Ausgabe 
15.8.1910 Erstes Blatt
 
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Rr 18S Gpftvs Blatt L6V. Jahrgang Montag 1^. August ISIS

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8k DomHha^n9miu «otattoiksdrmk unöVerlag -ervrühl'schen Unw.-Such- nnö Steiudnickerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. ^°zeig°ni-n°?'H.'"Beck.

Vie Brüsseler Weltausstellung verbrannt!

Ein furchtbares Unglück hat die Brüsseler Weltausstel­lung heirngesucht und zum großen Teil durch Feuer ver­nichtet!Denn die Elemente hassen das Gebild tion Menschenhand", selten fit das Wort in so erschütternder Weise wahr geworden. Eine bunte, malerische Stadt, mit Fahnen und Wahrzeichen ans aller Herren Länder ist dort innerhalb wenigem Stimden abgebrannt, das etwa 85 Hektar große, wellige G-elände Solbosch, das die neue Zauberstadt mit ihren vielen Gärten, Blumenbeeten, Skulpturwcrken, Fontänen, trug, ^st jetzt nur niM) ein Trümmerhaufen Wenn auch in letzter Stunde gemeldet wird, die ersten Mel­dungen enthielten Uebertreibungen, so lassen die Einzel­heiten die Größe des Unglücks doch ganz ermessen. Kurz­schluß in einem Postamte soll die Ursache gewesen sein. Man fragt sich erstaunt, wie es kam, daß der Brand eine so große Ausdehnung finden konnte, ob die Belgier, in deren Abteilung er ausbrach, so gänzlich unzureichende Sicherungsmaßregeln vorbereitet hatten oder ob ihre Feuer- wehr überhaupt nicht zur jGtekle war. Die deutsche Ausstellung ist unversehrt geblieben. Wie innig werden die Aussteller und Leiter unter der deutschen Flagge ihrem Schöpfer danken, daß sie die belgischen Hallen verschmäht und sich ein eigenes, gesondertes Heim ge­schaffen hatten! Die englische Abteilung, unmittelbar neben dem belgischen Herd gelegen, soll vollständig ver­brannt sein, ebenso die benachbarte französische. Italien, das mit Frankreich sich in eine große Halle teilte, soll nicht über gänzliche Vernichtung zu klagen haben. Die Meldungen gehen bisher in Einzelheiten noch auseinander. Die mit viel Liebe kunstvoll aufgebauten Häuser»und Nie­derlassungen der Vergnügungsabteilung Alt-Brüssel sind ebenfalls schonungslos verbrannt worden. Dieses zierliche Städtchen, das an die belgische und englische Abteilung grenzte, war nach den Berichten mit viel harmlosem Volk, in den Trachten von 1830, bewohnt, das allabendlich einen lustigen Umzug veranstaltete. Wie hat dieses fröhliche Bild sich verwandelt, wie angstvoll werden die Blumenmädchen, Bänkelsänger und die Bürger von 1830 mit ihren grauen Zylinderhüten aus ihrer Niederlassung geflüchtet sein!

Wir erhielten folgende Meldungen:

Nach dem Ausbruch des Feuers.

Berlin, 14. Aug. 1.50 Uhr vorm. In Brüssel steht seit 9 Uhr abends die Belgische Abteilung der Ausstellung in Flammen. Die englische Abteilung ist bedroht.

Brüssel, 14. Aug. Seit 9 Uhr steht die belgische Sektion in Flammen. Es ist unmöglich, im Augenblick zu sehen, wie weit der Brand um sich gegriffen hat. Man glaubt, daß die große Halle am Eingang links vollständig zerstört ist. Es ist nicht möglich, an Die Brandstätte heranzukommen. Ein greller Feuerschein breitet sich über die Stadt aus. Die ganze Stadt ist in fieberhafter Erregung.

Der Windwechsel, und die Weiterverbreitung des Feuers.

Brüssel, 14. Aug. Mitternacht. Um llVa Uhr wechselte der Wind Plötzlich die Richtung und sofort war alles, was von Stadtviertel Altbrüssel noch übrig geblieblen war, ein Raub der Flammen geworden. In wenigen Mi­nuten war alles vernichtet. Das Feuer griff auch auf die Avenue des Nations über, das ist die Haupt­straße, die vom Haupteingang nach der belgischen Llbteilung führt. Alle Pavillons dieser Avenue sollen zerstört sein. Jedenfalls ist die französische Ausstellung vollständig vernichtet. Man glaubt auch, daß zwei Menschen umgekommen sind; außerdem wird gemeldet, daß 30Personen verletzt seien. Die Nachrichten sind aber int Augenblick nicht zu kontrollieren. Auf dem Gelände herrscht eine derartige Erregung und ein derartiges Ge­wirr von Tausenden von Menschen, daß es unmöglich ist, an jemand heranzukommen, der zuverlässige Auskunft geben könnte. Extrablätter melden, daß die gesamte Brüsse­ler Garnison sich am Rettungswerk beteiligt. Außer­dem ist zu bemerken, daß das gesamte Bureau der Weltausstellung vernichtet ist. Sämtliche Akten und Papiere, die in der Haupthalle untergebracht waren, sind vernichtet.

Brüssel, 15. Aug. Die linke Seite der Aus­stellung bis zu der Treppe, die nach der deutschen Abtei­lung führt, ist verloren. Die Ausstellungen von Bel­gien,England, Frankreich sind his auf einen kleinen Teil außerordentlich stark beschädigt. Auch die P a v i l l o n s der kleineren Nationen sollen ein Raub der Flammen geworden sein. Das Feuer wütet weiter.

Berlin, 15. Aug. 3.30 Uhr vorm. Bis Mitternacht zerstörte die Feuersbrunst in Brüssel ferner das Stadt­viertel Altbrüssel, angeblich sämtlichePavillons der Avenue Nations, jedenfalls auch die französische Abteilung. Nur die deutsche und holländische Aus­stellung ist unversehrt.

Nach den seitherigen Feststellungen ist niemand in denFlammenumgekommen, aber zwanzig Leute wurden verletzt, davon zwei schwer.

Tie deutsche, holländische und spanische Abteilung gerettet!

Wenn lief) die Nachrichten, die bis jetzt eingegangen sind, bestätigen, so kann man daraus schließen, daß die Welt­ausstellung in Brüssel im Jahre 1910 ihr Ende erreicht hat. Die deutsche unb d i e holländische Abteilung, die vollständig getrennt von den übrige^

liegen, sind unversehrt geblieben. Um r/^Uhr nachts sprengten Pioniere aus Antwerpen die Brücke, welche die beiden Teile der Ausstellung verbindet. In der Umgebung der Brücke brennen etwa 40 Häuser. Die spanische Abteilung ist gerettet, dagegen sind die d ä n i s ch e, die norwegische, die österreichische, die japa- n ische und die chinesische vernichtet.

Kurzschluß die Ursache.

Der Brand in der Weltausstellung hat die große, am Eingang gelegene Hauptindustriehalle, in der die belgische Ausstellung zum großen Teile untergebracht ist, vollständig zerstört. Es ist von der Halle nichts als ein eiserner Trümmerhaufen übrig geblieben. Man glaubt, daß auch die englische Abteilung, die sich direkt an die bel­gische anschließt, vollständig vernichtetest und daß die .talienisch e und österreichische Sektion, wenn nicht zerstört, so doch stark beschädigt sind. Der Brand soll in dem in der Halle untergebrachten Post­amt durch Kurzschluß entstanden sein. Das Feuer griff gegen 10 Uhr auf das Stadtviertel Alt-Brüssel, das links von dem Eingänge gelegen ist, über und zwar dermaßen, daß derselbe fast vollständig vernichtet ist. Nur das Hauptrestaurant zumGrünen Hund" ist unbeschädigt geblieben. Die Feuerwehr scheint vollständig machtlos zu sein. Bis jetzt ist nichts bekannt, daß Menschen verbrannt sind. Die Gärten der Ausstellung sind von einer unüberschätzbaren Menschenmenge besetzt. Man erzählt, es sei heute der beste Tag der Ausstellung gewesen, und es sollen sich etwa 200000 Menschen dort befunden haben. Im Augenblick, als der Brand ausbrach, soll das Stadtviertel Alt-Brüssel buchstäblich vollgepfropft gewesen sein.

Bleibt die Ausstellung dennoch geöffnet?

:/: Köln, 15. Aug. (Privattelegramm.) Wie die Leitung der Brüsseler Ausstellung bekannt gibt, bleibt die Ausstellung bis zu dem seither vor- vorgeschenen Schluß geöffnet, doch ist es fraglich, ob die zerstörten Pavillons wieder aufgebaut werden. Ein Kellner kam in den F l a m m e n u m'. In den zerstörten Gebäuden konnte nur ein Teil der Archive gerettet werden. Durch Aufwersen von Dämmen gelang es, den Brand gegen 2 Uhrzulöschen.

Seit heute vormittag werden die Aufräumungs­arbeiten sehr eifrig betrieben. Die Züge bringen fort­gesetzt große Scharen Fremd er, namentlich aus den Seebädern.

Brüssel, 15. Aug. Die belgische Abteilung, in der der Brand ausbrach, ist vollständig zerstört, ebenso 17 Häuser der angrenzenden Ausstellungsstraße. Von der französischen Abteilung sind die Lebensmittel­halle, der Pavillon der Stadt Paris und ein paar kleinere Pavillons abgebrannt. Die internationale Ma­schinenhalle scheint gerettet zu sein.

Nach einigen Meldungen ist der Brand durch Kurz­schluß entstanden, was aber wohl kaum anzunehmen ist, da das elektrische Licht noch eine Zeitlang brannte.

In der Aufregung vergaß man die Tiere, so daß sämtliche Tiere einer Menagerie erstickt sind.

Im übrigen aber ist die Leitung gesonnen, die Ausstellung weiter zu führen, und die Beratun­gen über einen Ersatz der zerstörten Werke sind bereits int Gange.

Der Darmstädter Veteranen-Appell.

R. B. Darmstadt, 14. Aug.

Es war ein glücklicher Gedanke, aus Anlaß der 40 jährigen Wiederkehr der ruhmreichen Kriegstage der hessischen Truppen einen allgemeinen Veteranen-Appell in Darmstadt zu veranstalten. Wohl 6000 Veteranen aus allen Teilen des Landes und aus den übrigen Bundesstaaten' waren herbeigekommen, um nach 40 Jahren noch einmal mit den fiüheren Kriegskameraden zusammenzukom­men und in geselligem Beisammensein die Erinnerung an jene großen Tage wieder wachzurufen. Zwar sind inzwischen gar viele längst schon zur großen Armee abberufen worden, von der es keine Wiederkehr gibt, aber geradezu überraschend groß ist doch die Zahl derer, die, mit Orden und Erinnerungszeichen geschmückt dem Generalappell Folge geleistet haben. Nicht nur Kriegsteilnehmer von 1870/71 und 1866, sondern auch noch eine stattliche Anzahl von Teilnehmern der Kämpfe von 1848/49 und etwa ein Dutzend weibliche Veteranen mit orden­geschmückter Brust konnte man erblicken. Die Stadt hat zu Ehren der Gäste das schönste Festkleid angelegt. Alle öffentlichen Ge­bäude tragen Fahnen- und zumeist auch Girlanden- und deko­rativen Schmuck und auch von allen Privathäusern wel>en die Fahnen den Tausenden von Festgästen ein freundliches Willkommen entgegen. Am Eingang zur Rheinstraße sind Ehrenpforten er- richtet, das Reiterdenkmal Ludwig IV., des Führers der hessischen Truppen, und das Landeskriegerdenkmal zeigen neben üppigem Palmen- und Lorbeerschmuck auch schöne Blumenzierde in den hessischen Landesfarben, ebenso das Bismarckdenkmal, der Markt- brunncn usw.

Zur Vorfeier im städtischen Saalbau waren sämtliche Räume schon lange vor Beginn dicht mit Festteilnehmern be­setzt. Im reichen Pflanzen- itnb Fahnenschmuck erblickte man auch die Büsten der früheren Truppenführer sowie die des Kaisers und des Großherzogs. An der Ehrentafel hatten u. a. General der Artillerie Kehrer, Generalleutnant v. Bernhardt, Stadtkomman­dant Oberst v. Rairdow, General v. Eckenbrecher, Oberbürger­meister Dr. Glässing u. a. Platz genommen. Nach Festfanfaren und Jubel-Orwerture der Regimentskapelle des Leibg.-Jnf.-Rgts. und einigen Chören der Darmstädter Liedertafel hieß Hauptmann a. D Waldecker namens der vereinigten Darinstädter Krieger­vereine die Festgäste herzlich willkommen und brachte zum Schluß ern begeistert aulgenommenes' dreimaliges Hoch auf den Kaiser als den obersten Kriegsherrn aus. Namens der Stadt begrüßte Ober­bürgermeister Dr. Glässing die Versammlung; er wies dann

auf das innige Verhältnis zwischen Fürst und Volk hin und! schloß mit einem dreifachen Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig, woraufHeil Dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Die eigent­liche Festrede, die mit einem Trinkspruch auf die ruhmreiche deutsche Armee ausklang, hielt Prof. Trümpert und eine weitere Festrede des Herrn Bruchhäuser schloß mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland. Tas Festprogramm des Abends brachte neben mehreren Liedern des Kammersängers Weber und der von der Liedertafel unter Leitung des Kammer­musikers A. Kugler mit Orchesterbegleitung vortrefflich vor­getragenenHymne" vow Herzog Ernst zu Sachsen-Coburg-Gotha. noch eine Anzahl wohlgelungener lebender Bilder, die nach einer Dichtung von H. Enders von dessen Gattin, Frau Enders- Kuhlmann, vorbereitet worden waren. Die Vorfeier verlief in bester Weise und fand erst nach Mitternacht ihren Abschluß.

Der Sonntag-Morgen führte bei hellem Sonnenschein in Sonderzügen aus Mainz, Worms, Offenbach, Gießen und. Frankfurt das Gros der Festteilnehmer herber die sich mtift unter Vorantritt ihrer Musikkapelle zuerst zum Landeskriegerdenkmafi und dem Denkmal Ludwigs IV. begaben und unter patriotischen' Ansprachen Kränze niedcrlegten. Um 8 Uhr fanden iMilitärgottes- dicnste in der evangelischen Stadtkirche. und für die katholischen Teilnehmer im Exerzierhause auf dem Exerzierplatz statt. Schow in früher Stunde zogen auch Tausende nach dem Exerzierplatz an der Griesheimer Chaussee, wo der Veteranen-Appell stattfand. Während sich hier die Veteranen in Paradeaufstellung ordneten, umsäumten viele Tausende von Zuschauern die nicht reservierten Teile des großen Platzes. Die Parade stand unter dem Kommando des zweiten Vorsitzenden derHassia", des Majors- B e ck. Die Grobherzoglichen Herrschaften trafen infolge eines kleinen Automobilunfalles, den das Auto der Prinzessin Ludwig von Battenberg erlitt, erst kurz vor V2I2 Uhr ans Wolfsgarten auf, dem Paradefelde ein. Der Großherzog stieg am Käsernentor des Leibdragoner-Regiments zu Pferde, während die Großherzogin mit den beiden weiß gekleideten Prinzen im ersten und Prinzessin: Ludwig von Battenberg, Prinzessin Andreas von Griechenland mit Prinz Ludwig und Prinzessin Luise von Battenberg im zweiren Galawagen mit Spitzenreitern und Hoflakaien erschienen. Der, Großherzog ritt mit Gefolge zunächst die Front der im 'werten \ Rechteck aufgestellten Veteranen ab, bei jeder Abteilung freundlich grüßend. Alsdann nahm der Großhcrzog und dicht hinter ihm" Generalleutnant, Exz. von Strantz, Generaladjutant Hahn^ und Hofmarschall von Ungarn-Sternberg neben den beidenj Galawagen Aufstellmig und ließ die weiblicher! Veteranen heran-' treten, die er dann auch der Großherzogin und den Prinzessinnen vorstellte; die Fürstlichkeiten unterhielten sich leutselig eingel>end mit den alten Veteraninnen und erkundigten sich nach deren stäherenj Verhältnissen. Danach ritt der Großherzog b i s zur Mitte des Platzes vor und hielt an die Veteranen; folgende Ansprache:

Kameraden.' In großer Zeit habt Ihr Mle mitgehvlfen,- unser großes Deutsches Reich, unser deutsches Volk auf feine jetzige Höhe zu bringen. Eure in dem glorreichen Kriege in zahlreichen Schlachten bewiesene echt deutsche Treue und Tapfer­keit werden uns unb allen kommenden Generationen ein ewig leuchtendes Beispiel bleiben. In diesem Zeichen deutscher Treue fordere ich Euch auf, dem Lenker des deutschen Volkes ein drei­faches Hurra auszubringen. Se. Maj. der Kaiser, unser aller- oberster Kriegsherr! Hurra, hurra, hurra!

Nach dem vieltausendstimmigen Hurra spielten sämtliche Re­gimentskapellen die Nationalhymne. Dann trat Major Beck vor und rief:Unser allergnädigster Kriegsherr, der erlauchte. Sohn unseres glorreichen Führers im Kampfe, Sc. königl. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig! Hurra, hurra, hurra!" 9(inf) diesem, mächtig über das weite Feld brausenden Rufe folgte die National­hymne. Der Großherzog ritt dann wieder zu seiner Suite unb den beiden Wagen zurück, und darauf erfolgte der Vorbeimarsch sämt­licher Veteranen in nachstehender Reihenfolge: Großh. hessisches' 1. Jnfanterie-Regt. (Leibgardc-Regt.), Großh. Hess. 2. Jnfanterie- Regt. (Großherzog), Großh. Hess. 3. Jnfanterie-Regt. (Leid-Regt.), Großh. Hess. 4. Jnfanterie-Regt. (Prinz Karl), .dann weiter: Hess. 1. Jägerbataillon (Garde-Jäger-Bat.), Hess. 2. Jöger-Bat. (Leib- Jäger), Hess. 1. Reiter-Regt. (Gardc-Chevauleger-Regt.), 'Ml. 2. Reiter-Regt. (Leib-Chevauleger-Regt.) unb zum Schluß Feld- Artillerie- und Proviant-Kolonnen, sowie die nichthessischen Trup­pen. Den einzelnen Veteranen-Abteilungen hatten sich auch die früheren Ofsizieren angereiht, darunter bei der Infanterie eine größere Anzahl Generäle, wie Exz. Hannesse nrit feinet früheren Kompagnie des 118. Jnf.-Regts., ferner General Keim, Oberststallmeister Frhr. v. Riedesel u. a.; bei der Artillerie? marschierte der General der Artillerie Exz. Kehrer, bei beit Dragonern General Frhr. v. H e y l zu Herrnsheim. Als die frühere 8. Kompagnie des 4. (Wormser) Jnfanterie-Regts. (die unter Führung des Hauptmanns Kathrein den berühmteit Sturm? auf Schloß Chambord unternahm), vorbeimarschierte, entstand allgemeine Bewegung. Der Vorbeimarsch der Veteranen, bei welchem sechs Regimentskapellen die Parademusik stellten, dauerte eine volle Stunde. Nach Beendigung brach beim Verlassen bes> Paradefeldes das Publikum in stürmische Hurrarufe auf das! Großherzogspaar aus. Die Veteranenzüge begaben sich nach er­folgten Vorbeimarsch unter dem klingenden Spiel ihrer Kapellen nach den Denkmälern auf dem Schloß- bezw. Paradeplatz, wo noch viele Kränze niedergelegt und Ansprachen gehalten wurden^ Um 1 Uhr fand in 29 großen Lokalen der Stadt gemeinsames Festessen der einzelnen Veteranengruppen statt, und am Nach- nkittag war noch Festckonzer't im Garten des städtischen Saalbäus,

Veteranentage in Kaffe! und Metz.

Kassel, 14. Aug. Zum heutigen Veteranen-Appell, sind aus dem Regierungsbezirk Kassel und weiterher eine große Zahl Kriegsveteranen ein getroffen. Auf Allerhöchsten Befehl wurde gestern nachmittag im Kgl. Theater als Sondervorstellung für die alten Grieger Paul HeysesCo lberg" mit den besten Kräften des Königlichen Schauspiels gegeben. Parkettränge und, Logen waren mit Veteranen dicht besetzt. Alle schmückte die Krieger- denkmünze, viele das Eiserne Kreuz. Vielfach bemerkte man alt- hessische und Schwelmer Bauernttacht. In der Hostoge erschien, vom Jndentanten Grasen Byland geleitet, der Kaiser, die Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar mit dem gesamten: Gefolge: auch der Kriegsminister v. Heeringen war anlvesend. Den Kaiser empfing ein dreifaches Hurra der alten Soldaten.

Zur feierlichen Nagelung und Weihung einer Anzahl Fahnen versammelten sich heute vormittag im Thron- saal des Nesidenzpalais Kassel der Kaiser, die Kaiserin, die Prin­zessin Viktoria Luise, Prinz Oskar und ein großes militärisches Gefolge. Vor dem Palais war ein Feldaltar errichtet. Den Friedrichplatz umgaben in einem großen Viereck die hier mi- wesenden Truppen der Garnison und daran anschließend die Veteranen, von denen sich über 5000 einfanden. Der evangelische