Unruhen im Juli v. Js. Verhafteten abgehalten wurde, ivaren Gerüchte im Umlauf, daß der allgemeine Aufstand
— Tie lustigenBlätter begehen in diesen Tagen ihren fünfundzwanzigsten Geburtstag, zu dessen Arier eine sehr reich ausgestattete Festnummer erschienen ist. Sämtliche Mitarbritei des seit seinem Bestehen im Verlag von Dr. Evsler u. Co. erscheinenden srischgeistigen und gediegenen Witzblattes haben an diesem stattlichen Band nutgearbeitet, so daß rin äußerst an- spreck-ender, stattlicher Band dem freubigen Ereignis ein würdiges Denkmal weiht. Seit ihrem Bestehen war es das stete Bemühen der Lustigen Blätter, allem öden Phittsterrirm, das in dieser Skimmer io köstlich als dösiges Nilpferd dargestellt ist, mit Humor zu be- geg-neu ober auch einmal mit bem eisernen Besen ber Satire brrinzukahcen, wenn es gar zu toll Hergang. Tic Lustigen Blätter haben in bie] en fünfundzwanzig Jahren mit fröhlicher, befmenber Lustigkeit eine staunenswerte Arbeit geleistet, bie gewiß nicht immer Luftig war — sondern ein ernstes Kulturwerk. Rtögerc bie Lustigen Blatter bad folgende VierteljahrhunbeLt mit gleichem Erfolg strecken.
— Der erste Briefmarkensammler. Zu der Frage, wer als erster Briefmarken yi sammeln begonnen hat, brachte ber Collectuoneur be timbres-poste die Mitteilung, daß dies ein Herr Legrand gewesen sei. Jetzt meldet sich ein Herr Wetzel aus Lille in Frankreid), der ebenfalls darauf Anspruch erbebt, weil er bald icach dem Erschrinen der ersten englifd-en Postwertzridjen (6. Mai 1840) mit bem Sammeln begonnen haben will, aifo demnächst sein 70 jähriges Sammlerjubiläum feiern kann. Tie Frage wirb kaum mehr endgüttig zu lösen sein, weil mm auch ein Herr William Kcatter in Sidney, der hochbetagte Sohn eines nach Australien auSgeivanderten Deutsch-Oesteririchers, mit der Behauptung hervortritt, baß schon sein Vater damit ben Anfairg gemacht habe, als am 3. Viooeuiber 1838 in SLeu-SübwaleS die ersten amtliaien Briesumfd-läge mit Stempelausbruck zur Ausgabe gelangten. Bewieserr für die Priorität als Sammler ist da- mck eigcntlid» nichts und so wirb viellrid)t demnächst auch nod) ein Nad-lomme beS Herrn bc Valayer in Paris aufticteu, der unter Ludwig XIV. im Jahre 1653 gestempelte Driefschleifen (BiUets be Port payL) für die Pariser Stadtpost zum Preise von 1 Sol (jou) zu verausgaben begann und als Erfinder der Postrvcrtzcicheir anzuspredjeu ist.
— Tie Verwandlung der Elemente. Das langersehnte Ziel ber alten Alchemisten hat kürzlich durch eine Uutcr- [ud>ung der Chemiker Ramsay unb Ja. L. Usher eine neue Bestätigung erfaljrm. Da niclst nur stiadmrn selbst sich in Helium verwandelt, sondern bie vom Radium aus gesandte Einanalion bie Umuxmbluug anderer Stosse cinzulecken vcrniag, so stellten sie Vnftcche mit den Gasen an, die sich aus einer mctallisdjcs Radium- brvmid enthaltenden Lösung entwickelten. SLachdem diese geringe Mengen von Radiumemanation enthaltenden Gase in ein Glao kölbck-cn gelecket waren, das zunächst leergepumpt und tarnt mit verschiedenen Lösungen, gefüllt Ivar, wurde der J^chalt vier SBod^ii laug fid) selbst überlassen, bis bie Energie der Emanation völlig erschöpft war. Nmr rourtan die vorher völlig Lohtenstosffteien Lösungen untersucht, unb es stellte sich heraus, daß sie geringe Ptengen Kohlenstoff in Form von Kohlensäure und rkohlenoxch aUbteilen, die nur aus ben bei EmanarirnrSwckttm j unteiuwijenefi.


