Nr. 8
Dr. tut. et rtil. M Bietrntt ntttpÄÄ^Habc^ Ue^ern<lhme^^r^Pwfessur
beklagte hat vor nmgen Jahren cme Broschüre, betitelt. „Ruhland, . ^^lischai Universität zu Freiburg habe er )einem pro- Köhler-Langsdorf u. Co.", erscheinen lassen, die testantischai Glauben durchaus keinen Zwang angetan. Er sei
gegen die wissenschaftliche Qualifikation und»die polttischoTattg- P^^stant, aber er sei in katholischer Umgebung gwß geworden, feit Professor Ruhlands enthalt In der Broschüre wird-der Primit- sSucf.c Tie Wirtschaftspolitik des Vaterunser habe er
Nager als ein hausierender Geschäftsmann^bezeichnet der un- wirtschaftspolitische Anschauung unter einer volkstümlicher
ur
Er sei
er
das sich nicht eher mit seinen Bei,allStunogedungen be- ruhigte, bis ihm eine Zugabe wurde. Der umsichtigen Leitung unseres Konzertvereins sei zum Schlüsse em Wort des Dankes gesagt, daß sie uns frühzeitig mit zwei Künstlerinnen bekannt gemacht hat, denen sicherlich eine bedeutende künstlerische Zukunft beschreden ist. — Hoffen wir, daß wir sie recht bald in unserem Konzertsaale Wiedersehen.
Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntag«.
Die „Eietzener FamMendlätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblctt Mr de« Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal»
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfche» Unwerstlätö • Buch- und StembrudeceL R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* straße 7. Expedition und Verlag: 6L
Redaktion.e^112. Tel.-AdroAnzeigerGieben.
feine wirtschaftspolitische Anschauung unter einer volkstümliche Flagge in möglichst weile Kreise tragen wollen. Wenn ihm vor- geuwrfen werde, daß er rn diesem Vua)c als Protestant dem Papiic m wirtschaftlichen Fragen die oberste Entscheidung habe zufprechen wollen, so bemerke er hierzu: Die Nationalökonomie iehe er für etwas Ethisches an und wolle nicht den Profit, das Geld unv die Sucht nach Reichtum, sondern den Maischen m den Mittel- punkt der iltationalökonomie stellen. Tas Unfehlbarkettsdognia des Papstes werbe von ihm so anfgefatzt, daß der Papst in allen geistigen und sittlichen Fragen die höchste Eittscheidung habe, und die 'Ratio nalöko-wmie sei eine sittliche hrage.
Nach kurzer Pause wird Reichstagsabg. Köhler-Langs- darf als Zeuge vernommen. Es handelt sich bei ihm um den Anttag, den der Zeuge seinerzeit in der Zweiten hessischen Kammer gestellt hatte. Dieser Antrag ging dahin, daß eine zweite Professur der Nationalökonomie ün physwkrattschen Sinne geschaffen werden sollte. Gleichzeitig war in diesem Anträge auf Prof Ruhland hingewieseii worden, dessen Schrift „Das System der politischen Oekonomie" seinen eigenen Ansichten entsprach. Der Zeuge erklärt, daß dieser Anttag seiner eigenen Initiative entsprungen sei und der Privatkläger ihn nicht als Mittelsmann benutzt habe, um eine Professur in Gießen zu erlangen. Als Bauer sei er (Zeuge) an der Erhaltung des Bauernstandes interessiert, und von diesem Gesichtspunkte aus scheine ihm eine Professur Ruhlands durchaus wünschenswert
Rittmeister a. D. v. Kiesewetter, ©eneralfelrctar. .de» Bundes der Landwirte, bekundet, daß dem Privatklag«: bei feinen Beziehungen zum Bund der Landwirte als Experte die Ausgabe seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung nicht zugemittet worden sei
Zur Vorlesung kommt sodann die kommysarifche Aussage de» Großgrundbesitzers L'chwidtmann, Gruschos und Puchgau über die Tätigkeit, die Ruhland seinerzeit als bei ihm angestellter Guter- direktor bei dem Ankauf von Bauerngütern eutwiddt bat. Uui eine Güterschlächterei habe es sich überhaupt nicht peljanbeLt, bieie Bezeichnung sei ganz unzutteffend. Es habe nur eine Maßnahme in Frage gestanden, die durchaus im Interesse, der verschuldeten Bauern gelegen habe, und als RuhlandReine Tätig kett antrat, sei der Ankauf der Güter schon zum allergrößten Den vollzogen gc-
politißche Tagesschau.
Die hessische Fmanzkrise.
In der „Köln. LottSätg", dem bekannten Zeutrum»- blatt, stellt ein ans Darmstadt datierter Artikel über die hessische Fiuanzkrise gleichfalls Betrachtungen an, wie wir sie schon öfter hier zum Ausdruck gebracht haben. Es ^Den mößten Wert legt man auf eine durchgreifende Reform der Staatsverwaltung, die für das kleine -and autzer- gewöhnlich umfangreich und kostspielig erachtet wird Sefien bat nicht einmal die Größe eines rheinischen Regierungsbezirk» hin- siMich seiner Bevölkerungszahl unt> zum mindesten daS doppelte Beamtenheer, als im Verhältnis ihm, zukame.. Selbswerstandlich bedingt die selbständige Verwaltung eines Bundesstaates auch in Bezug auf die Verwaltung größere Opfer; aber man ist allgemein der Ansicht, daß man recht gut mit erneut erheolich geringeren Drucksteil der heutigen Beamtenschaft woyl auskommen fomite. Diese Erkenntnis ist allmählich Gemeingut sowohl der Kammern als auch der Regierung geworden und hat nunmehr das dringende Verlangen nach einer durchgreifenden Reform gezeitigt, die vom Finanzausschuß als Vorbedingung zu seiner Zustimmung zu den Finanzoorfchlägen der Regierung bis Ende 1911 bestimmt erwartet wird. Die Regierung hat sich hwrmtt €111^^011^ ^(1^ und wird zweifellos fchon unter dem Druck der ofsrntlichen Mei röntg der Verwirklichung dieses Wunsches sich mcht widersetzen
man dem hessischen Finanzminister mil
Recht machen will, so geht der dahm, daß er seit Jahren das he.ftM Staatsbudget in erster Linie auf die schwankenden Etmiahmen dei Eisenbahneii aufgebaut hat, ohne mit der Mogltthkett zu rechnen, daß in Zetten rückläufiger Konjunktur diese Euinahmeauelle be* henklich verstopft toerben fann unb .bannt ber Ausgleichung des Budgets große Schwierigkeiten entstehen. Lneser Augenbttck ist nun^gerommrn und es gilt, die dringend notwerwige^ Sanierung der Finanzen in einer ebenso rationellen als auch für bu hLssischrn Steuerzahler möglichst schonenden Weise vorzunehmen.
üerbrangen. I
Die Beleidigungsklage beschäftigte am 19. und 20. November - 1908 die 147. Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mtttt. In , der Verhandlung wurden u. a Geheimrat Elster aitf dem Kulttis- < Ministerium, die Professoren Dr. Conrad-Dalle, Dr. ^exis-Got- , tingeu, sowie der Münchener Professor Lufo Brentano, ützterer in einem schrifllichen Gutachtw, als S^verftandige gehortt Das Schöffengericht sprach den Beklagten Biermer sttafftei, wett es den Wahrheitsbeweis für die von Professor Btermer ahobaien An- chuldigungar zum größten Teil für erbracht ansah mid die,em außerdem den Schutz des § 193 zubilligte. Die Berufung gegen dieses Urteil geht von dem Privatkläger aus.
Tie heutige Verhandlung findet unter dem Vorsitz d-s Lan^ gerichtsdirektors Neufeld statt. Tem Privatklaaer^stehen der bekannte konservative Agitator Rechtsanwalt Ulr1 cy (Berlui> urw Rechtsanwalt Putz (Münchens zur ^Uc, der S^lagtewird durch Rechtsanwalt Gottschalk (^choneLerg- verteidigt. Neben Pvof. Lexis (Göttingen) sind diesmal noch Pvof. Adolf Wagner (Berlin), Prof. Dc. Schmo ller (Berlin) und Prof. Som bart geloben. Unter den Zeugen befinden sah Otthr. V- .7^ an g en- heim, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, dessen Direktor P l a s c u d a, der Abgeordnete der hessischen Kammer K 0 h l e r- Langsdorf, welch letztere beiden bereits rm ersten Prozeß als Zeugen fungiert hatten, der Bundesführer Dr. Rosicko, Pros. Dr. vSavignyu. a. . f .,
Ter Vorsitzende regt zunächst einen Vergleich an, der, gleich wie der vor devi Amtsgericht vorgeschlagene, daran scheitert, vast Prof. Biermer sich lediglich zu einer Zurüanahme der formalen Beleidigungen verstehen will. Es wird sodann in bie Verhand- lung eingetreten unb zunächst das Urteil der ersten Instanz unu hierauf bie gegen 60 Seiten starke Broschüre verlesen. ^ie Verlesung nimmt mehrere Stunden in Anspruch. . .
Professor Biermer erklärt, m Wiederholung leuter Ausführungen vor dem Schöffengericht, daß Professor Ruhland m seinen wissenschaftlichen Ansckstiuungen plötzlich eine ^chwenkmV habe eintrtten lassen, die er nur auf Zwcckniäßigkettsgrmche zuruck- ssthren könne. Ruhland sei zunächst Freihändler und Manchestermann gewesen und habe arttischutzzötlnerische und cmtwuneta- listtsche Ansichten vertreten. Ein Jahr später ^et der Umschwung in seinen Ansichten eingetreten unb Professor Ruhland habe nunmehr oen Anttag Kanitz als eine unerläßliche Forderung fernes Agrar Programms bezeichnet. Tiefe 23anblung fei nur durch äußere Gründe 1)erdoigerufen worden. Professor Biermer gel)t toeiter auf bie Tatfaa-e ein, baß Köhler-Langsbvrf versucht habe, Professor Ruhland als agrarischen Professor der Nationalökonomie nach Gießen zu bringen. , _
Einem Bericht der „F. Z." entnehmen wir noch: Ter Privatkläger Prof. Ruh land wies alle.tti der Biermerschen Bvoschure gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden als unberechtigt zuttick. Er habe sein ganzes Leben als ehrlicher Kerl diejenigen Ansichten Vertreten, die er auf Grund seiner Erfahrungen als die richtigeii erkannt habe. Er sei nie extteni für Schutzzoll oder für Freihandel eingetreten, fonbern habe immer eine mittlere Sinie umo - gehalten. 'Auch im Bunde der Landwirt- habe er seine Anschauung , in Bezug auf die F-rage der Gold- unb Doppelwährung burdjaud - nicht aufgegeben. Der Privatkläger verwahrt sich ferner gegen : den in der Broschüre echodenen Vorwurf, dost er als Gutsdirettor
— Mittetrheinische Kunst. Beiträge zur Geschichte der Plastik unb Malerei im 14. unb 15. Jahrhundert von Friedrich Back. Frankfurt a. M. 1910. I. Baer L Co. Ein erstklassiges Prachtmerk widmet in vorstehendem Buche dem H ist0 r is ch e n V e re in Uiy das Gr 0 ßh er 5 0 g t u m pessen zur Feier seines 75jährigen Beaehens ain «. Februar ö. I. eine Anzaht von Freunden und 'Dhlglieöevn. 300 ^Eeinplarc sind für beu Buchhandel bestimmt, so daß die wertvolle «Lchrist auch weiteren Kreijen zugäugtich ist. — Als im 13. Jahrhundert die gotifche Baukunst auf Teiilschtand Übergriff, erfolgte am 2JlHtcl* rhem tem emfcheldender Schritt zur Verdeutschung des neuen Stils auf dem Gebiete der monumentalen Plastik; die mittel- rheinische Steinskulptur erhebt sich erst vom 15. Jahrhundert nn zu höherer Bedeutung in den Bischofsgrabmalern des M a 1 n z e r D 0 m e s. Hervorragende Terrakotten aus dein Anfang des 15. Jahrhundert bieten Lorch und Limburg. Die Malerei leistet Hervorragendes in den Altären 5u Ort en berg, ttried- berg unb Schotten. - Das herrliche Monumeutalweik, bar die Kunstleistuugen nuferer mittelrheiuischen Heimat m Wort und Bild ebenfo erfchopsend wie ansprechend barstellt, sei allen Kunst- freunden bestens empfohlen. K1
n. Mainzer StadttHeater. Der dunkle Punkt. Tirektor Behrends jüngste Reise, bie er zweas Aickouf ^niger Neuheiten unternahm, scheint für den ^hoatersackel r^t erfreuliche Folgen zu haben, denn die von ihm aiigekaufttn Awcke, du bis jetzt zur Ausführung gelangten, sichern der ^ir^t^u stets em gut besetztes Haus und eine beisallSeifrige Zuhörerschar. BZorch^rs das Kadelburg-Prcsöersck-e Lustspiel „^er dunkle Punkt ertteut sich allgemeiner Beliebtheit, und wahre Lachsalven und Beifallsstürme begleiten seine AuMwung. Jur MlUeU^tte ^ uberaus komischen tzondümg stehen die drei Familien von Kückvott, von der Tühnen und Brinkmann. 9)tajor a. D von Kuckrott hat zwei Kinder, tzairs unb Else. Emmeriaj, bet b. A-uhiuns
ift bis über die Ohren in Else verliebt unb bas Mabel erwidert die Neigungen ebenfalls recht herzlich, ^.er alte v. b. Duhnen hüt zwar gegen bie Heirat nichts cinzuwenbcn. crkunbigt sich aber nichts bestvweniger recht grüiidlick) nach ben Famili-nvLrhalt- nisseil feiner zukünftigen Schwiegertochter. Kaum l>at du Verlobung glücklich ftaltg-fundeii, da er,a>emt Haus mit der ^tacktticht feiner Verlobung mit der Tochter Brinkmann». -Ver alte Duhnen ist herzlich mit Brinkmami verfeindet, unb zieht bie Verlobung seines Sohnes sofort zurück. Alle Versuche ber Aussöhnung zwischen B. Unb v. b. D. schSttern anfangs an ber Harttlopsigteit des , a[ten Freiherrn. Als endlich eine äußerliche Auswlnmiia her-
Wahrenb die Soli ber beibcn Damen zeigten, daß man « hier hochbeachtenswerten, ausgeprägten Künstlerin--wiductti- täten gegenüberstMid, konnte inan ftch des Umbrua:» niayt ganz erwehren, daß.beim Zusammensptel der ersten Numm , der Beelhovenschen Violiu-So .a.e Op. 96, miß.iche äußere . Umstände mitgesprochen haben mögen.
espressivo hätte mit der auf Beethoven zurnckzusuhienden Metronomisiernng — bie Sechzehntel--69 - m seiner breittrusgezogenen Kantilene eine tiefere Wtrknng e^relt.
E. Ney spielte Chopin's tiefgründige B-Acolt--Lonale. Und wie sie sie spielte — das war eine Tat: Temperamentvoll, mit leidenschaftlich durchbrechendem fteuer und be> deutender Gestaltungskraft. Das Lyrifche und ^ntime a dem reichen Borne dieser Sonate nild de» Brahms- schen Intermezzi brachte sie mit glücklich an»-
schöpfender Hand zu Tage. Hierbei Zeigte sie
oft eine überraschende Weichheit des Anschlags. ein hochzuschätzender Gegensatz zu der mannlui)- starken, zuweilen etwas harten Tongebung, wie sie in Der genialen Wiedergabe der Brahms scheu Rhapsodie zu ve- d6achten war. Mit chr riß sie die Zuhörer zu heller Begeisterung hin, wofür sie mit dem Chopin scheu G-Dur- Noeturno in poesievoller Ausführung dankte.
Stesi Geyer spielte in schlickjter Auffassung, ohne ieg- liche Subjektivismen, in echt künstlerischer Bescheidenheit, dabei mit doch oft überraschend fein empfundenen Details I. S. Bach s „Loure und Gavotte aus der Sonate für Solo- Violine in G-Dur 9er. 6". — In Reg er s „Ar ic, Ov. lOo' ergriff den Hörer die mit markiger Tongebung auf Der G- Saite aespielte seeleuvolle Kanttiene. Wie ein inbrünjtiges, aus der Tiefe des Herzens quellendes Gebet drang der ernste Gesang des großen Meisters durch den Raum. .
Bei dem Dortrag dieser beiden 9ttimmerri gewann ich die Ueberzeugung, daß Stesi Geyer eine warm unb nef* empfindende, durch und durcy musilalisch und hochiaientierte Künstlerin ist. Aus diesem Grunde bedauerte ich aber auch die Einreihung der Nummer 4 c in das sonst so feinsinnig zusammengestellke Programm. Als Virtuos in hatte sie natüriia) in Hw,em wilden, spanischen (2Lyuy- plattler reichlich Gelegenhett, alles zu zeigen, was sie an Finger- und Bogeulechnik, au Flageoletts-, Pizzieattü- und Doppelgrift^Läufen beherrschte. Sie fand denn auch offene Obren unh ^»r^en bei dem Publikum,
lauteren Wettbewerb treibe. Er fei ein wissenschaftliches Chamäleon und habe gegen persönliche Vorteile seine fri"chere nationaloko- iwmisckje Ueberzeugung gewechselt. Ruhland habe wetter^ sich als Protestant nicht gescheut, eine Proseyur an der Dvmmikaner- Universität von Freiburg in der Schweiz anznnehmen und zwar zu einer Zett, als die Reichsdeutschen einen Exodus aus der Universität machten und kein anstäiidiger katholischer deutscher, Professor eine Stelle an ihr angenommen hatte. Er habe ^chlicylich Intrigen gesponnen und mit dem Abgeordneten der be.hWn Kammer, Köhler-Langsdorf, eme Jnteressengemeinchast gebildet, um Professor Biermer aus helfen Gießener Profestur zu
GZetzener AonzerweresW.
Im 5. Konzert des Gw^uer Kolizem-Verems vei> einigten sich Frl. Stesi Geyer aus Budapesr (Violine) und Frl. Elly Ney ans Köln (Klavier) zu gemeuifamem Musi-
Zweites Blatt 160. Jahrgang Dienstag 11. Januar 1S1O
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für GberheMn
Zn den kommenden Reichstagsverhaudlungeo.
Die „9iatiouallib. Korresp." gibt in einer Besprechung der Ausgaben des Reichstags folgenbe Wünsche kund, die mit unseren mehrfach geäußerten Anjichten uberein,tttmnen.
Zu wünschen bliebe auf alle Fälle, kxiß man einen Teil der Zett, die diese ,mferlösen Etatsplaudereien biÄmig in An- svruch zu nehmen pflegten, auf den Etat des Auswar 11 gen verwendete. Wir haben schon bei wiederholten Anläf>en darcon hikgewiesen, wie rcDtivenbig, eS nachgerade fei, ^b die Natwn sich mtt biefen Fragen beschäftige. Daß man sich nicht mehr wie in der Lismarckznt der Sorge um diese Dinge ui Der :ttwAufan <£& teimtni» entschlagen kömre, daß man das Genie doch Nicht MListern dürfe. Daß die Diplomaten von heute in keiner Beziehung den Ein druck vonGrioß siegelbewahrern emer^em- kunst machten, in die Einblick zu gewinnen den sewohnlic^n Sterb- Achen doch nun einmal versagt let. ltcun fmb gerade in letzten Wochen allerhand neue gravamuta gegen das Reifort hS tot v Schoen vorgebracht worden. Die itnb vielleicht Ä gleichLechttgt - die Vorstellung 5. B.,.daß ton preußisch-deutschen Beamten mtbequem; Leute gern, emfach auf imiSrowttsch ins Irrenhaus gesteckt wurden., mochteii wir uns doch lieber nicht aneignen —,^Eerhüi blecht genug nach, was Ser Verwaltung des Herrn v. echoen nicht gerade unbeiummerten Herzens zusehen läßt. Hier wirb eine lehr ernsthafte, sehr eingehende Prüfung nicht zu umgehen fein: WJg-feJ die auswärtigen doch zu den wichtigsten ^tmtt»geichaften.
Der Veleidigungrprozch Prosejjor RuhSand gegen projchsc biermer.
4 Berlin, 10. Jan.
Bor der 9. Sttaftammer des Landgerd I ^usungs- instanz wurde heute wiederum die PrivaMage des Dr jur et Phil. Gustav Ruhland, des wisienschaftlichen Verrates des Bundes der Landwirte, gegen den GiN;ener profestoi
gestellt ist, erfährt er im Geipräclje, daß B. Zeinen Sohn hat, der mit einer Schwesterstochter verheiratet ist. Sofort trat er wied.'r zurück, baut durch eine verwaiidtsckjastliche Beziehmtg mit hart Schuster würde das Wappenschild derer von Tühnai befleckt, wie verliebten jungen Leutchen sind am verzweifeln. Da erschemt zum Glück für das junge Volk, zum Schreck des Alten cm rvafchechttr Mohr auf der Bildfläche, der sich als Gatte von der DühnenS Tochter, die in Amerika lebte, bekannt macht. Tas ist nun der wirklich dunkle Pmikt in der Familie deS Freiherrn, „gegat bat der Schuster bie reinste Alabasterftgur ist". Ter Mte mutz not* gedrungen nachgeben und der Vorhang schliesst sich über den beglückten, jungen Paaren. Nimmt man das Stück als das, was es sein soll, als eine Erheiterung für Jung und Alt, als einem Schwank, der uns die Sorgen des Alltags vergessen lassen soll, v erfülll es vollkommen seine Aufgabe und jede weitere Kritik st überflüssig. Tas Stück ging unter Hvfrctt Behrends Leitung lott von statten, unb die T-arsteller boten ihr Bestes. Besonders Herr Springer als von der Tühnen, Herr duner als Brinkmann unb Herr Schröder dl» Neger Woodleigh boten l-ervorragende Leistungen.
— Eine Gedächtnis-Feier für Wilyelvi Hvlzamer. bcffai bedeutendste Werke wir int tiergnngenat Jahre in linieren Famtlienblättern abgebruckt haben, wirb zum Besten ber Kinder des so jäh verstorbenen hessischen Dichters am SamStag, 15. d. 2)L, in Berlin veranstaltet. Hoffentlich ist die Feier gut besucht.
— Reinhardt und bie Münchener Polizei. Wie wir gemelbet haben, ist Max Reinhardt von dem Münchener Gericht kürzlich von ber Anklage freigesprochen worben, er habe ohne Konzession Theateraufführungen veranstaltet. 9iun erlätzt einem Privat-Telegramm bes B. T. zufolge die Münchener Polizei- direktton eine äußerst umfangreiche, schwulstige Erklärung, in der sie ihr Verhalten zu rechtfertigen sucht, in der sie sich bitter darüber beschwert, daß tm Falle ber Strafanzeige gegen Reinhardt wegen konzessionslosem Betrieb des Niünchaier Künstlertheaters ihre Tätigkeit ganz unb gar miüßebeutct und ihre Motive vollstänbig verkamtt worden seien. Schließlich teilt sie mit, daß sie gegen das schössengerichtlicljc Urteil Berufung einlegcn werbe. ,
— Ein Wort für Dr. Cook. Der Streit um Dr. Cook toöt nach wie vor weiter. Der österreichische Norbpollorscher.Jul-.us von Payer verössentticht, wie mir gestern schon mitteilten, eine Auslassung, in der er für Tr. Cook emtritt. Payer sagt: Vch möclste heute Tr. Cook nur auf den richtigen Platz stellen. Selbst wenn er nicht auf dem Nordpol war, so loll.mnn ihn nicht ganz zu Tode Hetzen. Ich wurde os persönlich bedauern, iuerat Dr. Cook ein Stück zu feinen zweifelloicn Verdiensten um die Erforschung der arktischen Gegenden Inn- machten hätte, wam er nick? mit feinen luirflidycn Erfolg n suirieben war. Boni wissenschaftlichen Standpunkte aus .würde Dr Eook in biefem Falle zweifellos gerichtet sein. Die G-schichte i mit ben Beweisstücken ist aber äußerst verwickelt unb bedarf noch ; sehr der Aufhellung.
wesen. .
Die Verhandlungen dürsten noch den ganzen morgigen xag in Anspruch nehmai. __ ___
Aus Siaöt wild Land.
Gießen, 11. Januar 1910.
** LageSkalender für Dienstag, 11. Jan.: Stadt- theater: Romeo und Julia." Anfang S UHr.
Oberhesf Gesellschaft für Natur- undHeil- künde: Generalversammlung mit Vortrag von Professor Dr. Sommer: Schiller als Mediziner. Abends 81/, Uhr tm großen Hörfaal des physikalischen Instituts.
— Die Handelskammer für die Kreise Gießen, 8115- felb unb Lauterbach hielt gestern ihre erste Sitzung in diesem Jahre ab, in der u. a. der Vorstand neu gewählt wurde. Es wurden wiedergewählt: zum Vorsitzenden Kommerzienrat Heichelheim-Gießen, zum 1. stellv. Vorsitzenden Kommerzienrat Schirmer-Gießen, zum 2. stellv. Vorsitzenden Kommerzienrat Grünewald-Alsfeld und zum Rechner Kaufmann Röhr. Gießen.
** O öffentliche politische Versttrnrnlung. Man schreibt uns: Der fortschrittl. polit. Bilbungsverein wird am Samstag, 22. ds. MtS., seine erste öffentliche Versammlung halten. Der bekannte Pfarrer Sic. Traub-Dort- munb wird über „9teaHionärc und fortschrittliche Staatsauffassung" sprechen. In der anschließenden freien Aussprache soll allen Parteien Gelegen-


