Ausgabe 
2.5.1910 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Tas Gfcrüfjt erkannte auf f ü n

re und acht Monate

DieSiebener Knnilienblätter" werden dem Slngetger' viermal wöchentlich beigelegt, das 'Krelsblott für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Montag Ä. Mai 1910

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Sport.

GBad-Nauhei>n, 1. Mai. Ter I. Fuß b allo er ein (Verein für Bewegungsspiele) hat die Gründung einer Damen- a b t e r l u n g für Faust-, Tamburinball- und Lawn-TenniSspiel be­schlossen. Ter Verein hat seine diesjährige Spielzeit wieder aus Dem städtischen Spielplatz hinter der Boniiaziuslirche begonnen. Heute nachmittag kamen Wettspiele mit dem Fußballklub fSot- Ijeim* und Dent Fußballklub .Olympia*-Friedberg zum Austrag. Aus beiden ging die hiesige Mannschaft als Sieger hervor.

Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust unter 'Anrechnung vor zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft.

Ter Fall Hofrichter.

Wien, 30. April. Tas Verhör der Frau Hofrichtcr wurde heute fortgesetzt. An ihre Mitschuld wird nicht geglaubt Frau Hofrichtcr wurde heute abend aus bem Polizeigetvahrsam entlassen, doch wird die UntcBuchung wegen -es dringenden Verdachtes des Verbrechens der salichen Zeugenaussage gegen sie fortgesetzt. Dem hiesigen Sicherheitsbureau ist aus Essen a. d. R. die Mitteilung zugekommen, ein feit dem 16. April dort in Haft befindlicher Chemiker, bei dem Eyankali gefunden wurde, gab an, daß er eine Stange von diesem Eyankali seinerzeit Hofrichtcr übergeben habe, den er zufällig auf der Reife kennen gelernt habe.

gtebaftion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adru AnzeigerEießen.

Gerichrssaal.

Frankfurt a. M., 30. April. Tas Gericht verurteilte Willhardt unter Anrechnung von vier Monaten der Unter suchungs- haft wegen Unterschlagung und Urlundenfälschung zu 3 Jahren 6 M o naten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. In der Urteilsbegründung heißt es: Der Angeklagte hat von 1900 bis 1909 etwa 600 000 Mark sich rechtswidrig zugeeignct und lh> künden, nämlich Quittungen der Äunben und Bestätigungsschreiben über Kontoauszüge gefälscht. Tas Gericht hat des längeren ge- prüft, ob mildernde Umstände vorliegcn. Diese Frage ist ver neint worden. Es war auch nicht mildernd zu berücksichtigen, daß er nickst bestraft ist, weil es bestrafte Beamte überhaupt nicht gibt. Mildernd bei der Strafabmessung konnte berücksichtigt werden, daß dem Angeklagten die Unterschlagungen nicht zu schwer gemacht wurden, und ferner war mildernd zu berücksichtigen, daß er seinem Schwiegervater bei der Heirat unrichtige Angaben über seine Gc haltsverhältnisse gemacht hat und so zu Unterschlagungen kam. Bon dem Angeklagten wurde die Strafe angenommen.

Berlin, 30. April. Ter des Mordes an der Verkäuferin Rakowski angeklagte Friseurgehilfe Hans I u n e m a n n war be­kanntlich vom SÄvurgcricht im Januar 1910 wegen Mordes zur Todes st r a f c verurteilt worden. Wegen eines Form fehlers hob das Reichsgericht das Urteil auf. Rach dreitägiger Verhandlung bejahten die Geschworenen beim Landgericht Ber lin l nunmehr nur die Schuldfrage auf Totschlag, Dieb­stahl unb Hehlerei und billigten dem Angeklagten außerdem mil dernde Umstände zu. Ter Staatsanwalt beantragte eine Ge samtstrafe von 5Vs Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust.

Die neuen Aussichten der preuh. Wahlrechtsoorlage.

Unsere Auffassung, daß durch die Beschlüsse des Herren­hauses die Stellungnahme der Parteien aufs Neue ernstlich revidiert werden müßte, wird im allgemeinen auch in der übrigen Presse geäußert, wenn man von den Organen ah- sieht, die von vornherein den StandpunktAlles oder nichts" vertreten haben. Vor allem wird es interessieren, wie die Nationalliberale Partei mit der Lage sich abfinden wird. DieKrcuzzeirung" stimmte den Beschlüssen des Herrenhauses direkt zu, indem sie erklärte, es liege jetzt beim Zentrum und den Nationalliberalen, dafür einzutreten, daß etwas zustande komme. Also werden die Konservativen für die neue "Abmachung zu haben sein. Das Zentrum be­findet sich in einer Zwangslage, denn sie tonnen von sich, allein die Einigung nicht fiitden. Darum wird die preußische Regierung recht haben, wenn sie in einer amtlichen Nottz die Ansicht durchblicken läßt, daß die bewährten Zcntrumsdtplo- malen nicht den ersten Zorn irachgeben, sondern den Weg verfolgen'werden, der ihre Partei positiv fördert oder ihr nicht zum Schaden ausgenutzt werden können. TieNord­deutsche Allgemeine. Zeitung" schreibt:

Das Ergebnis ber Wahlreckstsverhandlungen im Herrenhause wirb Den Forderungen gerecht, die der Ministerpräsident als Bedingungen für die Zustimmung der Staatsregierung bezeichnet hat. Indem nun zwischen den zwei Faktoren der Gesetzgebung ein Einverständnis erzielt worden ist, hat die Wahlrechtsvorlage eine wichtige Etappe auf ihrem Wege zur positiven Erledigung suiüdflclegt. Gleichwohl sind die ferneren Aussichten d e r Vorlage noch unsicher. Im Herrenhause, haben, wie dies in der Diskussion zum Ausdruck gekommen ist, auf den ver­schiedensten Seilen schwere Bedenkeil gegen die Vorlage auch in der jetzigen Form gewaltet. Wenn sich trotzdem eine starke Maiorrtat auf dem Boden der vermittelnden Vorschläge zulammengefunden hat, so geschah es, weil dieser Majorität das Scheitern der Vor­lage und die damit verbundene verschärfte Fortdauer Der Unruhe bedenklicher ersehe.nt, als der Verzicht auf bestimmte Sonder- wünsche unb selbst Opfer prinzipieller Gesichtspunkte. Es ist Damit ein Beispiel gegeben, von dem man nur hoffen kann, daß es im Abgeordnetenhause in weitem Maße wirksam sein möge. Die Parteien, die von der Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen nichts wissen wollen, finden in den für Kompromitz- vorschläge gehaltenen Reden wichtige Argumente für ihre eigene Zustimmung. Ob die Zentrumsfraktion dasun­annehmbar" aussprechen wird, das heute tn einem Teil der Zentrumspresse ertönt, möchten mit noch nicht al3au3> gemacht betrachten. Jedenfalls ist der mehrfach ver­breiteten Annahme, daß der Ministerpräsident dem Zentrum gegen­über eine Politik des Ausschaltens betreiben wolle, der Boden entzogen. Tie Lage ist durch die Verhandlungen des Herrenhauses so wesentlich geklärt. Es ist so manches neue Moment zur Gel­tung gebracht worden, das; keine ParteZ sich der un­befangenen Nachprüfung ihres Standpunktes wird ent-, i eben können. Soll im Abgeordnetenhause ein Abschluß erzielt werden, der dem Vorgang des Herrenhauses entspricht, so wird es allerdings auch dort manches Opfer großer Selbstüberwindung bedürfen.

Tic narionaUibcralcKöln. Z t g" Der tritt den Stand­punkt des Ausgleichs, indem sie schreibt:

Zunächst tritt zetzt eine 21 tägige Ueberlegungspause ein, bevor über bas Gesen im Herrenhause aufs neue abgestimmt wird. Sie ist diesmal sicherlich am Platze, und sie wird hoffentlich von den Konservativen mit Eifer dazu verwandt werden, in sich zu gehen und zu erkennen, in welch üble Lage sie sich gebracht haben. Tas Zentrum hat schon erklärt, daß es den Antrag v Schorlemer, die Erweiterung der Drittelungsbezirke, nicht an- nehmen werde, die Konservativen stehen also vor der Entschei­dung, ob sie diesen den konservativen Grundsätzen entsprechenden Antrag annehmeii und an der Seite der Regierung und ber Mittelparteien das Wahlrecht unter Dach bringen oder ob sie am Bunde mit dem Zentrum festhalten unb unter Opfern an ihrer politischen Ueberjeugung versuchen wollen, auch in Preußen der Regierung ihren Willen aufzuzwingen. Wir stchen also mitten in einer parteipolitischen KrisiS, deren LösungvielleichteineGesundungunsererparla- mentarisckien Verhältnisse anbahnen unb Damit auch dem Lande einen unschätzbaren Gewinn bringen könnte. Das aber dünkt uns wichtiger als das schließliche Schicksal dieser Wahlrechtsvorlage, die den liberalen Wünschen so wenig entspricht lind zu Der man schließlich mehr aus taktischen als auä sachlichen Gründen die entscheidende Stellung nehmen muß.

2lu$ den Keid)stagsausfd)üffen.

Berlin, 30. April.

Der K a l i a u s s ch u ß des Reichstages führte heute die erste Lesung zu Ende. Eine eingehende Erörterung gab es nur noch über die Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Der An­trag ist gestellt von den drei Zentrums-Abgeordneten Schiffer, Müller-Fulda und Erzborger. Er lautet:

Von dem sich auf Grund Der Jahresbilanz, eines jeden Kali­werkes nach Absetzung der regelmäßigen Abschreibungen ergeben­den Reingewinn ist, soivcit dieser 6. v. H. des bar ein gezahlten haftenden Kapitals :Aktienkapital, Komrnanditkapital, Ziibußen) übersteigt, ein Dritter! an die während des betreuen!) en Geschäftsjahres von dem Käliwerksbesitzer beschäftigten Ar­beiter als Gewinnantell nach Verhältnis des von ihnen ver­dienten Gesamtlohns zu vergüten. Soweit die zum Empfang Berechtigten nicht mehr ermittelt werden können, fällt der ihnen zustehende Anteil der B e t r i e b S k r a n k e n k a fe des Werkes zu, oder falls eine solche nicht besteht, der Ortskrankeiikasse anheim."

Ursprünglich sollte nach diesem Anträge die Gewinnbeteiligung schon nach 5 Prozent Tividende eintreten. Die S o z ia l dem o- traten beantragen einen Zusatz über das Koalitions­recht. Handelsminister Shdow erklärte zur Frage der Ge- uinnbeteiligung, daß einzelne Fabriken Geivinnbeteiligung haben, sei ihm bekannt: auch daß sic verschieden geregelt sei, meistens bem Ermessen des Besitzers unterliegend. Mit dem Durchschnitt der Gewinnbeteiligung tonne man nichts machen, denn dann hätte man von Anfang an rechnen müssen. Wie sei es bei Verlusten ber Werke? (Abg. Hue ruft: Gewinnbeteiligung, nicht Verlust­beteiligung !) Ter Unternehmer trage Veruist und Gewinn. Kassen -über das ganze Reich seien lintunlich. Eine Gewinnbeteiligung könne denkbar sein, wenn Die individuelle Betätigung zu höherem Gewinn führe. Im Kalibergbau liege aber alles an der Lagerung. Die Unternehmer haben vorher das Risiko getragen, die Arbeiter nicht. Ter Antrag sehe 6 Prozent als genügende Entschädigung für das Kapital an; das treffe ju für die ersten Besitzer, aber für die späteren Erwerber komme es nicht auf das eing^ahlte Kapital an, sondern Darauf, was sic gezahlt haben. Bei Dem Harzerwerk Vienenburg mürben Die Arbeiter nach Dem Anträge eine halbe Million Mark erhalten, der preußische Staat erhalle dann noch nicht 3ys Prozent seiner Ankausskosten. Diese Summe werde der Gesamtheit entzogen. Einen solchen Paragraphen halte ec für unmöglich, wenn das Gesetz zustande kommen solle.

Bestrebungen, vor allem durch Zuweisung geeigneter jungn* Leute zu den Obstbaukurfen in Friedberg, für die der Verein noch ein Teil der Unkosten erstatte. In diesem Sommer soll ein gemeinschaftlicher Ausflug nadi der Obstbaumschule zu Geisenheim a. Rh. stattfinden, zu dem die Mitglieder ein- geladen sind. Am 24. September findet in Lauterbach eine Kreisobitbauausstellung statt. Der Vorsitzende, .Kreisrat von Bechtold, machte die Mitteilung, daß die Bürgermeister )es Kreises bereits geplant harteii, eine Reise anfangs oder Mitte Juni zwecks Besichtigung von Obstanpslanzungen nach Koblenz, Bingen, Rüdesheim, Münster a. St., Kreuznach zu unternehmen, wobei gleichzeitig auch ein Ausflug nach Geisenheim stattsinden löiuite. Mitglieder des Vereins, namentlid) die Lehrer, sind zur Bctelligung eingeladen (Fahrtlostcn etwa 16 Mk.). In einer weiteren Besprechung wurde das frühe Abnehmen des Obstes im Herbst ohne Rücks­icht aus frühe ober späte Sorten beklagt, was das Faulen und Welkwerden des Obstes sehr begünstigt, da der Zucker­gehalt der Früchte nicht genügend ausgebildet ist. Von den Behörden würde durch zu frühzeitiges Versteigern des Obstes im Herbst leider gleichsam das Signal zur allgemeinen Obsternte gegeben. Ter Vorsitzende sagt Berücksichtigung der Wünsche nach späterer Verlegung dieser Ver'fteigerungs- termine nach Möglichkeit zu. ^eisobftbautcchniker K'.och erstattete Berscht über obstbauliche Beobachtungen im Kreise. Danach ist seit 5 bis 6 Jahren ein erfreuliches Fortschreiten zu erkennen. Noch müssen aber infolge der großen Unter schiede in Lage und Klima im hiesigen streife die Obstsorten herausgefunden werden, die sich für die einzelnen Orte am besten bewähren. Ter Redner empfiehlt nur gute Sorten anzupjlanzen und sollten die Gemeinden hierin den An­fang machen, die großen Orte vielleicht durch Anlage von Musterbaumstücken, aber nicht wie früher den schlechtesten Boden für Obstanpslanzungen verwenden. In unserem Kreise erntet man Obst von vorzüglicher Qualität, manche gute Sorten erhalten z. B. eine bessere Ausbildung wie in Der Wetterau. Für Den verstorbenen Obmann der Orts­gruppe Lauterbach, Wahl, wurde Bureonvorsteher Bechtold gewählt. Als Ort für die diesjährige Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins, die u. a. auch für den Präsidenten Grasen Oriola eine Ersatzwahl vorzunehmeu hat, ist Alsfeld in Aussicht genommen. Der Vorsitzende regt unter Zustimmung der Versammlung an, für diese Mrtte Juni stattfindende Hauptversammlung Lauterbach in Vorschlag zu bringen.

Biedenkopf, 1. Mai. Tie sog. Hinterländer D i e h k a f f e hat auch im 40. Geschäftsjahre wieder gute Ergeb­nisse erzielt. Tie Verstcherungsfunune stieg von 4 220 540 Alk. auf 4 355 515 Mk. und die Beiträge von 72 823,40 Alk. an! 74 032,80 Mark. Versichert waren 1423 Pferde, 9247 Rinder, 6613 Schweine und 1141 Ziegen. Für 538 Schadensiälle wurden insgesamt 76 377,57 Akt. vergütet, also 2344,77 Mk. niehr wie die eingezahlten Beiträge. Trotzdem ist noch cm Reingewinn zu verzeichnen. Don den ausbezahlten Entschädigungen entfielen 43 991,97 Alk. auf bei, Kreis Biebenkops, 26 033,20 Mk. auf den Kreis Marburg, 1520 Ms. auf ben Kreis Frankenberg, 1242,40 Mk. auf ben Kreis Wetzlar, 1114 Alk. auf den Kreis Kirchhain, 1030 Alk. auf den Kreis Wutgen- stein, 760 Alk. auf den Kreis Dillenburg und 686 Alk. auf den Kreis Brilon.

WA *Ala80D O XlilM Q Bismarck q i_

Naxos Z ADoSekkim O Jockey O2

Türk. Tabak- & Clgaretten-FabrlkKlos o E. Robert Böhme, Dresden, Lieferant der französischen 'Cabak-Regie.

Landwirtschaft.

-x-h- Langsdorf, 1. Mai. Am 30. April fanden sich 140 Mitglieder des Vereins ehemaliger Friedberger Ackerbau schüler und einer Anzahl anderer Interessenten auf den Wintergetreibe-Saatfeldern bes Abg. Köhler-Langsdorf im Bettenhäuser Felde em, um die von ihm angeroanbte verein­fachte, und barunt billigere, Anbaumethode nach Dernsschensky zu besichtigen. Der Stand Der Saaten erregte allgemeines Erstaunen, er übertraf jede Erwartung. Köhlers Versuche haben gezeigt, daß man ben Getreidebau zum Hackfruchtbau umroanbeln kann unter Benutzung der gebräuchlichen Ackergeräte unb tierischen Kräfte, um dadurch höhere Erträge zu ermöglichen, bic basieren auf ber llnfrautocrtilgiuig, ber Beseitigung ber Verkrustung unb durch letztere auf einer vernünftigen Benutzung des Bobenwassers. Diese Besichtigung an Ort unb Stelle, biefe Anschauung, verbunden mit ben näheren Erläuterungen durch Herrn Köhler, haben sicher mehr bezweckt, als lange Vorträge ober sachwissenschaftliche Er­örterungen in Zeitschriften es vermocht hätten; beim auch im Ackerbau gelten Goethes Worte:

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, Unb grün des Lebens golbner Baum."

-r. Laute r bach, 30. April. Eine zahlreich besuchte Bezirksversammlung des Kreises Lauter­bach des Oberhessischen Obstbauvereins fand heute hier statt. Setretär Dr. Hoffmann erstattete Bericht über daS Zusammenarbeiten des Obstbauvereins mit der Landwirtschaftstammer für die Provinz Oberhessen, wonach ein solches zwischen diesen beiden Körperschaften in Zu­kunft gesichert ifo, was dem Verein u. a. auch eine fort­laufende finanzielle Beihilfe gewährleistet. In längeren Ausführungen erläuterte ber Redner sodann die Zwecke und Ziele des Oberhessischen Obfibauvereins und bat nament­lich die Bürgermeister des Kreises um Unterstützung feiner

Nr. 101 Zweites Blatt 160. Jahrgang

Erscheint täglich mtt Ausnahme deS Sonntags. A* A AM

Glbyener ANMgbl

General-Anzeiger für Sberhesien

Die Vertreter bet bürgerlichen Parteien, abge- ehen vom Zentrum, erklärten ihre Sympathie ü r die Gewinnbeteiligung, betonten aber Die.völlige Unreife des Antrages unb bic Schwierigkeit der Durchführung bezw. Undurchführbarkeit in ber Kaliindustrie. Auf jeden Fall müsse man, wenn man bas Gesetz zustande bringen wolle, schon nach der Erllärung des Ministers den Antrag ablchnen. Die drei Vertreter bes Zentrums, die das Wort nahmen, nahmen drei verschißene Standpunkte ein. Der Abg. Schiffer trat rück­haltlos für den Antrag ein. Ter Abg. Müller- Fulda vertrat den Antrag sachlich, meinte aber, er sehe, daß der Antrag wenig Aussicht auf Annahme habe unb an Der Ablehnung Dieses Para­graphen wolle man Das Gesetz nicht scheitern lassen: gcraDc Die Gegner des Gesetzes seien für den Paragraphen, während die- jenigen, die das Gesetz zusta'iDe bringen wollten. Dagegen seien. Ter Abg. H e r o 1 D, Der von seiner Fraktion erst in Den letzten "Tagen in Den Ausschuß gewählt roorDen ist, erklärte kurz, es könne etwas erstrebenswert sein, aber Deshalb lasse es sich nicht immer gesetzlich Durchführen; hier in Das Kaligcsetz gehöre Die Sache leDcnfalls nickst hinein; er lehne Den Antrag ab. >

Bei der Abstimmung stimmten dann drei Zen­trumsmitglieder für, drei gegen ben Antrag. Ter Antrag würbe abgclcbnt. Mit den Sozialdemokraten stimmten auch die Mitglieder der Fortschrfttlichen Bolkspartei für Den Antrag, deren Wortführer erklärt hatte, sie täten es einst­weilen, um zu sehen, ob es den Antragstellern gelingen werde, ür die zweite Lesung den Antrag durchführbar zu gestalten. Tie Sozialdemokraten zogen ihren Zusatzantrag dann zurück.

Tas Gesetz hat Geltung bis zum Jahre 1925 und tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Die zweite Lesung,bed Aus­schusses beginnt Mittwoch Dormittag.

Der Ausschuß für die Wertzuwachssteuer führre heute die erste Lesung zu Ende. Zut § 56 wurde beschlossen:

Von einem Grundstücke, das auf Grund von Vorschriften gebunden ist, die nach den Artikeln 57, 58, 59 des Einführungs- aesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche von den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches unberührt bleiben, ist im voraus tn Zeitabschnitten von 30 Jahren eine Abgabe von % vom Hundert bes zur Zeit der Fälligkeit nach den Bestimmungen des § 16 des Erbschaftssteuergesetzes vom 3. Juni 1906 zu ermittelnden Wertes zu errichten. Dies güt auch dann, wenn die Fawiüc des Gruiibstücksinhabers als Eigentumerin des Grundstücks an­zusehen ist. Der Landesfürst und bic Lanbesfürstin sind von ber Entrichtung der Abgabe befreit."

Weiter wurde die Befrciungsvorfchrist am Schluß der Tarif- nummer 11 in folgender Fasfung beschlossen:

Befreit sind auf Antrag

1. Grundstücksübertragungen der in a und d dieser Taris- ttummer bezeichneten Art, wenn der stempelpslichtige Betrag und im Falle einer Teilveräußerung der Wert bes Gesamt­grundstücks bei bebauten Grundstücken 5000 Mk. nicht über­schreitet.

Die (Steuerfreiheit tritt nur ein, wenn weder der Erwerber und sein Ehegatte im Durchschnitt der letzten drei Jahre ein Jahreseinkommen von mehr als 2000 Mk. gehabt haben, noch einer von ihnen den Grundstückshandel gewerbsmäßig be­treibt. Bezieht ber Erwerber von einem anderen auf Grund gesetzlicher Vorschriften feinen Unterhalt, so ist die Steuerfreiheit nur zu gewahren, wenn deren Voraussetzungen auch in der Person des anderen vorhanden sind.

Auf Beurkundungen von Uebertragungen der Rechte des Erwerbers finben die unter a Abs. 2 Satz 1 dieser Tarif- numnter vorgesehenen Beschränkungen der Stcuerpslicht keine Anwendung.

2. Eigentumsveränderungen, denen sich die Beteiligten aus Gründen des öfseicklichen Wohles zu unterwerfen geseAich ver­pflichtet sind."

Tie zweite Lesung beginnt am Dienstag.

Itircbc und Schule.

X Lich, 1. Mai. Am kommenden Mittwoch wird intHol­ländischen Hof" hier im Auftrag des Lehrervercins L i ch und der Nachbarvereinc Professor Jäger vom Jaftedberger Lehrerseminar, ein geborener Sicher, überTie in die neue Biblische Ge­schichte auszunehmenben Stosse des Alten Testaments" sprechen.

Q Darmstadt, 1. Mai. Der 17. allgemeine deutsche Turnlehrertag wird in ben Tagen vom 12. bis 15. Mai hier abgehallen. An Vorträgen stehen in Aussicht ein Festvortrag bes hessischen Turninspektors Schulrats Schmuck- Darmstadt, über Abolf Spieß, ben Begründer des Deutschen Schulturnens, ferner bic beiben Verbanbsaufgaben des deutschen Turnlehrer-Vereins:Mittel zur Einschränkung der ^Befreiungen vom Turn-Unterricht" (Ref. Oberlehrer Pietzker-Stetttn) unbIn­wieweit bebürfen volkstümliche Hebungen, Spiele und Wanberungen für bic körperliche Erziehung ber weiblichen Jugenb der Bcrück- sichttgung?" (Ref. Seminarlehrer Kunath-Bremen), außerdem ein VortragOrthopädisches Turnen" von Oberturnlehrer Echternach- Hagen. Gelegenllich der Tagung werden jchul-turnerische Vor­führungen in Tarmstadt, Groß-Gerau, Reichenbach, Reinheim, Nieder-Ramstadt und eine Schwimm-Vorführung im hiesigen städtischen Hallenbad veranstaltet.