Ausgabe 
9.9.1910 Erstes Blatt
 
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Kinde

am

Der und

Magistrat hat den 17 500 qm Platz­

Zeitungen 95 Pfg.-Tage angekündigt hat, in denen Waren an­geboten wurden, die in bezug auf ihre Qualität nicht mit den Inseraten in Einklang zu bringen waren. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist die Bezeichnung:Sämtliche Artikel nur gute Ware für billiges Geld" und die mit Fettdruck hervor­gehobene Bezeichnung:Wett unter .Herstellungspreis, nie wieder - rehrende Gelegenheit" unwahr, wie dies auf Grund der Bücher und Fakturen festgestellt worden ist Das Lager war größtenteils ^usschußware. Bestimmt unwahr sind die Preisangaben in bezug auf die Schürzen, die Werte bis zu 5,50 Mark hätten, während der Bezugspreis Nicht über 3,50 Mark kam. Wenn auch manche unter Anklage gestellte Punkte nicht für erwiesen angenommen wurden und in dieser Hinsicht Bestrafung nicht erfolgen konnte, so war eine besondere Freisprechung doch nicht angezeigt.

Märkte.

"1 fc. Frankfurt a. M., 9. Sept. Heil- und Strohmarkt. Angefahren waren 8 Wagen Heu unb 4 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,103,50 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 2,40 bis 2,50 Akk., Wirrstroh 0,00-0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft flott. Tie Zlifuhren waren aus Oberhessen und dem Kreise Dieburg.

Gießen an einem siebenjährigen verbrechen begangen hatte.

[] Marburg, 8. Sept. Plan, 257 373 qm Bau­end Wegegelände am sog. des Kaiser-Wilhelmsturms au

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdien st stelle Gießen.

Verlauf der Witterung seit sgesteru früh: Die Wetterlage bat sich ivenig geändert. Das westliche umfangreiche Hochdruckgebiet über Nordofteuropa und England bat bei kühlem Nordwind trockenes, doch voriviegend wolkiges Wetter gebracht. Die östliche Zyklone hat sich völlig aufgelöst. Es ist Fortdauer der bestehenden Witterung lvahrscheinlich.

Wetteianssichten in Hessen am Samstag dem 10. Ceptbr. 1910: Zeitweise heiter, kühl, Nordwind.

Griginal-Drahtimcldririgen.

Speyer, 9. Sept. Der Bischof von Speyer, Dr. von Busch, ist heute früh 7 Uhr im Alter von 63 Jahren gestorben. Der Tod trat infolge eines wiederholten Schlag. Unfalles ein.

Orten berge unterhalb beiden Seiten der Eisen-

lich, groß werden sie zu den eleganten Toiletten noch Immer getragen werden, aber doch nicht mehr so groß, daß die schönen Trägerinnen überall hauptsächlich in Wagen, Autos ünd BahnenAnstoß erregen"! Zum Schneiderkleid wird man den kleinen Hut in Topfform bevorzugen. Das Schneiderkleid selbst I)ot, was das Material anbelangt, eilte Neuerung erfahren. <5 bettet dazu einen weichen, schmiegsamen Liberty, der ledoch aus einem dickeren Gewebe hergestellt wird, wie der leichte Liberty der Sommerkleider. Die neueste Farbe isttöte de nögre", ein fast schwarzes Braun. Für sehr schick gilt es, die breiten nnb langen Revers der Jacke mit Sealskin zu besetzen. Das lmrd für diesen Winter die Empireform beibehalten. Es bleibt also halbanliegend, halblang, mit etwas verkürzter Taille. Lte hier eine kurze Zeit verpönten Haarbänder werden wieder m allen Farben getragen, dafür aber hat man dem Handschuh Die elegante Frau besucht Theater, Konzerte und Gesellschaften ohne Handschuhe. An dem weißen Arm leuchten mattgoldene, luwelengeschniückte Armbänder. Selbstverständlich! sind auch die Finger mit Ringen bedeckt.

ar ?cr Wabe im Fer ii sp r echer. Eine entzückende Anekdote erzählt dieOdessaer Zeitung" über einen deutschen mo lo nist en, der zum ersten Mal den Fernsprecher benutzte. In der deutschen Kolonie Südrußlands, wo hauptsächlich Schwaben woh­nen die das Schwäbische noch mit der ganzen Niedlichkeit dieses! Fletts sprechen, ist vor kurzer Zeit zum ersten Mal das Tele­phon erngeführt worden. Ein Schwabe, der in der Stadt wellte, wollte die Gelegenheit nichr unbenutzt vorübergehen lassen, und ließ sich mit dem L^elephon in seinem Heimatdvrfe verbinden^ um mit feiner Ehefrau einen kleinen Gedankenaustausch herzu- 1 teilen Die Frau wurde nun in das Postamt gerufen, wo man ihr die nötigen Erklärungen über die Anwendung des Hör­apparates gab.Jo, i bins selbst", antwortete sie auf die Frage u)res Eheherrn.Aber, wo bis'cht benn eigentli du?" fragt sie ganz verblüfft dastehend und mit den Augen in allen Ecken dieses unheimlichen Lokals umhersuchend.Ha, do bin i", antwortet es Plötzlich aus dem Zauberkasten.Wu denn?"Großer Gott, na do bin i".Aber i sieh Di jo net", kommt es ängstlich über die Lippen der jungen Frau. Endlich dämmert ihr ein Licht aub daß die Stimme ihres Gatten aus demKäschtle" kommt, an denl ihre kleine Hörmaschine mit einem grünen Bindfaden ww sie meint, angebunden ist. Nun überfällt sie ein panischer schrecken. Sie läuft zu dem Beamten und schreit:Mei. Mann is in dem klei Käschtle!" Dann lief sie wieder zu dem Kasten unb' schreit rn ihn hinein:Christoph, wie kommst Du in das klei Käschtle do net ? kommst bal allweil raus!" Sie war nicht wenig er­staunt, als Christoph trotzdem nicht aus demHei Käschtle" rauStommen wollte, und als ihr der Beamte erklärte, daß ihr Christoph überhaupt in einer ganz anderen Stadt sei. Dies aber wollte sie unter feinen Umständen glauben. Sie erklärte, daß sie nicht so dumm sei, denn .Christoph habe ei fei schöwS Stimme" und könne gar nicht so brüllen. Mit diesen Worten! verließ sie das ungastliche Gemach.

Die Cholera.

Die Cholera in Wien.

Wien, 8. Sept. Das Sanitätsdepartement des Ministeriums des Innern versendet den nachfolgenden Bericht: Die am 8. Sep­tember früh abgeschlossenen bakteriologischen Untersuchungen stellten fest, daß in Wien drei Erkrankungen an asiatischer Cholera aus­getreten sind. Es handelt sich um Mitglieder einer Familie, die das einzeln gelegene Haus des Bezirks Taschsgasse 209 be­wohnten. Der Blumengärtner Joses Gasselhuber ist in der Nacht Dom 5. auf den 6. September erkrankt und am 6. September gestorben. Die Leiche wurde sogleich in die Jnfektionsleichen- fammer des Zentralfriedhofes gebracht. Bei Kau Gasselhuber traten am 6. eept. vormittags und bei dem zehnjährigen Kinde in der gleichen Nacht wie beim Barer die ersten Krankheits- erfMeinungen auf. Beide sind seit dem 6. September vollkommen isoliert im Kaiser-Franz-Joseph-Spital in Wien. Die Herkunft der Infektion ist bisher trotz gepflogener Erhebungen unauf­geklärt. Die notwendigen Maßnahmen wurden am 6. Sep­tember, als sich der Verdacht auf Cholera ergab, getroffen.

Rom, 8. Sept. Während der letzten 24 Stunden wurden in Apulien 11 Erkrankungen und 6 Todesfälle an Cho- ler a festgeftellt.

Petersburg, 8. Sept. Der Medizinalbeamte, der in Odessa die Maßregeln zur Bekämpfung der P e st e p i d e - mie leitet, meldet telegraphisch dem Ministerium des Innern, auf allen aus Odessa auslaufenden Schiffen würden die Natten ausgerottet und die Passagiere und die Mannschaft vor Abgang der Schiffe von Aerzten untersucht werden. Aus dem Bahnhof Odessa würden alle Züge vor Abgang von Aerzten inspiziert und in allen Räumlichkeiten des Bahnhofs sowohl wie in den Depots alle Ratten vernichtet.

gegen den Kaufmann M. Sch. in Friedberg lautete 200 Mark Geldstrafe eventl. 20 Tage Gefängnis für einen Fall und für den anderen auf 3 00 Mark eventl. 30 Tagi Gefängnis. Die Veröffentlichung des Urteils hat auf Kosten ho; Angeklagten in den zwei Friedberger Zeitungen, in denen bi; Annoncen erschienen sind, zu erfolgen. Das Urteil hebt hervor, der Angeklagte habe das Publikum dadurch irregeführt, daß er in

8. Offenbach a. M., 8. Sept. Die Fleischteue- rnng hat die sozialdemokratische wie die nationalliberale ^tadtverordneten-Fraktion veranlaßt, für die auf heute abend einberufene Stadtverordnetensitzung dringliche An- Iräge einzubringen. In ihnen wird die Bürgermeisterei ersucht, bei der Großh. Regierung dahin zu wirken, das; diese im Bundesrat unverzüglich und mit Nachdruck auf «geeignete Maßnahmen Hinwirte, um dem vorhandenen Not­stand zu begegnen. Als solche Maßnahmen werden erachtet: die Oesfnung der Grenzen für die Einfuhr von lebendem Vieh gegenüber den Ländern, die diesem Verkehr noch ver­schlossen sind, ferner die Ermäßigung, bezw. Aufhebung der Bieh-, Getreide- und Futtermittelzölle (im natlib. Antrag nur der Futtermittclzöllef und die Ermäßigung der gegenwärtigen Eisenbahnfrachtsätze für Vieh und Futter­mittel (nur im sozialdemokratischen Antrag). Der narional- liberale Antrag fordert außerdem nochErleichterung der sanitären Vorschriften für die Einfuhr von geschlachteten Tieren, frischem Fleisch und Fleisch- und Wurstwaren aller Art". Da die Stadtverordnetenversammlung heute nicht beschlußfähig war, kamen diese Anträge nicht zur Beratung. Es wurde eine neue Sitzung auf nächsten Dienstag an­beraumt, die für die Gebenstände der heutigen Tagesord­nung auch dann beschlußfähig ist, wenn nicht die Hälfte der gesetzlichen Zahl von Stadtverordneten anwesend ist.

N. Mainz, 8. Sept. In der hiesigen Gegend treibt in letzter Zeit ein Reisender sein Unwesen, der sich von Leuten Photographien geben läßt, die er kostenlos um sein Geschäft einzuführen zu vergrößern verspricht. 9llß einzige Gegenleistung verlangt er, daß man ihm die Auslagen für die Verpackung. Porto usw. bei Empfang der Bilder bezahlen soll. Zu diesem Zweck führt er Schriftstücke bei sich, die die Leute unterzeichnen müssen. Nach einiger Zeit kommt dann ein Bild an, für dessen wertlose Ausführung und schlechten Nahmen sie 1520 Mk. bezahlen müssen.

? Aus Mainz teilt uns unser Mitarbeiter folgen­des hübsches Geschichtchen mit: In der Nähe des Holz­turmes spielen zwei Buben miteinander und kommen nach -einiger Zeit wie das so geht hintereinander. Nach­dem sie sich eine zeitlang gebalgt haben, ruft der eine mit Ausbietung aller Lungenkrast: Ach Du Schepper! ein Aus­druck, der hier für verwachsene Leute gang und gäbe ist. Der andere faucht wütend, indem kommt fein Bruder, dem er sofort die Schmach mitteilt. Der Rächer seiner Ehre nimmt ihn bei der Hand und geht mit ihm zu der fOhitter des inzwischen ausgerückten Ehrabschneiders, die gerade an der Tür steht, und sagt zu ihr im vollen Brustton seines .Ritteramtes: Madame, wann eiern Schepper unfern 'Schepper noch einmal Schepper schennt, fchennt unser iSchepper eieüu Schepper solang Schepper, bis eier Schep­per unfern Schepper nit mehr Schepper fchennt.

= Mainz, 8. Sevt Dienstag, 13. September, nachmittags 4 Uhr, findet Wer im Hotel Pfälzer Hoi eine Versammln n q aller hessischen Kaffehausbesitzer statt.

+ Fronhausen, 8. Sept. In Alten verS machte gestern ein Mädchen seinem Leben durch Erhängen ein Ende.

Kirche rind Schule.

x. Lauterbach. Am Mittwoch fand in Eisenbach Die Synode des Dekanats Lauterbach statt. In dem Gottesdienst, der der Tagung vorausging, predigte Pfarrer Gr a u- l.ing-Engelrod und legte im Anschluß hieran den Synodalen eindringlich an's Herz:Seid treu im Glauben, wacker in der Zrbett und freudig im Blick auf die Hilfe des Herrn." Nach Beendigung des Gottesdienstes trat man in die geschäftlichen Verhandlungen ein. Der vom Dekanatsausschuß erstattete Jahres­bericht lag gedruckt vor, und ergab un allgemeinen ein erfreuliches Bild des kirchlick)-religiös-ftttlichen Zustandes der Gemeniden. Es ist hervorzuheben, daß der Kirchen- und Abendmahlsbesuch eine Heine Zunahme erfahren hat. Tauf- und Konfirmationsverwei­gerungen kamen keine vor. Pfarrer K n o 11-Wallenrod hielt sodann einen hochinteressanten Vortrag über:Friedens- vereine auf dem Land e." Erwähnenswert ist ferner, daß die Einrichtung einer Krankenpflegestation auf dem höheren Vogels­berg für nächstes Jahr beschloßen wurde, was von den betr. Dorfgemeinden mit Freuden begrüßt werden wird. In einer Ersatzwahl für ein stellvertretendes Mitglied zum Dekanatsaus­schuß wurde Bürgermeister Stopler-Lauterbach gewählt. Schließ­lich faßte die Synode folgende Entschließung:

Die heute tagende Synode des Großh. evangel. Dekanats Lauterbach richtet einstimmig an Großh. Ober-Konsistorium die Bitte, die in § 138 der Kirchenverfasfung in Aussicht gestellte Neuregelung der kirchlichen Vermögensverwaltung im Sinne einer größeren Bewegungsfreiheit b c r Kirchen gemeinden baldmöglichst zu bewerkstelligen."

Mit dem Gesang vonAch bleib mit deiner Gnade" schloß die Synode; ein Mittagessen schloß sich an.

Leicht abgeholfen. Schneiderlehrling (der einem Studenten einen Anzug bringt):Mein Herr bat aber gesagt, ohne Geld dürfe ich ihn nicht da lassen." Student:Hier, ^unge, baft du zwanzig Pfennig Trinkgeld, jetzt kannst du ihn also ruhig da lassen."

Kleine Tageschronik.

In dem Arbeiterviertel Brüssels wurde eine auf- iallendgroße Zahl Typhuskranker festaestellt: auch be- iinden silch in den Spitälern bereits 100 Kranke; zwei Personen sind gestorben. Die Krankheit wird auf übermäßigen Genuß roher Muscheln zurückgeführt.

Nach einer Meldung aus Fort Monroe find auf dem LinienschiffNorth Dakota" in der Gegend von Ozean City die pe t1 § i n Brand geraten. Ein Lazarettschiff ist zur

Hilfeleistung abgegangen. Eine nicht amtliche Depesche meldet, daß bei dem Brand drei Mann den Tod gesunden und elf Mann Verletzungen erlitten haben.

Bei der Radwettfahrt S est o F i e r e nt in o fuhr das Automobil der Jury gegeneinenPrellsteinund stürztL um. Der Lenker ist tot, drei Mitglieder der Jury und zwei Journalisten wurden schwer verwundet.

Der Hüttenwart der Omyhütte in Wallis wurde das Opfer emes Mordversuchs. Ein Wanderer, der die Klubkasse in der Hütte gestohlen hatte und deswegen vom HüttLN- wart versolgt wurde, gab auf ihn einen Pistolenschuß ab, der ihn ul den Hals traf.

19 bulgarische Offiziere eines an den Manovern teihtefrrnenhen Infanterieregiments erkrankten nach dem Genüsse des Mittag­essens schwer.

Nunsi und Wissenschaft.

Das Befinden des Schau spiele rsKainz hat sich wesentlich verschlimmert. Die> Morgenblätter melden aus Wien: Zu dem Krebs lei den, an dem Kainz leidet, ist B l ii t v e r g i s t u n g getreten. Da Kainz in den letzten Tagen wiederholt nach seinem Freunde Paul Lindau verlangte, ist dieser von Berlin nach Wien nbaereift.

Kurze Nachrichten as Kunst u. Wissenschaft. Der früher am Mainzer Stadttheater beschäftigte Kapellmeister Eugen Gottlieb, der auch während der Erkrankung des Hof­rats Steinbach dessen Stelle vertrat, ist in der kommenden Spielzeit als musikalischer Leiter des Wagner'schenRing des Nibelungen" an das Teatro Real in Madrid berufen. Professor Dr. Brauer (Marburg) wurde zum Direktor des Eppendorfer Krankenhauses in Hamburg ernannt. Der o. Professor für Deutsches Recht, Kirchen- und Staatsrecht, Dr. Emil Fried­berg, Senior der juristischen Fakultät und Ehrenbürger von Leipzig, ist heute im Alter von 74 Jahren gestorben. 'Wie die Münchner Zeitung" meldet, verlieh der Prinzregent aus Anlaß der diesjährigen Festspiele dem Hofoperndirektor Felix Mottl den Titel eines Kgl. Geheimen Hofrats, ebenso eine Reihe weiterer Auszeichnungen an die Mitwirkenden. Der Meteorologe Dr. Eckhard, der bisher an der Wetterwarte zu Aachen als Assistent tätig war, wird zum 1. Oktober an die Wetterwarte Well bürg versetzt, um dort klimatologische Landesaufnahmen für die Provinz Hessen-Nassau zu bearbeiten. Der preußische Unterrichtsminister ist der Bitte des platweittschen Verbandes, des 100jährigen Ge­burtstages Fritz Reuters in den Schulen gedenken zu lassen, insofern nachgekommen, als er angeordnet hat, daß am 7. November im Unterricht auf Fritz Ratter Bezug genommen werde. In Reichenhall starb der Geheime Hofrat Pro­fessor Hermann B r e y m a n n aus Oker im Harz, Ordinarius für römische und englische Phllologie an der Universstät München, im Mer von 67 Jahren.

sj Marburg, 8. Sept. Gestern abend wurde hier ein 16jähriger Bursche festgenommen, der in Climbach bei ein SittlichkeitZ-

Lllstschiffahrt.

Mn netzen, 9. Sept.P. 6" machte gestern bei schönem Wetter um 4 Uhr nachmittags die erste Fahrt nach Ober­ammergau. Das Luftschiff erschien dort um 5 Uhr 14 Mn., fuhr unter dem Jubel der Bevölkerung mehrere Schleifen und kehrte dann ohne Aufenthalt nach München zurück, das um 7 Uhr 25 Min. erreicht wurde. Auf der Spitze der Ballonhalle brannte zum ersten Male eine 3000 Kerzen starke Quarzlampe, die vom Luftschiff aus 20 Kilometer gesichtet wurde. An der Fahrt nahm auch ein siebenjähriger Junge, der Sohn des Geschäftsführers der Parseval-Gesellschaft, teil. Der Knabe erhielt von der Ge­sellschaft eine Erinnerungsmedaille als jüngster Luftschiffer.

Wiener-Neustadt, 8. Sept. Als beim heutigen Preis­fliegen Adolf Warchalowski mit dem Erzherzog Leopold Salvator als Begleiter aufstieg, streifte sein Apparat den gleich­zeitig aufsteigenden Karl Warchalowski, dessen Maschine z u Böden stürzte und zertrümmert wurde. Karl Warckw- lowski erlitt einen^Schenkelbr u ch.

Paris, 8. Sept. Der Flieger Weymann, der gestern abend 7 Uhr mit seinem Fluggefährten nach einem Fluge von 390 Kilometern schließlich in Volvie, etwa zehn Mometer von Clermont-Ferrand landete und der durch ein heftiges Unwetter verhindert worden war, sein Ziel, den Puy de Dome, zu erreichen, hat die Apsicht, heute auf den Gipfel des Berges zu fliegen. Er wird den Flug ParisPuy de Dome demnächst bei gün­stigerem Wetter von neuem versuchen.

Boston, 8. Sept. Im Fliegerrennen gewann der Engländer Graham White den vom Boston ©lobe gestifteten Preis von 10 000 Dollars für einen Flug vom Universitäts­gebäude in Cambridge nach dem Bostoner Hasen und zurück.

Jssy-les-Moulineaux, 8. Sept. Der Flieger Cha­vez brach heute den Welthöhenrekord, indem er mit seinem Ein­decker bis zu 2680 Meter Hohe emporstieg.

Vermißtes»

* Das neue Feldgrau. Erst jetzt, so schreibt ein alter Militär, der nach der Danziger Kaiser Parade eine Fahrt durch bas Brigade- und Divisions-Feldübungsgelände der kaisermanov ricrenben 1. und 17. Armeekorps getan hat, erst jetzt, wo ganze Regimenter und Brigaden unsere zukünftige Kriegsuniform tragen, zeigt sich das deutsche Feldgrau in ferner Brauchbarkeit Mit dem halbhohen Jnfanteriestiesel wirtt sogar diese schlichte Uniform sehr flott. Der Umlegekragen mit der weichen Binde erlaubt schnelles und gutes Verpassen. Ueberraschend gut sehen die Husaren und Ulanen, aus. Als fals ch wird bald genug wohl die Beibehaltung der silbernen und goldenen Ab­zeichen, der Achselstücke, Feldbinden und Tressen der Chargen erkannt werden. So ist vor allem eine breite silberne A d j u - t ant en-Schulter schä rbe sicherlich ein ebensolches feld- mäßiges Unding wie des weiteren die im Hinblick auf das Kaiser- manöüer von vielen Offizieren angelegten breiten Ordens- schnallen, die in ihrem blendend-neuen Glanze geradezu ein Ziel Hilfs mittel für den feindlichen Schützen' bieten und zumguten Abkommen" auf den Gegner einladen. ?kuch der weit sichtbare rote pp. Streifen an der Feldmütze muß wohl fünftig wegfallen. Eine schmale Einfassung wie am Kragen und an den Aufschlägen genügt für die Unterfdxibaniq völlig.

* Pariser Modeneuheiten. Aus Paris wird ge­schrieben: Wenn auch die Mode inbezug auf Winteriieu- heilen noch etwas zurückhaltend ist, eines läßt sich jetzt sckwn mit Gewißheit Voraussagen: Die Hüte nehmen ab! Frei­

bahn vom Gutsbesitzer Hoffmann zu erwerben, trotz­dem der Antrag kürzlich abgelehnt wurde, noch nicht fallen gelassen. 91 rn nächsten Mittwoch werden sich die Stadt­verordneten nochmals darüber schlüssig zu machen haben, ob sie gewillt sind, da§ Gelände, dessen Kaufpreis 294 114 Mk. betragen soll, für die Stadt zu erwerben. Es sollen dort Bauplätze für kleine Villen abgegeben werden.

Frankfurt a. M., 8. Sept. Die Stadtv erord-1 netenversammlung beschäftigte sich heute mit einem vollsparteiltchen Antrag zur Beseitigung der Fl ei sch not, sah aber von einer Beschlußfassung ab, da der M a g i st r a t bereits eine Ein g a b e an die zuständigen Behörden gerichtet hat, worin auf die durck> die Fleisch-, teuerung hervorgerufene Beunruhigung hingewiesen und um Abhilfe gebeten wird. Von sozialdemokratischer Seite wurden die Bedingungen zur Sprache gebracht, die die F e st h a l l e n g e s e l l s ch a f t für Benutzung der Halle zu einer Massenversammtung am 11. September gestellt hatte und schärfste Mißbilligung beantragt. Der Antrag wurde jedoch zurückgezogen zugunsten einer vvn dem Stadtv. Goll (Volkspartei' beantragten Erklärung. Darin spricht die Versammlung ihr Bedauern über die Bedingungen aus, die als Beschränkung der freien Meinungsäußerung auf- gefaßt werden müßten, und wünscht, daß' die Festhalle in Zukunft allen politischen Parteien überlassen werde. Diese Erklärung wurde gegen die Stimmen der Nationalliberalen und Wdittelständlec angenommen.

X. $ an an, 8. Sept. In der heutigen Sitzung bei Stadtverordnetenversammlung wurde ein fünfgliedriger Aus­schuß gewählt, welcher den Auftrag erhielt, in Gemeinschas, mit dem Magistrat eine Eingabe auszuarbeiten, in der die Regierung aufgefordert werden soll, auf eine Minde­rung der Fleischteneru ng hinzuwirken. Ferner rourbc bet Ausbau der achtklassigen Drittelschule zu einer neun- klassigen von Ollern 1911 ab beschlossen.

Cronberg, 8. Sept. Bon einem Automobil wurden heute abend gegen 6 Uhr auf der Chaussee zwischen König­stein und Cronberg der 52 Jahre alte blinde Privatier Franz Münzet und sein Bruder Eduard über­fahren. Beide achteten nicht auf die andauernd von dem Chauffeur gegebenen .Hupensignale, und als das Automo­bil, das mit einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern ftihr, dicht an den Brüdern vorbeifahren wollte, machte Franz Münzet eine Schwenkung und rannte buchstäblich in den Wagen. Er war auf der Stelle tot, während sein Bruder nur geschleift wurde und keinerlei ^Verletzungen erlitten haben dürfte. Das Automobil gehört dem Ban Her Gans aus Frankfurt a. M.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 9. Sept.

Das Urteil wegen unlauteren Wettbewerbs