Ausgabe 
13.9.1910 Erstes Blatt
 
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160> Jahrgang

Dienstag 13. September 1010

Nr. 214

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WZ- General-Anzeiger für Oberhessen UW

Annahme von Anzeigen V » mLand" und ^Gerichts-

b,e Hofofiottsimitf mtö Verlag der vriHpschen Unio.°vuch° und Stemdruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulstrahe 7. i?al": ^e6ÄbeJ

ms vormittags 9 upr. 6r 1 1 u Anzeigenteil: y. Beck.

Diese Entschließung gelangte zur Annahme. Generalsekretär l l b a u m - Bethel bei Bielefeld erstattete hierauf den G e -

Wa

Deutsches rr^ictz.

DerReichsanzeiger" meldet: *5)er bisherige Legation^ rat und vortragende Rat im Auswärtigen Amt v. (Srfeit wurde zum außerordentlichen Gesandten und bevollmäcl)- tigten Mnister bet der Republik Chile ernannt.

Bischof Schädler?

Das Bistum Speyer, das soeben erledigt wurde, soll nach einer allerdings noch unbestätigten Meldung des B. L.-A." niemandem anders als dem zweiten Vor­sitzenden der Reichstagsfraktion, Herrn Dr. Schädler, überantwortet werden. Franz Xaver Schäd­ler ist Dr. juris und Domdekan. Was Schädler an inneren Eigenschaften mitbringt, ist jedenfalls geeignet, die Nachricht von seiner bevorstehenden Berufung in das hohe Amt eines deutschen Bischofs in seltsamstem Lichte erscheinen zu lassen. Herr Schädler wird an Intoleranz und politischer Skrupellosigkeit kaum von einem anderen Mitgliede seiner Partei übertroffen. Er kann schlechthin als der Urheber und eifrigste Betätiger des Schutz- und Trutzbündnisses zwischen Zentrum und Sozialdemokratie bezeichnet werden, dessen Segnungen sich über das König­reich Bayern ergossen. Und zwar ist er so sehr mit Herz und Seele dabei, daß er im Gegensatz zu der ultramon­tanen Presse, die dergleichen gern schamhaft ableugnet, keinen Anstand genommen hat, mit diesen feinen sozial- d emo trat. Neigungen öffentlich zu renommieren. So z. B. am 17. September 1899 auf der Generalversammlung des bayerisch-patriotischen Bauernvereins", wo er aus die bei der Landtagswahl dadurch erzielten Erfolge (10 Man­date mehr für das Zentrum, 6 mehr für die Sozialdemo­kratie) hinwies und mit billigen Späßen die Entrüstung der nationalen Parteien über dieses Bündnis derchrisi- lichen" Zentrumspartei mit der religions- und monarchie- feindlichen Revolutionspartei verhöhnte. Und wieder war es Herr Schädler, der 1904 (23. August) auf dem Regens­burgerKatholikentag" seine monarchische Gesinnung in dem kürzlich hier schon einmal erwähnten Bonmot zu- sammenfaßte:der große Schlächter Danton hat es aus­gesprochen, daß das Kind zuerst der Republik gehört, ehe es den Eltern gehört. Und es ist nötig, an diesem Satzs gewissen, sehr hochstehenden Personen deutlich zu machen, wohin es führt, wenn ein Staatswesen das Monopol auf das Kind verlanLt; denn dieser Satz ist ein Lappen, heraus­gerissen aus dem blutigen Kleide der.französischen Revo­lution; einer Zeit, in der die Köpfe von Königen über das Pflaster rollten." Es ist nach alledem klar, daß Herr Dr. Schädler sich ziuar vortrefflich zum Führer und Vor­sitzenden der Zentrumsfrattion eignet. Aber wir glauben doch der ungeteilten Zustimmung aller kirchlich gesinnten Katholiken sicher zu sein, wenn wir meinen, daß dieser päpstliche Hausprälat" auf dem Bischofsstuhl von Speyer eine peinliche Erscheinung fein würde.

schäftsbericht. Weiter beantragte W. im Hinblick auf die schlechte Lage und Arbeitslosigkeit der Tabakarbeiter die nachstehende Emschließung:

In Berücksichtigung der Tatsache, daß der 4-Millionen- Fonds zur Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter erschöpft ist und nach dem 3. Dezember 1910 Unterstützungen nicht mehr gezahlt werden können, beauftragt der in Siegen tagende 14. christlich-soziale Parteitag die Herren Reichstagsabgeordneten Dr. Burckhardt und Behrens, im Reichstage dahin wirken zu wollen, daß bei der fortdauernden Arbeüslosigkeit weitere Mittel zur Unterstützung zur Verfügung gestellt lvcrden.

Auch diese Entschließung wurde angenommen.

Morgen vornrittag beginnen die Beratungen über die Re­organisation eines neuen Parteiprogramms. Hierzu liegen zwei Entwürfe vor, der eine Behrens-Mumm, der zweite vom Kreisverein Essen.

Uarser Wilhelm in Wien.

Wien, 12. Sept. Für den Aufenthalt des deutschen Kaisers in Wien wurde folgendes offizielles Programm verlautbart. Die Ankunft erfolgt am 20. September Vs9 Uhr vormittags auf dem Bahnhofe zu Hetzendorf. Am Bahn­hose werden zum Empfange der Kaiser und die Erzherzöge mit einfacher Begleitung er [ege in en; die Majestäten fahren dann nach Schönbrunn.

Am Nachmittag wird der Kaiser Besuche bei den höchsten Herrschaften abstatten. Um 1/27 Uhr abends ist Familien-- biner in Schönbrunn. Um 10 Uhr abends veranstaltet Erzherzog Franz Ferdinand in Belvedere eine Soiree, der Kaiser Wilhelm beiwohnen wird. Mittwoch ven 21., vor­mittags besichtigt Kaiser Wilhelm im Rathause das Bild von Professor Matsch, die Huldigung der deutschen Fürsten darstellend. Um 1 Uhr nachmittags ist Frühstück beim Bot­schafter von Tschirschky, um 3 Uhr nachmittags Besuch der Jagbausstellung und um 7 Uhr abenbs Hoftafel in Schön­brunn. Um 9 Uhr 20 Min. erfolgt die Abfahrt des Kaisers von Bahnhof Penzing.

Korrespondenz":

Es kann doch auch den Politikern derFranks. Ztg." nicht verborgen geblieben sein, daß die nationalliberale Partei geschlossen und in voller Einmütigkeit auf dem Boden der heutigen Schutzzollpolitik steht, so daß die An­nahme, der Reichskanzler wolle ober könne mit der Be­tonung des schutzzöllnerischen Standpunktes die Partei spalten oder einzelne Telle von chr absprengen, bei Leuten, die zu realpolitischem Denken erzogen sind, nicht ernsthaft Platz greifen darf.

Vielleicht entsprang die Wellerverbreitung von ver- traulichen Mitteilungen des Kanzlers über eine Schutz- zollparole einem Hörfehler ober Mißverständnis, und es wäre gut, wenn Herr v. Bethmaim-Hollweg eine Berich­tigung verarllassen wurde. Der leitenbe Staatsmann erfreut sich heute keines großen Ansehens, die Linke ist ganz von ihm ab gerückt, überhäuft ihn mit Spott und Hohn, aber auch em Teil der weiter rechts stehenden Blätter trägt ihm die offenbaren Fehler bei der preußischen Wahlrechtsfrage unverhüllt nach. Heute versucht es Kurt .Breysig im Tag", den Vielgeschmähten in ein günstigeres. Licht zu stellen, indem er ul a. schreibt:

Ist man baut nur ganz blind, daß man nicht sieht, eine wie lautere, echte und im starken wie im zarten Sinne vornehme Natur hier sich, sicherlich mit Ueberwindmrg mancher Scheu, in allen den Schmutz und Sturm gestellt hat, dem dieses aus- gesetzteste Amt unseres öffentlichen Lebens seinen Inhaber preis- gibr. Ein Mann, von dem noch seine Wellbewerber sagen, daß chm jedes Kleben anr Amt völlig ftemd ist. Ein Philosoph! Der neueste Schimpfname in unserm Staatsleben, Ja, in der Tat, dieser Mann ist überführt und wohl auch geständig, baß er im Laufe einer nunmehr fünfjährigen Ministertätigkeit einmal das Wort Kant in den Mund genommen hat. Gewiß in dem sogenanntat Lande der Dichter und Denker ein fluchwürdiges Vergehen, gerichtet gegen das heiligste Gut unsrer Polllik, ihre nie versiegende, sie in keiner Lage des Lebens verlassende Banalität. Sind denn Palmerston und Canning und Gladstone und alle die großen Zitierer des klassischen Altertums auf dem Wollsack des englischen UMerhauses auch jänunerlich deplacierte Privatdozenten gewesen! Der hier schreibt, bat noch kaum je zur Poltttt des

K. Christlich-sozialer Parteitag.

h. Siegen, 12. Sept.

Heute bormittag, 9 Uhr begannen die geschlossenen Verhand­lungen. Die Anwesenheitsliste ergab 200 Personen, darunter 130 stimmberechtigte Abgesandte. Nach einem von Pfarrer D. Weber-M.-Gladbach gesprochenen Einleitung s geb et erfolgte die Wahl des Bureaus für den Parteitag. Dieses setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzende: Abg. Behrens, Essen; Abg. Burck­hardt, Godesberg und Landmesser Gädecke, Siegen. Schriftführer: Lie. Mumm, Berlin; Sekretär Weiß, Hamburg; Dr. Heuser, Gießen; Rektor Cnlemann, Bielefeld. Die Abgg. Dr. Burck­hardt und Behrens erstatten sodann den parlamentarischen Be­richt. Danach haben Dr. B. 9 mal und Behrens 14 mal im Reichstage gesprochen; weiter sind sie in vier Ausschüssen tätig gewesen. Behrens berichtete über die Arbeiten in der Fraktion, erwähMe die Finanzreform, hob die Tätigkell der chriftl.-soz. Ab­geordneten an dem Zustandekommen der Reform chervor und be­schäftigte sich alsdann mit den einzelnen Parteien. Eine längere, lebhafte Aussprache schloß sich dem Berichte an.

Lizentiat Mumm spricht hierauf über Steuerpolitik, insbesondere über die Wellzuwachssteuer. Am Schluß seiner .Aus­führungen bringt er folgende Entschließung ein:

Die christlich-soziale Pallei bekennt sich zu einer starken Monarchie von Gottes Gnaden und huldigt in Mannentreue Sr. Majestät, der in Königsberg und Marien­burg für die Solidalltät aller schaffenden Stände, für den Frieden unter den Konfessionen und für das Recht des ver­fassungsmäßigen Königtums, von Tagessllömungen abzuweichen,

politische Lcrgerscha«.

Die Wahlparole des Reichskanzlers.

Rach derFrkf. Ztg." sollte Herr v. Bethmann-Holl- toeq in vertrautem Gespräche Angaben über seine Parole b?t den nächsten Reichstagswahlen gemacht haben. Der y anAler soll danach die Absicht haben, «alle positiv jchafsenden Stände unter dem Kampfruf:Unsere Schutz- zollpolllik ist bedroht!"' zu sammeln, und die Erwartung hegen, daß diese Parolewie ein Sprengpulver" beson­ders auf die nationalliberale Partei wirken werde.

In verschiedenen Blättern wurde nach Einholung von Erkundigungen die Ricktigkell dieser Angaben bestritten. So wurde der Ztg." von zuständiger Stelle" be- stallgt, daß der ZieichskaltHler bisher weder eilte Wahl­parole in dem von der Frankfurter Zeitung angegebenen Sinne noch überhaupt eine Wahlparole aus gegeben habe, auch nicht in vertraulichen Gesprächen. Gleichwohl bleibt dieFratllf. Ztg^" dabei, sie seiverpflichtet, die Mitteilung für absolut authentisch zu halten." Ueber die Wirksamkeit der angeblichen Parole des Kanzlers ist denn auch in einem Teile der Presse viel geschrieben und ge- ftritten worden. Mtr einige rechts stehende Blätter halten die angebliche Parole für gut, ziemlich allgemein aber; hält man sie für nicht zugkräftig, und demgemäß werden dem Kanzler vielfach die schlechtesten Zeugnisse ausgestellt.

Auck) wir wurden utrs vott der erwähnten Wahlparole nichts versprechen, sind vielmehr der Ansicht, daß die nächsten Wahlen unvermeidlich die bisherigen Ei^ahrungen, das An­wachsen der Sozialdemokratte, bestätigen werden. Es bleibt bei dieser Gelegenhell festzustellen, daß die nationalliberale Presse ziemlich einhellig sich auf den Boden der heullgen Schutzzollpolitik gestellt hat. So schreibt heute dieNull.

Tages das Woll ergriffen, ist ihr nur immer, dazu durch fein Handwerk als Geschichts- und Gesellfchaftslehrer verbunden, mit Aufmerksamkeit gefolgt. Jetzt aber ist nicht Zeft zu schweigen, jetzt ist Zeit zu reden. Ein Mann ist an den wichllgsten Oll unseres Gemeimoesens gestellt, der für ihn wie kein anderer be­rufen ist, durch die Tiefe, die Lauterkeit, den Adel seiner Ge­sinnung, durch seine Einsicht in die Notwendigkeit einer neuen und grundsätzlichen Wendung unserer Staatslenkung von demo- krallschen unb sozialistischen zu aristokratischen und individua­listischen Gedanken, und durch die verhaltene und dennoch kraftvolle Sicherheit und Zähigkeit seines Wlllens. Die Palleten der Rechten und der katholischen Mille sind eine vorläufig sichere, aber durch­aus nicht immer zuverlässige Grundlage dieser neuen Staatskunst. Sv, dünkt mich, sollte gegen diesen Aberwitz der Bemsspollliker' eine offene Verschwörung der Geraden und Aufrechten unter den Führern in unserem Volk sich bllden, die diesem Kanzler den Rücken deckt. Wir wollen zu diesem Kanzler halten, in dessen Wesenszügen wir endlich, endlich finden, was uns so lange an dem Lenker unserer Staatskunst fehlte: das deutsche Gesicht.

Wir fürchten, daß auch dieses Charakterbild vom Kanzler nicht stimmt. Bei seiner Wahlresorm waren erhebliel^e bureaukratische und pedantische Sck)nitzer. Der tempera­mentvolle Aufruf des Herrn Breysig wird uns über die trost­lose politische Lage auch nicht hinweg helfen.

ZünfUNdzwanzigjahrserer des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

Am Sonnabend trat, wie wir schon wiederholt mitgeteilt haben, der Allgemeine Deutsche Sprachverein bei überaus zahlreicher Beteiligung aus Deutschland, Oesterreich, Englarw und Amerika zur 16. Hauptversammlung, verbunden mit der Fünfundzwanzig­jahrfeier, int Vereirrshaus in Dresden zusammen.

Am Sonntag vormittag nm Ps9 Uhr begann die Geschäftssitzung,

die vom Gch. Oberbaurat .Dr. Sarrazin eröffnet und geleitet wurde.

Der Vorsitzende erstattete den

Bericht über die Vereins Tätigkeit

im letzten Jahre.

An Rosegger wurde ein Drahtgruß mit der Mitteilung gesandt, baß die Zweigvereine zusammen mit dem Gesamtverein zwei Bausteine (4000 Kronen) für die Rosegger-Sllstung gespendet haben. Damit wurde der Voranschlag für das kommende Geschäftsjahr 68000 Mark Einnahmen und Ausgaben vor­gelegt und gutgebeifjen.

An den geschäftlichen Verhandlungen schloß sich die öffentliche Festsitzung,

an der Spitzen der staatlichen und der städtischen Behörden usw. teilnahmen. Geh. Oberbaurat Dr. Sarrazin eröffnete die Sitzung mit einer begrüßenden Ansprache.

Im Namen der Staatsregierung entbot sodann Kullusntinister Dr. Beck dem Verein ein herzliches Willkommen.

Oberbürgermeister Geh. Rat Dr. Beutler überbrachte die herzlichen Grüße und Wünsche der Stadt Dresden. Wetter sprach <ür den Verein für Sachs. Volkskunde Hofrat Prof. Seyf fert und für den Verdaird akademisch gebttdeter Lehrer Deutschlands Rettor Prof. Dr. Po land. Für all diese Wünsche dankte Geh. Oberbaurat Dr. Sarrazin.

Nunmehr lstelt Hofrat Pros. Dr. Behaghel (Gießen) den Festvorttag: Wandlungen im deutschen Satzbau. Der Redner ftellte sich die Ausgabe, die Kräfte zu schttdern, die int Wandel des Satzbaues wirksam siitd. Auf der einen Seite steht dte Macht der Trägheit. Sie hat zur Folge, daß das. Gedächtnis dte .überlieferten Fügungen nicht getreu w jeder-

gibt, und so entstehen gemischte Fügungen oder Angleichungen eines Gebildes an ein anderes. Sie hat weiter zur Folge, daß die Sprache aus 'unbequemen Fügungen in bequeme übergeht, und daß sie Teile von Sätzen ober Satzgliedern einfach wegläßt. Auf der anderen Seite steht ein scheinbares Streben nach Zweck­mäßigkeit, das jedoä) nicht in einer bewußten Wahl sich zeigt, sondern in einem unbewußten Abwenden von dem, was die Er­fahrung als unzweckmäßig erkennen läßt. Da, wo zwei ungefähr gleichwertige Fügungen nebeneinander stehen, bekundet sich dieses Streben in der Auslese des Deutlicheren, Bestimmteren, und an Stelle undeutlicher, unbestimmter Fügungen werden neue deut­lichere, bestimmtere ins Leben gerufen. Ob das Streben nach Schönheit der Form einen wesentlichen Einfluß auf den Wandel des Satzbaues besitzt, bleibt zweifelhaft.

An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich die Ernennung von drei Ehrenmitgliedern. Zu solchen wurden ernannt: Staats.ekretär a. D. Dr. Nieberding, Exzellenz, der zum ersten Male den Entwurf eines deutschen Gesetzes in echt dentfcher volkstümlicher Sprache hat ausgehen lassen; 2. Direttor a. D. August Diederichs in Bonn, der den Deutschen Sprachverein von seinen ersten Anfängen an werktätig gefördert und 3. der Grvßkansmann Karl Schmitz in Elberfeld, der, selbst ein Vorbild reiner Kaufmannssprache, durch Gewährung reicher Mittel für eine Preisarbeit die Sprachverderbnis im deutschen Handelsstaud erfolgreich bekämpft unb eine Verbesserung und Veredetung der Kaufnralinssprache angebahnt hat.

Zum Schluß der Sitzung verküirdete Geh. Regiernngsrat Pros. Dr. Paul Pietsch (Greifswald) das dreizehnte Preis­ausschreiben: Unsere G e s e tz e s s p r ach e. Für die besten Lösungen der Aufgabe sind drei Preise im Gesamtbetrag von 1500 Niall ausgesetzt, deren Verteilung bcu Preisrichtern über­lassen wird. Die Arbeiten sind bis zum 1. November 1911 ein­zusenden.

Um 3 Uhr begann die

Festtasel^

die in angeregter Stimmung verlies.

*

Der Gedenktag eines berühmten Wiegen­liedes. Am 13. September sind hundert Jahre verflossen, 1'eitbeni Earl Maria von Weher eines seiner populärsten Lieber

komponiert hat, das einstmals so viel gesungeneSchlaf, Herzens- söbnchen, mein Liebling bist du". Ein paar Menfchenalter hrn- hindurch sttw in Deutschland Millionen Kinder mit diesem Siebe in den Schlaf gesungen worden, bis die Wiegen aus der Mode tarnen und mit ihnen die Wiegenlieder. Es wird bellchtll, daß Weber von Darmstadt im September 1810 nach Frankfurt a. Nst hinüber gekommen war, wo seine erste größere OperSilvana" zum ersten Male in Szene gehen sollte. Die Aunührmig aber war daburch in Frage gestellt, daß am gleichen Tage, eüiem Meßsonntage, Madame Blanchard aus Paris eine Ballonans- fahrr unternehmen wollte. Weber machte sich daher auf den Weg' zu der berühmten Luftschifferttr, fand aber in ihrem Hotel- Logis nur ein kleines Söhnckten und dessen Wärtelln vor, die sich bereit finden ließ, die Luftschifferin zu suchen unb während­dessen den Knaben dem Komponisten aiwertraute. Als das Kind aber unruhig wurde, griff Weber in seine Tasche und Holle den Text jenes Wiegenliedes hervor, den er kurz vorher von dem Dichter des Liedes zugesandt erhalten Halle, setzte sich an das Spinell und schläfelle den Knaben mit dem Liede, das er kom­ponierend gleich spielte und sang, ein. So ertönte das Lieblings- Wiegenlied der deutschen Mütter zum ersten Male aus dem Munde seines Schöpfers einem französischen Knaben. Der Dichter deö Liedes, ein vielseitig begabter Nämn, Franz Carl Hiemer, war lange Zeit in Stuttgart Theaterdichter. Er war ein geborener Württemberger, hatte die Karlsschule besucht, Halle sich dann der (Strenge des Herzogs Karl, wie ettist Schiller, durch die- Flucht entzogen, wurde aber nach Stuttgart zurückgebrach^ unb war dann dort in allen möglichen Berufen tätig als Maler, Offizier, Schauspieler, Kunsthändler und zuletzt als Beamter. Er starb in Stuttgart im Jahre 1822; vom Schlage getroffen, sank er tot im Gasthause nieder. Der vielseitig talenwolle 3)?amt, der nicht nur für Weber Texte schuf, ist längst vergessen.

Kurze Nachrichten a n s K rt n st u. W i I s e n s ch a f t. Die 50jährige Doktorfeier begeht am 14. September der berühmte Physiologe Kgl. fächs. Geheime Rat Prof. Dr. meb. et phil. Ewald Hering in Leipzig Er ist am 5. Aug. 1834 zu Alt-Gersdorf tu Sachsen geboren. Die Deutsche Kronprinzessin hat die Widmung der am 29. Sept, unter dem Tttel »Frauennttmmer^ in erheblich verstärktem Umfang erscheinenden Nummer 3509 der Leipziger I(tustriellen Zeüung angenommen.