Ausgabe 
6.12.1910 Zweites Blatt
 
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Lwelie, Blatt

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trid)einl KgNch mtt Ausnahme bet Sonntag«.

«tneGießener ZamkUenblätter" werden dem ,Anzeiger^ viermal wöcdenllich deigelegt, bas Krrliblatt fflt bei Kreis Glrhen" zweimal wöchenUlch. Die ^andwtrtlchaslllche» LeU- fregeu erscheinen monatlich irociuiaL

Gießener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gberhesscn

Dienstag, 6. Dezember 1910

Rokatlonsbruck und Verlag der Vrühl'schen UntversilätS - Buch- und Sreindruckerei.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-

stratze 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tel.-Ahru Ari-eigerGießen.

Maßnahmen gegen die Verbreitung der Maul-und Alaucnseuche durch die Sammelabdcckereien.

Bei der zurzeit bestehenden Gefahr einer Verbreitung der Maul- und Klauenseuche durch die Sammclabdeckcreien hat das hcsiische Ministerium des Innern den Kreisämtern und KreiSvcterinärämtern die .Anordnung NLä)stehcndcr Maßregeln empfohlen:

Allgemein ist anzuordnen, daß die Kadaver ohne Hilfe deS Abdeckereipersonals aus den Stallungen gebracht wer­den, und daß das Abdeckereipersonal die Stallungen nicht betreten darf. DaS genannte Personal hat beim Verladen der Kadaver undurchlässige, leicht abwaschbare Kleidung anzulegen. Nach dem Verladen der Kadaver hat das ge­nannte Personal, bevor es das Gehöft verläßt, Hände, Schuhwerk und Kleidung, soweit letztere mit den Kadavern und deren Abgängen in Berührung gekommen ist, zu des­infizieren. Die mit den Kadavern und deren Abgängen sowie mit Jauche und Mist in Berührung gekommenen äußeren Teile des Abdeckereiwagens (einschl. der Näder) und die Füße der Bespannpferde sind mit einer Desinfek- tionsslüssigkeit abzuwaschen. In Kreisen, in denen nicht bereits die Anordnung getroffen ist, daß die bei der Fleisch­beschau beschlagnahmten Teile in besonderen transportablen Kasten zu sammeln sind, um von der Abdeckerei gegen entleerte und disinfizlerte Kasten ausgewechselt zu werden, ist die gründliche Desinfektion der fraglichen Abfälle stets vor dem Abholen vorzunchmen. Für die Sperrbezirke und die um diese zu bildenden Bcobachtungsgebiete, sowie für Gebiet-Stelle, in denen wegen der Verseuchung benachbarter nichthcsjischer Orte oder aus sonstigen Gründen eine ver­mehrte Gefahr der Seuchenverschleppung anzunehmen ist, ist außer diesen Maßnahmen anzuorduen, daß die Ka­daver, bevor sie verladen werden, durch den Besitzer mit Wasser anzufeuchten und alsdann durch das Abdeckerei- personal mit DeSinfektionsslüssigkeit zu Übergießen oder auzustreichen sind. Die beim Verladen aus den Körper- ösfnungen austretenden Abgänge sind besonders zu des­infizieren. Tie Abdeckereiwagen dürfen, wenn darin Ka­daver aus einem Sperrbezirk verladen sind, in anderen Orlen nicht anhalten. Kadaver aus verseuchten Gehöften sind stets zuletzt zu verladen, so daß Personal und Wagen nach erfolgter gründlicher Desinfektion unmittelbar 'und ohne Unterbrechung nach der Abdeckerei gelangen. Ab­deckereiwagen, die Kadaver in einem Beobachtungsgebiet abholen, können danach noch Kadaver in anderen Orten innerhalb dieses Gebietes und zuletzt auch noch solche im Sperrbezirk aufnehmen, nicht aber in Orten außerhalb des Äeobachtungsgebiets. Beim Abholen der Kadaver ist im Abdeckereiwagen stets eine entsprechende Menge geeigneter Desinfektionsmittel in konzentriertem Zustand, sonne ein Meßgefäß und eine Gießkanne mit Brause mitzusübren. Als Desinfektionsmittel empfiehlt sich der billige, leicht tn Wasser lösliche liquor Cresoli saponatus (Ly|olerfatz- präparat). Die Anwendung hat in mindestens üprozentiger wäsieriger Lösung zu erfolgen. Die Kosten der nach diesem Ausjchreiben anzuordneiiden Desinfektion find, insoweit nicht gesetzlich oder durch Polizeiverordnung darüber be­stimmt ist, als Kosten des Abdeckerei-Unternehmers zu be­handeln. Soweit Die Kreise nicht selbst die Betriebsunter- neymer sind, ist deren 11 ehern ahme auf die Kreistage in Er­wägung zu ziehen.

Die Moabiter LtratzenkrawaUe vor Gericht.

4- Berlin, 6. Dezember.

Die heutige Vernehmung begann mit der Vernehmung eines, der Arbeitswilligen, des Kutschers W e llschmidt. Er soll über die ihm wiederfahrenen schweren Mißhandlungen im Schanklokale von Pilz Aussage machen. Es ist dies einer der schwersten Fälle, die während der Streikunruhen vorgekommen lind, und hie Anklagebehörde legt auf diesen Fall anscheinend sehr großes Gewicht, denn sie behandelt ihn recht ausführlich. Der Zeuge gibt an, er sei zu Kupfer u. Cie. als Arbeiter gekommen, als der Streik schon fast beendet war. Als er den Kohlenplatz betreten wollte, redeten ihn aus der Straße Streikende an und führten ihn in das Lokal von Pilz, wo ihm der Vorschlag gemacht wurde, er solle nicht die Arbeit aufnehmen, sondern Streikposten stehen, eventl. sei die Streikleitung in der Lage, ihm Arbeit in Plötzen- fee zu verschaffen. Während der Unterhandlungen wurde ihm Essen und Trinken verabreicht. Der Zeuge lehnte es schließlich ab, sich am Streik zu beteiligen, worauf 15 b i s 2 0 Mann über i h n herfielen , und ibn mit Gummi­sch l ä u ch e n und Fäusten bearbeiteten. Der Zeuge flüchtete hinter den Ladentisch zu dem Gastwirt Pilz, der ihn aber zurückstieß, so daß die Streikenden erneut über ihn Hersallen konnten.

Vors.: Wie oft sind Sie von Pilz hinter dem Ladentisch zurückgestoßen worden?

N.-A. Liebknecht protestiert gegen die Fragestellung: eS würden hier dem Zeugen Worte in den Mund gelegt, die er nicht gesagt habe.

Der Vorsitzende verbittet sich die Unterbrechung, worauf N.-A. Liebknecht erneut gegen die Fragestellung Einspruch erhebt, da dadurch die ganze Vernehmung in eine falsche Bahn gelenkt werde.

Vors.: Sie haben sich als Verteidiger meiner Prozeßleitung zu fügen. Wenn Sie glauben, Ursache zu einer Beanstandung zu haben, dann beantragen Sie einen Gerichtsbeschluß.

N.-A Liebknecht: Dann beanstande ich diese Frage und bitte um Protokollierung.

Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vor­sitzende, daß der Gerichtshof die Beanstandung al8 unzulässig zurückgewiesen habe Als der Verteidiger Liebknecht nochmals das Wort ergreifen will, unterbricht ihn der Vorsitzende mit Glocken­zeichen und erklärt, daß er nicht das Wort habe.

Es wird darauf in der weiteren Vernehmung des Zeugen Wellschmidt fortgefahren, der bekundet, er glaube etwa 8 b i s 10 mal von Pilz hinter dem Ladentische hervar­ge st o ß e n worden z u fein. Wer ihn alles geschlagen hat, weiß der Zeuge nicht, er glaubt aber einige der Angeklagten wieder zu erkennen. Der Zeuge ist schließlich von einem Streikenden aus dem Lokal herausgebrächt worden und hat auf der Straße feine Mutter und seine Schwester getroffen, bie am nächsten Tage bei der Polizei Anzeige erstat­teten. Am nächsten Tage hat et mit einem Krtminalschutzrnann das Pilzsche Lokal nochmals ausgesucht und dort 4 Streitende als Beteiligte an der Schlägerei rekoanoSziert.

Zeuge Arbeiter Gottschalk gehörte ebenfalls zu den Ar- beitswilltgen und ist von den Streikenden in der Sickingerstraße geschlagen worden. Nachdem ein Schuß gefallen war, den der Zeuge für einen Signalschuß hielt, fielen etwa 10 b i s 15 Personen über i hn und seine Kollegen her und verprügelten fie mit Gummiknüppeln. Im Pilz- schen Lokal seien ihm Vorwürfe gemacht worden, daß er arbeiten wolle. Pilz selbst habe gesagt, er werde ihm die Knochen im Leibe zerschlagen, wenn er die Arbeit nicht niederlege. Auch Fran Pilz habe ihm gesagt, er solle sich doch schämen, zu arbeiten, wahrend andere streiken. Der Zeuge hat erwidert, er müsse doch für seine Familie sorgen.

Ein Zeuge Arbeiter Baumann hat in dem Pilzschen Lokal geweilt, als Wellschmidt verprügelt wurde. Er will gehört haben, das Pilz rief: Wenn ihr euch prügeln wollt, geht aut die Straße. Dem Zeugen Griesel, einem Arbeitswilligen ist angedroht worden, wenn er die Arbeit aufnehme, wurde er Prügel be-

lununen, daß er seine Knochen im Sack nach Hause tragen könnte. Zeuge Arbeitswilliger Liedtke ist von den Streikenden niedergeschlagen worden, wie er annimmt, mit einem Schlag­ring, so daß er 8 Tage im Krankenhause liegen mußte. In der weiteren Zeugenvernehmung bekundet ein Zeuge Schmidt, daß ein Mann, den er für einen Kriminalbeamten hielt, verschiedentlichBluthunde" gerufen habe

Die Verteidigung hat zum Falle Pilz noch die Ladung von 31 weiteren Zeugen beantragt. Morgen werden die Verhand­lungen fortgesetzt.

Deutsche Kolonien»

SchärsereMaßnahmengegenden Diaman­ten schmuggel in Südwest-Afrika beabsichtigt da§ Gouvernement einzu fuhren. Wie bereits aus dem dem Reichs trage vorliegenden Nachtragshaushalt hervorgaht, sollen bie Mehreinnahmen ans den Tiamantcnauss-uhr- zöllen Verwcnoung finden für den besseren Schutz der Diamantenfelder. So ist in Aussicht genommen eine Ver­stärkung der PoliAeistationen im Diamantengebiete, ein Ausbau der ZoNstattonen in der Prinzenbucht. Ferner werden Erwägungen angestellt, ob es nicht zweckmäßig sei, eine verschärfte Zollkontrolle zur Durchführung zu bringen. Obgleich man feilens des Gouvernements an einen organisierten Diam antenschmuggel nicht recht glauben will, deuten doch verschiedene Umstände darauf hin, daß ein solcher besteht und mangels einer genügenden Kon­trolle nrcht verhindert werden kann. Selbst in Kimberley rechnet man bet der denkbar schärfsten polizeilichen lieber- wachung mit einer Diamantenunterschleife von 25%. Ge­wünscht wird in Südwest-Afrika seitens der Diamanten­interessenten auch eine Erhöhung der Strafen gegen den Diamanteuschmuggel, da die höchste Freiheitsstrafe nur 3 Monate Gefängnis ist.

Unerquickliches au s O st a frika. DieNordd'. Dllg. Ztg." schreibt in ihrer Parlamentsausgabe: Ter Kampf, den Der Herausgeber derD eu t s ch - O st afri­kanischen Zeitung", W. v. Roy, gegen das kaiser­liche Gouvernement inDaressalam, speziell gegen den Gouverneur Frhrn. v. Rechenberg, seit Jahren führt,- spielt sich schon geraume Zeit hindurch in äußeren For­men ab, bie alten den unbefangenen Beweis liefern, daß der genannte Publizist leider jedes Augenmaß für die Grenzen einer, wenn auch noch so scharfen, so doch einiger-, maßen sachlich begründeten Polemik, verloren hat. Was; er gar in den letzten Monaten in seinem grenzenlosen Hasse gegen das Gouvernement geschrieben und getan hat, durste bie kaiserliche Verwaltung nicht mehr hingeben lassen, wenn nicht ihr eigenes Ansehen vor Weißen und Farbigen un­heilbar untergraben und wenn nicht eine schwere Beunruhi­gung bei Daressalamer und her übrigen Schutzgebietsbevöl- kerung chronisch werden sollte. Der Gouverneur stellte des­halb schließlich 1. für bie bei her Zentralbehörde beschäf­tigten höheren Beamten, 2. für sich selbst Strafanträge wegen Beleidigun g der höheren Beamten, nament­lich der Regierungsräte Methner und Knake. Der Ange­klagte v. Roy wurde am 9. Oktober durch das Bezirks­gericht zu einer Gefängnisstrafe von vier Mo­naten verurteilt. Die Strafe wurde am 27. Oktober vorn. Kaiserlichen Obergerichte als Berufungsinstanz zwar redu­ziert, blieb aber doch bemerkenswerterweife als Freiheits­strafe bestehen, trotzdem das Obergericht durchweg mit völlig unabhängigen Laienbesitzern besetzt war, von denen ein Teil sogar mit bem Angeklagten in regelmäßigem persön­lichen Verkehr stand und dessen Ablehnung wegen Befangen-

vor 40 Jahren an der Loire, iv.

(Vormarsch gegen Orleans, 3. bis 5. Dezember; Wiederbesetzung dieser Stadt.) «

Schon während der Schlacht bet rüngny-PouprY, nämlich gegen 2 Ulyr nachmittags, war bei dem Oberkommando her 2. Armee die Aufforderung eingegangen, durch einen Angriff aui Orleans nunmehr bie Entscheibung an der Loire herbeizuführen. Prinz Friebrich Karl ordnete daher an, daß noch im Laufe des Nachmittages bie einzelnen KorpS sich engci zufammenziehen sollten und zwar das 10. bei BoyneS unb Beaunr la Rolande, das 3. bei PithivierS unb bas 9. bei Bazoches les Gallerandes. Bon bem Ausgang her Schlacht bei Loigny-Ponpry vmerrichiet, erlteß er abends die näheren Befehle für den dcab- näjtigteri Vormarsch. Für dies en ftanben brei Straßen zur Ver­fügung, bie in Orleans endeten: von Pühiviers, von. Parts- Artenay unb von Ehateanbun; zwischen ben beiben ersten war Noch benutzbar bie alte Römerstraße Paris-Orleans und zwischen heu beiben letzten bie alte Straße Chartres-Orleans. Für ben Vormarsch bis Orleans refp. an die Loire waren 2 Tage bercdjnet, derart, baß das 3. Korps auf bem linken Flügel von PithivierS aus bie Landitraße benutzen, unb am 1. Tage bis Loury in bet Mitte des Waldes vor Orleans Vordringen, baS 9. KorpS aber von Bazoches aus gegen Artenay anrücken uub an der Strafe womöglich bis Ehevilly gelangen, das 10. Korps eitblich von seinen letzten Standorten als Reserve hinter Die beiden andern KorpS nachrucken sollte. GleiciHeilig während des Matsches nach der Straße Artenay-Orleans hatte das 9. Korps eine Truppen- abteilung auf der alten Römerstraße in dec Richtung auf Sl. Lyc zu entsenden. Die 6. Kavallerie-Division folgte hem ^reajtcii ölügel; zur Beobachtung gegen den reckten sranzösifä-en Flügel, also auf dem linken Flügel bei Deutschen verblieb eine Gruppen- Abteilung, bestehend ans der 1. Kavallerie-Division, verstärkt durch 4 Bataillone der 39. Infanterie-Brigade unb 1 Batterie, in den bisherigen Stellungen des 10. dem scheit Korps. Aöeül rü­der Strafe Paris-Orlemts halte die Armee-irll-leünng des Grvtz- herzogs ben Vormarsch der 2. Armee zu unterstützen; der Grotz- herzog, dec nach her Schlacht vom 2. Dezember bie Verfolgung des Feindes in her Richtung auf Patay vorgesehen Halle, orbnete nunmehr an, haß die 22. Division ben Angriff beö 9. Korps auf Arlenay unterstützen, bie 17. Division bei Anneux Dcrblcioen unb das 1. bayerische Korps nach Lumeau Heranrucken sollte, lvah- lenb Die 4. Kavallerie-Division hie Sicherung her rechten glante Übernahm uub bie 2. Kavallerie-Divifion hinter der 22. Znjanterie- Swiiion, allo auf bem linken Flügel her Armee-Abteilung folgte.

Balb nach her Nacksrichl von bem AuSgang ber Schlacht aus feinem Unten Flügel hatte bet frauzöfifcl-e Oberkommanbiecendr auch bie Mttleitnng zugetragen bekommen, baß bie Deutschen am nächsten Tag einen aUgcincinen Vormarsch p.aiiten. .Veit biuaitchl aus ben Zu,taub seiner Truppen beschloß daher General b Auretle, feine Streitkräfte im Zentrum zurückznziehcn. DaS lo. norps sollte ,id) bemnach auS feiner auSgedeynten Stellung von Chuteurv

Bois über Neuville auL Bois bis Artenay ber

Paris-Orlernis bei Gidy-ie.hevüly-St. Lye konzentrierem Dem General Chanzy nmrbe anheungeftellt, mit bem 16. unb 17. Korps Linker Flügel) einen Gegenfwß gegen ben rechten Flügel her Armee-Abteilung zu muernehmen, währenb der rechte französische Flügel (18. Korps unter General Bourbaki, der eben von 9loucn eingetronen war, unb 20. Korps unter General Crouzat, beide nunmehr auch dem General d'Aurelle unterstellt), eine abwartende Haltung einnehmen sollle. Von seinen beiden Flügeln, bie durch tue Kampfe bei Beaune, sowie bei Billepion unb Loigny-Poupry in ihren Verbänden erheblich gelodert waren, erwartete General b Aurelie keine bebeutenbe Wiberstandskraft, gefd)weige benn eine luutfame Angrifssfähigkeit. Daher fein Rückzugsbefehl. In hem Walhe vor Orleans, der nur an beit obengenannten Straßen chr größere Truppenmasfen passierbar war, tonnte er den Vor­marsch bes Gegners in den für bie Verteibigung eingerichteten Stellungen auf palten, zumal ivcnn gleichzeitig helfen beide Flanken bedroht wurdem Deutscherseits redjaiete man aber ganz richtig darauf, daß bei einem energischen Vorstoß gegen bie Stabt Orleans, den Rückhalt ber ganzen französischen Stellung, also bei einem Zuiüdbrängen des Zentrums auch bie beiden Flügel der rück­wärtigen Bewegung folgen müßten, damit die Streitkräfte nicht ui der Mitte audeinanbergciifien würben.

Die beiderseitig weit ausgedehnte Entfaltung bei Streitkräfte brachte in Verbindung mit der waldigen Beschaffenheit des Geländes mit sich, daß von einem Zuiammentlegen größerer Druppenmaiien nicht bie Rede, al|o keine einheitliche große Schacht entliehen konnte; vielmehr zerfällt die sogenannte Schlacht bei Orleans in eine 3ieiljc von Einzelgefechten. Eine weitere Folge ber angeorbneten Marfchbewegungen war es auch, baß das 3. Korps ganz getrennt von ben anderen Teilen der Armee voiguig, uides daS 9. Korps mit Teilen ber Armee-Abteilung gemeinichaft- lich operierte. Das von PithivierS gegen Chdleurs anrückende 3. Korps traf am 3. Dezember, morgens nach V Uhr, auf die bei Sameau aufgestellte Acrieregarde der im Abzüge begriffenen L Division des 15. sranzö|i|cheu Korps, bie nach Entwickelung einer starken Artillerie von feilen der Deutschen gegen Mittag bis Chilleurs zurückgehen, gegen A llhr aber auch bieien Ort unb die dabei angelegten VeneibigungSstellungeii wegen brol^aibvr Um* laifung räumen mußte. Ohne weiter mit dem Feinde zuiammen- zuiressen, langte baS GroS des 3. KorpS (verfchiedcne Truppen­teile waren in Ehilleucs zurückgeblieben) etwa nm 6 Uhr ui ^oury an, welches auf einer großen Waldlichtung zwischen ^hil- Lcurö unb Orleans liegt; die Wege waren vom Feinde vielfach ungangbar gemacht. Die vom 9. Korps auf ber alten Römer- siraße vorgeichickte Truppenabteilung (L henisches Jnf.- Neg., 1. hefiiicheS Jäger-Bal., 1. SäSvohron bes 1. l^eifischeu Reiter-Neg., 1. |d)were henisch« Batterie, foroie 5. unb 7. Stomp. 84. Jns.-Neg.) unter Oberst v. Winckler war bei dem Gehösie La Tour (norblid) von Neuville aus Bois) auf Telle des 15. franzi'lischeu KorpS gefloßen, hatte erst euicn Angriff her Uebcimacht abwehren müffen, wur bann aber felb|t vor- ijeßangen unb hatte den Feind bis St. Germain (bei Neuvllie- Aurüdüebrängt, vermochte bieien Ort aber nicht zu nehmen; bahei zog Oberst von Mnckler gegen 5 Uhr die Truppen biß La Tour

zurück, zumal eS völlig huniel geworden war und ein |tnrte3 Schneegestöber berrfdüe. Das Feuer dieses Gefechtes war von dem 10. Korps auf seinem Anmarsch über Pilhiviers gehört worden; während daher bie 19. Twtlion bei Chllleurs Quartiere bezog, rückte bie 20. (unter General von Krantz) in der Richtung au, Villereau'(westlich von Neuville) weiter mib unternahm auf, die Kunde von dem Gefecht bei St. Germain trotz der borgen jdjrittenen Tageszeit noch einen Angriff auf Neuville, ber aber: nach siellenweiien Erfolgen eingestellt werden mußte, da sich die Artillerie wegen ber Dunkelheit nicht an dem Kampfe beteiligen' (omuc. Ein für den folgenden Tag mit der Truppenabteilung deS Oberst von Winckler gemeinsam zu unternehmender Angriff brauchte nicht mehr ausgesührt zu tverden, da die 'Franzosen iit der Rächt die exponierte Stellung räumten; bei ihrem Rückzugs nach Süden verirrten diese sich bann im Wal he, gerieten in hart Feuerbercich ber bei Loury stehenden Truppen des 3. deutschen Korps unb wurden von diesen vollständig auseinandergejpren^i, lo daß sie auf eigene Hand in Heinen Abteilungen Orleans zu erreichen suchen mußten. Die Truppenabteilung setzte am nächsten Tage ben Marsch auf ber alten Römerstraße fort unb traf abeiids vor Orleans wieder bei dem Korps ein. DaS Gros des 9. Korps hatte fich, wie besohlen, am Morgen deS 3. Dezember an ber Straße PariS-OrleanS nördlich von Arlenay bei Chateau Gaillard versammelt, war bann auf beiden Seiten her Straße vorgerückt und bei AfsaS auf ben Feinb (2. Division lo. KorpS) gefloßen; nc.h heilen Vertreibung tarn es bei Artenay «u einem heftigen Anllierioziveitämpf, der nach Eingreifen der 2 2. Jnf- Division von Poupry aus, zugunsten ber Deutfchen aus siel.! (Tie 22. Jnf.-Diviiion war, nachdem ihre Vorposten morgen^ bei Poupry vor französischen AuftlärungStnippen vorübergehend' hatten weichm müffen, ohne Kampf gegen 9 Uhr von Baigneiu^ auS bei Poupry eingetroffen.) Der Feind ging bis Ardley Ferme unb La fcroix Briquet zurück. Die Deutschen folgten nach: das 9. KbrpS gegen Arlenay (das besetzt irmrbc) und AutrocheS, die 22. Jnf.-Divi|ion meitlia) von ber großen Straße. Da der Wider stand an dieser Hauptstraße nach Orleans jedenfalls besoiiders hefiig werden würde, befahl Prinz Karl auch bie 17. Jns.-Divisiou herati^uziehen, bie bann nut ber 22, von der Flanke aus gegen Ort unb Schloß Chevilt y oorgehcn sollte. 9iad) einer halb stündigen Ruhepaufe trat inzwischen gegen 1 Uhr bas 9. Korps den Weiter- marsch an. Es entspann sick) gleich hinter Arlenay gegen den in seinen ebengcnannien stark befestigten Stellungen tapicr Wider stand leistenden Feinb ein heftiger Kampf, in dem Haupt fachlich bie Artillerie daS große Wort führte, aber auch bie Jnfanterio zur Verwendung kam (u. a. mußte z. B. das 1. Balalllon des 2. hessischen Infanterie -Regiments im Verein mit zwei Bataillonen Reg. als linke Seilenb.ckung her Artlllerie- ftellung nach bem Schlosse Auvilliers, westlich an ber Straße, vorrücken). Hauptsächlich infolge des Fiankenfeuers der 22. Ins. Division räumte ber Feind gegen 2 Uhr mit seiner Artillerie westlich ber Straße ben Platz, und ball) daraus nach Verstärkung ber beul scheu Anilleiie östlich ber Straße auch seine bärtigen Stellungen: seine Infanterie leistete auf beiden Sellen der Straße der deutichni Jnfani-erie nock) eine Zeitlang heftigen Ltziderstand,