Ausgabe 
10.11.1910 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

Nr. 264

160. Jahrgang

Donnerstag, 10. November 19(0

Erscheint «glich mtt AuSrmhme bd Sonntag*.

er

Nachdem als einige Frucht der preußischen Unionspolitik am März 1850 der Reichstag zu Erfurt zusammmpetrelen war.

Die ^Oietzever ^cnnUlcnblötter* werden dem .Anzeiger" Biennal wöchentlich beigelegt, daS Krdsblatt fflt bei Krell Kletzen" zweimal wöchentlich. Die ^LanbwlNschastllchc» Leit- frage 1^ nschemen monaUid) *i»<unaL

Rotartonibrucf anb Verlag der vrühllch« Um»erfudtfl - Buch- unb Kreindrackeret. WL Lange, Gteßen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftrafoe 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Le^Adru Anzeigers »eben.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejsen

limson-Aneldoten.

(Sinn 100. Geburtstag des Staatsmannes.)

Der 100. Geburtstag Simsons, des Präsidenten der Frank­furter Nationalversammlung, der am 10. November 1810 geboren ist und der dem König Friürrich Wilhelm IV. von Preußen im April 1849 seine Erwählung zum deutschen Kaiser verkündete, der dann 1871 als Erster znm Präsidenten des deutschen Reichstags gewählt wurde und im Jahre 1879 als erster Präsident an die Spitze des eben bi5 lieben gerufenen Reichsgerichts zu Leipzig trat, macht die Erinnerung an manches fast vergessene Begebnis aus dem ereignisreichen Leben des berühmten Parlamentariers wieder lebendig, der mit gereistem, politischem Bewußtsein den Werdegang des deutschen Volkes durch volle zwei Menschenalter begleitet hat.

Nebenbahnen hatten. Auch eine angemessene Vermehrung der Verbindungen könnte z. B aus der Gelnhäuser Strecke nichts schaden. Die Durchführung deS um 2.16 Uhr nach­mittags nach Nidda abführenden Zuges mindestens brs Büdingen würde einem langgefühlten Bedürfnis entsprechen und diese oberhessische Kreisstadt enger mit der übrigen Provinz verbinden. Vielleicht kommt die zuständige Eijen- bahndirektion einmal auf die geniale Idee, daß der Trreb- wagenverkehr von der hessischen Stadt Gießen leicht in demselben Umfange einzurichten wäre, wie von der preußi­schen Stadt Limburg aus. Das würde für sie auch finanziell gewiß kein Nachteil sein, denn Gießen mit seiner größeren nnrtschastlicben, wissenschaftlichen und künstlerischen An­ziehungskraft würde gewiß von allen Richtungen her mehr ausgesucht werden, wenn eben daS Hinkommen und vielleicht noch mehr die Rückkehr den Leuten leichter gemacht würde. Hieran hat aber nicyt nur die Stadt Gießen Interesse, sondern die gesamte engere und weitere Umgegend, damit der Mitgenuß wertvoller geistiger Darbietungen er­möglicht würde. DaS wäre gewiß ein wichtiges Hilfsmittel, der so viel beklagten Landflucht entgegenzuwirken und liegt somit auch im staatlichen Interesse.

M artersteia Direktor des Leipziger Stadttheaters. Geheimer Hofrat Max Marter­st eia, Direktor der Vereinigten Stadttheater in Köln, hat oen Ruf erhalten, die Leitung deS StadttheaterS in Leipzig alS Intendant zu übernehmen. Martersteig hat sich bereitertlärt, dem Ruf Folge zu leisten. Geheim­rat Martersteigs Vertrag mit der Stadt Köln ist aus das Jahr 1915 kündbar. Zu diesem Zeitpunkt wird er das Leipziger Theater, das bis dahin in st ä d t i s ch e Regie übergegangen ist, unter glänzenden Bedingungen übernehmen. Die Berufung Martersteigs nach Leipzig, wo er der Nachfolger Volkners, des künftigen Frankfurter In­tendanten wird, bedarf noch der BostatiAUng der Leipziger Stadtverordneten. Martersteig verläßt Köln jebenfalls, tm; er in seiner ernsten künstlerischen Auffassung troty großer Erfolge eben doch zu Köln nicht das rechte Verhältnis [tnbeu konnte.

Betzdorf und Köln, so daß die hessische Stadt Gießen voll­ständig leer ausgeht. Man wird eS deshalb begreiflich finden, wenn man bei unS den Verkehrsversprechungen der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung kein allzu großes Gewicht beilegt

Aber selbst wenn im vorliegenden Fall daS Ver­sprechen glatt eingelöst wird, bedeutet die Durchführung des Planes eine Schädigung Gießens und Oberhessens. Nach dem Wortlaut der Ankündigung werden die neu in Aussicht genommenen Schnellzüge Ooerhessen durchfahren, ohne an einer hessischen Station zu halten. Das Ware ja schließlich in den Kauf zu nehmen, wenn im übrigen Verkehr alles so für Gießen und Oberhessen geregelt wäre, daß man auch darauf das Wort anwenden könnte, unsere Zeit stände im Zeichen deS Verkehrs. Wichtiger als die Verkürzung der Fahrzeit einzelner Züge zwischen z. B. Hamburg und Frankfurt um ein oder zwei Stunden ist für die große Masse der Bevölkerung eine Vermehrung und Verbesserung deS Lokal- und EilzugS- v e r k e h r S auf den oberhess. Strecken. Zwischen Gießen und Frankfurt müßte z. B. unbedingt eine schnellere Fahrzeit für Personenzüge durchgeführt werden. Ferner fehlt es nach wie vor an schnelleren Verbindungen nach Frankfurt in den Nachmittagsstunden. Von 12.03 bis 5.54 Uhr hat man überhaupt keine raschere Verbindung und wenn man etwa in Frankfurt eine Opernvorstellung besuchen will, hat man nur die Wahl, entweder schon um 12 Uhr zu fahren oder über zwei Stunden aus der Strecke herumzubummeln. Auch Abends wäre eine raschere Verbindung nach Süden sehr am Platze. Es gehen Schnellzüge um 9.14 und 9.21 Uhr und dann hat man bloß noch einen Personenzug um 10.01 Uhr. Auch für die Bewohner der Orte zwischen Gießen und Friedberg wäre eine etwas spätere Verbindung sehr an­genehm, da sie dann die Möglichkeit hätten, ohne allzu großen Kostenaufwand in Gießen bas Theater, Vorträge usw. befudjen zu können. Die Gießener Handelskammer ersttebt schon seit Jahren einen nach 8 Uhr abends in Kassel ab­sahrenden Schnell- oder Eil^ug, der lediglich die Fortsetzung eines von Norden kommenden Schnellzuges wäre. Erfolg hat sie damtt noch keinen gehabt und die Benutzer deS von Noroen fommenben schnellen Zuges sind genötigt, nach Gießen mit einem Bummelzug zu fahren, derbloß" 3 Stun­den 42 Minuten braucht und nach Mitternacht eintrifft

Auf den beiden oberhess. Strecken liegt ebenfalls noch vieles im Ärgert. Vor allem wären auf ihnen m i n - destenSzweiEtlzügein jeder Richtung zu schaffen, die Anschlüsse an die von den beiden Strecken ausgehenden

Die Einführung von Schlachtvieh aus Frankreich.

AuS Meß wird berichtet: Die Kreis- und Grenztierärzte sind amtlich dahin verständigt worden, daß die franzö- sischeGrenzezurEinsührungvonSchlachtvieh

Angriffe gegen Oesterreich sottsetzten. Der eine von ihnen, der Geschichtsschreiber Ludwig von Rochmt, der später die Wochen­schrift deS Nationalvereins redigiette, antwortete mit einem malitiösen Briefe, der Bismarck in hellen Zorn versetzte, während er mit tadelloser Höflichkeit an den Präsidenten die schriftliche Anfrage stellte, ob Bismarck bei seinem Vorgehen im Rahmen seiner Befugnisse geblieben sei. Brsmarck selbst aber fordctte in der Sitzung des nächsten TageS mit leidenschaftlichen Worten von Simson Schutz und Genugtuung gegenüber den Angriffen Rochaus. Während Simson ihm Satisfaktion gegenüber Rochau zusagte, dem er wirklich seinen Platz entzog, bat er Bismarck wegen des Restes der Angelegenheit für den Abend zu sich, lud aber auch den anderen Berichterstatter ein. Um 8 Uhr begann im Präsi- dentenzimmer die Redeschlacht der wortgewaltigen Männer, die damit begann, daß Bismarck den Berichterstatter alslästigen Federfuchser" bezeichnete, dem er keine Genugtuung geben werde. Wie HcrnS Blum auS einer Unterhaltung erzählte, die er vor 30 Jahren mit Simson pflog, saßen d e btei volle sechs Stmcden bi- 2 Uhr nachts und tauschten ihre Gedauert so laut aus, daß bie Wände erzitterten. Endlich hatte Simson beioc so weit, daß sein Einigungsvorschlag geneigtes Gehör fand. Bismarck verstand sich zu einer Erklärung gegenüber dem anberen Berichterstatter, dec leinen Sitz behielt, während Ludwig von Rochau der feine ent­zogen blieb.

Aus der Zeit, da Simson KreisgerichlspräsidenL war, teilt der frühere Berliner Verteidiger Dr. Fritz Friedmann in feinem Memoireil-BuchWas ich erlebte" eine charakteristische Elttschei- düng Simfons mit Friedmann erzählte vom Berliner Land- gerichtsdirekwr Schmidt, der einmal, alS er noch Kreisrichter in dem Städtchen Reetz war, sich ber Scherz erlaubt hatte, eine Terminansetzung, die behufs Beweiserhebung stattsinden sollte, in Versen auszuschreiben. Die an sich eigenartige (Bacfc forderte beinahe dcn Scherz heraus. Da aber die Angelegenheit noch eine Instanz durchzumachen hatte, erhielt der poetische Herr Kpeisrichter vom Präsidenten des KreisgerichtS, dem dadurch die Alten in die Hände geraten mann, eine ellenlange Nase. Schmidt wollte fick) diese nicht gefallen lassen und remonstrierte an das AppellationSgericht zu Frankfurt a. O. Hier wirkte als Vizc- priiftdent damals Sunson, der als ausgesprochener)öngeist, als Vorsitzender ber Goethe-Grsetlschast, mehr Bcrstmrdnis für einen KrelZrichttr hatte, der in einem Kleinstadtnelt sich die Qual dec Langeweile durch derartige harmlose Allotria vertrieb,

20. März 1850 ber Reichstag zu Erfurt zusammengetreten war, dem auch Bismarck, damals noch ein einfacher DetchHauptmann im Kreise Jerichow und Stellvertreter des Abgeordneten für^ die Ritterschaft auf dem sächsischen Provinziallandtag, angehörte, wurde Simtsvn auch hier wie in Frankfurt zum Präsidenten gewählt, während Bismarck, als einem der jüngsten Mitglieder, das Amt eines Schriftführers übertragen wurde. Simson, von dem Bismarck, damals noch nach den Worten des Herrn von Radowitz einBrausekopf, der bie Welt nicht umreißen werde", verächtlich urteilte,daß fein (Bismarcks) seliger Vater sich dreimal im Grabe um drehen werde, wenn er hörte, daß er der Schreiber emes jübifdjen Gelehrten geworden sei", geriet auch nach kurzer Frist in einen heftigen persönlichen Zusammenstoß mit dem Präsi­denten. Zuerst hatte er persönlich die schwarz-rot-goldenen Bändigen, mir denen Herr von Hagen unter Zustimmung Dcmsons die Plätze der Abgeordneten für die Sitzung in der Erfurter AnZustlnerkirche geschmückt hatte, entfernt und durch schwarz-weiße Schl elfen- ersetzt. Ganz besonderen Groll aber erregten bei ihm, ber damals noch überzeugungstreu im Fahrwasser der östnreichi- ftxn Politik segelte, zwei Reporter der ErfurterTribüne", well sie eine Reihe angesehener norddeutscher Zeitungen täglich mit Parlam entsn achr rast en versorgten, die von einer ausgesprochen -Tslerreichfeindlichc-n Anschauung btftie# waren. Unter Usoer- schreitung seiner Befugnisse eröffnete A-marck den beiden S5eii(fit- eritattem mittels einer dasDas (Rhrifttährevamt deS BottS- hausts zu ttrfurt" unterfertigten Zuschrift, daß ihnen chre Platze auf ber Pressetribüne genommen werden würden, falls sie ihre

geöffnet ist und zwar bie Uebergangsstationen Avricourt, Alt-Münsterol und Novsant zur Einführung imd) den Städten Straßburg, Metz, Mülhausen, Karlsruhe, Heidel­berg und Mannheim.

Zum Schutze gegen die S euch enge fahr sind ein­gehende Zeugnisse über die Seuchenfreiheit nebst Signale­ment ber Tiere beizubringen, auch muß bas Vieh nach arenz tierärztlich er Untersuchung und zollamtlicher Dehand- limg in bahnamtlich verschloßenen Viehwagen in bie Schlachthäuser der betreffenden Städte überges.'chrt werden. Die Zahl des einzuführenden Viehs wird den Bedürfnissen entsprechend kontingentiert. Die Viehpreise sind In letzter Zeit in Frankreich im Steigen begriffen.

Die Moabiter Ltratzenkrawalle vor Gericht.^

4 Berlin, 9. 9Ufa

Unter dem Vorsitz M in letzter Zeit vielgenannten Lanb- gerichtsdirektors Lieber begannen heute, vormittag vor der dritten Sttaskammer des hiesigm Landgerichts I die Verhand­lungen nt dem Prozeß gegen die 35 Männer und Frauen, die der Teilnahme an den schweren Ausschreitungen beschuldmt sind, durch welche Ende September d. I. der nordwestliche Stadtteil Berlins,Moabit" genannt, beunruhigt wurde. Man erinnert sich, daß den Anlaß zu den Krawallen ein Ausstand bei der Kohlen­firma Kupfer u. Co. gab, deren Arbeitswillige durch die Streiken­den belästtgt worden waren, so daß die Polini einschreiten mußte. DaS Vorgehen der Polizei fand aber nicht die Billigung der: Stteikenden und ihres Anhanges, zu dem sich barm auch noch der Mob des betreffenden Straßenviertels und ein großer Teil ber Anwohnerschaft gesellte. Es kam zum offenen Aufruhr, der schließlich non der Polizei mit Säbel und Revolver in mehrtägigen förmlichen Straßenschlachten bekämpft werden mußte. Von den damals festgenommenen Personen sitzen nunmehr heute unter dec Auflage des Aufruhrs, des Landesfriedensbruchs, deS Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der Veamtenbeleidigung die genannte« 35 auf der Anklagebank. Es sind Arbeiter, Handwerke^ Laufburschen, Schreiber und vier Frauen. Auch! ein Kunstmaler befindet sich unter ihnen.

Tie schon vorher angedrohten Polizeimaßregeln hatten nutz ein fleineS Publikum zu den heutigen Verhandlungen Herbeigelockt^ Nicht nur die Polizei, sondern auch die Gerichtsdiener sperrte« daS gewaltige GerÄüsgebäude ab, daS in demselben btatttteÄ liegt in dem sich seiner 3eit die Krawalle abgespielt haben. Die Angeflagten finden ebenso wie die Pressevettretcr nicht alle Platz tu ben für sie vorgesehenen Abteilungen.

Unter den Verteidigern bemerkt man bat rvvisionistijchen Reichstagsabgeordneten Wolfgang Heine und RechtSanwatt Dr, Theodor Liebknecht, einen Sohn des alten Liebknecht. Die Fesd- stellung der Zeugen und die Perfonalfeststellung der Angeklagtem nahm geraume Zeit in Anspruch.

Darauf beantragte Rechtsanwalt H ekneman« Mt Ab­trennung der nicht vor die dritte Sttaskammer gehörend« An­flagesachen. Die Verteidigung Hal schon vor der Haupwerhandbrnü Einspruch gegen die Uebenveifimg sämtlicher Angeklagten vor die dritte Sttafkammer erhoben, tst aber nicht durchoedrunyen^ obwohl sie darauf hingewiesen hat, daß bei der Ueberweisung offen­bar die Absicht fror gelegen habe, die Angeklagte» einer xechL scharfen" Kammer auszuliesern.

Auch RechtSanwatt Dr. Kurt Rosen selb «achte ttr bedl seiner Klienten geltend, daß sie nicht vor die dritte Sttaskamm« gehörten. Schließlich meldeten sich auch noch die RvchtSamoLlte Dr. Liebknecht, Heine, Cohn, Walter Bahn unb Bruno Blau mit ähnlichen Anträgen, denen Erster Staatsanwalt Steinrecht wider­sprach. Während dieser Zeit wurde eine der angeklagt« Frauen bereit ohnmächtig. Als Rechtsanwalt Rosenfeld in seiner Er­widerung auf die staatsanwaltschaftlichen Ausführungen davon sprach, daß eS sich bei den Moabiter Llnsschreitungen nur mtz El-esse der Sckmtzmannschaftt^ handele, wurde er vom Vor­sitzenden zur Ordnung gerufen.

Nach etwa einftünbiger Pause lehnte das Gericht alte beantrag­ten Abtrennungen ab, bis auf den Fall der ohnmächtig gewordenen Frau Reinhardt, falls diese sich mzwisch« nicht wieder erhotta sollte.

Nurnnehr lehnte unter allgemeiner Bewegung Rechtsanwall 6 eine sämtliche amtierenden Richter weg« Besorgnis der Be­fangenheit ab, well die Anflagebehörde ungesetzlich borgtgangat sei und die Richter durch ihr« Beschluß dieser Ungesetzlichkeit Vorschub geleistet hätten. Da Über dies« Ablehnungsanttag ju* nächst ein andere- Richterkollegium Beschluß fast« muß, so ver­tagte der Vorsitzende Dr. Lieb« die Verdandttmg hierauf auf Mittwoch früh 91/? Uhr.

und er sckchtzte ihn mit feiner stark« Hand in folgende«, llah sischem Dettet:

In Erwägung, daß

1. die pr«ßifche Allgemeine GerichtSortmnng, Tc3 1: von der Prozeßordnung, nirgends eine Bestimmung darüber trifft, ob Verfügung« in gebundener oder ungebunden« Form abge­setzt werden fotten, erstere Form also jedenfalls nicht v«boten ist, daß

2. aber es selbstverständlich ran dichterisch begatten Rich­tern gestattet nxrben darf, sich ihr« zu bedienen, daß ab«

3. Kreisricht« Schmidt offenbar zu dies« Kategorie gehört, daß

4. die poetische Verfügung allen gesetzlichen Vorschriften ent­spricht, dos heißt: Tag, Stunde und Ort deS Lokaltermins be­zeichnet, Zeugen und Sachv«stLndige, wie Parteien, »«bunben mit den nötigen Auslagen üb« das, waS sic mitbringen sollen, und der üblichen Verwarnung verlädt,

5. und letztens aber vor allem der preußische Staat ßwh [ein kann, wenn ein Einzelricht«, fiebzehn Jahre an einen fieuien Ort gefesselt, sich so viel gute Saune für seinen mühseligen Beruf erhält, um dergleichen Verfügung in Versen abzufetzen, wird die Rüge deS KreisgerichtSdirektorS Odebrecht als »nberechtigt hiermit wieder aufgehoben." O. K.

Verkürzung der §a!)rzeit n. der Verkehr in Sderheffen.

Man schreibt unS auS Berlin:Mit ber von Jahr zu Jahr fortfebreitenben Entwickelung des wirtschaftlichen Leben- hat auch der Personenverkehr aus den Eisenbahnen stetig angenommen und eine regelmäßige Vermehrung der Personenzüge Folge gehabt. Hierbei ist die StaatZ- eisenbahnverwaltung planmäßig vorgegcmgen. Zunächst wurden auf den großen Verkehrslinien zahlreiche Schnell- und Eilzüge eirrgelegt, die neben dem Durchgangsverkehr auf weite Entfernungen auch dem Verkehr der Zwischen­stationen zu dienen haben. Sodann hmrben die Verbin­dungen auf den Nebenbahnen, besonders im Osten, vermehrt und beschleunigt. Schließlich wurde für den Nahverkehr durch Einlegung von leichten Zügen und von Triebwagensahrttn in großem Umfange Vorsorge ge­troffen. Auf diese Weise ist für den Personenverkehr eine este Grundlage geschaffen worden, die bisher den An- prüchen im wesentlichen genügte. In der letzten Zeit hat ich nun im Zusammenhang mit den immer lebhafter ge­wordenen gesck>äftlichen Beziehungen zwischen aroßen DerkehrSplätzen daS Bedürfnis beraus^estellt, Züge mit großer Reisegeschwindigkeit zu schaffen, btc ausschließ­lich dem Verkehr großer Städte untereinander bienen sollen. In Erigland, Frankreich, Amerika gibt eS bekanntlich schon jetzt derartiae Schnellzüge. Die Erfahrung hat gezeigt, daß auch bet unL eine große, sich ständig steigernde Zahl von Reisenden die durchgehenden Züge von chrem AuSgangS- vlatz bis xum Endpunkt benutzt. Es besteht, wie wir hören, Die Absicht, bei der wetteren Ausgestaltung des Fahrplans au? Einlegung einzelner schnellfahrender Züge Bedacht zu nehmen, die im allgemeinen nur der Ver­bindung großer Verkehrspunkte dienen, möglick)st wette Strecken ohne Aufenthalt durchfahren und die deshalb eine nicht unbeträchtlich kürzere Reisezeit haben werben als bisher üblich. Für den großen Verkehr BerlinKöln ist schon rpit solchen Zugverbindungen ein Anfang gemacht. Zunächst kommen BerlinBreslau und BerlinHamburg in Frage; wetterhin wird man u. a. an BerlinFran k- furt a. M., Hamburg (Bremen)Frankfurt a. Main und demnächst auch wohl an Berlin-^DanzigKönigs­berg denken können.

Die Ersahrungen laffen erwarten, daß solche Züge nur durch den Verkehr zwischen den Hauptplätzen eine so aus­reichende Besetzung «halten, daß zum Zweck, der Wagen­aus Nutzung ein häufigeres Anhalten nicht erforderltth ist. Ihr Zweck wäre aber auch verfehlt, wenn sie an mittleren Zwisä/enstationen halten würben, denn dann ließe sich die nottvendige Reisegeschwindigkeit nicht erreichen. Eine Be- einttächtigung der UnterwegSstationen kann hierin nicht gesunden werden. Diese behalten selbstverständlich ihre bis­herigen Zuverbindungett. Eine wesentliche Verbesserung deS großen durchgehenden Reiseverkehrs soll keineswegs die wettere sorgsame Pflege und Fortentwükelung auch deS mehr lokalen Verkeprs aus schließen.^

Mtt uneingeschränkter Freude werden nur die Be­wohner der Großstädte diese Nachricht vernehmen. Wenn auch den soa. UnterwegSstationen darin die Versicherung gegeben wird, daß sie ihre bisherigen Zugverbindungen behalten toerben, jo muß man nach den bisherigen Er­fahrungen ein aroßeS Fragezeichen dazu machen. Hat man dock seinerzett bei der Einführung deS Sck)nellzug-Zujchlages versprochen, daß auf den einzelnen Schnellzugs stt eck en eine ausreick-enbe Zahl (zuschlagsfreier) Eilzüge verkehren werde, ohne sich nachher viel an dieses Versprechen zu kehren. Gnade in Oberhessen und besonders in Gießen weiß man ein Lied davon zu singen, wie die preußisch-hessische Eisen- bahngemeinschaft derartige Versprechen zu halten pflegt. Wenn man z. B. bemimmt, daß auf der Sttecke Mainz- DarmstadtAschaffenburg nicht weniger als acht zuschlags­freie Schnellzüge verkehren, so ist die Eilzug-Verbindung zwischen Frankfurt unb Gießen mtt drei und zwischen Gießen unb Kassel mtt zwei zuschlagsreien Zügen boch gerabezu jämmerlich zu nennen. Aus ber Strecke Gießen Köln verkehrt sogar nur ein Eil zu g und der nur zwischen