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01/06/1910 Zweites Blatt
 
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Strasse 44 B , E. Wagner

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 135

Allein könne inan dem

Geleqent- 29. ds. in den Turn- Gaues des

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

* 100 Vereine im Turngau Hessen, lich der Gauturnsahrt des Turngaues Hessen am Münzenberg wurde der hundertste Verein in

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expeditton und Verlag: e^6L Redaktionen 112. Tel.-AdruAnjetger<Sieben.

Mittwoch l.Juni lSlO

Rotationsdruck und Verlag der Brühllschen Unwersitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Dießen.

GersehtssaaL.

R. B. Darmstadt, 31. Mai. Vor der Zivilkammer V des Landgerichts fand heute die Schlußverhandlung in der Schadenersatzklage der Kinder der Witwe Wolssturm gegen die Süddeutsche Ei s e n b a h n g e s e t l s cha f t wegen des Automobilunglücks auf der Griesheimer Straße statt. 'Die Sitte deutsche Eisenbahngesellschaft hat ihrerseits für den Fall einer Verurteilung die Adterwerkc Frankfurt und den Chauffeur un Regreßwege haftbar zu machen beantragt. Die Klage stützt sich auf die fehlerhafte Bahnanlage, das Fehlen eines Warnnngs- Zeichens und Verschulden des Lokomotivführers, »veil er ohne Signal die Straßenkreuzung überfahren hat. Die Beklagte schiebt jedoch den Unfall auf das zu rasche Fahren des Automobiles zurück. Bei der heuttgen Gelegenheit kam die interessante Tat­sache zur Sprache, daß die Bahnverwaltung nach dem Unfall bei der Eisenbahnabteilung im Ministerium bezüglich der An­bringung etwaiger Warnungszeichen angefragt hat, aber den Be­scheid erhielt, daß die dorttgen Verhältnisse dies nicht erforderten. Die Entscheidung wird in vier Wochen verkündet.

DieLietzener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Heer uitö Flotte.

Kriegsminister und Turnerschaft. Der Kriegs­minister von Heeringen hat, bezugnehmend auf die neue Turnvorschrift für die Infanterie, an den Vorsitzenden der Deutschen Turnerfchaft, Geh. Sanitätsrat Dr. Ferd. Goetz, olgendeS Schreiben gerichtet:

@n>. Hochwohlgeboren teilt das Kriegsministerium crgebenst mit, daß in der nächsten Zeit der Entwurf einer neuen Tur n- vorschrift für die Infanterie erscheinen wtrd. Dieser enthält einen Hinweis, daß Unteroffiziere und Vorturner an Uebungen der Turnvereine teilnehinen können. Abschrift einer an die Armee erlassenen Bekanntmachung zu der neuen Turnvorschrift ist zur gefälligen Kenntnisnahme hier an- geschlossen. Tas Kriegsministerium benutzt diese Gelegenheit, der Deutschen Turnerichaft für die bisher auch zum Besten des Heeres geleistete Arbeit seinen Dank auszusprechen."

besten Tag seit ihrem Bestehen gehabt. Es wurden be­ordert 6813 Personen. Die Frequenz dieses Tages wurde nur übertroffen durch den Eröffnungstag- deS Unternehmens, an dem 6918 zahlende Jahrgäste die Trambahn benutzt haben. Der vergangene Monat hat übrigens für den Ver­kehr der Straßenbahn eine wesentlich höhere Frequenz gegen den Monat zuvor gebracht.

Bilder vom Wandern, Reisen und von Pilgerschaft bringt die neue Ausstellung der Lesehalle. Genannt seien von den Darbietungen der Künstler folgende: SchwindAbschied im Morgengrauen", BokelmannAbschied der Auswanderer", Strich-ChappelLieb Heimatland ade", WeltiAbschied und Hochzeitszug", UhdeTobias vom Engel geleitet", KampfSchmerzlicher Abschied", ThomaCharon", MilletDer Wildvogelzug", MeifsonierRast vor dem Wirts­hause", SchwindAuf der Wanderung" undHochzeitsreise", RichterUeberfahrt am Schreckenslein" undWanderung im Riesengebirge", HeckmerAnkunft der Auswanderer in Rew- york", ThomaEinsamer Ritt" undRuhe auf der Flucht", DürerDer verlorene Sohn", UhdeHeimweg". Durch Humor erfreuen.: PhilippiAm Philosophenweg", Knaus Hinter dem Vorhang", KirchnerDer König im Exil", SpitzwegSerenissimi Auffahrt" undHeimkehrende Sennerin". Dec Stereoskop-Apparat zeigt diesmal Rbeinlandschasten.

Sport.

Frankfurt a. M., 30. Mai. Internationale Ausstellung für Sport und Spiel Frankfurt a. M. 1910. Bei dem heutigen Preis schießen gewannen Becher: Franz Borgnis-Frankfurt und Friedrich Eberling-Fechenheim. Münzen erschossen sich: Erich von Goldschmidt, Alfred Merten, Dr. jur. H. Hohenemser und Baronin von Königswarter, alle von hier.

Internationale Ausstellung für Sport und Spiel in Frankfurt a. M. Internationales Herren-- fechten für Seniore, schlverer Säbel: (Erster' Mescaros-Budapest 18 Punkte, (zweiter) Scantap-Budapest 16 Punkte, (dritter) Lichen- sels-Osfenbach a. M. 15 Puntte, (vierter- ErkerateOffenbach a. M. 13 Punkte, (fünfter) Schwarz-Mainz 12 Punkte, (sechster) Micheb- Brüssel 11 Punkte, (siebenter) Schoen-Frankfurt a. M. 10 Punkte, (achter) Knapen-Münchchi) 7 IPunkte, neunter) Graf-Frankfurt a. M. 6 Puntte. Trostpreis-Fechten, sieben Teilnehmer: (Erster) Jack- Frankfurt a. M. 14 Puntte, (zweiter) Thvmson-Offenbach a. M. 11 Punkte, (dritter) Adam-Dresden 11 Punkte, (vierter) Zimmer­mann-Offenbach a. M. 11 Punkte.

Aus Staöt und Catifc.

Gießen, 1. Juni 1910.

** Die Burksche Mühle lvird jetzt, so weit es den maschinellen Teil betrifft, den neneften Anforderungen entsprechend umgebaut. Es soll eine Turbine nanlage geschatfen werden, um die Wasserkraft bis auf das äußerste ausnutzen zu können.

-m. .Hungen, 31. Mai. Bon den beiden, vor etwa 3 Jahren von der hiesigen Gemeinnützigen Bau­genossenschaft erbauten Mi e t h äu s e r n ist eines, ein Doppelhaus, für 12 500 Mk. in Besitz zweier hiesiger Privat- eigentümcr üöergegangen.

x Nidda, 31. Mai. In unseren Hauptstraßen findet eben ein teilweiser Aufbruch des Pflasters statt; es wird eine Anzahl Telegraphendrähte statt über der Erde unterirdisch geführt; die Leitung ist dadurch weniger Störungen ausgesetzt. Auch Mdda hat seine Neun­ziger. Der frühere Fleischbeschauer Orth, geboren 1813, steht in seinem 9 7. Lebensjahre. Er ist unverheiratet, ver­richtet noch mancherlei leichte Handarbeit, z. B. .Holzsägen, und ist körperlich noch recht rüsttg. Sein Gehör hat er fast ganz verloren. Eine andere ledige Person, Maria Kathorine Uhl, wird im September dieses Jahres 90 Jahre alt. Sic ist ebenfalls noch körperlich und geistig bei der Hand. Nidda bekommt jetzt fein Schlachthaus; es kommt an die Stelle einer Gerberei an die Nidda unter­halb der Stadt zu stehen. Die Erbauung eines Schlacht- I Hauses ist eilte dringende Notwendigkeit.

Getreidepreise und Zölle.

Seit einiger Zeit herrscht auf dem Getreidemarkt eine start rückgängige Preisbewegung für Weizen, die mit Aussichten auf eine gute Ernte und besonders mit den großen unverkauften Weizenvorräten in Rußland be­gründet wird. Wie ferner berichtet wird, finden sich auch in andern Ländern noch ungeahnt große Vorräte, z. B. in Rumänien und auch in Deutschland. Ferner ist in den Ber­einigten Staaten von Amerika der Zusammenbruch der noch immer hoch gewesenen Weizenpreifc eingetreten. Die Be­wegung kann eine größere Bedeutung weniger vielleicht für den Preis, den der Verbraucher von Weizenmehl dem Bäcker zahlen hat, als für die Läger der deutschen Land­wirtschaft gewinnen. Denn bei einem stärkeren Preisfall des Weizens würde der Schutz, den der Zoll beaibsichtigter- weise dem deutschen Landwirt als Getreidebauer bieten soll, stärker in die Erscheinung treten und ivohltättger von ihm empfunden werden, als dies bei einem hohen Stand der Getreide-, hier der Weinen-Preise, der Fall ist. Selbst­verständlich wird auch anderes Brotgettetde von der Prets- bewegung für Weizen betroffen, wenn auch bisher Roggen nicht in 'dem Maße im Preise gewichen ist wie Weizen, da Roggen einen verhältnismäßig niedrigeren Preis gegen­über dem für Weizen bisher fjatte.

Horn (Neuß, Natl.) und lautet:

llnstacke »Verwaltungsbehörden, Abteilung ftir Arbeitcrversicherung. Versicherungsamt.) 1. Errichtung. S 34. Bei jeder unteren Verwaltungsbehörde wird etne Abteilung für Arbeiterversicherung Versicherungsamt) errichtet oberste Verwaltungsbehörde kann für die Bezirke mehrerer unterer Verwaltungsbehörden bei einer dieser Behörden eine gemein'ame Abteilung für Arbeiterversicherung errichten. Welche Behörden in jedem Bundesstaat unter der Bezeichmmg: Untere Verwal­tungsbehörde im Sinne dieses Gesetzes zu verstehen sind, wird von der obersten Verwaltungsbehörde des Bundesstaates be­stimmt. Die Landesregierungen mehrerer Bundesstaaten können für ihre Gebiete und Teile davon bei einer um er eit Verwaltungs­behörde eine gemeinsame Abteilung für Arbefterversichemms eni^ten.

§ 35. Die unteren Verwaltungsbehörden, Abteilung für Ar-1 beiterversicherung, nehmen nach den Vorschriften dieses Gesetzes die Geschäfte der Reichsversicherung wahr und erteilen in An­gelegenheiten der Reichsversicherung Auskunft. Die Abteilungen für Arbeiterversicherung können nach den Vorschriften diefes Ge­setzes die Versicherungsträger in deren Angelegenheiten unter­stützen. Die Landesregierung kann den Ateiblungen für Arbeiter­versicherung noch andere Ausgaben aus der knappschaftlichen Versicherung übertragen.

Die §§ 36 bis 40 der Vorlage fallen fort.

2. Vorsitzender § 41. Der Leiter der unteren Verwaltungs­behörde ist der Vorsitzende der Abteilung für Arbeiterversicherung. Es kann ein Stellvertreter, der durch Vorbildung oder Erfahrung auf dem Gebiete der Arbefterversicherung geeignet ist, bestellt werden. Ist die Abtellung für Arbeiterversicherung bei einer gemeindlichen Behörde errichtet, so bestellt den Vorsitzendeii der Gemeindeverband, dessen Bezirk den der Abteilung für Arbeiter- versiclerung umfaßt. Wo das Landesgesetz für die Wahl höherer gemeindlicher Beamter eine Bestätigung vorschreibt, gilt sie auch für die Bestellung des Vorsitzenden der Abteilung für Ar­beiterversicherung. , ,,

Die 8Z 42 bis 46 der Vorlage (Bersicherungcamtmann) fallen

gau ausgenommen. Die Mitgliederzahl des 1. Mittelrhemkreises beträgt nun nahezu 11 000.

"Die Straßenbahn hat am Sonntag den zweit

Seneral-Anzeiger für Gberheßen

bm. Bingenheim, 31. Mai. Zu der Notiz über Neunzigjährige in Oberhessen ist beeid)tigrab zu be­merken, daß der dort erwähnte frühere Flurschütz Schwab m Bingenheim nicht im 94., sondern bereits im 96. Lebensjahre steht, da er am 24. Mai 1815 geboren ist. (Ob wohl in Oberhessen noch jemand lebt, der älter ist als dieser Alters« genösse des ersten deutschen Reichskanzler??)

[] Marburg, 31. NLai. Unter zahlreicher Teilnahme, besonders ans juristischen .streifen, tagt heute hier die .Haupt­versammlung der Zentralstelle für das Gefangenen- Fürsorgewesen in.Hessen-Nassau. An die Eröffniings^ rede des Vorsitzenden Generalleutnant z. D. Leo-.Kwffckt schlossen sich Begrüßungsansprachen des Oberbürgermeisters T r o j e - Marburg, des Geh. Konsistorialrat Professor D. Mirbt namens der Universität, des Superintendenten H a p p i ch namens der evang. Gemeinden, des Staats­anwaltschaftsrat Z i e g n e r namens der Gerichtsbehör- den und des Pfarrers Dr. Weber namens des Bischofs von Fulda. Universitätsprofessor Dr. Träger-Martes sprach über ,chie Ergebnisse der Kriminalstttttsttk bezüglich der ab- und aufsteigenden Bewegung der Rückfälligkeit in der Kriminalität und wahrscheinliche Ursachen derselben". Er wies auf die Erscheinung hin, daß im Jahre 1907 in Deutschland 525 587 Personen bestraft werden nrußten inth daß die Zahl der Vergehen von 188.5 bis 1905 um 20 Pro-, stieg, die meisten Vergehen aber jedenfalls nicht zur An­zeige kamen. Itn Jahre 1907 betrug die Zähl der Rück­fälligen 235000 bei insgesamt 286 000 Bestraften. Der Redner schiebt die Schuld auf den steigenden A'ltoholgenuß und sonsttge mißliche Verhältnisse. Sttafanstaltsdirektor Hülsberg-Wehlheiden erörterte die Frage:Welche Aende- rungen im gesetzlichen Strafvollzug sind zu­gunsten der Verminderung der Rückfälligkett im Verbrechen anzustreben?" Er kam zu'dem Schluß, daß die regelmäßigen Stammgäste am meisten Angst vor dem Arbeitshaus hätten. Eine Aenderung des Strafrechts sei nur zu begrüßen. Weiter sprach Pfarrer P h i li p p i-Wiesbaden über die Frage: Inwiefern kann die Gefangenen-Fürsorge zur Verrninde- rung der Rückfälligkeit beitragen? Welche Hindernisse stellen sich dem entgegen?" Er führte aus, daß die Bestre­bungen des Vereins weiter bekannt werden müßten. Es empfehle sich, die Gefangenen erst nach, ihrer Entlassung in eine Arbeitsstätte zu schicken, wo sie unbedingt als freie Arbeiter sofort Beschäftigung fänden, aber nicht etwa in eine Bodelschwingsche Ar b eit er ko !o nie. An die Reden schloß sich eine lebhafte Aussprache. Hinzugefügt fei, daß außer den Hauptvereinen in Frankfurt und Wiesbaden jetzt Zweig- gnippen in Hanau, Ziegenhain, Lasset und Marburg be­stehen. __

politifcbe Tagesschau.

Die deutschen Interessen in Persien.

Die englischen Wühlereien gegen Deutschland in den persischen Fragen nehmen ihren Forigang. Der Pariser .Korrespondent derTimes" telegraphiert, daß die deut­schen Forderungen mit Bezug auf Persien bisher dort nicht allzu ernst genommen worden seien, denn man habe sie nur als einen Versuch angesehen, auch gewisse Interessen in Persien zu schaffen, um nachher durch Betonung der­selben einen größeren Einfluß auf die russisch-britische En­tente zu erhalten. Man habe in Paris geglaubt, daß dieses Ziel so Nack auf der .Hand liege, daß Großbritannien und Rußland keinen Augenblick zögern würden, ihr wohlberech- ttgtes Veto gleich im ersten Augenblick dem ganzen Unternehmen entgegen zu st ellen. Nun­mehr heiße es, daß die Besttebungen der Deutschen Bank in Teheran den Zweck hätten, eine Konzession für eine Bahnlinie von Teheran nach Khauikin zu erlangen, was einen ersten Versuch bedeuten würde, die Bagdadbahn mit der persischen Hauptstadt zu verbinden. Der Korrespondent meint weiter, daß jeder Versuch, den Statusquo in Asien durch die Ausdehnung deutscher Projekte zu ändern, Großbritannien und Frankreich zwingen müßten, nach Mitteln zu suchen, diesen Bemühungen ein Gegengewicht ent- gegenzustellen. Es sei von neuem wieder die Rede von einer britischen Linie von Bagdad nach Basra und auch von einer Konzession, um die französische Beirut- Aleppo-Linie mit Bagdad zu verbinden, und zwar durch das Euphrattal. FedenfaNs sei es klar, daß Deutschland dadurch, daß es diese Fordemngen stelle, die in Wirtlich­keit absolut feine Begründung hätten, sich die Möglichkeit verscherze, auf die finanzielle Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs bei dem Bagdadunternehmen zu rechnen, auf die man in Berlin doch so sehr rechne.

Dieser ganze anmaßende und rücksichtslose Ton zeigt, wie die Engländer über uns deuten, wenn nicht Sentimen­talitäten, sondern praktische Interessen auf dem Spiele stehen.

lieber die Aussicht und Kosten bestimmt der Anttag: 8 67: Die Aussicht über die Abteilung für Arbeiterversicherung richtet sich nach den landesgesetzlichen Bestimmungen über die Aufsicht der unteren Verwaltungsbehörden. § 69^der Vorlage fällt fort. 8 69: Sämtliche persönliche und sächliche Ausgaben der Abteilung für Arbeiterversicherung trägt der Bundesstaat. In die Kassen der Abteilung der Arbeiterversicherung fließen die Geldstrafen, sowie die besonders auferlegten Verfahrenskosten. Die §§ 70 bis 73 der Vorlage mit ihren Bestimmungen über die Kosten der Versicherungsämter fallen sott.

Staatssekretär Delbrück ist nicht in der Lage, namens der verbündeten Regierungen zu dem Anträge Stellung zu nehmen. Die Tendenz des Antrages scheine in der Richtung der Vorlage zu liegen. Große Schwierigkeiten werde die Regelung der Kostra- frage machen. Ein Regierungskommissar legt bei diesem Punkte noch dar, daß es ohne Heranziehung der Bersicherungsträger und der Gemeinden nicht abgehen werde. Allein könne man dem Staat die Mehrkosten nicht aufbürden. .

Hierauf wird über den grundlegenden § 34 des Vermtttlungs- antrages abgesttmmt und dieser fast einstimmig angenommen.

Weiterberatung Mittwoch.

Die Reichrverstcherung.

:: Ber l in, 31. Mai.

Der Reichsversicherungsausschuß hatte, wie berich­tet, in seiner ersten Sitzung beschlossen, einen von einem Regre- rungsasfessor verfaßten Bericht über die Verhandlungen an bte Prcsie zu geben. Nach Mitteilung des Bottrtzenden, des Aba. Schultz (Reichspattei), werden dieseofftzlellen Berichte" nicht mehr erscheinen, da die emzelnen Parteien schon für genügende Berichterstattung Sorge tragen.

Die Aussprache über die Bersichernngsämter wurde in der heutigen Sitzung fortgeführt. Ein Z en t rum s r e dn er bedauert, daß die Erkenntnis von der Nottvendchkeit des gemein­samen Unterbaues nock) nicht allgemein sei. Ministerialdrrettoü Easvar macht -auf Wunsch des Vorredners Mitteilung über die Wirksamkeit der neu geschaffenen Rentenstellen.

Von volksparteilicher Seite wird demgegenüber die Ansicht vertreten, daß durch die lokale Stelle die Erledigung der Arbeiten nur verzögert werde.

Ein nationalliberales Mitglied schließt sich den Be­denken des Vorredners im ganzen an. lieber die Funktionen der Versicherungsämter fei man sich durchaus noch nicht tm klaren.

Sin Vertreter der S o z i a l d em o k rati e spricht gegen alle Sonderämter, auch gegen die Landesversicherungsämter. Der Vorschlag der Regierung biete im übrigen eine wesentliche Ver­besserung deS Rechtsweges. ~

Gin weiteres Mitglied der n a 11 o n a 111 b c r a t e n A-ramon glaubt daß die Versicherten einem juristisch gebildeten Versiche- rungÄamtmann kaum ein besonderes Vertrauen entgegenbringen werden, einmal weil dieser nicht lange genug ,n seinem 2lmte bleiben werde, zum anderen, weil er feinen gesellschaftlichen Ver­kehr naturgemäß in den Kreisen der Arbeitgeber finden werde. Gegen die 'Sektionsvorstände der Berufsgenossenschasten .stlage zu erheben, liege im allgemeinen fein Grund vor. Der Redner stimmt einem inzwischen eingelausenen, vorläufig anonymen Anträge Sit, der die Ansichten des ersten heutigen Redners wiedergibt.

Der anonnmc Antrag ist inzwischen von einer Reihe von Mitgliedern angenommen und eingebracht worden, ^in konier- vatives Mitglied begründet ihn kurz. Der Antrag trägt die Namen Schickett (tont.;, Erzberger Zentr.), Freiherr von Gamp (Rp.),

Zeppelins Fahrt nach Wien.

Aus Wien erhalten wir untenn 31. Mai folgende Meldung: .Heute vormittag fand hn Rathause unter Teilnahme des Fürsten zu Fürstenberg, des Bürgermeisters und der Vertreter der Militär- und Polizeibehörden eine Konferenz zur Feststellung des Programms für die Ankunft Zeppelins statt. Fürst zu Fürstenberg teilte die Absichten Zeppelins mit, der am 9. Ium abends in Friedrichs Hafen aufzusteigen und am 10. Juni, 3 Uhr nachmittags in Wien einzutreffen und nach langsamer Fahrt über die Stadt auf der Simmeringeck Heide zu landen gedenke. Der Kaiser wird den Flug vom Schönbrunner Schlosse aus beobachten und den Grasen Zeppelin sodann aus dem Landungsplätze begrüßen. Das Luftschiff soll etwa 24 Stunden verankert bleiben. Vom Kriegsmini­sterium werden alle Garnisonen von der bayettschen Grenze bis Wien und von Wien bis Troppau angewiesen, dem Grafen Zeppelin lederzeit zur Verfügung zu stehen. Außerdem steht ein vollständig ausgerüsteter Zug der Staatsbahn zur Hilfeleistung bereit. Von der Gemeindeverwaltung sind dem Grafen Zeppelin mehrfache Ehrungeii zugedacht.

*

DerReichsanzeiger" meldet: General der Kavallette z. D. Graf Zeppelin wurde nach erfolgter Wahl zum stimmberech­tigten Ritter des Ordens Pour le merite für Wissen-, schäften und Künste ernannt. Gleichzeckig wurde der vor­malige königliche Astronom Sir David Gill in London zum auswärtigen Ritter des Ordens ernannt

In Bützow 'Mecklenburg-Schwerin,, wo die Wiege des Grasen Zeppelin gestanden hat, wurde am Dienstag das erste Zeppelindenkmal eingeweiht.