Nr. 205
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Anzeiger Gieße«.
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Erstes Blatt
160* Jahrgang
Freitag 2. September 1910
Giehener Anzeiger
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General-Anzeiger für Gderhesien MW
Rotafioitsftrud' und Verlag der Vrühl'schen llnio.-vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. W"" ®U&e6*'aX
—nwiwTWB—m■■■■ ________________________ u Anzeigenteil: H.. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
vom hessischen Schulwesen.
Poldordens. Sun Giuliano überreichte dem Kaiser ein Hand-1 Geschichtsprofessur berufen schreiben des Königs Viktor Emanuel, in dem der König | Ztg." die darob mit Rec
Ischl, 1. Sept. Die heutige Audienz des italienischen Ministers des Auswärtigen Mxrrchese di San Giuliano bei dem Kaiser dauerte über eine halbe Stunde. Der Kaiser verlieh dem Minister das Großkreuz des Leo-
Der „Genosse" David gegen die „Sozialdespotie".
Die Auseinandersetzungen unter den hessischen Genossen über die badische Angelegenheit dauern fort und nehmen allmählich einen heftigen Charakter an. So ergreift, in der „Mainzer Volkszeitung" Dr. David in einer Artikelserie „Demokratie und Disziplin" zu den Vorgängen in Baden das Wort. Er fuhrt u. a. aus:
„Die Art Disziplin", wie sie von gewissen Seiten gefordert wird, sei die gefährlichste Feindin der Demokratie, — würde sie sich durchletzen, „dann könnte es nur geschehen mit Umwandlung der Sozialdemokratie in eine S o z i a l d e s p o t i e". — „Die Durchsetzung der politischen und wirtschaftlichen Emanzipation der Arbeiterschaft ist das höchste Gebot aller unserer parlamentarischen und sonstigen Praxis. Stellt sich in einer gegebenen Situation heraus, daß irgendein Beschlußirgendeiner Parteiinstanz in Widerspruch mit diesem höchsten Prinzip stehl, so muß er durchbrochen werden". — „Disziplin im Sinne blinder Befolgung einmal gegebener Befehle ist nicht oas Prinzip der Demokratie. Das ist vielmehr das Prinzip des Absolutismus. Das ist Kadavergehorsam, einerlei, ob diese höhere Instanz ein Monarch, ein Parlament, oder ein Parteitag ist".
Mau darf darauf gespannt sein, ob z. B. aus Gießen, das ja der hessische Hauptsitz dieser so gekennzeichneten „Sozialdespotie" ist, auf diese gründlichen Festnagelungew eine Antwort erfolgen wird!
Nun wird es verständlicher, warum die Herren berger und Graf Oppersdorfs die Wahl dieses Mannes um jeden Preis verhindern wollten. Ein Katholik von anti- ultramonipner Gesinnung als Mitglied der Zentrums- fraktion! Man wird sich mit der vollzogenen Tatsache allerdings irgendwie abzufinden haben. Da Spahn d. I. es bisher gut verstand, seine antiultramontane Gesinnung zu verbergen, um mit Hilfe des Zentrums Professur und Man-- dat zu erreichen, so kann man doch erwarten, daß er jeht aus Dankbarkeit den Antiultramontanismus wieder ao- schwört, um vielleicht doch noch ein nützliches Mitglied der Fraktion zu werden, die ihm mit so lebhaftem Mißtrauen' entgegensieht.
Gesterreichisch-italienischez Händedrücken.
Im gegenwärtigen Zeitpunkt kann der Verlauf der Begegnung zwischen den führenden Staatsmännern Oesterreichs und Italiens in Ischl als ein neuer Erfolg des Frhrn. v. Aehrenthal angesehen werden:
Ischl, 1. Sept. Das Wiener Korr.-Bureau verbreitet folgende Veröffentlichung:
Die Reise, die der Marchese di San Giuliano nach Ischl unternommen hat, um sich dem Kaiser Franz Josef vorzustellen, sowie die Begegnung des italienischen Ministers des Auswärtigen mit dem Grafen Aehrenthal, die vorher in Salzburg stattgefunden hat, sind ein neuer Beweis für die freundschaftlichen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn. Die Entrevue der beiden Staatsmänner gab ihnen die Möglichkeit, einen den Allianzverhältnissen entsprechenden intimen Gedankenaustausch über die allgemeine Lage in Europa wie auch speziell über die Verhältnisse im nahen Osten zu pflegen. In der Beurteilung dieser Fragen ergab sich eine erfreuliche Ueber- ei n stim mungi der Ans' Fen der Vertreter der beiden Kabinette, die vor allem auf die Aufrechterhaltung des Statusquo und des Friedens gerichtet sind. Insbesondere erhoffen sie von dem neuen Regime in der Türkei eine Konsolidierung dieser letzteren. Sie werden auch loeiterhin das Gedeihen der Balkanstaaten mit ihren Synrpathien begleiten.
seine dem Kaiser zum Geburtstage telegraphisch übermittelten Wünsche in herzlichsten Worten erneuert und dem verbündeten Herrscher seiner freundschaftlichen Gefühle versichert. Der Kaiser sandte dem König ein Danktelegramm, in dem er den König bittet, überzeugt zu sein, daß er die ihm ausgedrückten Gefühle aufrichtiger Freundschaft und Bundesgenossenschaft auf das Wärmste erwidere. Weiter betont der Kaiser, daß es ihn mit besonderer Genugtuung erfüllte, den hervorragenden Staatsmann Giuliano empfangen zu können. ,
Martin Spahn.
Die Zentrumsfraktion des Reichstags ist durch die Wühl Professor Marrin Spahn-Straßburg zum Abgeordneten für Warburg-sHöxter an Stelle des verstorbenen Landgerichtsrats Schmidt um ein interessantes Mitglied bereichert worden. Wir glauben nicht, so schreibt die „Natl. Korr.", daß die fraktionelle Opposition gegen diese Kandis datur allein durch Spahns antidemokratisches Bekenntnis, das er im Juliheft des „Hochland" niederlegte, und durch 'eine Gegnerschaft gegen die Uebertragung des Reichswahl-, rechts auf Preußen hervorgerufen ist. Der jugendliche Pro- essor hat anderseits doch unmittelbar vor der Wahl noch alles das feierlich beschworen, was dem Zentrum lieb und teuer ist: seine Jesuitenfreundschaft, seine deutschfeindliche Haltung in der Ostmarkenfrage, sein streng-katholisches Glaubensbekenntnis u. a. m. Und orann denkt ja doch die ganze Zentrumsfraktion von der Beglückung Preußens mit )em Reichswahlsystem genau so, wie der gelehrte Sprößling des alten Peter Spahn. Nur sagt sie's nicht und hält es auch für inopportun, wenn ein anderer es ausplaudert. Aber diese Fürwitzigkeit des Bewerbers um das Marburger Mandat kann u. E. den ungewöhnlichen Schritt der 14 Fraktionsmitglieder nicht hinreichend erllären und man
wird weiter in die schon so reiche Vergangenheit des jungen Universitätslehrers zurückgehen müssen, um das Pronun- ciamento zu verstehen. Martin Spahn ist nämlich nicht nur in Einzelfragen, wie dem preußischen Wahlrecht, der Out-» iderei verdächtig, sondern er steht ganz allgemein stark im Geruch antiultramontaner Eigenbrödelei. Als er 1901 nach Straßburg für die katholisch-konfessionelle r... r t wurde, beschwichtigte die „Bonn.
___ . Recht erregte Oeffentlichkeit durch
Die Zahl der Lehrstellen an den Gymnasien, Realgymnasien, Oberreal- und Realschulen einschließlich der Vorschulen, die mit ihnen organisch verbunden sind, beträgt nach dem Staats-Hauptvoranschlag 1910: 28 Stellen für Direktoren, 409 Stellen für fest angestellte und 60 Stellen für provisorische Oberlehrer, 10 Stellen für Zeichenlehrer und 79 Stellen für seminarisch gebildete Lehrer, zusammen 586 Stellen. An den höheren Bürgerschulen waren am 1. Juli 1910 folgende Lehrstellen vorhanden: 51 Stellen für fest angestellte und 27 Stellen für provisorische Oberlehrer (einschl. der Leiter); 36 Stellen für fest angestellte und 14 Stellen für provisorische semina- risch gebildete Lehrer, 25 Stetten für fest angestellte und 13 Stetten für provisorische Lehrerinnen, zusammen 166 Stellen.^ Besucht waren: die Gymnasien von 2715 Schülern und 41 Schülerinnen; die Progymnasien (Alzey und Bingen) von 178 Schülern und 7 Schülerinnen; die Realgymnasien (Darmstadt, Gießen, Mainz) 1478 Schüler, 71 Schülerinnen; Oberrealschulen 4440 Schüler, 59 Schülerinnen; Realschulen 1532 Sck)üler, 104 Schülerinnen; Landw. Schule (Groß- Umstadt) 30 Schüler; Höhere Bürgerschulen 1415 Schüler, 1201 Schülerinnen; Höhere Mädchenschulen 3250 Schülerinnen; Lehrerinnenseminare: in Darmstadt 109, in Mainz 54 Schülerinnen. Die Vorschulen der Gymnasien und Realanstalten zählen 1524 Schüler und 2 Schülerinnen; die Vorschulen der höheren Bürgerfchulen 1612 Schüler und 224 Schülerinnen. Die Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst erlangten in den hessischen Schulen 1201 Schüler, im Jahr zuvor waren es 1053 gewesen. Das Abiturientenexamen wurde von 468 Primanern abgelegt, gegen 443 im Vorjahre; die meisten Abiturienten, nämlich 49, widmeten sich der Medizin, 24 der evangelischen, 16 der katholischen Theologie, 23 der Rechtswissenfchaft, 38 der Philologie; von den Abiturientinnen wollen 3 Medizin studieren, 7 Philologie, 2 Mathematik, 1 Naturwissenschaft, 1 sonstiges Studium und 3 kein akademisches Studium. Von den Abiturienten hatten 57 ihren Vater durch den Tod verloren. Von den Seminaristinnen waren neun 18 Jahre und nur 4 über 22 Jahre alt. Volksschulen besitzt Hessen 903 gemeinsame, 38~ evangelische und 40 katholische. Nur in 13 wird noch Schulgeld erhoben. Besucht waren sie von 100 791 Knaben und 101703 Mädchen, die von 3159 Lehrern und 507 Lehrerinnen unterrichtet wurden. Erweiterte Volksschulen gibt es 6 (Darmstadt, Offenbach, Gießen). 101 Lehrer und 43 Lehrerinnen unterrichteten dort 2478 Knaben und 2592 Mädchen. In den beiden Taubstumme n a n st a l t e n in Bensheim und Friedberg waren untergebracht 53 männliche und 48 weibliche Zöglinge; in der Blindenanstalt Friedberg waren 24 männliche und 10 weibliche Zöglinge. Von den Taubstummen waren 22, von den Blinden 11 aus Rheinhessen. In den 45 Pr iv a t- schulen unterrichteten 99 Lehrer und 125 Lehrerinnen 1137 Knaben und 2528 Mädchen. Mainz zählt allein fünf Privatschulen. In den Lehrerseminaren in Bensheim, Friedberg und Alzey betrug die Zahl der Sckchler 467; die Abgangsprüfung legten Ostern 1910 141 ab. Söhne von Lehrern waren 14, von Landwirten 180, von Handwerkern und Geschäftsleuten 210, von Beamten 63. Im Seminar für Volksschuttehrerinnen zu Darmstadt betrug die Zahl der Schülerinnen 138 gegen 138 im Vorjahr. Zu Ostern^ 1910 bestanden die Abschlußprüfung 23 Schülerinnen, außerdem 13 „Kurseanerinnen der ®n "" lein zu Mai " '
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russische Sprache verstehen. Daß bei dem regen Verkehr, der von Rußland nach Finnland stattfindet, im Betriebswesen der finnischen Staatsbahn eine so überaus geringe Kenntnis des Russischen herrscht, muß allerdings auffällig erscheinen. Gerade die Sprachenverhältnisse dürsten den Finnländern, die sich bisher um das Russische so gut nxie- ;ar nicht gekümmert haben, noch manche Schwiemgkeiterr aereiten, da die Regierung auf Grund des Gesetzes über Finnland sich auch für eine weitere Anwendung der „Reichs-
3ra.(l)e" im Großfürstentum sorgen wird.
Petersburg, 1. Sept. Eine Entscheidung des Ministerrates verbietet die Einfuhr von Schießwaffen mit Ausnahme glattläufiger Gewehr^ nach Finnland.
politische Tcigssscha«.
Allerlei Persönliches vom Reichskanzler
teilt ein Leser der „Schles. Ztg." mit, der zurzeit in Eberswalde, in der Nähe des Herrn v. Bethmann-Hollweg gehörenden Gutes Hohenfinow weilt. Er schreibt:
Da jch gerade in der Nähe der Güter des Reichskanzlers weile, entschloß ich mich, seine Residenz aufzusuchen. Ich kam in der Nachmittaasstunde um o Uhr in Hohenfinow an, wo er augenblicklich Erholung sucht, und begegnete ihm, als er, von einem Spaziergang kommend, seinem Schloß zuschritt. Am Eingang trat ihm ein Mann entgegen, der Stroh kaufen wollte. Anstatt ihn an seinen Inspektor zu weisen, unterhielt er sich wohl zehn Minuten lang mit ihm. Ich konnte dies von meinem Gasthause aus beobachten.
Interessant ist eine Mitteilung von dem Wirte des Gasthauses. Bei einer Geburtstagsfeier dieses Mannes, )ie vor seinem Hause vor einigen Jahren abgehalten wurde, kam unser Reichskanzler, der damals noch Staatsminister war, vorbei. Auf die fröhliche Stimmung aufmerksam gemacht, näherte er sich den Festteilnehmern und erkundigte ich nach dem Grunde der Feier. Er gratulierte dünn )em Wirte mit herzlichen Worten und entschuldigte sich, dies augenblicklich nur mit schlichten Worten tun zu können. Arn nächsten Tage war v. Bethmann-Hollweg auf der Hirschjagd, bei welcher Gelegenheit er den besten der erlegten Hirsche dem Geburtstagskinde zum Geschenk machte.
Ein weiterer Beweis für die Güte dieses Mannes ist )ie Tatsache, daß er seinen Beamten schon als San brat )es Kreises Oberbarnim besondere Order gegeben hat, mit den unbefugten Beerensammlern nicht so streng ins Gericht zu gehen, sondern Nachsicht mit ihnen zu üben, wenn sie ohne Erlaubnis Beeren sammeln oder seinen Wald betreten, der von seinem Sitz Hohenfinow bis Sommerfelde reicht. Auch das Ergehen der Jugend läßt sich der Kanzler angelegen sein. Vor kurzem hat er mehrere Klassen der Eberswalder Knaben zu sich zu einem Kaffee mit Kuchen geladen.
Rußland und Finnland.
Die russische Regierung trifft Maßregeln, für Verbreitung der Kenntnis der schwedischen und der finnischen Sprache unter den Russen zu sorgen. Ein vom Kaiser bestätigter Beschluß des Ministerrats besagt^ daß in den Lehranstalten von Helsingfors fo ft en freien Unterrichtin den beiden Sprachen stattfinden soll. Den Schülern, die sich an diesem Unterricht beteiligen, wird' freiaefteUt, dafür nicht am Unterricht in Deutsch und Französisch teilzunehmen. Personen, die besondere Erfolge im Schwedischen und Finnischen aufweisen können, erhalten Stipendien. Schließlich will die Regierung, so schreibt man der „Köln. Ztg.", für Personen, die ihren Unterricht bereits abgeschlossen haben, besondere Studienreisen nach Schweden und Finnland einrichten.
Zweifellos ist diese Maßregel der Regierung ein neuer Schritt zur Russisizierung Finnlands, indem es ja der Regierung darauf ankommen wird, allmählich^ immer mehr russische Beamte im Verwaltungswesen Finnlands unter- ^bringen, und dabei ist es von Wert, daß diese Russen auch die einheimischen Landesfprachen verstehen, aber bisher gibt es wenig Russen, die des Schwedischen oder Finnischew mächtig sind. Gleichzeitig werden von russischer Seite nr Finnland immer höhere Forderungen betreffs der Kennt-* nis des Russischen gestellt. So hat der Chef be£ Truppentransportwesens im finnländischen Mllitärbezirk^ Graf Kamenski, an die finnländische Eisenbahnverwaltung das Ersuchen gerichtet, dafür zu sorgen, daß an näher bezeichneten Eisenbahnstationen die Stationsinspektoren die
Graf Aehrenthal gab abends ein Essen, an dem Marquis di San Giuliano, sowie die beiden Botschafter teilnahmen.
Presscstimmen.
Wien, 1. Sept. In der Besprechung des heutigen Communiques sagt die „Neue Freie Presse" am Schluß ihres Artikels:
Die Intimität des Verkehrs der Staatsmänner, von der es spricht, und die fieundschastlichen und vertrauensvollen Be- ziehungeir, welche es feststellt, haben insofern eine breite Grundlage auch in der öffentlichen Meinung, als in Oesterreich-Ungarn, wie in Italien, sich die Ueberzeugung emgelebt hat, daß das Bündnis beiden Teilen den größten Nutzen bringt.
Das „Neue Wiener Abendblatt" schreibt:
Es ist eine höchst bedeutsame Kundgebung, welche hier der Oeffentlichkeit übergeben wird. Die starke Betonung der Aufrechterhaltung des Friedens und des Statusquo wird auf dem Balkan und überall dort sehr deutlich verstanden werden müssen, wo man etwa^noch immer Ambitionen zuneigt, welche durchaus nicht im Sinne der den Frieden hütenden Mächte gelegen sein können. Der Dreibund ist der Friede, das zeigt wieder die Kundgebung über die Ministerkonferenzen.
Beide Blätter melden übereinstimmend, daß die Erörterungen über die Frage der Gren^zwischenfälle zwischen den beiden Ministern soweit gediehen seien, daß von dem Zusammentritt eines besonderen Ausschusses zur Regelung dieser Angelegenheit Abstand genommen werden könne.
Mainz". Die Le h r erpr äp ara n?> enan stal- Lich, Lindenfels und Wöllstein hatten 244 Schüler, von denen nur 17 die Söhne von Lehrern, 92 Söhne von Landwirten, 37 Söhne von Beamten und 98 Söhne von Handwerkern und Geschäftsleuten waren. In den Lehrerseminaren und den Präparandenanstalten waren nur vier Schüler israelitischer Konfession.
-I die Behauptung, der Mann sei ja gar nicht so schlimm- - habe er doch sogar der — ^Täglichen Rundschau"^ seine Mitarbeit angeboten; er fürchte sich wegen des väterlichen Zornes nur, sein antiultramontanes Her^ offen aller Welt darzulegen.Das fand denn auch seine volle' Bestätigung. Spahn mußte am 4. Oktober 1901 in der „Bonner Ztg." zugeben, oaß er dem Grafen Hoensbroech^ (damaligen Mitherausgeber der „Tägl. Rundschau") bemerkt habe, daß er (Spahn) des Grafen H. „Vorgehen gegen das Ultramontane in der Kirche und die Kirchenlehre selbst in vieler Beziehung als berechtigt und mün* schenswert" anerkenne: „Auf einen höflichen Brief Hoensbroechs habe ich geantwortet, daß ich gegebenenfalls' meine Anschauungen auch in der „Täglichen Rundschau" vertreten würde; mir jedoch Vorbehalten müßte, die Gei legenheit dazu selbst zu bezeichnen. Zu solcher Mitarbeiter-, ichaft ist es nicht mehr gekommen." Durch diese letztere, Behauptung nun füate Martin Spahn zu dem „Schimpf" antiultramontaner Gesinnung seiner Person noch den Makel der Unwahrhaftigkeit hinzu. Denn Graf Hoensbroech stellte in einer Erklärung vom 6. Oktober fest, daß Spahn ihm für dre Aufnahme eines Beitrags in die „Tägliche Rundschau" die Bedingung gestellt hatte, seinen Namen nicht zu nennen, und daß der Artikel Spahns dann in dem genannten Matt ohne Angabe des Verfassers erschien.


