Ausgabe 
14.1.1910 Erstes Blatt
 
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geordneten Keller betrug getretenen Personen: bis uon 2529 Jahren 99 34 Jahren 43 Männer, 12 Männer, 8 Fronen,

dem Saale verbunden über die der Abend besonderem

Über mit einem Ausschuß des Vereins der Freisinnigen Partei in Unterhandlung tritt, um die Vorarbeiten für eine etwaige Verständigung zu erledigen.

Polyhymnta* feiert am nächsten Sonntag in des Wirtes Ehr Wagner seinen Winterbatl, mit Gesang und Theater. Durch einen Vortrag Entstehung und den Wert des Volksliedes" wird für Freunde und Kenner des Volksliedes von ganz

24 Jahre 40 Männer, 116 Frauen, Männer," 62 Frauen, von 30 bis

18 Frauen, von 3539 Jahren von 4049 Jahren 11 Männer,

(ßcrkl) ttiaaL

w. Berlin, 13. Jari. Das Schwurgericht verurteilte den Friseur ftano Iüncinann wegen Ermordung der Verkäuferin! Alic- Rakowsti und Diebstahl in zwei Zullen zum To de, Ver- lug . r bürgerlichen Ehrenrechte und zu neun Odonaten Gefängnis.

Hessen abzulehnen. Die von dem Provinz ial<russchuß für Ober­hessen emgelaufenen Anträge fallen den beiden andern Aus­schüssen zwecks Meinungsäußerung überwiesen werden. Bezüglich des gemeinsamen Bezugs von Gemüses« men wurde beschlossen, daraus nicht emzugehen, dagegen die Züctüuwi von Gemüsesamen in Hessen anzuregen und eventuell durch Geldmittel zu unter-

" Feier der Gründung des Reiches. In dem bereits angekündigten, am Dienstag, 18. Januar, in Steins (Sorten stattfindenden Festabend wird Herr UniversitätS- profefior Dr. G. Nolosf, Gießen, die Festrede:lieber die Gründung deS Reiches" halten. Außerdem haben der Bauer'sche Gesangverein (Dirigent Herr O. Görlachs und Herr I. Hahn ihre Mitwirkung ziigesagt; ersterer wird Männer­chöre von Werth, Jakob' und Hegar, letzterer Klavierstücke von Beethoven, Wurm und Grieg zum Vortrag bringen.

Unser Regiment feiert heute den Gedenktag an die Kämpfe bei Briare im Feldzuge gegen Frankreich. Die Uiitcroifijierc und Mannschaften wurden gelegentlich eines Appells auf die Bedeutung des Tages hingewlesen. Eine Depiltatlon des Regiments legte einen Kranz an dem Gedenkstein auf dem alten Friedhof nieder. Um 6 Uhr abends versammelt sich das Ossizierkorps mit zahlreichen aus 'Jiah und Fern herbeigeellten Kriegskameraden im Offizier- fafmo zu einem Festmahle.

Lamborg-Kouzert am Sonntag nachmittag in Steins Saalbau. Wir weisen noch euunal auf die Mit­wirkung des beliebten Humoristen bei dem Konzert unserer Reqimentskapelle hin. Gleichzeitig machen wir darauf aui- merksam, daß die Kapelle einige Orchesterwerke von Lamborg zum Vortrag bringen wird.

lieber Elektronen sprach gestern abend in dem 4. von dem kaufmännischen und dem Ortsgewerbeverem ver- anl'talteten öffentlichen Vortrag Prof. Dr. H. W. Schmidt. Die ziemlich zahlreiche Zuhörerschaft, die die neue Uni- verfilätsaula gut zur Öälfte füllte, folgte dem interessanten Vortrag und den damit verbundenen Experimenten mit regster Aufmerksamkeit.

- Standesamtsnachrichten. Im abgelaufenen Jahre waren in der Stadt Gießen 119 0 Geburten zu verzeichnen, darunter 597 Knaben und 593 Mädchen (gegen 1132 in 1908. Davon waren: eheliche 815, darunter 394 Knaben und 421 Mädchen (782, darunter 403 Knaben und 379 Mädchen), außereheliche 375, darunter 203 Knaben und 172 Mädchen (350, darunter 191 Knaben und 159 Mädchens. Unter den 1909 geborenen Kindern waren wirkliche Gießener, bezw von in Gießen wohnhaften Eltern ober Müttern stammende Kinder 659 (67 ls, darunter 64 uneheliche. Die Zahl der von Ortsfremden, von Müttern in den Kliniken oder Anstalten geborenen Kinder beträgt 531 (461), darunter 311 uneheliche. Die Zahl der Sterbefälle be­trug in der Stadt 1909 im ganzen 6 4 1 (644) und zwar 331 männliche und 310 weibliche Personen. Richt mitgezählt sind Totgeburten. Von den Sterbefällen entfallen auf Orls- iremde, m Kliniken, Anstalten usiv. verstorbenen Personen 321 (303), auf Gießener Einwohner 320 Personen (341). Im eilten Lebensjahre starben 91 (91), darunter 32 außerehelich geborene Kinder. Totgeboren wurden 50 (67) Kinder, dar­unter 10 außereheliche Kinder. Eheschließungen wurden 1909

vorgenommen 2 14 (184). Rach einer Statiltlk des Bei- das 9Utcr der 1909 in den Ehestand

Ans Stafct unfc

Gießen, 14. Januar 1910.

Tage Skalen der für Freitag, 14. Jan. Stadt- ffjeater:M oral". Anfang 8 Uhr.

A k. Bi 4 marckbund. Vonrag von Graf Hocnsbroefti: Der U 11 ra in o n t a n i -3 m u ü" Abends 8',, Uhr in Steins 'Sorten.

*

** Sammelmappen für dieGießener Fa­milie n b l ä t k e r" und dieLandwirtschaftlichen Zeitfragen", die auch für das >lrct5blntt verwendet werden können, beabsichtigen wir auch für das Jahr 1909 an fertigen zu lassen. Interessenten, die diese Sammelmappen zu beziehen wünschen, werden gebeten, dies der Geschäfts stelle des Gießener Anzeigers nritzuteilen. Die Mappen werden zu 75 Pfennig das Stück abgegeben. Uebriyens empfiehlt es sich, die Mappen auch für 1910 anzuschasfen, damit sie das Jahr über zum Sammeln der losen Nummern verwendet werden können. Auch hierfür werden jetzt schon Bestellungen entgegengenommen.

Pfarrpersonalien. Der Groß Herzog hat den von dem Prinzen Friedrich zu SolmS-Braunfels als Var- mund des tnmberjährigen Fürsten Georg Friedrich zu Solms- Braunfels auf die eoang. Pfarrstelle zu Villmgen präsentierten Pfarrer Wilh. Köhler zu Muichenheim bestätigt und dem Pfarrer Friedr. Karl Stotz zu Rodheim die 2. eoang. Pfarr­stelle zu Babenhausen übertragen.

** L a n dwi rts cha ft s ka m. m e r für Hessen. Tie Ävmlnisswn für O b ft - und G c in ü f c b a n hielt am D.'nnerStag ihre 9. Sitzung ab. Bei den Bestimmungen über Abhaltung Von Obst> und Gemüfevettvertungskm sen wurden verschiedene Ae.nde> rungnt getroffen. Tie Veranstaltung von Obstpflück- und Ver- packungslursen mürben den Provinzichausich-üssen übertragen. Bisher wurden sie von der Landwirllchastskanuncr veranstalt, t Tie Best inttmm gen über die Prämiierung von Weinbergen Wurden dahin abgeändert, daß, wenn in einet- Gkinnrhing eine Prämiierung Vvn Zn ng selber n und älteren Rebaulageu erfolgt, nur einer der wilicbcnm Preise, der hächstie, ausbezahlt wird. Tie Bestimmung die Prämierung von Obstpflanzirngcn betreffend, nnitbc nach den Vorschlägen bee PwviuztalauSiclmifes für Ober Hessen abgoänbcrt. Zur Sch.ru und Prämierungsordnung für Orts- und Bezirks Cbflau^leUuitgen beschloß die Kommission, die Anträge der ProvinzialaussäKsse von Starkenburg intb 9llx*iiL-

Wintersahrt zum Rigi werden fn HUV)chen BkiDern vorge­führt. Die Bilder gewähren einen naturgetreuen Einblick in die herrliche Hochgebirgswelt, wie aud) in die idyllischen Schönheiten des Sees, die in allen, die schon dort waren, angenehme Erinnerungen wecken werden, und denen, die das herrliche Fleckchen Erde noch nicht aus eigener An­schauung kennen, die Lekanntschaft auf billigste Art ver­mitteln. Auch für die Schuljugend wird der Besuch, der eine wirkungsvolle Veranschaulichung des in der Schule Gelernten bildet, vorteilhaft sein.

** Zusammen stoß mit der Elektrischen. Gestern nachmittag fuhr der Troschkenbesitzer L. in der Walltorstraße mit einer Droschke aus seiner Ho freite heraus und stieß mit entern gerade ankommenden Wagen der elettrisdren Straßenbahn zusammen. L. wurde vorn Bock geschleudert und erlitt eine Ver­letzung am Kvpse, die ungefährlich erscheint. Es war angeblich kurz vorher cm Wagen der Straßenbahn vvrübergefahren und da diesem cm zweiter Wagen folgte, von dem L. feine Ahnung! hatte, erfolgte der Zusammmstoß.

Wleseck. 13 Jan. Holzlesende Kinder wurden von einem Unbekannten tm Bezirk Hangelstein in frecher Weife belästigt. Einem habet anwesenden 13jährigen Mädchen versuchte der Unhold mit Watte den Mund zu ver­stopfen. Hinzukommende Männer verfolgten den Mann, ohne ihn emholen zu können. Es ergeht an alle Eltern die dringende Mahnung, ihre Kinder nicht allein zur Winters­zeit in den Wald zu schicken. Vorkoinmnisse wie daS obige müssen jedenfalls zur Vorsicht mahnen.

= Beuern, 13 Jan. Unser Gesangverein

Interesse sein.

----- Alsfeld, 13. Jan. Die heute abend abgehaltene Ge­neralversammlung des Alsfelder Radfabrer-Vcreins 18 9 0 hat beschlossen, am 2., 3. und 4. Juli 1910 das 2 0 jähr. Stistungssest zu feiern und zwar durch ein größeres Sports­fest. Ein Volksfest soll mit eingeschlossen werden. Tas Fest findet auf dem Lindenplatz statt und die Vereine des Gaues 9 a des D. R. B. nehmen daran teil.

u Bad "Rau heim, 13. Jan. Der rührige Vor- trag8verein hat für die kommenden Vortragsabende wieder eine gute Wahl getroffen. Am nächsten Sonntag spricht im Sprudel-Hotel Professor D. Rade- Marburg, der Heraus­geber derChristlichen Welt", überGegenwartsreligion und Geschichte". Kurze Zeit darauf ist em Vortragsabend Ernst v. Wolzogens in Aussicht genommen.

L. Friedberg, 13. Jan. Am 15. Februar und die sob- genben Tage findet die mündliche En 11 a ss u n gs pr ü f u ug der Klasse I b des Lehrerseminars statt, der sich 32 Abi­turienten unterziehen werden. Am 19. Febr. wird für Klasse I a und Klasse I h eine Entlastunysfeicr abgehalten, zu der sich auch die bereits abgegangenen Abiturienten einzusinden haben. Bet dieser Feier wird die Braut von Messina aufgeführt.

rm. Pfungstadt, 13. Jan. Seit drei Wochen hat die arößte hiesige Zigarrenfabrik (Firma M. Freund) ihren Betrieb völlig eingestellt. Der Filialbetrieb der Fabrik zu Griesheim wurde ebenfalls geschloffen. Im ganzen beschäftigte die Fabrik 220 Arbeiter.

[] Marburg, 13.Jan. Unter der BezeichnungFreie Burschenschaft Normannia" hat sich hier eine neue tudentische Korporation mit den Farben rot-gol^-rot (schwarze Samtinützen) aufgetan. Sie tritt an Stelle der Burschenschaft Vandalia", die sich aufgelöst hat.

8 Frauen, von 5059 Jahren 9 Männer, 2 Frauen.

* Eine Prüfung für Handarbeitslehrerin nejn wird am 18. März unter Leitung eines staatlichen Kom- rnisiärs an der Alieeschule zu Darmstadt abgehalten.

♦♦ Rechtsschutz st eNe für Frauen. Im Jahre 1909 betrug die Anzahl der Fälle, die der hiesigen Frcmen- rechtsschittzstelle zur Behandlung Vorlagen, 88 gegen 44 im Jahre 1908, dem ersten Jahre ihres Bestehens. Es ist erfreulich, aus dieser steigenden Inanspruchnahme entneh­men $u können, daß mit dieser Einrichtung dem Bedürfnis der in Rechtsangelegenheiten so oft hilflosen Frauen in willkommener Weise gedient wird. Am meisten wurde die Rechtsschutzstelle in Dienste und Miets^Angelegenh.iten und OtrcitigVeitcn aus sonstigen Verträgen, ebenso wegen Unter- Haltsforderungen für uneheliche Kinder und Mißhelligkeiten im Ehe- und Verwandtschafts-Verhältnis in Anspruch ge­nommen. In 51 Fällen genügte eine Auskunft oder ein Rat auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen, in 7 Fällen mußte gerichtliches Vorgehen, zum Teil durch Anfertigung von Klageschriften, eingeleitet werden, 4 Gesuche wurden verfaßt. Doch gelang es in 26 Fällen allein durch münd­liche oder schriftliche Vermittlung zwischen den Parteien einen gütlichen Ausgleich herbeizuführen. Wenn besondere Schwierigkeiten Vorlagen oder es für den Gang der G.sck)äste angezeigt schien, nahm die Rechtsschutzstelle die Führung der Angelegenheit selbst in die Hand. Es ist $u hoffen, daß auch in diesem Jahre die Sprechstunden, die wöchentlich Mittwochs von 5 bis 7 Uhr, Alieestraße 31, abgehalten wer­den, einen guten Besuch aufzuweisen haben.

** S w w e st e r n Fröhlich-Stiftung. Rach einer Mitteilung von Wien sollen aus der in Wien bestehendenSchwe­stern Fröblick-Stistung" zur Unterstützung bedürftiger und her. varragendec Talente auf dem Gebiete der Kunst, Literatur und Wissenschaft in diesem Jahre Stipendien und Pensionen, die statutengemäß 500 bis 2000 Gulden ö. W. betragen, verliehen werden Es kommen zur Verteilung: Scipcndicn an Künstler oder Gelehrte zur Vollendung ihrer Ausbildung oder zur Aus­führung eines bestimmten Werkes, oder zur Veröffentlichung eines solchen, oder im Falle plötzlich eintrctender Arbeitsunfähigkeit: Pensionen an Künstler oder Gelehrte, die durch Alter, Krankheit ater llnglücksfälle in Mittellosigkeit geraten sind. Zur Er­langung eines Stipendiums muß der Bewerber in seinem an das Kuratorium zu richtenden Gesuche folgende Belege beibringen: Taust oder Geburtsschein, Studien- oder Prüfungszeugnisse, glaubwürdige Zeugnisse über wissenschaftlickie oder künstlerische Leistungen, behördliches Zeugnis über die Mittellosigkeit Mit dem Gesuche um eine Pension ist beizubringen: Tauf- oder Geburtsschein, glaubwürdige Bescheinigung über die Krankheit oder den Unglücksfall, wodurch der Bewerber in Mittellosigkeit geraten ist, Ausweis über die Verdienste deä Bewerbers um Wissenschaft und Kunst. Die an das Kuratorium derSchwc stcrn Fröhlich Stiftung" zu richtenden Gesuche samt eventuellen Kunstproben sind bis 31. März 1910 im Präsidialburcan des Wiener Gemeinderats, I., Lichtenfclsgasse 2, 1. Stock, zu über­reichen, woselbst auch die Stiftungsstatuten behoben werden können. Richt entsprechende Gesuche iverdcn nicht in Betracht gezogen.

** I m K a i s e r p a n v r a m a ist diese Woche eine sehr hübsche Wanderung durch einen der schönsten Teile der Schweiz zu sehen, die allgemeine Beach»ung verdient. Ter Vierwaldstätter See mit Luzern, die Axenstraße und eine

Reichsgerichtsbrief.

(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Jan. 10.

Ablchn u n g des T i e r s ch a d e n s b e i nr Z u s a in m e n stv ß, eines Radfahrers mit einem .Hunde.

Ter Kreisarzt Dr. Sch. in Fritzlar fuhr am 16. Juli 1904 auf einem Mvtorzwcirade von Homberg aus in der Richtuiui' nach Waber n. Als er am Ende der Stadt das Grundstück des Gärtners S. passierte, sprang der aus dem Fahrdamm der Straße liegende Huno des 2. plötzlich auf, um noch vor dem Motorrad! die eine -Ltraßenhälfte zu queren. Hierbei kam er mit den Hinter­beinen in den Bereich des Rades, so daß Sck). stürzte und erhebliche Verletzungen erlitt, während der Hund nur etwas lahmte. Mit der Behauptung, der Hund sei ihm. ganz plötzlich von der Seite ins Rad gesprungen und habe d.rdurch den Unfall herbeigeführt, erhob Sch. Ansprüche gegen den Besitzer des Hundes nach § 833 B. G. B.

Tas Landesgericht Marburg wies die Klage a b. Im selben Sinne entschied auch das Oberlandesgericht Kassel. Und zwar sühren beide Vvrderrickster den Unfall des Klägers auf überwiegendes eigenes Verschulden zu­rück' Tas Oberlmrdesgericht legt in seinen Entscheidungs­gründen dar, daß für die Frage des eigenen Verschul de ns des Klägers aud] die maßgebenden Polizewerordnungew in Betracht kommen. So würde in einer derselben, datiert vom 11. Septtrnber 1900, der Radfahrer verpflickstet, langsam zu fahren oder erforderlichenfalls sofort abzusteigen, wenn em Tier scheut oder sonst durch das Vorbcifahren Liere in Gefahr gebracht werden, während die baupolizeiliche Vorschrift das Fahren auf dem Bankett verbiete. Tas Oberlandesgecickst nimmt nun mit dem Landgericht an, daß der Kläger bei dem Vorfall sowohl gegen die baupolizei­lichen Bestimmungen verfloßen, wie auch gegen die durch die konkrete Sadstagc gebotene Vorsicht aesehlt hat. Er hätte den auf der Straße liegenden und sicherhebenden Hund sehen und beobachten müssen. Tie innerhalb der Ortschaften vvrgeschrrebene Höchst- geschwindigkcit von 15 Kilometer per Stunde nicht zu überschreiten, sei auch bei menschenleerer Straße geboten, w^ll innerhalb der Ortschaften auch mit plötzlichem HerauskommLN von Menschen und Tieren aus den einzelnen Anliegen zu rechnen sei. Tiefer Begründung schließt sich das Reichsgericht in seinen Ent> scheidungsgründen durchaus an und kommt somit zur Zurück­weisung der vom Klager eingelegten Revision. (Akt. Z. rf. 101/09.)

Wintersport.

Das 12. Winter , ep oes Ober harzer Sck- v* klu bs, das in erster Linie dem Sport dient, ist wegen der starken Regenfälle der letzten Tage auf Anfang Februar verschoben worden.

Derniifditcs.

* Verlorene Dampfer. Der deutsche Motor- s ch o n e rA r e t u r u s" ging nach einer Meldung^ aus C it x * hauen bei der Fahrt nach England auf hoher See unter. Von der Besatzung konnte niemand gerettet werden. Ter Kapitän hinterlässt Fran und sieben Kinder. Ein anderes, schweres Unheil betraf den englischen Dampfer Ezarina. Nach einer Meldung aus M a r s h f i e l d (Oregon) ist der Dampscr E z a r i n a" gestern abend bei schiverem Seegang in der Coozbah auf den Hascndamm aufgelaufen. Dreißig M a u n der Be­satzung sollen ertrunken sein. Nach einer Llvydmeldung aus

Deutsche- Neich.

Im preußischen Mgeordnetenhause wurde folgender An frag von Dr. Pvrsch und Genossen eingebracht:Welche Stellung gebeult die königliche Staatsregierung, insbe­sondere auch als Vertreterin des staatlichen Bergbaus, gegen­über der einseitigen Organisation des Arbeits­nachweises, wie er im Ruhrkohlenrevier seitens der pri­vaten Bergwerksunternehrner mit einem Zwangscharakter leingerichtet ist, eiuzunehnien?"

Die preußische Wahlreform- Vorlage wird, wie wir aus Berlin hören, vor Mitte Februar auf keinen Full an das Abgeordnetenhaus gelangen, wahrscheinlich ist sogar ein späterer Termin Unter diesen Umständen ist an eine erste Lesung der Vorlage vor Ostern im Plenum, schon mit Rücksicht auf die übrige Geschäftslage des Hauses, nicht zu denken. Die Stimmung innerhalb der Parteien geht schon heute dahin, die Vorlage erst der öffentlichen Stritt! zu unterbreiten und sie nach Erledigung des Haus­halts zu beraten. Die Haushaltsberatung wtrd aber, obgleich sie wieder wie in den Vorjahren kontingentiert werden soll, vor Ostern ntcht zu Ende geführt werden können, so daß dis Wahlvorlage erst Ende April zur Beratung kommt. Für den Fall, daß diese Wahlvorlage eine Verfassungsänderung vorsieht, müssen sowohl im Mgeordnetenhause wie im Herrenhause zwei Abstimmungen stattsinden, die 21 Tage von cinanber^cittid) getrennt fein müssen. Wenn bie Wahl- reform also noch im Sommer 1910 vera^schiebet werben soll, so bür^c sich die Session sehr in die Lav^eLiehen.

Dio türttsche Botschaft in B e r 11 n teilt üoer die bereits von anderer Seite in den Bereift) der Fabel verwiesene Meldung von Zwistigkeiten zwischen türkischen O s f i z i e r e n und d e u t s ch e n I n st r u k t o r e n folgendes mit: Die vomEcho de Paris" gebrachte Nachsicht über vermeintliche Konflikte zwischen türkischen und deutschen Offizieren in Konstantinopel ist vollständig falsch. Als Beweis dafür, daß es sich lediglich um eine plumpe Erfin­dung handelt, braucht nur hervorgeboben zu werden, daß bei der Kriegsschule sowie der Tasch-Kischla-Kaserne kein ein- ftiger Instrukteur angestellt ist.

Ausland.

Die Prager Blätter werden am heutigen Freitag eine Mitteilung veröffentlichen, derzufolge vorerst in Prag ver­sucht werden soll, eine kurze Session des böhmi­schen Landtagessicherzustelen. Der Oberstlandmar- schall und der Statthalter werden auf Grund von Infor­mationen des Ministerpräfidouten die Verhandlungen mit den Landtagsparteien anfangs ber nächsten Woche eröffnen.

La Garbe au 91 bin" ist ber Titel eines eben er­schienenen Werkes von Emile Hähern, ber sich bemüht, in so sachlicher Weife, wie es einem Franzosen bei dieser Frage möglich ist, die geschichtlichen Entwicklungen und Bestrebungen, die den Rhein treffen, zusammenzufassen. Das Werk geht über den geschichtlichen Rahmen hinaus, da es auch Laitdschafts' und Kulturschildertlngen, besonders aber als Doknniente franzvsifche und deutsche Volkslieder langer Jahrhunderte enthält, die direkt oder indirekt mit dem Rhoinlcmde im Zusammenhänge stehen. Natürlich wer­den die Kundgebungen der atavistischen Nebenbuhlerschaft um den großen Strom sehr eingehend studiert und auch die Fragen der Zukrinst aufgerollt. Der Verfasser hütet sich aber wohl vor Ausblicken und Prophezeiungen und läßt die Frage offen, ob Krieg oder Frieden, Offensive ober Defensive geeignet find, bie von ber Geschichte gestellten Probleme zu lösen; ja er geht selbst an die Frage nicht heran, ob diese Probleme überhaupt lösbar sind.

Aus M a d r i d wird gemeldet: Infolge der Ku n d - gelungen, die eine Gruppe von Offizieren am Mittwoch abend vor dem Hause einer militärischen Zeitung wegen deren Kritik an den Auszeichnungen für die Teilnehmer an den Kämpfen in Marokko veranstaltete, erließ die Re­gierung folgende M a ß r e g e l u n g c n : Der Gcneralkapidän von Madrid wurde feines Amtes enthoben: alle Korpskom­mandeure sind, soweit ihnen unterstellte Offiziere an den htunbgebungen teUgcnommen haben, zur Disposition gestellt worden. Mehrere Offiziere, die die Aufrührer anführten, wurden mit Festungshaft bestraft.

Der König von G r i. c ch e n t a n b hat nach Blätter- melbungen mehrere. Obersten, unter ihnen Zorbas und Konstantinidis, sowie Limbritis, zu Brigadiers er­nannt.