Ausgabe 
9.4.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

rgen

ZERT

Entree frei

ZERT

Anfang 8 Uhr.

21«

BZÄB

urant Metropol

2145

2153

April 1910-

ne reichhaltige Speisekarte nptehlung.

Redaktion, Expedition und Drucker«: Schul- slrave 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:«« 112. Tel.-Abr.:AnzeigerGießen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

ialitäten = see mit Eeis.

L tortue.

See. Madeira, dien in Burgunder. - Eagout fin.

Die Stimmung in Marseille.

O Paris, 7. April.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. April 1910.

Ordensauszeichnung. Der König von Preußen hat dem Fabrikanten Fritz Opel zu Rüsselsheim a. M. den Kronenorden vierter Klasse verliehen.

11366 kniend

raut Metropol.

Schmalzigang.

Gperetten-Smtflut.

In der Allgemeinen Buchhändler-Zeitung, Leipzig, veröffentlicht Ern st Challier sen. nachstehende Aus- lührungen, die wir auch für weitere Kreise mittetlensivert halten:

Wenn die ersten Schwalben aus dem Süden wieder zu uns ui rückkehren, so ist das ein Zeichen, das; wir bald auf Mildere Lüfte zählen können, und wenn in den Theatern der Großstädte die alten unverwüstlichen Operetten von Job Strauß und Jac. Offenbach sich einstellen, so kann man mit ziemlicher Sicherheit ein Fehlen zugkräftiger Novitäten auf diesem Gebiete feftstellen. Eme Schwalbe macht ja noch keinen Sommer, und ebensowenig läßt ein Strauß oder Offenbach auf vollständige Novitätenverkalkung Ichlietzen. Noch lebtDer Graf von Luxemburg",Die geschiedene Frau",Ter fidele Bauer",Die Dollar-Prinzessin" und selbst die olle, ehrliche, lustige Witwe". Aber die Serien werden kürzer, unb es will mir scheinen, daß ich nun mein Versprechen einlösen itnb die Anzahl der seil den; Jahre 1906 bis 1910 auige'ührlen C-peretten nennen darf. Ich tue das unter Ausschluß aller der heben nächsten Verwandten der Operette, die unter den Namen komische Oper", ..musikalische Posse",musikalische Revue", 'Liederspiele",Singspiele", mit mehr oder weniger Berechtigung, sich dem kunstsinnigen oder -unsinnigen Publikum empfohlen halten.

Das Jahr 1906 wähle ich als Ausgangspunkt, weil ihm die hebe Ehre zuteil geworden war, in seinem VerlaufDie lustige Witwe" erstehen zu sehen, deren Erfolge die Jagd nach dem gleichen Glück, wenn auch nicht einführte, so doch mächtig förderte. 1906 schenkte uns 29, 1907 31, 1908 25, 1909 38: das sind in Summa 123 Operetten. Hiervon erschienen in Berlin 30, in Budapest 12, L einzig 31, in Wien 31, die weiteren 16 verteilen sich aus andere Plätze. Leipzig hätte eigentlich an Wien 17 abzugeben, da der Perlag Weinberg, der diese erkleckliche Zahl für sich in Anspruch nimmt, in Wien heimatlich ist, während Leipzig nur seinen Stapel- platz bildet. 41 Verleger sind Eigentümer dieser 123 Operetten: 2*7 davon besitzen eine, 6 zwei, 2 je drei, vier und fünf, einer sechs, ij.er Harmonie-Verlag, Berlin, zehn, Bürd & Bruder, Budapest, zivölf, Döblinger, Wien, dreizehn und Weinberg, wie schon bemerkt, li.ebzehn. 78 Komponisten Haden diese 123 Bühnenwerke geschaffen, d avou begnügten sich 58 mit einer, 9 mit zwei, 2 mit drei, 6 mit vier «Fall, Lehür, Lincke, Reinhard, Straus und Ziehrer), 2 mit fünf (Albini und V. Hollaender), E. Eysler prangt mit der stolzen a^ahl sieben an der Spitze, wenn er auch hier am Schlüsse stehl.

Den größten Erfolg hat unstreitig Lehür mit der lustigen Wuive jn verzeichnen; die anderen in einer auch nur einigermaßen zu- tneffenden Abstufung aufzuzählen, halte ich für ganz ausgeschlossen, uinb ebenso unmöglich ist es, die Summen auch nur annähernd an- ziudeuten, die für. Honorare und Herstellungskosten, ausgegeben wurden oder den Verlegern durch Verkauf des Notenmoterials, den

DieGletzener Zamilienblätter" werben bem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, bas '.Eretsblott für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen** erscheinen monatlich zweimal.

andere Dampfer gingen mit gemischter Mannschaft nach Korsika, Alexandrien und dem Pyräus.

Dünkirchen, 8. April. Aus einen Vermittelungsvorschlag des Umecpräsekten, der von den Hafenarbeitern angenommen wurde, haben die Arbeitgeber beschlossen, die Aussperrung auszuheben.

w ScbmalzW dENU ie pochierte Eiet ogen gebacken e Bemoalade mdenetück £opUalat jisch-Eii

Die preutzische wahirechlsresorm und die $raftionen.

Berlin, 8. April.

Wie wir von gutunterrichteter Seite hören, werden Jerhandlungen über eine Verständigung über das Wahlrecht im Ab geordneten Hause nicht mehr eröffnet werden. Man ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß. eine Einigung nicht möglich ist, weil die liberalen Wünsche z u weit gehen und das Zentrum bei Berücksicht gung der Wünsche betreffs Drittelung in den Abstimmung.!) zicken gegen das Gesetz stimmen werde und von den Liberalen nicht garantiert werden kann, ob sie nach Berücksichtigung dieses Wunsches für die Vorlage stimmen werden. Tie Vorlage würde also gefährdet werden. In liberalen Kreisen gewinnt ie Stimmung auch Oberhand, daß es taktischer richtig ei, gegen die Vorlage zu stimmen. An ein Eingreifen > e r Regierung im jetzigen Stadium glaubt in a n nicht, nachdem die Regierung zwischen der zweiten und dritten Lesung wenig Geschick gezeigt hatte. Tie Schlusz- abstimmung am 12. April wird eine Aenderung der nsherigen Beschlüsse nicht herbeiführen und auch größere Erörterungen nicht Hervorrufen. Maßgebend für diese taftif ist der Umstand, daß etwaige Aenderungen am 12. April eine nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen be­dingen und die Vorlage alsdann im Herrenhause erst nach Psingsten beraten werden kann. Man nimmt als sicher an, daß die Vorlage aus dem Herren Hause nochmals an dos Abgeordnetenhaus gelangen wird. Unter normalen Zu­ständen könnte dies aber erst Ende Mai erfolgen.

K-KM

ihrer Stellung nicht gefällt unb die lieber zur Vergiftung des ihrer Obhut anuertrauten Kindes ober zur Brandstiftung statt zur Kündigung greifen, die vielleicht zu einem Konflikt mit Eltern und Vormündern führt. Diese Hoffnung, auf solche Weise 'drücken­der Fesseln ledig zu werden, rumort aber auch in zahllosen, längst Erwachsenen mit hhsteril ck>-epileptischer Veranlagung, bei denen der anormale Geisteszustand keineswegs immer mit Händen zu greisen sein muß. Gänzlich neu ist für die psych« logische Forschung der von Prof. Münster berg in die Wissenschaft angeführte Begriff emotionalD dead" (gefühlstot), eine Eigenschaft, die sich bei der Mehrzahl der schweren Verbrecher feststellen läßt. Ihr eigenes Empfindimgsvermögen sdeht tief unter dem Durchschnitt, so daß ie zumeist tvrperlch sehr schmerzhafte Eingriffe ohne besondere: Schmerzäußerung ertragen. Sie säen um sich herum fömnich Unheil wie Mord, Brand, Bombenerplosionen, ohne an das Lech ihrer Opfer zu denken, erscheinen aber keineswegs als unzurech-i mmgsfähig im Sinne strafrechtlicher Verantwortlichkeit, da sie meistens ein scharfes Abschätzungsvernwgcn für alles, waS ihre Freiheit einschränkt und ihnen Unlust erregt, an den Tag legen.

Kleine Chronik aus Sun ft und Wissenscha ft. Ter deutsche Verein für Knabenhan dar beit halt feine 20. Versammlung vom 20.22. Alai d. I. in Dortmund. Die Verhau dlnngSgegenstände haben diesma l eine besondere Wichtigkeit, da zum ersten Dial die fetzt lebhaft erörterte Frage derArbeitsschule" und desWerkunterrichts", durch die Schulräte Scherer-Büdingen und Tr. Loeweneck- Augsburg verhandelt wirb. Dr. Wilhelm S ch e f f e r, Lektor für praktische Photographie an der Berliner Universität, der zum, Professor ernannt wurde, ist 1871 zu Pfungstadt bei Darmstadt geboren, hat zuerst Medizin studiert und späterhin als Assistenzarzt Physik und Mathematik. Er hat sich besonders mit physiologi­scher Optik, der physikalischen Seite der Photographie und der Mikroskopie beschäftigt. Professor Metschnikow vom Pasteur- Institut in Paris teilte der Akademie der Wissenschaften nut, daß es ihm gelungen sei, bei einem jungen Schimpansen Unter­leibstyphus hervorzurufen, dem das Tier erlag. Tas ist das erstemal, daß die bisher vergebens versuchte Uebertrogung des echten menschlichen Typhus auf Tiere gelungen .st. Ter erfolgreiche Tierversuch ei öffnet der Behandlung der Krankheit neue Aussichten. - Vom 19. bis 22. April wird in Innsbruck em Kongreß für experimentelle Psychologie abgehalten werben, mit bem eine Ausstellung oerbunben sei:: wirb. Die 50jährige Doktor- ieier begeht am 10. April ber Straßburger Rechtslehrer Dr. jur. August Sigmunb Schultze. Schultze ist am 28. April 1833 in Greifswald geboren. In Dresben ist am 7. bs. ber Prä­sident des Kgl. sächsischen Lanbesmebizinalkollegiums Geh. Rar Tr. meb. Anton Louis Vuschbeck im Alter von 70 Jahren ge­storben. Er war Mitglied des Reichsgesundheitsrates.

Unter beit Hanbelsmatrosen von Marseille scheint bas energische Vorgehen ber Regierung unb Herrn Cherons nicht einbruckslos zu bleiben und eine ganze Masse der Aus- ft-änbigat ist bereits, Wenn auch ängstlich vor Len lieber» griffen ber revolutionären Mitglieder bes Syndikats, auf ihren Posten Mrückgelehrt. Aber barum bleibt die Lage noch immer sehr gespannt. Tie Regierung läßt nicht von ihrer Haltung, dieses Mal rücksichtslos ein Beispiel auf- nüftefleu unb bie Strenge des Gesetzes schonungslos an- üirwenben. Ter Unterstaatssel'retär im Marinennnisterium erl'lärt laut in Marseille, er habe alle Anordnungen ge­troffen, um im Notfälle innerhalb vierundzwanzig Stunden alPeJnscrits Maritimes" von Marseille zu ersetzen, ohne doß dabei bas Gesetz, das die Anwerbung ber Hanbels- motrosen regelt, im mindesten durchbrochen würde. 0?ach anderweitigen Mitteilungen würde man zu diesem Ergeb- ntsse ganz einfach dadurch gelangen, daß man den letzten Zcihr gang der Jnscrits wieder einb ernst. Diese mtiffen nämlich fünf Jahre Dienst leisten unb weitere zwei Jahre disponibel bleiben. Tu sie nun aber schon nach vierzig Monaten aus dem Militärdienste entlassen werden, so kann man leicht die Kadres ohne Mobilmachung ver- vo llständigen, indem man von den bereits heimgesandten Matrosen die Erfüllung der restierenden DiensHeit ver­langt. Dazu genügt ein Dekret, für das die Regierung keine Ermächtigung seitens des Parlaments bedarf.

Paris, 8. April. Die heutigen Berichte über den Marseiller Ausstand lauten zumeist recht optimistisch. Die Drohung, daß das Marinemiiüsterinm die eingeschriebenen See­leute der letzten Altersklasse erforderlichenfalls unter die Fahnen einberufen werbe, hat sichtlich gewirkt. Der Pariser revolutio­näre Allgemeine Arbeirerverband hat seinen Sekretär nach Mar­seille entsandt, um die Streikbewegung zu führen; doch glaubt man in Regierungskreisen, daß alle Bemühungen ber Streik­führer nunmehr vergeblich bleiben werben .

Der Ministerrat beschäftigte fick im Elysse mit bem Ausstande in Marseille. Tie letzten Nachrichten lassen erhoffen, daß ber Streik binnen kurz em beigelegt sein wirb.

Marseille, 8. April. Der PostdampferP h r h b i e" ist mit vollstänbiger, aus eingeschriebenen Seeleuten bestehender Mannschaft nach Konstantinopel in See gegangen. Bier

** Rus zum Turnen. Mit dem Schluffe des letzten Schuljahres ist für manchen Knaben die schöne Zeit vorbei, in der er mit gleichalterigen Schulkameraden die freie Zeit beim Spiel verbringen konnte. Jetzt kommen die Lehr­jahre, in denen der weitaus größte Teil des Tages in der Werkstatt, der Fabrik, der Schreibstube oder int Laden zu­gebracht werben muß. In bieser Zeit, die mit der Ent­wickelung des menschlichen Körpers so eng verbunden ist, ist es doppelt wichtig, daß die jungen Leute nach der meist einseitigen Berufstätigieit die Feierabendstunden richtig, d. h. ihrer Gesundheit dienlich ausnützen. Es ist deshalb eine sittliche Pflicht der Eltern und Lehrherrn, dahin zu wirken, daß ihre Pflegebefohlenen durch körperliche Hebungen ihre

Komponisten unb Verlegern für Aufführungsrecht, Tantiemen ufw. wieder zuflossen. Sicher ist nur, daß die Mehrzahl der Operetten in der großen Musiklotterie Nieten waren. Die Berge von Maku­latur, die sich dadurch bei den Verlegern aufaetürint haben, werden ja auch ihre Verwendung finden, aber in ganz anderem Sinne, als die Bergbesitzer sich das gedacht hatten:In einem kühlen Grunde, da geht em Mühlenrad", dort werden die stummen und doch fo beredten Zeugen der UeberprobuEtion, die als Druckpapier ihren Beruf verfehlten, ihrer Auferstehung als Packpapier entgegengehen.

*

Ureis in Eurvpa. In der französischen Akademie ber Wissenschaften berichtete Lacrvix von zir?i großen Lagerungen von Ureis in Nowaja Semlja, bie im Golf von Krestowa ja von dem russischen Gelehrten Russanow entdeckt worden ist. Tie eine Schlicht Hal eine Länge von 500 Metern, die andere von 1 Km. Diese Lagerung des Ureises ist etwa 1,50 Meter hoch und an der Oberfläche durch eine Schicht von Sand und Schutt bedeckt, die etwa 1 Meter Höhe mißt. Sie zieht sich Hunderte von Metern weit an der Küste entlang und verliert sich schließlich int Meere. Eine Reihe besonderer Anzeichen beweisen den uralten Ursprung. Die Entdeckung Russanows ist von besonderem Interesse, weil man bisher in Europa nie Ureis gefunden hat. Nur in Sibirien und Alaska wurden ähnliche, uralte Eisgebilde entdeckt.

Vom B r a n d stis tun g s t r ieb. Heber die krankhafte Neigung zu Brandstiftungen, die oft in einzelnen Gegenden einen epidemischen Charakter annim'mt, bringt ein von Pros. Trevelyan vor kurzem in der Smith-Association gehaltener Vortrag wichtiges Material. Ueberall, wo nicht Unvorsichtigkeit, Rachsucht oder die Spekulation auf die Versicherungsprämie die Triebfedern sind, zeigt sich als letzter Grund nur geistige Minderwertigkeit, ein Be­griff, der freüid! nur dann Leben gewinnt, wenn man auf die Individualität des ein,-einen VerbrÄ/ers eingeht. Herostratos, der in der Geburtsnacht des großen Alexanders den Tempel der ephetischen Tiana an zündet, ist der Typus jener Brandstifter, die sich durch ihre Tat nur einen Namen machen und eine Rolle spielen wollen Ihnen nahe stehen diejenigen, die sich mit dem inneren Bewußtsein der Täterschaft begnügen und einen Reiz darin finden, unerkannt durch die nach ihnen suchende Menge zu gehen. Nahe verwandt ist auch, die Gruppe derjenigen, die beim Anblick des Per­ursack t.n Unheils von Lustgefühlen erregt werden, bie dem Sadis­mus ähneln. Weit größer aber ist die Zahl -der erwachsenen und namentlich jugendlichen Brandstifter, bereu defektes Tenken sich in der Wahl der zu einem bestimmten ZnM führenden.Wege gänzlich vergreist, die an den für den gesunden Verstand am nächsten liegen­den Mittel Vorbeigehen, um ein ganz unsinniges zu wählen, wenn sie dadurch nur für den Augenblick den Erfolg erzielen, aus einer ihnen unbequemen Lage herauszuöom'men. Hierher gehören bie zahlreichen Kindermädchen und andere Dienstboten, denen es in

mit(^1

*

SäiAÄ»«.

*

n

ss*»

-^!!°nAlbert9}flhhl - ihÖhT

ien Taale

-MO.

« Nimettt6,SaL,

J---Eintritt 40 y

Kraft unb Gesundheit fick erhalten und sckhlen. --^ognr alle den Satz beherzigen, dessen Richtigkeit schon un Uldew« tum erkannt worben ist:Rnr tn einem gejunden D,rper wohnt ein gesnnber Geist!" Tie Gelegenheit, Körper und Geist zu stählen, bietet sich heute in allen ber rutschen Turnerschaft angehörigen Tnrnv er ein en, die über­nommen haben, junge Leute im Alter von 14 bis 18 ^cihren als Zöglinge auszubilben und sie so einmal an Zucht und Ordnung zu gewöhnen, zum anderen aber auch den gefähr­lichen Lockungen schlechter Gesellschaft zu entziehen. Wrr empfehlen daher den jungen Leuten sehr den Eintritt in die beutsche,i Turnvereine. (Siehe Anzeige des Männer-Turnvereins im Anzeigenteil.)

"Der Kauf m. Verein w c i b l. Angestellte r hier bat an den Reichstag eine Eingabe gerichtet mit der Bitte, zugleich mit der Errichtung von Ardeitskamme r n Die Schaff­ung einer gesetzlichen Interessenvertretung tu r Die i) a n b l u ti g § g e h i H e it zu beschließen. Seine Forderungen an solche Interessenvertretung stellt der Verein in 20 ''.^^undsatzen auf, aus denen tzervorgeboben seien: Lückenlos sind für das ganze Reich kaufmännische Standesvertretungen auf paritaiischer GrunD- laqe zu schaffen, entweder in Form von besonderen üanfmanns- kammeru oder als selbständige Ableilungeu der Arbeitskammern. Tie Kammern sind auf territorialer Grundlage zu errichten. Mit Jnlrafttreteii der Kauimannskammern ist den Kauimannsgerichten die gutacksilrche Tätigkeit zu entziehen und die fozialpolitische Tang- feit der Handelskammern vollständig ausziischaiten. ^,aS aiuoe Wahlrecht stehtJJlännetn und Frauen mit vollendetem 21., das vaisive Wahlrecht Aiännern und Frauen nut vollendetem 2o. Lebens- jahrc zu, auch den Angestellten der Berufsorganisationen. -Lie Wahlen erfolgen nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und ge° tzeimcn Wahlrecht nach den Grundsätzen der Verhällniswahl. ~)ie Xloflcn der Kaufmannskammern trägt das Reich.j.IC IDCttcn

Forderungen betreffen die Aufgaben der Kammern, die Wahl Des Vorsitzenden, die Mandatsdauer der Kammermitglieder u. a. m. Ein gleiche Eingabe haben DieVerbündeten kaiifmanmichen Ver­eine für weibliche Angestellte", denen der hiesige Verein an geh ort, an das Reichsamt des Innern und an den Bundesrat gerichtet.

Eine Warnung für junge Alädchen. dur Die Brüsseler Weltausstellung werden jetztgebildete, nette junge Alädchen" gesucht. Wie dieTägl. Rundschau" nütteiü, gmg 1 kürzlich einer Bewerberin folgendes Schreiben 311: * Amsterdam. Lehr geehrtes Fräulein! Antwortlich Ihres Bewerbungsschreibens teile ich Ihnen mit, daß Sie in einer vornehmen -teeltube mnev halb der Ausstellung tätig sein können. Sprackstenntniffe nicht ec- iorderlich, dagegen nettes Aussehen und Gewandtheit tm Verkehr mit dem Publikum. Für diesen Posten werden Ihnen lo0 6r.

1 monatliches festes Salär und 50 Fr. Reiseentschadigung bei Ihrer Rückkehr bewilligt. Außerdem erhalten Sie 5 v. H. von Ihrem

: gesamten Umsatz. Wenn Ihnen diese Position zusagt, wollen tote , umgehend die beiliegende Annahmeerklärung unterschreiben und - nebst 5,10 Alk. für Äiisfertigungsgebühren uni) Auslagen an mich einsenden. Dann werde ich Ihnen den Anstellungsvertrag uber- ' Mitteln." Die Bewerberin fragte daraufhin an, weshalb Die ' 5,lo Alk. nicht vom ersten Gehalt abgezogen würden. Auch ver­langte sie mindestens bie Hälste der Reiieenlschädlgung gleich nach Ankunft. Sie erhielt auf dieses Schreiben keine Antwort. Wie Die Morgenpost" hört, sollen schon verschiedene junge Mädchen aus Berlin derartige Anstellungsverträge abgeschlossen haben. ^ie Lache macht einen sehr wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Schon der Umstand, daß die Antwortschreiben aus Amsterdam, einem der Hcmptorle des Mädchenhandels, kommen, gibt zu denken. Besonders verdächtig ist aber, daß bie jungen i.äDchen für ^.ee!luden gesucht werben. Jeber, ber Brüssel kennt, weiß, was er von ben dortigen Teestuben, die einen ganz anderen 'Jiamen verdienen, zu halten hat. Junge Mädchen, bie ohne genügende Geldmittel und ohne genaue Kenntnis der iranzösischen Sprache nach Brüssel gehen, können, ialls sie in solche Häuser verschleppt werden, in die grauten Gefahren geraten, und es Dürfte ihnen schwer winden, sich wieder zu befreien. Bor der Annahme derartiger Stellungen mutz dringeab gewarnt werden. Für ein Monatsgehalt von 150 Fr. Hub, sofern es sich um eine einwandfreie Beschäftigung handelt, m Belgien tausende junger Mädchen zu haben. Das Gesuch in deutschen Zeitungen ist also an sich schon äußerst verdächtig.

** Schüler fahrt an bie Wasserkante. Der hessische Landesverband desT eutfdjcn Flottenver- i n s" veranstaltet dieses Jähr wieder eine SchülerfahrL an die Wasserlante. Tie Fahrt erfolgt unter der Führung bes Schatzmeisters, Hauptmann a. D. V 0 llmar in dem

politische Sagesschan.

Eine Geldvermiltlnngtzstelle für Großstädte.

Im Oktober v. I. war in Kassel bei einer Beratung von Finanzdezernenten einer Anzahl größerer Städte be­schlossen worden, der Errichtung einer Geldvermittlungs­stelle für den vorübergehenden Austausch verfügbarer Bar­mittel zwischen den größeren deutschen Stadtverwaltungen näher zu treten. Der zur Ausarbeitung entsprechender Be­stimmungen eingesetzte Ausschuß hat nun den Entwurf an­fangs Januar dieses Jahres den 54 deutschen Stabten mit über 80000 Einwohnern mit bem Ersuchen um Beitritts­erklärung übersandt. Schon damals war, so leien wir in derKöln. Ztg.", zwischen einigen ber in Betracht Jom- menben Städte versuchsweise ber Austausch tierfugbarer Barmittel eingerichtet, ber recht günstige Ergebnifse er­zielte, da sowohl die vorübergehend aeldgebenden, als auch bie aelbsuchenben Stabte nicht unerhebliche Zinsporterle ve^ zcichnen konnten. Bei den großen Summen, um bte es sich bei den vorübergehenden Geldvermittlungen in den meisten Fällen handelt, fällt ein Zinsgewinn schon für wenige Wochen recht erheblich ins Gewicht.

-Die Geldvermittlungsstelle nimmt nun mit bem 1. April biefes Jahres endgültig ihre Tätigkeit auf. Sie hat ihren Sitz in Kassel unb steht unter Leitung des Kasseler Magi­strats. Ter Vermittlungsstelle können sich, den Bestim- mungen zufolge, alle deutschen Städte mit mehr als 80 600 Einwohnern anschließen. Die angeschlossenen Vereine haben, sobald sie Gelb abzugeben oder aufzunehmen wünschen- ber Vermittlungsstelle Mitteilung zu machen über die Hohe des Bettages und bie Zeitbauer, für bie bas Geld gewünscht ober zur Verfügung gestellt wird. Auf Grund dieser An­meldungen bringt die Vermittlungsstelle die krebitsuchen- Den mit ben kreditanbietenden Städten in Verbindung. Tw endgültigen Abmachungen bleiben ben beteiligten Stäbten überlassen. Tie Vermittlungsstelle berechnet feine Ge­bühren. Zur Deckung ber Uniosten zahlt jede abgeschlossene Stadt einen Verwaltungstostenbeitrag von zunächst jährlich 10 Mark. Bis jetzt sind beigetreten bie Stäbte: Altona, Augsburg, Barmen, Bochum, Bonn, Breslau, Kassel, Char- lottenburg, Köln, Krefeld, Danzig, Dortmund, Duisburg, Tüfseldorf, Elberfeld, Erfurt, Essen, Frankfurt a. M,, Frei­burg i. Br., Gelsenkirchen, Hagen, Halle a. S., Karlsruhe, Kiel, Leipzig, Lubw-tZsburg, Magdeburg, Mannheim, Mül­hausen i. (£., München, Nürnberg, Posen, Rixdorf, Saar­brücken, Schöneberg, Stettin, Sttaßibura i. E, Wiesbaden. Weitere Städte haben ihren Beitritt in Aussicht gestellt.

hurl eines Ses,,,den l^reUt

iw.«*1*

»r. 82 Zweites Blatt 160. Jahrganq Samstag 0. April 1910

Lrlcheiw ti-Nch mit Ausnahme des Sonntag». Gießener Anzeiger

General-Anzeißer für Oherhejstn