Ausgabe 
9.6.1910 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 8« Juni 1910

160, Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 132

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Ern tragisches od)id|'al legte

Nach S 182 können unständige Arbeiter nach Bestimmung des I bis aus die Gegenwart erhallen. ,. , - - < . < -Ts r lY\ ___________ ___- V s XaP. v> «vx-n k a a nii*rt P

Durch-

Preis

pro 100 Psd. schnittspreis

von-disvon-bi»

Ochsen.

höchsten

79-84

46

73-77

41

36

7073

7280

43

6872

38

Mittlere Mast- und gute Saugkälber . 5559

. . 4654

82-84

41

. . 52-54

6769

53

Lebendgewicht

Bollfleischige Schweine über 2 Zentner

Meteorologische Beobachtungen der Station Siehen.

Weller

Kunft und Wissenschaft.

Höchste Temperatur am 7.

7.

Diese Bestimmung wird gestrichen.

53

51

46

61

57

50

Niedrigste , ,

Niederschlag: 3,1 mm.

34

28

. 52-54

. 5152

. 4547

93-98

7690

bis 8.

, 8.

6769

6466

58-60

6468

50-62

Geringere Saugkälber . Schaie.

Lebendgewicht Fleischige Schweine Sauen.....

Tendenz: Rinder und Schweine mittelmäßig.

Regen, Gewitter I Bed. Himmel Sonnenschein

LLirchttche Nachrichten.

Israelitische Keiigioiisgememöe.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage), Samstag den 11. Juni 1910:

Vorabend 7.45 Uhr.

Morgens 8.30 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr. Schrifterttäruug.

Sabbatausgang 9.35 Uhr.

VIS ITKA RTF'N in ieder beliebigen Schriftart und Kartonsorte.

---- sowie mit Zirkeln aller studentischen Ver­

einigungen liefert zu mäßigen Preisen die BriihCsche Univ.-Druckerei.

Mastlämmer und jüngere Masthammel 4142 Schweine.

Bollfleischige Schweine brs zu 2 Zentner

Bundesrats versicherungsfrei bleiben. Diese Bestimmung wird von sozialdemokratischer Seite bekämpft. Ein Regierungsvertreter verweilt aus Fälle, in denen es doch wünschenswert sein möchte. Der Paragraph soll nicht Personen treffen, die regelmäßig Lohn­arbeit verriästen, sondern solche, die in der Regel im eigenen Sc triebe tätig sind und nur vorübergehende Dienste gegen Lohn leisten. Der Bundesrat wird Grundsätze darüber aufstellen, die von den Nachgeordneten Behörden auszuführen sind. § 182 wird angenommen. Weiterberatung Donnerstag.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

MüUer'sche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn 19°R,

DieSiebener FamiliendlätKr" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beiqelegi, das Kreisblatt für Öen Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber......... 6062 100103

Mäßig genährte junge und gut ge­nährte ältere 3538 Färsen, Kühe.

Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst.

Schlachtivertes 4046

Lollfleijchige ausgemästete Kühe höchst.

Schlachtivertes bis zu 7 Jahren. . 3740

Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüiigereKühe u. Färsen 3236 Mäßig genährte Kühe nnd Färsen . . 2531 Kälber.

Märkte.

F.C. Wiesbaden. Viehhof-Marktbericht vom 8. Juni.

(Scrid^tsfaaL

R. B. Darmstadt, 9. Juni. Tas Schwurgericht ver­urteilte nach zweitägiger Verhandlung den Buchdruckereivesitzer L e i ch u m von Neu-Isenburg wegen betrügerischen Bankerotis unter "Annahme mildernder Umstände zu 8 Monaten Gefängnis abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft, eeine wegen Beihilfe mit angeklagte Ehefrau wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, während der ehemalige Biireauvorsteher E m m e r m a n n , der der eigentliche Urheber der betrügerischen Handlungen war, unter Versagung mildernder Umstände 1 Jahr Gefängnis erhielt.

^.Wiesbaden, 8. Juni. Die Strafkammer ver­urteilte den Prediger der freireligiösen Gemeinde, Georg Welker, nach zweitägiger Verhandlung, unter Freisprechung wegen Gottes­lästerung, wegen Beleidigung des katholischen Warrers Diesenbach in Raucnthal in zivei Fällen zu 5 00 Mark Geldstrafe.

Zu Otto Nicolais 100. Geburtstage. Line eigenartige Zusallsfügung läßt das goldene Jubiläum der Wiener Philharmoniker in dasselbe Frühjahr fallen, in dem der hundertste Geburtstag des Begründers dieser Konzertgesellschaft gefeiert wird. £tto Nicolai, der am 9. Juni 1810 also einen Tag nach Robert Schumann in Königsberg geboren wurde, ist weiteren , Kreisen nur als Komponist derLustigen Weiber von Windsor" be- ' .fannt und dieses einzige Merk hat den Namen seines Schöpfers

liebend-Schiachl« pro 100 Pfund gewicht , Gebend- Schlacht­gewicht

Vollfleischige, ausgemästete, . ..

Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 4448 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und

ältere ausgemästete......3943

mit 16 gegen 12 Stimmen. nr t .

Durch einen weiteren zur Annahme gelangten Antrag der Nationalliberalen werden auch die ohne Entgelt beschäftigten-ehr- lingc versicherungspflichtig gemacht. Ziffer 2 erhalt durch An­nahme eines konservativen Antrages folgende Fassung: Betrieb.- beamte, Werkmeister, Techniker, sowie andere in gehobener Stel­lung befindliche Angestellte sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren .Hauptberuf bildet. Nach § 180 kann der Bundesrat die §Zersicheru.ngspflicht für bestimmte Berufszweige auf Gewerbe­treibende und andere Arbeitgeber erstrecken, die regelmäßig i*nnc Lder höchstens zwei Versicherungsberechtigte besckfäftigeu. Die Ver- Ibandlung hierüber wird ausgesetzt. Nach § 181 kann der Ge- Ineindevcrband für feinen Bezirk oder Teile davon die Versicherung 'statutarisch auf Familienangehörige des Arbeitgebers ausdehnen 3>ie ohne Entgelt und Arbeitsvertrag in seinem.Betriebe tätig linb.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhesse«

Austrieb: Rinder 70, Kälber 406, Schafe 21, Schweine 385.

Kälber mittelmäßig, Schafe gut.

dem Schassen des .hochbegabten ein frühzeitiges End»' gerade als er den Llustteg zu neuen künstlerischen Höhen begonnen hatte. Nicolai gehört zu jenen frühreifen Persönlichkeiten, die in im» ablässigem Tatendrang und rastlosem Streben lieb selbst verzehren. Vom Vater zum Klaviervirtuosen bestimmt, verließ er als Sech- zehnjähriger heimlich das Elternhaus, uni sich eine reichhaltigere musikalische Ausbildung zu verschaffen Bon Berlin, wo er ben Unterricht Zelters und Bernhard Kleins der beiden ~enter Mendelssohns genoß, führte ihn sein Weg nach Rom. -iprt wirkte er in der Kapelle des preußischen (gesandten v. Bunßen. als Organist, während er gleichzeitig seine Studien bei dem be­rühmten Baini abschloß. Lein lebhafter Trieb zum Theater ver­anlaßte den Liebenundzwanzigjährigeii, eine KapcllrneisteNtekluug am Wiener Kärntertor-Theater anzunehmen, die er inöcnen bald aufgab, um sich derKomposition italienischer Modeopem zuzuweiweu^ Die schnellen Erfolge, die er aus diesem Gebiete errang, verschafften ihm 1841 einen Rus als Kapellmeister an die Wiener Sjofopcr. Bis zum Jahre 1847 blieb er dort. Dann vertauschte er Wien mit Berlin, wo er als Operndirigent und Leiter des Königlickfen Domchores wirken sollte. Doch nur zwei Jahre waren ihm noch zu leben beschieden. In dieser Zeit vollendete er sem populärstes Werk, das er bereits in Wien begonnen hatte: dieLustigen Weiber". Acht Wochen vor seinem Tode fand die erste Auf- Ührung statt am 11. Mai 1849 schloß der Ruhelose seine Augen für immer. Dieser frühe Tod madjt es erklärlich, daß. Nicolais übrige Werke ausnahmslos der Vergessenheit anheim gefallen sind. Auch die in letzter Zeit an einer Sinchrne imb einer Weihnachtsouvertüre mehrfach unternommenen Wiederbe­lebungsversuche haben feine dauernden Erfolge gehabt. Nicolai lebt und empfindet mit der Mode seiner Zeit. Und diese Mode ist für uns erstorben. Nur einmal spielte sie ihm ein Thema in die .Hände, das alle originellen Quellen seiner Begabung aufdeckte. Der bürgerlich seine Humor, die schalkhafte Liebenswürdigkeit, die zarte landschaftliche Stimmungskunst, die launige Schilderung des Elfentreibens alle diese positiven Vorzüge der Lustigen- Weiber-Partitur wirken auch heute noch mit unverminderter Frische und sichern dem Schöpfer des anmutigen Werkes dauerndes Weiter­leben im Gedächtnis der Nachwelt. m r,

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. TieBlume der Barmherzigkeit®. Der Verkauf der Blume der Barmherzigkeit", die, ivic wir ausführlich berichteten, in ganz Stuttgart an einem Tage verkauft wurde, hat über 30 000 Mk. erzielt. Dem Prioatdozenteii für Hygiene und Bat- leriologie an der Universität Freiburg i. Br. Dr. med. Emil Küster aus Wetzlar mürbe vom Großherzog von Baden der Titel außerordentlicher Professor verliehen. Der Ausschuß» für ent Seine-Denkmal in Bagni bi Lucca, bem von dem Dichter so gepriesenen Bade, erhielt Zustimmungserklärungen von dem früheren Unterrichtsminister Ferdiuando Martini, ben Dichtern Pascoli, Bonelli, Rapisardi, ben Schriftstellern Fogazzaro, d'Ancona, Benebetto, Eroce, Matilba, Serao, ben Künstlern Montevcrbo, Bistolfi, Eanoiiica, Origo, zahlreichen Senatoren, Abgeorbueten, Ortsbehörben unb Journalisten. Der Vorsitz in dem Ehrenausschud wird dem ehemaligen Minister Martini angeboten. In Rostock ist am 5. b. M. ber Gymnasialprofessor Abolf Brandt, ber unter bem Decknamen Felix Stillfried als plattdeutscher Dichter unb Schriftsteller heroorgetreteu ist, im 59. Lebensjahre gestorben.

Juni = 4- 25,5 ° 0. -- + 15,6 cC.

politische Tagesschau.

Der ttannibalenstreich in Kamerun.

Zu der gemeldeten Ermordung dcS Deutschen Bretschneider schreibt dieDeutsche TageSztg.

Die Mattas haben der Kameruner Verwaltung in den letzten Jahren schon mehrfach zu schassen gemacht. In der Hauptsache bewohnt der Stamm die unwegsamen Sümpfe zu beiden weiten des schiffbaren oberen N j o n g. Dort sitzen sie in schwer zugäng­lichen Dörfern, belauern die Kanoes, die auf dem Flusse den Warentransport für dic weißen Firmen beroerffteUigcn, und er­heben dabei ihren Zoll, der in Menschenfleisch besteht.

De Land st raße Jaunde-Dume führt lange Strecken durch ihr Gebiet hindurch und gilt bei den Trägern als die un­gemütlichste im ganzen Süden der Kolonie, weil man nie sicher fern kann, ob man nicht von ihr aus direkt in den Kochtopf eines Makkahäuptlings wandert. Am Nfong selbst brechen trotz der festen Plätze Akkonolinga, Atok und Bbognbang immer wieder Unruhen aus, die allerdings wohl in der Hauptsache, weniger einen politischen als eben kulinarischen Charakter tragen. Der Malka ist noch immer so erpicht auf Menschenfleisch, daß er trotz der strengen Strafen sich nicht enthalten kann, immer wiederan den Kannibalismus zurückzusallen. Tie Hauptleute Frhr. v. ötem und Scheunemann haben in den Jahren 1906 und 1907 er­folgreiche Expeditionen gegen die Mokkas ausgeführt, an denen zum Teil auch der damalige Kommandeur der Schutztruppe, Ge­neral Attiller, teilnahm. Am energischsten hat sie wie übrigens fast auch sämtliche übrigen Stämme der Kolonie der fetzige Major Dominik gezüchtigt, dem ja auch jetzt wieder die Durch­führung der weiteren Maßregeln übertragen worden ist. Dominik ist der ältesteKameruner" in der gegenwärtigen Schutztruppe. Fast jede größere militärische Aktion der letzten 15 Jahre iltinrt feinem Namen verknüpft, der bei den Eingeborenen mehrere Kom­pagnien Schutztruppe aufwiegt. Dabei lieben namentlich die krie­gerischen JaunHestämmeihren" Dominik nne einen Vater, hat er doch aus der kleinen Ansiedlung ein wahrhaft großartiges Festungswerk geschaffen, auf dos sogar die in der, Nähe wohnenden Eingeborenen mit einem gewissen Stolze blicken, wenn sic auch in Kongvla-Jaunde (Kongola heißt die Mauers die deutsche Zwing­burg sehen, die ein unerschütterliches Wahrzeichen deutscher Herr- schäft ist.

Aus dem SttasprozehauLschuh.

: Berlin, 8. Juni.

Der Strasprozeßaus schuß fügte einen § 139 a ein, Kanach dem Beschuldigten auf Antrag ein Rechtsanwalt als Verteidiger beizuordnen ist, wenn er glaubhaft macht, daß er einen Verteidiger nicht finden kann und auf Verlangen einen Vorschuß nach der Gebührenordnung bezahlt. Nach § 141 fönnen Jusüzbeamte, die nicht als Richter angeftellt sind, und Rechts­kundige, denen die Verteidigung von einem Rechtsanwalt über­tragen werden kann, als Verteidiger bestellt werden: davon wer­den durch den Beschluß des Ausschusses die Sachen, die vor dem Reichsgericht in erster Instanz oder vor den Schwurgerichten zu verhandeln sind, ausgenommen. z ..

Xie 143 litnd 145 werden durch Annahme von Anträgen des Dr. Heinze (Nclll.) unwesentlich geändert. Abgelehnt wird der Antrag Dr. Giese-Pernick (Kons.) auf Einfügung eines 814ba, der die Pflichten des Verteidigers bestimmt und darin u. a. vor- fchreilst, daß er keine Handlungen vornehmen dürfe, die den Zweck verfolgen, die Ermittlung der Wahrheit zu verringern oder zu! erschweren, oder den schuldigen Täter der Bestrafung zu entziehen. Bei § 147 werden eine Reihe von Anträgen auf Erweiterung der Befugnisse des Verteidigers abgelehnt: es verbleibt! bei der Fassung des Regierungsentwurss. Danach lautet §147:

Der Verteidiger ist befugt, die gerichtlichen Allen, einschließ­lich der auf Grund richterlicher Anordnung beigefügten anderen Allen, sowie die amtlich verwahrten .Beweisstücke einzusehen. Solange nicht die Eröffnung des Hauvtverfahrens beantragt ist, kann ihm die Einsicht in einzelne Aktenstücke versagt werden, wenn die Gestaltung den Zweck der Untersuchung gefährden könnte Die Einsicht in Gutachten von Sachverständigen sowie in Protokolle über die Vernehmung des Beschuldigten und über solche Untersuchungshandlungen, bei denen dem Verteidiger die Anwesenheit gestattet wurde oder hätte gestattet werden müssen, darf 'ihm in feiner Lage des Verfahrens versagt werden. Dem Verteidiger können auf Antrag Aktenstücke zur Einsicht ui die Wohnung gegeben werden.

Weiterberatung Freitag.

Die Reid)$oerfid}erungsorönung.

:: Berlin, 8. Juni.

Der Reichsversicherungsausschuß führte heute die Verhandlung über den § 177, mit dem das zweite Buch das über die Krankenversicherung, beginnt, fort. Die §§ 1/7189 handeln von der Versichcrungspflichl. Die Regierungsvorlage macht ver- ficberungsvflichtig für den Fall der Krankheit: 1. Arbeiter, Ge­hilfen, Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten: 2. Betriebsbeamte, Werk­meister, Techniker, sowie andere Angestellte, die mit einer ähn­lichen Tätigkeit berufsmäßig beschäftigt werden; 3. Handlungs­gehilfen und Lehrlinge, Gehilfen und Lehrlinge rn Apotheken: 4. Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Rücksicht auf den Kunst- wert ihrer Leistungen: 5. Lehrer und Erzieher: 6. Hausgewerbe­treibende: 7. die'Schiffsbesatzung deutscher Seefahrzeuge, tonne die Besatzung von Fahrzeugen der Brnnenschaffahrt. Voraus­setzung bei allen diesen, mit Ausnahme der Hausgewerbetreibende^ ist, daß sie gegen Entgelt beschäftigt werden, und, soweit cs sich nicht um Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge und Dienstboten handelt, die in allen Fällen versicherungspflichtig sind, daß nicht ihr regelmäßiger Jabresverdienst 2000 Mk. übersteigt

©ine Reihe von Anträgen will den Umfang des -ber»

sicherungäkreises anders regeln. Am weitesten geht der Antrag der Sozialdemokraten, der alle gegen Lohn oder Gehalt oder irgend sonstige Bezüge beschäftigten Personen versicherungspflichttg machen will und auch, bis zur Einkommensgrenze von 5000 Mk., sämt­liche selbstäiidigc Gewerbetreibenden, Betriebsbeamte, Handlungs- oehilfen, wissenschaftlich ober künstlerisch tätigen Personen. Die Reichspartci will die selbständigen Gewerbetreibenden etnbesiclfen, deren Einkommen nicht 900 Mk. übersteigt Das Zentrum will die Einkommensgrenze allgemein auf 3000 Mk. .erhöhen, wahrend sie ein nationalliberaler Antrag auf 2n00 Mk festletzt. Dieser Antrag mit der Grenze von 2o00 Mk. wird angenommen

Dem Jahresbericht der ©lisfranfenfafie

entnehmen wir: .

Das verflossene Geschäftsjahr ift, trotzdem ine Krise in ihrer ganzen Größe lähmend auf die Geschäftswelt und naturgemäß auch auf die Krankenkassen wirkte, als ein normales, ja angesichts der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, als ein gutes zu bezeichnen. ,, .

Während in den Großstädten im Jahre 1909 schon em Ab­lauen der Krise zu verzeichnen war, kam solche in den mittleren und kleineren Städten noch in voller Schärfe zur Geltung.

Der beste Gradmesser hierfür ist die Mitgliederbewegung, ohne die Beitragseinnahme der Krankenkassen.

Die Zahl der Mitglieder ist gegen das Vorjahr int Durchschnitt um 89 gestiegen, allein dieser Zuwachs betrifft nur die niedrig entlohnten Arbeiter unb zwar meistenteils Lehr­linge unb Kinber. Eine erhöhte Beitragseinnahme war beshalb hieraus nicht zu erwarten. .

Im Gegenteile, bie Beitragseinnahme ist gegen das Vorfahr, trotzdem man im Berichtsjahre für 53 Wochen Beiträge in Rech­nung setzen unb einziehen konnte, ganz bebeutenb und zwar von 172 000,84 Mk. auf 169 926,34 Mk., also um 2074,50 Mk. gesunken. . .

Alle Anzeigen deuten jedoch darccufhin, daß sich im neuen Jahre eine allgemeine Aufwärtsbewegung geltend macht und daß hierdurch wieder bessere Zeiten eintreten.

Schon seit einigen Jahren genügten die seitherigen Bureau­räume nicht mehr denjenigen Ansprüchen, welche man billiger- weise als unbedingt notwendig bezeichnen konnte. Der Vorstand besckstvß deshalb, die Bureaüs zu erweitern. Der hierzu erforder­liche An- und Umbau erforderte einen Kostenaufwand von 15 767 Mark 97 Pfg welcher durch ein Darlehen von 10 000 Mk. bei hiesiger Bezirkssparkasse, sowie Entnahme aus ben Betriebsmitteln gebedt würbe. Durch biese Bauveränberungen ist die Kasse im Besitze von allen hygienischen Ansprüchen genügenden Arbeits­räumen, die auf Jahre hinaus feiner Erweiterung bedürfen. Sämtliche Räume werden d.urch Zentral-Warmwasser-Heizung ge-

Mit dem 1. Januar 1909 trat das von der hessischen Re­gierung und den Landständen angenommene Gesetz betr. die Für­sorge für ine Kommunalbeamten usw. in Kraft. Die Beamten der Ortskrankenkafsen sind berechtigt, dieser Kasse freiwillig beizu­treten.

Der Vorstand beschloßt von diesem Rechte Gebrauch zu machen unb meldete sämtliche Beamte zu ber Kasse als freiwillige Mit- glieber an unb zwar bahingehenb, bafj bei einer eventuellen Pensionierung bie setther bei ber Kasse geleisteten Dienstjahre in Anrechnung gebracht werben.

Die Mitglieberzahl bewegte sich zwischen 5276 (im Februar) unb 6311 (im September) unb betrug burchschnittlich 5946 unb zwar 4686 männliche unb 1260 weibliche. Gegen bas Vorjahr bat bie burchschnittliche Mitglieberzahl um rund 320 zugenommen. Die Zahl der Erkrankungen betrug 2587, 1773 weniger als 1908. Dagegen hat bie Zahl ber Krankheitstage eine Zunahme von 48 758 auf 49 350, also um 350 erfahren. Die Zahl ber Sterbe­fälle ist von 38 auf 27 gefallen. Die Einnahmen betrugen 218162,92 Mk. (1908 244 142,07 Mk.), darunter Beiträge 169 926,34 (172 000,84) Mk. Die Ausgaben beliefen sich auf 205 450,67 (222 376,16) Mk. Ausgegeben wurden für ärztliche Behandlung 36 157,68 (38 368,03) Mk., Arznei und sonstige Heil­mittel 18 653,76 (17 783,92) Mk., Krankengelder an Mitglieder 71 245,77 (73 104,27) Mk., Krankengelber an Angehörige 2038,90 (2395,33) Mk., Sterbegelder an Mitglieder 2055,50 12639,45) Mark, an Angehörige 1465,07 (1750,17) Mk., Unterstützung an Wöchnerinnen 3253,20 (2425,35) Mk. unb Pflegekosten an Kranken­anstalten 11 747,20 (10 577,18) Mk. Das Vermögen der Kasse stieg von 142 613,19 auf 148 154,07 Mk._____________________

Schwurgericht.

H. Gießen, 9. Juni.

Wegen Meineids hatte sich gestern die 35 Jahre alte, zu Stare geborene, mehrfach vorbestrafte Arbeiterin Frau Fran­ziska Natuszewsky, zuletzt in Gießen wohnhaft, vor den Geschworenen zu verantworten. Die Anklage verttat Staats- anroalt Trümpcrt und die Verteidigung führte Rechtsanwalt Arnold. Es toaren nur wenige Zeugen geladen.

Bei der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Ver­handlung handelte es sich um die Aufrollung so schmutziger Sittenbilder, wie man kaum im Sumpf einer Großstadt findet. Die Angeklagte war geständig, am 18. Februar vor der Straf­kammer Gießen einen Meineid geleistet zu haben, obschon der Vorsitzende, Landgerichtsbirektor Prewrius, sie wiederholt ein­dringlich vor einer falschen Eidesbekundung verwarnt hat und sic darauf hingewiesen worden war, daß sic Aussage unb Gib verweigern könne, wenn sie sich burch Angabe der Wahrheit einer strafbaren Hanblung beschuldigen müßte.

Das Gericht erkannte, nachdem der Wahrspruch der Ge­schworenen auf schuldig des wissentlichen falschen Eides angenommen war, auf eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten, unter Anrechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft, und sprach die dauernde Eides- unsähigkeit der Natuszewsky aus.

Juni

1910

Barometer (Uif 0® reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Wind- richtung

Windstärke

Grad der Bewölkung in Zehinel ber pchld. j)lmmele(L

8. 2s

747,5

20,9

15,7

86

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4

6

8. 9

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