Ausgabe 
12.10.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

160. Jahrgang

Mittwoch 12. Oktober 1910

mona t lieft 75 viertel jährlich TIL 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt. 3. viertel- jährl. auSschl. Bestellg. ZeilenpreiL: lokal 15Pf^ au-wärlS 20 Pfennig. Lhesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton" und.Vermischtes* St Neurath; fürStadt u. Sanft* undGerichts-

Nr. 239

Der Siebener Lnzelaer erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerLamilienblätter; iweunalwöchentl.Ureiz, b!et1 fürden Xreir Gießen (Ttcnetag und Freitag); ;ivennal monatl. Land wirtfchafttiche Seltfrageu

^ernsprech - Anschlüsse:[ H ~ wS ^F ^F

für ftte Redaktion 118^ fWF 0MF

MU General-Anzeiger für Gberhessen

b» vormittag« s lihr. «otanomsrnck Mio Verlag der vrüheschen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. tauge. Redaktion, Expedition und vruckerel: SchliMraste 7 ®- v-bi für den

____ _______ ____________________ 1 ' u Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfatzt 10 Selten.

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ugung ae st e n dieser Stelle

teil*

Bei dem heutigen Festmahl, an dem Prinz Rupprecht von Bayern und Prinz August Wilhelm von Preußen nahmen, leitete

,r e u ft i sch-deutschen Charakter bewahren! Wohl ist ie Wissenschaft Gemeingut der ganzen kulturellen Welt, und ihre -rrungenschaften machen heute vor fernem Grenzpfahl mehr Halt, ind dennoch: Wie jede Nation ihre Eigenart wahren muß, toeiin e ihre selbständige Existenz und ihren Wert für das Ganze be- aupten will, so bleibe sich die Alma mater bevolinensis stets be­nutzt, daß sie eine deutsche Universität ist. Wie bisher, so sei e auch in alle Zukunft ein Sih deutscher Sitte und deutscher Art, nd jeder, der die Ehre genießt, an ihr zu forschen, zu lehren ,ild zu lernen, lebe seiner Pflicht, erfüllt von Wahrheitssinn und ^ründlickstell mit dem Ernst und der Liebe bei jeglicher Arbeit, ie @oetlK als den Sck-muck unseres Volkes pries. Möge so die niversität auch weiterhin des schönen Vorrechtes walten, die echte Wissenschaft zu pflegen, die wie Humboldt so trefflich sagt uv ftem Innern stanunt und in das Innere gepflanzt wird, die m Charakter nmbildet und Charaktere schafft. Sie tut es mit er edlen Freiheit, die sich selbst Gesetze gibt, und in dem Hoch- esuhl, Verwalter eines Schatzes zu (ein, der der ganzen Mensch- eit geschenkt ist."Comnumis hominum thesaurus situs est in [ttgiLiö veritatibns." Alld Wahrheit aber ist Gottes, und sein teist ruht auf jeglichem Werk, das aus. der Wahrheit stammt und

zu chr strebt! Dieser Geist der Wahrheit möge auch Euch, Kommri , Ikonen, erfüllen, er möge meine teure Hochschule in ihrem ganzen

Wesen durck>dringen! Dann wird ihr Alter sein wie ihre Jugend, und sie wird bleiben eine Stadt aus dem Berge, zu der die Völker wallen, und eine Zierde und ein Hort des Vaterland."

Der Rektor Erich Schmidt

hielt eine Ansprache, in der er ausführte:

. Das 19. Jahrhundert hat Unvergängliche- fortgepflanzt und liefen Wandel gebracht, feit es die Erbsä-aften der Aufklärung und Gegenströmungen der klassischen und rornanisck-en Blldungs- mächte verarbeitete. Die Wissenschaft konnte nicht reiner aufge- - faßt werden als in den Taten Humboldts, Fichtes mll> Schl ei er m ach ers. Philologie und Theologie standen hier sogleich auf der Höhe der Zeit. Geschichtliches Erkennen drang siegreich vor. Die historische Schule gedieh auch in der durch ^>avig ny emporgeführten Jurisprudenz und die Philosophie, der später in Berlin Hegel seine machtvolle systematische Aus­prägung verlieh, stieß allmählich das naturphilosophische Zwiri terkind von sich, den Taumelgeist, der erfahrungs- und beobach- tungslos auch in die Medizin hineinorakelte und langhin Miß- trauen gegen weitere Flüge wachrief. Wir führen keinenRang- Itr eit der Disziplinen, mußten aber die Proklamation desnaturwissenschaftlich en ZeitalterstrotzDa r- ivin und der ande ren Bahnbrecher als einseitig ab l ebnen. So groß die Eroberungen in diesen Reihen sind, und N eiche Umschwünge sich auch bis ins tägliche Leben dabei vollzogen haben, unser Erd- und Weltbild ist ungeheuer erwei­tert. Tie Kunde der gesamten Natur wie aller mensckstick-en Kultur in Religion, Recht, Politik, Wirtschaft, Kunst und Sprache ist erstaunlich gewachsen. Die Medizin ist zu anderen Grnnd- ansickten und Methoden gelangt, die moderne Gesetzgebung hat auf die juristische Fakultät tief gewirkt. Der Rektor erwähnte, daß sich der Lehrkörper Berlins seit der Gründung der Universität mehr als verzehnfacht hat, betonte aber, daß man den gesunden akademischen Konservatismus erhalten, die Universitas der vier Fakultäten nach Kräften wahren und den ordo philosophorum nicht zerreißen wolle. Nachdem er sodann ehrfurchtsvoll auf die Anwesenhell der Majestäten und der anderen fürstlichen Gäste, insbesondere auch den Prinzen Rupprecht von Bayern, der seine Berliner Matrikel nicht vergessen hatte, sowie die übrigen Ehren­gäste hingewiesen und sein Bedauern darüber ausgesprochen hatte, daß man den alten Studenten kaum habe Einlaß gewähren und die jungen Kommilitonen bloß zu jugendlicher Umrahmung dieser Runde habe auffordern können, schloß er: Möge hier allezeit treu und frei fortgepflanzt und fortgebildet, von den Auser­wählten auch in den bisher unbetretenen Bahnen bereichert mei­nen, was Sterbliche Unsterbliches geleistet. Salus intrantibus! I" ) einem Dank für die Botsck)aft des Kaisers erinnerte der Rektor an die ernste, schwere Zeit der Gründung der Universität und an die düsteren Wolken, die auch nach 50 Jahren über dem Batcr- lande lagen. Heute, da der Kaiser der Säkularfeier die edelste Weihe zu geben und der ersten, aus allen Weltteilen glanzvoll verstärkten Korona dieses Festsaales eine große Botschaft "przutragengeruhe, dürfe jede Sorge schweigen und die reine Luft des wissenschaftlichen Besitzes und Strebens herrschen, vereint mit der Freude am Staate, die 1810 auch den besten Männern noch nicht völlig ausgegangen war. Die Universität wurde geschaffen aller Einbuße zum Trotz in großartigstem Ver­trauen auf sittliche und geistige Gewalten.

Indem er sodann auf den Inhalt der kaiserlichen Bot­schaft einging, führte der Rektor aus:

Se. Majestät sind nicht bloß aus fürstlichem Pflichtgefühl dem Gut von Kunst und Wissenschaft ergeben, sondern auch ohne jeden Verdacht von Byzantinismus darf und muß es dank- barft betont werden in eigenster vielseitiger Anteilnahme ein Wahrer und Mehrer dieser Reiche, die nicht durch Universitäten, ihre Schwefterhochschulen, Akademien und Museen abgezirkt werden. Der Rektor schloß: wie den Studenten die Ehre wurde, von Se. Majestät als Kommilitonen begrüßt zu werden, so müßten allen die Kaiserworte von den nationalen Mächten und der edlen, nicht willkürlichen Freiheit unvergeßlich sein. Im Götz von Ber- lechingen erschallen zwei Vivat: Es lebe die Freiheit. Es lebe der Kaiser! Wir alle vereinen uns in dem aus tiefer Seele huldi­genden Ruf:Der Kaiser und König hoch! l)och! l-och!"

In das Kaiserhoch des Redners stimmte die tausend- köpfige Versammlung begeistert ein.

Der Kultusminister gab als Festgabe deS Staats- Ministeriums und der Landsvertretung die gebaute Frideri- cianische Bibliothek in der neuen Aula und den neuen Hörsaal. Der Rektor dankte mit einer dritten Ansprache. Ober­bürgermeister Kirschner sprach für die Stadt Berlin und überreichte eine Stiftung von Mark 200 000 zu Reisestipen- Ibicn. Der Rektor dankte. Die Rektoren aller preußischen und vieler deutschen und ausländischen Universitäten über- , brachten Glückwünsche. Rektor Schmidt sprach das Schluß­wort. Musik endete die Feier.

Das Festmahl.

Meiner gsstreucn Friedrich-Wllhelm-Universität entbiete ich -u ihrer hundert!ahrigen Jubelfeier Gruß unb Glückwunsch- Seit .em Tage ihrer Begründung ist ihr Schicksal mit ftem unseres rccutzcick^ftallschen Vaterlandes auf das innigste verknüpft Als mein in Gott ruhender Vorfahre König Friedrich Willwlm III ,ie vor nunmchr hundert Jahren ins Leben rief, da gefdxib es' :at durch geistige Kräfte ftem Staate zu ersetzen, was er an ^milchen verloren hatte. So wurde die Universität Berlin ge- Lwren und aus dem gleichen schöpferischen Geister heraus, dem Preußens Wiedergeburt entsprang. Und dieser Geist, der Preußen^ Deutschland emporhob und in Fichte, Schleiermacher, Savigny und ihren Freunden lebendig war, machte die Universität schon nach wenigen Jahren zu. einem Mittelpunkte des geistigen und wlNenfchaftlicheu Lebens im Vaterlande. Freilich war die Uni- versüät Berlin zunächst noch well davon entfernt, eine Unri leriitüt litt darum im Sinne Wilhelm von Humboldts zu fein, aier sie ist diesem Ideal immer näher und näher gekommen.' Lis eine Hoächurg der Wissenschaften, hat sie heute well über

Grenzen Preußens und Deutschlands hinaus internationale Zefteutung gewonnen. Im Austausch von Lehrern und Hörem sind )ic>e Beziehunaen auch äußerlich in Erscheinung getreten. Im Iernenn amen Wirken mit den übrigen Hochschulen des Landes .üdet sie ;etzt dieAllgemeine Lehranstalt", die mcm bei ihrer siründung ins Auge gefaßt batte. Indessen, ft er Plan )umbolots, der über die Universität hinaus die Gesamtheit wissenschaftlicher Veranstaltungen lmtaßte, ist noch nicht voll zur Wirklichkeit ge­worden, und diese weihevolle Stunde erfdjeint mir vorzugs- oeise dazu berufen, die Vollendung dessen anzubahnen, was ihm to Endziel vorgeschwebt hat. Sein großer Wissenschaftsplan 'erlangt neben ft er Akademie der Wissenschaften und der llnri leriitat selbständige Forschungsinstitute als llrte- merenfte Telle des wissenschaftlichen Grsamtorganismus. Tic Gründung solcher Institute hat in Preußen mit ft er Entwickelung er Universitäten nicht Schritt gehalten und diese Lücke, lamenilich in unserer naturwissenschaftlichen Ausrüstung oirft infolge des gewaltigen Aufschwunges der Wissenschaften mmer empfindlicher. Wir bedürfen Anstalten, die über den stahmen der Hochschulen hinausgehen und undeelllträchtigt durch lnterrickstszwecke, aber in enger Fühlung mit Akademie und Imversität, lediglich her Forschung dienen. Solche Forschungs­tätten tunlichst bald ins Leben zu rufen, erscheint mir als eine fertige Aufgabe der Gegenwart und ich halte es für meine landes- iäterlicoe Pflicht, das allgemeine Interesse für dieses Unternehmen u erbitten.

Auszeichnungen.

Aus Anlaß ft er Jubelfeier ft er Universität wurde ftem der-* iieitigen Rektor, Geheimen Regierungsrat Dr. Er i ch S ch m ift t, Kreuz und Stern der Komture des Könige lichen Hausordens von Hohenzollern verliehen; ferner wurde ver­liehen: Der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat t o e m Pr äft if aL Erzellenz ftem Generaldirektor der Königlichen Biblwthek, Professor Dr. Harnack, ftem orftent* Uchm Professor der juristischen Fakultät, Dr. Brunner, und den ordenlltchen Professoren der philosophischen Fakultät: Dr Fischer, Dr. von S ch m o l l e r und Dr. von M i l a m o - Witz-Möllendorf.

. Feriwr wurde verliehen: Der Charakter als Wirklicher Ge­heimer Oberregierungsrat mit ftem Range eines Rates erster Klasse dem Vortragenden Rat im Knltuöuiinislerium Dr. Elfter; der Rang eines Rates drllter Klasse ftem Universitätsrichter Gehei men Rcaierungsrat Dr. Daube, ftcr harakter als Ge­heimer Konsistorialrat Professor I). Seeberg der Charakter als Geheimer Justizrat Professor Dr. An schütz, ft er Charakter als Geheimer Medizinalrat ft en Professoren Dr. Greef und Dr. H o r st m a n n, der Charakter als Geheimer Negierungsrat den Professoren der phllosophischen Fakultät, Dr. Delbrück, Dr Norden, Dr. Schiemann, Dr. Wilhelm Schulze, Dr' Wölffl in; den außerordentlichen Professoreti Dr. Barth

Nation Temen Bestand. Dem Kaiser ist das Vermächtnis ü6er- kommen. Mehrer zu sein der Güter und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit Hilft Gesittung. Er dient diesem VermächMis, wenn er die Forschung der Wissen­schaft imfreien humanen Geiste" fördert, zu ftem sich einst Wilhelm v. Humboldt bekannte. Tiefgründige geistige Arbeit ist der Todseinft aller Phrase, nicht der Name, sondern die Leistung, nicht Nachbeterei, sondern selbständige Forschung haben der Berliner Universität einen Ehrenplatz in aller Welt erworben. Sie sollen nach dem kaiserlichen Wunsche auch die Losung her Forschungsinstitute fein, die der heutige Tag neu ins Leben rufen will. Aber weit über die Greiizen Preußens und Deutschlands weist unsere Feier hinaus. Universal gerichtet, schlingt die Wissenschaft ein versöhnen­des Band um d i e Völker des Erdballs. Zeugnis da­für legt die großartige Teilnahme ab, mit der die Universitäten und Institute ftcr Ausländer durch glänzende Vertreter die Fest­tage begleiten. Zeugnis dafür ist auch der besondere Schutz, den ftcr Kaiser aller internationalen Pflege der Wissenschaften gerade an der Berliner Universität bietet. So geleitet er, ge­treu dem Geist, ftcr sie schuf, diese Universllät in ihr zweites Säkulum. Möge ihr es beschieden fein, ftcr Zeiten Lauf zu überdauern, sich in ftcr Kraft ftcr Jugend stets erneuernd, wie das heranwachseilfte Gesckftecht, das ihre Hörsäle füllt, möge sie weiter blühen und gedeihen unter dem Schutz und Schirm unseres Kaisers und Königs, dieses stets hilfsbereiten Freundes aller Träger wissenschaftlicher Arbeit, möge sie sein und bleiben ein Fels, auf dem die Hoffnung und Zuversicht deS Vaterlandes eine bleibende Statt haben. Das ist der Wunsch, dem ich Aus-, druck gebe in dem Rufe: Seine Majestät der Kaiser hoch, hoch, hoch!

Stiftungen.

AuS Anlaß der Jubiläumsfeier der Universllät find ihr eine Reihe von Stiftungen zugewenftet lvordeu: Frau Maria v. Wildenbruch sehte der Universllät die ihr bis zu ihrem Toda amfallenden Einkünfte aus den hinter­lassenen Werken Ernst Wildenbruck)s bis zum Mindestdetrair von 100 000 Mark als Vermächtnis aus.

Ministerialdirektor Naumann gründete eine Ver­einigung der Freunde der Universität Berlin, die in erster Linie zum Betrieb eines Studentenheims in der Nähe der Universität Mlltel bereit stellen soll. Die Doktoren der Berliner Universität meldeten eine Stiftung an mit der Be­stimmung, begabten aber unbemittelten Studierenden die Promotion zu erleid)tern. Der Forschungsreisende Dr. Hans Meyer-Leipzig stiftete für einen Lehrstuhl für koloniale Geographie 15000 Mark.

Neben diesen wissenschafllichen Stiftungen wurden fteri Universität eine Steche von Kunstwerken zugewendet. Die Philosophische Gesellschaft Berlin stiftete den Betrag! ihrer Sammlung für ein Fichtedenkmal der Universität. Die juristtsche Gesell>chast im Verein mll dem deutschen Juristen^ stände ein Savigny-Denkrnal, die technischen Hochschulerp des deutschen Reichs ein kostbares Kunstwerk für den Vor- raum des Festsaales der Universillit, alte Schweizer Dozenten und Studenten eine monumentale Uhr, die Akademie der Künste eine Wahlurne aus Edelmetall, eine Schöpfung Hugo Lederers, Frau Wentzel-checkmann, Ehrenmitalied der Aka­demie der Wissenschaften, ein Gemälde von Saltzmann, die Kaiser-Wilhelms-Akademie eine monumentale Plakette in Bronze, die Aeltesten der Kauftnannschaft einen goldenen Ehrenpokal.

An literarischen Gaben sind eingegangen: Von Ambrosius Barth-Leipzig eine Barsumme von 10 000 Mark und alle medizinischen Werke seines Verlages, und von B. G Teubner wissenschaftlid>e Werke im Werte von 10 000 MarL Eme Reche anderer Persönlillfkeiten und Llorporationen Hw ben ebenfalls Geschenke gewidmet. D Eduard Sllnon legte durch eine Zuwendung den Grundstein zu einem Archiv und einem Museum der Berliner Universität.

Dr. Frev, ftem Privatdozenten Professor Dr. Marckwald und ftem Lehrer am Seminar für orientalische Sprachen, Pro^ fessor Dr. Lange. Es erhielten ferner: ften Roten Aftlcrvrften zweiter Klasse mit Eichenlaub der ordentliche Professor au der medizinischen Fakultät, Geheimer Medizinalrat Dr. Flügge ften roten Adlewrden zweller Klasse ftem Dekan her ineftizduschen Fakultät Dr. Bumm, die Krone -nm roten Werorfteu dritter rtasse mit der Sd)leife ft er Dekan fter theologischen Fakultät D.

Kaptan, der Stern zum Kronenorden zweller Klasse der Wirk- liche Geheime Ober-Regierungsrat Dr. Schmidt im Kultus­ministerium, der Professor und Geheime Medizinalrat Dr. Wal- ft euer und der Professor, Geheime Regierungsrat Franz Eil- Hard Schulze, ften Kronenorften zweller Klasse, fter Prorektor fter Universität, Geheimer Justizrat Dr. Kahl, ften Professoren Dr- Fritsch und Dr. Nernst; das Bildnis des Kaisers mit eigenhändiger Unterschrift im Rahmen wurde verliehen: ftem Ministerialdirektor Dr. Naumann, dieAllerhöchste Porträt- medallle" den Vortragenden Rat Dr. Thuer und die große goldenen Medaille für Wissenschaft den Professoren der phllo- wphischen Fakultät Dr. Diels. Dr. Eduard Meyer mid Dr V a n t h o f s.

Das hohe Ziel erfordert große Mittel und kann mir er» eicht werden, wenn alle an ftem Fortschritt fter Wissenschaft und er Wohlfahrt des Vaterlandes üttereffierten Kreise bereit sind, n der bedeutungsvollen Aufgabe mitzuarbellen und für sie Opfer u bringen. Jedermann möchte ich daher heute das neue Ziel rit der eindringlichen Mahnungtua res agitur" vor Augen teilen und ans verz legen. Ich hoffe und vertraue fest, daß oas rtert gelingen wird. Sind mir doch auf eine nur im engen ''reise erfolgte Bekanntgabe des Planes hin schon jetzt aus den ersänedenen Teilen des Landes mit begeisterten Zustim- lungsäußerungen sehr ansehnliche Mittel wischen neun und zehn Millionen zur Ver- ügung gestellt w orden. Den opferwllligen Gebern auch n dieser Stelle meinen wärmsten Dank auszusprechen, ist mir erzliches Bedürfnis. Um dem Unternehmen aber eine dauernde förberung zu sichern, ist es mein Wunsch, unter meinem Protek- orat und Namen eine Gesellschaft ju begründen, die ich die Errichtung und Erhaltung von Forschungs- nstltuten -ur Ausgabe stellt. Dieser Gesellschaft werde ich ern die mir dargebotenen Mittel überweisen. Daß den zu lünftenften Instituten, soweit erforderlich, auch die staatliche Hilfe icht fehlt, wird |5orge meiner* Regierung fein. Möge so der heutige ag nicht nur ein Jublläumsdatum bet Berliner Universllät, son- rrn zugleich eine weitere Stufe in fter Entwicklung des deutschen Geisteslebens bedeuten. Und noch einen Wunsch gebe ick; fter ! niversität mit auf ihren Weg in ein neues Jahrhuiiftert: Möge e in treuer Erinnerung an die Zeit ihres Entstehens ihren

Die §eicr der Universität Berlin.

Berlin. 11. Okt.

tzeutc vormittag um 10 Uhr begmm die große Feier dcr Universität in der neuen Aula. Kor dem baude ftanb eine Ehrenkompagnie. Im Vestibül bUdeten tihargierte der Stndentenschast im Wichö Spalier Im Kcftsaal hatten sich die Ehrengäste versammelt, die fremden gicttoren, fremden Gelehrten. Minister, die Spitzen der Be. !liiri>en, die Präsidenten der Parlamente ufnx Gegen 10 Uhr wn die Prvsessoren ein. Bald daraus nahte der Hof. Vom Settor geführt und empfangen erschienen der Kaiser in' Husarenuniform, die Kaiserin, der Kronprinz, die Prinzen Äugust Wilhelm, Oskar und Joachim, Prinzessin Piltoria £ut|e, Prinz Üiupprecht von Bayern, Herzog Jonann Mrecht, Regent von Braunschweig, mit Gemahlin, der Ä c i ch s k a n »l e r und der Kultusminister.

Der Rektor Erich Schmidt betrat nunmechr das Podium und hielt eine Ansprache, worauf der Kaiser folgende Rede hielt:

Die Rede des Kaisers.

der Reichskanzler

die Reihe der Trink spräche mit folgender Rede ein: ,^Zn Zeiten tiefster Not des nationalen Daseins, aber auch in Zeiten mutigster nationaler Verjüngung führen uns die Er- innerungsseiern zurück, mit denen wir ftcr Staatsakte gedenken, die vor einem Jahrhundert Preußen auf eine neue Grundlage teilten. Am Vaterlande nicht verzweisell fein, hatte Fried- drich der Große dem Großen Kurfürsten als hohes Verdienst nachgerühmt. Am Vaterlande nickst verzweifeln, war auch der Grunds auf ftem sich die Berliner Universität ausbaute, als das alte Preußen -usammengebrochen war. Der Sammelpunkt aller geistigen und moralischen Kräfte, die in dem zu Boden geworfenen Staat nach Befteiung riefen, stellte den bisher so unpolitischen deutschen Idealismus in die vorderste Reihe der Kämpfer um des Vaterlandes Wiedergeburt. Der innere Zusammenhang -wischen bem wissenschaftlichen und dem nationalen Leben des Volks trat greifbar ans Licht, und wie hat sich inzwischen die Be> beutung dieses Zusammenhangs vertieft! Keine Leistung der Universitas litterarum, die nicht eine Leistung wäre, für die Universitas populi, materiell und geistig. Wer immer und auf welchem Gebiete es fei, um den geistigen Fortschritt ringt, schafft Politisch mit an fter Größe der Nation. (Bravo!) Geeint, stark und arbeits­roh steht Deutschland da. Aber ohne einen freischaffenden Geist, ohne Idealismus, der sich in Zeiten nationaler Prüfungen als eine reale Macht erweist, haben auch die materiellen Werke einer