Ausgabe 
12.4.1910 Zweites Blatt
 
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Dienstag 12. April 1910

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 84

Erscheint ISglich mit Ausnahme des Sonntag«.

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Die ..Etehener Kamilienblätter" werden dem ,2btgetger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatl für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Kegelbahn iito Sonntags u. einige Abende ml Woche. Neustadt z. Pm

wissen Einschränkungen verbrämt. Dr. Friedberg, der namens der Nationalliberalen sprach, legte die Berechtigung des Prinzips, werbende Anlagen auf Anleihe zu über­nehmen, in extensa dar, und unterzog die Gründe, die der Finanzminister im Ausschuß gegen dieses Prinzip entwickelt hatte, einer eingehenden und scharfen Kritik. Tann wies der nationalliberale Redner auf das geschäftliche Ungeschick der preußischen Finanzverwaltung hui, in dem er eine von Herrn von Rheinbaben freilich nicht erkannte und nachher auch natürlich nicht anerkannte Hauptursache des niedrigen Kursstandes der preußischen Staatspapiere sieht. Weit der preußische Finanzminister der Bmrkierwelt bei. der Emission preußischer Anleihejmpiere keine ange­messene Provision gönnt, ist, so erklärte Herr Friedberg, kein gesicherter und ständiger Absatzmarkt für preußische Konsols vorhanden, und er belegte diese auf den ersten Blick etwas paradox klingende Behauptung mit Gründen. DerL-inanzminister operierte danach mit einer Wahr­scheinlichkeitsrechnung, um nachzuwei,en, wie unwirtschaft­lich das von Dr. Friedberg empfohlene Prinzip der Deckung werbender Anlagen durch Anleihen sei. Im übr.gen galten seine Ausführungen der Unterstützung des Ausschußbe- schlusses. Aber noch einmal mußte ftch der Minister um tue Verteidigung seiner Anschauungen bemühen. Tas war, als der Volksparteiler G y ß l i n g Dr. Friedbergs Kritik an der Finanzpolitik der Regierung fortsetzte. Herr Borg­mann kam mit der üblichen Wagen- und Bevölkecungs- klassenrede. Tann wurde die Entschließung genehmigt, und die Besprechung der wirtschaftlichen Seite des Haushalts setzte ein. Sie brachte für diesmal nichts Besonderes; nach einer Rede des Konservativen v. Heunigs-Dechlin, dem Herr v. Breitenbach in fast unversrändlicheit Sätzen erwiderte, vertagte sich das Haus auf den Dienstag. Der bringt die Schlußabstimmung über die Wahlrechtsoor­lag e, und da bei derartigen Abstimmungen die Aus­sprache zulässig ist, steht eingroßer Tag' wohl außer Frage.

Minister v. Breitenbach erklärte u. a., an die Aufhebung der F a h r r a r t e n st e u e r sei gegenwärtig nicht zu denken.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersiläts - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

so viel um ihre Schüler herum als in England, sagte der Redner, eine Aeußerung, die mir eigentümlich mit der Behauptung zu kontrastieren scheint, daß das englische Schulsystem so sehr Ge­wicht auf Selbstregierung seitens der Schüler lege

Einen relativ großen Aufschwung hat bte Mädchenerziehung in England genommen. Doch hört man auch hier dieselbe Klage wie betreffs der Knabenschulen: Vollstopsen mit Buchwitzen und Vernachlässigung wahrer Geistesbildung; die Mädchen werden unterrichtet, nickt erzogen. Wenn auch in manchen höheren Mädchenschulen jetzt mehr getan werde für die geistige Ausbildung der Mädchen, von denen ja jetzt viele die Universität be>uchen sollen, so sei doch gerade in den vornehmen oberen ischulllasstn die Mädchenerziehung viel zu anspruchsvoll, um gesund zu lein, meint ein Kulturhistoriker. Daneben beklagt man vielfach, datz es unterlassen werde, die Mädchen theoretisch und prartifch für den Haushalt auszubilden. t

Summa: Das englische höhere Schulwefen steht weit hinter dem unsrigen zurück.

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Seipp, Äibneiier

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Redaktion, Expedüion und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: ^sS51. 9tebaflion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

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5 von der Geschäftsstelle

aräuleiu, Mitte Mer ß.,wü° vekanmich. in. gleichaller, r: vd-Herrn. Schriftl.Meldung» (6M an den Äietz. Anz. erd.

Das englische viidungswesen.

Von Professor L u l e y, Gießen.

II. Tas höhere Schulwesen.

Zeigt das Bild des englischen Volksschulwesens Mangel an Einheitlichkeit, Zerrissenheit und Unzulänglichkeit, so läßt sich von dem höheren Schulwesen des Jnselreiches überhaupt kaum an Bild entwerfen.Wir haben kein System des höheren Schul­wesens," sagte 1901 ein erfahrenes Mitglied bes Parlamentes in einem Vortrage.Es gibt allerdings höhere Schulen in Eng­land ja, eine Anzahl guter Schulen, aber wie das bei uns n England gewöhnlich ist, sie bestehen so, wie es gerade der Zu- mll mit sich bringt," äußerte derselbe Herr. In einem bekannten inlturhistorischen Werke heißt es:Die höheren Schulen für die l 'ittelilassen sind mangelhaft in Quantität und Qualität." Ja, tüt die Finanzgrößen gibt es eine Reihe nach engltsck)en Be­griffen - - guter Schulen, z. B. in Eton, Darrow usw. Dort tonet aber das Jahr etwa 400U Mark, so daß das Durchlaufen einer lolchen Schule etwa 30 000 Mark erfordert. Neben diesen Schulen, die eine reiche Geldquelle ihrer Besitzer sind, sind in neuerer Seit von Städten, Gesellschaften usw. neue gegründet worden; al»er es gibt, wie der erwähnte Parlamentarier sagte, in manchen Grafschaften leuva Provinzen) viele, in anderen eine, in anderen gar leine. Eine Folge der Dezentralisation! Ja, ganz gegen die Absicht her Gesetzgeber haben sich vielfach die für Bollsschulen eingcrich- icCen School-Boards mit der Gründung solcher Sclfulen be­icht, ein Beispiel für das in England, wieder infolge der Ab- irigung gegen Zentralisation, häufig vorkommende Uebergreifen - einen Körperschaft in eine andere, so daß zwei Körperschaflen, lich nur gegenseitig störend, an einem Werk arbeiten. Was nun r r Schulen selbst anlangt, so wiegen in England noch die unseren (Vnmnai'icn ähnlichen nicht gleichen Anstalten vor. Latein 'i. 'lt noch eine große Rolle. Mathematik, Naturwissenscl-aften, neuere Sprachen weiden zwar letzt etwas mehr gepflegt. Sic litten aber noch immer stark zurück. Ein bedeutender Tnl dec Tagesstunden wird den Spielen int Freien, dem sog. Sport, zamdmet. Die eigentliche Lernzeit ist faunt halb so groß als bei uns. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen dem er.'lischen Schulwesen und dem unsrigen. Während man bei uns lange Zeit die Pflege des Leibes mehr oder weniger vernachlätzigt hoi, ist man in England in das andere Extrem verfallen. Aber ictr glaubt, daß man in England nicht den ungeheuren NachiiU eiirzusehen beginnender die Vernachlässigung der inckllektuellcn Anlagen und der Erwerbung von Kenntnissen mit sich bringt, irrt gewaltig. In einem Vortrage in Oxford führte ein Mitglied ötu- Schulabteiiung im Ministerium 1901 u. a. aus:Körperliche Hebungen, Hebungen in der Selbstbeherrschung, Treue gegen die (Emricii Lungen, Spiele nach den Spielregeln spielen zu lernen, sind oorrtrestliche Seiten unserer Erziehung, aber das Studium und bei Gebrauch der neueren Sprachen tönuten eine viel größere 'jwüe in unserer Erziehung spielen." Er verlangte ferner gründ- ÜLfCren Unterricht in der Muttersprache. Die Leistungen der Heeren Schulen, die wie bei uns mit dem vollendeten 18. Lebens­jahr adschließen, reichen etwa bis zu unserer Ober-Sekunda. Das geht aus den Prüfungsbestimmungen für den Eintritt m die Cfiorber Universität hervor, das sagt auch Abel Musgrave, der dir beiderseitigen Schutoerhälmisse kennt. Die englischen Schulen 'cibft Icnuen keine Reifeprüfungen. Doch gibt es zahlreiche iLi-aminas zur Erlangung von Stipendien, zum Eintritt in 'Ramtenstcllungen, in die Offizierslaufbahn in Deer und Flotte, dir den im allgemeinen dem Schulwissen abgeneigten Engländer iin Arbeit antreiben. Auch werden jetzt zeitweise seitens der iliviversitütslehrer Prüfungen an Mittelschulen abgehalten. Ist der Umfang der Kenntnisse der jungen Engländer im allgemeinen geling, so stehl es mit der geistigen Durchbildung, mit der Ent- ,al tung der Geisteskräfte in der stiege! sehr flau aus. Das Wissen ist meist auswendig gelerntes, innerlid} nicht verarbeitetes Buch- iviiicn. Von allen Seiten kommen Klagen über das Votlstopsen mit Wissen. Und das trotz des notorisch geringen Umsanges! ba, wie sollte es auch anders sein! Bei der kurzen^Arbeitszeit uiti) der Inanspruchnahme der Jugend durch andere Dinge blcibl ia feine Zeit übrig für eine geistbildende Art der Stoffverarbeilung. Ter cngliide Sci üler lernt nicht selbständig arbeiten, er wird sleßs am Gängelband geführt, selbst noch auf der Universität. <d)> hörte einen Oxforder Profeffor es gerade als einen Vorzug der deuischen Unterrichtsmethode bezeichnen, daß man bei uns die Jugend lehre, ihre eigenen Gedanken in eigenen Worten auszudrüden, in England sei dies mdjt der Fall. Dtun ein Won jii der heule bei uns so viel gepriesenen Erziehung der englischen, fugend in den höheren Schulen zur Selbstverwaltung. Es wird bezeichnet als ein System der Regierung durch die Regierten. Ein cngli)d)er Schriftsteller sagt, es sei natürlich und unvermLidlich, daß größere Schüler die kleineren kontrollieren. Die erwähnte Einrichtung besteht darin, daß Schüler der Prima den Lehrern jur Aufrechterhaltung der Ordnung zur Seite stehen. Diese Lcküler, gewöhnlich Prefekt genannt, sind int wesentlichen Werk- e/jge des Direktors, der ihnen gewisse Vollmachten gibt. Sie haben tast stets volles Züchtigungsrecht geschlagen wird mit c nem Rohrstock. Mitunter hat ein solcher Prefekt das Recht, iiinen Mitschüler allein auf feine eigene Ver^nt- wortlichkeit zu züchtigen. In einer solchen höheren Schule ist bestimmt, daß ein Ucbeltätcr auf diese Weise nicht mehr als 12 Stocksckläge bekommen darf. Selbst Anhänger dieser Einrich- tung müssen zngeben, daß die Prefekten ihre Macht in ber Regel rücksichtslos entfalten und daß es gelegentlich deshalb Skandal" ; gibt. Dr. Abel Musgrave schreibt mit vollem Recht:Dabei de- . denke man aber den sonderbaren Mangel an Logik, daß der zum

Prefekt ernannte ältere, unreife Knabe das Recht hat, seine längeren Kameraden nach Herzenslust körperlich zu züchtigen, mährend man dem Lehrer den Stock nicht anvertraut."

Woher dieses unsinnige System? Nun, es ist ein Produkt der großen Schulkasernen, ein Fuchssystem, das, wie Th. S. W. Escott sagt, nickt auszurotten sei und das durch systematische Ausbildung gemildert worden sei. Dr. Abel Musgrave berichtet denn aud), daß das Prefekt-System nach Aussage eines Lehrers laesächlich Fiasko gemockst habe.

Die Sache hat nod) eine andere Seite. Die Direktoren der zroßen englischen Schulpensionate wollen doch Geld verdienen, niet Geld, und wissen, daß die Schüler sich viel weniger be- jdjroeren oder gar fortgeben, wenn sie von einem Mitschüler ver- kwügelt worden sind, als wenn ein Lehrer sie irgendwie bestraft ha.l. Daher die Vorliebe für das Prefektsystem.

Wie die Stellung der Lehrer an den Elementarschulen, ist «und) die der Lehrer an den höheren Schulen weit hinter unseren Lsrbältnissen zurückstehend. Auch die letzteren stehen meist in elendester Abhängigkeit von den 'Direktoren, den Lokalbehörden, bic ga.r manchmal ihren aus ihrem Berufsleben gewohnten Profit- 53tanbbun!t der Schule gegenüber hervorkehren. Verträge werden nicht gehalten, die Lehrer nach Belieben enUassen. Daß eine ftllchr Stellung des Lehrers der Schule nachteilig sein muß, ist iomnenHar. Die geringwertigen Leistungen vieler höherer Schulen äi.bren auch vielfach daher, daß viele Eikru gar nicht wollen, da-8 ihre Söhne auf der Schule ordentlich angehalten werden, ivsil sie ja reich sind. 'Dazu kommt noch, daß die Lehrer zu­meist wissenschaftlid) und methodisch weniger ausgebildet sind, als imniere Oberlehrer. Es soll aber dod) auch nicht verschwiegen werden, dai'z man den englischen Oberlehrern Pflichteifer und Interesse fin die Jugend nachrühmt, wie dies ein Mitglied des Schul- MÜlisteriums 1901 in Oxford getan. Nirgends seien die Lehrer

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen

Preußens finanzielles Rückgrat, das E i s c n b a h n - wesen, unterlag am Montag der kritischen Würdigung der Volksboten. Alljährlich gibt dieser von rie.igcn Ziffern wimmelnde Wirtschastsplan des größten Erwerbs-und Vcr- kehrsunternehmens bei der zweiten Haushaitslesung An­laß zu langen und lebhaften Erörterungen. 2 Milliarden 1-1 Millionen Mark betragen die Eisenbahneinnahmen dee^es "Jahres, zum ersten Male überschreiten sie 'die zweite Milliarde. Und nicht nur die absolute Höhe der Em- nahmezifser rechtfertigt den Stolz, mit dem der Cisenbahn- minifter seinen Haushalt vor dem Hause vertrat, auch relativ betrachtet ist das Ergebiris dieser zwölf Monde durchaus geeignet, bei allen Beteiligten freudige Empfindungen aus­zulösen. Ein Einn a h m em e h r von 105 Millionen M arr, das zugleich eine UeberschreitungdesVor- a n s ch la g es um 64 Million en bedeutet^ ist Tatsache geworden, und mit einem Reinüberschuß von saft 150 Mill. Mark tonnte Herr v. Lreitenbach heiteren Antlitzes dem nicht minder erfreuten Hause gegenüber» treten. Damit war die gute neue Mär, die der Mann vom Flügelrade der Kammer und dem Volle bringt, noch nicht erschöpft; zum ersten Male toeijen die Ausgaben einen Rückgang gegen das Vorjahr auf, und m der schädlichen Anfwärisbewegung des Detriebskoeffizient ist ebenfalls ein vorerst allerdings rur kleiner Rück­schritt zu verzeichnen. Ja, noch mehrere Maschinen- und Wagenparks sind jetzt endlich ausreichend, der Beamten- überflust beseitigt, der ganze Vetriebsapparat erheblich ver- volliommnet. Also verkündet es der Minister, und mag er auch durch rosafarbene Gläser sehen einen berechtigten Kern hat seine Freudenbotschaft jedenfalls. Das erkannte selbst ein so kritisch veranlagter Kopf wie der National­liberale Schmieding, der des Berichterjiaiteramtes waltete und dabei von seiner lückenlosen Beherrschung der weitschichtigen Materie beweiskräftige Proben gab. Und auch in der Aussprache traten ähnliche Urteile bei Rednern der verschiedensten Parteien zu tage. Man hatte die Er­örterung in zwei Teile zerlegt, der erste galt der finanz­technischen, der zweiie der wirtschaftlichen Seite des Haushalts. Die finanztechnische Ausjprache drehte sich im wesentlichen um eine Entschließung des Budgetaus­schusses, der für die Dotierung des Ansgleichs- sonds feste piormen aufstellt. Danach soll diesem Fonds derjenige Betrag des Reinüberschusses der Eisenbahn zu­fließen, der 2,10 Prozent des statistischen Anlagekapitals dies beträgt gegenwärtig 10 Milliarden übersteigt. Weiter will der Ausschuß die Ausgaben für zweite und weitere Geleise, für die Vermehrung des Fuhrparks und für den Ausbau der Nebenbahnen zu Hauptbahnen auf Anleihe übernehmen. Allerdings nur bann, wenn die maligen außerordentlichen Ausgaben 1,15 Prozent des statistischen Anlagekapitals erreichen oder übersteigen. Ge­schieht das, so soll auch nur der diesen Prozentsatz über­steigende Ausgabebebarf für bie erwähnten Zwecke aus An­leihemitteln bestritten werben. Im allgemeinen fanb bieser Beschluß des Ausschusses, an dem auch die Regierung zu­stimmend mitgewirkt hat, die Billigung des Hauses, und nur bei den liberalen Rednern war diese Zustimmung mit ge-

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Der Eisenbahnhaushalt im preuh. Abgeordnetenhause.

:: Berlin, 11. April.

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Giessen und Umgegend

Vielleick)t ließe sie sich reformieren ober weniger empfind­lich machen durch eine Aenderung der Fahrpreise.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. April 1910.

- Eine Sitzung des Provinzialausschuss es sindet am Samstag, 16. April, vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bürger m e isterwa h l zu Butzbach. 2. Enteignung von Gelände in Gemarkung Schwalheim zur Erweiterung des Bahnhofs Bad-Nauheim: hier Festsetzung der Entschädigungen für bie aus Flur VII unb Flur I in Anspruch genommenen Nummern mit Aus­nahme ber Nr. *2511/10, 2öl5']0, 2503/J0, 2507<<0 unb 255 in Flur VII unb ber Nr. 260 bis 264 einschließlich ber Flur VII. 3. Enteignung von Gelänbe in ©einnriung Bab-Nauheim zur Erweiterung bes Bahnhofs Bab-Nan heim; hier Feftsetznng ber Entschäbigung.

* Erledigte Lehrerstellen: Emc mit einem conng. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an ber Geineinbefchnle zn Kelsterbach. Eme mit einem coang. Lehrer zu besctzeube Lehrcrftelle an der Gemeindeschule zu Trebur. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Oppenheim. Die mit einem coang. Lehrer zn besetzende Lchrerstelle an ber Gcmeindeschnle zu Reuter 8.

** Tic Sterbekasse f ür Mitglieber bes Hess. L a n b e s g e w e r b c v e r e i n S nnb bes Verbanbes Deutscher Gewerbcvereine hält ihre Delegiertenver- a rn rn l u n g am Sonntag, 24. l. M., zu Auerbach a. b. B. ab. Tas Jahr 1909 stauo immer noch unter ber Einwir- iung ber schlechten Geschäftslage, bie ben Mitglieberzugang naturgemäß beeinflußt. Immerhin sind die Neuzugängc ein wenig in bie Hohe gegangen. Der Mitgliederstand betrug am Schlüsse bes Jahres 1909 1154. Au versicherten Kapitalien würben zusammen 16 410 Mk. zur Auszahlung gebracht. Der Landesverbanb ber bayrischen Gewerbe­vereine hat Schritte unternommen, um sich ber Sterbe» lasse anznschließen. Ter finanzielle Abschluß barf als sehr befriedigend bezeichnet werben, ein Reinüberschuß von 1547.61 Mk. ist zu verzeichnen gewesen. Der Stand ber versicherten Kapitalien betrug am 31. Dezember 1909 639 230 Mk. Ter Bermögensftanb betrug am Schlüsse bes Jahres 104 484.98 Mk. unb hat sich im Berichtsjahre um 10 217.65 Mk. vermehrt. Der Ueberschuß mit 1547.61 Mk. soll für bas Jahr 1910 gutgeschrieben werben. Dagegen ,oll ein Monatsbeitrag aus bem Vorrat ber von bem All­gemeinen Deutschen Versicherungsverein zu Stuttgart ver­tragsmäßig abzuliefernben Provision, bereu Staub am Enbe des Jahres 1909 2157.52 Mk. betrug, erlassen werben. Mit! Rücksicht auf bie günstige Geschäfislage ist beim Reichs- Aussichtsamt eine Vermmberung bes neben dem Prämien­reservefonds bestehenden Sicherheitsfonds beantragt wor­den, bereit Genehmigung in Aussicht gestellt ist und wor­über bie Delegiertenverfammlung zu beschließen hat. Die Sterbekasse bes Lanbesgewerbevereins, bte sich burch billige Verwaltung, billigen Prämiensatz mit Tivibenbenbezug unb günstige Zahlnngsbebingungen aus^eichnet, kann als bie günstigste Versicherungsgelegenheit für bie Mitglieber beut- icher Gewerbevereine angesehen werben.

* Der Hessische Gauoerbanb gegen ben Alko­hol i s m u s hält, wie man uns schreibt, seine zweite Tagung am 17. April in Offenbach ab. Langsam, aber stetig ge­winnt auch in Hessen bie für unser Volk so bebeutsaine ^ftichternheitsbewegung Boden. Und wer mit offenen Augen durch die Welt geht und sieht, welche entsetzliche Folgen ber Allo Holismus zeitigt, welche tiefe Wunden er unserem Volke schlägt und wie er unser Volk fortgesetzt volkswirtschaftlich schädigt und ihm den Kampf im Wettbewerb der Völker er­schwert, der wird es begrüßen, daß der 2. Abstinententag ge­rade in der Industriestadt Offenbach lagt. Am Vorinitlag iverden die verschiedenen Organisationen der abstinenten Lehrer, Aerztc, Pfarrer, Llrbeiterabftinentenbund abstinenter Katho­liken Besprechungen abhaltcn, während am Nachmittag ber Hessische (Sauoerbanb, in bem alle diese Organisationen zu- sammengeschlossen sind, über seine Aufgaben beraten wird. Am Abend wird im großen Saale der Turnhalle ein Volks­abend stattfinden, in dem unter andercut Dr. Stcccker-Berlin reden wird über das bedeutsame Thema:91 If o 1) ol, Arbeitgeber und Arbeitnehmer".

Wahres Geschichtchen. Man schreibt uns aus einem ob er hessischen Städtchen: Wir hatten im Winker ge­schlachtet. Ta erzählr jemandauf ber Wurstsuppe", baß am 19. Mai der Halleyscye Komet mit seinem Schweif bie Erbe, mit allem was braus unb brum ist, vernichte. Mein Fritzchen hort staunend zu unb erkundigt sich bann, ob es noch lange hin sei bis zum 19. Mai. Aus einmal verschwinbek er. Wir sink)en ihn roieber, wie er vor ber ais Wurstküche bienenden Waschküche sieht und ein jämmerlich betrübtes Gesicht macht.Fritzchen was fehlt Tir denn? Du machst ja so ein weinerliches Gesichtchen!" Ta heult mein Fritzchen laut auf:Papa, die viel, gut Worfcht, ich glaub mir packe f e n e t a 1 £ b i s d a h i u.

X Lan g en Hain , 10. April. Mit Beginn des neuen Schuljahrs ist unsere Volksschule, die auch von der Z i e g e n - berg er Jugend, besucht wird, zweit lässig geworden. Unser Nachbarort Ziegenberg gehört zu ben wenigen Gemeinden in Hessen, für dic ^ich die Erri.chrung cincr eignen Schuttlafte noch nicht lohnt. Im Kreise Friedberg ist Zicgcnberg oie einzige derartige Gemeinde.

m. Friedberg, 10. April. Hier Ycrrscht zurzeit Aerztc- mangel. Der Bestand ber Aerzte Hal sich um 2 Herren Der mindert, indem im sommer v. I. Dr. Beil verstorben und Dr. Weckerling II. int Winter verzogen ist. Der Kreisarzt Dr. Nib-.l übt Privalpraxis nicht ans uiw ber Hospitalarzt Dr. Krombao' betreibt neben seiner )unstaltspraxis nur chirurgische Operation. > . Es ruht beshalv bie PrioatpraxiS in den Händen von 4 Herren, bie ärztlichen Dienst außer in Friedberg selbst in Fauerbach, Ossenheim, Bauernyeun, Dorheim, Dd-walheim, Oaitadt, Ober- uno - Nwber-Rosbad) unb Ober-Wöllstadt versehen. Diefer Rayon um : faßt eine Seelenzahl von ca. 15 000 Bewohnern.

o. Ob en Hausen a. b. Lahn, 9. April. Ter im Jahre 1906 gegründete Lahn-Tünsberg-Turnerbund feiert l im Juli hier fein Bundes fest. Als jüngster Verein ist der .-Turnverein Annerod dem Bund beigetreten.

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