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2.8.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 178

Zweites Blatt

Dienstag S. August 1910

Gießener Anzeiger

Erschein! täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

160. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. DL Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e® 5L Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr^AnzeigerDießen.

DieGießener FamiliendlStter" werden dem »Anzeigers viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisbhtt ffir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Fr.

ein

Arz, selbst in bem unbedeutendsten Kopse sitzt immer noch das Leben, die prächtige Kraft, die unerschöpfliche Fundgrube für Meisterwerke." . . . ,x

Artt Schlüsse von interessanten, aber Zu weitschweifigen Mitteilungen über die Schicksale seiner verschiedenen Büsten, ihrer Geschichte und ihrer Entstehungsart faßte Rodin noch einmal sein Künstlerbewußtsein in folgende prägnante. Worte zusammen:

^,Jch habe stets nach besten Kräften und bestem Wissen ge- arbeitet. Ich habe nie gelogen. Ich habe meinen Zeitgenossen, mc geschmeichelt. Meine Büsten haben oft Mißfallen' erregt, weil sie stets sehr aufrichtig worein. Sie haben lieber ein Ver­dienst: Die Wahrhaftigkeit. Mge bicfe ihnen als Schönheit bienen!

29. Mttelrheinisches Areisturnseft.

Zweiter Tag.

ch. Bad Kreuznach? 1. August.

m "Das kann unmöglich als eine Unannehmlichkeit rechnen Vergessen Sie nämlich nie meine Lieblingsmaxime: DieNatur ist rntmer schön! ES genügt zu verstehen, was sie uns zeigt. Sre sprechen da von einem ausdruckslosen Gesichte Solche existieren für bte Künstler überhaupt gar nicht. Für ihn ist jeher menschliche Kopf interessant. Wenn ein Bildhauer beispiels­weise die Fadheit einer Physiognomie hervorhebt oder uns einen Gecken zeigt, der nur von der Sorge beseelt ist, in der Welt iu paradieren, so kommt eine schöne Büste heraus. Was mnn übrigens einen beschränkten Geist nennt, ist häufig nur ein Ge­wissen, daS sich nicht .entfaltet hat, weil cS nicht'die Erziehung erhalten, bte ihm seine Entfaltung gestattet hätte. Und in diesem Fchle bieten bte Züge bas geheimnisvolle und anziehende Schau­spiel einer Intelligenz, die ein Schier einzuhüllen scheint. Allo

Seid uns willkommen, ihr Turner vom Rhein, Seid uns willkommen, Männer vom Main, Deutsche Männer von Nord unb Süd, Seid uns g eg rußet von Mosel und Wied! Tapfere Kämpen von Osten unb Westen, Kreuznach's Söhne grüßen die Besten, Sie grüßen die Jungen, sie grüßen die Alten, Die bas Bonner unsterblicher Jugend entfalten!

Wohl schien man in Rom eine Zeitlang zu kirchenpoliti­schen Konzessionen bereit, aber diese genügten Ccuialejas nicht, worauf, nachdem auch die Einwirkungsversuche der klerikalen Hofkreise auf den König,, sowie die Protestbewegung der spanischen Geistlichkeit erfolglos geblieben waren, der Vatikan vor einigen Tagen so weit ging, an Spanien eine Note ZiU richten, in der er als Ultimatum die Annullierung aller Dekrete, insbesondere der über die Dissidentenkulte, kategorisch verlangte, falls Weiterverhandlungen über eine Reform des Konkordats überhaupt noch möglich fein sollten. Das Weitere ist bekannt.

Wer als Sieger hervorgeht, Canalejas oder Merry del Val, ist recht zweifelhaft. Zwar verfügt Canalejas augen­blicklich über das Vertrauen des Königs, über eine Zwei- drittelmajoritat in der Kammer. Aber die Macht des Vati­kans in Spanien ist nicht nur noch sehr groß, nein, auch die günstigen Bedingungen, unter denen Canalejas den Kampf gegen Rom aufnahm, können sich sofort in ihr Gegenteil perkehrcn, wenn der Vatikan jetzt alle Minen gegen den Mann springen läßt, den er auf jeden Fall be­seitigen will.Die innere Lage Spaniens wird dem lieber» mut Canalejas bald ein Ziel setzen!" so tröstet man sich im Vatikan.

Madrid, 1. Aug. Einer Blättermeldung aus Bilbao zufolge wurden gestern an den Papst zahlreiche Ergeben- heitstelegramme von Katholiken abgefandt Tie Veranstalter der für den 7. August geplanten katholischen Kund­gebung erhielten aus ganz Spanien Sympathie- und Glückwunsch­telegramme. In. mehreren Dörfern in der Gegend von San Sebastian und Bilbao wurden aufreizende Reden gehalten.

Rom, 1. Aug. DerO|servalore Romano" schreibt: Eine Note der spanischen Regierung ging beim Kardinalstaatssekretär Merry del Val heute morgen kurz vor 7 Uhr ein. Das Blatt fügt hinzu, es könne int Gegensatz zu den in der Presse ver­breiteten Gerüchten versichern, daß der a p o st o l i s ch e N u n t i n s in Madrid keine Anweisung erhalten hat, ab­zureisen.

Rodin Über Rundfragen.

O Paris, 31. Juli.

Tie Auslassungen Rodins über Kunstfragen, die Paul Gsell in der HalbmonatschriftLa Revue" regelmäßig ver­öffentlicht, enthalten immer wieder neue' interessante Punkte. In der letzten Nummer läßt sich der große Bild­hauer über die Schwierigkeiten vernehmen, die die, we l ch e ih r e Züge v e r e wi g t zu sehen wünschen, den Malern und-besonders Bildhauern in den Weg legen:

ES scheint fast ein seltsames und unumgängliches Gesetz zu fein, daß der, der sein Bildnis bestellt, stets mit wahrer Er­bitterung ba§ Talent des Künstlers bekämpft, den er sich aus­gewählt. Sehr selten sieht sich ein.Mensch so, wie er ist, und selbst wenn er sich kennt, ist es ihm unangenehm, daß ein Künstler ihn mit aufrichtiger Treue dar stellt. Er verlangt, unter seinem nichts­sagendsten und banalsten Aussehen dargestellt zu werden. Er will eine offizielle oder gesellschaftliche Marionette sein. Es ge­fällt ihm, daß der Beruf, den er ausübt, der Rang, den er in der Gesellschaft einnimmt, völlig den Menschen verdecken, der in ihm ist. Ein Richter will eine Toga, ein General eine goldstrotzende Uniform. Es> ist ihnen herzlich wenig daran ge­legen, daß man in ihrer Seele lese. So erklärt sich übrigens der Erfolg so vieler mittelmäßiger Porträtmaler und Büsten­fabrikanten, da diese sich darauf beschränken, das unpersönliche Aussehen ihrer Kunden, ihre Borten und Rangabzeichen, sowie ihre protokollarische Haltung wiederzugeben. Diese Künstler stehen gewöhnlich in höchster Gunst, weil sie ihrem Modell eine Maske des Reichtums und der Feierlichkeit zu geben sich bemühen. Vielleicht war eS aber doch nicht immer so. Gewisse große Herren des fünfzehnten Jahrhunderts beispielsweise scheinen ein Vergnügen darin gefunden zu haben, auf den Medaillen Pisanellos als .Hyänen oder Geier sich wiedergcgeben zu sehen. Sie waren zweifellos stolz darauf, niemandem zu gleichen, oder richtiger, sie liebten und sie verehrten die Kunst und nahmen die rauhe Freimütigkeit der Künstler als eine Buße hin, die ihnen von ihren Beichtigern auferlegt wurde. Titian nahm- auch keinen Anstand, dem Papste Paul III. eine Jltisscknauze zu geben, die herrscherische Härte Karls V., oder die Geilheit Franz I. hervorzucieben, ohne daß sein Ruf bei ihnen darunter gelitten hätte. Balasquez, der seinen König Philipp IV. als sehr eleganten, aber sehr nichtssagenden Menschen malte und ohne Schmeichelei seine hängende Unterlippe wiedergab, blieb trotzdem in seiner Gunst. Aber die Menschen von heute sind nun einmal so, daß sie Cor der Wahrheit Furcht haben und die

Die Gefährdung des Straßburger Münster« Man schreibt uns au5 Berlin: Bekanntlich wurde in letzter Zeit m der Tagespresse die Gefährdung des Straßburger Münsters wiederholt erörtert. Es ist nunmehr ein amtlicher Bericht deS Dombaumeisters Knauth in Straßburg erschienen, auf Grund dessen noch im Sommer oder im Herbst d. Js mit oen nötigen Arbeiten begonnen werden soll. Gegenwärtig sind Einzclpläne und Berechnungen, insbesondere in 'Betracht kom­mender Eu'enbetonkonstruktwnen, in Ausarbeitung begriffen Nach dem Bericht zeigt vor allem der erste innere Mittelschifsspfeilei­der Nordseite des Münsters crl-cbliche Nisse, die sich in der Rich­tung von oben, Westen, nach unten, Osten, durchziehen. Die llr- ss^dot der Berichterstatter außer in nachgewiesenen Mehrbelastungen vor allem in den überaus schlechten Gründungs­verhältnissen. Der Zustand der Grundmauer des inneren Turin- pfeuers, bte in ihrer Ausführung alshöchst leichtfertig" bc- zeichnet werden muß, ist. ein derartiger, daß er zu den schlimmsten Befürchtungen Veranlassung gibt. Die ungewöhnlich starke Boden- vreßung übersteigt nach ausgeführten Probebelastitngen das Zu- lässtge um mindestens das Neunfache. Es soll nicht nur der Schissspfeiler erneuert, sondern es sollen auch weitere Arbeiten vorgenommen werden.

o - Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft

Wulcin Elisabeth «aff er mann, die älteste Tochter des Reichstagsabgeordneten «affermann, promovierte an der Straß­burger Universität zum Doktor rer. pol. summa cum laude. «um R ck tor der Universität Berlin für das Studien- ia&r IgiOAl wurde .Geh. Medizinalrat Professor Dr. Rubncr gcwaylt.

auf dem Festplatz ein Leben und Treiben, wie man cs sich kaum vorstellen kann, vollständig umlagert war aber von Tausendes' und Abcrtausenben von Menschen das gewaltige Viereck des Turn- Platzes, auf dem sich noch turnerische Hebungen den staunenden Augen vorstellten. Ein Eilbotenlauf wurde veranstaltet, ferner entwickelte sich ein Turnen der älteren Turner und eine Sondcr- vorfühning des Unter-Nahe-Gaues an fcchszehn Pferden. Da war mancher greife Turnersmann zu sehen, der gleich seinen Vorbildern, wie sie imalten Götz" und vielen anderen verkörpert sind, wacker seinen Mann am Reck, Darren, Pferd ufto. stellte, der Hebungen machte, die von der Luft unb bet Sicherheit Zeugnis! ablegten, mit benen bi esc Leute sich bic Gewandtheit und Elastizität durch fortgesetztes unb immerwährendes Turnen bis ins Alter be­wahrt hatten. Der Anblick war noch erhebender als der, die alten Kämpen im Festzug marschieren zu sehen. In der Festhallc aber saßen sie und tranken. Sie huldigten dem Nahcwein, der die Geister durch seine Frische und Nciutönigkcit zii wecken oermag unb zwischendurch schmetterten die Töne der Musikkapelle, cs klangen fröhliche Lieder, kurz es war frisch und fidel. Rundum aber von ihren Postamenten grüßten uni) nickten die ernsten Fahnen und Banner, manches neu und kaum gebraucht, viele aber auch alt unb zerschlissen aus den Zeiten, da sich zuerst der Gedanke an ein einiges deutsches Vaterland regle, aus den Sturm- unb Drang­tagen, bei benen bic Turner eine so große Rolle gespielt haben, eine Rolle, bie heute als heißblütig unb unüberlegt in ber Welt­geschichte beurteilt werben mag, aber von einem eblen Gebanken ausging und nur bas beste für das Vaterland tollte. Darum haben sie auch bas erste Recht bazu, jetzt zu fingen: ,,0 Deutsche land hoch in Ehren", denn wären diese alten ehrwürdigen Fahnen 1848/49 nicht dabei gewesen und ihren Turnern im Winde nicht vorausgewehnt, bann hätten bie Turner ihre bcutschvaterländische Gesinnung verleugnet, und bas war wohl in einer Zeit, ba bie Turnvereine ber Hort nationaler Gesinnung waren, nicht möglich. Heute früh nahm bas Einzelwetturnen seinen Anfang, an bem sich fast 500 Turner beteiligten. Es war bies ber größte Wettbewerb, ben bas Kreisturnfest bringt, ber Sechskampf. Ein prachtvoller Anblick, den Aufmarsch der einzelnen Hebungen, die strammen und vorzüglich ausgeführten Hebungen zu beobachten. Eine Riege nach der anderen turnte ihre Geräte ab und irt musterhafter Ordnung entwickelte sich der Sechskampf und dem Berechnungsausschuß, der einsam und im Verborgenen seine riesige Arbeit bewältigte, floß der papierene Stoff in Strömen zu. Da mußte gesichtet und geschrieben werden, Listen beigetragen und ausgefüllt und so verging denen im engen Raum die Seit, während sich die anderen lange vergnügten. Das ist die Tätigkeit jener, bie sich opferwillig dieser Arbeit unterziehen unb bic auf allen ben Turnfesten in der Regel bieselben sinb. Um 1 Uhr nahm das

Festbankett

feinen Anfang. Es mochten sich wohl etwa 300 Personen daran beteiligt haben. Als erster ergriff während dieser Veranstaltung das Wort der Vorsitzende des Mittclrhcinkreises Turninspektor Schulrat Schmuck-Darmstadt, der sich freute, baß er nun zu bem Festessen alle jene beisammen hätte, bic man in ber Turn­halle unb bei ben Vereinsversammlungen nicht immer fassen könne. Man solle sich die da braußen auf dem Turnboden an­sehen, da herrsche kein Klassenunterschied, ba finde man den Doktor, den Professor, den Rat, den Handwerker, den Kauf­mann und die Bauernsöhne alle ohne Unterschieb. Das Turnen einige alle als Söhne eines Vaterlanbcs. Seit Gut Heil galt bem deutschen Vaterland. Professor Milan dankte bem Fcft- tnrnwart Wenzel unb verstand es, bamit auch entsprechenbe Lobes­erhebungen für die Damenwelt einzuflechten. Er widmete sein Gut Heil dem Feftturnwart und ben Damen. Als nächster sprach Gauvertreter Schill-Osthofen, ber auf ben Festausschuß, Bei- gcorbneten Anbrian unb die Bürgerschaft von Kreuznach toastete, bann nahm bas Wort Beigeordneter Andriano, der sein Gut 6eil, der Jugend widmete. Noch weitere Herren, u. a. auch Professor B en dcr-Frankfurt ergriffen das Wort und so zog sich das, Festessen entsprechend dem Tichterwort:Wenn gute Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort", bis 3 Uhr hin. Ein Schaufechten schloß sich an; Wettspiele usw. wurden veranstaltet, bis dann um 71/2 Uhr die Sieger vom Tage und vom Abend gestern bekannt gemacht wurden.

Nachstehend folgen die Siegerlisten.

Dreikampf. (516 Bewerber, 61 Sieger.)

1. Fritz Klee, Hanau T.- u. F.-Kl., 59'/, Punkte, 2. Peter Müller, Frankfurt T.-V., 57, 3. Herrn. Silberrciß, Unterheberbad) T.-G., 56, 4- Lubw. Burkhard, Frankfurt T.-Kl., 55'/,, 5. Willi) Albacb, Höchst T.-G., 55, 6. Willy Kratz, Mainz 1817, 54*/ 7. Joh. Ernst, Amöne­burg T.-V., 54, 8. Kasp. Funk, Damm T.-Gem., 53'/, Jak. Schmidt, Renwied T.-V., 53'/,, 9. Gg. Arnheiter, Worms T.-Gem. 53,

Lüge anbeten Dieser Abscheu vor der künstlerischen Auf­richtigkeittritt selbst bei den Intelligentesten unserer Zeitgenossen hervor Sie zeigen direkt Groll darüber, so zu erscheinen, wie sic smd. Sie wollen wie Friseure aussehen. Unb ebenso haben bte schönsten Frauen, das will sagen bic, beren Linien am meisten ^til zeigen, vor ihrer eigenen Schönheit einen Ab- 'Leu, wenn ein talentvoller Bilbhauer sie vcrbolmctschen will L>ic flehen ihn an, sie zu verhäßlichen, inbem er ihnen eine un- bebeuteiibe Puppenphysiognomie gebe. Es kostet also stets eine harte Schlacht, eine gute Büste h er zu stellen.

rr' ba Nicht Schwäche zeigen und muß sich selbst gegenüber ehrlich bleiben. Umso schlimmer, wenn bic Abnahme des Werkes verwngert wird, ober vielmehr umso besser; beim es ist bann der Beweis, daß es die hcrvorragendfteii Eigenschaften besitzt. Was den Künben betrifft, der trotz seiner Unzusriedcnhcit gelungenes Werk annimmt, so ist seine böse Laune stets nur vorübergehend; denn die Kenner machen ihm bald so viele Kom- Vtznente über ferne Büste, daß er sie schließlich selbst bewundert. UNd er erklärt dann im Natürlichsten Toue ber Welt, er habe Ne stets vorzüglich gefunben. Man muß übrigens hcrvorhebcn, baß die Büsten, bte unentgeltlich für Freunde ober Berwaiibte ausgechhrt werben, die besten sind. Ter Grund bafür liegt nicht nur 11t ber natürlichen Tatsache, baß der Künstler die Modelle, bicjer bestanbig sieht und die er lieb hat, am besten kennt- tonbern auch unb zwar hauptsächlich barin, daß bie Kosten- loitgfcit ferner Arbeit ihm bte Freiheit gewährt, es ganz nach fernem Herzen unb nach seiner Auffassung durchzuführen."

.Als Gsell einivarf, der Meister vergesse ja gerade das Unangenehmste in dem Berufe des Bildhauers, nämlich den Zwang, in dem er sich lstiufig befinde, die Büste eines eindruckslosen ober selbst direkt blöden KöpfeS an* zufertigen, ries Rodin lachend aus:

Der Bruch Spaniens mit dem Vatikan.

Man schreibt uns aus Berlin:

Man traut seinen Auaen kaum, wenn matt jetzt in den Blättern lieft, daß das seit den .Tagen Ferdinands des Katholischcii unter dem Einfluß ber Geistlichkeit stehende Spanien jetzt auf einmal den Mut faßt, nicht nur auf eine Abänderung des mit dem Vatikan abgeschlossenen Kon- tordats zu dringen, sondern cs sogar, wenn man hierin in Rom nicht nachgibt, zum völligen Bruch mit der Kurie zu treiben.

Wer arferbittg^ den Lauf der ttrcheupolitischen Dinge in S-panien aufmerksam verfolgt hat, dem kommt der schon seit einigen Monaten drohende ' Ausbruch des Kultur­kampfes jetzt nicht unerwartet. Wurde doch in liberalen Kreisen Spaniens schon seit geraumer Zeit darüber ge­klagt, daß, obwohl das Konkordat von 1851 eigentlich nur drei Orden in Spanien zuließ, dennoch die Zahl der Welt- und Ordensgeistlichen, sowie ihrer Niederlassunaen ins un­gemessene gewachsen sei. Man kann annehmen, daß in ganz Spanien der Weltklerus mehr als doppelt so stark, der Ordensklerits mehr als viermal so stark ist, als es die tat­sächlichen Verhältnisse erfordern. Nur wird man für diese Nichtachtung der Konkordatsbestimmungen nicht: direkt den Battkan verantwortlich machen können, sondern vielmehr die Wirkungen des Trennungsgesetzes in Frankreich, sowie die auf Kuba und den Philippinen unter amerikanischem Einfluß eingetretenen Verhältnisse, die eine zahlreiche Ein- resp. Rückwanderung nach Spanien im Gefolge hatten.

Das fpanische Volk hätte sich vielleicht mit dieser Ver­mehrung der klerikalen Elemente abgefunden, wenn die Geistlichen und Ordensangehörigen beiderlei Geschlechts ihre Pflichten ganz und voll erfüllt hätten. Aber aus dem Gebiet des Schulunterrichts, der, da Spanien zu arm ist, um genügend öffentliche Schulen zu unterhalten, fast gänz­lich den Kongregationen anvertraut ist, soll das durchaus nicht der Fall gewesen sein und auf dem Gebiet der Seel- forge und Krankenpflege nur in einem auch nach spanischen Begriffen fehr beschränkten Maße. Es trug auch viel zu der jetzt in Spanien erwachten Feindschaft gegen den Klerus bei, daß die Klöster im Lause der Zeit ein unbewegliches Vermögen von 1550 Millionen anhäuften. Da sie gemäß des Konkordats Steuer- und Zotlsreiheit genossen, sowie ad majorem Dei gloriam unbezahlte ober sehr billige Ar­beiter zur Verfügung hatten, waren die Klöster in der Lage, die Jndusttie des Landes durch Konkurrenz zu schädigen und so noch mehr zur Verarmung des Landes beizuttagen Ein weiterer Punkt, in dem schließlich das Konkordat re- sormbedürfng schien, war jene mit'ihm zusammenhängende Bestimmung, der spanischen Verfassung vom Jahre 1876, nach welcher in Spanien (Arttkel 11 § 3) andere öffentliche Zeremonien und .Kundgebungeti, als die der katholischen Religion, nicht gestattet sind.

Als nun im Februar dieses'Jahres das Kabinett Cana­lejas ans Ruder gelangte, kam auch der Stein der Kon­kordatsfrage, mit deren Neuordnung sich bisher fast jedes liberale Ministerium vergeblich abgemuht hatte, wieder ins Rollen. Im Vattkan zögerte man die Verhandlungen über die gewünschten Reformen hinaus, so daß Canalejas schließ­lich einseitig vorging, durch Dekret vom 30. Mai 1910 die nicht im Konkordat vorgesehenen Orden dem Bereinsgesetz unterstellte und, soweit sie ein Gewerbe betrieben, sie zwang, einen Gewerbeschein zu lösen und Steuern zu bezahlen. Ein weiteres Dekret vom 10. Juni 1910 aber gab dem Ar­ttkel 11 § 3 eine authentische Auslegung dahin, daß fort­ab auch den nichttatholstchen Religionsaesellschaften der Bau von Gotteshäusern und ihre äußerliche Kennzeichnung als solche (durch Türme, Glocken, Aufschriften usw.) all­gemein zugestanden und auch die öffentlichen gottesdienst­lichen Versammlungen den Nichtkatholiken gestattet werden sollten.

orr. diesen Venen schließt der Festgruß des Pfarrers Abspach von Kreuznach, ber bem Festbuch vorangebruckt ist und dieser Willkommgruß hat sich auch buchstäblich erfüllt. Im grünen per Nahe, to0 bie roten Felsen enger zusammenrückcn und nur bte Seite nach Rheinhessen zu noch offen ist, hat sich Kreuz- nach hineingezwangt, in dieser Ecke feiert bas allurnfassenbc Rabtum. bte rounberbare Entbeckung des Paares Curio seine Triuniphc, denn Kreuznach ist eine der wenigen Stätten, wo bieses Element gefunden und gewonnen wird. Fast scheint es, als ob die herrlichen Eigenschaften des Radiums auf jeden Kreuz- nacher ubergegangen wären, denn so gewmnend, so liebenswürdig und gasttreunblich zeigen sie sich erst, scitbem bas lichtspenbenbe und rrastvolle ^Radium aus ben Quellen Kreuznachs gewonnen w/rd. Doch Spaß beiseite, bic Fcftftabt Kreuznach hat nicht allein mit herzlichem Gruße zum Feste eingdaben, sie hat auch bcmentsprcchenb sich bewährt. Der Feftplatz gewährt einen präch- ti^en stimmungsvollen Anblick; bte Festhalle präsentiert sich wirkungs- unb stimmurtgsvoll in vornehmer Zurückhaltung ohne Ausbrmglichkeit unb die umliegenden nciterrichtctcn Wein- unb Blerhauser schließen sich bem Ganzen äußerst vorteilhaft unb burchaus nicht gegensätzlich an. Der Turnplatz liegt in ber Mitte unb fann von allen Seiten frei besichtigt werben. Die Turner-, schäft bes Mittelrheinkreises hat benn auch bic riesige Arbeits- Iciltung ber Feststabt entsprechend gelohnt, denn die Bctciligimg war ganz gewaltig. Allein 4000 Mann sollen in Masseitquar- heren untergebracht gewesen fein. Gestern abend entwickelte fiel) bet ben Konzerten verschiedener Kapellen in der Festhalle unb