Ausgabe 
14.1.1910 Zweites Blatt
 
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Freitag 14. Januar IN LV

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 11

Giehener Anzeiger

Erscheint tli-Nch mtt Ausnahme des Sonntag».

General-Anzeiger für (Vberhejjen

DteGiehener LamtttendläNer" werden dem ,91njetqer* otermal wöchentlich betgeleqt, das Krdsblatl für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Dre ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweunal.

Rotationsdruck «mb Berlao der Vrühftsch«» Unlversiläts»Buch- und StetnörudereL 9L Sangt, Dreßen.

Redaktion. Expedittmi und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition and Verlag: 5L

Redaktion:112. reL-AdruAnzeigerGießen.

Handel

des

Frankfurter Börse, 13. Januar, Uo Uhr.

Hessen

. 214.00

. 202.20

117.70

Börse, 13. Januar. A.nfaa*s'cirs$.

180.60

Tendenz schwächer.

37,°/< 3%

24.13

162.20

136.00

Elektriz. Lahmeyer i Elektriz. Schuckert . . Eschweiier Bergwerk .

Harpeuer Bergwerk Lxurabütte . . -

Harpeuer Bergwerk . Laurahtitte . . . . Lombarden E. B. . . Nordd. Lloyd ... ?. Türkeiuuae . < . ,

62.85

64.99

99-55

97.60

. 251.20

. 96.20

. 164-20

93.00 100-00

99.10

95.75

Kreditaktien . . .

Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn .....

Gotthard bahn . . .**..*

Lombard. Eisenbahn., *.r Oesterr. Staatsbahn . . Prince - Henri - Eisenb ahn

Konsols do.

103.40

111.50

183.00 137.95 251.70

152.50 1:6.70 164 oO 211.70

. 107.25 . 138.20 . 213.00 . 221 90

94 30 85.25 94*30 85.20

Telefonische

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für

4'/,% Chinesen . .

Aktien:

Bochum Gass . .

Buderus E. W.

Tendenz fest

Berliner

Kanada E. 11. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Nordd. Lloyd . . . .

Oberschles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche feank . . .

Deutsch - Asiat. Bank . .

3% Portugiesen Serie I . 3%, Portu äeseu III 4*/,% rass. Staatsanl. 1905 4'7% japnn. Staatsanleihe 4% Conv.Türken von 1903 Türkenlose 4% Griech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . % Mexikaner . . . .

, 184.60

, 47.50

. 92.00

. 68^0

. 99.80

r 252.70

. 116.50

37,% Hessen . ' 3%% Uberhessen .

4% Oesterr. Goldrente.

4 7S% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . 4° Italien. Rente . .

Gelsenkirchen Bergwerk Hamburg - Amerik. Paketf. 135.50

Auslassung über die Ergebnisse der von amtlicher Seite top- genommenen Untersuchung über ine Verfutterung mit Eoftlr gesärbter Futtergerste wird mitgeteilt, daß am 10. <zanuar im Reichsschatzamt eine Beratung stattfand, woran als Sachverständige die Professoren Hesster und Zuntz-Berlin, Ehrlich-Frankfurt a. M . Jadlbauer-München, Straub Freiburg i. B. und Gottlieb-Herdell berg teilnahmen. Tie Sachverständigen ivaren übereinstimmend der Ansicht, daß es nach wissenschastlichen, zum Teil von ihtwn selbst ausgesührten Untersuchungen als ausgeschlossen zu bo trachten sei, daß Erkrankungen und Todesfälle, die bei einzelnen Tieren nach kurzdauernder Verabreichung von mit Eeosin gefärbter Gerste ausgetreten sein sollen, durch das in der Gerste enthaltene Eosin hervorgerufen seien. Auch die Behauptung, daß^utfolga Fütterung von Schweinen mit Eosingerste eine iyarbung des Fleisches und Fettes eintrete, müsse nach wissen, chaftllchen Feststellungen als unbegründet bezeichnet werden Noch lveuig^ könne ton einer Schädigung infolge des Genusses von Flet.ch oder Fett von mit Eosingerste gefütterten Tieren die Rede |eut Von an drei Stellen versuäfsweise gefütterten Schweinen sind am Ende der ersten Versuchswoche je zwei Sind geschlachtet worden. Sie zeigten während der Fütterung auch mit vollständig ge­färbter Gerste keine Spur von Beeinträchtigung des Befindens sowie nach der Schlachtung keine Schädigung irgend eines Organs. Lediglich bet Schweinen, die Schrot aus vollständig ge­färbt e r G e r st e erhalten hatten, zeigte sich eine Anfärbung der Schleimhaut des Verdauungskanals und der äußeren Haut, letztere infolge Verunreinigung beim Fressen. Bei den mit normal ge­färbter Gerste gefütterten zeigte sich lediglich, eine lcichtt Ro^ farbung am Schlundeingang im Magen. Ein fieberhaft erkranktts Schwein hat sich während achttägiger Fütterung mit Eoftngerste wieder völlig erholt. Ein anderes Versuchsjchwein erhielt eine seclfstausendsache, bei der Verfütterung normal gefärbter Gerste ausgenommene Eosinmenge und vertrug das Quantum ohne Scha­den Ties zeigt wohl, so schließt die Auslassung am besten daß die bisher vorgebrachten B hauptungen einer gesundheitsschädlichen Wirkung der mit Eosin gefärbter Gerste bet Lchwemen der Bs- gründung entbehren.

Das hier heute erngegangene Telegramm über das angeb­liche Vorhandensein ton Blausäureinr Schweif destzalley - scheu Kometen verursachte große Aufregung; besonders. Nach­dem das sozialdemokratische Stockholmer Organ, das eine sehr starke Verbreitung hat, seinen zahlreichen Lesern die wenig erfreuliche Mitteilung gemacht batte, daß eine Vergiftung der Erdatmosphäre beim Zusammenstoß der Erde mit dem Kometen­schweif am 18. Mai recht wahrscheinlich sei.

Ta diese eigenartige Meldung, die lebhaft an einen Faschings­scherz erinnert, die ängstticlfen Gemüter in große Unruhe versetzt hat, beeilen sich namhafte Gelehrte, den Beweis zu erbringen, daiß der Halleysche Komet ein ganz harmloser Geselle sei, der nur in seinem Kopf Blausäure enthalte, und zwar ganz nor­malerweise. Ein anderer Gelehrter' meint zwar auch, daß es im Kopf des Halleyschen Kometen nicht ganz richtig sei, aber eine Gefahr für die Erdbewohner halte er für ausgeschlossen. Woher die humorvolle Nachricht nach Stockholm gekommen ist, wird leider nicht gesagt, aber es hat den Anschein, als ob sie ton einem, der am Nordpol als Fahnenwache zurückgelassenen Eskimo stamme, der sich die Zeit bis .zu seiner Wiederentdeckung mit sKecksten Scherzen vertreibt. Nach den Marskanälen, der Ver­ständigung mit den Marsbewohnern, der Entdeckung des Nord­pols und anderen amerikanischen Erfolgen der Wissenschaft nun wieder einmal ein Weltuntergang, der dadurch noch be­sonders gruselig wird, daß ihm eine allgemeine .Blausaurevei> giftung vvrangeht. Wen wird es jetzt noch wundern, wenn man hört, daß ein findiger Chemiker irgendwo in Amerika große Anlagen baut, um mittelssinnreich gebauter Maschinen" aus der Blausäure des Kometen eine ganze Vienge, sagen wir 200 Millionen Tonnen, Zyanbali zu gewinnen. Vielleicht würde da­durch der Komet derart ernüchtert, daß er sclsteunigst Reißaus nähme und allen Phantasien ein Schnippchen schlüge.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Emil Perttws, der frühere Besitzer des weltbekannten Verlages Friedrich Andreas Perthes in Gotha, if£ g e st o r b e n. In der deutschen Kolonie Blninenau in Südbrasilien tverden mit großem Etter Klassikervorstellnngen veranstaltet. Wie der Llrivalöbotc" berichtet, wurden von den Schulern derNeuen schule"Wallenstein" undW r l h e l m T c l l" mit gutem Gelingen dargestellt. Tas Stadttheater von W i e n»N e u st a d t mimte die cmgekündigte Aufführung von Leo FallsDie ge­schiedene Fran" ausfallen lassen, weil die Partitur mit sämt­lichen Orchesterstimmen nicht aufgefunden werden tonnte. Das Haus war gänzlich ausverkauft. Hermann B ahrs neuestes LustspielDas Konzert", über dessen Uranfführimg wir schon berichteten, hatte bei seiner gestrigen trefflichen Auk- iübrung im Darmstädter Hofthe ater einen vollen E v- > o l g. Eugen d ' A l b c r t, dessen OperTiefland" in Gießen jüngst so großen Beifall gefunden hat, ist zum Professor ernannt worden. - Ter Nestor der dänischen 'Dialer, der 87jährige Professor Johan Nikolai ftreöerik Perm ehren ist in Kopen­hagen gestorben. Er mar hochgeehrt, und seine Bilder aus Öen -'Oer und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts werden schon alsklassische" Werte betrachtet.

37,% Reichsanleiho 37« do.

Kleines Feuilleton.

0. Mainzer S t a b 11 b e a t e r. Wiederum erlebte ein neues Lustspiel seine Erstaufführung an dem hiesigen Theater und zwarDer Nichtsnutz" von Ludwig Weber. Tas biet- ahme Stuck bedient sich zwar des öfteren alter, abgebrauchter und daher wenig wirkungsvoller 'Mittel. Doch es weist öaiteben^m seinem Aufbau recht gesunden und sreudtgeil Humor auf. -Lie Aufführung des Stuckes mar in jeder Hinsicht gilt zu nennen. 4?ie Regie wurde durch Öen Regisseur A. Hinter gut geleitet und ebenso taten die Vertreter der Hauptrollen ihr Bestes zum Gelingen des Stückes. Im allgemeinen aber sollte man den Theaterbesuchern nicht gar zu viel Anmuten, denn die aufgemenöete Arbeit und Mühe lohnt sich in den wenigsten Fällen und schließlich soll eine Bühne bildend auf den Geschmack mieten und nicht nur unter­haltend. Aber freilich, die 'Masse tuts.

Tschudis Tätigkeit vor der baye­rischen Kammer. Tas bayerische Abgeordnetenhaus btfenap tigte sich vorgestern mit der Interpellation Über die E n t > nabmevonBildernausderAugsburgerGemäldö g a 1 c r i e. Es handelt sich bekanntlich umachtBildcr, darunter um einen 2 i n t o r e 11 -j , die Tschudi zur Ausfüllung von Lucken in der allen Münchener Pinakothek in diese überführte. -Lte Augsburger Galerie wurde durch andere-wertvolle Gemälde ent- schädigt. Ter Küllusminister v. Wehner erklärte bei der Be­antwortung der Interpellation, daß Augsburg kein Recht des Einspruchs gegen das Besitzrecht des Staates habe und daß die Augsburger Galnie dem Staat gehöre. Tie vermeintlichen Nachteile Augsburgs ständen in keinem Verhältnis zu dem großen künstlerischen Gewinn, den München und das ganze Land durch die lieber führung der Bilder bähe. Man müsse Herrn v. Tschudi für seine Maßnahmen dankbar sein. Ter Abgeordnete Schuber t h -Augsburg erklärte darauf, wie das B. T. meldet, Tschudi habe von Berlin die Art und Weise mitgebracht, zu dekretieren und die Lust e i n z u s a ck e n , worauf der Kultusminister Tschudi abermals in Schutz nahm. Ter Vvrstpß gegen Tschudi ist demnach abermals wirkungslos verlausen.

D ie Angelegenheit des Direktors Hubert Reusch, der, wie gemeldet, plötzlich die Leitung des Bremer Stadttheaters niedergelegt hat, ist in ihrer Vorgeschichte für die Oefsentlichkeit noch immer nicht geklärt. Es werden vor allem zwei Lesarten verbreitet. Diese besagen der Nat. Ztg. zu­folge: Am Bremer Stadttheater wirkt eine verheiratete Scknu- spiÄer.i.n, deren Gatte an einer anderen deutschen Provinzbühne tätig ist. Tie Künstlerin stand in Beziehungen zu einer Bremer Persönlichkeit, mit der Tirellor Reusch in freundschaftlichem Ver­kehr stand. Daraus entwickelte sich begreiflicherweise auch ein natürlich lediglich fteundsckiaftlicher Verkehr zwischen dem Ti- rettcr und der Schauspielerin, der seinen Ausdruck darin fand, daß der Direktor ab und zu, wenn er auf Reisen war, Briefe an die Tarne richtete, in denen er von einem ,,steisteinernen Bremenser Püb- hhinf' sprach. Eines Tages kam der Gatte der Schauspielerin nach Bremen, fand die Briese, in denen auch ton dem Freunde der

Dame mehrfach die Rede war, und forderte seine Gattin und den Tirellor auf, ihm den Namen seines Rivalen zu nennen. Als ich sowohl die Künstlerin wll Direktor Reusch entschieden weigerten, diesen zu verraten, übergab der Ehemann die Briese des Tirektors )em Aufiichtsrat dcs> Stadttheaters. Auf diese Weise gelangten,die einflußreichen Herren zur Kenntnis der wenig schmeichelhaften Ansicht, die Tirektor Reusch hatte. Das führte schließlich^dazu, daß Tirellor Reusch si chaezwungen sah, .die Sei hing des Stadt- tbeaters niederzulegen. Nach einer anderen Meldung verdichten sich die vielen in Bremen über die TheaterkrisiS umlaufenden! Gerüchte zu der Feststellung, daß eine auswärts spielendein­teressante Affäre" des Direktors Reusch, über die die unterrichteten Kreise tiefstes Stillschweigen bewahren, die Veranlassung, gegeben hat, daß Direktor Reusch seine Stellung niederlegen mußte. Die rechtliche Grundlage zu dem Entschlüsse des Senats war der § 32 der Gewerbeordnung, der unter anderem von den sittlichen QualitätendesLeiters eines Schauspielunternehmens han- dell. Es verlautet, daß ein großer Teil der Bremer Bühnew­angehörigen, die für ihren Tirellor einmütig eine Sympathie.- kundgebung abgegeben haben, diese als übereilt ansehen, da dem Personal Tatsachen mitgeteilt seien, in denen der Tatbestand wesentlich anders dargestellt wird, als es durch Herrn Tirellor Reusch in einer Mitgliederversammlung am Samstag gescksehen ist.

Di e Leidtragenden bei der Bremer Stadttheaterkrise sind in erster Linie die Mitglieder dieser Bühne, denn der Senat von Bremen Und die Theaterdeputation übergaben das Stadttheater vom nächsten Jahre ab Hoftat Otto aus Elberfeld, ohne die Uebernahmeder gelt endenden Verträge zur Bedingung zu machen. Hofrat Otto stellte sich hier­bei auf den Standpunkt, daß ihn diese Verträge nichts an­gehen, daß er an sie nicht gebunden sei, und versuchte von diesem Gesichtspunkte aus, mit einzelnen Mitgliedern neue Ab­kommen unter Herabminderung der Bezüge zu ver­einbaren. Tas Rechtsschutzbureau der Bühnengenossenschaft ent­sandte einen juristischen Vertreter nach Bremen zur Wahrnehmung der Interessen der Mitgliedschaft. Es kam eine Vereinbarung zu stände, der zufolge die Verträge der Direllion Reusch noch für ein Jähr, also bis zum Sommer 1911, gelten sollen. Die Mit­glieder, deren Verträge länger liefen als noch für dieses eine kommende Jahr und deren sind viele sind nunmehr die Geschädigten. Tirellor Reusch ist durch eine Privatangelegenheit außer Stande, den Vertragsverpflichtungen zu entsprechen. Der künftige Leiter ist dazu sormal nicht v e r p f l i ch t e t und so blieb denn der Mitgliedschaft nichts übrig, als auf den Vergleich einzugehen. Daß es auch sittliche Pflichten gibt, sollte einem Bühnenleiter doch eigentlich bekannt sein. Ist ihm selbst doch die Uebernahme des Bremischen Theaters nur dadurch möglich ge-- worden, daß man ihn ungeachtet seines Vertrages in ... . ziehen ließ. Das ungeheuerlichste ist aber, daß dieTheater-- deputallon", die doch eigen tüd) etwas verstehen sollte, die Dar­steller einfach vergessen hat.

Aus Stockholm ist dem Berl. Tagbl. eine Meldung zu- gegangen, die aw die achenteuerlichstLN Phantasien Jules Vernes crumert Es heißt:

Anr den Reichztagsausschiissen.

~ Berlin, 13. Jan.

Der Ausschuß, für den lv o r t u g i e s i s ch e n Handels- ; Vertrag führte seine vertrauliche Verhandlung am Donnerstag . Su Ende. Es wurde von fast allen Leiten gegen den Vertrag der schärfste Widerspruch erhoben. Die Beschlußfassung wurde auf nächsten Donnerstag vertagt.

O st a f r i k a n i s ch e. F o r b e r u n ge n.

Jin Budget-Ausschuß wurde die Verhandlung über den R a ch - Lragshau shalt für die Schutzgebiete fortgesetzt. Die ostafrikanischen Forderungen, 2 Millionen Mark zur Fort­führung der U s a m b a r a b a h n bis Moscki und zum Ausbau des Hafens in Tanga, wurden fast einstimmig angenommen. Ebenso 63 200 Mk. für den Lazarettbetrieb mid zur Anschaffung wissenschaftlicher Fachsckfrfften. 9air die Sozialdemokraten stimmten dagegen. Einen breiten Raum in der Erörterung nahm die Frage der Besiedelungsfähigkeit des Landes ein. Man war im Zweifel, ob die gestrige Darlegung des Unterstaatssekretärs von Lindeauist über die Ergebnisse seiner Reisen einEnkoura-. gieren" bedeuten solle. Es wurde die Frage gestellt, ob Herr Dernburg jetzt geneigt sei, ton seiner bisherigen Politik ab- äugelten, nach der Ostäftika das Land der Plantagen mit schwarzen Arbeitern sei. .

Staatssekretär Dernburg führte aus: Ein Staat, der enkouragiere" übernehme die Garantie für das Fortkommen der Ansiedler, und das sei nickst Sache des Staates. Aber Bahn- und Straßenbauten müssen unter Schonung des Reichs- säckels gemacht werden, wenn die Möglichkeit einer Kolonisation da föl Ob der Versuch bann glücke, sei eine andere Frage. Er wiederhole, daß unter 15 000 Mk. nichts zu machen sei. Er sei ein Gegner der Beihilfen. Draußen sei schwerer fort-, zukommen als zu Hause. Die Stärkung des deutschen Elements sei natürlich wünschenswert, aber der Staat dürfe sie und müsse es fteilich auch nur durch Anlegung der Verkehrswege und sonsttge öffentliche Einrichtungen wie in der Heimat unter­stützen. Der Unterstaatssekretär habe von Kleinsiedlungen nicht gesprochen, und er habe nur von der Wahrscheinlichkeit der Be- siedelungsfähigkell gesprochen. Ein endgültiges Ergebnis in sa­nitärer wie wirtschaftlicher Hinsicht könne erst die Erfahrung bringen; mancher komme in schwierigen Verhältnissen fort, weiche Naturen selbst in besseren nicht. Wirtschaftliches Gleichgewicht werde nur durch Export hergestellt werden können: da aber die Wellmarllartikel im Preise schwanken, so sei es immer em Risiko, dort hinaus zu gehen. Was jeder tue, sei feine eigene Sache. Die Hauptentwicklung hänge von der Initiative der Einzelnen ab. Die Rinderpest könne natürlich in Ostafrika immer wieder auftreten. Das Risiko werde geschwächt durch das Kochsche Mittel, das große Teile der Herden nette. Der Staatssekretär erklärt, er habe sich ebensowenig gedreht, wie Gouverneur v. Rechenberg; er bleibe bei der eben entwickelten Ansicht, die er stets gehabt habe.

Von nationalliberaler Selle wurde tm Laufe der Dckatte betont, das Gouvernement habe direkt dekouragiert, z. B. einen Ansiedlungslustigen nach Südwest gewiesen. Für Beilfilsen seien auch die dLationalliberalen nicht; gefchentte Ländereien gaben nicht das nötige Heimatgefühl.

Die afrikanische Bahn- und Hafenvorlage wurde hierauf mit allen gegen drei Stimmen genehmigt.

Dernburg und die Diamanten frage.

Daraus wandte sich der Ausschuß dem Haushalt für Süd­west a s r i k a zu. Der Berichterstatter teilte zunächst das Er­gebnis der Denkschrift über die Tiamantenftage mit Das Reich habe alles in allem rund 48 Prozent Anteil an den Ertragen. Hätte man den Ansiedlern die Tinge überlassen, so wurde das Reich heute nickst die Erfolge haben, da jene nicht fähig gewestn waren, kaufmänstisch großzügig zu arbeiten, vielleicht nicht ein­mal das Abgleiten in englische Hände hätten verhindern können.

Der Korreferent äußert die Hoffnung, daß die Ein­nahmen bleiben werden. Die Ansiedler haben in Telegrammen Wünsche übersandt. In Lüderitzbucht habe bekanntlich eine Wider- spruchsversammlung gegen die Dernburg>ch? Politik stattgefunden, in der erllärt worden sei, Herr Ternburg habe ohne Rot an Ge­sellschaften Vorteile vergeben und die Ansiedler beiseite geschoben.

Staatssekretär Dernburg erklärt, er wolle sich von per.on- licher Polemik fernhalten und rein sachlich sprechen. Unter der

j Diskonto-Kommandit

94.50 Dresdner Bank . .

. 214.00 202.50 % 24.00

. 103-50

. 184.40

Herrschaft der Regie seien die Preise um soviel gestiegen, daß der! i Zoll dadurch schon fast eingebracht fei. Im März. 1909 habe er . hier Lüderitzbuchter Bürger gehört, die sich tollständig mit ihm \ einverstanden erklärt hätten, Novum sei, daß die L>perr- . maßregel bis zum 31. März 1911 falsch verstanden fei. Man i glaube, die Rechte der Gesellschaft seien so fragwürdig, daß man . sie leicht ablösen könne. Dies fei falsch, und das wisse man auch i in Lüderitzbucht Wenn es Rechte ton zweifelhaftem Wert seien, so hätten die Schürfer selbst Rechte von solchem Wert, da sie alle von der Kolonialgesellschast die Rechte selbst erworben hatten. Die Rechte der Gesellschaft sind förmlich gekauft. Im ganzen Gebiet gibt es fein Recht, das nicht hinfällig würde, sobald das 1 Recht der Kolonialgescllschaft hinfällig würde Er wäre, gern bereit, wenn man diese Rechte angreife, die sämtlichen Konz Mionen für den Fiskus einzuziehen. Die ganze Arbeit bestehe, in drei Dingen: einen Schürfschein für 60 Mk. lösen einen Pfahl em- setzen und eine Gesellschaft gründen. Nun wolle man auf Kosten der Kolonialgesellschaft die Schutzgebietskasse kräftigen, das heißt, sich selbst entlasten. Man verlange, der Staatchekretar solle der ersten Gesellschaft mehr abnehmen als einer andern, zu der icne Herren selbst gehörten. Ohne Aeguivalent an die Kolomalge,ell- schaft sei von ihm die Schürf-Freiheit durchgesetzt; im anderen Falle hätte ohne diese gar nichts gemacht werden können. Ein Rechtsstaat kann einen 25 Jahre lang bestehenden Vertrag nicht plötzlich durch Schikanen unwirksam mackfen.

Der Staatssekretär gibt eine Geschichte bet Deutschen Kolonial- Gesellscknft, deren Rechte nicht durch Konzessionen sondern durch Anerkennung ihrer Verträge mit beit Eingeborenen leitens des Reicksts erworben worden seien. Erst er habe eine Wendung zum Besseren bewirft, üibtm er Scksiirsfreihell durchsetzte und eine gewisse Jahlungspfiicht des Reiches aufhob. Tie Lübetitzbuckster haben also auf Grund der Rechte der Kttonialgesellschaft gefckmrft. Ter Vorwurf, man ziehe das Geld avS der Kolonie, treffe nicht zu. Das Reich zahle jährlich 34 Millionen Mark dorthin; die Ein­nahmen aus den Diamanten würden für Bahnbauten verwandt. In der Denkschrift stehe, daß 97% Prozent der Einnahm-m aus D'iamanten im Schutzgebiet bleiben, nur 2-/- Prozent in die veimat gehen. Die Leute drüben, die alle unsere Steuern nicht zahlten, wollten mm noch schreien? Wir treiben nickst Politik für 254 Leute in Lüderitzbucht, sondern für das Deutsche Reich. Den Partikularismus: Sübwest.für die Südwestafrikaner! mache er nickst mst. Man gehe bei der ganzen Sache gegen das Grotzkapital und das deutsche Kapital vor. In Windlmk habe man Handlungs- reisenden-Gebühren für Auswärtige ton 1000 Mark für ftcks Monate eingeführt. Tas sei kein (Enfouragematt für ine Aus­breitung der SelbstVerwaj.tu.'i^

Ter Redner der Wirtschaftlichen Vereinigung, der nach dem Staatsselletär das Wart nahm, meint, daß der Beifall des Aus­schusses zu den Ausführungen des Staatssekretärs allgemein sei. Die ersten Rachrichten ans Südwest hätten stutzig machen können, besonders da audj die Gemeindebehörden sich beteiligt hätten.

Der Sprecher der Reichspartei verweis« auf die Sck-attenseite der Diamantenftinde. Die gesamte Einwohnerschaft von Südwest sei vom Bereichcrungsschwindel erfaßt. Der Börsenschwindel in- deritzbuckst übertreffe alles bisher dagewesene. Rur durch den Balmbau sei die Entwickelung veranlaßt. Die Leute dort hätten absolut keine Verdienste um die ganze Sache; ihnen Millionen zuzmverfen, sei unzulässig. Seien die Rechte der K)lonial-Gesell- schaft zwsifellos, so müßten sie respektiert werden, so sehr ihr Bestehen zu bebauern sei. Der Schwindel müßte cingebämmt rverden. In Lüderitzbucht verdiene der, einzige Notar täglich tausende von Mark. Daß nicht mehr Notare dort seien, liege an der schlechten Gerichtsverfassung der Kolonie.

Ein Zentrumsredner betont die Ein^lligkeit des Ausfthuftes im Urteil über die Kvlonialpolitik. Tie Rechte der Kolonialgescll-- schaft seien unangreifbar; mehr Wäre der Gesellschaft nicht abzu­nehmen gewesen. Der Zentrumsredner erkannte hierauf an, daß legal verfahren sei; er hätte nur gewünscht, daß die Presse über iyre Sachlage richtig informiert worden wäre.

1 Die Verhandlung wurde hierauf vertagt.____________________

Landwirtschaft.

Untersuchungen von mit Eostn gefärbter Futtergerste.

In einer längeren, vomReichsanzeiger" veröffentlichten