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9.4.1910 Erstes Blatt
 
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EJläbdven i d)ul kl as s c ans ein ein AuSflttge und ließ sich mit dem <?>el)n*r in ein Gespräch ein. Er war erstaunt über dic gute .Füllung der Kinder und ilbcf das, mas bic Kinder ru unseren, Kgd'itlcn lernen int Berlxälttris zu betten in England. Wer dr<r chische Beispiele von englisttrn Schulleistungen Icfcn Mitt, der findet solche bei Musgrave. Mer auch englische Kulturhtitortker Tingen, bah das Lernen der englischen SäMer.nichts ,als ein MuSivendigleruen von Abstraktionen sei, das die Geisteskräfte der Kinder nicht inerte und nut-t entwickele. T-eutschcs Unterrichts Verfahren studieren englische Sclmlmüirncr und suchen es nach-' tun I;men. Tech die eugliscden Lehrer von heute Ira bett noch mit lunger,Citren Schwierigkeiten zu kämpfen. ,

tzal>en sie einerseits mit der Stumpfheit mm Tragl-eit der Kinder und mit der Unzulänglichkeit der Hilfsmittel zu tun, To stellt ihnen noch der weit verbreitete Unverstand der Massen entgegen, die auf Schulbildung nicht viel geben, und auch mit einem noch iv.it verbreiteten Mangel an Interesse der führenden !Kreise an einer allgemeinen Volksbildung. Tazu kommt novlj ein in England besonders ausgebreitelcs fogernrnntes Unabhüngig- keitSgefiilil bei Eltern und Kindern, ein Gefühl, das bei uns gewin'c pädagogische Reformer im Namen der freien Persönlich- feit zu züchten versuchen. Musgrave zeigt einigeedle" Früchte dieses Baumes.

Es ist wohl keine Ueberlfebuna unsererseits, wenn man sagt, daß daS englische Schulwesen mindestens um eine halbhundertjährige Entwicklung zurück ist. Sie Früchte dieser Rückständigkeit der Volksbildung in England zeigt die hilftose Lage von Tausenden iitnb Abertausenden von englischen Arbeitern, die nicht imstande sind, einen Beruf zu lernen und darum nicht nur in ihrer wirE schaftlichen und sozialen Entwicklung stets hinter den Massen .bei uns zurück sind, sondern in Zeiten industrieller Arbeitslosig­keit hilflos auf dem Pflaster liegen oder der Armenunterstützung ^verfallen. Abel-Musgrave ist gewiß im Rocht, wenn er unsere gewaltige wirtschaftliche Entwicklung zum großen Teil davon her- Ileitet, daß die Arbeit der deutsck)en Regierung für die Hebung |ber Volksbildung eine Summe von geistigen Kräften gesck>affen iund aufgestapelt habe, die nach Schaffung der deutsckien Einheit Ibie Möglichkeit erlangten, sich im Wettbewerb so erfolgreich zu be­tätigen.

Maiigel an Verständnis für die Kulturbedürfnisse der breiten iSchichten des Volkes, übermäßige Rücksichtnahme auf die Eigen- ibrödelei les Sektierertums, eine einseitige Hinneigung zur iTczentralisalion, ja wirkliche Abneigung gegen ein kräftiges Ein­greifen des Staates sind die wesentlichsten Ursack>en für das -Zurückbleiben Englands auf dem Gebiete der Bolksbildiing. Es ist noch nicht lange her, daß daS englische Ministerium eine Schul- abteiluiig enthält, die das ganze Volksschulwesen wenigfteiis einiger- Maßen überwacht; auch ein System von staatlichen Schulinspek- tionen hat man neuerdings geschaffen; aber immer iwch scheut man sich, die Zügel straffer anzuziehen, noch immer haben tue in den Städten und Landbezirken durch Wahl gebildeten Er fziehungSkomitees, die Kirck)engemeinsck>aften und Schulunternehmer so gewaltigen Einfluß aus Schule und Lehrer, daß das englisclfe Volksschulwesen iwch auf lange Zeit hinaus in hohem Matze rückständig bleiben muß.___________________

Die hessische wahlresorm und die Erste Kammer.

Darmstadt, 9. April. Der Wahlrechts-Aus­schuß der e r st c n Kamme r tagte gestern vor- und nach- - mittag unter dem Vorsitz des Fürsten zu Lciningen, am Nach- : mittag bei Anwesenheit des Stczatsministers Dr. Ewald, des Geh. Staatsrats Krug von Nidda, sowie des Ministerial­rats Lorbacher. Bereits im Febrirar und März fanden ver schicdcne Sitzungen des Wahlrechtsausschusses statt. In den ^Sitzungen wurden vorbereitende Beschlüsse zu dem Wahl- I gesetz gefaßt, insbesondere machte sich der Ausschuß dahin schlüssig, der von der Zweiten Kammer beschlossenen Erhöhung der Zahl ihrer Mitglieder au.f 58 lzuzu stimm en. Es wurde beMossen, hiervon dem Zwei­ten Ausschuß der Zweiten Kammer Kenntnis Zu geben und Zugleich mitzuteilen, daß die Abßicht der Vollversammlung -und des Ausschusses bestehe, die in der Regierungsvorlage vorgelegten drei Gesetzentwürfe über die Abänderung der Verfassungsurkunde, die Landstände und die Wahlkreis­einteilung demnächst gemeinsam der Verhandlung und Be­schlußfassung zu unterziehen. Erft nach der Beschlußfassung der zweiten Kammer über die Wahlkreiseinteilung könne man endgültig zu der Gesetzesvorlage und den von der zweiten Kammer hierzu beschlossenen Abänderungen Stel­lung nehmen. Der Ausschuß beabsichtigt deshalb mit seinem Bericht erst dann an die Vollversammlung heranzutreten, wenn auch der dritte Gesetzentwurf über die Wahlkreiseintei­lung von der zweiten Kammer erledigt sein wird._______

Das Scheitern der Verhandlungen im Baugewerbe.

Berlin, 8. April. Tie Verhandlungen, die auf Ver­anlassung des Reichsamts des Innern zwischen den Arbeit­sgebern und Arbeitern des Baugewerbes stattgesunden haben, !find ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber er- i klärten, durch die bisher gefaßten Beschlüsse bereits sest- 'gelegt zu sein. Sie seien daher nicht in der Lage, der vorgeschlagencn Einsetzung eines unparteiischen Ausschusses zuzustimmen oder, wie in zweiter Linie angeregt wurde, sofort in eine erneute Berarung der fünf strittigen Haupt­punkte einzutreten.

Nach Feststellung des Scheiterns der Einigungsverhand­lungen im Baugewerbe trat der Vorstand des Arbeitgeber­bundes für das deutsche Baugewerbe Zusammen und be­schloß einstimmig, daß in Deutschland die Aussperrung 'am 15. April erfolgen soll mit Ausnahme von Hamburg, lvo der Frieden gesichert ist, und von Ber­lin, solange hier Berhandlungen noch schweben. Diese Verhandlungen sollen anfangs nächster Woche stattfinden.

vcr Kaiser in Homburg.

Homburg v. d. H., 8. April. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Vertreters des Aus­wärtigen Amtes, Gesandten Frciherrn v. Jenisch.

Heute voiinittag machten dic Majestäten einen Spa­ziergang durch den Kurpark. Nachmittags unternahmen die Majestäten mit der Prinzessin und Gefolge in Auto­mobilen einen Ausflug nach Psasfenwiesbach und gingen von da zu Fuß über die Kapcrsburg bis in dic Gegend von Köppern, von wo sie per Automobil hierher zurück­kehrten.

Vie neue Verbrüderung Zrankreichr und Siaiienr.

Eine Note derAgence Havas" sagt: Der italie- n if ci) c Mi n ist er des Auswärtigen di San Giu­liano stattete am Freitag dem Minister P i o n o n einen Besuch ab und hatte mit ihm eine mehr als ein stündige Unterredung, die sich auf die hauptsächlichsten Fragen der auswärtigen Politik erstreckte. In ihrem Verlauf stell­ten die beiden Minister fest, daß in den von ihnen behan­delten Punkten ausgezeichnete Beziehungen -Zwischen den beiden Ländern bestehen.

Damit ist vor aller Welt deutlich. erwiesen, daß der Höf- lichkeiten-Austausch zwischen Herrn v. Bethmann-.Hollweg und den Italienern sachlich belanglos ist.

Vie Feierlichkeiten in Jerusalem.

Jerusalem, 8. April. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich ritten heute zeitig früh auS Anoritt und begaben ich zunächst nach der Templerkolonie, wo sie von dem Vor­steher Hofmann, dem Sohne beß Begründers, und dem deutschen Bürgermeister Sohle begrüßt wurden. Der Prinz dankte herzlich für die Begrüßung. Der Ritt wurde sodann nach Bethlehem fortgesetzt, wo alle Sehenswürdigkeiten eingehend besichtigt mürben. Gegen 1 Uhr kehrte baS Prinzen­paar nach bem Oelberg zurück.

Deutsches Aeieh.

Die württembergische Zweite Kammer hat mit sämtlichen 77 abgegebenen Stimmen einen Nachtrag zum Haushalt angenommen, der infolge des neuen Volks­schulgesetzes für das Jahr 1910 einen Mehraufwand von 351 841 Mark für die Volksschulen Vorsicht.

Aus Posen wird gemeldet: Das Ergebnis der R e i ch s t a g s e r s a tz w a h l ist: Oberbürgermeist. Wilms (deutsch. Kand.) 12 579, Sosinski (offizieller polnischer Kand.) 6964, Nowicki (polnischer Demokrat) 11487 und Matuschewski (Sozialdemokrat) 2241 Stimmen. Stich­wahl zwischen Wrlms und Nowicki ist sicher.

Die von den Sozialdemokraten in Berlin beantragte Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem .Himmel am Sonntag im Treptower Pa^k und im Friedrichshain ist vom Amtsvorsteher in Trep­tow und dem Berliner Polizeipräsidium erteilt worden. Der Berliner Magistrat hat seinerseits als Eigentümer des Trep­tower Parks, sowie des Friedrichshains beschlossen, bte große Miese im Treptower Park, sowie den Spielplatz im Fried­richshain für die sozialdemokratischen Wahlrechtsversamm­lungen am Soirntag freizugeben.

2luslaee&.

Aus London meldet man: Infolge der Abstimmung der Bergarbeiter, welche eine große Mehrheit gegen den Streik ergab, unterzeichneten die Vertreter der Kohlengrubenbcsitzer und Arbeiter von Südwales Ijeute ein neues Abto mme n. Damit ist die Gefahr eines Streiks von kolossalem Maßstabe endgültig abgewendet.

Aus London meldet man: Der neunte Dread­nought wird am Sonntag in Greenock vom Stapel gelassen werden und den NamenColossus" erhalten.

Sie Wetterführung Ser Elektrischen nach lvieseck.

9(u§ Wicscck, 8. April, wird uns geschrieben: Unser Gemeinderat wird sich demnächst mit einem Vorschlag zu be­schästigen haben, der von Gießen gemacht ist, um unseren Ort an die dortige Straßenbahn anznschließen. Nach Mit­teilungen, die an unseren Bürgermeister gelangt sind, wird der Bau der etwa 2 Kilometer langen Strecke 150 000 Mk. kosten. Die Betriebskosten belaufen sich jährlich auf etwa 20 000 Mk. Unsere Gemeinde soll einen einmaligen Betrag von 75 000 Mk. oder auf 10 Jahre jährlich die Hälfte der Betriebskosten, also 10 000 Mk. übernehmen. Man ist der Ansicht, daß das Wieseck angesonnene Opfer sehr hoch ist und Gießen wohl wegen der Höhe dieses Betrages mit sich reden lassen würbe. Unser Gememderat wirb erwägen müssen, ivelchen Betrag er für die große Annehmlichkeit leisten lvill, daß unser Ort an bic Straßenbahn und damit wenigstens für den Personenverkehr direkt an die Eisenbahn angeschlossen wirb. In der Bürgermeisterei Gießen möge man bedenken, baß es eine Anzahl Gießener Gewerbetreibende gibt, bic Vor­teile davon haben, wenn unserer kaufkräftigen Bevölkerung der Weg nach Gießen bei jedem Wetter bequem gemacht wirb. Die Verbindung Gießen-Wieseck bringt wohl auch eine Hebung der Frequenz der Straßenbahn im Innern dec Stadt selbst mit sich, wie der Vorortsverkehr in anderen Städten beweist, so baß der Ausbau der Gießener Straßenbahn nach den Vororten zur besseren Rentabilität der Bahn überhaupt führen wirb.

Ans SraSc nnd Land.

Gießen, 9. April 1910.

' Tageskalender. M i l i t a rk o nz e r t aus der LicbigS- höhe. Sonntag nachmittag 4V. Uhr.

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

K i n e m a t o g r a p h: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

Anlagemusik am Sonntag vormittag 117, Uhr in bet Süd - Anlage. Spielplan: 1. Phantasie a. b. Op.Aida" von Veröl; 2. Ouvertüre z. Optte.Frau Luna" von Linke; 3, Wir ivielcn Soldaten! Eharallerslnck von Eilenberg; 4. König Karl- Marsch von Unrath.

* * Zu Steueraufsehern ernannt wurden die Mi- litäranwärter Vizewachtincisler Will). Wahl aus Angersbach, Vizefeldwebel Joh. Fleischmann aus Schlitzenhausen und Vizefeldwebel Seb. RicklaS aus Ober-Kainsbach.

* Durch bic Vereinfachung bc5 Zustellnngs- wesens infolge der am 1. April b. I. in Kraft getretenen neuen Gesetzesbestimmungen haben die Gerichtsvollzieher erheblich weniger zu tun. In Fortfall kommen 3. B. die Anfertigung von Abschriften von Zahlungsbefehlen :e. Die Gerichtsvollzieher in Gießen haben sich infolgedessen in die Notwendigkeit versetzt gesehen, je einen Schreibgehilfen 311111 1. Mai zu kündigen.

* Vom Kolossen in. Madame Stefanie hat ihr Gast­spiel noch auf einige Tage verlängert. Gleichzeitig wird denen, die noch nicht bic phänomenale Stimme bewundert haben, Gelegenheit gegeben, zu ermäßigten Preisen das Theater zu besilcheu. Madame Stefanie erntet allabendlich großen Beifall. Auch bic anderen Darbietungen finden allgemeine Anerkennung.

* * Gießener Pferbelotterie. Fortuna hat beider Gießener Pferdemarkt-Lotterie ein Einsehen gehabt und den 1. Hauptgewinn einem Soldaten im hiesigen Regiment und den 2. Hauptgewinn einem KaufmannSlehrling aus Klein- Linden zukommen lassen, and) die übrigen 11 Hauptgewinne fielen zum größten Teile an minderbemittelte Leute. Die beiden Haupttreffer fielen in die Kollektionen R. Buchacker und H. Kühn.

Silbernes Dienstjubiläi,in. Der Fahrkarten­ausgeber Jakob Fischer beging am 1. April den Tag der

25 jährigen Wiederkehr seines Dienstantritts bei bet Bahn. Der Jubilar, der als 14 Tage altes Kind in die Pflege der Bender'schen Eheleute kam, ist von diesen erzogen worden, er hat die Realschule befud)t und ist seit 12 Jahren am Fahrkartenschalter Gießen tätig. Fischer ist als liebenswür­diger Beamter, besonders bei den Geschäftsleuten, die viel reisen müssen, sehr beliebt.

K'. Großen-Linden, 8. April. Aus Anlaß deö für den zweiten Pfingsttag vom Gc s a n g v e r e i nG er - mania" geplanten großen Nationalen Gcsangs- wettstreits hat in der vergangenen Woche eine Sitzung der einzelnen Ausschüsse für das Fest stattgesunden. Ter Vorsitzende tonnte mitteilen, daß bereits 15 Vereine, bar- unter solche, die mit ihren gesanglichen Leistungen auf hoher Stufe stehen, ihre Teilnahme zugesagt haben. Bei der gesamten Bevölkerung des Orts ist die Begeisterung für den geplanten Sängerwettstreit sehr groß. Dies hol sich ganz besonders gezeigt bei der Stiftung von Mitteln zum Ankauf von Preisen? so daß es au wertvolen Ehren­gaben nicht fehlen wird.

Friedberg, 8. April. Am Montag, 18. April, findet die Eröffnung des Prediger-Seminars im Fesl- saale des Seminargebäudes statt. Außer den 5 bleibenden Kandidaten treten 10 Herren (davon einer ans Sachsen- Weimar) ein.

R.B. Nanheimb.Groß-Gerau.(Privattelegramm.) Ein Meuchelmord wurde gestern abend gegen 8 Uhr an dem Kimststeinfabrikanten ©ringer versucht, ©ringer, der lebensgefährlich verletzt wurde, saß in feinem ArbeitSznnmec; der Schuß wurde durch das Fenster abgegeben. Der Staats­anwalt begab sich heute vormittag an den Tatort, um Er- Mittelungen nach dem unbekannten Täter anzustellen.

RB. D a r m ft a b t, 9. April.

Im Residenzschloß ist heute vormittag in den Räumen, die früher die Gemäldesammlung beherbergten, eine vom allgemeinen Deutschen Jagbschutzverein und dem Hesstschen Jagdklub veranstaltete Jagd-Ausstellung eröffnet worden. Die Veranstaltung war zuerst nur als eine Jagd-Trophäenausstellung gedacht, ist aber unter der umsichtigen Leitung des Vor,itzenden, Kommerzienrat H i ck l e r, zu einer reichhaltigen allgemeinen Jagd-Aus. stellung ausgewachsen. Jin ersten Saat haben die Mit­glieder des Hessischen Jagdklubs ihre schönsten Stücke aus­gestellt. Darunter befindet sich der letzte Wolf, der im Jahm: 1891 im Lorscher Wald vom Leibjäger Wetter ge­schossen wurde. Ferner sehen wir hier prächtige Exemplare seltener Jagdtiere, einen weißen Hasen, ein schwarzes Kaninchen, wilde Katzen, Edelmarder, Modelle und bildliche Darstellungen von Raubtieren usw. Von Interesse ist auch die Sammlung wissenschaftlicher Präparate des Professor O lt-Gicßcn, ans dem veterinär-pathologischen Institut der Universität. Weiter hat Frhr. Hiller von Gärtringen eine Jagdflinte Napoleons I. ausgestellt. Tas Paulus-Museum zu Worms lieferte das Geweih eines im Rhein gefundenen prähistorischen Riefenhirsches, der aus dem .Anfang ber- Dilurniums stammt; ferner sehen wir hier interessante Schniirckstücke aus den alten Gräberfunden bei Worms, aU Halsketten getragene Hirschgranen, große Keilergewehre aus Gräberfunden bei Alzey und Rheindürckheim usw. Ein großer Schatz von Jagdirophäen, wie Eisbärfelle, Hirsch gcweihc, einen prächtigen Kaiseradler, Auer Hähne, Reiher, Elchschauseln und eine ganze Kollektion vom Aussteller selbsterlegter Polarvögel bildet den übrigen Schmuck des Saales, in dem auch die Technische Hochschule mit einer reichhaltigen Sammlung triegstechnischer Schaustücke ver­treten ist. An besonderer Stelle sind die prächtigsten Jagd trophäen des Großherzogs aufgestellt, die daS Entzücken des Kenners erregen, und in den übrigen Sälen sind Hunderte von Hirschgeweihen, Rehbockstangen, Tammhirschschaufelii, Jagdwafsen aller Art, Verschlußteile, Schalldämpfer, Schüsse-Photographien, Originalzeichnungen und Jagdstüäe bekannter Maler, Biologien von Insekten, Fallenmodellc usw. in reichster Auswahl übersichtlich zur Schau gestellt. Die Ausstellung ist noch morgen, Sonntag und dann am 17. und 18. April geöffnet. Tie höchsten Auszeichnungen, der Ehrenpreis goldene Medaille mit Schild fielen zu dem Großherzog, bem Prinzen Otto zu Schaum­burg-Lippe, dem Freiherr von Henl zu Herrnsheim, Worms uub Kommerzienrat Hickler, Darmstadt._________________

<Bcrid?tsfaaL

** Wegen ungebührlichen Benehmens auf der hiesigen Straßenbahn hatten sich gestern ein Buchdrucker, ein Schlosser und ein Kassierer vor dein Schöffengericht zu verantworten. Sic hatten, das Ver bot des Rauchens nicht beachtend, ruhig im Wagen weiter gequalmt, trotzdem ihnen der Wagenführer dies verbot. Als der Kontrolleur auf Veranlassung des Wagenführers ver­langte, sie sollten die Zigarren wegiverfen oder sich auf die Plattform stellen, wurden die Leute unangenehm und leiste­ten der Anordnung keine Folge. Einer der Passagiere wurde gegen den Wagenführer beleidigend, er stellte diesem ein Ansinnen und erklärte, der Mann habe ihm überhaupt nichts zu sagen. Tas Schöffengericht war der Ansicht, die Bewohner unserer Stadt sollten dafür dankbar fein, daß man ihnen ein so bequemes Verkehrsmittel geschaffen habe Wenn das Gericht Milde walten lasse und auf eine Geld' strafe erkannt habe, so geschehe dies, weil zum ersten Male solche Verfehlungen zu seiner Kenntnis gekommen seien. Wenn sich solche Vergehen mehren, müßte eine strenge Be­strafung emtreten, da man die Wagenführer bei ihrem schwer verantwortlichen Dienst schützen mü,sc. Wegen der Uebertretung, im Innern des Wagens nicht zu rauchen, wurde gegen die Angeklagten aus 5 Marl, wegen Nicht- besolgung der Anordnung bes Kontrolleurs auf 10 Aiari gegen jeden Angeklagten, wegen der 'Beleidigung oes Wagenführers gegen einen der Leute auf 30 Mark Geld­strafe, bezw. für je 5 Mark auf einen Tag Haft erkannt. Die Ginget tagten waren bisher unbestraft.

nn. Ober-Ingelheim, 9. April. (Tel.) Ter Redal- lcur M ö g l i 6) vornObcr-Jngelheuncr Beobachter" wurde wegen Beleidigung des Landtagsabg. Wolf vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt v ,

Stuttgart, 8. April. Vor der Straikammer ivurde heute der Prozeß gegen den verantwortlichen Redaktettr des ^Siinpti- zissimns". Hans Kaspar G n l b r a n i s 0 n, wegen B e t e i d , g u n g des Vlfcho'S Tr. Keppler uuö der Geistttchken der Ttozose Rotten- durg biivd) em Bild in Nr. 10 desSimptizissimus" vom 7. Juni 1«ju9 verhandelt. Bischoi von Keppler luav als Nebenkläger zu» gelassen worden, aber nicht erschienen, sondern biuxl) Rechtsanwalt Dr Schilling vertreten. Ter StaatSamvatt beantragte drei Atonale Gefängnis. TaS Urtel, wird am Freitag 15. April gefällt werden.

Lusljchlffahrt.

Deutsche Erfolge.

Johannisthal, 8. April. Ter Flieger I ea n n i n , ei» Elsässer, flog Wt M Mer Höhe vpü 50 Metern, yom, FlugM

übernommen habe.

Indem ich mich 'M Führung oon nn durch aufmerksame K stellen, bitte ich um g<

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