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11.8.1910 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 11. August 1910

Erstes Blatt

Salkanwotten.

)ie Kretafrage den Grund für Verwicklungen auf dem Balkan

rung aber

160. Jahrgang

aarien in jedem Falle entschlossen ist, seinen Streit mit der Iürkei über die mazedonische Frage zum Austrag zu

gemeldeten Befürchtungen rechtfertige.

Sofia, 10. Aug. 3 6 0 mazedonische Flüchtlinge aus Küstendil sind hier eingetroffen. Heute vormittag veranstalteten sie eine Kundgebung vor den Gesandtschaften.

Nr. 186

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Ein Rosegger-Denkmal wurde am Sonntag nt Jägerndorf zur Erinnerung an des Dichters Millionen- sammlung für den Deutschen Schulvcrein enthüllt. Das Denk­mal, dessen Entwurf von dem Wiener Architekten Franz Bla sch stammt, ist eine gewaltige Steinpyramide mit einem Flammen­herde, der bei festlichen Gelegenheiten die Deutschen durch seinen weithin sichtbaren Feuerschein zur Erfüllung ihrer nationalen Pflicht rufen soll. An der Vorderseite trägt das Denkmal das lorbeerbekränzte Reliefbild Peter Roseggers mit der Inschrift: Dem Dichter des Volkes Die deutschen Eisenbahner.. 7. August 1910/' An der Rückseite finden sich die Worte Roseggers:Zweitausend ist gleich zwei Millionen", die bie?

Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen sswwireiwv aiiwmti Ms Rernjprtd).2bifd)lüffe: I J GM beü

*S~ General-Anzeiger für Oberhessen Z;M Annahme von Lnzeigen w r . t E. Hetz; für den

für ote Tagesnununer Rotationrdnrck und Verlag der Vrubl'scben llnw.-Vuch- und Zteindrnckerei H. Lange. Redaktion, Lrpedttlon und oruclerei: ZchUlflrage r. Anzeigenteil: H. Beck, brs vormittags 9 Uhr. 3

abgeschlagen und damit Risaat Pascha in eine recht üble Lage gebracht. Denn es handelt sich um ein Mitglied des ottvmanischen Parlaments, dessen Schuld noch keineswegs erwiesen ist, so daß nicht nur Rifaats Stellung erschüttert werden könnte, wenn es ihm nicht gelingt, die Freilassung des Abgeordneten durchzusetzen, sondern auch die Gefahr besteht, daß die Erörterungen im türkischen Parlament über den Fall.Peremanjanz" zu Verwicklungen zwischen Ruß­land und der Türkei führen. Schon jetzt läßt die Sprache der türkischen Presse über diese Angelegenheit an Schärfe nichts zu wünschen übrig, und die gleichzeitige Zuspitzung der Kretafrage, wie auch der mazedonischen Frage, scheint dafür zu sprechen, daß diese ewigen Balranwolken am Ende doch noch einmal sich entladen könnten.

Paris, 10. Aug. DerPetit Parisien" schreibt gegenüber den Gerüchten von einem Streit zwischen der Türkei und Bulgarien: Rach unseren, aus guten Quellen stammenden Informationen ist eine wirkliche Detente eingetreten. Einmal ist König Ferdinand nach Bulgarien zurückgekehrt und^ dieser hat bekannt- lich immer in versöhnlichem Sinne gewirkt. Zweitens ist das bulgarische Volk für die nächsten fünf Wochen mit der Ernte beschäftigt, die gerade in diesem Jahre eine ausgezeichnete ist. Außerdem hat der Bulgarin) Minister des Aeußeren, Pa- irilow, der am Fr? äag N? ritunr sein: s Ressorts wieder übernommen hat, den Vertretern (ter Mächte erklärt, daß nichts die

Das Gedächtnis für Cavour in Italien.

Rom, 10. August. Der 100. Geburtstag des Grafen Cavour ist in ganz Italien, insbesondere in den großen Städten mit Umzügen, Versammlungen usw. festlich be­gangen worden. In S p e z i a wurde mit einer patriotischen Ansprache des Admirals Moreno der Kiel zu einem gr^ß en. KreuzerGraf Cavour" gelegt. . o

Turin, 10. August. In Gegenwart des Königs, der Herzöge von Aosta und Genua, des gesamten Mini­steriums, der Präsidenten des Senats und der Deputier- tenkammer, zahlreicher anderer Mitglieder des Parla­ments uud vieler Deputationen von Gemeinden und Ver­einen aus ganz Italien fand heute im großen Saal den Mote AntoneUiana eine Gedächtnisfeier für den Grafen Cavour, geboren am 10. August 1810, statt. Der Deputierte Daneo hielt eine Mit großem Beifall aufc die sie bei der Eroberung der £uft gespielt hat. Diese Vorzüge; sind vielleicht der Gegensatz zu einem Fehler, den man uns oft vorgeworfen hat, nämlich zu dem Wunsche, immer anderen voraus zu sein, uns nicht in der großen Masse zu verlieren. Der Fran­zose braucht nicht kommandiert zu werden, um tapfer zu sein, nicht mit Kadres umgeben zu sein, um zu sterben zu verjwhew Wenn man nun auch noch lange warten muß, bis die Flug- maschine ein industrielles Beförderungsmittel werd, w bestreitet doch niemand, daß er schon in militärucher Hinsicht ein vorzügliches Aufklärungsmittel bildet Man muß die Armee mit einer wahren Flottille von Flugapparaten ausstatten und unter den Offizieren^ wie Soldaten, auch Matrosen, Legionen von Fluchtechmkern rekru­tieren. Tie Bildung dieser Luftkavallerie mitten im Frieden wäre eine wahre Schule des Heroismus/ der schnellen Auffassung aller Dinge und Möglichkeiten, sowie der Kaltblütigkeit. Zweifellos kann man vorläufig nicht hoffen, es müßte denn ein wunderbarer Zufall dazwischen treten, teß enrtge Luftfahrzeuge (Lenkballons oder Flugapparate) eine offensive Rolle im Kampfe spielen. Mer es wird ganz anders werden/ wenn Hunderte und Hunderte von bewaffneten FlugappawteN unerwartet mit der rasenden Geschwindigkeit von achtzig Kilo­metern in der Stunde über irgend einer Position des Schlacht­feldes erscheinen können. Die Ausgaben, die die Verwirk lichung einer derartigen Luftflotte nach sich ziehen wlirde, waren nur ein Tropfen Wasser in dem enormen Kriegs- und Marine- Budget. Ta u s e nd F l u g ap Para t e m it zw e i S i tz en, die von dem Staate serienweise hergestellt wurden, hatten fedes den Wert von drei Kavalleriepferden. Ter Gesamtpreisl würde nicht einmal den zehnten Teil der Kosten für einenDreadnought" erfordern. Das wären gut angelegte Millionen."

einen längeren Artikel, nach dessen Auffassung die Lage m Persien noch allzu sehr der Klärung bedürfe. Persische Patrioten hatten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit der Regeneration ihres Landes zu- zuwcnden, aber die Erfolge der letzten Kämpfe und die Zwischen­fälle, die aus Persien gemeldet werden, seien nicht darnach ge­artet Ruhe zu schaffen. Tie Anwesenheit in der Hauptstadt einer großen Anzahl von Fidais, bereit, ihr Leben einzusetzen für die Wohlfahrt des Landes und die Vernichtung feiner Feinde, iuerbe seit gcraumcr Scit als eine ständige Bedrolmng des Friedens und normaler Zustände angesehen.

Satar Khan und Baghir Khan, die Führer der fidais, waren an der Spitze der revolutionären Bewegung in Azerhaiden ge­wesen, seien aber nicht gewillt, mit Sirdar Assad und den Bachtiari- Führern harmonisch zusammen zu arbeiten. Seit der Entthronung des Ex-Schahs seien die Gegenparteien no chniemals im Ein­klang gewesen und die fortwährenden Reibungen hätten J bet unvermeidlichen Krisis geführt. Tie Regierung hätte die Fidais aufgefordert, die Waffen niederzulegen. Satar Khan und feine Anhänger verweigerten dies jedoch und beanspruchten eine peku­niäre Entschädigung, ein Forderung, der die Regierung Gehör zu schenken nicht geneigt oder nicht in der Lage war, M.ent­sprechen. Ter deutsche und türkische Botschafter hatten Versuche gemacht, dahin zu wirken, um einen Konflikt z u vermeiden, aber die Vertreter Englands und Rußlands haben es augenscheinlich als ihre diploMitische Pflicht erachtet, von jeder aktiven Haltung abzus'ehen. Die Vermutung, daß diplo­matische Untätigkeit der klügere Standpunkt gewesen sei, gehe aus den vollständigen Mißerfolgen sowohl der deutschen als auch der türkischen Diplomatie hervor. Von den Fidais wird berichtet, daß sic in den letzten Kämpfen 30 Mann verloren hatten, da aber 340 Mann gefangen genommen worden waren, gehe daraus hervor, daß schwerlich ein Widerstand seitens der Fidais geleistet worden sein könne.Wenn es keinen Tod gäbe," soll em per­sischer Soldat gesagt haben,würden die Perser rühmlich kämpfen, i'nd dies mag die allgemeine Philosophie unter diesen eigen­artigen orientalischen Soldaten und Anhängern Satar Khans sein. Er selbst jedoch sei verwundet worden. Im großen und ganzen liege aber kein Grund vor, die Riederlage der Partei Satar Khans zu beklagen. Er sei ein störendes Element in der gegenwärtigen Lage geworden und die energischen Maßnahmen der Regierung scheinen reichlich gerechtfertigt zu sein, doch sei cs sehr ratsam, die Ausrührer ohne unbillige Strenge zu behandeln.

Tie Energie, mit welcher die persische Regierung in dieser Angelegenheit vorgegangen ist, scheine zu beweisen, daß sie endlich in die Hände fähiger Persönlichkeiten übergegangen sei und wenn in anderen Streitfällen mit derselben Entschlossenheit vorgegangen merdeii würde, so dürften die Freunde Persiens auf eine bessere: Zukunft hoffen. m r ... r , f ,,

Teheran, 10. Aug. Die Basa re sind ge s ch l o s s en. Eine Truppenabteilung wurde nach dem Schah Abdul Asim^em- sendet, um den geflohenen Sergham Sultaneh und seine Bach­tiaren zu entwaffticn. Die in den Atavekspark eingebrmgcn-eit Bachtiaren haben das dortige Palais vollständig geplün­dert und einige in der Nähe liegende Häuser ruNifcher Untertanen ausgeraubt, darunter dasjenige des Er­ziehers des Schahs, Smirnoff.

bringen. , r r

Allerdings bliebe hier, wie auch gegenüber der Gefahr eines griechisch-türkischen Konflikts, noch immer die Hoff­nung bestehen, daß es den Großmächten doch noch in letzter Stunde gelingt, das kriegerische Feuer auf dem Balkan zu ersticken, wenn nicht der kürzliche russisch-türkische Zwischenfall diese Hoffnung auf ein sehr geringes Maß zusammenschrumpfen ließe. Wie nämlich vor einigen Tagen gemeldet wurde, ist ein türkischer Abgeordneter, der Ar­menier Peremanjanz, der früher in Südrußland lebte, auf einer Reise in Datum verhaftet und in das Gefängnis nach Tiflis überführt worden, weil er, ehe er nach der Türkei flüchtig wurde, sich an einer ganzen Reihe von anarchistischen Gewalttaten während der russischen Revolution beteiligt haben soll. Der türkische Minister des Auswärtigen, Risaat Pascha, hat nun bei der russischen Regierung i'eine Frei­lassung zu erwirken versucht, indem er ourch den türkischen Botschaster in Petersburg daraus Hinweisen ließ, daß Pere­manjanz, dem das russische Generalkonsulat in Konstanti­nopel das Visum für feinen Auslandspaß erteilte, von diesem in einen Hinterhalt gelockt worden sei. Die russische Regie­hat die Freilassung des Armeniers rundweg : und damit Risaat Pascha in eine recht üble

Der Aeberlandfiug durch Gstsraukreich.

0 Paris, 10. August.

Die zweite Etappe des Ueberlanüslugs durch Ostfrank­reich ist, so weit bis jetzt die Irachrichten vorliegen, nur von drei Bewerbern zurückgelegt worden, und zwar haben wiederum die beiden Bleriot-Fahrer, Leb laue und Au­ll run, sich die ersten Plätze gesichert. Sie erschienen fast gleichzeitig gegen 8 Uhr den Blicken der versammelten Menge in der Nähe des Zieles bei Naney und landeten in zwei Minuten Zeitunterschied ohne Schwierigkeit, Leblanc abermals vor Anbrun. Lindpaintner, der zuerst von Troyes aufgeflogen war, steuerte anfangs sehr kräftig und gut, mußte aber ungefähr in der Mitte der Strecke bei Bal­leret niedergehen, weit an seinem Apparat ein kleiner Defekt hervorgetrelen war. Lindpaintner hat sich sehr übermittelt mit seinem Automobil nach Bussy begeben und ist dort in tiefen Schlaf gesunken. Es scheint erwiesen, daß die Luft­strömungen die Zweidecker viel mehr h em - men als die leichten und geschmeidigen Ein­decker Blsriots, deren Triumph für Iden Augenblick als unzweifelhaft bezeichnet werden muß. Das Wetter war sehr schlecht geworden und die vier Flieger, die von Troyes sich auf den Weg machten, hatten viel unter dem Regen und besonders unter den starken Luftströmungen zu leiden. Sie erklären, daß sie nur mit wahrer Akrovaten-Gescbick^ lichkeit sich in den Lüften zu halten vermochten. Die beiden ersten brauchten ungefähr 21/3 Stunden zu den 160 Kilo­metern und der dritte, der bisher eingetroffen ist, Legagneux über 5 Stunden.

Der Ueberlandflug hat die patriotische Fiber der Fran­zosen stark zum vibrieren gebracht. Aus den Erklärungen des Führers der Radfahrer-Kompagnie, Hauptmann S a u - vain, der die Operationen gegen die von Troyes nach Nancy heraufkommenden Flugmaschineu leitete, geht ent­schieden hervor, daß ihr Missuchen und Verjagen ober Un­schädlichmachen sich sehr leicht gestaltete. Im vorliegen­den Falle wurden die Eindecker Leblancs und Aubruns als Feinde betrachtet, und deshalb wird der Ausgang als französischer Erfolg bezeichnet. Aber die Logik erfordert

abgeben konnte.

Die Kretafrage steht im allgemeinen noch auf dem­selben Punkte. Wenn die Kreter am 21. August Abgeord­nete in die griechische Nationalversammlung wählen und damit die Souveränitätsrechte des Sultans über die Insel verletzen, werden die Schutzmächte aktiv zu Gunsten des Sultans einschreiten und die Türkei dieses Vorgehen der Kreter als casus belli gegen Griechenland betrachten. Tie Frage dabei ist nur, ob nicht aus Kreta dann ein Ausstand ausbricht, und ob nicht die nationalistische Strömung in Griechenland dann in einer Weife Oberwasser gewinnt, daß die Türkei trotz aller Vorstellungen der Mächte gezwungen ist, zu den Waffen zu greifen. Daß die Türkei diesen Fall, nachdem man in Athen den kretischen Mgeordneten 'echs Mandate reserviert hat und nachdem griechische Soldaten wieder die türkische Grenze zu überschreiten aufangen, nicht für ausgeschlossen hält, daraus weisen schon zur Genüge die türkischen Schifssanläuse in Deutschland hin

Die Gefahr des Ausbruchs eines griechisch^türkischen Krieges wäre vielleicht nicht so nahegerückt, wenn Griechen­land auf sich allein angewiesen wäre. Dem^ ist aber leider nicht so. Zu dem griechisch-türkischen Streit über die Kreta­frage gesellt sich ter bulgarisch-türkische über die Behandlung der in Mazedonien lebenden Bulgaren. Be­kanntlich will die Türkei, um in Mazedonien endlich den ewigen Baudeukämpsen ein Ziel zu setzen, die dort lebenden remben Nationalitäten entwaffnen, finbet aber badet seitens )er Bulgaren ben größten Wiberstanb. Es mag ja jein, baß die Entwaffnung sich nicht immer in einwandfreien Formen vollzieht, baß vielmehr hie türkischen Behörden öfter gezwungen sind, zu Gewaltmaßregeln ihre Zuslucht zu nehmen. Aber keinesfalls sollte das für die Sofioten einen Grond abgeben, den Widerstand der bulgarischen Mazedonier gegen die Behörden noch weiter zu schüren und damit in die inneren Angelegenheiten der Türkei einzu­greisen. Das muß sich die Pforte ganz entschieden ver­bitten, zumal die bulgarische Regierung selbst dahintersteckt, die, wie es heißt, jetzt mehr denn je entschlossen ist, die mazedonische Frage einer internationalen Untersuchung zu unterbreiten, und in diesem Sinne schon bei den Groß­mächten vorstellig geworden ist. In Konstantinopel will man davon natürlich nichts wissen, weil man dadurch eine Schmälerung des mühsam errungenen Ansehens der Türkei befürchtet, und auch die Mächte werden sich wohl hüten, wieder ihre Hand in das magyarische Feuer zu legen, ha dieses bann nur umso leichter den ganzen Balkan in Brand setzen könnte. Aber Bulgarien, dessen ganze innerpolitische Verhältnisse mit der Lösung der mazedonischen Frage aufs engste verquickt sind, wird schwerlich klein beigeben. Viel­mehr scheint die Nachricht von der plötzlichen Rückkehr des Zaren Ferdinand nach Sofia, sowie die Meldung, daß 60000 Mann zu den Mitte September stattfindenden Manövern einberufen werden sollen, darauf hinzubeuten, bah Bul-

Die Lage in Persien.

Das neue persische Kabinett Mustaufi Memalik, bas erst seit einigen Wochen am Ruder ist, hat einen energischen Vorstoß gemacht, um bie volle Selbständigkeit und Ober­hand zu bekommen. Die früheren Freiheitskämpfer Satar Khan und Baghir Khan, die sich in den Kämpfen gegen den früheren Schah hervorgetan hatten, wollten sich dem neuen Gebote, die Waffen mederzulegen, nicht fügen, und ihre bisherige einflußreiche Rolle weiter spielen. ^>as führte zu den bekannten Kämpfen, über die wir berichtet haben, in denen die genannten Führer gefangen genommen wurden. Uns ist heute noch folgender Bericht aus London zugegangen, der manches Neue bringt:

L London, 10. August.

lieber die Wirren in Persien bringt derStandard" heute doch, daß die Nutzanwendung ebenso gut für die Feinde, wie für die Franzosen besteht, daß also das Aufstöbern der Flugapparate mit den zu Gebote stehenden militärischen Mitteln gerade nach diesen französischen Uebungen den deutschen Truppen ebenso leicht möglich wäre. Hauptmann Sauvain hob hervor:

Ta die Flugapparate von Nancy erwartet wurden, sah ich sie als Feinde an. Sie waren nicht benachrichtigt, daß wir gegen sie marschierten. Die wahren Bedingungen tes Krieges sind also völlig verwirklicht. Tie Zone, in der bie Aeroplans überrascht wurden, konnte mithin als für sie frei angesehen werden, da die Entfernung von unserer Armee 150 Kilometer betrag Unser Angriff konnte unter ben Bebingungen, wie er ausgeführt wurde, entweder die Lust-Eclaireurs zerstören, oder sie ernst­haft behindern, indem er sie entweder zwang, ihre Bahn zu ver­lassen und über waldige und hügelige Gegenden sich zu ftüchten, die für sie in jeder Hinsicht gefährlich sind, oder indem er sie veranlaßte, so hoch zu steigen, daß sie nicht mehr gut beobachten konnten, was unten vorging und in ihrer Stabilität gefährdet wurden." r

Tatsächlich hat nun auch eine Patrouille der Radfahrer die beiden Eindecker Leblancs und Aubruns überrascht und hätte sie im Ernstfälle vernichtet. Allerdings hatten jbie Flieger ja, weil sie eben nicht daraus vorbereitet Umreu, auch keine Vorsichtsmaßregeln ergriffen, bie sie im Kriege vielleicht gerettet hätten. Natürlich kann es Keinem einfallen, bie große Bebeutung her Flugapparate auch für ben Kriegsfall abzuleugnen; nur gegen bie Uebertreibungeu, wie sie bie Franzosen |in ihrer Begeisterung sich leisten, muß man sich verwahren. Von Ueberschwänglichkeiten ist auch ein Artikel bes bekannten Gelehrten Painleve, ber als Sozialist ber Kammer angehört, nicht ganz frei, obgleich natürlich in ihm, wie er imMatin" veröffentlicht wirb, nur bie friebfertige Tragweite ter gewaltigen Errungen­schaft ins Lluge gefaßt wirb. Als Lehren zieht er folgende aus bem bisherigen Verlaufe des Ueberlandsluges:

Vor allem geht aus dieser großartigen Prüfung, wie aus allen vorhergegangenen hervor, daß die Franzosen sozusagen ge­borene Flieger sind. Der Zufall allein könnte übrigens nicht erklären, daß Frankreich, bevor es die Wiege der Flugtechnik wurde, hintereinander die Montgolfiöre, den Luft- und den Lenk­ballon geschaffen hat, von dem Unterseeboote gar nicht zu reden. Tie Vorzüge unserer Rasse rechtfertigen die hervorragende Rolle,

Während sich bas Verhältnis zwischen Serbien unb ber Türkei augenblicklich freunbschaftlicher gestaltet hat, weil man in Konstantinopel ben Vorstellungen hinsichtlich einer besseren Behanblung ber in Mazedonien lebenden Serben bis zu einem gewissen Grade Gehör gegeben hat, haben bie türkisch-griechischen unb bie türkisch-bulgarischen An­gelegenheiten hinsichtlich der Kretafrage unb ber rnazeboni- schen Frage neuerbings eine Verschärfung erfahren, ja, es ist bazu noch ein ernsthafter russisch-türkischer Zwischenfall getreten, so baß bie Lage auf dem Balkan heute nicht mehr o frieblich aussieht, wie noch vor einigen Wochen, wo allein